Fasten in den Wechseljahren: Warum jetzt andere Regeln gelten
Sinkendes Östrogen verändert, wie dein Körper mit Insulin, Stress und Muskeln umgeht. Intervallfasten kann trotzdem ein guter Begleiter sein. Nur nicht in der Dosis, die mit 30 funktioniert hat.
Viele Frauen in der Lebensmitte fasten härter, weil das Gewicht nicht mehr gehorcht. Dabei braucht ein Körper im Umbau keinen strengeren Plan, sondern einen klügeren.
Du isst wie immer. Gleiches Frühstück, gleiche Portionen, gleicher Alltag. Und trotzdem sitzt die Hose am Bauch enger als letztes Jahr.
Vielleicht hast du daraufhin das Essfenster verkürzt. Erst 16:8, dann 18:6. Und statt leichter fühlst du dich gereizter, schläfst schlechter und hast nachmittags einen Heißhunger, den du von dir nicht kennst.
Wenn du dich hier wiedererkennst: Das ist kein Mangel an Willenskraft. Dein Körper spielt gerade nach neuen Regeln. Und es lohnt sich, sie zu kennen, bevor du weiter an der Schraube drehst.
Ich kenne dieses Muster sehr gut. Eine Frau Mitte vierzig, beruflich stark eingespannt, die Zyklen werden unregelmäßig. Sie sagt Sätze wie diesen:
Oft hat sie schon versucht, mit strengerem Fasten gegenzusteuern. Im Gespräch zeigt sich dann ein typisches Bild: kurze Nächte, wenig Krafttraining, ein Essfenster, in dem kaum genug Eiweiß unterkommt, und ein Nervensystem, das ohnehin auf Anschlag läuft.
Der Wendepunkt ist selten ein noch härterer Plan. Häufiger ist es die Erlaubnis, das Fasten zu lockern und dafür an Schlaf, Muskeln und Mahlzeitenqualität zu arbeiten. Ich kann keine Kausalität behaupten, aber ich beobachte immer wieder, dass Frauen sich mit dieser sanfteren Dosierung stabiler fühlen.
Die Lehre: In den Wechseljahren ist mehr Fasten nicht automatisch besseres Fasten.
Was passiert in deinem Körper, wenn das Östrogen sinkt?
Stell dir Östrogen als eine Art Hausmeisterin deines Stoffwechsels vor. Sie hat jahrzehntelang leise dafür gesorgt, dass Zucker gut in die Muskeln kommt, dass Fett eher an Hüfte und Oberschenkeln landet und dass dein Gehirn Hunger und Sättigung gut austariert.
In der Perimenopause wird diese Hausmeisterin nicht plötzlich entlassen. Sie kommt nur unregelmäßiger zur Arbeit. Mal ist viel Östrogen da, mal fast keins. Und irgendwann bleibt sie ganz weg.
Ein Team um Mauvais-Jarvis an der Northwestern University hat die Rolle von Östrogenen für Energiehaushalt und Blutzucker zusammengefasst. Östrogen ist im Hypothalamus aktiv, ebenso in Muskeln, Leber, Fettgewebe und in den insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Fehlt es, kann das laut dieser Übersicht Insulinresistenz, Bauchfett und das metabolische Syndrom begünstigen.
Mauvais-Jarvis F et al. Endocr Rev. 2013. DOI: 10.1210/er.2012-1055Durch die KPNI-Linse betrachtet, betrifft das alle vier Systeme gleichzeitig. Im Stoffwechsel reagieren Muskelzellen weniger empfindlich auf Insulin. Das Hormonsystem verliert einen Taktgeber. Das Immunsystem kann in einem wachsenden Bauchfettdepot mehr entzündliche Botenstoffe ausgesetzt sein. Und das Nervensystem reagiert auf Stress oft empfindlicher, weil Östrogen auch dort dämpfend mitwirkt.
Forschende am Pennington Biomedical Research Center um Lovejoy haben Frauen über vier Jahre durch den Übergang begleitet. Nur die Frauen, die in dieser Zeit postmenopausal wurden, legten deutlich an Bauchfett zu, ihr Energieverbrauch im Schlaf sank stärker und ihre Fettverbrennung nahm um 32 Prozent ab. Für dich heißt das: Dein Körper verbraucht womöglich weniger, obwohl du dich gleich verhältst.
Lovejoy JC et al. Int J Obes. 2008. DOI: 10.1038/ijo.2008.25Die große amerikanische SWAN-Studie hat die Körperzusammensetzung von Frauen mit Röntgenmessung über Jahre verfolgt. Mit Beginn des Übergangs verdoppelte sich die Geschwindigkeit der Fettzunahme, gleichzeitig begann die fettfreie Masse zu schrumpfen, bis etwa zwei Jahre nach der letzten Periode. Die Waage zeigt dabei oft kaum etwas Neues, weil Fett hinzukommt und Muskulatur verloren geht.
Greendale GA et al. JCI Insight. 2019. DOI: 10.1172/jci.insight.124865Du nimmst nicht zu, weil du nachlässig geworden bist. Dein Körper verschiebt sein Gleichgewicht von Muskeln zu Fett. Die Frage ist also nicht nur „Wie esse ich weniger?“, sondern „Wie schütze ich meine Muskeln, während ich esse?“
Und jetzt weißt du, warum dieselbe Ernährung in der Lebensmitte ein anderes Ergebnis haben kann.
Funktioniert Intervallfasten in den Wechseljahren überhaupt?
Vielleicht hast du gelesen, dass Fasten bei Frauen nach der Menopause „nicht mehr klappt“. Oder umgekehrt, dass es das Wundermittel für die Lebensmitte sei. Beides greift zu kurz.
Das Team um Varady an der University of Illinois Chicago hat drei Studien zum alternierenden Fasten zusammengelegt und nach Geschlecht und Menopausenstatus verglichen. Postmenopausale Frauen verloren in zwölf Wochen im Mittel 6,5 Prozent Körpergewicht, prämenopausale 4,6 Prozent, Männer 6,2 Prozent, ohne statistischen Unterschied zwischen den Gruppen. Fasten scheint nach der Menopause also nicht grundsätzlich schlechter anzuschlagen.
Lin S et al. Nutr Metab Cardiovasc Dis. 2021. DOI: 10.1016/j.numecd.2020.10.018Eine Arbeitsgruppe aus Chicago um Kalam hat untersucht, ob zeitbeschränktes Essen mit einem Fenster von vier bis sechs Stunden die Sexualhormone verschiebt. Bei postmenopausalen Frauen blieben Östradiol, Östron, Progesteron, Testosteron und SHBG nach acht Wochen unverändert, nur DHEA sank im Mittel um etwa 13 Prozent. Das deutet darauf hin, dass Fasten die Hormonlage nach der Menopause nicht grundlegend umbaut, auch wenn die Gruppe klein war.
Kalam F et al. Obesity. 2023. DOI: 10.1002/oby.23562Was diese Studien nicht zeigen: wie es Frauen mitten in der Perimenopause geht. Sie wurden in der Hormonstudie bewusst ausgeschlossen, weil ihre Werte zu stark schwanken. Gerade diese Phase ist aber die, in der viele Frauen mit dem Fasten anfangen.
Fasten verliert in den Wechseljahren nicht seinen möglichen Nutzen. Es verändert seinen Preis. Der Preis kann in Muskelmasse, Schlaf und Stressbelastung bezahlt werden, wenn die Dosis zu hoch ist.
Und jetzt weißt du, warum die Frage nicht „ob“, sondern „wie viel“ lautet.
Warum Muskeln jetzt dein wichtigstes Organ sind
Spürst du, dass Treppen anstrengender werden oder Einkaufstaschen schwerer? Das ist oft das erste leise Zeichen dafür, dass Muskulatur verloren geht.
Muskeln sind der größte Zuckerspeicher deines Körpers. Stell sie dir wie einen Schwamm vor, der Glukose nach dem Essen aufsaugt. Je kleiner der Schwamm, desto länger bleibt Zucker im Blut, und desto mehr Insulin braucht es. Wenn gleichzeitig Östrogen fehlt, wird dieser Schwamm auch noch etwas weniger saugfähig.
In der TREAT-Studie der University of California San Francisco aßen Erwachsene mit Übergewicht zwölf Wochen lang im 16:8-Rhythmus oder zu festen Mahlzeiten. Der Gewichtsverlust unterschied sich zwischen den Gruppen nicht signifikant, doch in der Fasten-Gruppe ging mehr Magermasse an Armen und Beinen verloren. Für dich in den Wechseljahren ist genau das der kritische Punkt, weil deine Muskulatur ohnehin unter Druck steht.
Lowe DA et al. JAMA Intern Med. 2020. DOI: 10.1001/jamainternmed.2020.4153Ein Team um Tinsley an der Texas Tech University ließ trainierende Frauen acht Wochen lang Krafttraining machen, entweder mit normalen Essenszeiten oder in einem Fenster von etwa siebeneinhalb Stunden. Bei gleicher Eiweißzufuhr von rund 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht bauten alle Gruppen ähnlich viel fettfreie Masse und Kraft auf. Das zeigt dir: Ein Essfenster und Muskelerhalt schließen sich nicht aus, wenn Training und Eiweiß stimmen.
Tinsley GM et al. Am J Clin Nutr. 2019. DOI: 10.1093/ajcn/nqz126Die Teilnehmerinnen dieser Studie waren jung. Für die Menopause liegen noch keine vergleichbar sauberen Daten vor, mehrere Studien dazu laufen gerade. Die Richtung ist trotzdem biologisch plausibel: Krafttraining gibt der Muskelzelle den Grund, Eiweiß einzubauen, statt es zu verbrennen.
Eine europäische Expertengruppe um Bauer hat Empfehlungen zur Eiweißzufuhr für ältere Menschen erarbeitet. Sie empfiehlt mindestens 1,0 bis 1,2 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, bei körperlich Aktiven 1,2 Gramm oder mehr. Diese Zahlen gelten formal ab 65 Jahren, sie können aber eine sinnvolle Orientierung sein, wenn du in der Lebensmitte dein Essfenster verkürzt.
Bauer J et al. J Am Med Dir Assoc. 2013. DOI: 10.1016/j.jamda.2013.05.021Muskeln sind in der Lebensmitte kein Fitness-Thema. Sie sind deine Versicherung für Blutzucker, Knochen und Selbstständigkeit im Alter. Das ist größer als jede Zahl auf der Waage. Es geht um Freiheit.
Wer in den Wechseljahren fastet, sollte nicht fragen „Wie lange halte ich durch?“, sondern „Bekommen meine Muskeln in meinem Essfenster genug?“ Ein kürzeres Fenster ohne genug Eiweiß kann mehr kosten, als es bringt.
Und jetzt weißt du, warum Hanteln und Eiweiß zum Fasten in der Lebensmitte dazugehören.
Stressachse und Schlaf: Warum dein Nervensystem mitentscheidet
Kennst du das Gefühl, um drei Uhr nachts hellwach im Bett zu liegen, mit klopfendem Herzen und kreisenden Gedanken? Viele Frauen erleben genau das in der Perimenopause. Und manche bemerken, dass es an langen Fastentagen schlimmer wird.
Hypothalamus
Registriert Hunger, Temperatur und Stress. Ohne den Puffer durch Östrogen reagiert er womöglich empfindlicher.
Hypophyse
Gibt das Signal an die Nebennieren weiter, mehr Cortisol auszuschütten.
Nebennieren
Schütten Cortisol und Adrenalin aus. Beim Fasten halten diese Hormone unter anderem den Blutzucker stabil.
Folge
Ist das System schon durch Hitzewallungen, Schlafmangel und Alltag belastet, kann ein langer Fastenreiz die Waagschale weiter Richtung Alarm kippen.
Die Seattle Midlife Women's Health Study um Woods hat über Jahre nächtliche Urinproben von Frauen im Übergang ausgewertet. Höhere nächtliche Cortisolwerte hingen mit hormonellen Markern wie FSH und Östrogenabbauprodukten sowie mit Adrenalin und Noradrenalin zusammen. Deine Stressachse ist in dieser Lebensphase also selbst in Bewegung und kein stabiler Hintergrund.
Woods NF et al. Menopause. 2009. DOI: 10.1097/gme.0b013e318198d6b2In der SWAN-Studie wurden Frauen über sieben Jahre zu ihrem Schlaf befragt. Ein- und Durchschlafprobleme nahmen im Verlauf des Übergangs zu, und sinkendes Östradiol war mit häufigeren Schlafproblemen verbunden. Schlechter Schlaf in dieser Phase ist also häufig hormonell mitbedingt und nicht nur Kopfsache.
Kravitz HM et al. Sleep. 2008. PMID: 18652093Hier endet, was Studien sicher zeigen. Direkte Daten dazu, wie Fasten bei perimenopausalen Frauen Cortisol und Schlaf verändert, gibt es kaum. Klinisch beobachte ich, dass Frauen mit ohnehin unruhigem Schlaf oft besser fahren, wenn sie abends nicht zu früh aufhören zu essen und morgens nicht bis in den Nachmittag hinein nüchtern bleiben. Das ist Erfahrung, kein Studienbeweis.
Fasten ist ein kleiner Stressreiz, und in der richtigen Dosis kann genau das trainieren. Aber Stress addiert sich. Wenn dein Nervensystem schon voll ist, ist die sanftere Dosis nicht Schwäche, sondern Selbstkenntnis.
Und jetzt weißt du, warum dein Schlaf der beste Dosis-Sensor für dein Fasten sein kann.
Und was ist mit den Knochen?
Knochen spürst du nicht, bis etwas passiert. Genau deshalb lohnt sich der Blick jetzt, nicht erst mit 70.
Die SWAN-Studie um Finkelstein hat die Knochendichte von Frauen über mehrere Jahre gemessen. In der frühen Perimenopause änderte sich wenig, doch ab der späten Perimenopause beschleunigte sich der Knochenabbau an Wirbelsäule und Hüfte deutlich. Frauen mit höherem Körpergewicht verloren dabei etwa 35 bis 55 Prozent langsamer Knochen als Frauen mit niedrigem Gewicht.
Finkelstein JS et al. J Clin Endocrinol Metab. 2008. DOI: 10.1210/jc.2007-1876Eine sechsmonatige Studie aus Chicago um Barnosky verglich alternierendes Fasten mit täglicher Kalorienreduktion bei Erwachsenen mit Übergewicht. Knochendichte und Knochenmarker im Blut blieben in allen Gruppen stabil, auch wenn man prä- und postmenopausale Frauen getrennt betrachtete. Moderates Fasten scheint den Knochen kurzfristig also nicht zu schaden, Langzeitdaten fehlen aber.
Barnosky A et al. Nutr Healthy Aging. 2017. DOI: 10.3233/NHA-170031Schlanker ist in den Wechseljahren nicht automatisch gesünder. Ein Ziel, das zu sehr Richtung Untergewicht geht, kann deine Knochen mehr kosten, als es deinem Stoffwechsel bringt.
Und jetzt weißt du, warum Gewichtsverlust in dieser Phase immer zusammen mit Muskeln und Knochen gedacht werden sollte.
Sanfter fasten: Wie eine Dosierung für die Wechseljahre aussehen kann
Vielleicht fragst du dich jetzt: Soll ich ganz aufhören? Nein, nicht unbedingt. Du darfst nur die Logik ändern. Weg vom Gedanken „je länger, desto besser“, hin zu „so lange, wie mein Körper es gut trägt“.
Fasten mit 30
- Enge Fenster oft gut verträglich
- Muskelaufbau leichter
- Östrogen puffert Insulin und Stress
- Schlaf meist stabiler
Fasten in den Wechseljahren
- Moderates Fenster als Start
- Eiweiß in jeder Mahlzeit
- Krafttraining als feste Säule
- Schlaf und Stimmung als Messlatte
Mit einer Nachtpause beginnen
Eine Essenspause von zwölf bis vierzehn Stunden über Nacht ist für viele Frauen ein sanfter Einstieg. Wenn du dich damit über Wochen gut fühlst, kannst du das Fenster schrittweise verkürzen. Mehr zum behutsamen Einstieg findest du im Artikel Fasten für Einsteiger.
Eiweiß zuerst einplanen
Plane dein Essfenster rückwärts: Wie bekommst du deine Eiweißmenge in zwei bis drei Mahlzeiten unter? Hülsenfrüchte, Eier, Milchprodukte, Tofu oder Fleisch können dabei Bausteine sein. Erst wenn das gesichert ist, lohnt es sich, über ein kürzeres Fenster nachzudenken.
Muskeln fordern
Zwei bis drei Einheiten Krafttraining pro Woche können deiner Muskulatur einen guten Grund geben, Eiweiß einzubauen. Mehr dazu im Artikel Krafttraining ab 40.
Auf deine Signale hören
Wenn Schlaf, Stimmung oder Hitzewallungen schlechter werden, ist das eine Information, kein Versagen. Dann darf das Fenster wieder weiter werden. Flexibilität ist hier eine Stärke.
Eher sinnvoll
Nachtpause, eiweißreiche erste Mahlzeit, Krafttraining, Abendessen nicht zu spät, Schlaf schützen.
Eher Vorsicht
Lange Fastenperioden über viele Tage, sehr enge Fenster ohne Eiweißplanung, Fasten bei Untergewicht, Essstörung oder blutzuckersenkenden Medikamenten.
Die beste Fastenroutine in den Wechseljahren ist nicht die strengste, sondern die, die du in einem Jahr noch gerne machst und die deine Muskeln dabei mitnimmt.
Die schulmedizinische Begleitung der Wechseljahre, etwa die Beratung zur Hormontherapie, ist wichtig und sinnvoll. Was eine integrative Sicht ergänzen kann, ist der Blick darauf, wie Essrhythmus, Bewegung, Schlaf und Stressachse in dieser Phase zusammenspielen. Wenn du nicht nur lesen, sondern direkt loslegen willst: Unterhalb dieses Artikels findest du die Möglichkeit, einen Termin zu buchen.
Und jetzt weißt du, warum in den Wechseljahren andere Regeln gelten können und wie du sie zu deinen machst.
Deine drei Hebel für diese Woche
- Fenster öffnen statt verengen: Starte mit einer Nachtpause von zwölf bis vierzehn Stunden und beobachte zwei Wochen lang deinen Schlaf.
- Eiweiß zählen, nicht Kalorien: Rechne einmal aus, wie viel Eiweiß du pro Tag bekommst, und verteile es auf die Mahlzeiten in deinem Fenster.
- Zwei Krafteinheiten fix einplanen: Trag sie in den Kalender wie einen Termin, der nicht verschoben wird.
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Die Wechseljahre berühren Stoffwechsel, Hormonsystem, Nervensystem und Bewegung zugleich. Diese Artikel vertiefen die angrenzenden Ebenen.
Fasten und Zyklus
Wie Fasten vor den Wechseljahren mit dem weiblichen Zyklus zusammenspielen kann.
HormonsystemBlutzucker und Insulin
Was Insulinresistenz bedeutet und wie Essrhythmus sie beeinflussen kann.
StoffwechselKrafttraining ab 40
Warum Muskeln in der Lebensmitte zum Longevity-Faktor werden.
BewegungAtemtechniken und Vagusnerv
Wie du dein Nervensystem in unruhigen Phasen beruhigen kannst.
NervensystemHäufige Fragen zu Intervallfasten in den Wechseljahren
Ist Intervallfasten in den Wechseljahren sinnvoll?
Intervallfasten kann in den Wechseljahren sinnvoll sein, wenn es sanft dosiert wird. Studien an postmenopausalen Frauen mit Übergewicht zeigen ähnliche Gewichtsverläufe wie bei jüngeren Frauen. Gleichzeitig verändert der sinkende Östrogenspiegel Insulinsensitivität, Stressachse, Schlaf und Muskulatur. Deshalb ist ein moderates Essfenster mit ausreichend Eiweiß und Krafttraining meist die bessere Wahl als ein hartes Fastenprotokoll.
Welches Essfenster passt in der Perimenopause?
Ein guter Startpunkt ist oft ein Essfenster von zehn bis zwölf Stunden, also eine Nachtpause von zwölf bis vierzehn Stunden. Viele Frauen kommen damit gut zurecht, ohne dass Schlaf oder Stimmung leiden. Engere Fenster wie 16:8 können später folgen, wenn du dich damit stabil fühlst. Entscheidend ist, wie du schläfst, wie viel Energie du hast und ob deine Kraft erhalten bleibt.
Verändert Fasten die Hormone nach der Menopause?
In einer Auswertung im Fachjournal Obesity blieben Östradiol, Östron, Progesteron, Testosteron und SHBG bei postmenopausalen Frauen nach acht Wochen zeitbeschränktem Essen unverändert. DHEA sank im Mittel um etwa 13 Prozent. Die Gruppe war mit elf Frauen klein. Die Daten deuten darauf hin, dass moderates Fasten die Sexualhormone nach der Menopause nicht grundlegend verschiebt, sie sind aber noch kein abschließender Beweis.
Warum nehme ich in den Wechseljahren zu, obwohl ich gleich esse?
In der großen SWAN-Kohorte verdoppelte sich die Rate der Fettzunahme zu Beginn des Übergangs, während die fettfreie Masse abnahm. Eine weitere Studie fand, dass Energieverbrauch im Schlaf und Fettverbrennung mit der Menopause sanken. Du kannst also bei gleicher Ernährung an Fett zulegen, weil sich Verbrauch und Körperzusammensetzung verschieben. Das ist kein Versagen deiner Disziplin.
Kann Fasten in den Wechseljahren Muskeln kosten?
Ja, das Risiko besteht. In der TREAT-Studie verlor die 16:8-Gruppe mehr appendikuläre Magermasse als die Vergleichsgruppe. Da in den Wechseljahren ohnehin fettfreie Masse abnimmt, ist das ein ernstzunehmender Punkt. Eine Studie an trainierenden Frauen zeigte dagegen, dass zeitbeschränktes Essen mit Krafttraining und ausreichend Eiweiß den Muskelaufbau nicht bremste. Kombination ist hier der Schlüssel.
Wie viel Eiweiß brauche ich, wenn ich in der Menopause faste?
Die europäische PROT-AGE-Arbeitsgruppe empfiehlt älteren Menschen mindestens 1,0 bis 1,2 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, bei Aktivität eher 1,2 Gramm oder mehr. Diese Empfehlung gilt formal ab 65 Jahren, wird aber oft als Orientierung für die Lebensmitte genutzt. Wenn dein Essfenster kürzer wird, lohnt es sich, diese Menge bewusst auf zwei bis drei Mahlzeiten zu verteilen. Bei Nierenerkrankungen gilt eine andere Rechnung, das klärst du ärztlich.
Schadet Fasten den Knochen in den Wechseljahren?
In einer sechsmonatigen Studie zum alternierenden Fasten blieben Knochendichte und Knochenmarker unverändert, auch bei postmenopausalen Teilnehmerinnen. Gleichzeitig zeigt die SWAN-Studie, dass der Knochenabbau in der späten Perimenopause deutlich beschleunigt und Frauen mit geringerem Körpergewicht schneller verlieren. Fasten sollte daher nicht zu starkem Untergewicht führen und mit Belastung der Knochen durch Bewegung kombiniert werden.
Warum schlafe ich schlechter, wenn ich in den Wechseljahren faste?
Schlafprobleme nehmen im Übergang ohnehin zu, wie die SWAN-Daten mit über 3.000 Frauen zeigen. Sinkendes Östradiol war mit mehr Ein- und Durchschlafproblemen verbunden. Ein langes Fasten bis spät in den Abend oder ein sehr frühes Abendessen kann bei manchen Frauen die Stressachse zusätzlich aktivieren. Wenn dein Schlaf schlechter wird, ist das ein Signal, das Fenster zu lockern.
Spielt Cortisol beim Fasten in der Menopause eine Rolle?
Die Seattle Midlife Women's Health Study fand, dass nächtliche Cortisolspiegel im Übergang mit hormonellen Markern und Stresshormonen wie Adrenalin zusammenhingen. Fasten ist ein milder Stressreiz für den Körper. Wenn deine Stressachse bereits stark beansprucht ist, kann ein zusätzlich hartes Fastenprotokoll eher belasten als entlasten. Deshalb lohnt sich hier eine sanftere Dosierung.
Für wen ist Fasten in den Wechseljahren eher nicht geeignet?
Vorsicht gilt bei Essstörungen in der Vorgeschichte, bei Untergewicht, bei Diabetes mit blutzuckersenkenden Medikamenten, bei bekannter Osteoporose und bei starker Schlafstörung. Auch wer viele Medikamente zu festen Zeiten einnimmt, sollte vorher Rücksprache halten. In diesen Situationen ist eine ärztliche Begleitung sinnvoll, bevor du Essenszeiten deutlich veränderst.
Quellen
- Mauvais-Jarvis F, Clegg DJ, Hevener AL. The role of estrogens in control of energy balance and glucose homeostasis. Endocr Rev. 2013;34(3):309-338. DOI: 10.1210/er.2012-1055 [Übersichtsarbeit, Mensch und Tier]
- Lovejoy JC, Champagne CM, de Jonge L et al. Increased visceral fat and decreased energy expenditure during the menopausal transition. Int J Obes. 2008;32(6):949-958. DOI: 10.1038/ijo.2008.25 [Real-World Kohorte, prospektiv, n=156]
- Greendale GA, Sternfeld B, Huang M et al. Changes in body composition and weight during the menopause transition. JCI Insight. 2019;4(5):e124865. DOI: 10.1172/jci.insight.124865 [Real-World Kohorte, SWAN, longitudinal]
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- Woods NF, Mitchell ES, Smith-DiJulio K. Cortisol levels during the menopausal transition and early postmenopause: observations from the Seattle Midlife Women's Health Study. Menopause. 2009;16(4):708-718. DOI: 10.1097/gme.0b013e318198d6b2 [Real-World Kohorte, longitudinal, n=132]
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- Barnosky A, Kroeger CM, Trepanowski JF et al. Effect of alternate day fasting on markers of bone metabolism: an exploratory analysis of a 6-month randomized controlled trial. Nutr Healthy Aging. 2017;4(3):255-263. DOI: 10.3233/NHA-170031 [RCT, explorative Auswertung, n=100]
Alle Quellen wurden über PubMed auf Titel, Autoren, Jahr und Abstract geprüft. Studien zum Fasten speziell in der Perimenopause sind bisher selten. Viele Aussagen in diesem Artikel stützen sich daher auf Studien an postmenopausalen Frauen, auf Kohortendaten zum Übergang und auf physiologische Zusammenhänge.