Wasserfilter für Leitungswasser: Wann ein Filter sinnvoll ist und welche Technik was entfernt
Trinkwasser wird in Deutschland streng kontrolliert. Ein Filter kann trotzdem sinnvoll sein, etwa bei einer lokalen PFAS-Belastung oder bei Problemen in der Hausinstallation. Bei alten Bleirohren zählt der Austausch, nicht der Filter. Und ein vergessener Filter kann selbst zur Keimquelle werden.
Ich möchte dir keine Angst vor deinem Wasserhahn machen. Ich möchte dir aber auch keine Sicherheit aus der Filterkanne versprechen, die es so nicht gibt. Ein Filter ist ein Werkzeug für ein bestimmtes Problem. Ohne Problem und ohne Pflege kann er mehr schaden als nützen.
Vielleicht steht genau diese Kanne bei dir. Vielleicht hast du sie gekauft, weil sich gefiltertes Wasser einfach sicherer anfühlt.
Dieses Gefühl ist verständlich. Es geht um etwas, das du jeden Tag trinkst, oft literweise. Da möchtest du kein Risiko eingehen. Und wenn es um Entgiftung geht, landet die Frage nach dem Wasser fast immer irgendwann auf dem Tisch.
In diesem Artikel sortieren wir gemeinsam. Wie gut ist dein Leitungswasser? Was regeln die PFAS-Grenzwerte seit 2026? Wann kann ein Filter sinnvoll sein, und wann ist der Austausch einer Leitung der bessere Weg? Welche Technik hält was zurück? Und wann wird der Filter selbst zum Problem?
So liest du die Studienboxen
- Meta-Analyse Statistische Zusammenfassung mehrerer Studien am Menschen
- Mensch und Alltag Messungen an Menschen, in Haushalten und in Wasserversorgungen sowie Übersichten zu solchen Daten
- Labor Filtertests und Betriebsversuche unter kontrollierten Bedingungen
Gesetzestexte und Angaben von Behörden wie Umweltbundesamt, BfR und EFSA verlinke ich direkt im Text.
Ist ein Wasserfilter sinnvoll? Die Kurzantwort
These: Für Wasser aus der öffentlichen Versorgung ist ein Filter aus gesundheitlicher Sicht meist nicht nötig. Es gibt aber klare Ausnahmen.
Hast du dich schon einmal gefragt, wie viele Kontrollen dein Glas Wasser hinter sich hat, bevor es aus dem Hahn läuft?
Bundesgesundheitsministerium und Umweltbundesamt werten dazu regelmäßig die Daten der Bundesländer aus. Der aktuelle Trinkwasserbericht umfasst die Jahre 2020 bis 2022. Er betrachtet die großen Versorgungsgebiete, die mehr als 1.000 Kubikmeter pro Tag liefern oder mehr als 5.000 Menschen versorgen. Dort erfüllten bei den meisten mikrobiologischen und chemischen Parametern über 99 Prozent der Proben die Anforderungen der Trinkwasserverordnung.
Die Trinkwasserverordnung verlangt, dass ihre Anforderungen dort eingehalten werden, wo das Wasser im Gebäude aus der Leitung austritt. Für die Leitungen im Haus sind die Eigentümerinnen und Eigentümer zuständig. Was danach in deiner Filterkanne passiert, liegt in deiner Hand.
Stell dir das Wasserwerk wie eine streng kontrollierte Großküche vor. Ob das Essen gut bei dir ankommt, hängt aber auch vom Tablett ab, auf dem es die letzten Meter getragen wird. Beim Trinkwasser ist dieses Tablett die Leitung in deinem Haus.
Steht Wasser lange in der Leitung, kann es Stoffe aus Rohren und Armaturen aufnehmen. Das Umweltbundesamt rät deshalb, das erste Wasser nach längerer Standzeit nicht zum Trinken oder Kochen zu nehmen. Lass es ablaufen, bis es kühl aus der Leitung kommt. Wie viel du überhaupt trinken solltest, ist eine eigene Frage, dazu mehr im Artikel über Nieren und Wasser.
Wann ein Filter sinnvoll sein kann und wann nicht
Meist kein Filter nötig
- Du wirst aus der öffentlichen Versorgung beliefert, und die Werte deines Versorgers sind unauffällig.
- Die Leitungen in deinem Haus wurden nach 1973 verlegt oder inzwischen erneuert.
- Du wünschst dir einfach ein besseres Gefühl, ohne konkreten Anlass.
Ein Filter kann sinnvoll sein
- Dein Versorger meldet PFAS-Werte über dem Grenzwert, oder das Gesundheitsamt hat eine befristete Abweichung zugelassen.
- Eine Untersuchung deines Wassers zeigt ein konkretes Problem, für das ein Gerät geprüft ist.
- Du nutzt einen eigenen Brunnen und hast dein Wasser untersuchen lassen.
- Geschmack oder Kalk stören dich. Das ist eine Komfortfrage, keine Gesundheitsfrage.
Klären oder austauschen statt filtern
- Es gibt Hinweise auf Bleileitungen. Dann heißt es austauschen, nicht filtern.
- Werte sind unklar oder widersprüchlich: Untersuchung durch eine zugelassene Untersuchungsstelle, Gesundheitsamt fragen.
- Schwangere, Säuglinge oder kleine Kinder bei Bleiverdacht: abgepacktes Wasser, das für Säuglingsnahrung geeignet ist.
Die Frage ist selten, ob unser Leitungswasser gut ist. Meist lautet sie: Was passiert auf den letzten Metern bis zu meinem Glas? Für diese Frage brauchst du zuerst Informationen, nicht zuerst ein Gerät.
Und jetzt weißt du, warum ein Filter erst dann Sinn ergibt, wenn du weißt, wogegen er schützen soll.
Was bedeuten die PFAS-Grenzwerte seit 2026?
These: Seit dem 12. Januar 2026 gilt für 20 PFAS ein gemeinsamer Grenzwert. Ab dem 12. Januar 2028 kommt ein strengerer Wert für vier PFAS hinzu.
Ewigkeitschemikalien. Schon das Wort klingt nach einem Problem, das nie wieder weggeht. Vielleicht hast du es in einer Schlagzeile gelesen und dich gefragt, ob es auch in deinem Glas steckt.
PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Gemeint sind Tausende industriell hergestellte Stoffe. Ihre Kohlenstoffketten sind ganz oder teilweise mit Fluor besetzt, und diese Bindung ist extrem stabil. Deshalb stecken PFAS in Antihaftbeschichtungen, Outdoorkleidung, Löschschaum und Verpackungen. Und deshalb bauen sie sich in der Umwelt kaum ab.
Stell dir eine Kette vor, die rundum in eine Ritterrüstung aus Fluor gehüllt ist. Licht, Wasser und Bakterien finden kaum eine Stelle, an der sie ansetzen können.
Die Fristen auf einen Blick
In Teilen Deutschlands werden noch Bleirohre verlegt, danach nirgends mehr. Der süddeutsche Raum war praktisch immer frei davon.
Der Grenzwert für Blei sinkt auf 0,010 Milligramm pro Liter.
Die neue Trinkwasserverordnung tritt in Kraft.
Für die Summe PFAS-20 gilt ein Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter. Bleileitungen müssen entfernt oder stillgelegt sein.
Für die Summe PFAS-4 gilt zusätzlich ein Grenzwert von 0,02 Mikrogramm pro Liter. Der Grenzwert für Blei sinkt auf 0,005 Milligramm pro Liter.
Was steckt hinter den beiden Summen? Die Summe PFAS-20 umfasst 20 PFAS mit unterschiedlich langen Kohlenstoffketten, auch kurzkettige. Damit setzt Deutschland die EU-Trinkwasserrichtlinie um, die für diese 20 Stoffe 0,10 Mikrogramm pro Liter vorgibt. Die Summe PFAS-4 umfasst nur PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS. Einzelwerte unterhalb der Bestimmungsgrenze zählen bei beiden Summen nicht mit. Ab 2028 müssen beide Grenzwerte gleichzeitig eingehalten werden.
Wie klein sind diese Mengen? 0,02 Mikrogramm sind 20 Nanogramm, also 20 milliardstel Gramm pro Liter. Das entspricht grob einem Stück Würfelzucker von etwa drei Gramm, verteilt auf rund 60 olympische Schwimmbecken.
Warum regelt der Gesetzgeber so winzige Mengen? Weil sich manche PFAS über Jahre im Körper halten. Für PFOA zeigen Folgestudien aus Deutschland, dass die Werte im Blut nach dem Ende einer Belastung nur langsam sinken.
Warum gerade diese vier Stoffe?
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat 2020 eine tolerierbare wöchentliche Aufnahme für genau diese vier PFAS festgelegt: 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Woche. Als empfindlichsten Punkt sah sie Effekte auf das Immunsystem. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schätzt, dass die mittlere Aufnahme in Deutschland im Bereich dieses Wertes liegt. Bei etwa der Hälfte der Erwachsenen liegt sie darüber.
Aufgenommen werden PFAS laut BfR zum großen Teil über Lebensmittel und Trinkwasser. In der EFSA-Bewertung trugen bei der Nahrung Fisch, Obst und Eier am meisten bei. Ein Wasserfilter kann also nur den Anteil aus dem Hahn beeinflussen.
Ein Team um Grandjean begleitete auf den Färöer-Inseln Kinder ab der Geburt und maß PFAS sowie Antikörper gegen Tetanus und Diphtherie nach den Routineimpfungen. Eine doppelt so hohe Konzentration der wichtigsten PFAS im Blut der Kinder ging in einem Gesamtmodell mit 49 Prozent weniger Impfantikörpern einher. Für dich heißt das: PFAS sind auch ein Immunthema, und genau dort setzt die EFSA ihren Richtwert an.
DOI: 10.1001/jama.2011.2034Das Umweltbundesamt untersuchte in der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit von 2014 bis 2017 das Blutplasma von 1.109 Kindern und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren auf PFAS. PFOS fand sich in allen Proben und PFOA in fast allen, im geometrischen Mittel mit 2,49 und 1,12 Nanogramm pro Milliliter. Für dich heißt das: PFAS sind in Deutschland eine Hintergrundbelastung, die praktisch alle betrifft, nicht nur Menschen in bekannten Problemgebieten.
DOI: 10.1016/j.ijheh.2020.113549Was in Deutschland schon passiert ist
Lokale Belastungen gibt es auch hierzulande. 2006 wurde im sauerländischen Arnsberg PFOA im Trinkwasser gefunden, 500 bis 640 Nanogramm pro Liter. Zum Vergleich: Der heutige Grenzwert für die Summe PFAS-20 liegt bei 100 Nanogramm pro Liter. Rund 40.000 Menschen waren betroffen, ihre PFOA-Werte im Blut lagen 4,5- bis 8,3-mal höher als in Vergleichsgruppen. Im Juli 2006 senkte eine Aktivkohlefilterung im Wasserwerk die Werte im Wasser meist unter die Nachweisgrenze. Im Blut sanken sie danach nur um etwa 10 bis 20 Prozent pro Jahr.
Ein Team des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersuchte 764 Menschen im Landkreis Altötting erneut, deren Trinkwasser früher durch PFOA aus der Fluorpolymer-Produktion eines Industriestandorts belastet war. Nachdem das Trinkwasser gereinigt wurde, sank der mittlere PFOA-Wert im Blut zwischen 2018 und 2022 um 56,9 Prozent, bei Kindern unter zwölf Jahren um 73,4 Prozent. Für dich heißt das: Wo die Quelle im Wasserwerk angegangen wird, kann die Belastung im Körper sinken, aber das braucht Jahre.
DOI: 10.1016/j.ijheh.2024.114387Und wenn dein Versorger über dem Grenzwert liegt? Dann muss er das Gesundheitsamt informieren und die Ursache klären. Das Gesundheitsamt kann eine befristete Abweichung zulassen, wenn keine Schädigung der Gesundheit zu befürchten ist. Dafür legt es einen Maßnahmenwert und eine Frist fest, die drei Jahre nicht überschreiten darf. Lässt sich die Abweichung voraussichtlich nicht innerhalb von 30 Tagen abstellen, müssen die betroffenen Haushalte informiert und besonders gefährdete Gruppen beraten werden.
Ein Grenzwert ist kein Schalter zwischen giftig und harmlos. Ein Wert knapp darüber ist ein Auftrag an Wasserwerk und Gesundheitsamt, kein Grund zur Panik. Ein Wert knapp darunter ist kein Grund, die Entwicklung aus den Augen zu verlieren.
Was heißt das für dich? Schau auf der Website deines Versorgers nach den PFAS-Werten. Gibt es eine Überschreitung oder eine zugelassene Abweichung, folge zuerst den Hinweisen des Gesundheitsamts. Erst danach stellt sich die Frage nach einem Filter. Welche Technik dafür infrage kommt, liest du weiter unten.
Und jetzt weißt du, warum ein PFAS-Wert im Wasser zuerst eine Aufgabe für das Wasserwerk ist und erst danach eine Frage für deine Küche.
Bleirohre im Haus: Warum zählt der Austausch und nicht der Filter?
These: Bleileitungen sind seit dem 12. Januar 2026 verboten. Wo sie noch liegen, sieht das Umweltbundesamt den Austausch vor, keinen Filter.
Altbau, hohe Decken, knarzende Dielen. Und irgendwo hinter der Wand ein Rohr, das vielleicht älter ist als deine Großeltern.
Laut Umweltbundesamt wurden Bleirohre in Teilen Deutschlands bis 1973 verlegt, als Hausanschluss oder als Leitung im Gebäude. Der süddeutsche Raum war praktisch immer frei davon. Auch anderswo waren längst nicht alle älteren Häuser betroffen, und die meisten Bleileitungen sind inzwischen ausgetauscht. Wo noch Wasser durch Blei fließt, hält es den Grenzwert in der Regel nicht ein. Im Stagnationswasser wird er oft um ein Vielfaches überschritten.
Warum ist das so ernst? Blei kann schon in sehr niedrigen Mengen schaden. Es reichert sich im Körper an und kann vor allem die Entwicklung des Nervensystems und die Blutbildung beeinträchtigen. Besonders gefährdet sind Ungeborene, Säuglinge und Kleinkinder. Bei Erwachsenen lagert sich Blei zum Teil in den Knochen ein. In Phasen mit erhöhtem Stoffwechsel, etwa in der Schwangerschaft, kann es wieder ins Blut gelangen.
Ein internationales Team um Lanphear wertete sieben Langzeitstudien mit 1.333 Kindern aus, die von Geburt oder früher Kindheit bis ins Alter von fünf bis zehn Jahren begleitet wurden. Nach einer 2019 veröffentlichten Berichtigung ging ein Anstieg des Blutbleis von 2,4 auf 10 Mikrogramm pro Deziliter mit 3,8 IQ-Punkten weniger einher, und gerade im niedrigen Bereich fiel der Verlust pro Anstieg besonders groß aus. Für dich heißt das: Auch kleine Mengen Blei zählen, deshalb lohnt es sich, jede vermeidbare Quelle zu schließen.
DOI: 10.1289/ehp.7688 · Berichtigung: 10.1289/EHP5685Wie schnell Wasser zur Bleiquelle werden kann, zeigt die US-Stadt Flint. Sie stellte auf eine korrosivere Wasserquelle um, ohne ausreichenden Korrosionsschutz für das alte Leitungsnetz. Danach stieg der Anteil der Kinder unter fünf Jahren mit erhöhtem Blutblei von 2,4 auf 4,9 Prozent, wie ein Team um Hanna-Attisha zeigte.
Was die Verordnung seit Januar 2026 verlangt
Die Trinkwasserverordnung verpflichtete die Betreiber, in der Regel die Eigentümerinnen und Eigentümer, Bleileitungen bis zum Ablauf des 12. Januar 2026 zu entfernen oder stillzulegen. Bewohnerinnen und Bewohner müssen unverzüglich erfahren, wenn Bleileitungen vorhanden sind oder vermutet werden. Seit dem 13. Januar 2026 müssen sie außerdem in Textform erfahren, dass die Pflicht erfüllt oder die Frist verlängert wurde. Verlängern kann das Gesundheitsamt nur in eng begrenzten Fällen. Wer als Eigentümer nicht handelt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, und das Gesundheitsamt kann den Austausch anordnen.
Und ein Filter als Zwischenlösung?
In den USA werden bei Bleiproblemen oft zertifizierte Filter verteilt, als Übergang bis zum Austausch. Was leisten sie?
Ein Team der US-Umweltbehörde EPA fasste 23 Studien zu Filtern zusammen, die nach dem US-Standard NSF/ANSI 53 für Blei zertifiziert sind, darunter Wasserhahn-, Untertisch- und Kannenfilter. In Feldstudien erreichten 99 Prozent dieser Filter den Zielwert, 1.512 von 1.528, im Labor unter teils härteren Bedingungen als zertifiziert nur 61 Prozent. Für dich heißt das: Ein geprüfter Filter kann Blei im Alltag deutlich senken, vorausgesetzt, er wird korrekt betrieben und gewartet.
DOI: 10.1016/j.watres.2023.120425Wenn Filter versagten, lag das laut der Übersicht unter anderem an sehr hohen Bleiwerten, an Form und Größe der Bleipartikel sowie an falschem Betrieb und fehlender Wartung.
Beides passt zusammen. Ein geprüfter Filter kann Blei im Test zurückhalten. Er lässt aber die Quelle in der Wand, muss gewartet werden und bringt ein eigenes Hygieneproblem mit. Und in Deutschland ist der Austausch ohnehin Pflicht.
So erkennst du Bleirohre
Hinweise des Umweltbundesamts
- Baujahr: Bleirohre gibt es nur noch in älteren Gebäuden, die vor 1973 gebaut wurden.
- Farbe: Unbemalt sind sie graublau bis silbergrau.
- Weichheit: Blei ist so weich, dass es sich mit einem Messer oder spitzen Gegenstand leicht einritzen lässt.
- Klang: Beim Klopfen klingt Blei dumpf.
- Verlauf: Bleirohre wurden oft in großen Bögen verlegt, nicht in kurzen rechten Winkeln.
- Wo du schaust: Sichtbare Leitungen im Keller, vor und hinter dem Wasserzähler. Bei Leitungen unter Putz kann ein Installateur weiterhelfen.
Als Mieterin oder Mieter fragst du zuerst deine Vermieterin oder deinen Vermieter, auch die Hausverwaltung kann Baujahr und Material kennen. Bleibt die Antwort unbefriedigend, ist das örtliche Gesundheitsamt die nächste Adresse. Bei unklarer Lage kann eine Untersuchung des Wassers Klarheit bringen. Sie ist kostenpflichtig, und das Wasser sollte vorher mindestens vier Stunden in der Leitung gestanden haben.
Für schwangere Frauen, Säuglinge und Kinder bis sechs Jahre ist Wasser aus Bleirohren nach Angaben des Umweltbundesamts zum Trinken und Zubereiten von Speisen grundsätzlich ungeeignet. Nimm dann abgepacktes Wasser mit dem Hinweis „Geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“. Zum Waschen und Duschen gibt es wegen des Bleigehalts keine gesundheitlichen Bedenken.
Was Blei im Körper anrichten kann und wie es gemessen wird, beschreibe ich im Artikel über Bleivergiftung, Quellen und Symptome.
Bei Blei ist ein Filter höchstens ein Pflaster auf einer offenen Leitung. Der Austausch entfernt die Quelle. Deshalb gilt hier eine klare Reihenfolge: erst klären, dann austauschen.
Und jetzt weißt du, warum bei Bleiverdacht dein erster Anruf der Vermieterin oder dem Vermieter gilt und nicht dem Kauf eines Filters.
Welche Filtertechnik hält was zurück?
These: Kannenfilter, Aktivkohleblock und Umkehrosmose leisten sehr Unterschiedliches. Kein Gerät hält alles zurück, und jedes braucht Pflege.
Im Laden stehen sie nebeneinander: die Kanne, der Aufsatz für den Wasserhahn, die Anlage für unter die Spüle. Alle versprechen reines Wasser. Aber rein wovon?
Zwei Prinzipien stecken hinter den meisten Geräten. Das erste ist Aktivkohle. Stell sie dir wie einen Schwamm mit einer riesigen inneren Oberfläche vor. Schon ein Gramm kann innen mehrere hundert Quadratmeter Fläche haben, an denen Stoffe haften bleiben.
Das zweite ist eine Membran. Bei der Umkehrosmose wird Wasser mit Druck durch eine extrem feine Schicht gepresst. Die meisten gelösten Stoffe bleiben zurück, auch die Mineralstoffe.
Kannenfilter
meist Aktivkohle-Granulat plus Ionentauscher
KannGeschmack und Geruch verbessern und Kalk verringern. Bei PFAS stark vom Modell abhängig.
GrenzenKurzkettige PFAS hält er schlechter zurück. Keime entfernt er nicht, im Filter können sie sich sogar vermehren.
PflegeKartusche nach Herstellerangabe wechseln, Kanne reinigen, Wasser zügig trinken.
Aktivkohleblock
als Wasserhahn-Aufsatz oder unter der Spüle
KannViele organische Stoffe zurückhalten, PFAS im Praxiseinsatz je nach Stoff zu 21 bis 99 Prozent. Mit passender Zertifizierung auch Blei.
GrenzenSchwächer bei kurzkettigen PFAS. Ohne Wartung können Keime und gebundene Stoffe wieder ins Wasser gelangen.
PflegeWechsel nach Plan, nicht nach Gefühl.
Umkehrosmose
Membrananlage, meist unter der Spüle
KannPFAS in einer großen Feldstudie fast vollständig zurückhalten, unabhängig von der Kettenlänge, dazu viele weitere gelöste Stoffe.
GrenzenEntfernt auch Calcium und Magnesium. Ein Teil des Wassers fließt ungenutzt ab. Teurer in Anschaffung und Wartung.
PflegeVorfilter, Membran und gegebenenfalls Speicher brauchen regelmäßige Wartung.
Ultrafiltration und UV
Membranen mit sehr feinen Poren oder UV-Licht
KannVor allem Bakterien und andere Mikroorganismen zurückhalten oder unschädlich machen.
GrenzenGelöste Stoffe wie PFAS oder gelöstes Blei halten sie in der Regel nicht zurück.
PflegeLampen und Membranen haben eine begrenzte Lebensdauer.
Ein Team aus der japanischen Präfektur Iwate testete vier Kannenfilter auf sechs PFAS, darunter PFOS und PFOA. Das beste Modell hielt über die gesamte empfohlene Kartuschenlaufzeit mehr als 90 Prozent zurück, beim schwächsten fiel die Leistung zum Ende unter 50 Prozent, und in allen Modellen sank sie mit kürzerer Kohlenstoffkette. Für dich heißt das: Kannenfilter ist nicht gleich Kannenfilter, und kurz vor dem Wechsel kann die Leistung deutlich nachlassen.
DOI: 10.1007/s11356-020-11757-1Im Praxiseinsatz maß ein Team der Chinesischen Akademie der Wissenschaften bei Haushaltsfiltern mit Aktivkohle aus Kokosnussschalen Rückhalteraten von 21 bis 99 Prozent für 14 PFAS. Wie gut ein Stoff haften blieb, hing vor allem davon ab, wie wasserabweisend er ist.
Ein Team aus Hangzhou analysierte 81 PFAS im Leitungswasser aus drei großen Gewässern in Ostchina, einer Region mit starker PFAS-Industrie, und fand 64 davon. Umkehrosmose-Geräte im Haushalt hielten die meisten PFAS fast vollständig zurück, unabhängig von der Kettenlänge und von der Ausgangsbelastung. Für dich heißt das: Wenn PFAS in deinem Wasser tatsächlich ein Problem sind, gehört Umkehrosmose zu den leistungsfähigsten Techniken im Haushalt.
DOI: 10.1021/acs.est.5c03293Ein Team der Universität Genua trug zusammen, was über Haushaltsgeräte mit Aktivkohle, Ionenaustausch und Umkehrosmose gegen PFAS bekannt ist. Viele Geräte sind im Labor geprüft, doch nur fünf Studien bewerteten ihre Leistung im echten Alltag, und nicht alle Filter überzeugten, besonders bei kurzkettigen PFAS. Für dich heißt das: Ein Prüfzeichen aus dem Labor sagt wenig darüber, was dein Filter nach Monaten in der Küche leistet.
DOI: 10.1016/j.scitotenv.2024.176764Achte deshalb auf eine unabhängige Prüfung für genau den Stoff, um den es dir geht. Und plane die Wartung von Anfang an mit ein. Sie gehört zum Gerät wie der Filter selbst.
Die beste Filtertechnik ist die, die zu deinem Problem passt und die du zuverlässig pflegst. Ein aufwendiges Gerät ohne Wartung kann schlechteres Wasser liefern als der Hahn ohne Filter.
Und jetzt weißt du, warum die wichtigste Frage beim Filterkauf nicht lautet, welcher der beste ist, sondern wogegen genau er schützen soll.
Wann wird der Filter selbst zum Problem?
These: Aktivkohle hält nicht nur Stoffe fest, sie bietet auch Bakterien einen Lebensraum. Ein vergessener Filter kann mehr Keime abgeben, als im Leitungswasser waren.
Zurück zur Kanne auf der Arbeitsplatte. Die Kartusche aus dem Frühjahr filtert noch, das Wasser schmeckt wie immer. Was passiert in ihrem Inneren?
Leitungswasser ist nicht steril, und das muss es auch nicht sein. Es enthält wenige, meist harmlose Bakterien. In der Aktivkohle finden sie eine riesige Oberfläche und Nährstoffe, die die Kohle selbst aus dem Wasser gefischt hat. Zimmerwärme und lange Standzeiten können ihnen das Leben zusätzlich leicht machen.
Ein Team um Daschner aus der Umweltmedizin in Freiburg prüfte ein handelsübliches Kannenfiltersystem in Haushalten und in zwei Laboren. In 24 von 34 Filtern aus Haushalten stieg die Keimzahl im gefilterten Wasser, im Labor sogar bei 4 Grad, und in einzelnen Fällen erreichte sie das 10.000-Fache des Leitungswassers. Für dich heißt das: Auch eine Kanne im Kühlschrank ist kein sicherer Schutz vor Keimen im Filter.
DOI: 10.1007/BF01591360In den Haushaltsfiltern lagen die Werte bei bis zu 6.000 koloniebildenden Einheiten pro Milliliter. Selbst das Material von 5 der 13 untersuchten neuen Filter war schon mit Bakterien oder Schimmelpilzen belastet. Die Studie ist alt, und Filter haben sich seitdem verändert. Neuere Arbeiten zeigen aber ein ähnliches Muster.
Ein Team der Zhejiang-Universität untersuchte sechs verschiedene Haushaltsgeräte mit Aktivkohle nach 80 Tagen Betrieb mit Erbgut-Analysen. Im gefilterten Wasser war die Vielfalt der Bakterien höher als im Leitungswasser, und 29 bis 79 Prozent der Mikroben darin stammten aus dem Biofilm auf der Kohle, ebenso ein Teil der gefundenen Gene für Antibiotikaresistenzen. Für dich heißt das: Mit der Zeit kann der Filter selbst zu einer Quelle von Bakterien werden.
DOI: 10.1016/j.envint.2021.106394Eine Feldstudie der University of North Carolina in 17 Haushalten mit eigenem Brunnen fand ein weiteres Muster. Floss insgesamt wenig Wasser durch den Aktivkohlefilter, war die Chance, coliforme Bakterien im gefilterten Wasser zu finden, um mehr als das 50-Fache erhöht.
Und Silber, das manchen Filtern zugesetzt wird? In einer Laborstudie von 1981 bremste silberhaltige Aktivkohle zwar coliforme Keime, das Wachstum der übrigen Bakterien aber nicht.
Bei Chemikalien gibt es ein ähnliches Muster. Ein voller Schwamm nimmt nichts mehr auf, und wenn du ihn drückst, gibt er wieder ab. Die Forschenden aus Genua weisen darauf hin, dass schlecht gewartete Aktivkohle die PFAS-Werte im gefilterten Wasser sogar erhöhen könnte.
Genau dieses Hygieneproblem ist auch der Grund, warum das Umweltbundesamt bei Bleileitungen von Filtern abrät.
Wenn du filterst: So bleibt der Filter dein Werkzeug
- Wechsle die Kartusche spätestens nach der Zeit oder Literzahl, die der Hersteller angibt, je nachdem, was zuerst erreicht ist.
- Reinige Kanne und Deckel regelmäßig.
- Trink gefiltertes Wasser zügig und lass es nicht tagelang stehen.
- Setze nach längeren Pausen, etwa nach einem Urlaub, lieber eine neue Kartusche ein.
- Wenn du den Filter kaum benutzt, kann Weglassen die bessere Wahl sein.
- Bei geschwächter Abwehr, in der Schwangerschaft und für Säuglinge sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme.
Geschmack ist kein Messgerät. Das klarste, kühlste Wasser aus der Kanne kann mehr Bakterien enthalten als das Leitungswasser, aus dem es gefiltert wurde.
Und jetzt weißt du, warum die Kartusche aus dem Frühjahr kein Sicherheitsplus mehr ist, sondern eine offene Frage.
Umkehrosmose und Mineralien: Ist reiner automatisch besser?
These: Umkehrosmose kann PFAS fast vollständig zurückhalten. Sie nimmt dem Wasser aber auch Calcium und Magnesium.
Reines Wasser. Das klingt nach dem Ideal schlechthin. Aber möchtest du Wasser, in dem praktisch nichts mehr gelöst ist?
Calcium und Magnesium, die Härtebildner im Wasser, sind Mineralstoffe. Den größten Teil davon liefert in der Regel das Essen. Hartes Wasser kann aber einen Beitrag leisten. Wie viel davon in deinem Wasser steckt, verrät dir dein Versorger: Er muss Härte, Calcium, Magnesium und Kalium im Internet veröffentlichen.
Ein Team aus Guangzhou fasste zehn Beobachtungsstudien mit 77.821 Fällen von koronarer Herzkrankheit zusammen, neun davon aus Europa. Mehr Magnesium im Trinkwasser ging mit einer etwas niedrigeren Sterblichkeit an koronarer Herzkrankheit einher, das relative Risiko lag bei 0,89. Für dich heißt das: Mineralstoffe im Wasser sind kein Störfaktor, sie könnten sogar einen kleinen Beitrag zur Herzgesundheit leisten, bewiesen ist das aber nicht.
DOI: 10.3390/nu8010005Eine Beobachtungsstudie aus Chongqing mit fast 30.000 Schulkindern fand an Schulen mit mineralarmem Wasser aus Umkehrosmose-Anlagen geringere Größenzunahmen und mehr Karies. Solche ökologischen Studien können Störfaktoren nicht sicher ausschließen. Sie sind ein Hinweis, kein Beweis.
Dazu kommen praktische Punkte. Je nach Gerät fließt ein Teil des Wassers als Konzentrat ungenutzt in den Abfluss. Und Vorfilter, Membran und gegebenenfalls Speicher brauchen regelmäßige Pflege, sonst stellen sich dieselben Hygienefragen wie bei der Kanne.
Reiner ist nicht automatisch gesünder. Wasser transportiert nicht nur Stoffe, die du vermeiden willst, sondern auch Mineralien, die dein Körper braucht.
Wenn Umkehrosmose für dich sinnvoll ist, etwa bei einer nachgewiesenen PFAS-Belastung, achte umso mehr auf eine mineralstoffreiche Ernährung mit Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen und Vollkorn.
Und jetzt weißt du, warum die reinste Technik nicht automatisch die beste Wahl für deinen Alltag ist.
Mikroplastik im Leitungswasser: Wie viel ist da?
These: In Leitungswasser aus gut aufbereitetem Grundwasser fanden Messungen nur sehr wenige Mikroplastikteilchen. Die kleinsten Teilchen erfassen diese Methoden aber nicht.
Plastik im Blut, Plastik im Gehirn. Nach solchen Schlagzeilen schaust du vielleicht anders auf deinen Wasserhahn.
Ein Team des Alfred-Wegener-Instituts untersuchte Grund- und Trinkwasser an verschiedenen Stellen einer Trinkwasserversorgung in Deutschland auf Kunststoffteilchen über 20 Mikrometer. Gefunden wurden 0 bis 7 Teilchen pro Kubikmeter, im Mittel 0,7, also weniger als ein Teilchen in 1.000 Litern, und als wahrscheinliche Quelle nannten die Forschenden Abrieb von Kunststoffteilen in Aufbereitung und Transport. Für dich heißt das: Leitungswasser aus Grundwasser kann eine sehr kleine Mikroplastikquelle sein.
DOI: 10.1016/j.scitotenv.2018.08.178Ein Team der Universität Aalborg erfasste Teilchen ab 6,6 Mikrometern in Trinkwassernetzen. Es schätzte die mögliche Aufnahme über Leitungswasser auf weniger als ein Teilchen pro Person und Jahr, wenn das Wasser aus einem leistungsfähigen Wasserwerk kommt.
Wie vorsichtig solche Zahlen zu lesen sind, zeigt eine Arbeit aus Wageningen, an der die Weltgesundheitsorganisation beteiligt war. Das Team bewertete 50 Studien zu Mikroplastik in Süß- und Trinkwasser. Die gemessenen Mengen unterschieden sich um zehn Größenordnungen, und nur vier Studien erfüllten alle Qualitätskriterien. Dazu kommt: Die genannten Messungen erfassen Teilchen erst ab einer bestimmten Größe. Über noch kleinere Teilchen sagen sie nichts.
Wie Flaschenwasser im Vergleich abschneidet und welche Alltagsquellen mehr Gewicht haben, beschreibe ich im Artikel über Mikroplastik im Körper. Ob ein Haushaltsfilter die ohnehin geringe Menge in deutschem Leitungswasser weiter senkt, dazu habe ich keine belastbare Studie gefunden.
Beim Mikroplastik ist dein Leitungswasser nach heutigem Stand eher ein kleiner Posten. Ein Filter dafür ist kaum untersucht und nicht der erste Hebel.
Und jetzt weißt du, warum Mikroplastik allein für deutsches Leitungswasser kein starkes Argument für einen Filter ist.
Wie prüfst du dein Wasser und deine Leitung? Drei Schritte
These: Zwei Informationen beantworten die meisten Fragen: die Werte deines Wasserversorgers und das Alter deiner Leitungen.
Du willst keine Vermutung, du willst Klarheit. Die gute Nachricht: Vieles davon ist nur ein paar Klicks und ein Gespräch entfernt.
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Werte deines Versorgers lesen
Wasserversorger müssen nach § 46 der Trinkwasserverordnung aktuelle Untersuchungsergebnisse im Internet veröffentlichen, jeweils mit Grenzwert und Untersuchungshäufigkeit. Die Ergebnisse dürfen in der Regel nicht älter als ein Jahr sein. Dazu gehören auch Härte, Calcium, Magnesium und Kalium. Seit der PFAS-Grenzwert gilt, sollten dort auch Werte zur Summe PFAS-20 stehen. Auf begründete Nachfrage bekommst du die Informationen kostenlos auch auf anderem Weg.
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Hausinstallation klären
Frag nach dem Baujahr des Hauses und der Leitungen, und schau dir sichtbare Rohre im Keller an. Bei einem Haus von vor 1973 außerhalb Süddeutschlands lohnt sich der genaue Blick besonders, etwa in einem Berliner Altbau. Die Werte des Wasserwerks sagen wenig über Blei in deinem Haus, denn Blei stammt vor allem aus Leitungen und Bauteilen im Gebäude.
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Messen lassen, wenn Fragen bleiben
Beauftrage eine zugelassene Untersuchungsstelle, wenn du unsicher bist. Für Blei sollte das Wasser vorher mindestens vier Stunden in der Leitung gestanden haben. Das Gesundheitsamt kann dir sagen, welche Untersuchung in deiner Lage sinnvoll ist.
Wissen kommt vor Technik. Erst wenn du weißt, was in deinem Wasser ist, kannst du entscheiden, ob ein Filter Sinn ergibt und welcher.
Und jetzt weißt du, warum die Website deines Versorgers und ein Blick in den Keller mehr Klarheit bringen können als jedes Prüfzeichen auf einer Verpackung.
Was sehen die vier KPNI-Linsen, und was heißt das für dich?
These: Die Stoffe, um die es beim Trinkwasser geht, berühren alle vier großen Regelsysteme. Das ist ein Grund für Sorgfalt, nicht für Angst.
Vielleicht fragst du dich jetzt: Wenn so vieles gut geregelt ist, warum dann überhaupt so genau hinschauen?
In der klinischen Psychoneuroimmunologie, kurz KPNI, schaue ich auf vier Systeme, die ständig miteinander sprechen: Nervensystem, Immunsystem, Stoffwechsel und Hormonsystem. Beim Trinkwasser ergibt sich daraus ein klares Bild, an manchen Stellen aber auch offene Fragen.
Nervensystem
Blei kann die Entwicklung des Nervensystems schon in niedrigen Mengen beeinträchtigen. In der gepoolten Analyse aus sieben Kohorten war der IQ-Verlust pro Anstieg im niedrigen Bereich besonders groß. Ungeborene und kleine Kinder sind am empfindlichsten.
Immunsystem
Bei PFAS gilt eine schwächere Impfantwort bei Kindern als empfindlichster Befund, darauf stützt sich der Richtwert der EFSA. Verkeimte Filter sind eine zweite, ganz praktische Frage für die Abwehr, vor allem wenn sie geschwächt ist.
Stoffwechsel
Die EFSA betont, dass ihr PFAS-Richtwert auch vor weiteren beim Menschen beobachteten möglichen Effekten schützen soll. Magnesium im Wasser war in Beobachtungsstudien mit etwas weniger Todesfällen durch koronare Herzkrankheit verbunden.
Hormonsystem
Ob PFAS die Schilddrüse beeinflussen, ist offen. Eine Meta-Analyse aus Seoul fand bei Erwachsenen schwache Zusammenhänge mit dem Gesamt-T4, insgesamt bleibt das Bild uneinheitlich. Blei aus den Knochen kann in Phasen mit erhöhtem Stoffwechsel wie der Schwangerschaft wieder ins Blut gelangen.
Wie PFAS und Hormone zusammenhängen, beschreibe ich ausführlicher im Artikel über PFAS als Hormonthema.
Gut belegt
- Leitungswasser aus großen Versorgungsgebieten erfüllt die Anforderungen fast immer.
- Blei schadet dem sich entwickelnden Nervensystem schon in niedrigen Mengen.
- Aktivkohlefilter können verkeimen, besonders ohne Pflege.
- Umkehrosmose kann PFAS weitgehend zurückhalten.
Plausibel, aber nicht abschließend belegt
- Dass Haushaltsfilter über Monate im Alltag so gut arbeiten wie im Labortest.
- Dass Magnesium im Trinkwasser die Herzgesundheit beeinflusst.
Offen
- Welche gesundheitliche Rolle Mikroplastik aus Leitungswasser spielt.
- Wie stark PFAS die Schilddrüse beeinflussen.
- Ob Filter die geringe Mikroplastikmenge in deutschem Leitungswasser weiter senken.
Hier liegt für mich der größte Gewinn. Du musst nicht jedes Glas Wasser misstrauisch betrachten. Und du musst nicht jedes Gerät kaufen, das reines Wasser verspricht. Freiheit heißt hier, die zwei Fragen zu kennen, die meistens genügen: Was sagt mein Versorger? Und was liegt in meinen Wänden? Angst macht eng. Wissen macht ruhig.
Drei Hebel für diese Woche
- Werte nachsehen: Such auf der Website deines Wasserversorgers die aktuellen Untersuchungsergebnisse, auch die Summe PFAS-20.
- Leitung klären: Frag nach dem Baujahr der Leitungen, schau in den Keller und lass Wasser nach längerer Standzeit ablaufen, bis es kühl kommt.
- Filter ehrlich prüfen: Wenn du filterst, wechsle die Kartusche nach Plan. Wenn du keinen konkreten Grund hast, darfst du die Kanne auch in den Schrank stellen.
Sauberes Wasser beginnt nicht mit einem Gerät, sondern mit einer Frage. Wer die richtige Frage stellt, braucht oft keinen Filter. Und wer einen braucht, weiß dann, welchen.
Wie Entgiftung im Alltag ohne Kur aussehen kann, beschreibe ich im Artikel über sanftes Entgiften im Alltag.
Und jetzt weißt du, warum Gelassenheit und Sorgfalt beim Trinkwasser gut zusammenpassen.
Häufige Fragen zu Wasserfiltern und Leitungswasser
Ist ein Wasserfilter für Leitungswasser in Deutschland sinnvoll?
Aus gesundheitlicher Sicht ist ein Filter für Wasser aus der öffentlichen Versorgung meist nicht nötig. Im Bericht von Bundesgesundheitsministerium und Umweltbundesamt für 2020 bis 2022 erfüllten in großen Versorgungsgebieten bei den meisten Parametern über 99 Prozent der Proben die Trinkwasserverordnung. Sinnvoll sein kann ein Filter bei einer lokalen PFAS-Belastung, bei einem konkreten Messbefund aus deiner Leitung oder bei einem eigenen Brunnen. Bei Bleileitungen ist der Austausch der Weg, nicht der Filter. Und jeder Filter braucht Pflege, sonst kann er selbst zur Keimquelle werden.
Welche PFAS-Grenzwerte gelten seit 2026 im Trinkwasser?
Seit dem 12. Januar 2026 gilt für die Summe von 20 bestimmten PFAS ein Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter, die Summe PFAS-20. Ab dem 12. Januar 2028 gilt zusätzlich für die Summe aus PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS ein Grenzwert von 0,02 Mikrogramm pro Liter, die Summe PFAS-4. Ab dann müssen beide Werte eingehalten werden. Einzelwerte unterhalb der Bestimmungsgrenze zählen bei der Summe nicht mit. Die vier Stoffe der Summe PFAS-4 sind dieselben, für die die EFSA 2020 eine gemeinsame tolerierbare wöchentliche Aufnahme festgelegt hat.
Entfernt ein Kannenfilter PFAS?
Das hängt stark vom Modell und vom Zustand der Kartusche ab. In einem Test aus Japan hielt der beste von vier Kannenfiltern über die gesamte empfohlene Laufzeit mehr als 90 Prozent von sechs PFAS zurück, der schwächste zum Ende weniger als 50 Prozent. Kurzkettige PFAS wurden in allen Modellen schlechter zurückgehalten. Eine Übersichtsarbeit aus Genua betont, dass es kaum Messungen aus dem echten Alltag gibt. Wenn PFAS in deinem Wasser ein nachgewiesenes Problem sind, gehört Umkehrosmose zu den leistungsfähigeren Techniken.
Was entfernt Umkehrosmose, und was geht dabei verloren?
Bei der Umkehrosmose wird Wasser durch eine sehr feine Membran gepresst, die die meisten gelösten Stoffe zurückhält. In einer Studie aus Ostchina hielten Haushaltsgeräte die meisten PFAS fast vollständig zurück, unabhängig von der Kettenlänge. Gleichzeitig verliert das Wasser einen Großteil seines Calciums und Magnesiums. In Beobachtungsstudien war mehr Magnesium im Trinkwasser mit einer etwas niedrigeren Sterblichkeit an koronarer Herzkrankheit verbunden. Außerdem fließt je nach Gerät ein Teil des Wassers ungenutzt ab, und die Anlage braucht regelmäßige Wartung.
Kann ein Wasserfilter Blei aus alten Leitungen entfernen?
Für Blei zertifizierte Filter können Blei im Test deutlich senken. Eine Übersicht der US-Umweltbehörde EPA fand in Feldstudien bei 99 Prozent dieser Filter Werte am oder unter dem Zielwert, Ausfälle hingen unter anderem mit falschem Betrieb und fehlender Wartung zusammen. Das Umweltbundesamt hält Filter zur Bleientfernung trotzdem nicht für sinnvoll, weil sie das Trinkwasser unnötig mit Krankheitserregern belasten können. In Deutschland sind Bleileitungen seit dem 12. Januar 2026 verboten und müssen entfernt oder stillgelegt werden. Der Austausch entfernt die Quelle, ein Filter nicht.
Wie erkenne ich Bleirohre in meinem Haus?
Bleirohre gibt es nur noch in älteren Gebäuden, die vor 1973 gebaut wurden, im süddeutschen Raum praktisch gar nicht. Unbemalt sind sie graublau bis silbergrau, sie lassen sich leicht einritzen und klingen beim Klopfen dumpf. Oft wurden sie in großen Bögen statt in rechten Winkeln verlegt. Schau dir sichtbare Leitungen im Keller vor und hinter dem Wasserzähler an und frag deine Vermieterin oder deinen Vermieter. Bei Leitungen unter Putz kann ein Installateur weiterhelfen, bei unklarer Lage eine Wasseruntersuchung.
Können Wasserfilter verkeimen?
Ja, vor allem Filter mit Aktivkohle. In einer Freiburger Studie stieg in 24 von 34 Kannenfiltern aus Haushalten die Keimzahl im gefilterten Wasser, im Labor auch bei 4 Grad, in einzelnen Fällen bis auf das 10.000-Fache des Leitungswassers. Eine neuere Erbgut-Analyse ergab, dass 29 bis 79 Prozent der Mikroben im gefilterten Wasser aus dem Biofilm auf der Kohle stammten. Selten genutzte Filter scheinen besonders anfällig zu sein. Regelmäßiger Kartuschenwechsel, saubere Kannen und zügiges Trinken können das Risiko senken.
Wie oft sollte ich die Filterkartusche wechseln?
Spätestens nach der Zeit oder der Literzahl, die der Hersteller angibt, je nachdem, was zuerst erreicht ist. Gegen Ende der Laufzeit kann auch die Filterleistung deutlich nachlassen, in einem Test sank sie bei einem Modell für PFAS unter 50 Prozent. Nach längeren Pausen, etwa nach einem Urlaub, setzt du lieber eine neue Kartusche ein. Wenn du den Filter kaum benutzt, kann Weglassen die bessere Wahl sein. Geschmack ist dabei kein Maßstab, denn Bakterien und PFAS schmeckst du nicht.
Wo finde ich die Werte meines Wasserversorgers?
Wasserversorger müssen nach der Trinkwasserverordnung aktuelle Untersuchungsergebnisse im Internet veröffentlichen, jeweils mit Grenzwert und Untersuchungshäufigkeit. Die Ergebnisse dürfen in der Regel nicht älter als ein Jahr sein. Dazu gehören auch Wasserhärte, Calcium, Magnesium und Kalium. Auf begründete Nachfrage bekommst du die Informationen kostenlos auch auf anderem Weg. Die Werte beschreiben das Wasser aus dem Netz, nicht die Leitungen in deinem Haus.
Filtern Wasserfilter Mikroplastik aus dem Leitungswasser?
Für deutsches Leitungswasser habe ich dazu keine belastbare Studie gefunden. Die Ausgangslage ist allerdings günstig: In Trinkwasser aus Grundwasser fand ein Team des Alfred-Wegener-Instituts im Mittel 0,7 Kunststoffteilchen über 20 Mikrometer pro Kubikmeter, also weniger als eines in 1.000 Litern. Eine Arbeitsgruppe aus Aalborg schätzte die mögliche Aufnahme über Leitungswasser auf weniger als ein Teilchen pro Person und Jahr. Sehr kleine Teilchen erfassen diese Messungen allerdings nicht. Für Mikroplastik allein ist ein Filter deshalb kaum der erste Hebel.
Was gilt für Schwangere, Säuglinge und kleine Kinder?
Bei Bleileitungen ist das Wasser für schwangere Frauen, Säuglinge und Kinder bis sechs Jahre nach Angaben des Umweltbundesamts zum Trinken und Zubereiten von Speisen grundsätzlich ungeeignet. Die Alternative ist abgepacktes Wasser mit dem Hinweis „Geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“. Zum Waschen und Duschen gibt es wegen des Bleigehalts keine gesundheitlichen Bedenken. Wenn du in diesen Lebensphasen filterst, achte besonders auf Hygiene. Sprich bei Fragen mit deiner Hebamme, deiner Frauenarztpraxis oder deiner Kinderarztpraxis.
Was passiert, wenn mein Wasserversorger den PFAS-Grenzwert überschreitet?
Der Betreiber muss das Gesundheitsamt informieren und die Ursache klären. Das Gesundheitsamt kann eine befristete Abweichung zulassen, wenn keine Schädigung der Gesundheit zu befürchten ist und die Versorgung nicht anders zumutbar aufrechterhalten werden kann. Dann gilt ein Maßnahmenwert, und die Frist darf drei Jahre nicht überschreiten, mit einer einmaligen Verlängerung nur in Ausnahmefällen. Lässt sich die Abweichung nicht innerhalb von 30 Tagen abstellen, müssen die betroffenen Haushalte informiert und besonders gefährdete Gruppen beraten werden. Folge in diesem Fall zuerst den Hinweisen des Gesundheitsamts.
Ist hartes Wasser ungesund?
Die Härtebildner Calcium und Magnesium sind Mineralstoffe. In einer Meta-Analyse aus zehn Beobachtungsstudien war mehr Magnesium im Trinkwasser mit einer etwas niedrigeren Sterblichkeit an koronarer Herzkrankheit verbunden, das relative Risiko lag bei 0,89. Ein Beweis für eine Ursache ist das nicht. Kalk ist eher eine Frage für Wasserkocher und Kaffeemaschine. Ein Filter gegen Kalk ist deshalb vor allem eine Komfortentscheidung.
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Quellen
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Zur Einordnung der Evidenz: Alle Studien wurden über PubMed gegen Titel, Autorinnen und Autoren, Jahr, Journal und DOI geprüft, zentrale Arbeiten zusätzlich über Consensus und das DOI-Register. Zahlen zu Studienergebnissen stammen aus den jeweiligen Abstracts, bei der Bleistudie aus der 2019 veröffentlichten Berichtigung. Grenzwerte und Fristen stammen aus dem Verordnungstext und aus Veröffentlichungen des Umweltbundesamts.
Gut belegt sind die Qualität des Trinkwassers in großen Versorgungsgebieten, die Schädlichkeit von Blei für das sich entwickelnde Nervensystem und die Verkeimung von Aktivkohlefiltern. Wie Haushaltsfilter über Monate im Alltag abschneiden, ist dagegen kaum untersucht, viele Daten stammen aus Labortests oder aus dem Ausland. Zusammenhänge zwischen Mineralstoffen im Wasser und Gesundheit stammen aus Beobachtungsstudien und belegen keine Ursache.
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, keine Wasseruntersuchung und keine Auskunft des Gesundheitsamts. Er enthält keine Empfehlung für bestimmte Produkte oder Marken.