Ratgeber · Schimmel-Spoke

Chronische Erschöpfung (ME/CFS) und Schimmel: Wenn Mykotoxine die Energie kappen

Manche Erschöpfung lässt sich nicht wegschlafen. Sie sitzt tiefer, in den Kraftwerken der Zelle. Bei einem Teil der Betroffenen könnten Mykotoxine ein bisher übersehener Co-Faktor sein, der die Energieproduktion ausbremst.

🔬 In-vitro 🐭 In-vivo 👤 Human (begrenzt) 🏥 Klinische Erfahrung
Shukri Jarmoukli · Arzt, Integrative Medizin · ViveCura Berlin
Worum es hier geht

Chronische Erschöpfung und ME/CFS haben viele mögliche Auslöser. Infektionen, Stress, Schlafstörungen, hormonelle Verschiebungen. Eine einzelne Ursache gibt es selten.

Dieser Beitrag fragt nach einem Aspekt, der in der Routine selten geprüft wird: Könnten Mykotoxine bei manchen Menschen ein Co-Faktor sein, der über die Mitochondrien und die Cell Danger Response die Energie drosselt? Das ist eine Hypothese, kein gesicherter Befund.

Wie ich Evidenz in diesem Artikel kennzeichne

In vitro Zellversuche In vivo Tierversuche Human Humanstudien Klinisch Praxiserfahrung

Ein großer Teil der Erkenntnisse über Mykotoxin-Wirkungen kommt aus Zellversuchen und Tiermodellen. Humanstudien speziell zu ME/CFS und Mykotoxinen sind begrenzt. Ich markiere bei jeder Quelle den Evidenzgrad transparent und stelle keine Kausalität dar, die nicht belegt ist.

Wenn die Müdigkeit nicht mehr weicht

In der Praxis begegnet mir ein Muster immer wieder. Eine Person Anfang vierzig, früher leistungsfähig und aktiv, beschreibt eine Erschöpfung, die sich nicht mehr wegschlafen lässt. Nicht der normale Feierabend-Tiefpunkt. Eine andere Qualität.

„Ich wache müde auf. Ein Spaziergang wirft mich für zwei Tage zurück."

Das Blutbild ist über Jahre unauffällig. Schilddrüse in Ordnung, Eisen grenzwertig, aber nicht erklärend. Mehrere Therapieversuche, kein tragender Erfolg. Auffällig ist ein Detail, das niemand systematisch erfragt hat: Im Urlaub wird es spürbar besser, zu Hause wieder schlechter. Und in der Wohnung gab es vor einigen Jahren einen Wasserschaden im Schlafzimmer.

Erst als wir die Wohn- und Arbeitsgeschichte gemeinsam durchgehen, rückt das Thema Schimmel in den Blick. Wir prüfen es als einen von mehreren möglichen Co-Faktoren, nicht als die Antwort.

Klarstellung: Diese Vignette ist ein anonymisiertes, verdichtetes Muster aus typischen Verläufen, keine reale namentliche Person. Sie beschreibt keinen bewiesenen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang. Ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Umfeld, Symptomen und Besserung ist kein Beweis für Kausalität, und ein einzelner Verlauf ist kein Garant für den nächsten.

Was ME/CFS und chronische Erschöpfung bedeuten

ME/CFS steht für Myalgische Enzephalomyelitis und Chronisches Fatigue-Syndrom. Das ist keine gewöhnliche Müdigkeit. Es ist eine tiefe, anhaltende Erschöpfung, die durch Schlaf nicht ausreichend besser wird.

Ein Kennzeichen ist die post-exertionelle Malaise. Das ist eine Verschlechterung nach körperlicher oder geistiger Anstrengung, die oft verzögert auftritt, manchmal erst einen oder zwei Tage später. Wer das erlebt, lernt schnell, dass „sich zusammenreißen" hier nicht funktioniert.

Wichtig vorweg: ME/CFS und anhaltende Erschöpfung gehören in ärztliche Abklärung. Es gibt viele mögliche Ursachen, und einige davon müssen aktiv ausgeschlossen werden. Der Schimmel-Blickwinkel in diesem Text ist ein ergänzender Aspekt, kein Ersatz für die reguläre Versorgung und keine eigenständige Diagnose.

Reframe

Diese Erschöpfung ist nicht „Faulheit" und nicht „nur Psyche". Sie kann eine messbare Grundlage auf zellulärer Ebene haben. Wer das versteht, hört auf, sich selbst die Schuld zu geben. Aus „Was stimmt nicht mit mir?" wird „Was hat mein System überlastet?". Diese Frage ist therapeutisch fruchtbarer.

Fühlen: das Bild von innen

Bevor wir zur Biologie kommen, ein Blick auf das Erleben. Denn viele Betroffene erkennen sich in der Liste eher wieder als in einem Laborwert.

  • Müde aufwachen, obwohl die Schlafzeit gereicht hat.
  • Belastungsintoleranz: Schon kleine Anstrengung kostet unverhältnismäßig viel.
  • Verschlechterung 24 bis 48 Stunden nach Belastung, die sogenannte post-exertionelle Malaise.
  • Brain Fog, also ein Nebelgefühl im Kopf, vor allem nach mentaler Anstrengung.
  • Tages-Crashs, bei denen die Energie plötzlich weg ist, als hätte jemand einen Schalter umgelegt.
  • Wärme- und Kälteintoleranz, ein Temperaturchaos im Körper.

Wenn die Erholung nach Anstrengung in Tagen statt Stunden gemessen wird, denke ich an die Mitochondrien. Und jetzt verstehst du, warum dieses Bild so quälend sein kann: Der Körper hat das Material für Energie nicht parat, wenn er es braucht.

Verstehen: warum die Energie kappt

Energie entsteht in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle. Sie bauen über die Atmungskette ATP, die Energiewährung des Körpers. Ist dieser Prozess gestört, fehlt der Treibstoff, obwohl genug gegessen und geschlafen wurde.

Hier kommen Mykotoxine ins Spiel. Mykotoxine sind giftige Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen. Mehrere von ihnen sind in Zell- und Tiermodellen als Mitochondrien-Toxine beschrieben. Sie können die Atmungskette hemmen, oxidativen Stress erzeugen und die Zelle in einen Schutzmodus drängen. Daraus ergibt sich die mechanistisch plausible Hypothese, dass Schimmelbelastung bei manchen Menschen zur Erschöpfung beitragen könnte. Eine direkte Kausalität bei ME/CFS ist damit nicht bewiesen.

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Die Atmungskette wird gehemmt

Ochratoxin A und Trichothecene wie T-2 hemmen in Zellmodellen Komplexe der Atmungskette. Aflatoxin B1 greift dort ebenfalls an. Die Folge ist weniger ATP. Die Zelle muss auf einen Notbetrieb umschalten, der deutlich weniger Energie liefert und mehr Abfallprodukte hinterlässt.

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Oxidativer Stress verstärkt sich selbst

Geschädigte Mitochondrien produzieren mehr reaktive Sauerstoffspezies, kurz ROS. Der Körper versucht, mit Glutathion gegenzusteuern, aber der Speicher kann sich schneller leeren, als er gefüllt wird. Es entsteht eine selbstverstärkende Schleife aus Schaden und weiterem Schaden.

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Die Zelle macht zu

Bei wiederholter Belastung kann die Zelle ihren Stoffwechsel drosseln. Das ist ein Schutzmodus. Sinnvoll für kurze Krisen, problematisch, wenn er dauerhaft anhält. Genau dieses Bild beschreibt das Konzept der Cell Danger Response.

In vitro In vivo OTA und Mitochondrien

Obafemi und Kollegen fassen 2023 die Mechanismen der durch Ochratoxin A ausgelösten Mitochondrien-Dysfunktion zusammen. OTA kann Atmungsketten-Komplexe hemmen und eine Depolarisation der Mitochondrien-Membran auslösen. Die beschriebenen Effekte sind dosisabhängig und betreffen besonders Gewebe mit hohem Energiebedarf wie Niere, Leber und Gehirn. Das stützt die Hypothese, warum ein müdes System hier verwundbar sein könnte.

Obafemi BA et al. Mechanisms of Ochratoxin A-induced mitochondrial dysfunction. Toxicology Reports. 2023. doi:10.1016/j.toxrep.2023.04.005
In vivo T-2 und das Gehirn

Wang und Kollegen zeigen 2024 im Rattenmodell, dass T-2-Toxin die Mitochondrien-Funktion im Hirngewebe stören, ROS erhöhen und kognitive Defizite auslösen kann. Diese Tierdaten passen mechanistisch zu den Brain-Fog-Beobachtungen bei schimmelbelasteten Menschen. Ob sich das auf ME/CFS beim Menschen übertragen lässt, ist damit nicht belegt.

Wang Y et al. T-2 toxin neurotoxicity and signaling pathways. Mycotoxin Research. 2024. doi:10.1007/s12550-023-00505-2

Der gemeinsame Nenner: Cell Danger Response

Robert Naviaux hat ein Konzept beschrieben, das die scheinbar verschiedenen Beschwerdebilder verbindet, die bei chronischer Belastung auftreten. Es heißt Cell Danger Response (CDR). Vereinfacht: Eine Zelle, die wiederholt toxisch, infektiös oder traumatisch belastet wird, schaltet in einen Schutzmodus. Der Stoffwechsel wird gedrosselt, der Energiebedarf gesenkt, die Kommunikation verändert. Die Zelle macht zu.

Dieser Modus ist evolutionär sinnvoll für kurze Krisen. Bleibt er bestehen, läuft das System dauerhaft auf niedrigem Niveau. Symptome wie Erschöpfung, Belastungsintoleranz und Brain Fog lassen sich so erklären. Naviaux nennt ME/CFS ausdrücklich als eines der Bilder, die als nicht beendeter Schutzmodus verstanden werden können.

Human Übersichtsarbeit Cell Danger Response

Naviaux beschreibt 2014 die Cell Danger Response als evolutionär konservierte zelluläre Schutzantwort. Er argumentiert, dass mehrere chronische Krankheitsbilder, darunter das Chronische Fatigue-Syndrom, als Symptome eines nicht beendeten Schutzmodus verstanden werden können. Therapeutisch geht es dann eher darum, der Zelle den Ausstieg aus dem Modus zu ermöglichen, als gegen sie anzukämpfen.

Naviaux RK. Metabolic features of the cell danger response. Mitochondrion. 2014. doi:10.1016/j.mito.2013.08.006 | Nathan N. Toxic: Heal Your Body from Mold Toxicity. 2018.
Human Übersichtsarbeit Mitochondrien in der Medizin

Picard und Kollegen ordnen 2016 ein, welche Rolle Mitochondrien über die reine Energieproduktion hinaus spielen. Sie sind Sensoren des Zellzustands und Mitspieler bei Entzündung und Signalgebung. Dieses Bild macht verständlich, warum eine Störung der Mitochondrien sich nicht nur als Müdigkeit, sondern als Beschwerde über mehrere Systeme hinweg zeigen kann.

Picard M et al. The rise of mitochondria in medicine. Mitochondrion. 2016. doi:10.1016/j.mito.2016.07.003

Die vier KPNI-Linsen auf Erschöpfung und Schimmel

In der Klinischen Psychoneuroimmunologie schauen wir nicht auf ein Organ, sondern auf das Zusammenspiel der Systeme. Bei chronischer Erschöpfung greifen sie ineinander. Das erklärt, warum ein einzelner Facharztbefund das ganze Bild selten erklärt.

1. Nervensystem

Neurotoxische Mykotoxine wie OTA und T-2 stehen im Labor mit oxidativem Stress im Hirngewebe in Verbindung. Klinisch dominieren Brain Fog, gestörter Schlaf und eine autonome Dysregulation. Der Vagus-Tonus ist oft reduziert, der Körper findet schwer in den Erholungsmodus. Die Beschwerden sind nicht eingebildet, sie können eine messbare Grundlage haben.

2. Immunsystem

Mykotoxine wirken im Labor immunmodulierend, mal aktivierend, mal dämpfend. Eine niedrig-gradige, schwelende Entzündung kostet Energie und kann Müdigkeit verstärken. Geschädigte Mitochondrien setzen zudem Botenstoffe frei, die das Immunsystem zusätzlich alarmieren. So verstärken sich Erschöpfung und Entzündung gegenseitig.

3. Stoffwechsel

Hier liegt der Kern dieses Themas. Mitochondriale Dysfunktion, Glutathion-Verarmung und ein knapper ATP-Haushalt führen zu Belastungsintoleranz und kalten Händen und Füßen. Wenn die Energiewährung knapp ist, leidet jedes System, das viel davon braucht.

4. Hormonsystem

Die HPA-Achse, also die Stressachse, ist bei langer Belastung oft dysreguliert. Cortisol kann aus dem Rhythmus geraten, was Energie und Schlaf weiter stört. Manche Mykotoxine wie Zearalenon können zudem hormonell aktiv sein. Der Bezug zur Schimmelbelastung wird selten gestellt.

Reframe

„Mehr Sport" ist hier oft der falsche Ratschlag. Bei geschwächten Mitochondrien kann erzwungene aerobe Belastung den Zustand verschlechtern, statt ihn zu bessern. Erst stabilisieren, dann behutsam aufbauen. Reihenfolge schlägt Anstrengung. Das ist keine Ausrede, das ist Biologie.

Handeln: ein behutsames Vorgehen

Wenn Schimmel als möglicher Co-Faktor im Raum steht, ist die Reihenfolge entscheidend. Wer zu früh zu stark entgiftet, riskiert eine Verschlechterung. Die folgende Stufung hat sich klinisch bewährt und gehört in ärztliche Begleitung.

Stufe 1, Grundlage

Erst abklären, dann zuordnen

Vor allem anderen steht die ärztliche Abklärung, auch um andere Ursachen der Erschöpfung auszuschließen. Parallel die Wohn- und Arbeitsgeschichte ehrlich durchgehen: Gab es Wasserschäden, feuchte Räume, einen Umzug zeitgleich mit dem Beginn der Beschwerden?

Stufe 2, Exposition

Belastung reduzieren, wenn vorhanden

Wenn sich ein Schimmelproblem im Umfeld zeigt, ist die Reduktion der Exposition die wichtigste Maßnahme. Solange jemand in belasteten Räumen schläft, bleibt jede weitere Maßnahme begrenzt. Eine baubiologische Abklärung kann hier helfen.

Stufe 3, Stabilisieren

Darm, Leber und Mitochondrien stützen

Bevor stärker entgiftet wird, geht es um Stabilität: entzündungsarme Ernährung, regelmäßiger Stuhlgang, ausreichend Schlaf. Mitochondrien-Kofaktoren wie B-Vitamine, Magnesium und CoQ10 können nach ärztlicher Abstimmung unterstützen. Dosierungen gehören in ärztliche Hand. Mehr dazu im Mitochondrien-Spoke.

Stufe 4, Behutsam binden

Mykotoxine in kleiner Dosis adressieren

Erst wenn die Vorstufen stabil sind, kommen Bindemittel wie Aktivkohle in kleinen, langsam gesteigerten Dosen infrage. Cholestyramin ist verschreibungspflichtig, der Einsatz bei Mykotoxin-Belastung erfolgt off-label und ausschließlich unter ärztlicher Verordnung und Begleitung. Mehr im Ausleiten-Spoke.

Wichtiger Sicherheitshinweis

Bei post-exertioneller Malaise kann ein forciertes Trainingsprogramm schaden. Auch eine zu schnelle Entgiftung kann den Zustand verschlechtern, weil ein müdes System zusätzlich überfordert wird. Dieses Vorgehen ist kein Selbstversuch nach Internet-Protokoll. Es gehört in ärztliche Begleitung. Bei schwerer Erschöpfung wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt.

Drei Hebel, wenn du Schimmel als Co-Faktor vermutest

Du musst nicht alles auf einmal angehen. Drei Schritte können den Anfang machen.

  1. Wohn- und Arbeitsgeschichte ehrlich notieren. Die letzten Jahre durchgehen. Wasserschäden, feuchte Keller, undichte Stellen. Und die einfache Frage: Geht es mir im Urlaub besser und zu Hause schlechter? Das ist ein wichtiger Hinweis, kein Beweis.
  2. Die ärztliche Abklärung nicht überspringen. Andere Ursachen der Erschöpfung müssen ausgeschlossen werden. Eine spezialisierte umweltmedizinische Anamnese kann das Bild ergänzen, ersetzt die reguläre Versorgung aber nicht.
  3. Nicht überstürzt entgiften, sondern strukturiert vorgehen. Geduld ist Teil der Therapie. Erst abklären und stabilisieren, dann die Exposition reduzieren, dann behutsam binden. Langsamer, aber tragfähiger.
Der Reframe, der vieles ändert

„Ich bin nicht faul. Mein System war überlastet."

Wer versteht, dass anhaltende Erschöpfung eine biologische Grundlage haben kann, hört auf, gegen den eigenen Körper zu kämpfen. Die Frage wird nicht mehr „Warum schaffe ich das nicht?", sondern „Was braucht mein System, um wieder Energie zu bilden?". Diese Frage öffnet einen Weg.

Häufige Fragen zu Erschöpfung und Schimmel

Was ist ME/CFS?

ME/CFS steht für Myalgische Enzephalomyelitis und Chronisches Fatigue-Syndrom. Es ist eine schwere, langanhaltende Erschöpfungserkrankung. Ein zentrales Merkmal ist die post-exertionelle Malaise, eine Verschlechterung nach körperlicher oder geistiger Anstrengung, die oft verzögert auftritt. Die Ursachen sind vielfältig und noch nicht vollständig verstanden, deshalb gehört die Erkrankung in ärztliche Abklärung.

Kann Schimmel chronische Erschöpfung auslösen?

Eine direkte Kausalität ist nicht gesichert. Mehrere Mykotoxine sind in Zell- und Tiermodellen als Mitochondrien-Toxine beschrieben und können die Energieproduktion stören. Daraus ergibt sich die Hypothese, dass Schimmelbelastung bei einem Teil der Betroffenen ein Co-Faktor für anhaltende Erschöpfung sein könnte. Belastbare Humanstudien speziell zu ME/CFS und Mykotoxinen sind begrenzt.

Warum macht Schimmel müde, wenn die Blutwerte normal sind?

Erschöpfung auf zellulärer Ebene zeigt sich nicht immer im Standard-Blutbild. Mykotoxine können in Labormodellen die Atmungskette der Mitochondrien hemmen und oxidativen Stress erzeugen. Die Energiewährung ATP wird knapp, obwohl Routinelabore unauffällig bleiben. Das Gesamtbild und spezialisierte Diagnostik sind hier aussagekräftiger als ein einzelner Wert.

Was hat die Cell Danger Response mit Erschöpfung zu tun?

Die Cell Danger Response ist ein von Robert Naviaux beschriebener zellulärer Schutzmodus. Zellen drosseln bei wiederholter Belastung ihren Stoffwechsel. Bleibt der Modus dauerhaft aktiv, kann das anhaltende Erschöpfung, Belastungsintoleranz und Brain Fog erklären. Mykotoxine werden als möglicher Auslöser dieses Schutzmodus diskutiert.

Wann sollte ich bei Erschöpfung an Schimmel denken?

Wenn die Erschöpfung anhält und viele Therapien ohne Erfolg blieben, wenn es im Urlaub spürbar besser und zu Hause schlechter wird, wenn es Wasserschäden oder feuchte Räume in Wohnung oder Arbeit gab, und wenn paradoxe Reaktionen auf eigentlich gut gemeinte Therapien auftreten. Diese Hinweise rechtfertigen eine spezialisierte ärztliche Abklärung.

Warum verschlechtert Sport die Erschöpfung manchmal?

Bei post-exertioneller Malaise verschlechtert körperliche oder geistige Belastung den Zustand, oft erst nach einem oder zwei Tagen. Wenn die Mitochondrien geschwächt sind, kann der Körper aerobe Belastung schlecht verarbeiten. Pacing, also das bewusste Dosieren von Aktivität, ist hier sinnvoller als forciertes Training. Das gehört individuell ärztlich begleitet.

Welche Diagnostik kann sinnvoll sein?

Zuerst eine sorgfältige Anamnese inklusive Wohn- und Arbeitsgeschichte, dann der Ausschluss anderer Ursachen durch die reguläre Medizin. Ergänzend können organische Säuren im Urin, der Laktat-Pyruvat-Quotient, CoQ10 im Vollblut, der Glutathion-Status und ein Mykotoxin-Profil im Urin in spezialisierten Laboren das Bild abrunden. Keine Einzelmethode ist beweisend, das Gesamtbild zählt.

Kann man sich von dieser Erschöpfung erholen?

Erholung ist möglich, verläuft aber individuell und braucht oft Geduld. Wenn eine Schimmelbelastung beteiligt ist, beginnt ein behutsames Vorgehen mit dem Stoppen der Exposition und der Stabilisierung von Darm, Leber und Mitochondrien, bevor stärker entgiftet wird. Ergebnisse sind individuell und kein zugesichertes Behandlungsergebnis.

Ersetzt das die Diagnose meiner Ärztin oder meines Arztes?

Nein. ME/CFS und anhaltende Erschöpfung gehören in ärztliche Abklärung, auch um andere Erkrankungen auszuschließen. Der hier beschriebene Schimmel-Blickwinkel ist ein ergänzender Aspekt, keine eigenständige Diagnose und kein Ersatz für die reguläre Versorgung.

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SJ
Autor dieses Beitrags

Shukri Jarmoukli

Arzt für Integrative Medizin, KPNI und Umweltmedizin. ViveCura, Skalitzer Straße 137, 10999 Berlin-Kreuzberg. Schwerpunkte: Schimmel und Mykotoxine, Darm-Reset, Schwermetalle, Ketamin-assistierte Therapie.

Quellen und Evidenz-Hinweise

Ein großer Teil der Erkenntnisse über Mykotoxin-Wirkungen stammt aus Zellversuchen und Tiermodellen. Humanstudien speziell zu ME/CFS und Mykotoxinen sind begrenzt. Eine direkte Kausalität zwischen Schimmel und chronischer Erschöpfung ist nicht gesichert. Die hier zitierten Arbeiten beschreiben Mechanismen, die diese Frage plausibel, aber nicht bewiesen erscheinen lassen. Evidenzgrade sind markiert.

  1. Obafemi BA et al. Mechanisms of Ochratoxin A-induced mitochondrial dysfunction. Toxicology Reports. 2023. doi:10.1016/j.toxrep.2023.04.005 [In vitro, In vivo, Mechanismus-Review]
  2. Wang Y et al. T-2 toxin neurotoxicity and signaling pathways. Mycotoxin Research. 2024. doi:10.1007/s12550-023-00505-2 [In vivo, Übersichtsarbeit]
  3. Naviaux RK. Metabolic features of the cell danger response. Mitochondrion. 2014. doi:10.1016/j.mito.2013.08.006 [Pathophysiologie, Human]
  4. Picard M et al. The rise of mitochondria in medicine. Mitochondrion. 2016. doi:10.1016/j.mito.2016.07.003 [Übersichtsarbeit, Human]
  5. Ratnaseelan AM et al. Effects of Mycotoxins on Neuropsychiatric Symptoms and Immune Processes. Clinical Therapeutics. 2018. doi:10.1016/j.clinthera.2018.05.004 [In vitro, In vivo, Übersichtsarbeit]
  6. Chang C, Gershwin ME. The Science Behind Mold and Human Illness. Clin Rev Allergy Immunol. 2019. doi:10.1007/s12016-019-08741-0 [Übersichtsarbeit]
  7. Nathan N. Toxic: Heal Your Body from Mold Toxicity. Victory Belt Publishing. 2018. [Übersichtsarbeit, Praxiserfahrung]

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Einzelne genannte Substanzen sind verschreibungspflichtig oder werden off-label eingesetzt; ihre Anwendung gehört ausschließlich in ärztliche Verordnung und Begleitung. Soweit anthroposophische oder erfahrungsmedizinische Verfahren erwähnt werden, beruhen sie teils auf klinischer Tradition und sind nicht in allen Punkten durch große randomisierte Studien belegt. Ergebnisse sind individuell und kein zugesichertes Behandlungsergebnis. Autor: Shukri Jarmoukli, Praxis ViveCura, Skalitzer Straße 137, 10999 Berlin.

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