Ratgeber · Schimmel-Spoke

Schimmel in der Wohnung: Was sofort, was später zu tun ist

Schwarze Flecken am Fenster, muffiger Geruch hinter dem Schrank, dunkle Stellen im Bad. Dieser Artikel kann dir helfen, in der richtigen Reihenfolge zu reagieren: erst dich schützen, dann sanieren, dann verhindern.

Shukri Jarmoukli · Arzt · Tätigkeitsschwerpunkt integrative Medizin · ViveCura Berlin
Worum es hier geht

Dieser Artikel ist weniger medizinisch als praktisch. Er kombiniert das, was Mieter rechtlich tun können, mit dem, was du als Bewohner pragmatisch tun solltest, um dich gesundheitlich zu schützen.

Wie eine medizinische Begleitung bei Schimmelbelastung aussehen kann, findest du im Pillar und in spezifischen Spokes. Hier geht es um die Wohnung selbst.

Woher die Angaben in diesem Artikel stammen

Dieser Artikel ist ein praktischer Ratgeber, keine Studienübersicht. Die Zahlen zu Befallsgröße, Schutzausrüstung und Luftfeuchte stammen aus dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes (UBA 2017) und den WHO-Guidelines (2009). Die medizinischen Einordnungen folgen der AWMF-Leitlinie 161-001 in der Fassung von 2023. Wo ich aus der Praxis spreche und keine Studie dahintersteht, schreibe ich das dazu.

Die ersten 48 Stunden nach Schimmel-Fund

Was sofort wichtig ist

  • Sichtbaren Schimmel nicht selbst entfernen, vor allem nicht trocken abreiben. Sporen verteilen sich.
  • Den betroffenen Raum so wenig wie möglich nutzen, idealerweise nicht darin schlafen.
  • Schlafzimmer in einen anderen Raum verlegen, wenn möglich. Im Schlafzimmer atmest du die Raumluft acht Stunden am Stück ein, das ist meist die längste zusammenhängende Exposition am Tag.
  • Fotos und Dokumentation: Datum, Ort, Größe, Geruch. Wichtig für Vermieter und Versicherung.
  • Vermieter schriftlich informieren. In der Mietwohnung ist die Mängelanzeige vorgeschrieben, die Form nicht. Einschreiben mit Rückschein kann dir später als Nachweis helfen.
  • Bei Risikopersonen (Schwangere, Kleinkinder, Asthmatiker, immungeschwächte Personen): den belasteten Bereich strikter meiden.
  • Lüften: mehrmals täglich 5 bis 10 Minuten Stoßlüften, Hygrometer aufstellen.
Wichtig

Für die meisten Menschen ist Schimmel in der Wohnung keine akute Notlage, sondern eine chronische Belastung. Du musst nicht in derselben Nacht ausziehen. Du solltest aber auch nicht wochenlang warten und hoffen, dass es weggeht. Die Reihenfolge entscheidet.

Anders ist es, wenn dein Immunsystem geschwächt ist (zum Beispiel unter Chemotherapie, nach Transplantation, unter hochdosiertem Kortison), wenn du Asthma, COPD, Mukoviszidose oder eine bekannte Schimmelpilz-Allergie hast, oder wenn du schwanger bist. Für diese Gruppen hat es nach der AWMF-Leitlinie in der Fassung von 2023 Vorrang, die Exposition rasch zu beenden. Die Situation gehört dann zeitnah ärztlich beurteilt.

Bitte sofort ärztlich abklären lassen bei Atemnot, Fieber, blutigem Auswurf oder rasch zunehmender Luftnot. Bei schwerer Atemnot wähle den Notruf 112 und warte nicht auf einen Praxistermin.

Wie viel Schimmel ist „zu viel"?

Eine grobe Orientierung, angelehnt an die Schadenskategorien im Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes (UBA 2017) und an die WHO-Guidelines (2009):

  • Sehr kleiner Befall (bis etwa 20 Quadratzentimeter, das ist eine Fläche von rund 4 mal 5 Zentimetern): nach UBA-Leitfaden meist in Eigenregie zu reinigen, mit Schutzausrüstung. Die Feuchte-Ursache musst du trotzdem klären, sonst kommt der Schimmel zurück.
  • Mittlerer Befall (bis 0.5 Quadratmeter): Alles, was darüber hinausgeht, gehört fachlich beurteilt, bevor jemand daran arbeitet. Das gilt besonders bei poröser Oberfläche.
  • Großer Befall (über 0.5 Quadratmeter): professionelle Sanierung. Bei größerer Fläche steigt die Sporenfreisetzung bei der Reinigung, und versteckter Schimmel ist wahrscheinlich.
  • Versteckter Befall: Hier ist eine baubiologische Untersuchung fast immer der einzige Weg, das Ausmaß überhaupt zu erfassen. Eine professionelle Sanierung ist dann der Regelfall.

Die Eigensanierung kleiner Flächen

Wenn du dich für die Eigenreinigung sehr kleiner Flächen entscheidest (oder bis professionelle Hilfe kommt), gehe so vor:

Wer nicht selbst wischen sollte

Schwangere, Kinder und Jugendliche, Menschen mit Asthma, COPD, Mukoviszidose oder bekannter Schimmelpilz-Allergie und alle, deren Immunsystem geschwächt ist, sollten die Reinigung nicht selbst übernehmen. Lass das jemand anderen machen oder gib es in professionelle Hände. Während der Arbeiten gehören Kinder und Schwangere möglichst nicht in die Wohnung.

Ein Punkt, der oft übersehen wird: In Altbauten können in Putz, Klebern, alten Bodenbelägen oder Leichtbauplatten Asbest und andere Altlasten stecken. Wenn du Oberflächen entfernen willst und nicht sicher weißt, was verbaut ist, lass das vorher prüfen. Trockenes Abschleifen oder Aufbrechen ist in dem Fall der falsche Weg.

Schutzausrüstung

  • Atemschutz: für sehr kleine Flächen mindestens FFP2, besser FFP3. Sobald Staub aufgewirbelt wird, ist FFP3 die sichere Wahl. Die Maske muss dicht am Gesicht sitzen, sonst bringt auch die beste Filterklasse wenig.
  • Schutzbrille (Vollsicht, damit keine Sporen ins Auge)
  • Einmal-Handschuhe (Nitril)
  • Lange Kleidung, die direkt nach der Aktion gewaschen wird
  • Kein Aufstoßen, kein Niesen ohne Maske im Raum

Vorgehen

  • Raum vorher gut lüften (Fenster und Tür auf, Durchzug), damit Sporen und später auch Alkoholdämpfe abziehen können
  • Befallene Fläche feucht abwischen mit 70-prozentigem Ethanol oder Isopropanol, nicht trocken bürsten
  • Lappen einmal verwenden, danach versiegelt entsorgen
  • Bei poröser Oberfläche (Tapete, Putz, Trockenbau): Oberfläche entfernen, nicht nur reinigen
  • Nach Reinigung erneut lüften, möglichst lange
  • Möbel und Textilien im Raum auf Mit-Befall prüfen
Brandgefahr beim Alkohol

70-prozentiges Ethanol und Isopropanol sind leicht entzündlich. Setze sie nur auf kleinen Flächen ein und niemals als Sprühnebel. Fenster offen halten, keine offene Flamme, nicht rauchen, keine elektrischen Geräte und keine Lichtschalter betätigen, solange die Dämpfe im Raum stehen. Die Dämpfe nicht einatmen: Maske aufbehalten und den Raum danach lange lüften. Für größere Flächen ist Alkohol das falsche Mittel, das ist ein Fall für die Fachfirma.

Sicherheitshinweis

Chlorbleiche tötet sichtbare Pilze, lässt aber tote Sporen und Rückstände zurück. Mykotoxine sind chemisch stabil und können auch dann noch wirksam bleiben, wenn der Pilz selbst abgetötet ist. Deshalb reicht es meist nicht, den Schimmel nur zu töten, das befallene Material muss weg. Chlorbleiche ist also kein Allheilmittel.

Wenn du sie trotzdem einsetzt: niemals mit Essig, Entkalker oder saurem Badreiniger mischen, und auch nicht nacheinander auf derselben Fläche verwenden. Dabei kann Chlorgas entstehen, das die Atemwege schwer schädigen kann. Immer nur ein Mittel, und nur bei weit offenem Fenster.

Bei großem oder verstecktem Befall ist die professionelle Sanierung der richtige Weg.

Wann professionelle Sanierung dringend zu empfehlen ist

  • Befallsfläche über 0.5 Quadratmeter.
  • Sichtbarer Schimmel an mehreren Stellen oder in mehreren Räumen.
  • Verdacht auf Wasserschaden hinter Wänden oder Estrich.
  • Wiederkehrender Schimmel trotz vorheriger Sanierung.
  • Risikopersonen im Haushalt: Schwangere, Kleinkinder, Asthmatiker, immungeschwächte Personen.
  • Bestehende Schimmel-bedingte Symptome.
  • Bei Mietwohnung mit baulichem Mangel als Ursache (Versicherung und Vermieter wollen dokumentierte Sanierung).

Wie eine seriöse Sanierungsfirma erkennbar ist

  • Ursachenanalyse: Wasserschaden, Kondensation, Bauschaden klar identifiziert, bevor saniert wird.
  • Abgeschotteter Arbeitsbereich: Folien, Unterdruckhaltung, Ausgang über Schleusen.
  • Persönliche Schutzausrüstung: FFP3-Masken, Schutzanzüge, Handschuhe für Arbeiter.
  • Klare Methode: Trockenbau-Eingriff oder nur Oberflächenreinigung, transparent kommuniziert.
  • Endkontrolle: Übergabe erst nach dokumentierter Trocknung und optischer Freimessung. Raumluft-Sporenmessungen können ergänzend sinnvoll sein, vor allem im Streit mit dem Vermieter. Als alleiniger Beleg für gesundheitliche Sicherheit taugen sie nicht, dazu ist die Datenlage zu dünn (Mendell et al. 2011).
  • Schriftlicher Kostenvoranschlag und Garantie: ohne diese Punkte nicht beauftragen.

Vermieter-Recht in Deutschland

Kurz vorweg

Ich bin Arzt, nicht Jurist. Was hier steht, ist eine Orientierung und keine Rechtsberatung. Für deinen Fall sind der Mieterverein oder eine Anwältin für Mietrecht die richtige Adresse.

Wenn ein baulicher Mangel die Ursache ist (Wasserschaden, schlechte Isolierung, Bauschaden), trägt in der Regel der Vermieter die Kosten für Untersuchung und Sanierung. Bei Verursachung durch das Wohnverhalten (zu wenig Lüften, falsches Heizen) können die Kosten beim Mieter liegen. In der Praxis ist die Schuldfrage oft umstritten, und wer sie am Ende trägt, entscheidet sich am Einzelfall.

Schritt 1

Mängelanzeige an Vermieter

Schriftlich, mit Datum, Fotos und konkreter Beschreibung. Einschreiben mit Rückschein als Beweissicherung. Setze eine angemessene Frist. Was angemessen ist, hängt vom Einzelfall ab, das klärst du am besten mit dem Mieterverein.

Schritt 2

Mietminderung anzeigen

Bei nachgewiesenem Befall und einem Mangel, den der Vermieter nicht abstellt, kann eine Mietminderung in Betracht kommen. Wie hoch sie ausfallen kann, hängt stark vom Einzelfall ab: von der befallenen Fläche, von der Nutzungseinschränkung und von der Dauer. Zahlen aus Internetlisten helfen dir hier wenig. Lass die Höhe vom Mieterverein oder von einer Anwältin für Mietrecht einschätzen, bevor du die Miete kürzt. Eine zu hohe Kürzung kann dich in Schwierigkeiten bringen.

Schritt 3

Baubiologisches Gutachten

Bei Streit über die Ursache: unabhängiges Gutachten beauftragen. Die Kosten liegen je nach Umfang und Region meist im mittleren dreistelligen Bereich, hol dir zwei Angebote. Wenn ein baulicher Mangel die Ursache ist, kann der Vermieter zur Kostenübernahme verpflichtet sein. Kläre das vorher schriftlich, sonst bleibst du unter Umständen darauf sitzen. Vorab klären, ob Mieterverein oder Rechtsschutzversicherung beteiligt werden.

Schritt 4

Außerordentliches Kündigungsrecht

Bei schwerem Befall mit Gesundheitsgefährdung und nicht zumutbarer Wohnsituation kann außerordentliche Kündigung möglich sein. Rechtsberatung dringend empfohlen, individuelle Bewertung notwendig.

Wie du neuen Schimmel verhinderst

Tägliche Maßnahmen

  • Mehrmals täglich Stoßlüften: Fenster weit auf, 5 bis 10 Minuten, idealerweise Durchzug
  • Luftfeuchte konstant unter 60 Prozent halten, Hygrometer in jedem Wohnraum
  • Bad nach dem Duschen lüften und Wasserreste mit Rakel entfernen
  • Wäsche nicht in geschlossenen Räumen trocknen, ideal außen oder im Trockner
  • Heizung im Winter nicht komplett ausstellen, Raumtemperatur möglichst konstant
  • Möbel mindestens 5 cm Abstand zur Außenwand
  • Pflanzen nicht überschwemmen, Untersetzer regelmäßig leeren

Bei Sanierung beachten

  • Sporenmessungen in der Raumluft vor und nach der Sanierung können im Streitfall als Dokumentation helfen. Für die medizinische Beurteilung sind sie nach der AWMF-Leitlinie 2023 in der Regel nicht nötig.
  • Möbel und Textilien aus dem belasteten Raum entweder mitsanieren oder entsorgen
  • Matratzen aus dem Schlafzimmer mit Pilzbefall ersetzen, nicht reinigen
  • Bücher und Papiere aus dem Befallsraum mit Vorsicht behandeln, oft entsorgen
  • Klimaanlagen und Lüftungssysteme prüfen, Filter wechseln

Die KPNI-Linsen auf das Wohnumfeld

Umwelt

Die Wohnung ist der Ort, an dem du die meiste Zeit verbringst. Deshalb kann sie ein wichtiger Umweltfaktor sein. Wer acht Stunden in einem belasteten Schlafzimmer atmet, ist dort vermutlich länger exponiert als irgendwo sonst am Tag.

Atemwege

Nase und Lunge sind das Eintrittstor. Eine saubere Sanierung kann die Atemwege entlasten, weil die tägliche Sporen- und Feuchtebelastung wegfällt. Ob sich dadurch auch eine Belastung im ganzen Körper messbar verringert, ist wissenschaftlich umstritten und nicht abschließend geklärt. Gut belegt ist dagegen der Zusammenhang zwischen Feuchte und Schimmel im Innenraum und Beschwerden wie Asthma, Husten und Reizungen der Atemwege.

Schlaf

Im Schlafzimmer atmest du acht Stunden am Stück die Raumluft ein. Ein Schlafzimmer-Wechsel ist deshalb oft der Schritt, der sich am schnellsten umsetzen lässt.

Soziales und finanzielles System

Schimmel ist nicht nur Biologie, sondern auch ein finanzielles und juristisches Problem. Mieterverein und Rechtsberatung gehören zu Sanierung wie der Bauunternehmer.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich Schimmel in der Wohnung?

Sichtbar als schwarze, grüne oder bräunliche Flecken an Wänden, Decken, in Fugen oder hinter Möbeln. Geruch oft muffig oder erdig. Versteckter Schimmel hinter Tapeten, Fliesen oder im Estrich ist nicht sichtbar, kann aber durch baubiologische Untersuchung nachgewiesen werden. Sporenmessungen in der Raumluft können ein zusätzlicher Hinweis sein. Für die medizinische Beurteilung sind sie nach der AWMF-Leitlinie 161-001 in der Fassung von 2023 in der Regel nicht nötig.

Kann ich Schimmel selbst entfernen?

Bei sehr kleinen Flächen bis etwa 20 Quadratzentimeter und nicht-poröser Oberfläche (Fliesen, Kacheln) ja, mit Schutzausrüstung (Maske mindestens FFP2, besser FFP3, Handschuhe, Schutzbrille) und geeigneten Mitteln. Bei größerer Fläche, porösem Material (Tapete, Putz, Trockenbau), Wasserschaden im Hintergrund oder wenn Schwangere, Kinder, Asthmatiker oder immungeschwächte Personen im Haushalt leben: professionelle Sanierung. Wer selbst zu einer dieser Gruppen gehört, sollte die Reinigung nicht selbst übernehmen.

Welche Mittel helfen gegen Schimmel?

Für oberflächlichen Befall: 70-prozentiges Ethanol oder Isopropanol. Beides ist leicht entzündlich, also nur auf kleiner Fläche, nicht sprühen und nur bei offenem Fenster ohne Zündquelle. Chlorbleiche tötet sichtbare Pilze, löst aber die Ursache nicht. Sie darf nie mit Essig, Entkalker oder saurem Badreiniger zusammenkommen, dabei kann Chlorgas entstehen. Essigreiniger gilt als ungeeignet: Auf kalkhaltigem Untergrund wird die Säure neutralisiert, und die organischen Bestandteile können manchen Pilzen sogar als Nahrung dienen (UBA-Leitfaden 2017). Wichtig ist immer, die Feuchte-Ursache abzustellen, sonst kommt der Schimmel zurück.

Wann ist eine baubiologische Untersuchung sinnvoll?

Bei größeren Befallsflächen, bei Verdacht auf versteckten Schimmel hinter Wänden, bei wiederkehrendem Befall trotz Sanierung, bei gesundheitlichen Beschwerden mit Schimmel-Verdacht, bei Mietstreitigkeiten als Beweissicherung. Die Kosten liegen je nach Umfang und Region meist im mittleren dreistelligen Bereich, hol dir zwei Angebote. Wenn ein baulicher Mangel die Ursache ist, kann der Vermieter zur Kostenübernahme verpflichtet sein. Kläre das vorher schriftlich.

Wer trägt die Kosten bei Mietwohnungen?

Wenn ein baulicher Mangel die Ursache war (Wasserschaden, Bauschaden, schlechte Isolierung), trägt in der Regel der Vermieter die Kosten. Wenn der Mieter den Schimmel durch das Wohnverhalten verursacht hat (zu wenig Lüften, falsches Heizen), können die Kosten beim Mieter liegen. In der Praxis ist die Schuldfrage oft umstritten, eine baubiologische Untersuchung kann bei der Klärung helfen. Die rechtliche Bewertung gehört zum Mieterverein oder zu einer Anwältin für Mietrecht.

Was sind die Rechte als Mieter?

Bei nachgewiesenem Schimmel-Befall mit baulicher Ursache: Mietminderung möglich (Höhe abhängig vom Befall), Recht auf Mängelbeseitigung, in schweren Fällen außerordentliches Kündigungsrecht. Schimmel-Befall schriftlich (Einschreiben mit Rückschein) anzeigen, Frist zur Beseitigung setzen, Dokumentation mit Fotos und gegebenenfalls baubiologischem Gutachten. Bei rechtlichen Fragen Mieterverein oder Anwalt konsultieren.

Wie verhindere ich neuen Schimmel?

Luftfeuchte konstant unter 60 Prozent halten, mehrmals täglich Stoßlüften (Fenster weit auf, 5 bis 10 Minuten), Schlafzimmer und Bad besonders prüfen, Möbel nicht direkt an Außenwände stellen, Wäsche nicht in geschlossenen Räumen trocknen, Hygrometer in Wohnung und Schlafzimmer. Im Bad nach dem Duschen lüften und Wasserreste abziehen.

Muss ich ausziehen?

Bei kleinem Befall mit Sanierungsmöglichkeit nicht zwingend. Bei großflächigem Befall mit Estrich-Beteiligung, bei wiederkehrendem Schimmel trotz Sanierung, bei schweren gesundheitlichen Beschwerden, bei Risikopersonen im Haushalt kann temporärer oder dauerhafter Umzug die richtige Entscheidung sein. Wenn Symptome bestehen, lass das ärztlich abklären. Bei Atemnot, Fieber oder blutigem Auswurf sofort, im Notfall über den Notruf 112.

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SJ
Autor dieses Beitrags

Shukri Jarmoukli

Arzt. Tätigkeitsschwerpunkte: funktionelle und integrative Medizin, klinische Psychoneuroimmunologie, umweltmedizinische Fragestellungen. ViveCura, Skalitzer Straße 137, 10999 Berlin-Kreuzberg. Arbeitsthemen: Schimmel und Mykotoxine, Darm-Reset, Schwermetalle, Ketamin-assistierte Therapie.

Quellen und Evidenz-Hinweise

Praktische Empfehlungen stützen sich auf den UBA-Schimmelleitfaden, die WHO-Guidelines und die AWMF-Leitlinie 161-001 in der Fassung von 2023. Die Quellen 4 und 7 widersprechen an mehreren Stellen dem, was im umweltmedizinischen Feld verbreitet ist, vor allem bei Raumluftmessungen und bei der Mykotoxin-Diagnostik. Ich führe sie bewusst mit auf, weil die Debatte offen ist und beide Seiten sichtbar bleiben sollen.

  1. WHO. Guidelines for indoor air quality: dampness and mould. 2009. WHO Behördendokument [Behördendokument, Übersichtsarbeit]
  2. Hurraß J, Heinzow B, ... Wiesmüller GA. AWMF-Leitlinie 161/001: Medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen, Update 2023. Allergol Select. 2024;8:90-198. doi:10.5414/ALX02444E, AWMF-Register [Consensus Guideline, Leitlinie, Human]
  3. Umweltbundesamt. Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. 2017. UBA Behördendokument [Behördendokument, Übersichtsarbeit]
  4. Mendell MJ et al. Respiratory and Allergic Health Effects of Dampness, Mold, and Dampness-Related Agents. Environ Health Perspect. 2011;119(6):748-756. doi:10.1289/ehp.1002410 [Übersichtsarbeit, Human] Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Datenlage es nicht stützt, einzelne mikrobiologische Innenraum-Messwerte als Steuerungsgröße für Schutzmaßnahmen zu nutzen.
  5. Hope J. A review of the mechanism of injury and treatment approaches for illness resulting from exposure to water-damaged buildings, mold, and mycotoxins. ScientificWorldJournal. 2013. doi:10.1155/2013/767482 [Übersichtsarbeit, narrativ, Einzelautorin, keine Humanevidenz]
  6. Curtis L et al. Adverse health effects of indoor molds. J Nutr Environ Med. 2004. doi:10.1080/13590840400010318 [Übersichtsarbeit, Human]
  7. Chang C, Gershwin ME. The Myth of Mycotoxins and Mold Injury. Clin Rev Allergy Immunol. 2019;57(3):449-455. doi:10.1007/s12016-019-08767-4 [Übersichtsarbeit, kritische Gegenposition] Diese Arbeit bestreitet, dass Mykotoxine aus der Raumluft systemische Erkrankungen verursachen, und hält Urin-Mykotoxinmessungen für nicht validiert.
  8. Ratnaseelan AM et al. Effects of Mycotoxins on Neuropsychiatric Symptoms and Immune Processes. Clinical Therapeutics. 2018. doi:10.1016/j.clinthera.2018.05.004 [In vitro, In vivo, Übersichtsarbeit]
  9. Gatto MR, Mansour A, Li A, Bentley R. A State-of-the-Science Review of the Effect of Damp- and Mold-Affected Housing on Mental Health. Environ Health Perspect. 2024;132(8):86001. doi:10.1289/EHP14341 [Systematischer Review, Human]
  10. Nathan N. Toxic: Heal Your Body from Mold Toxicity. Victory Belt Publishing. 2018. [Fachbuch, Praxiserfahrung, keine Studienevidenz]
  11. Hurraß J, Nowak D, Heinzow B, Joest M, Stemler J, Wiesmüller GA. Indoor Mold, Important Considerations for Medical Advice to Patients. Dtsch Arztebl Int. 2024;121(8):265-271. doi:10.3238/arztebl.m2024.0018 [Übersichtsarbeit, Human]

Stand: 22. Mai 2026. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Untersuchung und keine Rechtsberatung. Ergebnisse sind individuell und kein zugesichertes Behandlungsergebnis. Autor: Shukri Jarmoukli, Praxis ViveCura, Skalitzer Straße 137, 10999 Berlin.

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