Winterdepression und Lichtmangel: Wenn die dunkle Jahreszeit auf die Stimmung schlägt
Wenn die Tage kürzer werden, wird bei manchen Menschen auch das Innere dunkler. Das ist keine Charakterschwäche. Licht, Serotonin, Melatonin und Immunsystem greifen ineinander, und daraus ergeben sich gut untersuchte Bausteine, die ärztliche und psychotherapeutische Behandlung ergänzen können.
Eine Winterdepression ist kein Zeichen dafür, dass du dich nur zusammenreißen müsstest. Sie ist ein Körper, der auf weniger Licht reagiert, mit Gehirn, Hormonen und Immunsystem zugleich. Wer das versteht, kann Licht, Gespräch und Medizin klug miteinander verbinden, statt sich zwischen ihnen entscheiden zu müssen.
Ich wette, du kennst dieses Gefühl. Ende Oktober wird die Uhr umgestellt. Plötzlich ist es um fünf dunkel. Und irgendwann im November merkst du, dass etwas in dir leiser geworden ist.
Der Wecker fühlt sich an wie eine Zumutung. Du schläfst mehr und bist trotzdem müde. Abends willst du nur noch Nudeln, Brot, Schokolade. Verabredungen sagst du ab. Nicht weil du die Menschen nicht magst. Sondern weil alles so schwer geworden ist.
Vielleicht sagst du dir: Das ist halt der Winter. Vielleicht hast du recht. Vielleicht aber auch nicht. Denn zwischen einem leichten Winterblues und einer echten Winterdepression liegt ein Unterschied, der zählt. Dieser Artikel soll dir helfen, beides einzuordnen, und zeigen, warum Licht dabei so eine große Rolle spielen kann.
Wenn du gerade Gedanken hast, nicht mehr leben zu wollen, oder dir selbst etwas antun könntest, dann lies diesen Artikel später. Jetzt zählt, dass du mit einem Menschen sprichst.
Du kannst dich auch an deine Hausarztpraxis, eine psychiatrische Klinik oder die nächste Notaufnahme wenden. Niemand dort hält dich für schwach.
Was dich hier erwartet
- Winterblues und Winterdepression unterscheiden
- Was Lichtmangel mit Serotonin macht
- Melatonin und die verschobene innere Uhr
- Die Neuro-Immun-Achse im Winter
- Wie gut Lichttherapie untersucht ist
- Antidepressiva und Psychotherapie fair eingeordnet
- Für wen Licht nicht harmlos ist
- Vitamin D ehrlich betrachtet
Winterblues oder Winterdepression: der Unterschied, der zählt
Viele Menschen in Deutschland erleben im Winter einen Durchhänger. Das ist erst einmal menschlich. Wir sind Wesen, die über Jahrtausende mit dem Licht gelebt haben. Wenn die Sonne tiefer steht, fährt auch in uns etwas herunter.
Aber es gibt eine Grenze. Hinter ihr wird aus Müdigkeit eine Krankheit. Fachleute sprechen dann von einer saisonal abhängigen Depression, im Englischen Seasonal Affective Disorder, kurz SAD. Je nach Breitengrad betrifft sie Schätzungen zufolge etwa 1,5 bis 9 Prozent der Menschen, so beziffern es die Cochrane-Übersichten von 2019.
Winterblues
- Weniger Antrieb, mehr Schlafbedürfnis
- Gedrückte, aber wechselnde Stimmung
- Alltag bleibt im Wesentlichen machbar
- Freude ist noch erreichbar, wenn etwas Schönes passiert
Winterdepression
- Wiederkehrendes Muster, meist Herbst bis Frühjahr
- Anhaltende Niedergeschlagenheit über Wochen
- Deutlicher Rückzug, Arbeit und Beziehungen leiden
- Hoffnungslosigkeit, im Ernstfall Suizidgedanken
Ein Team um Norman Rosenthal am US-amerikanischen National Institute of Mental Health beschrieb 1984 erstmals 29 Menschen, deren Depressionen jedes Jahr zur gleichen Zeit wiederkamen. Auffällig waren viel Schlaf, Überessen und Heißhunger auf Kohlenhydrate. Bei elf von ihnen deuteten erste Versuche darauf hin, dass eine Verlängerung des Tages mit hellem Kunstlicht antidepressiv wirken könnte.
Ein Detail wird oft übersehen: Die meisten dieser ersten Menschen hatten eine bipolare Störung, vor allem vom Typ II. Darauf kommen wir beim Thema Sicherheit zurück.
Rosenthal NE et al. Arch Gen Psychiatry. 1984;41(1):72-80. DOI: 10.1001/archpsyc.1984.01790120076010Eine Übersichtsarbeit der kanadischen Athabasca University fasste 2015 den Wissensstand zusammen. Häufiger betroffen sind demnach Frauen, jüngere Menschen, Menschen, die weit vom Äquator entfernt leben, und Menschen mit Depression, bipolarer Störung oder SAD in der Familie.
Die leichtere Form, den Winterblues, beschreibt die Arbeit als eigenes, unterschwelliges Bild. Für dich heißt das: Nicht jedes Wintertief ist eine Depression, aber jedes wiederkehrende Tief verdient einen genauen Blick.
Melrose S. Depress Res Treat. 2015;2015:178564. DOI: 10.1155/2015/178564„Das ist doch nur der Winter" klingt beruhigend. Es kann aber auch dazu führen, dass eine behandelbare Erkrankung Jahr für Jahr ausgesessen wird.
Die ehrlichere Frage lautet: Wiederholt sich das bei mir jedes Jahr, und wie sehr nimmt es mir die Monate weg? Die Antwort darauf gehört in ein ärztliches oder psychotherapeutisches Gespräch, nicht in einen Online-Test allein.
Und jetzt weißt du, warum ich bei einem Wintertief immer zuerst nach dem Muster frage und erst danach nach Lösungen.
Was Licht im Gehirn verstellt: Serotonin, Melatonin und die innere Uhr
Kennst du das, wenn nach Wochen Grau plötzlich ein klarer, sonniger Tag kommt? Viele Menschen spüren förmlich, wie sich etwas in ihnen aufrichtet. Das ist kein Zufall. Licht ist für dein Gehirn nicht nur etwas zum Sehen. Es ist ein Zeitgeber und ein Stimmungssignal.
Stell dir dein Gehirn im Winter wie ein Orchester vor, dessen Dirigent schlecht sieht. Der Dirigent sitzt in einem winzigen Kern über der Sehnervenkreuzung, dem Nucleus suprachiasmaticus. Er bekommt seine Taktinformation von speziellen Lichtsensoren in der Netzhaut. Wenn morgens zu wenig Licht kommt, gibt er den Takt zu spät oder zu unklar vor. Wie diese Uhr im Detail tickt, beschreibe ich ausführlich in meinem Artikel zur Chronobiologie und dem Morgenlicht.
Netzhaut
Lichtempfindliche Zellen messen, wie hell es ist und wie lange schon. Im Winter kommt morgens oft zu wenig an.
Innere Uhr im Hypothalamus
Der Taktgeber stellt sich nach dem Licht. Fehlt das Morgensignal, kann der Rhythmus nach hinten rutschen.
Zirbeldrüse und Melatonin
Das Nachthormon wird bei manchen Menschen im Winter länger ausgeschüttet. Der Körper bekommt ein Signal: Es ist Winter, fahr herunter.
Serotonin-System
Die Menge der Serotonin-Transporter scheint mit den Jahreszeiten zu schwanken. Mehr Transporter können weniger verfügbares Serotonin im Spalt bedeuten.
Ein Forschungsteam um Nicole Praschak-Rieder in Toronto untersuchte zwischen 1999 und 2003 die Gehirne von 88 gesunden Menschen mit einem bildgebenden Verfahren, der PET. Im Herbst und Winter war die Bindung am Serotonin-Transporter in allen untersuchten Hirnregionen höher als im Frühling und Sommer, und je weniger Sonnenstunden, desto höher waren die Werte.
Der Transporter ist wie ein Staubsauger, der Serotonin aus dem Spalt zwischen Nervenzellen zurückholt. Mehr Staubsauger könnten bedeuten, dass im dunklen Halbjahr weniger Serotonin für die Signalübertragung bleibt. Das ist ein Mechanismus an gesunden Menschen, kein Beweis für die Ursache der Winterdepression, aber eine sehr plausible Brücke.
Praschak-Rieder N et al. Arch Gen Psychiatry. 2008;65(9):1072-1078. DOI: 10.1001/archpsyc.65.9.1072Thomas Wehr und Kollegen am National Institute of Mental Health maßen 2001 bei 55 Menschen mit Winterdepression und 55 gesunden Vergleichspersonen über 24 Stunden das Melatonin, im Winter und im Sommer. Bei den Betroffenen dauerte die nächtliche Melatonin-Phase im Winter länger als im Sommer, im Mittel 9,0 gegenüber 8,4 Stunden, bei den Gesunden blieb sie gleich.
Tiere nutzen genau dieses Signal, um ihr Verhalten an die Jahreszeit anzupassen. Die Autoren betonen selbst, dass das keine Kausalität beweist. Es passt aber zu der Idee, dass manche Menschen auf den Winter stärker mit einem biologischen Rückzugsprogramm antworten.
Wehr TA et al. Arch Gen Psychiatry. 2001;58(12):1108-1114. DOI: 10.1001/archpsyc.58.12.1108Alfred Lewy und sein Team an der Oregon Health and Science University prüften 2006, ob eine verschobene innere Uhr mit der Schwere der Winterdepression zusammenhängt. Sie fanden ein Zeitfenster, in dem eine gute Ausrichtung der circadianen Rhythmen mit geringeren Depressionswerten einherging.
Für dich heißt das: Bei vielen Betroffenen scheint die innere Uhr im Winter hinter dem Kalender herzulaufen. Morgenlicht könnte sie wieder nach vorn ziehen, und genau das gilt als ein möglicher Wirkweg der Lichttherapie.
Lewy AJ et al. Proc Natl Acad Sci U S A. 2006;103(19):7414-7419. DOI: 10.1073/pnas.0602425103Wichtig ist das Timing. Licht am Morgen kann die Uhr nach vorn stellen. Helles Licht am späten Abend kann sie dagegen weiter nach hinten schieben. Warum Bildschirmlicht am Abend dabei eine Rolle spielen kann, findest du in meinem Artikel über Blaulicht und den zirkadianen Rhythmus.
Deine Winterschwere ist nicht nur ein Gefühl im Kopf. Sie könnte auch eine Uhr sein, die im falschen Takt läuft, und ein Serotonin-System, das im Dunkeln anders arbeitet.
Das nimmt dir keine Verantwortung ab. Aber es nimmt dir die Schuld. Und aus einem Taktproblem ergeben sich andere Fragen als aus einem Willensproblem.
Und jetzt weißt du, warum das Licht am Morgen für die Stimmung so viel mehr bedeuten kann als Helligkeit.
Die Neuro-Immun-Achse: warum Winterdepression kein reines Kopfthema ist
Vielleicht kennst du auch die andere Seite des Winters. Du bist häufiger erkältet. Die Gelenke fühlen sich steifer an. Du hast das Gefühl, dein ganzer Körper läuft im Energiesparmodus. Das ist kein Zufall, dass Stimmung und Körper gleichzeitig nachgeben.
In der klinischen Psychoneuroimmunologie, kurz KPNI, schauen wir mit vier Linsen auf ein Problem. Bei der Winterdepression greifen alle vier ineinander.
Taktgeber und Botenstoffe
Lichtsensoren der Netzhaut, die innere Uhr und das Serotonin-System bilden eine Kette. Fehlt das Lichtsignal, kann die ganze Kette träger werden.
Melatonin und Cortisol
Eine längere Melatonin-Nacht und ein verschobener Tagesrhythmus können dem Körper Winter signalisieren. Das Hormonsystem übersetzt so die Tageslänge in ein Körpergefühl.
Entzündungsbotenstoffe
Bei manchen Menschen mit Winterdepression fanden sich erhöhte Entzündungsmarker. Entzündung kann im Gehirn Müdigkeit, Rückzug und Freudlosigkeit verstärken.
Winterprogramm
Mehr Schlaf, mehr Hunger auf Kohlenhydrate, Gewichtszunahme. Das erinnert an ein altes Sparprogramm für die dunkle Jahreszeit.
Ein Team aus Taipeh und Vancouver verglich 2001 das Blut von 15 Menschen mit Winterdepression mit dem von 15 gesunden Personen gleichen Alters und Geschlechts. Bei den Betroffenen war der Entzündungsbotenstoff Interleukin-6 deutlich erhöht. Nach zwei Wochen Lichttherapie besserte sich die Stimmung bei allen 14 Menschen, die die Studie abschlossen, die Entzündungswerte blieben aber unverändert.
Das ist eine kleine Studie, und sie lehrt zweierlei. Das Immunsystem könnte bei der Winterdepression mitspielen. Und Licht scheint die Stimmung über andere Wege zu beeinflussen als über eine schnelle Senkung dieser Marker.
Leu SJ et al. J Affect Disord. 2001;63(1-3):27-34. DOI: 10.1016/s0165-0327(00)00165-8Wie Entzündung und Stimmung allgemein zusammenhängen, beschreibe ich in meinem Artikel über Depression und Entzündung. Für die Winterdepression ist die Datenlage zu diesem Punkt schmal.
Gut belegt: Lichttherapie kann die Symptome einer Winterdepression bessern. Melatonin-Rhythmus und innere Uhr verhalten sich bei vielen Betroffenen im Winter anders.
Mechanistisch plausibel, aber noch dünn: der saisonale Serotonin-Transporter als Teil der Erklärung, und eine Beteiligung des Immunsystems.
Meine Sicht durch die KPNI-Linse: Ich verstehe die Winterdepression als Zusammenspiel dieser Systeme. Das ist eine begründete Perspektive, keine abschließend bewiesene Theorie.
Wenn dein Körper im Winter auf Rückzug schaltet, ist das kein Versagen deiner Psyche. Es kann ein ganzes Netzwerk sein, das auf weniger Licht antwortet.
Genau deshalb ist es sinnvoll, mehrere Ebenen gleichzeitig anzuschauen: Rhythmus, Licht, Bewegung, Schlaf, Entzündung und die seelische Seite. Nicht als Entweder-oder, sondern als Netz.
Und jetzt weißt du, warum ich die Winterdepression nie nur als Stimmungsthema betrachte.
Lichttherapie: einer der am besten untersuchten Bausteine
Stell dir vor, du wüsstest im September schon, dass der November kommt. Jedes Jahr. Wie ein Termin, den niemand freiwillig macht. Viele Menschen mit Winterdepression erleben genau das.
Das Novemberloch, das jedes Jahr wiederkam
Ich kenne dieses Muster sehr gut. Eine Frau mittleren Alters, beruflich viel am Schreibtisch, erzählte mir von ihrem Winter. Seit Jahren rutschte sie im November in ein Loch und kam erst im März wieder heraus.
Auffällig war in ihrer Schilderung weniger der Abend als der Morgen. Sie verließ das Haus im Dunkeln und sah an Werktagen kaum Tageslicht. Sie war bereits hausärztlich angebunden, und wir haben zusätzlich eine psychotherapeutische Begleitung angestoßen. In dieses Gesamtbild haben wir eine bewusste Lichtstrategie am Morgen eingebaut, nachdem Augen, Medikamente und eine bipolare Störung als Gegengründe abgeklärt waren.
In den folgenden Wintern beschrieb sie das Tief als flacher und kürzer. Ich kann keine Kausalität behaupten, aber ich dokumentiere den zeitlichen Zusammenhang. Psychotherapie, mehr Bewegung draußen und das bloße Wissen um das eigene Muster können ebenso mitgespielt haben.
Die Lehre: Ein wiederkehrendes Muster ist auch eine Chance, weil man sich auf den nächsten Winter vorbereiten kann.
Was sagen die großen Studien zu diesem Baustein?
Robert Golden und Kollegen von der University of North Carolina werteten 2005 alle randomisierten Studien zu Lichttherapie bei Stimmungserkrankungen aus, die strenge Kriterien erfüllten. Helles Licht bei Winterdepression zeigte über acht Studien eine Effektstärke von 0,84, eine Dämmerungssimulation über fünf Studien von 0,73.
Die Autoren schreiben, diese Effekte entsprächen in ihrer Größe denen der meisten Studien mit Antidepressiva. Gleichzeitig erfüllten nur 13 Prozent der gefundenen Studien die Qualitätskriterien. Das ist eine ehrliche Mischung aus Hoffnung und Vorsicht.
Golden RN et al. Am J Psychiatry. 2005;162(4):656-662. DOI: 10.1176/appi.ajp.162.4.656Edda Pjrek und ihr Team von der Medizinischen Universität Wien fassten 2020 neunzehn randomisierte Studien zusammen, in denen helles Licht mit Placebolicht verglichen wurde. Lichttherapie schnitt bei den Depressionswerten besser ab, und die Wahrscheinlichkeit, auf die Behandlung anzusprechen, lag um 42 Prozent höher.
Die Autorinnen und Autoren sehen Lichttherapie als wirksame Behandlung der Winterdepression an, bemängeln aber kleine Studien und ein mittleres bis hohes Verzerrungsrisiko. Für dich heißt das: ein solider Baustein, der noch größere Studien verdient.
Pjrek E et al. Psychother Psychosom. 2020;89(1):17-24. DOI: 10.1159/000502891Raymond Lam und sein Team führten in vier kanadischen Zentren über drei Winter die Can-SAD-Studie durch. 96 Menschen erhielten entweder 30 Minuten morgens Licht mit 10.000 Lux plus Placebokapsel oder schwaches Placebolicht plus das Antidepressivum Fluoxetin. In beiden Gruppen sprachen 67 Prozent an, Remission erreichten 50 und 54 Prozent.
Licht zeigte nach einer Woche einen etwas schnelleren Effekt, Fluoxetin etwas häufiger Unruhe, Schlafstörungen und Herzklopfen, beide wurden insgesamt gut vertragen. Die Autoren empfehlen, auch die Vorlieben der Betroffenen in die Wahl einzubeziehen. Licht und Medikament stehen hier also auf Augenhöhe.
Lam RW et al. Am J Psychiatry. 2006;163(5):805-812. DOI: 10.1176/ajp.2006.163.5.805Eine wichtige Einordnung: 10.000 Lux über etwa 30 Minuten am Morgen beschreibt die Bedingungen dieser Studien. Es ist keine Anleitung für dich. Welche Lichtquelle, welcher Zeitpunkt und welche Dauer passen, hängt von deinem Schlafrhythmus, deinen Augen und deinen Medikamenten ab.
Spannend ist auch ein Befund über die Winterdepression hinaus. In einer Studie mit 122 Menschen mit nicht-saisonaler Depression zeigte die Kombination aus Licht und Fluoxetin die beständigsten Effekte, Licht allein war ebenfalls besser als Placebo. Licht kann also auch dort ein ergänzender Baustein sein, wo der Winter nicht die Hauptrolle spielt.
Licht ist kein esoterischer Geheimtipp. Es ist einer der am längsten untersuchten Behandlungsbausteine der Psychiatrie.
Und es ist kein Gegenspieler der Medizin. In den besten Studien stehen Licht und Antidepressivum nebeneinander. Die Frage ist nicht „Licht statt Behandlung", sondern „Licht als Teil der Behandlung".
Und jetzt weißt du, warum ich Licht als ernstzunehmenden Baustein sehe, aber nie als Ersatz für eine Diagnose.
Antidepressiva und Psychotherapie: fair eingeordnet
Vielleicht hast du schon ein Antidepressivum genommen und dich dafür heimlich geschämt. Oder du hast eine Psychotherapie abgelehnt, weil du dachtest, ein bisschen Licht müsse doch reichen. Beides möchte ich dir abnehmen.
Medikamente und Psychotherapie sind bei einer echten Depression wichtige, gut untersuchte Wege. Sie schließen Licht nicht aus. Sie können sich gegenseitig ergänzen.
Kelly Rohan und ihr Team an der University of Vermont verglichen 2015 bei 177 Erwachsenen mit Winterdepression sechs Wochen einer speziell angepassten kognitiven Verhaltenstherapie, kurz KVT-SAD, mit sechs Wochen Lichttherapie. Beide Gruppen besserten sich deutlich und vergleichbar, die Remissionsraten lagen bei 47,6 und 47,2 Prozent.
Die Autorinnen und Autoren folgern, dass beide als Behandlungsoptionen infrage kommen. Für dich heißt das: Du hast mehr als einen gut untersuchten Weg.
Rohan KJ et al. Am J Psychiatry. 2015;172(9):862-869. DOI: 10.1176/appi.ajp.2015.14101293Dasselbe Team begleitete diese Menschen über die nächsten zwei Winter weiter. Im ersten Folgewinter unterschieden sich die Gruppen nicht. Im zweiten Winter erlebten nach der Verhaltenstherapie 27,3 Prozent einen Rückfall, nach der Lichttherapie 45,6 Prozent.
Eine mögliche Erklärung: Licht könnte vor allem so lange einen Effekt haben, wie man es nutzt, während in der Therapie gelernte Strategien bleiben können. Das ist ein starkes Argument, Psychotherapie bei einer wiederkehrenden Winterdepression ernsthaft in Betracht zu ziehen.
Rohan KJ et al. Am J Psychiatry. 2016;173(3):244-251. DOI: 10.1176/appi.ajp.2015.15060773Ein Cochrane-Team um Gerald Gartlehner wertete 2019 Studien aus, in denen Antidepressiva einer neuen Winterdepression vorbeugen sollten. Für Bupropion in Retardform fand es in drei Studien mit 1.100 Menschen ein um 44 Prozent geringeres Rückfallrisiko, bei moderater Qualität der Evidenz.
Gleichzeitig traten häufiger Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Übelkeit auf, und selbst in einer Hochrisikogruppe profitierten drei von vier Menschen nicht. Die Autoren raten, Vor- und Nachteile offen zu besprechen. Genau so sehe ich es auch.
Gartlehner G et al. Cochrane Database Syst Rev. 2019;3:CD011268. DOI: 10.1002/14651858.CD011268.pub3Ein Antidepressivum ist kein Eingeständnis von Schwäche. Psychotherapie ist kein Luxus. Und Licht ist kein Ersatz für beides.
Gute Behandlung fragt nicht, welcher Weg der richtige ist. Sie fragt, welche Kombination zu dir, deiner Geschichte und deiner Schwere passt.
Wie ich Depression grundsätzlich auf mehreren Ebenen betrachte, beschreibe ich in meinem Artikel zur ganzheitlichen Behandlung der Depression. Und jetzt weißt du, warum ich bei einer Winterdepression nie gegen ein Medikament oder eine Therapie argumentiere, sondern für ein gutes Zusammenspiel.
Sicherheit: für wen helles Licht nicht harmlos ist
Eine Tageslichtlampe gibt es im Elektromarkt. Das sieht harmlos aus, fast wie ein Wohnaccessoire. Doch alles, was im Gehirn etwas bewegen kann, kann dort auch etwas in die falsche Richtung bewegen.
- Augenerkrankungen: Bei Erkrankungen der Netzhaut, etwa einer Makuladegeneration oder diabetischen Netzhautveränderungen, und bei anderen Augenleiden gehört helle Lichttherapie vorher augenärztlich besprochen.
- Lichtempfindlich machende Medikamente: Manche Wirkstoffe erhöhen die Lichtempfindlichkeit von Haut und Augen. Dazu gehört auch das pflanzliche Johanniskraut, außerdem einige Antibiotika, Entwässerungsmittel und andere Medikamente. Lass deine Medikamentenliste prüfen.
- Bipolare Störung: Helles Licht kann bei manchen Menschen eine hypomane oder manische Phase begünstigen. Wer eine bipolare Störung hat oder in der Familie kennt, sollte Licht nur in psychiatrischer Begleitung einsetzen.
- Timing: Helles Licht am späten Abend kann die innere Uhr in die falsche Richtung schieben und den Schlaf stören.
- Nebenwirkungen: Beschrieben werden vor allem leichte Beschwerden wie Kopfschmerzen, angestrengte Augen, Übelkeit oder innere Unruhe. Sie sind ein Signal, mit deiner Ärztin oder deinem Arzt zu sprechen.
Ein Team um Dorothy Sit an der Northwestern University untersuchte 2018 Menschen mit bipolarer Depression, die bereits stabil mit stimmungsstabilisierenden Medikamenten behandelt wurden. Helles Licht zur Mittagszeit führte über sechs Wochen häufiger zu einer Remission als Placebolicht, nämlich bei 68,2 gegenüber 22,2 Prozent, und in dieser Studie wurden keine Umschwünge in eine Manie beobachtet.
Ausgeschlossen waren aber Menschen mit schnellem Phasenwechsel oder gemischten Symptomen, und alle standen unter Medikation und enger Kontrolle. Für dich heißt das: Licht kann auch bei bipolarer Störung ein Baustein sein, aber nur unter psychiatrischer Begleitung und nicht im Selbstversuch.
Sit DK et al. Am J Psychiatry. 2018;175(2):131-139. DOI: 10.1176/appi.ajp.2017.16101200Frei verkäuflich heißt nicht frei von Wirkung. Gerade weil Licht im Gehirn etwas bewegen kann, verdient es denselben Respekt wie ein Medikament.
Und jetzt weißt du, warum ich vor jeder Lichtstrategie nach Augen, Medikamenten und der Familiengeschichte frage.
Vitamin D und Winterdepression: ehrlich eingeordnet
Weniger Sonne, weniger Vitamin D, schlechtere Stimmung. Die Gleichung klingt so logisch, dass viele im Herbst als Erstes zur Vitamin-D-Kapsel greifen. Die Studienlage ist aber deutlich gemischter, als diese Logik vermuten lässt.
In der US-amerikanischen VITAL-DEP-Studie erhielten über 18.000 Erwachsene ab 50 Jahren über im Mittel 5,3 Jahre entweder Vitamin D3 oder Placebo. Das Risiko, eine Depression oder klinisch relevante depressive Symptome zu entwickeln, unterschied sich nicht zwischen den Gruppen.
Die Autorinnen und Autoren sehen damit keine Grundlage, Vitamin D3 zur Vorbeugung von Depressionen bei Erwachsenen dieses Alters einzusetzen. Das betraf allerdings Menschen ohne Depression zu Beginn und nicht gezielt Menschen mit Mangel.
Okereke OI et al. JAMA. 2020;324(5):471-480. DOI: 10.1001/jama.2020.10224Ein Team aus Taiwan fasste 2020 fünfundzwanzig randomisierte Studien zu Vitamin D und negativen Gefühlen zusammen. Insgesamt zeigte sich ein Effekt, vor allem bei Menschen mit diagnostizierter Depression und bei einem Vitamin-D-Spiegel von höchstens 50 nmol/l.
Die Studien waren aber sehr unterschiedlich, und die Autoren mahnen selbst zur Vorsicht. Für dich heißt das: Ein gemessener Mangel verdient Ausgleich, aber Vitamin D ist kein Ersatz für Licht, Therapie oder Medikament.
Cheng YC et al. Depress Anxiety. 2020;37(6):549-564. DOI: 10.1002/da.23025Warum die Wintersonne in Deutschland für die Vitamin-D-Bildung oft nicht reicht, erkläre ich im Artikel Vitamin-D-Mangel im Winter. Wichtig für dieses Thema: Licht auf dem Auge und UV-Licht auf der Haut sind zwei verschiedene Dinge. Eine Tageslichtlampe für die Stimmung bildet in der Regel kein Vitamin D, und eine Vitamin-D-Kapsel stellt keine innere Uhr.
Vitamin D und Licht klingen nach demselben Thema. Biologisch sind es zwei verschiedene Wege. Der eine läuft über die Haut, der andere über das Auge und die innere Uhr. Wer beides verwechselt, verpasst womöglich den Baustein, der für die Stimmung relevanter sein kann.
Und jetzt weißt du, warum ich Vitamin D messe, statt es zu raten, und es nie als alleinige Antwort auf eine Winterdepression sehe.
Vorbeugen: was Studien bisher sagen können
Das Besondere an der Winterdepression ist ihre Vorhersehbarkeit. Wer sie kennt, weiß ungefähr, wann sie kommt. Das macht Vorbeugung so verlockend. Die Forschung dazu ist allerdings überraschend dünn.
Ein Cochrane-Team um Barbara Nussbaumer-Streit an der Donau-Universität Krems sichtete 2019 über 3.700 Treffer zur vorbeugenden Lichttherapie. Nur eine einzige kleine Studie mit 46 Menschen erfüllte die Kriterien, und ihre Ergebnisse waren zu unsicher für eine klare Aussage.
Für dich heißt das nicht, dass Licht vorbeugend nutzlos ist. Es heißt, dass wir es schlicht noch nicht sicher wissen. Die Autoren raten, die Entscheidung stark an den Vorlieben der Betroffenen auszurichten.
Nussbaumer-Streit B et al. Cochrane Database Syst Rev. 2019;3:CD011269. DOI: 10.1002/14651858.CD011269.pub3Ähnlich offen ist die Lage bei anderen Ansätzen. Zu Melatonin als Vorbeugung fand eine weitere Cochrane-Übersicht keine einzige Studie, zu Psychotherapie als Vorbeugung nur eine kleine Studie ohne klares Ergebnis. Am besten belegt ist bisher die medikamentöse Vorbeugung mit Bupropion, mit den oben beschriebenen Nebenwirkungen. Und der Befund von Rohan zeigt, dass eine Verhaltenstherapie während der Episode auch Folgewinter günstig beeinflussen könnte. Mehr zu Melatonin findest du in meinem Artikel zu Melatonin, Wirkung und Mythen.
Zur Behandlung einer laufenden Winterdepression ist die Studienlage für Licht, Antidepressiva und spezialisierte Verhaltenstherapie vergleichsweise gut. Zur Vorbeugung ist sie dünn. Das ist kein Grund zur Resignation, sondern ein Grund, die eigene Vorbeugung gemeinsam mit Fachleuten zu planen.
Drei Hebel für diesen Winter
Du musst nicht alles auf einmal ändern. Und du musst nichts davon allein tun. Drei Dinge kannst du ab morgen angehen, ohne dass sie eine Behandlung ersetzen.
Deine drei Hebel
- Morgenlicht als Grundrhythmus: Geh, wenn möglich, in der ersten Stunde nach dem Aufstehen nach draußen. Tageslicht im Freien ist selbst an grauen Tagen meist deutlich heller als jede Wohnzimmerlampe. Das ist ein Baustein für einen stabileren Rhythmus, keine Therapie einer Depression.
- Dein Muster sichtbar machen: Notiere ab Oktober kurz Stimmung, Schlaf, Appetit und Energie. So erkennst du früh, ob der Winter wieder kippt, und hast für das ärztliche Gespräch etwas Konkretes in der Hand.
- Früh sprechen statt spät aushalten: Wenn sich das Tief jedes Jahr wiederholt oder dir den Alltag nimmt, sprich mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer Psychotherapeutin. Kläre vor einer Lampe Augen, Medikamente und eine mögliche bipolare Veranlagung ab.
Wenn du tiefer einsteigen willst, wie Licht, Kälte, Bewegung und Rhythmus im Alltag zusammenspielen können, lies meinen Überblick Naturkräfte im Alltag nutzen. Und wenn dir vor allem der Schlaf entgleitet, findest du im Artikel zu Schlaf und Depression weitere Zusammenhänge.
„Der Winter muss nicht jedes Jahr dieselbe Geschichte erzählen. Wer sein Muster kennt, kann das nächste Kapitel mitschreiben."
Shukri Jarmoukli, ViveCura BerlinEs geht nicht um eine Lampe. Es geht um vier, fünf Monate deines Lebens, jedes Jahr. Wenn du sie nicht mehr nur überstehen musst, sondern wieder leben kannst, ist das keine Kleinigkeit. Das ist Freiheit.
Häufige Fragen zu Winterdepression und Licht
Was ist der Unterschied zwischen Winterblues und Winterdepression?
Winterblues beschreibt eine leichtere, unterschwellige Form: weniger Antrieb, mehr Schlafbedürfnis, gedrückte Stimmung, aber der Alltag bleibt im Wesentlichen machbar. Eine Winterdepression, fachlich saisonal abhängige Depression, ist eine echte depressive Episode, die in einem jahreszeitlichen Muster wiederkehrt, meist im Herbst beginnt und im Frühjahr abklingt. Sie kann Arbeit, Beziehungen und Lebensfreude deutlich einschränken. Wo die Grenze im Einzelfall liegt, lässt sich nur im ärztlichen oder psychotherapeutischen Gespräch klären.
Woran erkenne ich eine saisonale Depression?
Typisch ist ein Muster, das sich Jahr für Jahr wiederholt: Ab Herbst sinken Stimmung und Energie, im Frühjahr kehren sie zurück. Häufig beschrieben werden ein großes Schlafbedürfnis, mehr Appetit, vor allem auf Kohlenhydrate, Gewichtszunahme, sozialer Rückzug und bleierne Schwere. Schon die erste Beschreibung von 1984 nannte Hypersomnie, Überessen und Heißhunger auf Kohlenhydrate. Ein Selbsttest kann Hinweise geben, die Diagnose stellt aber eine Ärztin, ein Arzt oder eine Psychotherapeutin.
Wie gut ist Lichttherapie bei Winterdepression untersucht?
Lichttherapie gehört zu den am längsten untersuchten Behandlungsbausteinen der Winterdepression. Eine Metaanalyse in der Zeitschrift Psychotherapy and Psychosomatics fasste 2020 neunzehn randomisierte Studien zusammen und fand einen Vorteil gegenüber Placebolicht, sowohl bei den Depressionswerten als auch beim Ansprechen. Die Autorinnen und Autoren betonen aber, dass viele Studien klein und methodisch uneinheitlich waren. Lichttherapie kann also ein gut begründeter Baustein sein, ersetzt aber keine Diagnostik.
Mit welcher Lichtstärke wurde in Studien gearbeitet?
In großen Studien wie der kanadischen Can-SAD-Studie von 2006 und der Studie von Rohan 2015 wurde weißes Licht mit 10.000 Lux eingesetzt, in der Regel etwa 30 Minuten am Morgen. Das ist eine Beschreibung der Studienbedingungen, keine persönliche Anleitung. Ob, wann und wie lange Licht für dich sinnvoll sein kann, hängt von Diagnose, Schlafrhythmus, Augengesundheit und Medikamenten ab und gehört ärztlich besprochen.
Ist Lichttherapie so gut wie ein Antidepressivum?
In der Can-SAD-Studie mit 96 Menschen mit Winterdepression sprachen unter Lichttherapie und unter dem Antidepressivum Fluoxetin jeweils 67 Prozent an. Licht zeigte nach einer Woche einen etwas schnelleren Effekt, Fluoxetin etwas mehr bestimmte Nebenwirkungen, beide wurden insgesamt gut vertragen. Die Autoren folgern, dass auch die Vorlieben der Betroffenen die Wahl leiten sollten. Beide Wege sind also berechtigt, und manchmal ist die Kombination sinnvoll.
Kann Morgenlicht draußen eine Tageslichtlampe ersetzen?
Für einen leichten Winterblues kann regelmäßiges Tageslicht am Morgen ein sinnvoller erster Baustein sein, weil Licht im Freien selbst an trüben Tagen meist deutlich heller ist als Innenbeleuchtung. Kontrollierte Studien, die einen Morgenspaziergang direkt mit einer Lichttherapie bei diagnostizierter Winterdepression vergleichen, fehlen allerdings. Bei einer echten depressiven Episode reicht ein Spaziergang als alleinige Maßnahme in der Regel nicht aus, dann gehört die Behandlung in ärztliche Hände.
Für wen ist Lichttherapie nicht geeignet?
Vorsicht und ärztliche Rücksprache sind wichtig bei Erkrankungen der Netzhaut oder anderen Augenerkrankungen, bei Medikamenten, die die Lichtempfindlichkeit erhöhen können, darunter Johanniskraut, und bei einer bipolaren Störung, weil helles Licht dort eine hypomane oder manische Phase begünstigen könnte. Auch wer abends spät Licht einsetzt, kann seinen Schlafrhythmus ungewollt verschieben. Eine Lampe ist frei verkäuflich, das macht sie nicht für jeden harmlos.
Kann Vitamin D bei Winterdepression nützen?
Die Studienlage ist gemischt. Die große VITAL-DEP-Studie mit über 18.000 Erwachsenen ab 50 Jahren fand unter Vitamin D3 über gut fünf Jahre kein geringeres Depressionsrisiko. Eine Metaanalyse von 25 Studien fand dagegen einen Effekt auf negative Gefühle, vor allem bei Menschen mit diagnostizierter Depression und bei niedrigem Vitamin-D-Spiegel, allerdings bei sehr uneinheitlichen Studien. Ein gemessener Mangel sollte ausgeglichen werden. Als alleinige Behandlung einer Winterdepression ist Vitamin D nicht ausreichend belegt.
Kann man einer Winterdepression vorbeugen?
Die Datenlage zur Vorbeugung ist dünner als zur Behandlung. Cochrane-Übersichten von 2019 fanden für vorbeugende Lichttherapie nur eine kleine Studie mit 46 Menschen und keine sichere Aussage. Für das Antidepressivum Bupropion zeigte sich in drei Studien mit 1.100 Menschen ein geringeres Rückfallrisiko, aber auch mehr Nebenwirkungen. Nach einer kognitiven Verhaltenstherapie speziell für Winterdepression traten im zweiten Winter seltener Rückfälle auf als nach Lichttherapie. Welcher Weg passt, ist eine gemeinsame Entscheidung.
Was hat Entzündung mit Winterdepression zu tun?
Eine kleine Studie aus dem Jahr 2001 fand bei 15 Menschen mit Winterdepression höhere Spiegel des Entzündungsbotenstoffs Interleukin-6 als bei gesunden Vergleichspersonen. Nach zwei Wochen Lichttherapie besserte sich die Stimmung, die Entzündungswerte blieben aber unverändert. Das deutet darauf hin, dass das Immunsystem bei manchen Menschen mitbeteiligt sein könnte, ohne der einzige Schlüssel zu sein. Die Datenlage ist klein und braucht Bestätigung.
Wann sollte ich ärztliche Hilfe suchen?
Wenn gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit oder Freudlosigkeit länger als etwa zwei Wochen anhalten, wenn Arbeit, Familie oder Schlaf deutlich leiden, wenn du dich zurückziehst oder wenn sich das Muster jeden Winter wiederholt. Sofort Hilfe brauchst du bei Gedanken, nicht mehr leben zu wollen. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. In akuter Gefahr wähle den Notruf 112.
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Wie Licht die innere Uhr stellt
Blaulicht
Abendlicht, Rhythmus und Schlaf
Depression und Entzündung
CRP, Immunsystem und Stimmung
Depression
Mehrere Ebenen der Behandlung
Schlaf und Depression
Der bidirektionale Teufelskreis
Vitamin D im Winter
Warum die Wintersonne oft nicht reicht
Sonne
Zwischen Hautkrebsangst und Mangel
Darm-Hirn-Achse
Mikrobiom und Stimmung
Quellen
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