Ratgeber Hormone · Adenomyose

Adenomyose: die Endometriose in der Gebärmutterwand

Schleimhaut, die nicht innen bleibt, sondern in den Muskel hineinwächst. Sehr starke Blutungen, krampfartiger Schmerz, ein schweres Gefühl im Unterbauch. Und ein Befund, den man nur findet, wenn man gezielt danach sucht.

SJ
Shukri Jarmoukli · Arzt · selbst benannter Tätigkeitsschwerpunkt Integrative Medizin, keine Kammerbezeichnung · ViveCura Berlin
MUSA-Merkmale lesen Junktionalzone Abgrenzung zum Myom 30 Quellen mit DOI
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Mein Ausgangspunkt

Adenomyose ist selten ein Rätsel der Biologie. Sie ist meistens eine Frage der gezielten Fragestellung. Wer den Ultraschall mit der Frage nach den MUSA-Merkmalen und der Junktionalzone anfordert, sieht anderes als wer allgemein schaut. Das ist kein Vorwurf an eine Fachrichtung. Es ist eine Aussage über eine Untersuchungsmethode, deren Vokabular erst 2015 vereinheitlicht und 2022 überarbeitet wurde. Genau deshalb lohnt es sich zu wissen, wonach überhaupt gesucht werden kann.

Es gibt einen Moment, den viele Frauen mit sehr starken Regelblutungen kennen. Der Moment, in dem sie zum ersten Mal einen Namen für das bekommen, was seit Jahren jeden Monat passiert. Vorher hieß es: starke Periode. Empfindliche Gebärmutter. Vielleicht Stress. Nachher heißt es: Adenomyose.

Das ist kein kleiner Unterschied. Ein Name macht aus einem diffusen Gefühl einen Befund. Und ein Befund macht aus Aushalten eine Entscheidung.

Was in diesem Artikel steht

  • Was Adenomyose ist und was sie nicht ist
  • Alarmzeichen, die keinen Aufschub vertragen
  • Warum die Symptome so unspezifisch sind
  • Der Unterschied zur Endometriose
  • Warum Häufigkeitszahlen von 1 bis 70 Prozent kursieren
  • Die neun MUSA-Merkmale im Ultraschall
  • Was das MRT wirklich hinzufügt
  • Alle Behandlungswege mit ehrlicher Datenlage
  • Kinderwunsch: was die Zahlen zeigen und was nicht
  • Die Abgrenzung zum Myom
  • Warum ich zusätzlich auf Umwelt und Entzündung schaue
  • 15 Fragen, 30 Quellen, eine Transparenzliste
RCT oder Meta kontrollierte Studien am Menschen Beobachtung Kohorten und Querschnitte am Menschen Tiermodell Maus, Ratte, Primat Zellkultur Laborsystem ohne Organismus

Adenomyose, kurz erklärt: Schleimhaut in der Muskelwand

Deine Gebärmutter hat drei Schichten. Innen die Schleimhaut, die sich jeden Zyklus aufbaut und wieder abgeht. In der Mitte eine kräftige Muskelschicht, das Myometrium. Außen eine dünne Hülle. Normalerweise bleibt jede Schicht auf ihrem Platz.

Bei einer Adenomyose bleibt sie das nicht. Schleimhautgewebe sitzt dann mitten im Muskel. Nicht als Fremdkörper, der irgendwann von außen eingewandert wäre, sondern als Gewebe, das über die Grenze zwischen Schleimhaut und Muskel hinweggewachsen ist.

Stell dir eine Ziegelmauer vor. Der Mörtel gehört zwischen die Steine. Wenn er anfängt, sich in die Steine hineinzudrücken, ist die Mauer noch da. Sie ist nur nicht mehr sauber getrennt. Sie wird dicker, unregelmäßig, an manchen Stellen weicher, an anderen härter. Genau das passiert in der Gebärmutterwand.

Dieses Gewebe hört nicht auf, Schleimhaut zu sein. Es reagiert weiter auf den Zyklus, es schwillt an, es blutet in den Muskel hinein. Der Muskel antwortet mit dem, was er kann: Er verdickt sich, zieht sich zusammen, vernarbt. Über Jahre entsteht eine Gebärmutter, die größer, weicher und druckempfindlicher ist.

Zuerst das Wichtigste: wann es nicht warten darf

Adenomyose selbst ist eine gutartige Erkrankung. Ihre stärkste Nebenwirkung ist der Blutverlust, und der wird regelmäßig unterschätzt. Starke Blutungen zehren an den Eisenspeichern und können bis zur Blutarmut führen. Wie das genau abläuft, steht ausführlich unter Eisenmangel durch die Regelblutung.

Diese Zeichen gehören zeitnah ärztlich abgeklärt und nicht ausgesessen:

  • Blutungen, die über mehrere Stunden hinweg mehr als eine Binde oder einen Tampon pro Stunde durchtränken
  • Kreislaufprobleme, Schwindel beim Aufstehen, Herzrasen, Luftnot schon bei leichter Belastung
  • jede Blutung nach der Menopause
  • Zwischenblutungen, Blutungen nach dem Sex oder eine neu aufgetretene Blutungsstörung ab etwa 45 Jahren. Hier gehört die Gebärmutterschleimhaut selbst beurteilt, also per Gebärmutterspiegelung oder Gewebeprobe, um eine Verdickung oder eine bösartige Veränderung auszuschließen. Das gilt auch dann, wenn im Ultraschall bereits eine Adenomyose beschrieben wurde.
  • eine Blutung, die sich plötzlich deutlich verändert hat, in Stärke oder Rhythmus
  • akuter, einseitiger Unterbauchschmerz
  • Unterbauchschmerz zusammen mit Fieber
  • ungewollter Gewichtsverlust
  • Sehstörungen oder neue starke Kopfschmerzen, besonders zusammen mit Milchfluss aus der Brust
  • schnell zunehmende Körperbehaarung, tiefer werdende Stimme, ausbleibende Blutung

Und eine Abgrenzung, die hier hingehört: Bei einer Blutung mit Ohnmacht oder Kollaps, bei Luftnot in Ruhe oder bei plötzlichem, sehr starkem Unterbauchschmerz geht es nicht um einen Praxistermin. Dann gilt der Notruf 112.

Diese Liste ersetzt keine Untersuchung. Sie sortiert nur, was sofort gehört, was in dieselbe Woche gehört und was bis zum nächsten regulären Termin Zeit hat.

Mechanismus

Wie aus einer Grenzverschiebung ein Beschwerdebild wird

  1. Die Grenze wird durchlässig. Zwischen Schleimhaut und Muskel liegt eine Übergangszone, die Junktionalzone. Sie ist der Ort, an dem alles anfängt.
  2. Schleimhautgewebe wächst in den Muskel. Zwei Erklärungen konkurrieren: eine Einstülpung der Basalschicht nach Gewebeschädigung und Reparatur, oder eine Umwandlung versprengter embryonaler Zellreste.
  3. Das Gewebe bleibt zyklusaktiv. Es reagiert auf Östrogen, schwillt an, blutet ein. Der Muskel bekommt monatlich einen kleinen Reiz von innen.
  4. Der Muskel antwortet mit Umbau. Verdickung, Entzündungsreaktion, Vernarbung, neue Nervenfasern und neue Gefäße. Diese Kombination beschreibt eine Übersichtsarbeit von Chapron und Kollegen als Kern der Pathogenese.
  5. Daraus entsteht das Beschwerdebild. Ein größeres, weicheres Organ mit gestörter Kontraktion. Das kann sich als starke Blutung, als Krampf und als Druckgefühl bemerkbar machen.

Ehrlich dazu: Die Mechanismen sind nicht vollständig verstanden. Die Autoren der Übersichtsarbeit schreiben das ausdrücklich so. Wer dir eine einfache, einzelne Ursache anbietet, verspricht mehr, als die Forschung hergibt.

Übersicht mit Maus- und Pavian-Daten Woher das Gewebe kommt

Eine Arbeitsgruppe um García-Solares hat 2018 die beiden großen Entstehungstheorien nebeneinandergelegt. Untersuchungen an menschlichem Adenomyose-Gewebe, ergänzt durch Mausstudien, sprechen dafür, dass in frühen Phasen eine epithelial-mesenchymale Umwandlung beteiligt ist. Ein Pavian-Modell deutet darauf hin, dass in späteren Phasen eine kollektive Zellwanderung dazukommt.

Für dich heißt das: Die Erkrankung entsteht wahrscheinlich nicht durch einen einzigen Vorgang, sondern durch eine Abfolge. Das erklärt auch, warum es keine einzelne Stellschraube gibt, an der man drehen könnte.

García-Solares J et al. Fertil Steril. 2018;109(3):371-379. DOI: 10.1016/j.fertnstert.2017.12.030 · PMID: 29566849 [Übersichtsarbeit]
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Adenomyose ist keine besonders schlimme Periode. Sie ist eine strukturelle Veränderung der Gebärmutterwand, die man sehen kann, wenn man weiß, wonach man sucht.

Dieser Unterschied ist der eigentliche Gewinn einer Diagnose. Er verschiebt die Frage von Warum halte ich das schlechter aus als andere zu Was ist da anatomisch los und welche Wege gibt es. Und jetzt weißt du auch, warum ein Ultraschall bei starker Blutung mehr sein kann als eine Formsache.

Das typische Bild und warum es so lange namenlos bleibt

Viele Frauen kennen dieses Muster. Die Periode ist nicht nur stark, sie ist unberechenbar stark. Der Schmerz ist nicht ziehend, sondern krampfartig, wie eine Faust, die sich schließt und nicht wieder aufgeht. Dazwischen ein Gefühl, als würde etwas im Unterbauch nach unten drücken. Schwer. Voll.

Und dann sagt jemand: Das ist bei Frauen eben unterschiedlich.

Das stimmt sogar. Es ist unterschiedlich. Nur ist es eben auch manchmal ein Befund.

Die Zeichen, die zusammen ein Muster ergeben

Es gibt kein einzelnes Symptom, das Adenomyose beweist. Es gibt eine Kombination, die aufhorchen lässt:

Das typische Beschwerdebild

  • Sehr starke Regelblutung, oft mit Koageln, also festen Klumpen, und häufig verlängert über mehr als sieben Tage.
  • Krampfartiger Regelschmerz, der über die Jahre eher zunimmt als abnimmt, und der oft schon vor der Blutung beginnt.
  • Druck- und Schweregefühl im Unterbauch, manchmal mit Ziehen in Rücken oder Beine.
  • Eine tastbar vergrößerte, weiche und druckschmerzhafte Gebärmutter, oft als kugelig beschrieben.
  • Schmerzen beim Sex, besonders bei tiefer Penetration.
  • Erschöpfung, die sich nicht durch Schlaf erklären lässt und mit dem Blutverlust zusammenhängen kann.

Bei dieser Erschöpfung wird am häufigsten falsch abgebogen. Wer Zyklus für Zyklus viel Blut verliert, verliert Eisen. Läuft dazu eine stille Entzündung, kann Eisen selbst dann schlecht ankommen, wenn es eingenommen wird, siehe Eisen, Entzündung und die Hepcidin-Blockade.

Warum niemand die Diagnose aus dem Gespräch stellen kann

Prospektive Kohorte, n=714 Blutet Adenomyose überhaupt stärker?

Eine Arbeitsgruppe um Naftalin untersuchte 714 aufeinanderfolgende Frauen vor der Menopause in einer gynäkologischen Sprechstunde. Der Blutverlust wurde nicht nur erfragt, sondern mit einer bildgestützten Skala erfasst. Adenomyose fand sich bei 22,0 Prozent der Frauen.

Das Ergebnis überrascht: Als reine Ja-Nein-Diagnose war Adenomyose nicht signifikant mit starker Blutung verbunden. Signifikant verbunden waren submuköse Myome, Endometriumpolypen, steigende Zahl vorheriger Schwangerschaften und steigender BMI. Erst als die Forschenden den Schweregrad über die Anzahl der Ultraschall-Merkmale abbildeten, zeigte sich ein klarer Zusammenhang: pro zusätzlichem Merkmal 22 Prozent mehr Blutverlust.

Für dich heißt das zweierlei. Nicht jede Adenomyose blutet stark. Und: Der Befund trägt mehr Information als das bloße Wort. Wie viele Merkmale beschrieben sind, sagt mehr als ob das Wort im Bericht auftaucht.

Naftalin J et al. Hum Reprod. 2014;29(3):473-9. DOI: 10.1093/humrep/det451 · PMID: 24408315 [Kohorte, n=714]

Und noch etwas folgt daraus. Wenn du stark blutest, ist Adenomyose eine von mehreren möglichen Erklärungen. Genau deshalb gibt es dafür ein internationales Ordnungsraster.

Ordnungsraster

PALM-COEIN: die neun anerkannten Ursachen starker Blutung

PALM, das sind die strukturellen Ursachen
Polyp, Adenomyose, Leiomyom (also Myom), Malignität und Hyperplasie. Diese vier sieht man in der Bildgebung oder im Gewebe.
COEIN, das sind die nicht strukturellen Ursachen
Coagulopathie, also Gerinnungsstörung, Ovulationsstörung, Endometriale Ursachen, Iatrogen, also durch Behandlung ausgelöst, und Nicht klassifiziert.

Dieses System der Fédération Internationale de Gynécologie et d'Obstétrique ist seit 2011 der internationale Standard. Adenomyose steht darin gleichrangig neben Polyp und Myom. Das ist mehr als eine Formalie: Es bedeutet, dass niemand die Adenomyose als Erklärung akzeptieren muss, ohne dass die anderen acht Möglichkeiten mitbedacht wurden. Und umgekehrt, dass sie kein Sonderthema ist, das man erst nach allem anderen bedenkt. Wichtig ist dabei das M in PALM: Es steht für Malignität und Hyperplasie. Eine gefundene Adenomyose schließt eine zweite Ursache nicht aus. Sie ersetzt die Beurteilung der Schleimhaut nicht, sie kommt daneben.

Es gibt noch einen zweiten Grund, warum das Beschwerdebild lange namenlos bleibt. Über Blutmenge wird nicht gesprochen. Es gibt keinen Vergleichswert im Alltag. Wer seit der ersten Blutung stark blutet, hält das für normal, weil es das eigene Normal ist.

Wenn die Blutung schon seit der allerersten Periode stark ist, gehört noch eine zweite Spur dazu, und sie wird oft übersehen: eine angeborene Störung der Blutgerinnung, am häufigsten das von-Willebrand-Syndrom. Hinweise darauf können häufiges Nasenbluten sein, blaue Flecken ohne Anlass, langes Nachbluten nach Zahnbehandlungen oder ähnliche Blutungen in der Familie. Das lässt sich mit einer Blutuntersuchung klären, und es ist das C im PALM-COEIN-Raster.

Deshalb ist eine konkrete Frage in der Sprechstunde oft aufschlussreicher als jede allgemeine. Nicht: Ist deine Periode stark. Sondern: Wechselst du tagsüber häufiger als alle zwei Stunden. Blutest du nachts durch. Musst du dir Kleidung zum Wechseln mitnehmen. Gehst du an bestimmten Tagen nicht aus dem Haus.

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Deine Blutung ist keine Charakterprobe. Sie ist ein Messwert.

Messwerte kann man einordnen und beobachten. Das ist der Unterschied zwischen Aushalten und Abklären. Und jetzt weißt du, warum die banale Frage nach der Anzahl der Binden pro Tag einen echten Zweck hat.

Adenomyose und Endometriose: verwandt, aber nicht dasselbe

Diese Frage kommt fast immer. Und die kurze Antwort lautet: nein, es ist nicht dasselbe.

Bei der Endometriose sitzen schleimhautartige Herde außerhalb der Gebärmutter, etwa am Bauchfell oder an den Eierstöcken. Bei der Adenomyose sitzt das Gewebe in der Gebärmutterwand selbst. Mehr braucht es hier nicht, denn die Endometriose ist ein eigenes großes Thema: Endometriose, ein integrativer Blick auf die Ursachen.

Was hier zählt, ist die Beziehung zwischen beiden.

Sie treten oft gemeinsam auf

In der großen Ultraschall-Kohorte von Naftalin und Kollegen hing die Häufigkeit der Adenomyose in der Auswertung mit dem Alter, mit der Anzahl vorheriger Schwangerschaften und mit dem Vorliegen einer Beckenendometriose zusammen. Das heißt nicht, dass eine die andere verursacht. Es heißt, dass sie sich häufig gemeinsam finden lassen, und dass es ein Fehler wäre, nach dem Fund der einen aufzuhören zu suchen.

Beide Erkrankungen teilen sich auffällig viel: die Abhängigkeit von Östrogen, eine chronische Entzündungskomponente, Fibrose und das Einsprossen neuer Nervenfasern und Gefäße. Diese Gemeinsamkeiten erklären, warum sich Behandlungsansätze überschneiden. Sie erklären nicht, warum es zwei verschiedene Erkrankungen sind.

Warum die Unterscheidung praktisch wichtig ist

Aus drei Gründen. Die Adenomyose sitzt in einem Organ, das man entfernen kann, die Endometriose oft nicht. Die starke Blutung ist typisch für die Adenomyose und nicht für die Endometriose. Und bei Kinderwunsch ist die Gebärmutter selbst betroffen, also der Ort der Einnistung.

Wo die Zuordnung im deutschen System hakt

Ein eigenes Krankheitsbild in einer fremden Leitlinie

Die deutschsprachige S2k-Leitlinie zur Endometriose, gemeinsam getragen von den Fachgesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz, führt die Adenomyose als eigenes Kapitel innerhalb der Endometriose-Leitlinie. Das hat historische Gründe und ist inhaltlich nachvollziehbar, weil sich die Erkrankungen überschneiden.

Die praktische Nebenwirkung ist trotzdem spürbar. Die Adenomyose steht dadurch im Schatten der Endometriose, auch in der Aufmerksamkeit der Sprechstunde. Das ist kein Vorwurf an jemanden. Es ist eine Beobachtung darüber, wie Strukturen die Wahrnehmung lenken.

Auch die europäische Leitlinie der Fachgesellschaft für Reproduktionsmedizin hielt 2022 mit 109 Empfehlungen eine Verschiebung fest, die für beide Erkrankungen gilt: Die Bauchspiegelung mit Gewebeprobe ist nicht mehr der unverzichtbare Goldstandard. Bildgebung darf diagnostisch führen.

Eine Abgrenzung geht im Alltag oft unter. Wenn Durchfall, Blähungen und Krämpfe im Rhythmus der Periode auftreten, wird häufig ein Reizdarm vermutet. Das kann passen, es kann aber auch eine zyklische Beteiligung des Darms sein: Endometriose und Darm sowie Zyklus und Verdauung.

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Zwei Diagnosen sind nicht doppelt so schlimm wie eine. Sie sind zwei Erklärungen für zwei verschiedene Anteile deiner Beschwerden.

Das kann entlastend sein. Unterschiedliche Ursachen brauchen unterschiedliche Antworten. Und jetzt weißt du, warum es sich lohnt, im Befund genau zu lesen, welche der beiden Erkrankungen beschrieben ist.

Die Zahlenfrage: warum zwischen 1 und 70 Prozent alles behauptet wird

Wenn du nach Adenomyose suchst, wirst du auf Zahlen stoßen, die nicht zusammenpassen. Eine Seite schreibt, etwa ein Prozent der Frauen weltweit sei betroffen. Eine andere nennt eine Spanne von 5 bis 70 Prozent. Eine dritte schreibt, ein Drittel der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch habe eine Adenomyose. Das kann nicht alles gleichzeitig stimmen.

Es stimmt aber alles irgendwie. Und der Grund dafür ist so einfach wie folgenreich.

Der alte Goldstandard war das entnommene Organ

Jahrzehntelang wurde die Diagnose Adenomyose nur auf eine einzige Weise gestellt: unter dem Mikroskop, an der herausoperierten Gebärmutter. Das ist eine sehr sichere Methode. Sie hat nur einen Haken. Man bekommt sie ausschließlich bei Frauen, denen die Gebärmutter entfernt wurde.

Und wem wird die Gebärmutter entfernt? Überwiegend Frauen jenseits der vierzig, nach mehreren Geburten, mit jahrelangen Beschwerden. Genau daraus entstand das alte Altersbild.

Dieses Bild war nie eine biologische Aussage. Es war ein Spiegel der Untersuchungsmethode. Eine Übersichtsarbeit von Chapron und Kollegen beschreibt genau das und ergänzt eine zweite Unsicherheit: Es gibt keine einheitliche Tiefengrenze, ab der Schleimhaut im Muskel als Adenomyose gilt. Am weitesten verbreitet ist ein halbes mikroskopisches Gesichtsfeld, das sind etwa 2,5 Millimeter. Daneben kursieren ein ganzes Gesichtsfeld, etwa 4 Millimeter, zwei Gesichtsfelder, etwa 8 Millimeter, sowie Anteile der Wanddicke, ein Drittel oder ein Viertel. Wer die Grenze hoch ansetzt, findet weniger, und die Autoren nennen selbst auch die verbreitetste Grenze willkürlich.

Prospektive Kohorte, n=985 Die belastbarste moderne Häufigkeitszahl

Eine Arbeitsgruppe um Naftalin untersuchte zwischen Januar 2009 und Januar 2010 in einem universitären Lehrkrankenhaus 985 aufeinanderfolgende Frauen einer allgemeinen gynäkologischen Sprechstunde. Alle bekamen eine strukturierte Untersuchung und einen transvaginalen Ultraschall nach festem Protokoll.

Adenomyose fand sich bei 206 von 985 Frauen, also bei 20,9 Prozent, mit einem Konfidenzintervall von 18,5 bis 23,6 Prozent. Bei den Frauen, denen später die Gebärmutter entfernt wurde, stimmten Ultraschallbefund und Gewebebefund gut überein.

Für dich heißt das: Etwa jede fünfte Frau, die wegen gynäkologischer Beschwerden in eine Sprechstunde kommt, zeigt Ultraschallzeichen einer Adenomyose. Wichtig ist die Einschränkung, die die Autoren selbst betonen: Das waren Frauen mit Beschwerden, nicht die Allgemeinbevölkerung. In der Allgemeinbevölkerung dürfte die Zahl niedriger liegen.

Naftalin J et al. Hum Reprod. 2012;27(12):3432-9. DOI: 10.1093/humrep/des332 · PMID: 23001775 [Kohorte, n=985]

Und dann kamen die jungen Frauen ins Bild

Sobald man nicht mehr nur an entfernten Organen sucht, sondern mit Ultraschall an lebenden Frauen, verändert sich das Altersbild. Zwei Studien haben das besonders deutlich gezeigt.

Prospektive Kohorte, n=156 Adenomyose bei jungen Frauen ohne Schwangerschaft

Eine Arbeitsgruppe um Pinzauti untersuchte an einem Universitätsklinikum Frauen zwischen 18 und 30 Jahren mit regelmäßigem Zyklus, die noch nie schwanger gewesen waren. Ausgeschlossen wurden vorher Endometriose, Myome, Eierstockzysten, laufende Hormontherapie, frühere Gebärmutter-Operationen und bekannte Unfruchtbarkeit. Von 205 eingeschlossenen Frauen mit einem Altersmedian von 24 Jahren erfüllten 156 alle Kriterien.

Bei 53 dieser 156 Frauen, also bei 34,0 Prozent, fanden sich im zweidimensionalen Ultraschall Zeichen einer diffusen Adenomyose. Am häufigsten war die asymmetrische Wandverdickung. Die Anzahl der Merkmale hing signifikant mit dem Schmerzwert bei Regelschmerzen und mit dem gemessenen Blutverlust zusammen. 79,2 Prozent dieser Frauen hatten Regelschmerzen.

Für dich heißt das: Jung sein schützt nicht. Und die Vorstellung, dass eine Adenomyose eine oder mehrere Geburten voraussetzt, lässt sich mit diesen Daten nicht halten.

Pinzauti S et al. Ultrasound Obstet Gynecol. 2015;46(6):730-6. DOI: 10.1002/uog.14834 · PMID: 25728241 [Kohorte, n=156]
Retrospektive Kohorte, n=270 Auch in der Jugend gibt es Befunde

Eine Arbeitsgruppe um Martire wertete 270 Mädchen und junge Frauen zwischen 12 und 20 Jahren aus, die zwischen Januar 2014 und Juni 2019 an eine gynäkologische Ultraschall-Einheit überwiesen worden waren. Untersucht wurde zwei- und dreidimensional, bei noch nicht sexuell aktiven Jugendlichen über den Enddarm statt über die Scheide.

Regelschmerzen hatten 54,4 Prozent, eine starke Regelblutung 28,1 Prozent. Zeichen einer Adenomyose fanden sich bei 5,2 Prozent. Wichtig zur Einordnung: Diese Studie untersuchte primär die Endometriose, die Adenomyose-Zahl ist ein Nebenbefund derselben Gruppe.

Für dich heißt das: In einer Altersgruppe, in der starke Regelschmerzen besonders oft als normal abgetan werden, findet gezielte Untersuchung Befunde. Nicht bei allen. Aber bei mehr als null.

Martire FG et al. Fertil Steril. 2020;114(5):1049-1057. DOI: 10.1016/j.fertnstert.2020.06.012 · PMID: 33036795 [Kohorte, n=270]
20,9 %Adenomyose-Zeichen bei 985 Frauen einer gynäkologischen Sprechstunde
34,0 %bei 156 Frauen von 18 bis 30 Jahren, die noch nie schwanger waren
5,2 %bei 270 Mädchen und jungen Frauen von 12 bis 20 Jahren

Nebeneinandergelegt wird die scheinbar unmögliche Spanne von 1 bis 70 Prozent verständlich. Sie beschreibt verschiedene Gruppen, Methoden und Definitionsgrenzen. Wer eine einzige Zahl nennt, ohne zu sagen, wer womit untersucht wurde, gibt eine Zahl ohne Bedeutung weiter.

Reframe

Die Häufigkeitsangaben zur Adenomyose sagen mehr über die Untersuchungsmethode als über die Erkrankung.

Das bedeutet auch: Ein unauffälliger Ultraschall heißt nicht automatisch, dass nichts da ist. Er heißt, dass mit dieser Methode an diesem Tag nichts gefunden wurde. Und jetzt weißt du, warum die nächste Frage lautet: Wonach wurde eigentlich gesucht.

Der Ultraschall im Detail: die MUSA-Merkmale lesen lernen

Das hier ist der Kern des Artikels. Wenn du nur einen Abschnitt liest, dann diesen.

Viele Frauen bekommen einen Befundbogen in die Hand, auf dem Worte stehen, die nirgendwo erklärt werden. Myometriale Zysten. Junktionalzone unregelmäßig. Fächerförmige Schallauslöschung. Das klingt bedrohlich, weil es unverständlich ist. Dabei sind es einfach Beschreibungen dessen, was jemand auf einem Bildschirm gesehen hat.

Bis 2015 hat jede Praxis anders beschrieben. Dann hat eine internationale Expertengruppe, die MUSA-Gruppe, ein gemeinsames Vokabular festgelegt. MUSA steht für Morphological Uterus Sonographic Assessment. 2022 wurde dieses Vokabular in einem strukturierten Expertenverfahren überarbeitet. Die wichtigste Neuerung: Die Merkmale werden seitdem in direkte und indirekte Zeichen getrennt.

Der Schlüssel zum ganzen Abschnitt

Direkte Zeichen zeigen das versprengte Schleimhautgewebe selbst. Indirekte Zeichen zeigen nur, was der Muskel daraus gemacht hat. Deshalb ist ein Befund mit vielen indirekten Zeichen und ohne ein einziges direktes Zeichen weniger eindeutig als umgekehrt.

Lesehilfe für deinen Befund

Die neun MUSA-Merkmale, getrennt nach direkt und indirekt

Myometriale Zysten

Kleine dunkle Hohlräume im Muskel, oft rund, manchmal mit hellem Rand

direkt
Hyperechogene Inseln

Helle Flecken im Muskel, unscharf begrenzt, ohne runde Form

direkt
Subendometriale Linien und Knospen

Feine Ausläufer, die von der Schleimhaut in den Muskel ziehen

direkt
Kugelige Gebärmutter

Das Organ verliert seine Birnenform und wird rund

indirekt
Asymmetrische Wandverdickung

Vorderwand und Hinterwand sind unterschiedlich dick

indirekt
Fächerförmige Schattenbildung

Streifige Schatten, die sich nach unten auffächern

indirekt
Gefäße quer durch die Läsion

Blutgefäße ziehen mitten hindurch statt außen herum

indirekt
Unregelmäßige Junktionalzone

Die innerste Muskelschicht verliert ihre glatte Kontur

indirekt
Unterbrochene Junktionalzone

Die innerste Muskelschicht reißt an einzelnen Stellen ab

indirekt

Diese neun Merkmale stammen aus dem überarbeiteten MUSA-Konsensus von 2022. Für zwei davon, die subendometrialen Linien und Knospen sowie die unterbrochene Junktionalzone, wurde in der zweiten Befragungsrunde noch kein Konsens erreicht. Er kam erst im gemeinsamen Treffen zustande. Das ist kein Makel, sondern ein Hinweis darauf, wie schwierig genau diese beiden Merkmale zu beurteilen sind.

Delphi-Konsensus, 16 Expertinnen und Experten Woher diese Einteilung kommt

Eine Arbeitsgruppe um Harmsen führte ein modifiziertes Delphi-Verfahren durch. 16 von 18 eingeladenen europäischen Ultraschall-Fachleuten nahmen teil, in drei Runden, mit einer Konsensschwelle von 66,7 Prozent. In der ersten Runde wurden 15 Videoaufnahmen beurteilt, vier davon zusätzlich mit dreidimensionalen Standbildern.

Einstimmig als direkte Zeichen eingeordnet wurden myometriale Zysten, hyperechogene Inseln sowie echogene subendometriale Linien und Knospen. Die Gruppe empfahl außerdem ausdrücklich, die Junktionalzone mit dreidimensionalem Ultraschall darzustellen.

Für dich heißt das: Wenn in deinem Befund von 3D-Ultraschall die Rede ist, ist das kein technischer Luxus. Es ist genau das, was die Expertengruppe für die Beurteilung der Junktionalzone empfiehlt.

Harmsen MJ et al. Ultrasound Obstet Gynecol. 2022;60(1):118-131. DOI: 10.1002/uog.24786 · PMID: 34587658 [Consensus Guideline]

Die unbequeme Frage: wie einig sind sich zwei Untersucher?

Dieser Absatz gehört unbedingt dazu, gerade wenn du zwei unterschiedliche Befunde in der Hand hältst.

Reproduzierbarkeitsstudie, n=74 Wie zuverlässig sind die Merkmale?

Eine Arbeitsgruppe um Kadam untersuchte 74 Frauen zwischen 18 und 45 Jahren aus einer Sprechstunde für wiederholte Fehlgeburt und allgemeine Gynäkologie an einem universitären Kinderwunschzentrum. Zwei- und dreidimensionaler Ultraschall wurde aufgezeichnet und anschließend unabhängig von zwei Untersuchern erneut beurteilt.

Die Übereinstimmung für mindestens ein direktes Zeichen lag zwischen den beiden Untersuchern bei einem Kappa-Wert von 0,13, mit einem Konfidenzintervall von minus 0,10 bis 0,37. Innerhalb desselben Untersuchers lag sie bei 0,27. Für myometriale Zysten betrug die Übereinstimmung zwischen den Untersuchern 0,21, für hyperechogene Inseln 0,24, für subendometriale Linien und Knospen 0,00.

Für dich heißt das: Zwei erfahrene Fachleute kommen beim selben Bild nicht zuverlässig zum selben Ergebnis. Ein abweichender Zweitbefund ist deshalb kein Beweis dafür, dass jemand schlampig gearbeitet hat. Es ist eine bekannte Schwäche der Methode. Und eine Zweitmeinung ist hier keine Beleidigung, sondern medizinisch sinnvoll.

Kadam N et al. J Clin Med. 2025;14(2):456. DOI: 10.3390/jcm14020456 · PMID: 39860462 [Kohorte, n=74]

Zur Einordnung: Ein Kappa-Wert von 1,0 bedeutet vollständige Übereinstimmung, ein Wert von 0 bedeutet nicht besser als Zufall. Werte um 0,13 gelten als geringfügige Übereinstimmung. Das ist eine ernstzunehmende Einschränkung.

Ein abweichender Zweitbefund ist kein Beweis für Schlamperei. Er ist eine bekannte Schwäche der Methode. Eine Zweitmeinung ist hier keine Beleidigung, sondern medizinisch sinnvoll.

Shukri Jarmoukli, Arzt · selbst benannter Tätigkeitsschwerpunkt Integrative Medizin, keine Kammerbezeichnung

Die Gegenrichtung gilt genauso. Diese Zahlen sind kein Argument gegen den Ultraschall, sondern für Erfahrung, gute Geräte, standardisierte Protokolle und dafür, den Befund im Zusammenhang mit den Beschwerden zu lesen.

Was du selbst tun kannst, ohne Ultraschall zu lernen

Du musst kein Bild beurteilen können. Was du tun kannst, ist konkreter und wirksamer:

Drei Dinge, die einen Befund brauchbar machen

  • Frag nach der Anzahl der Merkmale, nicht nur nach dem Wort. Aus der Studie von Naftalin und Kollegen wissen wir, dass die Anzahl mit der Blutungsstärke zusammenhängt. Ein Befund, der die Merkmale einzeln benennt, ist mehr wert als einer, der nur Adenomyose schreibt.
  • Frag, ob direkte oder indirekte Zeichen gesehen wurden. Diese Unterscheidung ist seit 2022 Standard und macht den Unterschied zwischen Verdacht und deutlichem Hinweis.
  • Bitte um eine Kopie des Befundes, schriftlich. Ein Befund, den du hast, kannst du später vergleichen. Ein mündlicher Satz aus dem Untersuchungszimmer ist in einem Jahr nicht mehr rekonstruierbar.
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Ein Ultraschallbefund ist keine Note. Er ist eine Momentaufnahme mit bekannter Streuung.

Wer das weiß, liest anders. Nicht ängstlicher, sondern gelassener. Und jetzt weißt du, warum das Wort auf dem Papier weniger sagt als die Beschreibung darunter.

MRT und die Abgrenzung zum Myom: der zweite Blick

Viele Frauen gehen mit einer Erwartung ins MRT. Die Erwartung heißt: Jetzt sieht man endlich richtig. Diese Erwartung ist verständlich. Sie ist nur, was die Adenomyose betrifft, nicht ganz zutreffend.

Das MRT hat echte Vorteile. Es zeigt das ganze Becken auf einmal und stellt die Junktionalzone besonders gut dar. Bei sehr großen Gebärmüttern, bei gleichzeitigen Myomen und bei der Operationsplanung ist es oft unverzichtbar.

Aber es ist kein automatisches Upgrade.

Meta-Analyse, 10 Studien, Histologie als Referenz Ultraschall gegen MRT, direkt verglichen

Eine Arbeitsgruppe um Tellum wertete systematisch die Literatur von Januar 2000 bis Juni 2019 aus und schloss ausschließlich Studien ein, in denen der Gewebebefund als Referenz vorlag. Von 1168 Treffern blieben 10 Studien: 827 Patientinnen mit Ultraschall, 317 mit MRT.

Das MRT erreichte eine Sensitivität von 78 Prozent und eine Spezifität von 88 Prozent. Der Ultraschall insgesamt kam auf 78 Prozent und 78 Prozent, der dreidimensionale Ultraschall allein auf 84 und 84 Prozent. Zwischen den Verfahren bestand kein signifikanter Unterschied in der Gesamtgüte.

Für dich heißt das: Ultraschall und MRT sind bei dieser Frage etwa gleich gut. Die Autoren empfehlen daraus ausdrücklich den transvaginalen Ultraschall als erste Linie und das MRT als zweite Linie, wenn die erste Untersuchung die Frage offen lässt.

Tellum T, Nygaard S, Lieng M. J Minim Invasive Gynecol. 2020;27(2):408-418.e3. DOI: 10.1016/j.jmig.2019.11.001 · PMID: 31712162 [Meta-Analyse, k=10]

Die Junktionalzone, das Schlüsselmerkmal im MRT

Die Junktionalzone ist die innerste Schicht des Gebärmuttermuskels, direkt an der Schleimhaut. Im MRT stellt sie sich als dunkles Band dar. Bei einer Adenomyose wird dieses Band dicker, unregelmäßig oder es reißt an Stellen ab.

Meta-Analyse, 80 eingeschlossene Studien Was die Junktionalzone im MRT leistet

Eine Arbeitsgruppe um Rees durchsuchte PubMed, Embase und Cochrane bis April 2020 nach objektiv messbaren MRT-Parametern. 80 Studien wurden eingeschlossen, 14 zur diagnostischen Güte einzelner Parameter, 4 gingen in die Metaanalyse ein. Viele Studien hatten ein unklares oder hohes Verzerrungsrisiko.

Die maximale Dicke der Junktionalzone erreichte eine gepoolte Sensitivität von 71,6 Prozent bei einer Spezifität von 85,5 Prozent. Die Differenz der Junktionalzone kam auf 58,9 und 83,2 Prozent, das Verhältnis zum Myometrium auf 63,3 und 79,4 Prozent. Myometriale Zysten im MRT waren mit 96,1 Prozent sehr spezifisch, wurden aber nur bei 59,6 Prozent der Betroffenen überhaupt gesehen.

Für dich heißt das: Die Junktionalzone ist das am besten untersuchte Merkmal, aber sie ist kein Schalter, der die Diagnose an- oder ausknipst. Und ein Merkmal, das sehr spezifisch ist, findet dafür nur einen Teil der Fälle. Beides zusammen erklärt, warum ein einzelner Millimeterwert im MRT-Befund nicht die ganze Antwort ist.

Rees CO et al. Acta Obstet Gynecol Scand. 2021;100(8):1377-1391. DOI: 10.1111/aogs.14139 · PMID: 33682087 [Meta-Analyse, k=80]
Zahlen aus Tellum und Kollegen 2020 (PMID 31712162) und Rees und Kollegen 2021 (PMID 33682087). Sensitivität heißt: Wie viele der tatsächlich Betroffenen werden gefunden. Spezifität heißt: Wie viele der Nichtbetroffenen werden korrekt ausgeschlossen.
Verfahren oder MerkmalSensitivitätSpezifität
MRT gesamt78 %88 %
Ultraschall gesamt78 %78 %
Ultraschall dreidimensional84 %84 %
Ultraschall zweidimensional74 %76 %
MRT, maximale Junktionalzone71,6 %85,5 %
MRT, Differenz der Junktionalzone58,9 %83,2 %
MRT, myometriale Zysten59,6 %96,1 %
Was Leitlinien dazu sagen

Der gezielte Ultraschall ist kein Sonderwunsch

Die britische Leitlinie zur starken Regelblutung, NICE NG88, formuliert es klar: Wenn eine ausgeprägte Dysmenorrhoe oder ein vergrößerter, druckschmerzhafter Uterus auf eine Adenomyose hindeutet, wird der transvaginale Ultraschall dem Ultraschall über die Bauchdecke und dem MRT vorgezogen. Ist er nicht geeignet oder wird er abgelehnt, kommen die anderen Verfahren in Betracht.

Das ist eine wichtige Information für die Sprechstunde. Der Verdacht auf Adenomyose ist eine anerkannte Indikation für einen gezielten transvaginalen Ultraschall. Wer danach fragt, verlangt nichts Ungewöhnliches.

Und das ist mir wichtig zu betonen: An dieser Stelle sind Leitlinienmedizin und das, was ich diagnostische Gründlichkeit nenne, deckungsgleich. Wer gezielt nach den MUSA-Merkmalen sucht, arbeitet leitliniengetreu. Das ist kein alternativer Sonderweg.

Reframe

Das MRT ist nicht die bessere Untersuchung. Es ist die zweite Frage, wenn die erste offen geblieben ist.

Das entlastet. Ein guter Ultraschall in geübten Händen leistet bereits das, wofür viele Frauen monatelang auf einen MRT-Termin warten. Und jetzt weißt du, warum die Reihenfolge hier sinnvoll und nicht sparsam ist.

Adenomyose oder Myom: der Unterschied im Bild

Diese Verwechslung passiert häufig, und sie ist folgenreich. Beides sind Veränderungen der Muskelschicht. Beides kann zu starker Blutung und Druckgefühl führen. Beides zeigt sich im Ultraschall als Bereich, der anders aussieht als der Rest.

Sie verhalten sich aber unterschiedlich. Ein Myom lässt sich oft gezielt herausschälen, weil es eine Grenze hat. Eine Adenomyose hat keine, sie geht ins Gewebe über. Deshalb ist die organerhaltende Operation bei ihr schwieriger und die Rückfallquote höher.

Merkmale nach dem MUSA-Vokabular von 2015 (PMID 25652685) und 2022 (PMID 34587658). Diese Tabelle ist eine Lesehilfe für deinen Befundbogen, keine Anleitung zur Selbstdiagnose. Beides kann gleichzeitig vorliegen, und dann wird die Unterscheidung besonders anspruchsvoll.
Im UltraschallMyomAdenomyose
Begrenzungscharf abgegrenzt, oft rundunscharf, geht ins Gewebe über
Formkugelig, verdrängt Nachbargewebeflächig, verdickt die Wand
SchattenRandschatten an den Seitenfächerförmige Schatten mitten in der Läsion
Gefäßelaufen außen herumziehen quer hindurch
Kontur der Gebärmutteroft höckerig, einseitig ausgebeulteher gleichmäßig kugelig vergrößert
Tastbefundeher festeher weich und druckschmerzhaft

Es gibt eine Sonderform, die die Sache zusätzlich verkompliziert: das Adenomyom. Das ist ein umschriebener Herd aus Adenomyose-Gewebe, der im Bild wie ein Myom aussehen kann. Auch für erfahrene Fachleute ist das gelegentlich erst am entnommenen Gewebe eindeutig zu unterscheiden.

Reframe

Wenn dein Befund zwischen Myom und Adenomyose schwankt, ist das keine Unfähigkeit. Es ist eine bekannte Abgrenzungsschwierigkeit mit einem eigenen Namen.

Was du daraus mitnehmen kannst: Die Frage, ob es scharf oder unscharf begrenzt ist, ist die aufschlussreichste Einzelfrage in diesem Zusammenhang. Und jetzt weißt du, warum sie im Befund fast immer irgendwo steht.

Behandlungswege, mit ehrlicher Datenlage

Nach der Diagnose fällt oft dieser Satz: Da kann man nicht viel machen. So stimmt er nicht. Man kann eine Menge machen. Man kann nur nicht versprechen, dass das versprengte Gewebe wieder verschwindet.

Deshalb sortiert sich die Behandlung nicht nach dem Gewebe, sondern nach dem, was dich am meisten belastet. Blutung, Schmerz, Druck durch die Größe oder Kinderwunsch. Aus dieser Antwort ergeben sich sehr unterschiedliche Wege.

Für den ganzen Abschnitt gilt: Alle genannten Arzneimittel sind verschreibungspflichtig. Und ein Punkt, den kaum jemand sagt: Für die Indikation Adenomyose ist in Deutschland keines dieser Arzneimittel eigens zugelassen. Dienogest ist für die Endometriose zugelassen, GnRH-Analoga für Endometriose und Myome, die Hormonspirale für Verhütung und für starke Regelblutung. Der Einsatz bei Adenomyose ist damit ein Off-Label-Gebrauch. Das ist erlaubt und üblich, es bedeutet aber dreierlei: Deine Ärztin muss dich gesondert darüber aufklären, die Kostenübernahme ist nicht selbstverständlich, und die Verantwortung liegt stärker bei der verordnenden Person. Frag deshalb im Gespräch ausdrücklich nach, ob das gewählte Mittel für deine Diagnose zugelassen ist oder off label eingesetzt wird. Keine Zeile hier ist eine Aufforderung, eine bestehende Behandlung zu verändern, zu reduzieren oder zu beenden. Jede Anpassung gehört ärztlich begleitet.

Hormonelle Wege

Der Gedanke dahinter ist einfach. Adenomyose ist östrogenabhängig. Wenn man den zyklischen Reiz dämpft oder die Schleimhaut ruhigstellt, kann das die Beschwerden verringern. Das behandelt den Antrieb, nicht die Ursache.

Kontrollierte Studie, n=117, ein Zentrum Hormonspirale und Dienogest im Vergleich

Eine Arbeitsgruppe um Guo verglich bei 117 Frauen mit symptomatischer Adenomyose die Hormonspirale mit Dienogest über 36 Monate.

Der Schmerzwert sank in beiden Gruppen nach drei Monaten deutlich, ab drei Monaten lag er unter Dienogest signifikant niedriger. Keine der beiden Optionen verkleinerte das Gebärmuttervolumen nennenswert.

Für dich heißt das: Beide Wege können den Schmerz messbar senken. Einordnung: kleine Studie, ein Zentrum, ungleich große Gruppen. Die Auswahl gehört in die ärztliche Sprechstunde.

Guo W, Lin Y, Hu S, Shen Y. Clin Ther. 2023;45(10):973-976. DOI: 10.1016/j.clinthera.2023.07.019 · PMID: 37599165 [Kontrollierte Studie, n=117]

Zur Hormonspirale eine Klarstellung, weil ich in integrativ arbeitenden Kreisen oft pauschale Ablehnung höre. Bei starker Regelblutung ist das Levonorgestrel-IUS in der britischen Leitlinie NICE NG88 die erste medikamentöse Option, und im Cochrane-Review schnitt es besser ab als Tranexamsäure. Für die Adenomyose speziell ist die Datenlage dünner: In der oben zitierten Studie von Guo und Kollegen lagen die Schmerzwerte ab drei Monaten unter Dienogest sogar niedriger. Sie kann also eine sinnvolle Option sein, sie ist nicht automatisch die beste.

Was dazugehört: Schmierblutungen über Wochen bis Monate nach dem Einlegen sind häufig, Zysten am Eierstock, Kopfschmerz, Brustspannen und Stimmungsveränderungen kommen vor, und das Einlegen selbst kann schmerzhaft sein. Gegenanzeigen wie eine ungeklärte Blutung, eine akute Unterleibsentzündung oder ein hormonabhängiger Tumor gehören vorher abgeklärt. Sie ist übrigens etwas ganz anderes als die Kupferspirale, die keine Hormone abgibt, dazu gibt es Kupferspirale und Befinden.

GnRH-Analoga gehen einen anderen Weg. Sie versetzen den Körper vorübergehend in einen Zustand ohne Zyklus. Was dazugehört: Dieser Zustand kann sich wie vorgezogene Wechseljahre anfühlen, mit Hitzewallungen, Schlafstörungen, trockenen Schleimhäuten und Stimmungsveränderungen. Bei längerer Anwendung kann die Knochendichte abnehmen. Deshalb ist die Anwendung meist zeitlich begrenzt, wird oft vor einem Eingriff eingesetzt und teilweise mit einer niedrig dosierten Hormongabe kombiniert, die man Add-back-Therapie nennt. Auch das ist eine ärztliche Entscheidung mit enger Begleitung.

Der Weg über die Gerinnung, ohne Hormone

Cochrane-Review, 13 Studien, n=1312 Tranexamsäure bei starker Regelblutung

Eine Arbeitsgruppe um Bryant-Smith wertete für Cochrane randomisierte Studien zu Antifibrinolytika bei starker Regelblutung aus, Suche bis November 2017.

Gegenüber Placebo verringerte sich der mittlere Blutverlust um 53,20 Milliliter je Zyklus, Konfidenzintervall minus 62,70 bis minus 43,70, moderate Evidenzqualität. Gegenüber der Hormonspirale schnitt Tranexamsäure in einer einzelnen kleinen Studie schlechter ab.

Für dich heißt das: Es gibt einen Weg gegen die Blutungsstärke, der nur an den Blutungstagen greift. Einordnung: Diese Daten betreffen starke Regelblutung allgemein, nicht speziell die Adenomyose. Eine eigene Studienlage dafür habe ich nicht gefunden.

Was dazugehört: Bei einer durchgemachten oder aktuellen Thrombose, bei eingeschränkter Nierenfunktion und bei Krampfanfällen in der Vorgeschichte kommt Tranexamsäure in der Regel nicht in Frage. Wer zusätzlich ein kombiniertes hormonelles Verhütungsmittel nimmt, muss das unbedingt ansprechen, weil sich das Thromboserisiko dabei addieren kann. Diese Abwägung gehört ins ärztliche Gespräch, nicht in einen Artikel.

Bryant-Smith AC et al. Cochrane Database Syst Rev. 2018;4(4):CD000249. DOI: 10.1002/14651858.CD000249.pub2 · PMID: 29656433 [Meta-Analyse, k=13]

Eingriffe, die die Gebärmutter erhalten

Gepoolte Beobachtungsdaten, n=1049 Uterusarterienembolisation

Eine Arbeitsgruppe um de Bruijn fasste die Daten zur Embolisation der Gebärmutterarterien bei symptomatischer Adenomyose zusammen.

Eine Besserung der Beschwerden berichteten 872 von 1049 Patientinnen, also 83,1 Prozent. Das Gebärmuttervolumen war nach drei Monaten bei allen Patientinnen verringert.

Für dich heißt das: Etwa vier von fünf Frauen berichteten eine Besserung. Einordnung: gepoolte Beobachtungsdaten ohne randomisierten Vergleich. Die 83,1 Prozent sind eine Erfolgsquote aus Fallserien, keine Effektgröße gegenüber einer Kontrollgruppe.

Was dazugehört: Der Eingriff ist nicht risikoarm. In den Tagen danach können Schmerzen, Übelkeit und Fieber auftreten, zusammengefasst als Postembolisationssyndrom. Ein erneuter Eingriff kann später nötig werden. Die Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit sind nicht ausreichend untersucht, bei bestehendem Kinderwunsch wird das Verfahren deshalb zurückhaltend eingesetzt.

de Bruijn AM et al. J Vasc Interv Radiol. 2017;28(12):1629-1642.e1. DOI: 10.1016/j.jvir.2017.07.034 · PMID: 29032946 [Meta-Analyse]
Meta-Analyse, 4 Studien, n=729 Hochintensiver fokussierter Ultraschall

Eine Arbeitsgruppe um Lee verglich den fokussierten Ultraschall in Kombination mit einem GnRH-Agonisten gegen die Kombination mit der Hormonspirale.

Die Kombination mit Hormonspirale zeigte weniger Regelschmerzen und eine geringere Blutungsstärke. Bei der Verkleinerung der Herde bestand kein Unterschied.

Für dich heißt das: Das Verfahren wird in Studien fast immer mit einer hormonellen Nachbehandlung kombiniert. Einordnung: erhebliche Heterogenität, Daten überwiegend aus dem asiatischen Raum, verglichen wurden zwei Begleitmedikationen und nicht das Verfahren gegen keine Behandlung. In Deutschland wird es nicht flächendeckend angeboten.

Was dazugehört: Beschrieben sind Schmerzen während und nach der Behandlung, Hautverbrennungen im Schallfeld und Reizungen benachbarter Nerven. Auch hier ist die Datenlage zur späteren Fruchtbarkeit dünn.

Lee YL et al. Taiwan J Obstet Gynecol. 2024;63(4):492-499. DOI: 10.1016/j.tjog.2024.01.036 · PMID: 39004475 [Meta-Analyse, k=4]
Systematischer Review, 27 Studien, n=1398 Organerhaltende Operation

Eine Arbeitsgruppe um Younes wertete 27 Studien mit 1398 Patientinnen zu gebärmuttererhaltenden Verfahren aus.

Über drei Viertel der Frauen erlebten eine Besserung der Beschwerden. Die Rückfallraten reichten je nach Nachbeobachtungsdauer von keinem Rückfall bis zu fast der Hälfte der Patientinnen.

Für dich heißt das: Der Eingriff kann die Beschwerden deutlich bessern, und die Erkrankung kann zurückkehren. Diese Spanne lasse ich als Spanne stehen. Alles andere wäre unehrlich.

Younes G, Tulandi T. J Minim Invasive Gynecol. 2018;25(2):265-276. DOI: 10.1016/j.jmig.2017.07.014 · PMID: 28739414 [Systematischer Review, k=27]

Die Gebärmutterentfernung, sachlich betrachtet

Nach einer vollständigen Entfernung der Gebärmutter kann die Adenomyose nicht zurückkommen. Der Grund ist banal: Das Gewebe, in dem die Erkrankung sitzt, ist danach nicht mehr da. Wichtig zu wissen: Wird der Gebärmutterhals bewusst belassen, kann dort Gewebe zurückbleiben, das weiter Beschwerden macht. Frag deshalb nach, welche Variante geplant ist.

Ich beschreibe diesen Weg bewusst weder als Drohung noch als einfache Lösung. Nicht als Drohung, weil viele Frauen ihn gut informiert gehen und als Erleichterung erleben. Nicht als einfache Lösung, weil es eine Operation mit den üblichen Risiken ist, weil eine Schwangerschaft danach nicht mehr möglich ist und weil die Entscheidung endgültig ist.

Was dazugehört: Wenn die Eierstöcke erhalten bleiben, kann die Hormonproduktion weiterlaufen, und die Wechseljahre setzen nicht unmittelbar durch die Operation ein. Ganz folgenlos ist der Eingriff für die Eierstöcke aber nicht. Beobachtungsdaten deuten darauf hin, dass die Eierstockfunktion nach einer Gebärmutterentfernung im Mittel etwas früher nachlässt als ohne Operation. Das ist kein Gegenargument, es gehört nur ins Gespräch. Ob Eierstöcke entfernt werden, ist eine eigene Entscheidung mit eigenen Argumenten und gehört ausdrücklich besprochen.

Vorbereitung auf das Gespräch

Was ich an deiner Stelle geklärt haben wollte

Was genau steht in meinem Befund?
Welche MUSA-Merkmale wurden gesehen, direkte oder indirekte, und wie viele?
Was belastet mich am meisten?
Blutung, Schmerz, Druck, Erschöpfung oder Kinderwunsch. Die Antwort steuert die Auswahl.
Wurden die anderen acht PALM-COEIN-Ursachen mitbedacht?
Polypen und submuköse Myome waren bei Naftalin und Kollegen stärker mit starker Blutung verbunden als die Adenomyose selbst.
Wie ist mein Eisenstatus?
Ferritin, Blutbild und Entzündungswert gehören zusammen betrachtet, nicht einzeln.
Welche Option ist umkehrbar, welche nicht?
Diese Frage sortiert die Reihenfolge fast von selbst.

Das ist eine Vorbereitungshilfe für ein Gespräch, keine Behandlungsempfehlung. Die Entscheidung gehört in die gynäkologische Sprechstunde.

Reframe

Die Frage ist nicht, welche Behandlung die beste ist. Die Frage ist, welches Problem gerade das größte ist.

Wer vor allem unter der Blutung leidet, braucht einen anderen Weg als jemand, der Druck und Größe spürt. Und jetzt weißt du, warum eine pauschale Antwort auf die Behandlungsfrage hier nicht möglich ist.

Adenomyose und Kinderwunsch: was die Daten zeigen und was nicht

Dieser Abschnitt ist der schwierigste des ganzen Artikels. Nicht wegen der Studien. Wegen der Frage dahinter.

Wenn du dir ein Kind wünschst und gerade diese Diagnose bekommen hast, suchst du wahrscheinlich nach einer Zahl, die dir sagt, wie es ausgeht. Diese Zahl gibt es nicht. Ich kann dir sagen, was Studien an Gruppen beobachtet haben. Was das für dich bedeutet, kann niemand sagen.

Deshalb steht hier zuerst der wichtigste praktische Satz: Wenn ein Kinderwunsch besteht und die Erfüllung auf sich warten lässt, ist die frühzeitige Vorstellung in einem Kinderwunschzentrum der richtige Weg. Zeit ist bei diesem Thema ein realer Faktor. Nichts in diesem Abschnitt ist ein Argument, damit zu warten.

Ein Punkt, der oft untergeht: Die hormonellen Wege aus dem vorigen Abschnitt sind mit einem aktuellen Kinderwunsch nicht vereinbar. Hormonspirale, Dienogest und GnRH-Analoga unterdrücken den Zyklus und verhindern damit eine Schwangerschaft, Dienogest und GnRH-Analoga dürfen in der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Wer schwanger werden möchte, plant die Reihenfolge deshalb anders, und genau darüber gehört im Kinderwunschzentrum gesprochen.

Meta-Analyse, 9 Studien, n=1865 Adenomyose und künstliche Befruchtung

Eine Arbeitsgruppe um Vercellini wertete Vergleichsstudien zu IVF und ICSI bei Frauen mit und ohne Adenomyose aus, Suche von Januar 1998 bis Juni 2013. Neun Studien mit insgesamt 1865 Frauen gingen ein, die Diagnose erfolgte per MRT oder transvaginalem Ultraschall.

Eine klinische Schwangerschaft trat bei 123 von 304 Frauen mit Adenomyose ein, also bei 40,5 Prozent, gegenüber 628 von 1262 Frauen ohne Adenomyose, also 49,8 Prozent. Das gepoolte Risikoverhältnis lag bei 0,72, was einer um 28 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit entspricht. Fehlgeburten je klinischer Schwangerschaft traten bei 31,9 gegenüber 14,1 Prozent auf.

Für dich heißt das: Im Mittel über diese Gruppen waren die Ergebnisse ungünstiger. Die Autoren selbst nennen die Heterogenität zwischen den Studien hoch und weisen darauf hin, dass das Konfidenzintervall in der Sensitivitätsanalyse die Eins kreuzte. Aus einer solchen Zahl folgt keine Prognose für einen einzelnen Menschen.

Vercellini P et al. Hum Reprod. 2014;29(5):964-77. DOI: 10.1093/humrep/deu041 · PMID: 24622619 [Meta-Analyse, k=9]
Meta-Analyse, registriert in PROSPERO Bestätigung mit anderem Endpunkt

Eine Arbeitsgruppe um Cozzolino wählte als primären Endpunkt die Lebendgeburtenrate und registrierte die Auswertung vorab. Frauen mit Adenomyose hatten eine niedrigere Lebendgeburtenrate mit einem Odds Ratio von 0,59, eine niedrigere klinische Schwangerschaftsrate mit 0,66 und eine höhere Fehlgeburtsrate mit 2,11.

Die Autoren benennen als wichtige Verzerrungsquelle, dass die meisten Studien fokale und diffuse Adenomyose nicht voneinander trennen. Das sind aber unterschiedliche Ausprägungen mit möglicherweise unterschiedlichen Auswirkungen.

Für dich heißt das: Zwei unabhängige Arbeitsgruppen kommen zu einem ähnlichen Bild. Und gleichzeitig weisen beide auf methodische Schwächen hin, die man nicht wegdiskutieren kann.

Cozzolino M et al. Reprod Sci. 2022;29(11):3177-3193. DOI: 10.1007/s43032-021-00818-6 · PMID: 34981458 [Meta-Analyse]
Ein offener Widerspruch, den ich nicht glätte

Bringt eine Vorbehandlung vor der künstlichen Befruchtung etwas?

Eine Metaanalyse von Younes und Tulandi aus dem Jahr 2017 mit 11 Vergleichsstudien, 519 Frauen mit und 1535 ohne Adenomyose, fand ebenfalls niedrigere Raten für Einnistung, klinische Schwangerschaft, fortbestehende Schwangerschaft und Lebendgeburt. Die Autoren schlossen daraus, eine Vorbehandlung mit einem langfristigen GnRH-Agonisten oder ein langes Protokoll könne vorteilhaft sein.

Die Arbeitsgruppe um Cozzolino fand fünf Jahre später genau das nicht. Eine Behandlung mit GnRH-Agonist verbesserte die Ergebnisse in ihrer Auswertung nicht, wobei nur drei Studien eingingen.

Ich lasse diesen Widerspruch stehen, statt eine Seite auszuwählen. Er beschreibt den echten Stand: Die Frage ist offen. Sie gehört ins Kinderwunschzentrum, wo Befund, Vorgeschichte und Zeitrahmen einfließen.

Meta-Analyse, 6 Studien, 322 Fälle, 9420 Kontrollen Wenn eine Schwangerschaft besteht

Eine Arbeitsgruppe um Razavi wertete Beobachtungsstudien mit medizinisch bestätigten Schwangerschaftsergebnissen aus, Suche bis Juni 2018. Sechs Studien mit 322 Fällen und 9420 Kontrollen gingen ein.

Für die Frühgeburt ergab sich ein Odds Ratio von 3,05 mit einem Konfidenzintervall von 2,08 bis 4,47. Für ein zu geringes Wachstum bezogen auf das Schwangerschaftsalter lag es bei 3,22. Für die Präeklampsie wurde ein Odds Ratio von 4,35 berichtet, allerdings mit einem sehr breiten Intervall von 1,07 bis 17,72.

Für dich heißt das: Eine Schwangerschaft mit Adenomyose gehört engmaschig begleitet. Diese Begleitung leistet die Geburtshilfe, nicht meine Praxis. Das ist die eigentliche Botschaft dieser Zahlen. Das breite Intervall bei der Präeklampsie bedeutet, dass diese Zahl nicht als feste Größe gelesen werden darf. Sie begründet Aufmerksamkeit, keine Angst.

Razavi M et al. Int J Gynaecol Obstet. 2019;145(2):149-157. DOI: 10.1002/ijgo.12799 · PMID: 30828808 [Meta-Analyse, k=6]

Warum eine Adenomyose die Einnistung erschweren kann, ist nicht abschließend geklärt. Eine Übersichtsarbeit einer Arbeitsgruppe um Boucher, die primär die Einnistungsstörung bei Endometriose behandelt und die Adenomyose ausdrücklich mit einschließt, listet die diskutierten Mechanismen auf: anatomische Veränderungen, verminderte Eizellreserve, endokrine Abweichungen, Immunmarker, Entzündungsmediatoren und eine veränderte Empfänglichkeit der Schleimhaut. Diese Mechanismen sind damit für die Endometriose beschrieben und für die Adenomyose diskutiert, nicht für sie belegt. Die Studienlage ist widersprüchlich, und die Autoren fordern ausdrücklich neue kontrollierte Studien. Das ist ein ehrliches Wissen-wir-noch-nicht.

Ein Kommentar von Buggio und Kollegen spricht eine Einordnung aus, die ich teile: Diese Zahlen gehören in ein Beratungsgespräch, nicht in eine Selbsteinschätzung am Küchentisch. Methodische Schwächen verhindern endgültige Schlüsse.

Reframe

Eine Zahl aus einer Metaanalyse beschreibt eine Gruppe. Sie beschreibt nicht dich.

In den Studien von Vercellini und Kollegen bekamen 40,5 Prozent der Frauen mit Adenomyose eine klinische Schwangerschaft, in der Vergleichsgruppe 49,8 Prozent. Beide Zahlen liegen näher beieinander, als die Schlagzeile vermuten lässt. Und jetzt weißt du, warum ich diese Zahlen lieber vollständig hinschreibe als in einen Satz zusammenfasse, der mehr Gewicht bekommt, als er tragen kann.

Warum ich zusätzlich auf Umwelt und Entzündung schaue

Wenn du bei mir sitzt und eine Adenomyose im Befund steht, frage ich Dinge, die in einer gynäkologischen Sprechstunde selten gefragt werden. Ob es in deiner Wohnung feuchte Stellen gibt. Was du beruflich anfasst. Wie es deinem Darm geht. Ob mehrere Systeme gleichzeitig lauter geworden sind.

Ich verstehe, wenn das nach einem Umweg klingt. Deshalb erkläre ich hier genau, warum ich das tue und wo meine Begründung endet.

Der Ausgangspunkt: die Erkrankung reagiert auf Östrogen

Das ist unstrittig. Adenomyose ist östrogenabhängig und geht mit Entzündung, Fibrose und dem Einsprossen neuer Nerven und Gefäße einher. So steht es in der Übersichtsarbeit von Chapron und Kollegen. Jede hormonelle Behandlung setzt genau hier an.

Daraus folgt eine naheliegende Frage. Wenn eine Erkrankung auf Östrogen reagiert, was ist dann mit Substanzen aus der Umwelt, die östrogenartig andocken können? Diese Substanzen gibt es, sie heißen Xenoöstrogene: Xenoöstrogene im Alltag. Es gibt sie auch als Schimmelpilzprodukte, das bekannteste ist Zearalenon: Zearalenon und Hormone.

Die Frage ist naheliegend. Die Antwort ist es nicht.

Was es an Daten gibt, sauber getrennt nach Herkunft

Tiermodell, Maus Was im Tierversuch gezeigt wurde

Eine Arbeitsgruppe um Newbold behandelte weibliche Mäuse vom Stamm CD-1 an den Lebenstagen eins bis fünf mit Bisphenol A als Injektion unter die Haut, in drei Dosierungen, gelöst in Maisöl. Untersucht wurden die Tiere im Alter von 18 Monaten.

In der mittleren Dosisgruppe zeigte sich eine signifikante Zunahme zystischer Eierstöcke und zystischer Endometriumhyperplasie. Zu den schwereren Gebärmutterveränderungen zählten unter anderem Adenomyose, Leiomyome und atypische Hyperplasie.

Für dich heißt das: In diesem Mausversuch wurde Adenomyose unter den schwereren Gebärmutterveränderungen beobachtet, nachdem der Kunststoffbaustein in den ersten Lebenstagen gespritzt worden war. Signifikant ausgewiesen sind im Abstract nur zystische Eierstöcke und eine zystische Schleimhautverdickung. Das ist ein Hinweis auf einen möglichen Mechanismus und ausdrücklich kein Beleg für den Menschen. Es ist eine Maus, und es ist eine Injektion in den ersten Lebenstagen, keine Alltagsbelastung.

Newbold RR, Jefferson WN, Padilla-Banks E. Reprod Toxicol. 2007;24(2):253-8. DOI: 10.1016/j.reprotox.2007.07.006 · PMID: 17804194 [In vivo, Maus]
Beobachtungsdaten, Endometriose, nicht Adenomyose Was beim Menschen untersucht ist, und wofür genau

Eine Übersichtsarbeit einer Arbeitsgruppe um Giudice fasst die epidemiologische Literatur zu Hormonstörern zusammen. Die Risikoerhöhungen gelten für die Diagnose Endometriose: Dioxine Odds Ratio 1,56, polychlorierte Biphenyle 1,70 und 1,58, Organochlor-Pestizide 1,97 und 1,40, Phthalatester wie DEHP 1,42. Diese Zahlen stehen in der Übersichtstabelle des Volltextes, nicht im Abstract.

Die Autorinnen listen die Schwächen selbst auf: unsichere Expositionszeitpunkte, Mischexpositionen, Diagnose ohne Biomarker, viele Störgrößen, kleine Effektstärken. Die Adenomyose erscheint in der Übersichtstabelle als mögliches Risiko bei Dioxinen, PCB, Bisphenol A und Phthalaten, aber ohne eigene Zahlen.

Für dich heißt das, und das ist der entscheidende Satz: Diese Odds Ratios gelten für die Endometriose. Sie dürfen nicht auf die Adenomyose übertragen werden.

Giudice LC et al. FASEB J. 2023;37(9):e23130. DOI: 10.1096/fj.202300907 · PMID: 37641572 [Übersichtsarbeit]
Systematische Übersicht, Expositionsmessungen Menstruationsprodukte, gemessen wurde die Substanz

Eine Arbeitsgruppe um Marroquin trug zusammen, welche Chemikalien in Menstruationsprodukten nachgewiesen wurden. Im Mittel benutzt eine menstruierende Person rund 11000 solcher Produkte, was etwa 1800 Tagen Exposition entspricht. Die Umrechnung in Tage nennt die Autorengruppe im Volltext, nicht im Abstract. Nachgewiesen wurden unter anderem flüchtige organische Verbindungen, Phthalate, Dioxine und Duftstoffe.

Für dich heißt das: Dass Substanzen nachweisbar sind, ist belegt. Dass sie eine Adenomyose auslösen, ist nicht belegt. Diese Arbeit hat Substanzen gemessen, keine Krankheitsfälle gezählt. Dieser Unterschied wird im Netz ständig eingeebnet.

Marroquin J et al. BJOG. 2024;131(5):655-664. DOI: 10.1111/1471-0528.17668 · PMID: 37743685 [Systematischer Review]
Die Gegenposition, die ich für stark halte

Plausibilität ist kein Beleg

Eine Arbeitsgruppe um Vercellini antwortete 2024 auf genau diese Übersicht. Der Einwand ist einfach und trifft: Wenn Menstruationsprodukte nahezu von allen benutzt werden, erklärt das nicht, warum nur ein Teil der Frauen erkrankt.

Die Autoren stellen eine andere Erklärung dagegen. Beim Übergang von der vor- zur nachindustriellen Zeit sank das Alter bei der ersten Regelblutung in Ländern mit hohem Einkommen von etwa 16 auf 12 Jahre, das Alter bei der ersten Schwangerschaft stieg von 19 auf über 30 Jahre. Die Zahl der Blutungen bis zur ersten ausgetragenen Schwangerschaft verzehnfachte sich von etwa 20 auf etwa 200. Über das ganze Leben stieg sie von 40 bis 160 auf 400 bis 460. Diese Zahlen nennt die Autorengruppe in ihrem Leserbrief.

Das könnte die Zunahme dieser Erkrankungen ganz ohne Schadstoffe erklären. Es schließt die Umweltperspektive nicht aus. Aber es zeigt, wie schnell man einen Zusammenhang für erklärt hält, der es nicht ist. Ich zitiere diese Arbeit ausdrücklich, weil sie die Demut dieses Abschnitts trägt.

Der Satz, der hier stehen muss

Daraus folgt nicht, dass jede hormonelle Störung eine Umweltursache hat. Für die Adenomyose beim Menschen gibt es bis heute keine Studie, die eine Schadstoffbelastung mit dem Auftreten der Erkrankung verknüpft. Was es gibt, ist ein Tiermodell, eine Tabellenzeile ohne eigene Zahlen und Expositionsmessungen ohne Krankheitsbezug.

Dasselbe gilt für Schwermetalle, und hier bin ich besonders deutlich. Ich habe keine Humanstudie gefunden, die eine Adenomyose mit Cadmium, Quecksilber oder Blei verknüpft. Deshalb steht hier keine solche Aussage, auch nicht abgeschwächt. Wenn Schwermetalle bei dir aus anderen Gründen ein Thema sind: Schwermetalle messen, Blut oder Urin. Ein Nachbarthema, keine Ursachenerklärung.

Warum ich trotzdem hinschaue

Du könntest zu Recht fragen: Wenn die Daten so dünn sind, warum fragst du dann danach?

Weil ich nicht die Adenomyose behandle, sondern einen Menschen. In der Sprechstunde steht die starke Blutung selten allein. Da ist oft eine Erschöpfung, die tiefer sitzt als der Blutverlust erklärt. Wenn mehrere Systeme gleichzeitig lauter werden, lohnt der Blick auf die gemeinsame Belastung, siehe Schimmel-Symptome im Überblick.

Diese Begründung trägt die Aussage, dass die Erfassung von Entzündungslast und Belastung Ansatzpunkte für das Gesamtbefinden liefern kann. Sie trägt nicht die Aussage, dass damit die Adenomyose ursächlich behandelt würde. Diese Unterscheidung halte ich auch dann ein, wenn sie den Text weniger verkaufsfähig macht.

Warum das in der Gynäkologie selten vorkommt

Ich baue hier bewusst keine Frontstellung auf, denn sie wäre falsch. Die gynäkologische Abklärung ist die Grundlage bei diesem Krankheitsbild. Ohne Ultraschall, ohne Ausschluss anderer Ursachen, ohne die Einordnung durch jemanden, der täglich Gebärmütter beurteilt, ist alles andere wertlos. Die Umweltperspektive kommt obendrauf. Sie kommt nicht an ihre Stelle, und sie ist kein Grund, eine empfohlene Abklärung oder eine indizierte Operation zu verschieben.

Dass Xenoöstrogene und Schimmelbelastung dort selten vorkommen, hat nachvollziehbare Gründe: andere Ausbildungsschwerpunkte, ein enges Zeitbudget pro Termin und Leitlinien, die diese Suche ausdrücklich nicht empfehlen. Diese Zurückhaltung ist begründet, und ich nenne die Begründung vollständig, weil ich sie für redlich halte.

Warum Leitlinien hier zurückhaltend sind

Vier Gründe, die ich für nachvollziehbar halte

Es fehlt die entscheidende Studie
Beim Menschen existiert keine prospektive Untersuchung, die eine Schadstoffbelastung mit dem Auftreten einer Adenomyose verbindet.
Die vorhandenen Assoziationsstudien haben systematische Schwächen
Unklarer Expositionszeitpunkt, Mischexpositionen, Diagnose ohne Biomarker, viele Störgrößen, kleine Effektstärken.
Es gibt eine konkurrierende, gut begründete Erklärung
Die Verzehnfachung der Zahl der Regelblutungen bis zur ersten Schwangerschaft.
Aus einer Messung folgt keine geprüfte Behandlung
Es gibt keine Therapie, die auf Basis einer Belastungsmessung bei Adenomyose in Studien einen Nutzen gezeigt hätte. Das ist ein starkes Argument, und ich lasse es stehen.

Was ich daraus ableite, ist eine Frage der Reihenfolge, nicht der Richtung. Zuerst die gynäkologische Abklärung, vollständig. Danach, bei komplexen Verläufen mit mehreren betroffenen Systemen, ein zweiter Blick auf Umgebung und Entzündungslast, klar als Zusatz benannt.

Der Absatz, der mir am wichtigsten ist

Umweltthemen haben eine Nebenwirkung, über die zu selten gesprochen wird. Sie heißt Kontrollzwang.

Jemand liest über Weichmacher und wirft die Plastikdosen weg. Dann über Schimmel und misst dreimal täglich die Luftfeuchte. Dann wird das Essen bei Freunden schwierig. Dann im Restaurant. Dann das Essen überhaupt. Was als Fürsorge anfing, wird zu einer Enge, die selbst krank macht.

Das ist keine theoretische Sorge. Die Grenze zwischen bewusster Ernährung und einer Essstörung ist fließend. Wenn das Nachdenken über Belastungen mehr Raum einnimmt als das Leben selbst, lies bitte Essstörungen zwischen Körper und Psyche. Kein Vorwurf, ein Sicherheitsnetz.

Deshalb bleibt mein Zugang dosiert. Ein paar große Hebel statt hundert kleiner Regeln. Die Wohnung trocken, sichtbaren Schimmel fachgerecht entfernen lassen: Schimmel in der Wohnung und Mykotoxine, die Grundlagen. Der Rest darf gelassen bleiben. Perfektion ist kein Ziel, sie ist ein Risiko.

Klinisch beobachte ich

Was ich in der Sprechstunde tatsächlich sehe

Frauen mit Adenomyose kommen selten nur mit der Blutung. Sie kommen mit einer Erschöpfung, die dem Blutverlust vorauseilt. Häufig finde ich einen niedrigen Ferritinwert zusammen mit einem erhöhten Entzündungsmarker. Das ist die Konstellation, in der Eisen eingenommen wird und trotzdem nichts ankommt.

Ich schreibe das als Beobachtung, nicht als Studienergebnis. Daraus folgt ein zusätzlicher Blick auf die Entzündungsseite, kein Ersatz für die gynäkologische Behandlung. Welche Hormonwerte in welcher Zyklusphase sinnvoll sind, steht unter Hormone testen bei Frauen. Zu Kurkuma und Curcumin werde ich oft gefragt. Für die Adenomyose gibt es dazu keine Daten, und ich stelle hier deshalb auch keine Wirkaussage auf. Wer wissen will, was die Studienlage allgemein hergibt und wo ihre Grenzen liegen, findet die Einordnung unter Kurkuma und Curcumin.

Reframe

Nach Umweltfaktoren zu suchen bedeutet nicht, dass die Umwelt schuld ist. Es bedeutet, dass ich eine Frage stelle, deren Antwort ich vorher nicht kenne.

Manchmal lautet die Antwort: Da ist nichts. Das ist ein gutes Ergebnis. Und jetzt weißt du, warum in meiner Sprechstunde Fragen vorkommen, die auf den ersten Blick nichts mit deiner Gebärmutter zu tun haben.

Häufige Fragen zur Adenomyose

Was ist Adenomyose einfach erklärt?

Bei einer Adenomyose sitzt Gebärmutterschleimhaut nicht nur innen in der Gebärmutterhöhle, sondern auch mitten in der Muskelschicht der Gebärmutterwand. Dieses versprengte Gewebe reagiert auf den Zyklus, und der Muskel drumherum verdickt sich und vernarbt. Die Gebärmutter kann dadurch größer, weicher und druckempfindlich werden.

Ist Adenomyose dasselbe wie Endometriose?

Nein. Bei der Endometriose sitzen Schleimhautherde außerhalb der Gebärmutter, bei der Adenomyose in der Gebärmutterwand selbst. Beide Erkrankungen treten häufig gemeinsam auf und teilen sich Mechanismen wie Östrogenabhängigkeit, Entzündung und Fibrose. In der deutschsprachigen Leitlinie AWMF 015/045 wird die Adenomyose innerhalb der Endometriose-Leitlinie mitbehandelt, sie bleibt aber eine eigene Erkrankung.

Welche Symptome sprechen für eine Adenomyose?

Typisch sind sehr starke und verlängerte Regelblutungen, krampfartige Schmerzen, ein Druck- und Schweregefühl im Unterbauch, Schmerzen beim Sex und eine tastbar vergrößerte, druckschmerzhafte Gebärmutter. Keines dieser Zeichen ist beweisend. In einer prospektiven Kohorte mit 714 Frauen war Adenomyose als Ja-Nein-Diagnose nicht signifikant mit starker Blutung verbunden, wohl aber die Anzahl der Ultraschall-Merkmale.

Wie wird Adenomyose im Ultraschall erkannt?

Über die MUSA-Merkmale im transvaginalen Ultraschall. Die überarbeitete Fassung von 2022 trennt direkte Zeichen, also myometriale Zysten, hyperechogene Inseln sowie echogene subendometriale Linien und Knospen, von indirekten Zeichen wie kugeliger Gebärmutter, asymmetrischer Wandverdickung, fächerförmiger Schattenbildung, Gefäßen quer durch die Läsion und einer unregelmäßigen oder unterbrochenen Junktionalzone.

Was ist die Junktionalzone und warum ist sie so wichtig?

Die Junktionalzone ist die innerste Schicht des Gebärmuttermuskels, direkt an der Schleimhaut. Sie ist im MRT als dunkles Band sichtbar. Bei Adenomyose wird sie oft dicker, unregelmäßig oder unterbrochen. In einer Metaanalyse von 2021 erreichte die maximale Dicke der Junktionalzone eine gepoolte Sensitivität von 71,6 Prozent und eine Spezifität von 85,5 Prozent. Sie ist damit das am besten untersuchte MRT-Merkmal, aber kein Schalter, der die Diagnose an- oder ausknipst.

Brauche ich ein MRT, oder reicht der Ultraschall?

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2020 mit Histologie als Referenz fand für den Ultraschall insgesamt eine Sensitivität von 78 Prozent und eine Spezifität von 78 Prozent, für das MRT 78 und 88 Prozent, ohne signifikanten Unterschied zwischen den Verfahren. Die Autoren empfehlen daraus den transvaginalen Ultraschall als erste Linie und das MRT als zweite Linie, wenn der Ultraschall die Frage offen lässt.

Kann Adenomyose auch junge Frauen ohne Geburt betreffen?

Ja. In einer prospektiven Studie an einem Universitätsklinikum fanden sich bei 34,0 Prozent von 156 Frauen zwischen 18 und 30 Jahren ohne vorangegangene Schwangerschaft sonografische Zeichen einer diffusen Adenomyose. In einer retrospektiven Auswertung von 270 Mädchen und jungen Frauen zwischen 12 und 20 Jahren lag der Anteil bei 5,2 Prozent. Das alte Bild von der Erkrankung der Frauen über vierzig nach mehreren Geburten war eine Folge der Untersuchungsmethode.

Wie unterscheidet man Adenomyose von einem Myom?

Ein Myom ist meist rund und scharf abgegrenzt, wirft Randschatten und hat Gefäße, die außen herumlaufen. Adenomyose ist unscharf begrenzt, geht ohne klare Kante ins Muskelgewebe über, wirft fächerförmige Schatten und hat Gefäße, die quer hindurchziehen. Diese Unterscheidung gehört in geübte Hände, sie ist keine Selbstdiagnose am eigenen Befundbogen.

Welche Behandlungen gibt es bei Adenomyose?

Hormonelle Optionen wie die Hormonspirale, Dienogest, kombinierte Präparate und GnRH-Analoga, dazu Tranexamsäure gegen die Blutungsstärke, die Uterusarterienembolisation, der fokussierte Ultraschall, organerhaltende Operationen und die Gebärmutterentfernung. Alle genannten Arzneimittel sind verschreibungspflichtig. Für die Indikation Adenomyose ist in Deutschland keines davon eigens zugelassen, der Einsatz ist also ein Off-Label-Gebrauch, über den gesondert aufgeklärt werden muss. Jede Entscheidung gehört in die ärztliche Sprechstunde.

Was bringt die Hormonspirale bei Adenomyose?

In einer kontrollierten Studie mit 117 Frauen sank der Schmerz-Score unter der Hormonspirale und unter Dienogest nach drei Monaten deutlich. Ab drei Monaten lagen die Schmerzwerte unter Dienogest signifikant niedriger. Keine der beiden Optionen verkleinerte das Gebärmuttervolumen nennenswert. Es handelt sich um eine kleine Studie an einem einzelnen Zentrum, und beide Optionen sind verschreibungspflichtig. Zur Hormonspirale gehört in die Aufklärung, dass Schmierblutungen über Wochen bis Monate häufig sind und dass Eierstockzysten, Kopfschmerz, Brustspannen und Stimmungsveränderungen vorkommen können.

Was kann man gegen die sehr starke Blutung tun?

Ein Cochrane-Review von 2018 zeigte für Antifibrinolytika gegenüber Placebo eine Verringerung des mittleren Blutverlusts um 53,20 Milliliter je Zyklus. Diese Daten betreffen starke Regelblutung allgemein und nicht speziell die Adenomyose. Tranexamsäure ist verschreibungspflichtig und sie greift nicht in den Hormonhaushalt ein. Bei durchgemachter oder aktueller Thrombose, bei eingeschränkter Nierenfunktion und bei Krampfanfällen in der Vorgeschichte kommt sie in der Regel nicht in Frage, und die gleichzeitige Einnahme kombinierter hormoneller Verhütungsmittel muss angesprochen werden. Diese Abwägung gehört ins ärztliche Gespräch.

Kann ich mit Adenomyose schwanger werden?

Diese Frage lässt sich aus Studienzahlen nicht für einen einzelnen Menschen beantworten. Die vorliegenden Metaanalysen zeigen im Mittel ungünstigere Ergebnisse bei künstlicher Befruchtung und häufigere Fehlgeburten, bei erheblicher Streuung zwischen den Studien. Wenn ein Kinderwunsch besteht, ist die frühzeitige Vorstellung in einem Kinderwunschzentrum wichtig, denn Zeit ist hier ein realer Faktor.

Was sagen die Daten zu Fehlgeburt und künstlicher Befruchtung?

Eine Metaanalyse von 2014 mit 1865 Frauen fand eine klinische Schwangerschaft bei 40,5 Prozent der Frauen mit Adenomyose gegenüber 49,8 Prozent ohne, gepooltes Risikoverhältnis 0,72. Fehlgeburten traten bei 31,9 gegenüber 14,1 Prozent auf. Eine Metaanalyse von 2022 fand eine niedrigere Lebendgeburtenrate mit einem Odds Ratio von 0,59. Alle Autorengruppen benennen hohe Heterogenität und methodische Schwächen.

Muss am Ende immer die Gebärmutter entfernt werden?

Nein. Nach einer vollständigen Gebärmutterentfernung kann die Erkrankung nicht zurückkommen, weil das betroffene Gewebe danach nicht mehr vorhanden ist. Wird der Gebärmutterhals bewusst belassen, kann dort Gewebe zurückbleiben, das weiter Beschwerden macht. Es gibt daneben mehrere organerhaltende Wege. In einer systematischen Übersicht über 27 Studien mit 1398 Patientinnen berichteten über drei Viertel der Frauen nach einer organerhaltenden Operation eine Besserung der Beschwerden, bei allerdings sehr breiter Spanne der Rückfallraten.

Verschwindet Adenomyose in den Wechseljahren?

Die Erkrankung ist östrogenabhängig. Daraus ergibt sich die Erwartung, dass die Beschwerden mit dem Ende der Zyklen zurückgehen, und viele Frauen erleben das auch so. Eine belastbare Verlaufsstudie, die das über Jahre nachverfolgt, ist mir aus der Literatur nicht bekannt. Das ist also eine mechanistisch begründete Erwartung und kein gesicherter Befund. Blutungen nach der Menopause sind in jedem Fall ein Grund für eine zeitnahe Abklärung.

Wo dieses Thema an andere andockt

Eine Adenomyose steht selten allein. Sie hängt an deinen Eisenspeichern, an der Art, wie dein Körper Östrogen abbaut, an der Entzündungslast und daran, in welcher Lebensphase du gerade bist. Hier sind die Texte, die an dieser Stelle weiterführen.

Wenn der Schmerz auch außerhalb der Gebärmutter sitzt
Endometriose integrativ

Die verwandte Erkrankung mit eigenen Ursachen. Beide treten häufig gemeinsam auf.

Wenn der Bauch zyklisch mitspielt
Endometriose und Reizdarm

Warum zyklische Darmbeschwerden oft als Reizdarm gedeutet werden und wie man beides trennt.

Wenn die Blutung an den Speichern zehrt
Eisenmangel durch die Periode

Der häufigste Begleiter starker Blutungen. Wie viel Eisen wirklich verloren geht.

Wenn Eisen trotz Einnahme nicht ankommt
Eisen, Entzündung, Hepcidin

Warum eine stille Entzündung die Eisenaufnahme bremsen kann, obwohl du zuverlässig einnimmst.

Wenn Östrogen die Oberhand hat
Östrogendominanz

Das Verhältnis zwischen Östrogen und Progesteron, und was daran verschieblich ist.

Wenn du wissen willst, wie Östrogen abgebaut wird
Östrogen und die Leber

Die zwei Phasen des Abbaus und die Stellschrauben, die dabei eine Rolle spielen können.

Wenn du die Umweltseite verstehen willst
Xenoöstrogene im Alltag

Was Hormonstörer sind, wo sie vorkommen und wie stark die Datenlage tatsächlich ist.

Wenn Schimmel im Raum steht
Zearalenon und Hormone

Das bekannteste Mykoöstrogen, ein Schimmelpilzgift mit östrogenartiger Wirkung im Körper.

Wenn mehrere Systeme gleichzeitig streiken
Schimmel-Symptome im Überblick

Das Muster, bei dem ich in der Sprechstunde nach der Wohnsituation frage.

Wenn du wissen willst, was gemessen wird
Hormone testen bei Frauen

Welcher Wert in welcher Zyklusphase überhaupt aussagekräftig ist.

Wenn die Verdauung dem Zyklus folgt
Zyklus und Verdauung

Warum Durchfall und Blähungen kurz vor der Blutung physiologisch erklärbar sind.

Wenn sich der Zyklus ohnehin gerade ändert
Perimenopause

Die Jahre vor der letzten Blutung, in denen sich Blutungsmuster stark verändern können.

Wenn die Diagnose auf sich warten lässt
Endometriose: warum die Diagnose spät kommt

Warum zwischen den ersten Beschwerden und der Diagnose oft Jahre liegen, und was Ultraschall und MRT heute können.

Wenn der Schmerz bleibt
Endometriose-Schmerz verstehen

Warum die Menge der Herde wenig über die Schmerzstärke sagt, und was zentrale Sensibilisierung dabei bedeutet.

Wenn du am Teller ansetzen willst
Endometriose und Ernährung

Was die Studien zu Omega-3, Gluten, Milch und rotem Fleisch hergeben, und warum es keine Endometriose-Diät gibt.

Wenn du das Gesamtbild willst
Warum ich nach Umweltfaktoren suche

Warum ich bei hormonellen Beschwerden nach Umweltfaktoren suche, nach welchem Raster, und wann sich diese Suche nicht lohnt.

SJ

Shukri Jarmoukli

Arzt · selbst benannter Tätigkeitsschwerpunkt Integrative Medizin, keine Kammerbezeichnung · ViveCura Berlin

Ich arbeite in meiner Privatpraxis an der Schnittstelle von klassischer Medizin, funktioneller Medizin und Klinischer Psychoneuroimmunologie. Bei hormonellen Beschwerden interessiert mich weniger, welcher Einzelwert im Referenzbereich liegt, sondern welche Frage vor der nächsten Untersuchung eigentlich noch offen ist.

Bei der Adenomyose bin ich in einem Punkt besonders zurückhaltend. Für die Behauptung, Umweltfaktoren würden diese Erkrankung beim Menschen verursachen, gibt es keine belastbaren Daten, und ich stelle sie deshalb hier auch nicht auf. Was ich stattdessen tue, ist ein zusätzlicher Blick auf Entzündungslast und Belastungssituation, wenn mehrere Systeme gleichzeitig betroffen sind. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung und keine gynäkologische Abklärung. Er soll dir helfen, beim nächsten Termin genauere Fragen zu stellen.

ViveCura, Privatpraxis Shukri Jarmoukli, Skalitzer Straße 137, 10999 Berlin

Wissenschaftliche Quellen

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Transparenz zur Evidenz: wo die Datenlage dünn ist
  1. Umweltfaktoren als Auslöser der Adenomyose beim Menschen. Dazu wurde in dieser Recherche keine einzige Humanstudie gefunden. Es gibt ein Mausmodell, eine Tabellenzeile ohne eigene Zahlen in einer Übersichtsarbeit und Expositionsmessungen ohne Krankheitsbezug. Mehr nicht.
  2. Schwermetalle und Adenomyose. In PubMed, Consensus und Semantic Scholar wurde keine Humanstudie gefunden, die Adenomyose mit Cadmium, Quecksilber oder Blei verknüpft. Deshalb steht in diesem Artikel keine solche Aussage, auch nicht abgeschwächt.
  3. Die Odds Ratios zu Hormonstörern gelten für die Endometriose, nicht für die Adenomyose. Sie stehen im Text nur mit dieser Kennzeichnung. Eine Übertragung wäre nicht zulässig.
  4. Adenomyose als eigenständige Ursache starker Blutung. Als Ja-Nein-Größe fand die Untersuchung von Naftalin und Kollegen keinen signifikanten Zusammenhang mit Menorrhagie. Der Zusammenhang besteht mit der Anzahl der Ultraschall-Merkmale. Diese Feinheit ist im Text bewusst nicht geglättet, auch wenn sie ihn komplizierter macht.
  5. Die Reproduzierbarkeit der MUSA-Merkmale ist eingeschränkt. Der Kappa-Wert von 0,13 zwischen zwei Untersuchern stammt aus einer einzelnen Studie mit 74 Frauen an einem Zentrum. Er ist ernst zu nehmen und darf trotzdem nicht als endgültiges Urteil über die Methode gelesen werden.
  6. Tranexamsäure ist nicht speziell für die Adenomyose untersucht. Die Cochrane-Daten betreffen starke Regelblutung allgemein. Eine eigene Studienlage für die Adenomyose wurde nicht gefunden.
  7. Die Uterusarterienembolisation stützt sich auf gepoolte Beobachtungsdaten. Es gibt keinen randomisierten Vergleich gegen Gebärmutterentfernung oder gegen medikamentöse Behandlung. Die Zahl 83,1 Prozent ist eine Erfolgsquote aus Fallserien.
  8. Der fokussierte Ultraschall ist schwach belegt. Vier Studien mit erheblicher Heterogenität, überwiegend aus dem asiatischen Raum, und sie vergleichen zwei Begleitmedikationen miteinander, nicht das Verfahren gegen keine Behandlung.
  9. Die Rückfallraten nach organerhaltender Operation reichen von keinem Rückfall bis zu fast der Hälfte der Patientinnen. Diese Spanne bleibt im Text eine Spanne. Sie zu einer Zahl zusammenzuziehen wäre eine Erfindung.
  10. Die Vorbehandlung mit GnRH-Agonisten vor künstlicher Befruchtung ist offen. Zwei Metaanalysen kommen zu unterschiedlichen Antworten, beide stützen sich dabei auf wenige Studien. Der Widerspruch bleibt im Text stehen.
  11. Die Studie zur Adoleszenz untersuchte primär die Endometriose. Die Adenomyose-Zahl von 5,2 Prozent ist ein Nebenbefund derselben Gruppe und im Text als solcher benannt.
  12. Der Rückgang der Beschwerden in den Wechseljahren ist mechanistisch begründet, weil die Erkrankung östrogenabhängig ist. Eine belastbare Verlaufsstudie dazu wurde in dieser Recherche nicht gefunden. Es ist eine Erwartung, kein Beleg.
  13. Die Angabe von etwa einem Prozent Häufigkeit, die in Ratgeberportalen kursiert, war in keiner der geprüften Primärquellen belegt und steht im Widerspruch zu den hier zitierten Arbeiten. Sie wird im Text als Beispiel für widersprüchliche Zahlen erwähnt, nicht als Tatsache übernommen.
  14. Off-Label-Gebrauch. Für die Indikation Adenomyose ist in Deutschland keines der genannten Arzneimittel eigens zugelassen. Der Text nennt sie trotzdem, weil sie in der Versorgung eingesetzt werden, und benennt den Off-Label-Status dazu.
  15. Was hier bewusst nicht steht. Keine Dosierungsempfehlung, kein Behandlungsprotokoll, keine Produktempfehlung und kein Rat, eine bestehende Medikation zu verändern, zu reduzieren oder abzusetzen. Jede Anpassung gehört ärztlich begleitet. Aus keinem Abschnitt folgt, dass eine empfohlene gynäkologische Abklärung oder eine indizierte Operation aufgeschoben werden sollte. Was ich aus meiner Sprechstunde beschreibe, ist als Beobachtung gekennzeichnet und kein Studienergebnis.

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