Wenn der Darm kein Eisen aufnimmt
Zöliakie, Helicobacter pylori, Reizdarm und andere Aufnahmestörungen: warum manche Menschen Eisenmangel haben, obwohl sie genug Eisen essen, und welcher Weg dann sinnvoll sein kann.
Es gibt Menschen, die alles richtig machen. Sie essen eisenreich, nehmen brav ihre Tabletten, und trotzdem bleibt der Speicher leer. Der Grund liegt dann oft nicht auf dem Teller, sondern im Darm. Wenn die Schleimhaut entzündet ist, die Magensäure fehlt oder ein Stück Darm umgangen wurde, kommt das Eisen schlicht nicht an. Dieser Beitrag zeigt, welche Aufnahmestörungen dahinterstecken, wie man sie findet und warum eine Infusion in dieser Lage ein sinnvoller Weg sein kann.
Ein leerer Eisenspeicher trotz guter Ernährung ist kein Versagen und keine Einbildung. Er ist ein Hinweis. Meist sagt er: Schau auf den Weg, den das Eisen nimmt, nicht nur auf die Menge. Wer den Darm übersieht, füllt einen Eimer mit Loch im Boden.
Eisenmangel hat im Wesentlichen drei große Wege: Der Körper verliert Eisen, er braucht mehr, oder er nimmt zu wenig auf. Die ersten beiden Wege beschreibt der Beitrag zu den Eisenmangel-Ursachen ausführlich. Hier geht es ganz gezielt um den dritten Weg, die gestörte Aufnahme, und zwar um die Erkrankungen, die genau diesen Weg blockieren.
Wo Eisen aufgenommen wird, und warum das so leicht stört
Eisen aus der Nahrung wird vor allem im obersten Dünndarmabschnitt aufgenommen, im Zwölffingerdarm und dem oberen Leerdarm. Damit das funktioniert, müssen mehrere Dinge zusammenspielen. Der Magen liefert Säure, die das Eisen aus der Nahrung löst und in eine besser aufnehmbare Form bringt. Die Dünndarmschleimhaut braucht intakte Zotten, also die feinen Ausstülpungen, über die der Stoffaustausch läuft. Und der Körper darf nicht in einem Dauerentzündungszustand sein, der die Aufnahme über das Hormon Hepcidin abriegelt.
Fällt nur ein Glied dieser Kette aus, sinkt die Aufnahme. Genau hier setzen die Erkrankungen an, um die es jetzt geht. Manche schädigen die Schleimhaut, manche nehmen dem Magen die Säure, manche entzünden den ganzen Darm. Das Ergebnis ist dasselbe: Das Eisen liegt im Darm und kommt nicht ins Blut.
Zöliakie
Glutenbedingte Schädigung der Dünndarmzotten
Helicobacter pylori
Chronische Magenentzündung, veränderte Säure
Atrophische Gastritis
Magenschleimhaut bildet zu wenig Säure
Morbus Crohn & Colitis
Entzündung plus Blutverlust plus Hepcidin
Reizdarm & SIBO
Verstecktes hinter Reizdarm-Beschwerden
Nach Bariatrie
Aufnahmeort umgangen, Säure reduziert
Zöliakie: der Klassiker der stillen Aufnahmestörung
Viele Menschen mit Zöliakie denken zuerst an Bauchschmerzen, Durchfall und Blähungen. Doch ein beträchtlicher Teil hat genau das nicht. Bei ihnen meldet sich die Erkrankung über andere Wege, und einer der häufigsten ist ein hartnäckiger Eisenmangel. Das passt zur Biologie: Bei Zöliakie greift das Immunsystem nach Kontakt mit Gluten die Dünndarmschleimhaut an. Die Zotten flachen ab, genau dort, wo Eisen aufgenommen wird. Die Aufnahmefläche schrumpft, und mit ihr die Eisenmenge, die ins Blut gelangt.
Eine systematische Übersicht mit Meta-Analyse über 18 Studien und 2998 Menschen mit Eisenmangelanämie untersuchte, wie oft eine bioptisch gesicherte Zöliakie dahintersteckt. Im gepoolten Ergebnis lag die Häufigkeit bei rund 3,2 Prozent, in den qualitativ besten Studien bei etwa 5,5 Prozent. Das entspricht ungefähr einem von 31 Betroffenen.
Was das für dich bedeutet: Bei einem unerklärten oder hartnäckigen Eisenmangel gehört eine Zöliakie-Abklärung in den diagnostischen Werkzeugkasten, auch ohne typische Bauchbeschwerden.
Mahadev S et al. Gastroenterology. 2018;155(2):374-382.e1. DOI: 10.1053/j.gastro.2018.04.016 [Meta-Analyse]Das Tückische daran: Solange das Gluten im Spiel bleibt, kann jede Eisentablette gegen eine geschädigte Schleimhaut anlaufen. Wird die Zöliakie dagegen erkannt und konsequent glutenfrei gegessen, erholt sich die Schleimhaut oft, und die Eisenaufnahme kann sich bessern. Deshalb ist die Suche nach der Zöliakie hier nicht nur Diagnostik, sondern oft schon der erste Schritt der Behandlung.
Ein Eisenmangel, der trotz Tabletten immer wiederkommt, ist selten ein Zeichen von zu wenig Eisen. Häufig ist er ein Zeichen, dass eine Frage noch offen ist. Die Zöliakie ist eine dieser Fragen, die man stellen darf, bevor man die Dosis immer weiter erhöht.
Helicobacter pylori: der Untermieter im Magen
Helicobacter pylori ist ein Bakterium, das sich in der Magenschleimhaut einnistet. Sehr viele Menschen tragen es in sich, oft ohne es zu wissen. Es kann eine chronische Entzündung der Magenschleimhaut unterhalten und die Säureproduktion verändern. Beides greift in die Eisenaufnahme ein. Weniger nutzbare Säure bedeutet, dass Nicht-Häm-Eisen schlechter gelöst und aufgenommen wird. Zusätzlich verbraucht das Bakterium selbst Eisen und die chronische Entzündung schiebt das Hepcidin nach oben.
Eine aktualisierte systematische Übersicht mit Meta-Analyse fand bei einer Helicobacter-pylori-Infektion ein erhöhtes Risiko für eine Eisenmangelanämie, mit einem gepoolten Quotenverhältnis von etwa 1,72. Auch das Risiko für einen reinen Eisenmangel ohne Anämie war erhöht.
Was das für dich bedeutet: Bei wiederkehrendem Eisenmangel ohne andere Erklärung kann der Magen ein lohnender Untersuchungsort sein.
Hudak L et al. Helicobacter. 2017;22(1):e12330. DOI: 10.1111/hel.12330 [Meta-Analyse]Eine Meta-Analyse von acht randomisierten Studien mit 800 Teilnehmenden verglich Eisentherapie allein mit Eisentherapie plus Behandlung des Bakteriums. Die zusätzliche Behandlung von Helicobacter pylori ließ die Ferritinwerte in den ersten Monaten schneller ansteigen.
Was das für dich bedeutet: Wenn das Bakterium nachgewiesen ist und der Eisenmangel hartnäckig bleibt, kann seine Behandlung der Eisentherapie auf die Sprünge helfen. Die Entscheidung dazu trifft man ärztlich, denn nicht jeder Nachweis muss behandelt werden.
Zhang ZF et al. Chin Med J (Engl). 2010;123(14):1924-30. PMID: 20819579 [RCT-Meta-Analyse]Atrophische Gastritis und der unterschätzte Magen
Damit Eisen gut aufgenommen wird, hilft ein saures Milieu im Magen. Es gibt aber einen Zustand, bei dem die Magenschleimhaut nach und nach ausdünnt und immer weniger Säure bildet, die sogenannte atrophische Gastritis. Sie kann als Spätfolge einer langjährigen Helicobacter-Infektion entstehen oder als autoimmune Form, bei der das Immunsystem die säurebildenden Zellen angreift. In beiden Fällen sinkt die Säure, und mit ihr die Eisenaufnahme.
Die autoimmune Form ist besonders interessant, weil sie häufig mit anderen Autoimmunthemen zusammen auftritt, etwa der Schilddrüse. Sie betrifft auch die Aufnahme von Vitamin B12. Deshalb finden sich hier manchmal zwei Mangelzustände nebeneinander, die beide aus demselben Magen kommen.
Eine Übersichtsarbeit zum schwer behandelbaren Eisenmangel nennt die autoimmune atrophische Gastritis und die Helicobacter-pylori-Infektion ausdrücklich als Ursachen, die über eine verminderte Eisenaufnahme im Darm wirken. Sie beschreibt zudem, wie eine dauerhaft erhöhte Hepcidin-Aktivität die Aufnahme von oralem Eisen ausbremsen kann.
Was das für dich bedeutet: Wenn orales Eisen nicht anschlägt, lohnt der Blick auf den Magen und auf das Zusammenspiel von Säure und Hepcidin, nicht nur auf die Dosis der Tablette.
Kawabata H. Rinsho Ketsueki. 2016;57(2):104-9. DOI: 10.11406/rinketsu.57.104 [Übersichtsarbeit]Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: drei Probleme auf einmal
Bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa kommt der Eisenmangel über mehrere Wege gleichzeitig. Erstens kann die entzündete, teils blutende Schleimhaut Eisen verlieren. Zweitens kann die Aufnahme im betroffenen Darmabschnitt gestört sein. Und drittens hält die chronische Entzündung das Hepcidin hoch, sodass selbst vorhandenes Eisen schlecht verfügbar wird. Diese Mischung aus echtem Mangel und entzündungsbedingter Blockade macht das Thema hier besonders verzwickt.
Ein Cochrane-Review über elf randomisierte Studien mit 1670 Teilnehmenden untersuchte die Behandlung der Eisenmangelanämie bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Intravenöses Eisen führte häufiger zu einem Ansprechen als orales Eisen, und unter Tabletten kam es öfter zu Abbrüchen wegen Nebenwirkungen.
Was das für dich bedeutet: Gerade wenn der Darm ohnehin entzündet und gereizt ist, kann der Weg über die Vene schonender und wirksamer sein als die Tablette, die genau diesen Darm zusätzlich belastet.
Gordon M et al. Cochrane Database Syst Rev. 2021;1(1):CD013529. DOI: 10.1002/14651858.CD013529.pub2 [Cochrane-Review]Eine zweijährige Verlaufsstudie an 300 Menschen mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung fand, dass über die Hälfte im Beobachtungszeitraum eine Anämie hatte. Häufig war es eine Mischform aus Eisenmangel und entzündungsbedingter Anämie.
Was das für dich bedeutet: Bei CED ist Anämie keine Randnotiz, sondern ein häufiger Begleiter, der eigene Aufmerksamkeit verdient und nicht als unvermeidlich abgetan werden sollte.
Bager P et al. Scand J Gastroenterol. 2013;48(11):1286-93. DOI: 10.3109/00365521.2013.838605 [Kohorte]Reizdarm und SIBO: was sich dahinter verbergen kann
Hier ist eine ehrliche Einordnung wichtig. Ein Reizdarm im eigentlichen Sinn schädigt die Darmschleimhaut nicht und ist selten eine direkte Ursache für Eisenmangel. Trotzdem lohnt das Thema, denn hinter Reizdarm-typischen Beschwerden wie Blähungen, wechselndem Stuhlgang und Bauchschmerzen kann sich etwas anderes verbergen, das sehr wohl mit der Eisenaufnahme zu tun hat.
Eine Zöliakie etwa wird häufig zunächst als Reizdarm fehlgedeutet, weil sich die Beschwerden ähneln. Und eine Dünndarmfehlbesiedlung, im Fachjargon SIBO genannt, kann mit Reizdarm-ähnlichen Symptomen einhergehen. Bei SIBO siedeln sich zu viele Bakterien im Dünndarm an, die in die Verdauung und Aufnahme von Nährstoffen eingreifen können. Die Datenlage zum direkten Zusammenhang von SIBO und Eisenmangel ist noch begrenzt, der Mechanismus aber plausibel.
Die Diagnose Reizdarm ist wichtig und oft richtig. Sie sollte aber kein Schlusspunkt sein, wenn gleichzeitig ein hartnäckiger Eisenmangel besteht. Reizdarm plus unerklärter Eisenmangel ist ein Anlass, genauer hinzuschauen, ob nicht eine Zöliakie oder eine andere Aufnahmestörung mit im Spiel ist. Aus integrativer Sicht schauen wir hier gern auf den Darm als Ganzes, ohne den schulmedizinischen Ausschluss ernster Ursachen zu überspringen.
Nach Magen- und Darmoperationen
Manche Aufnahmestörungen sind die Folge eines Eingriffs. Bei bariatrischen Operationen zur Gewichtsreduktion, etwa einem Magenbypass, wird der Magen verkleinert und ein Teil des oberen Dünndarms umgangen, genau der Abschnitt, in dem Eisen aufgenommen wird. Zusätzlich sinkt die saure Vorverdauung. Beides zusammen macht Eisenmangel zu einer der häufigsten Langzeitfolgen solcher Operationen.
Die Ernährungsleitlinie der amerikanischen Fachgesellschaft für metabolische und bariatrische Chirurgie führt Eisenmangel als bekannte und häufige Folge nach Eingriffen wie dem Magenbypass auf. Sie empfiehlt regelmäßige Kontrollen und eine gezielte Substitution, weil die normale Aufnahme über den Darm dauerhaft eingeschränkt ist.
Was das für dich bedeutet: Wer eine solche Operation hatte, sollte seine Eisenwerte langfristig im Blick behalten. Wenn die Aufnahme baulich eingeschränkt ist, stößt die Tablette schnell an Grenzen.
Parrott J et al. Surg Obes Relat Dis. 2017;13(5):727-741. DOI: 10.1016/j.soard.2016.12.018 [Fachgesellschafts-Leitlinie]Ähnliches gilt nach Teilentfernungen des Magens aus anderen Gründen. Immer dann, wenn Säure oder Aufnahmefläche dauerhaft fehlen, ist die orale Eisenaufnahme strukturell begrenzt. Das ist keine Frage von gutem oder schlechtem Willen, sondern von Anatomie.
Wie man eine Aufnahmestörung findet
Die gute Nachricht: Eine Aufnahmestörung lässt sich strukturiert eingrenzen. Es geht dabei nicht um wahllose Tests, sondern um eine Reihenfolge, die mit dem Wahrscheinlichsten beginnt. Welche Schritte sinnvoll sind, hängt von Vorgeschichte, Beschwerden und Voruntersuchungen ab und gehört in ärztliche Hände.
- Eisenstatus richtig lesen. Ferritin für den Speicher, Transferrinsättigung für die aktuelle Versorgung und ein Entzündungswert wie CRP, weil Ferritin bei Entzündung mit ansteigen kann.
- Zöliakie-Antikörper im Blut. Ein einfacher Bluttest auf bestimmte Antikörper ist oft der erste Schritt bei unerklärtem Eisenmangel, idealerweise solange noch glutenhaltig gegessen wird.
- Helicobacter pylori testen. Über Atemtest, Stuhltest oder im Rahmen einer Magenspiegelung, je nach Situation.
- Magen- und Darmspiegelung erwägen. Besonders bei Männern und bei Frauen nach den Wechseljahren, um Blutungsquellen, Zöliakie, Gastritis und Entzündungen direkt zu beurteilen.
- Entzündung im Darm prüfen. Etwa Calprotectin im Stuhl als Hinweis auf eine entzündliche Darmerkrankung.
Die Leitlinie der amerikanischen Gastroenterologie-Fachgesellschaft empfiehlt bei Eisenmangelanämie ohne offensichtliche Ursache eine gezielte Magen-Darm-Abklärung samt Zöliakie-Testung. Sie nennt zudem einen Ferritin-Schwellenwert von 45 statt 15 Mikrogramm pro Liter als sinnvolleren Hinweis auf einen Eisenmangel.
Was das für dich bedeutet: Der alte Grenzwert von 15 bildet keinen funktionellen Optimalwert ab. Schon scheinbar normale Werte können zu niedrig sein, und die Ursachensuche bleibt zentral.
Ko CW et al. Gastroenterology. 2020;159(3):1085-1094. DOI: 10.1053/j.gastro.2020.06.046 [Behördendokument]Warum eine Infusion hier ein sinnvoller Weg sein kann
Wenn der Aufnahmeweg im Darm blockiert ist, gerät die orale Eisengabe an eine logische Grenze. Eine Tablette muss durch genau den Darm, der das Problem ist. Genau hier liegt der nüchterne Vorteil der Infusion: Sie umgeht den Darm und bringt das Eisen direkt in den Blutkreislauf. Bei einer gesicherten Aufnahmestörung ist das oft kein Luxus, sondern der Weg, der zur Ursache passt.
Wichtig ist die Einbettung. Eine Infusion ist dann ein guter Weg, wenn die Indikation stimmt und eine Eisenüberladung, etwa bei der erblichen Hämochromatose, vorher ausgeschlossen wurde. Sie gehört in eine Umgebung mit guter Überwachung während und nach der Gabe und mit einem modernen Präparat. Der schlechte Ruf, den Eiseninfusionen mancherorts noch haben, stammt überwiegend aus der Zeit alter, hochmolekularer Präparate mit höherer Reaktionsrate. Moderne Mittel sind anders einzuordnen. Das ist keine Abwertung vorsichtiger Kolleginnen und Kollegen, sondern eine Frage des Wissensstands.
Bei einer Aufnahmestörung ist die Infusion nicht die Abkürzung, sondern die passende Antwort auf eine blockierte Aufnahme im Darm. Sie behandelt nicht den Speicher gegen den Darm, sondern an ihm vorbei. Die zugrunde liegende Erkrankung, ob Zöliakie, Helicobacter oder Entzündung, gehört dabei trotzdem mitbehandelt. Sonst füllt man zwar den Speicher, aber das Loch im Boden bleibt.
In der Praxis ViveCura in Berlin arbeiten wir an der Schnittstelle von klassischer und integrativer Medizin: in der Erschöpfungs- und Hormonsprechstunde, in der Darm- und Stoffwechselbegleitung und bei der ärztlichen Begleitung von Eisentherapien. Gerade beim Thema Aufnahmestörung sitzen diese drei Bereiche dicht beieinander. Eine sinnvolle Reihenfolge fängt mit den Grundlagen an: erst die Ursache im Darm eingrenzen, dann gezielt auffüllen, dann die Ursache mitbehandeln.
Und jetzt weißt du, warum
Wenn du genug Eisen isst, deine Tabletten nimmst und trotzdem nicht weiterkommst, liegt das selten an dir und selten an zu wenig Eisen. Häufig liegt es daran, dass der Weg ins Blut gestört ist. Zöliakie, Helicobacter, ein säurearmer Magen, eine entzündete Darmschleimhaut oder eine veränderte Anatomie nach Operation sind die üblichen Verdächtigen. Du darfst die Frage stellen: Kommt mein Eisen überhaupt an? Diese Frage ist oft der Wendepunkt, an dem aus erfolglosem Auffüllen eine Behandlung wird, die an der richtigen Stelle ansetzt.
Häufige Fragen zur Eisenaufnahme im Darm
Warum habe ich Eisenmangel, obwohl ich genug Eisen esse?
Wenn die Aufnahme im Magen-Darm-Trakt gestört ist, kommt trotz guter Ernährung zu wenig Eisen im Blut an. Häufige Gründe sind Zöliakie, eine Helicobacter-pylori-Infektion, eine chronische oder autoimmune Magenschleimhautentzündung, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sowie ein Zustand nach Magen- oder Darmoperationen. Bei hartnäckigem Eisenmangel lohnt der gezielte Blick auf den Darm.
Kann Zöliakie der Grund für meinen Eisenmangel sein?
Ja. Bei Zöliakie ist die Dünndarmschleimhaut entzündet, genau dort, wo das meiste Eisen aufgenommen wird. Ein hartnäckiger Eisenmangel kann das erste und manchmal einzige Zeichen sein, lange bevor Bauchbeschwerden auffallen. In einer Meta-Analyse über knapp 3000 Menschen mit Eisenmangelanämie fand sich bei etwa einem von 31 eine bis dahin unerkannte Zöliakie.
Was hat Helicobacter pylori mit Eisenmangel zu tun?
Das Magenbakterium kann die Magenschleimhaut chronisch entzünden und die Magensäure verändern. Beides kann die Eisenaufnahme bremsen. In Studien ist eine Infektion mit einem erhöhten Risiko für Eisenmangel verknüpft. Eine Behandlung des Bakteriums zusätzlich zur Eisengabe kann die Ferritinwerte schneller steigen lassen.
Warum wirken Eisentabletten bei mir nicht?
Eisentabletten setzen voraus, dass Magen und Darm das Eisen aufnehmen können. Ist genau dieser Weg gestört, etwa durch Zöliakie, fehlende Magensäure oder eine Entzündung, kann das Eisen trotz täglicher Einnahme im Darm liegen bleiben. Eine Aufnahmestörung ist eine der häufigsten Erklärungen, wenn orale Eisengabe nicht anschlägt. Mehr zu Verträglichkeit und Grenzen der Tablette im Beitrag zu Eisentabletten-Nebenwirkungen.
Welche Untersuchungen klären eine Aufnahmestörung ab?
Sinnvolle Richtungen sind die Zöliakie-Antikörper im Blut, ein Test auf Helicobacter pylori, je nach Befund eine Magen- und Darmspiegelung sowie Entzündungswerte wie CRP und Calprotectin im Stuhl. Die Auswahl richtet sich nach Vorgeschichte und Beschwerden und gehört in ärztliche Hände.
Warum kann eine Eiseninfusion bei einer Aufnahmestörung sinnvoll sein?
Eine Infusion umgeht den Darm und bringt das Eisen direkt in den Blutkreislauf. Wenn der Aufnahmeweg im Darm blockiert ist, kann das ein sinnvoller Weg sein, vorausgesetzt die Indikation stimmt und eine Eisenüberladung ist vorher ausgeschlossen. Die zugrunde liegende Darmerkrankung gehört trotzdem mitbehandelt.
Verursachen Säureblocker einen Eisenmangel?
Magensäure hilft, Eisen in eine besser aufnehmbare Form zu bringen. Eine dauerhafte Säureblockade mit Protonenpumpenhemmern kann die Aufnahme von Nicht-Häm-Eisen erschweren und ist in Studien mit einem erhöhten Risiko für Eisenmangel verknüpft. Nötige Medikamente sollte man nie eigenmächtig absetzen, sondern ärztlich besprechen.
Kann ein Reizdarm oder eine bakterielle Fehlbesiedlung Eisenmangel verursachen?
Ein Reizdarm allein schädigt die Schleimhaut nicht und ist selten eine direkte Ursache. Hinter Reizdarm-ähnlichen Beschwerden können sich aber Zöliakie oder eine Dünndarmfehlbesiedlung, kurz SIBO, verbergen, die mit der Aufnahme zusammenhängen können. Hartnäckiger Eisenmangel mit Verdauungsbeschwerden ist ein Anlass, genauer hinzuschauen.
Warum bekommen Menschen nach einer Magenverkleinerung oft Eisenmangel?
Nach bariatrischen Operationen wie einem Magenbypass ist die saure Vorverdauung verändert und ein Teil des Dünndarms wird umgangen, genau der Abschnitt, in dem Eisen aufgenommen wird. Eisenmangel gehört deshalb zu den häufigen Langzeitfolgen und wird in der Nachsorge gezielt überwacht.
Wie hoch sollte der Ferritinwert sein, wenn der Darm das Problem ist?
Auch bei einer Aufnahmestörung gilt: Der alte Grenzwert von 15 Mikrogramm pro Liter bildet keinen funktionellen Optimalwert ab. Viele Menschen berichten erst bei einem Ziel über 100 von deutlicher Besserung. Wichtig ist, dass Ferritin bei Entzündung mit ansteigen kann, weshalb ein Entzündungswert immer dazugehört. Mehr dazu im Beitrag zu funktionellem Eisenmangel trotz normalem Ferritin.
Weiterlesen im Eisen-Ratgeber
Eisenmangel und Eiseninfusionen
Der ganzheitliche Überblick: Ferritin, Tabletten, Infusion.
UrsachenEisenmangel-Ursachen
Verlust, Mehrbedarf, gestörte Aufnahme im Überblick.
FunktionellFunktioneller Eisenmangel
Beschwerden trotz normalem Ferritin und hohem Hepcidin.
ErnährungEisenaufnahme verbessern
Vitamin C, Hemmstoffe und das richtige Timing.
Quellen und weiterführende Literatur
- Mahadev S, Laszkowska M, Sundström J, et al. Prevalence of Celiac Disease in Patients With Iron Deficiency Anemia: A Systematic Review With Meta-analysis. Gastroenterology. 2018;155(2):374-382.e1. DOI: 10.1053/j.gastro.2018.04.016 [Meta-Analyse]
- Hudak L, Jaraisy A, Haj S, Muhsen K. An updated systematic review and meta-analysis on the association between Helicobacter pylori infection and iron deficiency anemia. Helicobacter. 2017;22(1):e12330. DOI: 10.1111/hel.12330 [Meta-Analyse]
- Zhang ZF, Yang N, Zhao G, et al. Effect of Helicobacter pylori eradication on iron deficiency. Chin Med J (Engl). 2010;123(14):1924-30. PMID: 20819579 [RCT-Meta-Analyse]
- Kawabata H. Iron-refractory iron deficiency anemia. Rinsho Ketsueki. 2016;57(2):104-9. DOI: 10.11406/rinketsu.57.104 [Übersichtsarbeit]
- Gordon M, Sinopoulou V, Iheozor-Ejiofor Z, et al. Interventions for treating iron deficiency anaemia in inflammatory bowel disease. Cochrane Database Syst Rev. 2021;1(1):CD013529. DOI: 10.1002/14651858.CD013529.pub2 [Cochrane-Review]
- Bager P, Befrits R, Wikman O, et al. High burden of iron deficiency and different types of anemia in inflammatory bowel disease outpatients in Scandinavia. Scand J Gastroenterol. 2013;48(11):1286-93. DOI: 10.3109/00365521.2013.838605 [Kohorte]
- Parrott J, Frank L, Rabena R, et al. American Society for Metabolic and Bariatric Surgery Integrated Health Nutritional Guidelines for the Surgical Weight Loss Patient 2016 Update: Micronutrients. Surg Obes Relat Dis. 2017;13(5):727-741. DOI: 10.1016/j.soard.2016.12.018 [Fachgesellschafts-Leitlinie]
- Ko CW, Siddique SM, Patel A, et al. AGA Clinical Practice Guidelines on the Gastrointestinal Evaluation of Iron Deficiency Anemia. Gastroenterology. 2020;159(3):1085-1094. DOI: 10.1053/j.gastro.2020.06.046 [Behördendokument]
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Einzelne Zielwerte und Vorgehensweisen sind teils Erfahrungswerte aus der Praxis und wissenschaftlich nicht in jedem Punkt abschließend belegt. Eisentherapien gehören in ärztliche Hände, unter anderem weil eine seltene Eisenüberladung vorab ausgeschlossen werden sollte.