Ratgeber Naturkräfte · Hitze und Herz-Kreislauf

Sauna und Herz: Wie oft ist gesund?

Finnische Langzeitdaten zeigen einen bemerkenswerten Zusammenhang zwischen häufigem Saunieren und dem Herz-Kreislauf-Risiko. Hier steht, was die Zahlen sagen, wo sie an ihre Grenzen kommen und wann Vorsicht geboten ist.

Dosis 4 bis 7 Mal pro Woche Kuopio-Kohorte Bei Herzerkrankung Medikamente Grenzen der Evidenz
Shukri Jarmoukli · Arzt · Tätigkeitsschwerpunkt Integrative Medizin · ViveCura Berlin
Mein Ausgangspunkt

Sauna wird meistens als Wellness verkauft. In den finnischen Daten sieht sie eher aus wie ein Kreislauftraining im Sitzen. Beides zusammen ergibt erst ein ehrliches Bild: entspannend, wahrscheinlich hilfreich, und für ein paar Menschen genau deshalb nicht harmlos.

Du sitzt auf der Holzbank, das Thermometer zeigt achtzig Grad, dein Herz schlägt schneller, und irgendwo im Kopf taucht dieser Satz auf: ist das eigentlich gut für mich? Oder mute ich meinem Herz gerade zu viel zu?

Ich bekomme diese Frage oft. Meistens nicht von Menschen, die krank sind. Sondern von Menschen, die etwas gehört haben. Von der Finnland-Studie. Von den vier bis sieben Saunagängen pro Woche. Von der Zahl, die im Netz kursiert und angeblich alles verändert.

Die Zahl gibt es wirklich. Sie ist besser belegt, als die meisten Wellness-Versprechen es je sein werden. Und sie ist trotzdem missverständlich, wenn niemand dazu sagt, wie sie zustande kam und für wen sie nicht gilt.

Was dich in diesem Artikel erwartet

  • Was in deinem Kreislauf passiert, während du in der Hitze sitzt
  • Die Kuopio-Daten: wer wurde untersucht, wie lange, mit welchem Ergebnis
  • Die Dosisfrage: Häufigkeit und Dauer im Detail
  • Die vier KPNI-Linsen auf den Hitzereiz
  • Warum Beobachtungsstudien keine Beweise für Ursache sind
  • Klare Gegenanzeigen bei bestehender Herzerkrankung
  • Diuretika, Betablocker, Blutdrucksenker und was sie ändern
  • Drei Hebel, die du diese Woche umsetzen kannst

Ein Blutdruck, der sich nicht dramatisch anfühlt

Bevor wir in die Zahlen gehen, ein Muster, das ich sehr oft sehe. Anonymisiert und in Teilen zusammengesetzt, damit niemand darin einen konkreten Menschen wiedererkennen kann.

„Ich soll Sport machen. Aber abends habe ich dafür keine Kraft mehr."

Stell dir einen Mann Mitte vierzig vor. Bürojob, zwei Kinder, viel Sitzen, wenig Bewegung. Beim Check-up misst die Hausärztin wiederholt Werte um 145 zu 90. Kein Notfall. Aber auch nicht mehr harmlos.

Er bekommt den Rat, den fast alle bekommen: mehr Bewegung, weniger Salz, abnehmen. Er versucht es. Er scheitert. Nicht an der Einsicht, sondern an der Erschöpfung nach dem Arbeitstag.

„Alles, was ich abends noch schaffe, ist auf dem Sofa sitzen. Sport fühlt sich an wie eine weitere Rechnung, die ich nicht bezahlen kann."

Was wir gemeinsam angeschaut haben, war nicht nur der Blutdruck. Sondern der Schlaf, die Trinkmenge, das Stressmuster am Nachmittag und die Frage, welche Form von Regeneration überhaupt in sein Leben passt. Er kam selbst auf die Sauna, weil sein Sportverein eine hatte und er dort ohnehin zweimal die Woche vorbeikam.

Wir haben das nicht als Ersatz für Bewegung besprochen, sondern als Einstiegspunkt. Zwei Gänge nach dem Schwimmen, später drei Abende pro Woche. Nach einigen Monaten lagen die Werte im Mittel niedriger, und er beschrieb, dass er abends besser abschalten könne.

Ich kann keine Kausalität behaupten, aber ich dokumentiere den zeitlichen Zusammenhang. Parallel hatte er mehr getrunken, war öfter geschwommen und ging früher ins Bett. Was davon welchen Anteil hatte, kann ich nicht auseinanderrechnen.

Die Lehre: Sauna kann ein Türöffner sein für Menschen, denen der klassische Sportratschlag gerade unerreichbar erscheint.

Reframe

Die meisten denken bei Sauna an Erholung. Physiologisch ist sie näher an einer moderaten Belastung als an einem Nickerchen. Die Herzfrequenz steigt, die Gefäße weiten sich, das Herzzeitvolumen nimmt zu.

Das ist die gute Nachricht für Menschen mit wenig Zeit. Und genau der Grund, warum ein krankes Herz diesen Reiz nicht immer verträgt.

Was in deinem Körper passiert, während du 15 Minuten in der Hitze sitzt

Stell dir dein Gefäßsystem wie ein Bewässerungssystem mit vielen kleinen Schiebern vor. In der Hitze öffnet der Körper alle Schieber, die zur Haut führen. Warum? Weil Blut an der Hautoberfläche Wärme abgeben kann.

Das hat Folgen, die sich im ganzen Kreislauf fortsetzen.

1

Die Hautgefäße weiten sich

Ein großer Teil des Blutvolumens verlagert sich nach außen. Der Gefäßwiderstand im Körper sinkt, der Blutdruck fällt tendenziell ab.

2

Das Herz gleicht aus

Damit trotzdem genug Blut durch den Körper kommt, schlägt das Herz schneller. Die Übersichtsarbeit aus den Mayo Clinic Proceedings beschreibt Frequenzen, die in einem typischen Saunagang deutlich ansteigen können.

3

Du verlierst Flüssigkeit

Über den Schweiß verlässt Wasser den Körper, dazu Natrium und andere Elektrolyte. Das Blutvolumen sinkt, wenn du nicht nachtrinkst.

4

Beim Aufstehen kommt der kritische Moment

Weite Gefäße plus weniger Volumen plus Schwerkraft: Genau hier entsteht der Schwindel, den viele kennen. Bei manchen Menschen ist das harmlos. Bei anderen nicht.

5

Die Erholungsphase ist Teil des Reizes

Nach dem Saunagang bleibt der Blutdruck eine Weile niedriger als vorher. Der Körper lernt in dieser Phase, seine Gefäßregulation flexibel zu halten.

Interventionsstudie am Menschen Studien-Box · Akuteffekte

Eine finnische Arbeitsgruppe um Laukkanen untersuchte 102 Menschen mit mindestens einem Herz-Kreislauf-Risikofaktor, Durchschnittsalter rund 52 Jahre. Alle absolvierten eine einzelne Saunasitzung über 30 Minuten bei 73 Grad.

Gemessen wurde vor der Sauna, direkt danach und nach 30 Minuten Erholung. Die Pulswellengeschwindigkeit, ein Maß für die Steifigkeit der Arterien, sank im Mittel von 9,8 auf 8,6 Meter pro Sekunde. Der systolische Blutdruck fiel von 137 auf 130 mmHg, der diastolische von 82 auf 75 mmHg. Der systolische Wert blieb auch nach der Erholungsphase noch unter dem Ausgangswert.

Was das für dich bedeuten kann: Der Effekt ist real und messbar. Er ist aber zunächst ein Akuteffekt. Ob daraus eine dauerhafte Veränderung wird, hängt an der Wiederholung.

Laukkanen T et al., Journal of Human Hypertension, 2018. DOI: 10.1038/s41371-017-0008-z

Die vier KPNI-Linsen auf den Hitzereiz

In der klinischen Psychoneuroimmunologie schauen wir nicht nur auf ein Organ, sondern auf vier verwobene Systeme. Bei Hitze ist das besonders anschaulich, weil alle vier gleichzeitig reagieren.

Nervensystem

Der Sympathikus steigt während der Hitze an, danach übernimmt der Parasympathikus. Diese Pendelbewegung könnte die autonome Flexibilität trainieren. Bei Menschen mit sehr labiler Kreislaufregulation kann derselbe Reiz aber zu Schwindel oder Ohnmachtsneigung führen.

Immunsystem

Die finnische Gruppe fand in einer Auswertung von 2.084 Männern ohne akute Entzündung einen Zusammenhang zwischen häufigerem Saunieren und niedrigerem C-reaktivem Protein. Niedriggradige Entzündung gilt als einer der Motoren der Gefäßalterung.

Stoffwechsel

Hitzestress kann die Bildung von Hitzeschockproteinen anstoßen. Diese Eiweiße helfen Zellen dabei, andere Eiweiße stabil zu halten. Der Zusammenhang zur Gefäßgesundheit ist mechanistisch plausibel, beim Menschen aber noch nicht abschließend belegt.

Hormonsystem

Kurzzeitig steigen Stresshormone an, danach folgt eine ausgeprägte Entspannungsphase. Dieses Muster ähnelt dem, was wir von dosierter körperlicher Belastung kennen: ein Reiz, dann Erholung, dann Anpassung.

Und jetzt weißt du, warum dieselbe Kabine für den einen Menschen ein Training und für den anderen eine Überforderung sein kann.

Die finnischen Daten: 2.315 Männer, über zwanzig Jahre beobachtet

Fast alles, was heute über Sauna und Herz erzählt wird, stammt aus einer einzigen Quelle: der Kuopio Ischaemic Heart Disease Risk Factor Study, kurz KIHD. Eine Bevölkerungsstichprobe aus Ostfinnland, untersucht ab 1984, und seitdem immer weiter nachbeobachtet.

Das ist zunächst eine Stärke. So lange Beobachtungszeiträume gibt es selten. Es ist zugleich eine Schwäche, weil viele der bekannten Sauna-Ergebnisse aus derselben Gruppe von Menschen stammen. Sie sind also nicht so unabhängig voneinander, wie die Anzahl der Publikationen vermuten lässt.

Prospektive Kohorte, 20,7 Jahre Studien-Box · Die Ausgangsstudie

Laukkanen und Kolleginnen und Kollegen werteten 2.315 Männer im Alter von 42 bis 60 Jahren aus. Sie hatten zu Beginn angegeben, wie oft und wie lange sie in die Sauna gingen. Danach wurde über einen Median von 20,7 Jahren nachverfolgt, wer starb und woran.

601 Männer gingen einmal pro Woche in die Sauna, 1.513 gingen zwei- bis dreimal, und 201 gingen vier- bis siebenmal. Verglichen mit der Gruppe mit einem Gang pro Woche lag die Hazard Ratio für den plötzlichen Herztod bei zwei bis drei Gängen bei 0,78 (95 Prozent Konfidenzintervall 0,57 bis 1,07) und bei vier bis sieben Gängen bei 0,37 (0,18 bis 0,75). Für tödliche koronare Ereignisse, tödliche Herz-Kreislauf-Ereignisse und die Gesamtsterblichkeit zeigten sich ähnliche Zusammenhänge.

Was das für dich bedeuten kann: Der Zusammenhang ist deutlich und läuft in eine klare Richtung. Er ist gleichzeitig an einer sehr kleinen Gruppe von nur 201 Männern aufgehängt.

Laukkanen T, Khan H, Zaccardi F, Laukkanen JA. JAMA Internal Medicine, 2015. DOI: 10.1001/jamainternmed.2014.8187

Ein häufiger Einwand lautete: Das waren nur Männer. Deshalb ist die Nachfolgestudie wichtig.

Prospektive Kohorte, Männer und Frauen Studien-Box · Auch bei Frauen

In einer zweiten Auswertung wurden 1.688 Menschen im mittleren Alter von 63 Jahren beobachtet, davon 51,4 Prozent Frauen. Über einen Median von 15,0 Jahren traten 181 tödliche Herz-Kreislauf-Ereignisse auf.

Verglichen mit einem Saunagang pro Woche lagen die Hazard Ratios nach Anpassung an etablierte Risikofaktoren bei 0,75 (0,52 bis 1,08) für zwei bis drei Gänge und bei 0,23 (0,08 bis 0,65) für vier bis sieben Gänge. Auffällig war zudem, dass die Aufnahme der Sauna-Häufigkeit in ein Risikomodell dessen Vorhersagegüte messbar verbesserte.

Was das für dich bedeuten kann: Der Zusammenhang beschränkt sich nicht auf Männer. Die Konfidenzintervalle sind allerdings breit, was auf wenige Ereignisse in der Gruppe mit hoher Frequenz hinweist.

Laukkanen T, Kunutsor SK, Khan H, Willeit P, Zaccardi F, Laukkanen JA. BMC Medicine, 2018. DOI: 10.1186/s12916-018-1198-0
0,37Hazard Ratio für plötzlichen Herztod bei 4 bis 7 Gängen pro Woche (KIHD, Männer)
0,54Hazard Ratio für neu auftretenden Bluthochdruck bei 4 bis 7 Gängen pro Woche
0,39Hazard Ratio für Schlaganfall bei 4 bis 7 Gängen pro Woche

Blutdruck, Schlaganfall und Gedächtnis

Die Arbeitsgruppe hat die gleiche Kohorte auf mehrere Endpunkte hin untersucht. Drei Ergebnisse sind für Herz und Gefäße besonders relevant.

Prospektive Kohorte, 24,7 Jahre Studien-Box · Bluthochdruck

Zaccardi und Kolleginnen und Kollegen beobachteten 1.621 Männer, die zu Beginn keinen Bluthochdruck hatten. Über einen Median von 24,7 Jahren entwickelten 251 von ihnen einen Bluthochdruck.

Verglichen mit einem Saunagang pro Woche lag die Hazard Ratio bei zwei bis drei Gängen bei 0,76 (0,57 bis 1,02) und bei vier bis sieben Gängen bei 0,54 (0,32 bis 0,91). Nach zusätzlicher Anpassung an Alkohol, Herzfrequenz, Familienanamnese, sozioökonomischen Status und Ausdauerleistungsfähigkeit blieb der Zusammenhang bestehen.

Was das für dich bedeuten kann: Ein niedrigerer Blutdruck könnte einer der Wege sein, über die regelmäßiges Saunieren mit weniger Herz-Kreislauf-Ereignissen verknüpft ist.

Zaccardi F et al., American Journal of Hypertension, 2017. DOI: 10.1093/ajh/hpx102
Prospektive Kohorte, 14,9 Jahre Studien-Box · Schlaganfall

Kunutsor und Kolleginnen und Kollegen untersuchten 1.628 Männer und Frauen im Alter von 53 bis 74 Jahren ohne bekannten Schlaganfall in der Vorgeschichte. In 14,9 Jahren traten 155 Schlaganfälle auf.

Bei vier bis sieben Saunagängen pro Woche lag die Hazard Ratio nach Anpassung an etablierte Risikofaktoren bei 0,39 (0,18 bis 0,84), nach zusätzlicher Anpassung an körperliche Aktivität und sozioökonomischen Status bei 0,38 (0,18 bis 0,81). Für den ischämischen Schlaganfall war das Bild ähnlich, für den Hirnblutungs-Schlaganfall wegen nur 34 Ereignissen schwächer.

Was das für dich bedeuten kann: Auch hier zeigt sich die Dosisrichtung. Und auch hier ist die Zahl der Ereignisse in der Hochfrequenz-Gruppe klein.

Kunutsor SK et al., Neurology, 2018. DOI: 10.1212/WNL.0000000000005606

Ein Nebenbefund gehört dazu, weil er zeigt, wie weit die Gefäßgesundheit reicht. Dieselbe Kohorte ergab für Demenz und Alzheimer bei vier bis sieben Gängen pro Woche Hazard Ratios von 0,34 (0,16 bis 0,71) beziehungsweise 0,35 (0,14 bis 0,90). Gefäße im Gehirn sind eben auch Gefäße.

„Was Herz und Kopf verbindet, ist nicht Mystik. Es ist dasselbe Rohrsystem."

Shukri Jarmoukli, ViveCura Berlin

Die Dosisfrage: wie oft und wie lange?

Jetzt zur Frage, die dich hierher gebracht hat. Die ehrliche Antwort besteht aus zwei Teilen: was die Daten zeigen, und was davon in dein Leben passt.

HäufigkeitWas die Kuopio-Daten zeigenPraktische Einordnung
1 Mal pro Woche Referenzgruppe. Alle Vergleiche beziehen sich auf diese Menschen. Angenehm, aber vermutlich zu selten für einen messbaren Trainingsreiz am Gefäßsystem.
2 bis 3 Mal pro Woche Tendenz zu niedrigerem Risiko, statistisch aber überwiegend nicht abgesichert (Konfidenzintervalle überschreiten die 1). Realistischer Einstieg für die meisten Menschen. Gut mit Sport oder Schwimmen kombinierbar.
4 bis 7 Mal pro Woche Hier liegen die deutlichsten Zusammenhänge für plötzlichen Herztod, Herz-Kreislauf-Sterblichkeit, Bluthochdruck und Schlaganfall. In Finnland Alltag, in Deutschland für die wenigsten machbar. Kein Grund, sich unter Druck zu setzen.
Unter 11 Minuten pro Gang Referenz für die Dauer-Analyse. Kurz. Der Kreislaufreiz baut sich erst nach einigen Minuten richtig auf.
11 bis 19 Minuten Hazard Ratio 0,93 (0,67 bis 1,28) für plötzlichen Herztod. Für die meisten Menschen die praktikable Zone.
Über 19 Minuten Hazard Ratio 0,48 (0,31 bis 0,75) für plötzlichen Herztod. Nur, wenn es sich gut anfühlt. Länger ist nicht automatisch besser, und die Grenze ist individuell.
Reframe

Viele lesen „vier bis sieben Mal pro Woche" und denken: schaffe ich nie, also lasse ich es. Das ist der falsche Schluss.

Die Studien vergleichen nicht Sauna gegen keine Sauna. Sie vergleichen häufiger gegen seltener, innerhalb einer Kultur, in der praktisch alle saunieren. Zwei Gänge pro Woche sind kein Scheitern an einem Ideal. Sie sind ein Schritt in die Richtung, in die die Kurve zeigt.

Sauna plus Bewegung ist stärker als beides allein

Wenn du nur eine Sache aus diesem Abschnitt mitnimmst, dann diese: Sauna ersetzt Bewegung nicht. Sie verstärkt sie.

Randomisierte kontrollierte Studie Studien-Box · Der einzige größere RCT

Lee und Kolleginnen und Kollegen teilten 47 wenig aktive Erwachsene mit mindestens einem Herz-Kreislauf-Risikofaktor, Durchschnittsalter 49 Jahre, per Zufall in drei Gruppen ein: Training plus 15 Minuten Sauna danach, Training allein, oder Kontrolle. Über acht Wochen.

Training allein verbesserte die Ausdauerleistungsfähigkeit gegenüber der Kontrolle um 6,2 ml pro Kilogramm und Minute und verringerte die Fettmasse, veränderte den Blutdruck aber nicht. Die Gruppe mit Sauna zeigte gegenüber der reinen Trainingsgruppe eine zusätzliche Verbesserung der Ausdauer um 2,7 ml pro Kilogramm und Minute, einen um 8,0 mmHg niedrigeren systolischen Blutdruck und niedrigere Gesamtcholesterinwerte.

Was das für dich bedeuten kann: Das ist die bislang beste randomisierte Evidenz. Sie ist klein und kurz, aber sie zeigt in dieselbe Richtung wie die Kohortendaten. Und sie sagt klar: Sauna ergänzt, sie ersetzt nicht.

Lee E et al., American Journal of Physiology, 2022. DOI: 10.1152/ajpregu.00076.2022

Passend dazu die Kombinationsanalyse aus der Kuopio-Kohorte: Bei 2.291 Männern war die Kombination aus hoher Ausdauerleistungsfähigkeit und häufigen Saunagängen mit einer Hazard Ratio von 0,31 (0,16 bis 0,63) für den plötzlichen Herztod verbunden, verglichen mit niedriger Fitness und seltener Sauna. Hohe Fitness allein lag bei 0,49 (0,34 bis 0,70), häufige Sauna allein bei 0,71 (0,45 bis 1,10).

Wo die Evidenz endet, und warum ich das dazusage

Hier wird es unbequem. Und genau deshalb wichtig.

Fast alle beeindruckenden Zahlen in diesem Artikel stammen aus Beobachtungsstudien. Das heißt: Niemand hat Menschen zufällig einer Sauna-Gruppe zugelost und dann zwanzig Jahre gewartet. Die Forschenden haben gefragt, was die Teilnehmenden ohnehin tun, und dann beobachtet, was danach passiert.

Drei Einschränkungen, die du kennen solltest

Erstens der Gesunde-Nutzer-Effekt. Wer krank, erschöpft oder gebrechlich ist, geht seltener in die Sauna. Nicht die Sauna macht dann gesund, sondern die Gesundheit ermöglicht die Sauna. Die Studienautoren rechnen viele Risikofaktoren heraus, aber sie können nicht alles herausrechnen, was sie nicht gemessen haben.

Zweitens die Gruppengrößen. In der Ausgangsstudie saßen in der Hochfrequenz-Gruppe nur 201 von 2.315 Männern, mit 10 plötzlichen Herztoden. Solche Zahlen erzeugen breite Konfidenzintervalle. Ein Ergebnis von 0,37 mit einem Intervall von 0,18 bis 0,75 ist statistisch auffällig, aber es ist keine Präzisionsangabe.

Drittens die Übertragbarkeit. Ostfinnland in den achtziger Jahren ist nicht Berlin heute. Dort ist Sauna kulturell eingebettet, technisch standardisiert und Teil des Familienlebens. Wer hier zweimal im Monat in eine überfüllte Therme geht, macht etwas anderes.

Randomisierte Studien gibt es. Sie sind klein und kurz. Ein systematischer Review über 40 klinische Studien mit insgesamt 3.855 Teilnehmenden kam zu dem Schluss, dass regelmäßige Trockensauna gesundheitliche Vorteile haben könnte, dass die Studien aber überwiegend klein waren, nur 13 randomisiert, und dass belastbare Daten zu Häufigkeit und Ausmaß von Nebenwirkungen fehlen.

Wie ich das einordne

Für mich ist Sauna kein Medikament und kein Wundermittel. Sie ist ein niedrigschwelliger Lebensstilfaktor mit plausibler Physiologie, guter Verträglichkeit für die meisten Menschen und einer Datenlage, die konsistent in eine günstige Richtung zeigt.

Das ist deutlich mehr, als sich über die meisten Wellness-Angebote sagen lässt. Und es ist deutlich weniger als ein Beweis.

Wenn das Herz schon krank ist: wann Vorsicht geboten ist

Jetzt der Teil, den ich am wichtigsten finde. Denn dieselbe Physiologie, die den Nutzen erklärt, erklärt auch das Risiko.

Ein gesundes Herz beantwortet die Gefäßerweiterung mit mehr Schlägen. Ein Herz mit enger Aortenklappe, mit instabiler Durchblutung oder mit erschöpfter Pumpleistung kann das nicht in gleichem Maße.

Achtung · Klare Gegenanzeigen

In der Übersichtsarbeit von Hannuksela und Ellahham im American Journal of Medicine werden ausdrücklich als Gegenanzeigen genannt:

  • Instabile Angina pectoris. Brustschmerz, der neu auftritt, in Ruhe kommt oder sich verschlimmert.
  • Kürzlich zurückliegender Herzinfarkt. Die Erholungsphase des Herzmuskels verträgt keinen zusätzlichen Kreislaufreiz.
  • Schwere Aortenklappenstenose. Bei enger Klappe kann der Blutdruckabfall in der Hitze gefährlich werden, weil das Herz den Auswurf nicht ausreichend steigern kann.

Aus der klinischen Praxis und aus späteren Übersichtsarbeiten kommen weitere Situationen dazu, in denen ich zur Zurückhaltung rate:

  • Dekompensierte Herzinsuffizienz. Also akute Luftnot, Beinödeme, rasche Gewichtszunahme durch Wasser.
  • Ausgeprägte Herzrhythmusstörungen oder eine bekannte Neigung zu Ohnmachtsanfällen.
  • Ausgeprägte orthostatische Dysregulation. Wer schon im Alltag beim Aufstehen schwarz sieht, hat in der Sauna wenig Reserve.
  • Akuter Infekt mit Fieber, starker Flüssigkeitsmangel oder frische Operationswunden.
  • Schwangerschaft mit Komplikationen. Bei unkomplizierten Schwangerschaften gilt Sauna in der finnischen Literatur als verträglich, bei Komplikationen gehört die Frage in die betreuende Sprechstunde.

Die gute Nachricht dazu, weil Angst kein guter Ratgeber ist: Dieselbe Übersichtsarbeit hält fest, dass Sauna für die meisten Menschen mit koronarer Herzkrankheit bei stabiler Angina pectoris oder länger zurückliegendem Infarkt gut verträglich ist. Und dass tödliche Ereignisse in der Sauna insgesamt selten sind.

Herzschwäche: differenzieren statt pauschal verbieten

Bei chronischer Herzinsuffizienz ist die Lage interessanter, als viele denken. In Japan wurde daraus eine eigene Therapieform entwickelt.

Kontrollierte klinische Studie Studien-Box · Herzinsuffizienz

Kihara und Kolleginnen und Kollegen behandelten 20 Patientinnen und Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz im NYHA-Stadium II oder III täglich über zwei Wochen mit einer Trockensauna bei 60 Grad für 15 Minuten, gefolgt von 30 Minuten Bettruhe unter einer Decke. Zehn vergleichbare Personen bildeten die Kontrollgruppe.

Bei 17 von 20 Behandelten besserten sich die klinischen Beschwerden. Die flussvermittelte Gefäßerweiterung der Armarterie nahm signifikant zu, während die Reaktion auf Nitroglyzerin unverändert blieb. Das spricht dafür, dass sich die Funktion der Gefäßinnenhaut verbessert hat. Die BNP-Werte, ein Marker für die Herzbelastung, sanken.

Was das für dich bedeuten kann: Bei stabiler, gut eingestellter Herzinsuffizienz kann dosierte, milde Wärme unter Aufsicht sinnvoll sein. Beachte die Bedingungen: 60 Grad, nicht 90. Ärztlich begleitet, nicht spontan in der Therme.

Kihara T et al., Journal of the American College of Cardiology, 2002. DOI: 10.1016/s0735-1097(01)01824-1

Eine systematische Übersicht mit Metaanalyse aus Uppsala fasste neun Studien zusammen. Die Auswertung von sieben Studien zeigte für Infrarotsauna bei 60 Grad über 15 Minuten, fünfmal pro Woche über zwei bis vier Wochen, eine Verringerung des BNP, eine Verkleinerung des Herz-Thorax-Quotienten und eine Verbesserung der linksventrikulären Auswurffraktion. Auf Blutdruck und Vorhofgröße zeigte sich kein signifikanter Effekt. Die Stärke der Evidenz bewerteten die Autorinnen und Autoren als moderat bis unzureichend.

Wichtige Präzisierung

Diese Daten stammen aus Infrarot-Kabinen im Rahmen eines definierten Behandlungsprotokolls, nicht aus der klassischen finnischen Sauna mit 80 bis 100 Grad. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht einfach auf den Saunabesuch am Wochenende übertragen.

Wer eine Herzschwäche hat und Wärme nutzen möchte, bespricht Temperatur, Dauer und Häufigkeit vorher kardiologisch. Das ist keine Formalität, sondern der Unterschied zwischen Reiz und Überforderung.

Medikamente: was sich unter Diuretika, Betablockern und Blutdrucksenkern ändert

Das ist der Punkt, der in Wellness-Artikeln fast immer fehlt. Dabei betrifft er sehr viele Menschen.

Auf einen Blick · Medikamente und Hitze
  • Diuretika (Entwässerungsmittel). Sie senken das Blutvolumen. Die Sauna senkt es über den Schweiß zusätzlich. Beides zusammen kann den Blutdruckabfall verstärken und die Elektrolyte verschieben. Trinkmenge im Blick behalten, sehr lange Gänge eher meiden.
  • Betablocker. Sie begrenzen den Herzfrequenzanstieg. Genau dieser Anstieg gleicht in der Hitze die Gefäßerweiterung aus. Der Ausgleich fällt also kleiner aus, Schwindel beim Aufstehen kann häufiger vorkommen.
  • ACE-Hemmer, Sartane, Kalziumantagonisten. Sie senken den Blutdruck ohnehin. Der zusätzliche Abfall in der Hitze kann spürbarer werden, besonders in den ersten Wochen nach einer Neueinstellung.
  • Nitrate. Sie erweitern die Gefäße stark. Die Kombination mit Hitze kann zu deutlichem Blutdruckabfall führen.
  • Beruhigungsmittel, Schlafmittel und Alkohol. Sie dämpfen die Kreislaufgegenregulation und die Wahrnehmung von Warnsignalen. Diese Kombination gilt als besonders riskant.
Achtung · Alkohol

In der Übersichtsarbeit von Hannuksela und Ellahham wird Alkoholkonsum während des Saunierens ausdrücklich als Risikofaktor für Blutdruckabfall, Rhythmusstörungen und plötzliche Todesfälle benannt. Eine spätere Übersicht ordnet die seltenen Todesfälle in der Sauna überwiegend der Kombination aus Alkohol, Vorerkrankung und Alleinsein zu.

Das ist keine moralische Frage. Es ist Physiologie. Alkohol öffnet die Gefäße zusätzlich, dämpft die Gegenregulation und entwässert.

Drei Hebel, die du diese Woche umsetzen kannst

Genug Theorie. Was folgt daraus konkret?

Hebel 1: Zwei feste Termine statt eines vagen Vorsatzes

  • Koppel die Sauna an etwas, das ohnehin stattfindet: nach dem Schwimmen, nach dem Sport, an einem festen Abend.
  • Zwei Gänge pro Woche sind der realistische Startpunkt. Nicht sieben.
  • Pro Gang 10 bis 15 Minuten, danach mindestens genauso lange Ruhe.

Hebel 2: Den Ausstieg genauso ernst nehmen wie den Aufenthalt

  • Setz dich in der letzten Minute in der Kabine auf, bevor du aufstehst.
  • Kühl von den Füßen aufwärts ab, nicht mit dem Kopf zuerst.
  • Nach dem letzten Gang bewusst zehn Minuten liegen. Der Blutdruck braucht diese Zeit.
  • Bei bekannten Rhythmusstörungen auf das kalte Tauchbecken eher verzichten.

Hebel 3: Die Kombination bauen, nicht die Abkürzung suchen

  • Sauna nach Bewegung, nicht statt Bewegung. Das ist der Punkt, an dem der RCT am deutlichsten war.
  • Trinkmenge vorher und nachher bewusst planen, besonders unter entwässernden Medikamenten.
  • Kein Alkohol vor oder während des Saunierens.
  • Bei bekannter Herzerkrankung oder neuer Medikation vorher einmal ärztlich klären, statt zu raten.
Der größere Rahmen

Es geht hier nicht darum, eine Zahl zu erreichen. Es geht um etwas, das viele Menschen im mittleren Alter verloren haben: einen regelmäßigen Moment, in dem der Körper aus dem Dauermodus herausgeholt wird.

Hitze, dann Kälte, dann Ruhe. Das ist ein Rhythmus. Und ein Kreislauf, der Rhythmen kennt, bleibt eher anpassungsfähig als einer, der nur Dauerbelastung kennt. Das ist keine Wellness-Poesie, das ist die Logik hinter der Pulswellengeschwindigkeit, die in den Messungen sank.

Und jetzt weißt du, warum die Frage nicht lautet, ob Sauna gesund ist. Sondern: für welchen Körper, in welcher Dosis, unter welchen Bedingungen.

Häufige Fragen zu Sauna und Herz

Wie oft pro Woche ist Sauna für das Herz sinnvoll?

Die finnischen Kohortendaten zeigen den deutlichsten Zusammenhang bei 4 bis 7 Saunagängen pro Woche. In der Kuopio-Studie lag die Hazard Ratio für den plötzlichen Herztod in dieser Gruppe bei 0,37 im Vergleich zu Männern mit einem Saunagang pro Woche. Schon 2 bis 3 Gänge pro Woche zeigten eine Tendenz in dieselbe Richtung, statistisch aber schwächer. Wichtig: Das sind Beobachtungsdaten, keine Beweise für Ursache und Wirkung. Für gesunde Menschen ist 2 bis 4 Mal pro Woche ein realistischer Einstieg. Wer eine Herzerkrankung hat, klärt die Häufigkeit vorher ärztlich.

Wie lange sollte eine einzelne Saunasitzung dauern?

In der Kuopio-Studie war auch die Dauer mit dem Risiko verknüpft. Verglichen mit Sitzungen unter 11 Minuten lag die Hazard Ratio für den plötzlichen Herztod bei Sitzungen über 19 Minuten bei 0,48. Das heißt nicht, dass länger immer besser ist. Es heißt, dass sehr kurze Aufenthalte den Kreislaufreiz wahrscheinlich kaum setzen. Praktisch bewährt sind 10 bis 20 Minuten pro Gang, so lange es sich gut anfühlt. Schwindel, Herzstolpern oder Übelkeit sind immer ein Signal, sofort herauszugehen.

Kann Sauna den Blutdruck senken?

Es gibt Hinweise darauf. In einer experimentellen Untersuchung an 102 Menschen mit mindestens einem Herz-Kreislauf-Risikofaktor fiel der systolische Blutdruck nach 30 Minuten Sauna im Mittel von 137 auf 130 mmHg, der diastolische von 82 auf 75 mmHg. Auch die Pulswellengeschwindigkeit als Maß der Gefäßsteifigkeit sank. In einer randomisierten Studie über 8 Wochen zeigte die Gruppe mit Sport plus Sauna einen um 8,0 mmHg niedrigeren systolischen Blutdruck als die Gruppe mit Sport allein. Sauna kann also einen Beitrag leisten, ersetzt aber keine verordnete Blutdrucktherapie.

Darf ich mit Bluthochdruck in die Sauna?

Bei gut eingestelltem, stabilem Bluthochdruck spricht meist nichts gegen Sauna, und die Datenlage deutet eher auf einen günstigen Zusammenhang. In der Kuopio-Kohorte war häufiges Saunieren mit einem geringeren Risiko für neu auftretenden Bluthochdruck verbunden. Anders sieht es bei entgleisten oder sehr hohen Werten aus, bei frisch begonnener oder gerade umgestellter Medikation und bei starken Blutdruckschwankungen. In diesen Situationen gehört die Frage vorher in die ärztliche Sprechstunde.

Wann ist Sauna bei einer Herzerkrankung nicht geeignet?

Als klassische Gegenanzeigen gelten instabile Angina pectoris, ein kürzlich zurückliegender Herzinfarkt und eine schwere Aortenklappenstenose. Ebenfalls ungeeignet ist die Sauna bei dekompensierter Herzinsuffizienz, also bei akuter Luftnot, Wassereinlagerungen oder rascher Gewichtszunahme. Auch bei ausgeprägten Rhythmusstörungen, bei starker orthostatischer Kreislaufschwäche und bei akuten Infekten mit Fieber gilt: erst klären, dann saunieren. Bei stabiler koronarer Herzkrankheit mit stabiler Angina oder länger zurückliegendem Infarkt gilt Sauna dagegen in der Literatur als für die meisten Menschen gut verträglich.

Wie lange nach einem Herzinfarkt sollte man mit der Sauna warten?

Eine feste Wochenzahl, die für alle gilt, gibt es nicht. Ein kürzlich zurückliegender Infarkt ist eine Gegenanzeige, ein länger zurückliegender Infarkt bei stabiler Situation ist es in der Regel nicht. Wo genau die Grenze verläuft, hängt von der Pumpfunktion, von Rhythmusstörungen, von der Belastbarkeit im Belastungstest und von der Medikation ab. Diese Einschätzung gehört zur kardiologischen Nachsorge und lässt sich nicht über einen Blogartikel treffen.

Was muss ich beachten, wenn ich Betablocker, Diuretika oder Blutdrucksenker nehme?

Diese Medikamente greifen genau in die Regulation ein, die die Sauna beansprucht. Diuretika entziehen Flüssigkeit, die Sauna tut es zusätzlich über den Schweiß. Das kann den Blutdruckabfall verstärken. Betablocker begrenzen den Herzfrequenzanstieg, den der Körper zum Ausgleich der Gefäßerweiterung eigentlich braucht. Blutdrucksenker und Nitrate können den Abfall nach dem Aufstehen verstärken. Praktisch heißt das: langsam aufstehen, Trinkmenge im Blick behalten, auf kalte Tauchbecken bei bekannter Rhythmusneigung eher verzichten und die Kombination einmal mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt durchsprechen.

Ersetzt Sauna das Ausdauertraining?

Nein. In der randomisierten Studie über 8 Wochen verbesserte die reine Trainingsgruppe die Ausdauerleistung deutlich stärker als die Kontrollgruppe, plus 6,2 ml pro Kilogramm und Minute. Sauna wirkte dort als Ergänzung, nicht als Ersatz: Sport plus Sauna lag bei Ausdauer, systolischem Blutdruck und Gesamtcholesterin günstiger als Sport allein. In der Kuopio-Kohorte war die Kombination aus hoher Fitness und häufigem Saunieren mit dem niedrigsten Risiko für plötzlichen Herztod verknüpft. Sauna ist damit ein Zusatz zum Training, keine Abkürzung darum herum.

Warum wird mir nach der Sauna schwindelig?

In der Hitze weiten sich die Hautgefäße stark, das Blut versackt in der Peripherie, und der Rückfluss zum Herzen sinkt. Beim Aufstehen kann der Blutdruck deshalb kurz absacken. Dazu kommt der Flüssigkeitsverlust über den Schweiß. Wer Blutdrucksenker oder entwässernde Medikamente nimmt, älter ist oder wenig getrunken hat, spürt das stärker. Hilfreich ist: im Liegen oder Sitzen langsam hochkommen, den letzten Saunagang mit einer ruhigen Abkühlphase beenden, ausreichend trinken und nie im leeren oder überfüllten Magen saunieren.

Warum ist Alkohol in der Sauna so problematisch?

Alkohol erweitert die Gefäße zusätzlich, dämpft die Kreislaufgegenregulation und fördert die Entwässerung. In der Übersichtsarbeit von Hannuksela und Ellahham wird Alkoholkonsum während des Saunierens ausdrücklich als Risikofaktor für Blutdruckabfall, Rhythmusstörungen und plötzliche Todesfälle benannt. Auch spätere Auswertungen ordnen die seltenen Todesfälle in der Sauna überwiegend der Kombination aus Alkohol, Vorerkrankung und Alleinsein zu. Deshalb gilt: kein Alkohol vor oder während des Saunierens, und bei bekannter Herzerkrankung möglichst nicht allein saunieren.

Wie belastbar sind die finnischen Sauna-Studien wirklich?

Sie sind gut gemacht, aber sie bleiben Beobachtungsstudien. Die Kuopio-Kohorte hat lange Nachbeobachtungszeiten und rechnet viele Risikofaktoren heraus. Trotzdem bleiben drei Einschränkungen: Erstens könnten gesündere Menschen einfach häufiger saunieren, das ist der sogenannte Gesunde-Nutzer-Effekt. Zweitens war die Gruppe mit 4 bis 7 Gängen pro Woche klein, in der Ausgangsanalyse nur 201 von 2.315 Männern. Drittens stammen die Daten aus einer Kultur, in der Sauna Alltag ist, und lassen sich nicht ungeprüft übertragen. Randomisierte Studien gibt es bisher nur klein und kurz. Die Richtung ist also plausibel, die Kausalität ist nicht bewiesen.

Weiterlesen im Ratgeber Naturkräfte

Sauna ist eine von mehreren Naturkräften, die den Kreislauf trainieren können. Hitze und Kälte arbeiten dabei mit demselben Prinzip: ein dosierter Reiz, dann Erholung, dann Anpassung.

SJ

Shukri Jarmoukli

Arzt · Tätigkeitsschwerpunkt Integrative Medizin · ViveCura Berlin

Ich arbeite in meiner Privatpraxis in Berlin-Kreuzberg mit einem Blick, der Nervensystem, Immunsystem, Stoffwechsel und Hormonsystem zusammen denkt. Naturkräfte wie Hitze, Kälte und Licht gehören für mich zu den Werkzeugen, die viel können und deshalb sauber dosiert werden wollen.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn du eine Herzerkrankung hast oder Medikamente nimmst, die den Kreislauf beeinflussen, sprich vorher mit der Ärztin oder dem Arzt, die dich behandeln.

ViveCura, Skalitzer Straße 137, 10999 Berlin

Quellen

Alle Angaben wurden über PubMed gegen Titel, Journal, Jahr und DOI gegengeprüft. Der Studientyp steht in eckigen Klammern.

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Transparenz zur Evidenzlage. Der überwiegende Teil der hier zitierten Ergebnisse zu Sauna und Herz-Kreislauf-System stammt aus prospektiven Beobachtungsstudien, in großen Teilen aus einer einzigen finnischen Kohorte. Beobachtungsstudien können Zusammenhänge zeigen, aber keine Ursache beweisen. Randomisierte kontrollierte Studien existieren bisher nur in kleiner Zahl und mit kurzer Dauer. Die beschriebenen Zusammenhänge sind physiologisch plausibel und konsistent, sie sind aber nicht mit der gleichen Sicherheit belegt wie Ergebnisse aus großen randomisierten Studien.

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