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Fibromyalgie und Schimmel: Wenn Mykotoxine die Schmerzen mit auslösen

Fibromyalgie hat selten eine einzige Ursache. Eine Schimmelbelastung könnte einer der übersehenen Co-Faktoren sein. Sie würde nicht direkt die Muskeln treffen, sondern das System, das Schmerz reguliert.

Shukri Jarmoukli · Arzt · ViveCura Berlin
Warum dieser Artikel

Fibromyalgie ist kein Muskelproblem, sie ist ein Problem der Schmerzverarbeitung. Das System, das Reize einordnet, ist gestört. Reize, die normalerweise unter der Wahrnehmungsschwelle bleiben, kommen als Schmerz oben an.

Mykotoxine können genau dieses System beschädigen. Über Mitochondrien-Schaden, Neuroinflammation und Mastzell-Aktivierung. Das ist der Grund, warum ich Schimmel als möglichen Co-Faktor ernst nehme, gerade wenn die Standardtherapie nicht ausreichend greift. Bewiesen ist dieser Zusammenhang beim Menschen nicht.

Wie ich Evidenz in diesem Artikel kennzeichne

In vitro Zellversuche In vivo Tierversuche Human Humanstudien Klinisch Praxiserfahrung

Für die Fibromyalgie-Schimmel-Achse stammen die Mechanismus-Daten fast vollständig aus Zell- und Tiermodellen. Direkte Humanstudien dazu gibt es nicht. Was ich beschreibe, ist eine Hypothese und keine gesicherte Lehrmeinung. Es gibt dazu auch eine deutliche wissenschaftliche Gegenposition, die ich unten in den Quellen aufführe. Ich markiere bei jeder Studie transparent, welche Art von Daten dahinter steht.

Was Fibromyalgie biologisch ist (kurz)

Fibromyalgie ist diagnostisch eine Ausschluss- und Konstellationsdiagnose: chronische, weit verteilte Schmerzen, ausgeprägte Erschöpfung, gestörter Schlaf, kognitive Probleme („Fibro-Fog"), oft begleitet von Reizdarm, Migräne, Stimmungsstörungen. Die ACR-Kriterien fassen das in einem Punktesystem.

Mechanistisch zeigt die Forschung drei Hauptpfade. Erstens eine zentrale Sensitivierung: das Rückenmark und Gehirn reagieren überschießend auf normale Reize. Zweitens Hinweise auf eine mitochondriale Dysfunktion. In Blutzellen von Fibromyalgie-Patientinnen fanden sich in kleineren Studien niedrigere CoQ10-Spiegel, mehr oxidativer Stress und ein verändertes Membranpotenzial. Für Muskelgewebe ist die Datenlage dünner, hier bin ich vorsichtiger mit Schlüssen. Drittens eine niedriggradige Neuroinflammation mit aktivierten Mikroglia.

Human Mitochondrien und Fibromyalgie

Cordero und Kollegen fanden in einer kleinen Untersuchung mit 20 Fibromyalgie-Patientinnen und 10 gesunden Kontrollen niedrigere CoQ10-Spiegel, ein verändertes mitochondriales Membranpotenzial und mehr oxidativen Stress in Blutzellen. Muskelgewebe wurde nicht untersucht. Die Autoren schreiben selbst, ihre Befunde könnten eine Rolle von oxidativem Stress stützen. Bei dieser Fallzahl kann das ein Hinweis sein, ein Beweis ist es nicht.

Cordero MD et al. Mitochondrial dysfunction and mitophagy activation in blood mononuclear cells of fibromyalgia patients. Arthritis Res Ther. 2010;12(1):R17. doi:10.1186/ar2918

Wo Mykotoxine andocken

Wenn man Fibromyalgie als Schmerz-Verarbeitungs-Krankheit versteht, wird sichtbar, warum Schimmel ein plausibler Trigger ist. Mykotoxine treffen drei der Achsen, die in der Fibromyalgie zentral sind.

Pfad 1: Mitochondrien-Schaden

Ochratoxin A, Trichothecene und Aflatoxine sind in Zellmodellen als potente Mitochondrien-Toxine beschrieben. Sie hemmen die Atmungskette, fördern den Zerfall der Mitochondrien-Membran, erhöhen die ROS-Produktion. Die Folge: weniger ATP, mehr oxidativer Stress, eine Energiekrise auf zellulärer Ebene.

In vitro In vivo OTA und Mitochondrien

Obafemi und Kollegen fassen 2023 in einer Übersichtsarbeit die Daten zur Neurotoxizität von Ochratoxin A zusammen. Beschrieben werden Effekte in Zellmodellen des Nervensystems und in Tiermodellen, darunter oxidativer Stress und Zelluntergang. Ob sich daraus beim Menschen ein Beitrag zu Fibromyalgie ableiten lässt, ist damit nicht gezeigt. Den Bogen dorthin schlage ich selbst, und er bleibt eine Hypothese.

Obafemi BA, Adedara IA, Rocha JBT. Neurotoxicity of ochratoxin A: Molecular mechanisms and neurotherapeutic strategies. Toxicology. 2023;497-498:153630. doi:10.1016/j.tox.2023.153630

Pfad 2: Neuroinflammation und Mikroglia

Mikroglia sind die Immunzellen des zentralen Nervensystems. Bei chronischer Aktivierung verstärken sie die Schmerzweiterleitung. Mykotoxine aktivieren Mikroglia in Zell- und Tiermodellen direkt oder über zirkulierende Zytokine.

In vivo In vitro T-2 und Nervensystem

Wang und Kollegen fassen 2024 in einer Übersichtsarbeit die Tier- und Zelldaten zu T-2-Toxin zusammen. Beschrieben werden oxidativer Stress, mitochondriale Schäden, Entzündungsprozesse im Nervensystem und Einbußen bei Lernen und Gedächtnis. Zur Schmerzverarbeitung liegen aus dieser Arbeit keine Daten vor. Den Bogen zur Fibromyalgie schlage ich hier selbst, und er bleibt eine Hypothese.

Wang Y et al. Review of neurotoxicity of T-2 toxin. Mycotoxin Res. 2024;40(1):85-95. doi:10.1007/s12550-024-00518-5

Pfad 3: Mastzellen und periphere Sensitivierung

Mastzellen sitzen an allen Grenzflächen, auch in Muskeln und Faszien. Werden sie chronisch aktiviert, schütten sie Botenstoffe aus, die periphere Nerven empfindlicher machen. Was als Berührung beginnt, kommt zentral als Schmerz an.

In vitro In vivo Mastzellen und Mykotoxine

Ratnaseelan, Tsilioni und Theoharides fassen 2018 zusammen, wie Mykotoxine über die Freisetzung entzündlicher Botenstoffe aus Mastzellen auf das Nervensystem wirken können. Beschrieben sind unter anderem Beschwerden am Bewegungsapparat. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf Neuroentwicklungsstörungen, Fibromyalgie kommt darin nicht vor. Die Verbindung zu Fibromyalgie ziehe ich selbst, sie ist meine Interpretation und keine Aussage der Quelle.

Ratnaseelan AM, Tsilioni I, Theoharides TC. Effects of Mycotoxins on Neuropsychiatric Symptoms and Immune Processes. Clinical Therapeutics. 2018. doi:10.1016/j.clinthera.2018.05.004
Reframe

Fibromyalgie ist nicht eingebildet, und sie ist keine Charakterfrage. Was wir sehen, sind messbare Veränderungen in der Schmerzverarbeitung, Hinweise auf Entzündungsprozesse im Nervensystem und auf gestörten Zellstoffwechsel. Psychische Belastung gehört mit ins Bild, sie ist Teil des Systems und nicht sein Gegenteil. Bewegung und Psychotherapie sind die Bausteine mit der besten Studienlage, daran ändert dieser Artikel nichts. Meine Frage ist eine zusätzliche: gibt es einen Reiz von außen, der das System dauerhaft in Alarm hält?

Wann ich bei langjähriger Fibromyalgie an Schimmel denke

Ein Muster, kein Fall

Was hier steht, ist kein Behandlungsverlauf und kein Ergebnis. Es ist ein Muster, das mir auffällt. Es steht für keine bestimmte Person, und es sagt nichts darüber, was bei dir herauskäme.

Die Konstellation, bei der ich aufhorche: eine Fibromyalgie-Diagnose, die seit Jahren besteht. Bewegung, Psychotherapie und Medikamente wie Pregabalin, Amitriptylin oder Duloxetin sind bereits im Einsatz. Es gab Phasen mit Besserung, aber der Boden bleibt weich. Dazu kommen Brain Fog, Reizdarm und Beschwerden, die sich an bestimmte Räume oder Wetterlagen zu koppeln scheinen.

Taucht dann in der Wohngeschichte ein Wasserschaden auf, ein feuchter Keller oder ein Schimmelfleck, der trotz Entfernung wiederkam, schaue ich mir das Umfeld genauer an. Nicht statt der bisherigen Behandlung, sondern zusätzlich zu ihr.

Ich kann dir keine Zahlen nennen, die diesen Weg belegen. Kontrollierte Studien zu einer Schimmel-Therapie bei Fibromyalgie gibt es nicht. Ob sich eine Situation nach einer Sanierung des Wohnumfelds verändert, und ob das dann an der Sanierung liegt oder an anderen Faktoren, ist damit nicht geklärt. Änderungen an deiner Schmerzmedikation gehören ausschließlich in die Hand der Ärztin oder des Arztes, die sie verordnet haben.

Bitte zuerst abklären lassen

Neu aufgetretene oder sich verschlechternde Schmerzen am ganzen Körper gehören organisch abgeklärt, bevor sie einer Schimmelbelastung zugeordnet werden. Dahinter können unter anderem eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Polymyalgia rheumatica, eine Muskelentzündung, ein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel oder eine Tumorerkrankung stecken. Eine vorschnelle Zuordnung zu Schimmel kann eine wichtige Diagnose verzögern.

Fibromyalgie geht mit erhöhter seelischer Belastung einher. Wenn du dich in einer Krise fühlst oder Gedanken hast, dir das Leben zu nehmen: die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 111 0 111 erreichbar. Bei akuter Gefahr wähle den Notruf 112.

Die KPNI-Linsen auf Fibromyalgie und Schimmel

Energetisch

Mitochondrien-Schaden durch Mykotoxine könnte die Energiekrise verstärken, die bei Fibromyalgie diskutiert wird. Erschöpfung, Belastungsintoleranz und post-exertional Malaise lassen sich auf dieser Ebene möglicherweise besser einordnen als auf der Muskel-Ebene. Belegt ist dieser Zusammenhang beim Menschen nicht.

Neuroinflammatorisch

Aktivierte Mikroglia können die Schmerzschwelle senken. Mykotoxine könnten als chronischer Trigger wirken. Bewegung und Psychotherapie sind bei Fibromyalgie die Bausteine mit der besten Studienlage und gehören in jeden Plan. Meine These ist eine andere: hält ein Reiz von außen das System dauerhaft in Alarm, kann es sein, dass diese Bausteine weniger tragen als sie könnten. Deshalb suche ich zusätzlich nach solchen Reizen, nicht statt der Leitlinientherapie.

Mastzell-immunologisch

Mastzellen können periphere Nerven empfindlicher machen. Denkbar ist, dass darüber Schmerz an Wetter, Stress und histaminreiche Mahlzeiten gekoppelt wird. Das könnte ein Teil der Erklärung für das unvorhersagbare Schmerz-Muster sein, das viele Patientinnen beschreiben. Belegt ist dieser Zusammenhang beim Menschen nicht.

Vegetativ

Eine chronische Mykotoxin-Belastung könnte das vegetative System in Richtung Sympathikus verschieben. Belegt ist das beim Menschen nicht, es ist eine Hypothese aus Tiermodellen und klinischer Beobachtung. Schlechter Schlaf, kalte Hände, Herzrasen und Reizdarm gehören zum Fibromyalgie-Bild, sie haben allerdings viele mögliche Gründe.

Diagnostik: Wie ich vorgehe

  • Anamnese mit Wohngeschichte: Wo gelebt, wo gearbeitet, gab es Wasserschäden, sichtbaren Schimmel, muffigen Geruch, paradoxe Reaktionen in bestimmten Räumen?
  • Beginn-Zeitachse: Wann fingen die Beschwerden an, was hat sich um diese Zeit im Leben verändert? Häufig findet sich ein zeitlicher Bezug zu Wohnortwechsel.
  • Mykotoxin-Profil im Urin: Ich sage dir offen dazu: dieser Test ist wissenschaftlich umstritten, es gibt keine anerkannten Grenzwerte, und ein Wert allein beweist weder eine Belastung noch einen Zusammenhang mit deinen Beschwerden. Fachgesellschaften lehnen ihn ab. Ich setze ihn nur ein, wenn Wohngeschichte und Verlauf ohnehin in diese Richtung zeigen, und ich leite aus ihm allein nie eine Therapie ab.
  • Mitochondrien-Marker: Laktat-Pyruvat-Quotient, Carnitin, organische Säuren im Urin, ggf. CoQ10.
  • Entzündungs- und Mastzell-Marker: hsCRP, Tryptase, Differenzialblutbild, Histamin.
  • Umfeld-Diagnostik: bei begründetem Verdacht baubiologische Untersuchung der Wohnung. Das ist der einzige Weg, der eine tatsächliche Quelle zeigen kann, statt sie aus dem Körper heraus zu vermuten.
  • Reihenfolge: Vor jeder Zuordnung zu Schimmel gehören andere Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen.

Ein Hinweis zu den Kosten: Ein Mykotoxin-Profil, Mitochondrien-Marker und eine baubiologische Untersuchung sind in aller Regel keine Kassenleistung. Du zahlst sie selbst. Lass dir die Kosten vorher nennen, bevor du dich dafür entscheidest.

Therapie: Reihenfolge ist entscheidend

Stufe 1

Exposition stoppen

Solange eine Quelle weiter wirkt, kann alles Weitere nur begrenzt tragen. Deshalb steht dieser Schritt bei mir vorne. Das heißt nicht, dass die übrigen Bausteine wertlos wären, sie können in dieser Reihenfolge nur mehr bewirken. Wohnumfeld prüfen, sichtbaren Schimmel professionell sanieren lassen, gegebenenfalls zeitweise oder dauerhaft umziehen. Wichtig: Eine Sanierung selbst kann kurzfristig sehr viel Sporen und Staub freisetzen. Halte dich währenddessen nicht in der Wohnung auf. Gesundheitsrelevanter Schimmel in einer Mietwohnung ist außerdem Sache des Vermieters, nicht deine Privatangelegenheit.

Stufe 2

Den Stoffwechsel vorbereiten

In dieser Phase arbeite ich individuell mit Mikronährstoffen, häufig B-Vitaminen und Magnesium, teils ergänzt um Coenzym Q10, Carnitin oder D-Ribose. Für die letztgenannten gibt es in der EU keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen. Ich beschreibe hier also mein klinisches Vorgehen und keine belegte Wirkung. Ziel ist, den Stoffwechsel vor der nächsten Stufe zu unterstützen. Ob das gelingt, zeigt der Verlauf, nicht die Theorie.

Stufe 3

Bindemittel, wenn sie vertretbar sind

Bindemittel wie modifizierte Zellulose, Aktivkohle, Bentonit oder Zeolith, in spezifischen Fällen das verschreibungspflichtige Cholestyramin. Diese Stoffe sind nicht harmlos. Sie binden unspezifisch, also auch Medikamente, Schilddrüsenhormone, die Pille, Blutverdünner und fettlösliche Vitamine. Zwischen Bindemittel und jedem Medikament gehören mindestens zwei bis vier Stunden Abstand. Bei eingeschränkter Nierenfunktion, bei Lebererkrankungen, bei vorbestehender Verstopfung, in Schwangerschaft und Stillzeit und bei Kindern und Jugendlichen gehört das Thema neu bewertet, hier rate ich davon ab. Cholestyramin bei Mykotoxinen ist ein Off-Label-Einsatz, das muss dir jemand vorher erklären. Langsame Steigerung, Mineralstoff-Ausgleich und ärztliche Begleitung sind Pflicht.

Stufe 4

Schmerz-System neu kalibrieren

Schlaf priorisieren, Wärme statt Kälte, sanftes Krafttraining nach Symptom-Stabilisierung, begleitende Psychotherapie zur Schmerz-Verarbeitung. Standardmedikation kann eine Brücke sein. Langfristig weniger Medikamente zu brauchen ist ein legitimes Ziel.

Wichtig, und das ist keine Formalie: Pregabalin, Amitriptylin und Duloxetin dürfen niemals eigenmächtig oder abrupt abgesetzt werden. Bei Pregabalin kann ein plötzliches Absetzen Krampfanfälle auslösen, bei den anderen beiden können ausgeprägte Absetzbeschwerden auftreten. Jede Dosisänderung besprichst du vorher mit der Ärztin oder dem Arzt, die dir das Medikament verordnet haben.

Sicherheitshinweis

Menschen mit Fibromyalgie reagieren oft empfindlicher auf Ausleitungsversuche. Eine zu schnelle oder zu hohe Bindemittel-Dosis kann das System überfordern, Schmerzen verstärken und Erschöpfung vertiefen. Dazu kommen die Wechselwirkungen mit Medikamenten, die oben stehen. Nichts davon ist etwas für den Eigenversuch. Diese Therapie gehört in ärztliche Begleitung mit Erfahrung in Umweltmedizin.

Was du selbst zwischen den Sitzungen tun kannst

  • Schlaf priorisieren: Der Tiefschlaf scheint für Regeneration und Schmerzverarbeitung eine besondere Rolle zu spielen. Regelmäßige Schlafenszeiten, dunkles Schlafzimmer, kein Bildschirm vor dem Schlafen sind kleine Hebel mit spürbarer Wirkung.
  • Wohnumfeld neutralisieren: Luftfeuchte unter 60 Prozent halten, sichtbaren Schimmel niemals selbst entfernen, regelmäßig lüften, Matratze und Polstermöbel auf muffigen Geruch prüfen.
  • Symptom-Tagebuch: Räume, Wetter, Mahlzeiten, Tagesverlauf. Muster erkennen statt nur Symptome zählen.
  • Sanfte Bewegung: Spaziergang, Wassergymnastik, leichtes Yoga. Pacing ist wichtiger als Intensität.
  • Stress-Regulation: Ein ausgeglichener Cortisol-Rhythmus kann sich günstig auf Immunzellen und Stoffwechsel auswirken. Atmung, Meditation und soziale Verbundenheit sind hier keine Nebensache, sie greifen auch biochemisch.

Häufige Fragen

Kann Schimmelbelastung Fibromyalgie auslösen?

Fibromyalgie ist multifaktoriell. Schimmel kann ein Co-Faktor sein, kaum jemals die alleinige Ursache. Mykotoxine können in Tier- und Zellmodellen Mitochondrien schädigen, Neuroinflammation triggern und zentrale Sensitivierung fördern. Bei Patienten mit Fibromyalgie und gleichzeitiger Wasserschadens-Geschichte oder Reaktionen auf bestimmte Räume lohnt sich eine Schimmel-Abklärung.

Wie unterscheidet sich schimmel-getriggerte Fibromyalgie von der klassischen?

Klinisch oft nicht durch Symptome allein. Hinweise auf eine Schimmel-Komponente sind: Beschwerden, die in bestimmten Räumen oder Häusern auftreten, Brain Fog und Mastzellsymptome zusätzlich zum Schmerz, paradoxe Reaktionen auf Standardtherapien, ein Beginn nach Umzug in eine wassergeschädigte Wohnung. Ein Mykotoxin-Profil im Urin kann dabei höchstens ein Puzzleteil sein. Der Test ist wissenschaftlich umstritten, es gibt keine anerkannten Grenzwerte, und ein Wert allein beweist weder eine Belastung noch einen Zusammenhang mit den Beschwerden.

Welche Mechanismen verbinden Mykotoxine mit Fibromyalgie?

Drei Hauptpfade. Erstens Mitochondrien-Schaden mit Energiekrise und erhöhter Schmerzempfindlichkeit. Zweitens chronische Neuroinflammation über Mikroglia-Aktivierung. Drittens periphere und zentrale Sensitivierung über Mastzellen und Zytokine. Diese Pfade überschneiden sich mit den anerkannten Fibromyalgie-Mechanismen.

Welche Diagnostik kommt in Frage?

Anamnese mit Wohngeschichte, Mitochondrien-Marker im Blut, Entzündungs- und Mastzell-Marker, gegebenenfalls ein Mykotoxin-Profil im Urin. Eine baubiologische Untersuchung des Wohnraums kann Hinweise auf eine tatsächliche Quelle geben. Keine dieser Methoden ist beweisend, und das Mykotoxin-Profil ist wissenschaftlich umstritten. Vor jeder Zuordnung zu Schimmel gehören andere Ursachen ausgeschlossen. Diese Untersuchungen sind in der Regel Selbstzahlerleistungen.

Kann eine Schimmel-Therapie bei Fibromyalgie hilfreich sein?

Ich kann dir dazu keine Zahlen nennen. Kontrollierte Studien zu einer Schimmel-Therapie bei Fibromyalgie gibt es nicht. Was ich beschreiben kann, ist eine Beobachtung aus meiner Sprechstunde und nicht mehr: bei einem Teil der Patientinnen mit dieser Vorgeschichte kann sich die Situation über Monate verändern. Ob das an der Sanierung liegt oder an anderen Faktoren, ist damit nicht geklärt. Die leitliniengerechte Behandlung bleibt davon unberührt.

Was sind die ersten Schritte bei Verdacht?

Wohnumfeld systematisch prüfen, vor allem Bad, Schlafzimmer und Keller. Symptom-Tagebuch mit Räumen und Tagesverlauf führen. Spezialisierte ärztliche Begleitung suchen, die mit Mykotoxinen Erfahrung hat. Eigentherapie ohne Begleitung kann mehr schaden als nutzen.

Können Antidepressiva und Pregabalin trotzdem sinnvoll sein?

Ja. Schmerz- und Schlafmodulation durch Standardmedikamente kann eine wichtige Brücke sein, während Ursachen geklärt werden. Eine Schimmel-Therapie ersetzt diese Medikamente nicht automatisch und sollte mit dem behandelnden Arzt abgestimmt sein.

Welche Rolle spielen Mitochondrien?

In kleineren Studien fanden sich bei Fibromyalgie-Patientinnen Hinweise auf eine reduzierte Mitochondrien-Funktion, untersucht wurden vor allem Blutzellen. Für Muskelgewebe ist die Datenlage dünner. Mykotoxine sind in Zellmodellen als Mitochondrien-Schädiger beschrieben. Ob eine mitochondriale Energiekrise die Symptome erklärt, wird diskutiert und ist nicht abschließend geklärt.

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SJ
Autor dieses Beitrags

Shukri Jarmoukli

Arzt. Tätigkeitsschwerpunkte: integrative und funktionelle Medizin, klinische Psychoneuroimmunologie, umweltmedizinische Fragestellungen. ViveCura, Skalitzer Straße 137, 10999 Berlin-Kreuzberg. Themen: Schimmel und Mykotoxine, Darm-Reset, Schwermetalle.

Quellen und Evidenz-Hinweise

Für die Fibromyalgie-Schimmel-Achse stammen die Mechanismus-Daten fast vollständig aus Zell- und Tiermodellen. Direkte Humanstudien zu einer schimmel-induzierten Fibromyalgie gibt es nicht, und die Verbindung zwischen beiden ist meine Hypothese, keine belegte Tatsache. Die Gegenposition dazu ist in Quelle 7 aufgeführt. Der Evidenzgrad ist bei jeder Quelle angegeben.

  1. Cordero MD et al. Mitochondrial dysfunction and mitophagy activation in blood mononuclear cells of fibromyalgia patients. Arthritis Res Ther. 2010;12(1):R17. doi:10.1186/ar2918 [Fall-Kontroll-Studie, Human, n=20 plus 10 Kontrollen]
  2. Obafemi BA, Adedara IA, Rocha JBT. Neurotoxicity of ochratoxin A: Molecular mechanisms and neurotherapeutic strategies. Toxicology. 2023;497-498:153630. doi:10.1016/j.tox.2023.153630 [Übersichtsarbeit, überwiegend Zell- und Tiermodelle]
  3. Wang Y et al. Review of neurotoxicity of T-2 toxin. Mycotoxin Res. 2024;40(1):85-95. doi:10.1007/s12550-024-00518-5 [Übersichtsarbeit, Zell- und Tiermodelle]
  4. Ratnaseelan AM, Tsilioni I, Theoharides TC. Effects of Mycotoxins on Neuropsychiatric Symptoms and Immune Processes. Clinical Therapeutics. 2018. doi:10.1016/j.clinthera.2018.05.004 [Übersichtsarbeit, Schwerpunkt Neuroentwicklungsstörungen, ohne Bezug zu Fibromyalgie]
  5. Häuser W, Fitzcharles MA. Facts and myths pertaining to fibromyalgia. Dialogues Clin Neurosci. 2018. doi:10.31887/DCNS.2018.20.1/whauser [Übersichtsarbeit, Human]
  6. Sluka KA, Clauw DJ. Neurobiology of fibromyalgia and chronic widespread pain. Neuroscience. 2016. doi:10.1016/j.neuroscience.2016.06.006 [Pathophysiologie, Human]
  7. Chang C, Gershwin ME. The Myth of Mycotoxins and Mold Injury. Clin Rev Allergy Immunol. 2019;57(3):449-455. doi:10.1007/s12016-019-08767-4 [Übersichtsarbeit, kritische Gegenposition]. Diese Übersicht widerspricht der hier beschriebenen Sichtweise deutlich. Sie hält Mykotoxin-Messungen im Urin für nicht validiert. Ich führe sie bewusst auf, weil ich meine Position nicht ohne die Gegenrede darstellen möchte.
  8. Theoharides TC et al. Fibromyalgia syndrome in need of effective treatments. J Pharmacol Exp Ther. 2015;355(2):255-63. doi:10.1124/jpet.115.227298 [Übersichtsarbeit, Human]
  9. WHO. Guidelines for indoor air quality: dampness and mould. 2009. WHO Behördendokument [Behördendokument, Übersichtsarbeit]

Stand: 22. Mai 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Einzelne genannte Substanzen, etwa Cholestyramin, sind verschreibungspflichtig und werden bei dieser Fragestellung off-label eingesetzt. Ihr Einsatz gehört ausschließlich in ärztliche Verordnung und Begleitung. Ein Behandlungserfolg wird nicht zugesagt, Verläufe sind individuell. Setze verordnete Medikamente niemals eigenmächtig ab. Autor: Shukri Jarmoukli, Praxis ViveCura, Skalitzer Straße 137, 10999 Berlin.

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