Abnehmspritze: Nebenwirkungen einordnen
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden, meist mild und zu Beginn. Was an Übelkeit, Gallenblase und Pankreatitis dran ist, ohne Bagatellisieren und ohne Panikmache.
Kaum eine Frage bewegt Menschen vor der Abnehmspritze so sehr wie diese: Was macht sie mit mir? Die Antwort ist weder harmlos noch beängstigend. Die häufigsten Nebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt, sie sind meist mild und vorübergehend. Seltenere Themen wie Gallenblase und Bauchspeicheldrüse verdienen eine ruhige, ehrliche Einordnung.
Dieser Artikel schaut nüchtern auf die Daten. Es geht um Ozempic und Wegovy (Wirkstoff Semaglutid) und um Mounjaro (Wirkstoff Tirzepatid). Wie die Spritze wirkt, ist Thema eines eigenen Beitrags. Hier geht es allein um die Frage der Verträglichkeit. Ich will dir weder Angst machen noch etwas schönreden. Ich will dir helfen, die Nebenwirkungen so einzuordnen, dass du eine informierte Entscheidung mit deiner Ärztin oder deinem Arzt treffen kannst.
Nebenwirkungen sind kein Grund, ein wirksames Medikament zu verteufeln, und kein Detail, das man wegwischen darf. Beides wäre unehrlich. Die meisten Beschwerden sind beherrschbar und dosisabhängig. Trotzdem gehört die Spritze in ärztliche Hände, und für manche Menschen ist sie nicht die richtige Wahl.
Das häufigste Thema: der Magen-Darm-Trakt
Wenn Menschen mir von Nebenwirkungen der Abnehmspritze berichten, geht es fast immer um dasselbe: Übelkeit, manchmal Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung. Das ist keine Überraschung, sondern die logische Kehrseite des Wirkprinzips. Die Spritze verlangsamt die Magenentleerung und verstärkt ein Sättigungssignal. Der Speisebrei bleibt länger im Magen. Das hält länger satt, kann aber eben auch auf den Magen schlagen.
Wie häufig das ist, zeigt eine gepoolte Auswertung großer Zulassungsstudien sehr genau. Diese Zahlen sind der Kern, wenn du die Abnehmspritze und ihre Nebenwirkungen einordnen willst.
In einer gepoolten Auswertung der STEP-1-bis-3-Studien wurden die Magen-Darm-Nebenwirkungen von Semaglutid 2,4 mg systematisch erfasst. Am häufigsten waren Übelkeit (43,9 Prozent gegenüber 16,1 Prozent unter Scheinmedikament), Durchfall (29,7 gegenüber 15,9 Prozent), Erbrechen (24,5 gegenüber 6,3 Prozent) und Verstopfung (24,2 gegenüber 11,1 Prozent). Entscheidend zur Einordnung: 99,5 Prozent dieser Ereignisse waren nicht schwerwiegend und 98,1 Prozent leicht bis mittelschwer. Sie traten meist während oder kurz nach der Dosissteigerung auf und klangen danach oft wieder ab. Für dich heißt das: häufig, aber für die meisten Menschen beherrschbar.
DOI: 10.1111/dom.14551Diese Verteilung ist wichtig. Häufig bedeutet nicht schwer. Die allermeisten Beschwerden sind das, was Ärztinnen und Ärzte mild bis moderat nennen: unangenehm, aber ohne bleibenden Schaden und ohne Klinikaufenthalt. Und sie sind zeitlich gebündelt. Am stärksten sind sie in der Phase, in der die Dosis langsam erhöht wird. Deshalb erfolgt die Einstellung schrittweise und begleitet.
Viele erwarten eine Ja-Nein-Antwort: verträglich oder nicht. Die Realität ist eine Kurve. Für die meisten ist der Anfang die schwierigste Zeit. Wer die Titrationsphase mit ärztlicher Begleitung durchsteht, erlebt oft, dass sich der Körper anpasst und die Beschwerden nachlassen.
Wie oft führen Nebenwirkungen zum Abbruch?
Eine ehrliche Frage verdient eine ehrliche Zahl. Nebenwirkungen sind nicht nur eine statistische Fußnote, sie führen bei manchen Menschen dazu, die Behandlung zu beenden. Aber es bleibt eine Minderheit.
Eine Meta-Analyse von vier randomisierten Studien mit über 3600 Menschen mit Adipositas ohne Diabetes fasste die Sicherheitsdaten zu Semaglutid zusammen. Magen-Darm-Nebenwirkungen waren rund 1,6-mal häufiger als unter Scheinmedikament. Das Risiko, die Behandlung wegen Nebenwirkungen abzubrechen, war etwa doppelt so hoch (relatives Risiko 2,19). Das bedeutet nüchtern: Ein Teil der Menschen verträgt die Spritze nicht gut genug, um sie fortzusetzen. Die große Mehrheit aber schafft es, oft nach einer holprigen Anfangsphase.
DOI: 10.15605/jafes.037.02.14Zur Größenordnung lohnt ein Blick in die STEP-1-Studie, eine der wichtigsten Untersuchungen zur Abnehmspritze überhaupt. Dort brachen wegen Magen-Darm-Beschwerden rund 4,5 Prozent der Behandelten die Studie ab, unter Scheinmedikament weniger als 1 Prozent. Das heißt, mehr als neun von zehn Menschen kamen mit den Beschwerden so weit zurecht, dass ein Abbruch nicht nötig war.
In der STEP-1-Studie erhielten fast 2000 Erwachsene mit Adipositas ohne Diabetes über 68 Wochen Semaglutid 2,4 mg oder ein Scheinmedikament. Das Gewicht sank unter Semaglutid im Schnitt um 14,9 Prozent, unter Placebo um 2,4 Prozent. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Übelkeit und Durchfall, überwiegend vorübergehend und leicht bis mittelschwer. Für dich heißt das: Einem deutlichen Effekt steht vor allem eine anfängliche Magen-Darm-Belastung gegenüber, kein diffuses Dauerrisiko.
DOI: 10.1056/NEJMoa2032183Die Gallenblase: ein leicht erhöhtes Risiko
Jenseits von Magen und Darm gibt es ein zweites Thema, das gut belegt ist: die Gallenblase. Hier lohnt eine sorgfältige Formulierung, weil die Zahlen zunächst dramatischer klingen, als sie für die einzelne Person sind.
Eine große Meta-Analyse von 76 randomisierten Studien mit über 100.000 Menschen untersuchte den Zusammenhang zwischen GLP-1-Wirkstoffen und Gallenblasen- oder Gallenwegs-Erkrankungen. Das relative Risiko war um rund 37 Prozent erhöht (RR 1,37), betroffen waren Gallensteine, Gallenblasenentzündung und Gallenwegs-Erkrankungen. In den Studien zur Gewichtsabnahme war das Risiko stärker erhöht (RR 2,29), ebenso bei höheren Dosen und längerer Anwendung. Für dich heißt das: Das Thema ist real und dosisabhängig, das absolute Risiko für die einzelne Person bleibt aber moderat.
DOI: 10.1001/jamainternmed.2022.0338Warum ist das mechanistisch plausibel? Zwei Wege kommen zusammen. Erstens verlangsamt GLP-1 nicht nur die Magenentleerung, sondern kann auch die Gallenblase träger entleeren lassen. Eine Gallenblase, die sich seltener zusammenzieht, begünstigt die Bildung von Gallensteinen. Zweitens ist rascher, deutlicher Gewichtsverlust selbst ein bekannter Risikofaktor für Gallensteine, ganz unabhängig vom Medikament. Beide Effekte ziehen in dieselbe Richtung.
Ein verdoppeltes Risiko klingt alarmierend. Aber wenn ein seltenes Ereignis doppelt so häufig wird, ist es immer noch selten. Genau darum ist die Frage nicht nur, ob ein Risiko erhöht ist, sondern wie hoch es für dich persönlich ausfällt. Diese Abwägung gehört ins ärztliche Gespräch.
Die Bauchspeicheldrüse: sehr selten und unklar
Kein Thema rund um die Abnehmspritze wird so oft und so aufgeregt diskutiert wie die Bauchspeicheldrüsenentzündung, die Pankreatitis. Umso wichtiger ist eine nüchterne Einordnung. In den kontrollierten Studien ist dieses Signal sehr selten und statistisch nicht klar fassbar.
Eine Meta-Analyse großer kardiovaskulärer Studien mit GLP-1-Wirkstoffen wertete unter anderem die Sicherheits-Endpunkte Pankreatitis und Pankreaskarzinom aus. Neben Vorteilen bei Herz-Kreislauf- und Nierenereignissen fand sie keinen Anstieg pankreatischer Nebenwirkungen. Das bedeutet: In den bisher größten gepoolten Datensätzen zeigt sich kein klar erhöhtes Risiko für die Bauchspeicheldrüse. Wegen der Seltenheit solcher Ereignisse bleibt die Aussage aber mit Unsicherheit behaftet.
DOI: 10.1016/S2213-8587(21)00203-5Speziell für Tirzepatid, den Doppel-Wirkstoff in Mounjaro, prüfte eine Meta-Analyse von neun randomisierten Studien die Sicherheits-Endpunkte Pankreatitis sowie Gallenblasen- und Gallenwegs-Erkrankungen. Für die Pankreatitis fand sich kein signifikant erhöhtes Risiko gegenüber den Kontrollgruppen. Für dich heißt das: Auch beim neueren, stärker wirksamen Wirkstoff ist die gefürchtete Bauchspeicheldrüsenentzündung in Studien nicht klar erhöht.
DOI: 10.3389/fendo.2023.1214334In gepoolten randomisierten Studien ist das Pankreatitis-Risiko nicht signifikant erhöht, weder für Semaglutid noch für Tirzepatid. Die Magen-Darm-Nebenwirkungen sind gut quantifiziert und meist mild. Das ist solide Evidenz.
Sehr seltene Ereignisse sind in Studien schwer sicher zu bewerten. Deshalb bleibt klinische Wachsamkeit sinnvoll. Wer anhaltende, starke Oberbauchschmerzen bekommt, sollte das ernst nehmen und ärztlich abklären lassen, statt zu warten.
Semaglutid und Tirzepatid: das gleiche Grundmuster
Ein häufiges Missverständnis lautet, Mounjaro sei wegen seiner stärkeren Wirkung auch gefährlicher. Die Daten zeichnen ein anderes Bild. Tirzepatid wirkt an zwei Rezeptoren zugleich und kann noch mehr Gewicht senken. Sein Nebenwirkungsprofil ist aber im Kern dasselbe wie bei Semaglutid: vor allem Magen-Darm, mild bis mittelschwer, am stärksten in der Titrationsphase.
In der SURMOUNT-1-Studie erhielten über 2500 Erwachsene mit Adipositas ohne Diabetes über 72 Wochen Tirzepatid in verschiedenen Dosierungen oder ein Scheinmedikament. Das Gewicht sank bei der höchsten Dosis um rund 20,9 Prozent gegenüber 3,1 Prozent unter Placebo. Die Nebenwirkungen waren überwiegend gastrointestinal, meist leicht bis mittelschwer und vor allem in der Phase der Dosissteigerung. Das zeigt: Ein stärkerer Effekt bedeutet nicht automatisch ein anderes Nebenwirkungsprofil.
DOI: 10.1056/NEJMoa2206038Ein direkter Vergleich beider Wirkstoffe bestätigt das. In einer Kopf-an-Kopf-Studie war Tirzepatid wirksamer, doch die häufigsten Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen dieselben: Beschwerden im Magen-Darm-Bereich. Wenn du also die Abnehmspritze und ihre Nebenwirkungen einordnest, ist die Substanz weniger entscheidend als die gemeinsame Regel: Der Magen-Darm-Trakt meldet sich zuerst.
Ein eigenes Thema: Muskeln und das Absetzen
Zwei weitere Fragen tauchen im Zusammenhang mit Nebenwirkungen oft auf, obwohl sie streng genommen etwas anderes sind. Die eine betrifft den Muskelverlust. Bei jedem größeren Gewichtsverlust geht ein Teil auch von der Magermasse verloren, das gilt für die Spritze wie für jede andere Abnahme. Weil das Thema eigene Aufmerksamkeit verdient, behandelt es der Beitrag zum Muskelabbau unter der Abnehmspritze.
Die andere Frage betrifft das, was nach dem Absetzen passiert. Das ist keine Nebenwirkung im engeren Sinn, sondern eine Folge davon, dass die Wirkung an die Behandlung gebunden ist. Wie du dem sogenannten Jojo-Effekt begegnen kannst, vertieft der Beitrag zum Absetzen und Jojo-Effekt.
Diese Medikamente sind verschreibungspflichtig und gehören in ärztliche Begleitung. Bitte besorge dir solche Mittel nie ohne ärztliche Verordnung und Kontrolle. Vor einer Verordnung gehören Nutzen, Risiken, Gegenanzeigen und deine persönliche Situation geprüft. Suche umgehend ärztlichen Rat bei anhaltendem heftigem Erbrechen oder Durchfall mit Zeichen von Austrocknung, bei starken Bauchschmerzen (besonders im rechten Oberbauch oder im Oberbauch mit Ausstrahlung in den Rücken), bei Gelbfärbung von Haut oder Augen oder bei anhaltendem Fieber. Bei akuter Not wähle den Notruf 112. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.
Was das für deine Entscheidung bedeutet
Fassen wir zusammen, ohne zu beschönigen und ohne zu dramatisieren. Die Nebenwirkungen der Abnehmspritze sind gut untersucht. Am häufigsten sind Magen-Darm-Beschwerden, meist mild und vorübergehend, am stärksten zu Beginn. Das Gallenblasen-Risiko ist leicht erhöht, vor allem bei höheren Dosen und längerer Anwendung. Die gefürchtete Pankreatitis ist sehr selten und in Studien nicht klar erhöht, bleibt aber ein Grund für ärztliche Wachsamkeit.
Klassische Medizin macht hier vieles richtig, wenn sie klare Indikationen prüft, langsam eindosiert und die Behandlung eng überwacht, das ist sinnvoll und wichtig. Was eine integrative Sicht ergänzen kann, ist die Aufmerksamkeit für das Drumherum: eine Ernährung, die den Magen entlastet und die Grundlagen stärkt, der Erhalt der Muskulatur, ein Blick auf Schlaf und Stress. Unsere Arbeit bei ViveCura bewegt sich dabei an der Schnittstelle der drei Bereiche, die die Praxis ausmachen: körperliche Gesundheit und Stoffwechsel, mentale Gesundheit und ein bewusster, gesunder Lebensstil.
Und jetzt weißt du, warum die Nebenwirkungen der Abnehmspritze weder ein Grund zur Panik noch ein Detail zum Wegschauen sind. Sie sind für die meisten Menschen beherrschbar und dosisabhängig. Sie sind aber genau der Grund, warum diese Behandlung in ärztliche Hände gehört und für manche Menschen nicht die richtige Wahl ist. Wer GLP-1 lieber zuerst auf natürlichem Weg unterstützen möchte, findet Ansätze im Beitrag zu GLP-1 natürlich steigern.
Häufige Fragen
Was sind die häufigsten Nebenwirkungen der Abnehmspritze?
Mit Abstand am häufigsten sind Magen-Darm-Beschwerden. In der gepoolten Auswertung der STEP-Studien mit Semaglutid 2,4 mg traten unter Behandlung Übelkeit bei rund 44 Prozent, Durchfall bei rund 30 Prozent, Erbrechen bei rund 25 Prozent und Verstopfung bei rund 24 Prozent auf, jeweils deutlich häufiger als unter Scheinmedikament. Wichtig zur Einordnung: Fast alle diese Ereignisse waren nicht schwerwiegend und leicht bis mittelschwer. Sie treten meist zu Beginn und bei der Dosissteigerung auf und lassen danach oft nach.
Warum machen Ozempic und Wegovy Übelkeit?
Der Wirkstoff Semaglutid verstärkt ein körpereigenes Sättigungssignal und verlangsamt die Magenentleerung. Der Speisebrei bleibt länger im Magen. Das hält länger satt, kann aber auch Übelkeit, Völlegefühl oder Aufstoßen auslösen. Diese Beschwerden sind am stärksten in der Phase, in der die Dosis schrittweise erhöht wird. Bei vielen Menschen bessern sie sich, sobald sich der Körper an die Dosis gewöhnt hat. Wie du damit umgehst, gehört in die ärztliche Begleitung.
Sind die Magen-Darm-Nebenwirkungen gefährlich?
Meist nicht. In der gepoolten STEP-Analyse waren 99,5 Prozent der Magen-Darm-Ereignisse nicht schwerwiegend und 98,1 Prozent leicht bis mittelschwer. Sie sind unangenehm, aber für die meisten Menschen beherrschbar. Gefährlich werden können sie vor allem indirekt, etwa durch starken Flüssigkeitsverlust bei heftigem Erbrechen oder Durchfall. Anhaltendes Erbrechen, Zeichen von Austrocknung oder starke Bauchschmerzen gehören ärztlich abgeklärt.
Wie oft brechen Menschen die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab?
Deutlich häufiger als unter Scheinmedikament, aber es bleibt eine Minderheit. Eine Meta-Analyse fand ein etwa doppelt so hohes Risiko, die Behandlung wegen Nebenwirkungen abzubrechen, verglichen mit Placebo. In der STEP-1-Studie brachen wegen Magen-Darm-Beschwerden rund 4,5 Prozent die Behandlung ab, unter Placebo unter 1 Prozent. Das heißt: Die große Mehrheit verträgt die Behandlung so weit, dass sie sie fortsetzen kann, oft nach einer schwierigeren Anfangsphase.
Kann die Abnehmspritze Gallensteine oder Gallenblasenprobleme auslösen?
Das Risiko für Gallenblasen- und Gallenwegs-Erkrankungen ist leicht erhöht. Eine große Meta-Analyse von 76 randomisierten Studien fand ein um etwa 37 Prozent erhöhtes relatives Risiko, in den Studien zur Gewichtsabnahme sogar rund verdoppelt. Das klingt viel, das absolute Risiko bleibt aber für die einzelne Person moderat. Höhere Dosen und längere Anwendung gingen mit mehr Ereignissen einher. Mechanistisch passt das zu einer langsameren Gallenblasenentleerung und zu raschem Gewichtsverlust, der Gallensteine begünstigen kann. Starke Schmerzen im rechten Oberbauch gehören ärztlich abgeklärt.
Verursacht die Abnehmspritze eine Bauchspeicheldrüsenentzündung?
Eine Pankreatitis ist ein sehr seltenes und in Studien unklares Signal. Große gepoolte Auswertungen randomisierter Studien fanden kein statistisch bedeutsam erhöhtes Risiko für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, weder für Semaglutid noch für Tirzepatid. Wegen der Seltenheit sind solche Ereignisse aber schwer sicher zu bewerten. Deshalb bleibt ärztliche Wachsamkeit sinnvoll. Anhaltende, starke Oberbauchschmerzen, oft in den Rücken ausstrahlend, mit Übelkeit gehören umgehend ärztlich abgeklärt.
Sind die Nebenwirkungen von Mounjaro (Tirzepatid) anders?
Im Kern ähnlich. Tirzepatid wirkt an zwei Rezeptoren zugleich und kann noch stärker abnehmen lassen. Sein Nebenwirkungsprofil ist aber vor allem Magen-Darm, mild bis mittelschwer und am stärksten in der Titrationsphase, ganz wie bei Semaglutid. Auch im direkten Vergleich beider Wirkstoffe waren die häufigsten Nebenwirkungen in beiden Gruppen gastrointestinal. Für Pankreatitis fand eine Meta-Analyse zu Tirzepatid ebenfalls kein signifikant erhöhtes Risiko.
Hängen die Nebenwirkungen von der Dosis ab?
Ja, in großen Teilen. Magen-Darm-Beschwerden treten am häufigsten auf, während die Dosis schrittweise erhöht wird, und lassen bei vielen danach nach. Auch das Gallenblasen-Risiko war in den Daten bei höheren Dosen und längerer Anwendung größer. Genau deshalb erfolgt die Einstellung langsam und ärztlich begleitet. Konkrete Titrationspläne gehören in die individuelle ärztliche Behandlung und nicht in einen Blogartikel.
Für wen ist die Abnehmspritze wegen der Nebenwirkungen eher ungeeignet?
Das ist immer eine individuelle ärztliche Entscheidung. Vorsicht oder Gegenanzeigen gelten unter anderem bei bestimmten Vorerkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder Gallenwege, bei bestimmten seltenen Schilddrüsen-Erkrankungen in der Familie, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei ausgeprägten Magen-Darm-Erkrankungen. Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten spielen eine Rolle. Vor einer Verordnung gehören Nutzen, Risiken und die persönliche Situation geprüft. Die Spritze ersetzt keine ärztliche Untersuchung.
Wann sollte ich mit Nebenwirkungen sofort ärztlichen Rat suchen?
Bei anhaltendem, heftigem Erbrechen oder Durchfall mit Zeichen von Austrocknung, bei starken Bauchschmerzen, besonders im rechten Oberbauch oder im Oberbauch mit Ausstrahlung in den Rücken, bei Gelbfärbung von Haut oder Augen, bei anhaltendem Fieber oder bei jedem Beschwerdebild, das dich beunruhigt. Diese Zeichen können auf Gallenblasen- oder Bauchspeicheldrüsenprobleme hindeuten. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel ärztlichen Rat suchen. Bei akuter Not wähle den Notruf 112.
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