Ratgeber Fasten · Heißhunger und Hungersignale

Heißhunger beim Intervallfasten: Ursachen und was helfen kann

Heißhunger ist kein Beweis, dass du zu schwach bist. Er ist eine Botschaft deines Körpers. Hier liest du, welche Ursachen dahinterstecken können und wo du ansetzen kannst.

SJ
Shukri Jarmoukli · Arzt, Integrative Medizin · ViveCura Berlin
Mein Ausgangspunkt

Wer beim Fasten von Heißhunger überrollt wird, bekommt meist einen Rat: mehr Disziplin. Ich glaube, die bessere Frage lautet: Was will dir dein Körper gerade sagen?

Es ist 15 Uhr. Dein Essfenster öffnet erst um 18 Uhr. Und plötzlich denkst du an nichts anderes mehr als an Schokolade.

Oder es ist 21 Uhr, das Fenster ist längst zu. Du stehst vor dem Kühlschrank und weißt nicht genau, wie du dorthin gekommen bist.

Wenn du das kennst, bist du nicht allein. Und du bist auch nicht kaputt. Heißhunger ist selten ein Charakterfehler. Häufiger ist er ein Signal, das auf etwas hinweist: auf deinen Blutzucker, deine Mahlzeiten, deinen Schlaf oder deinen Stresspegel.

Warum ist Hunger beim Fasten nicht dasselbe wie Heißhunger?

Kennst du den Unterschied zwischen einem leisen Magenknurren und einem Gefühl, das dich förmlich zum Essen zieht? Beides heißt Hunger. Aber es sind zwei verschiedene Dinge.

Normaler Hunger kommt langsam. Er ist wie eine Ebbe, die sich ankündigt. Du könntest noch eine Stunde warten, und es wäre okay. Heißhunger dagegen ist wie eine Welle, die plötzlich bricht. Er will etwas Bestimmtes, meist Süßes oder Fettiges, und er will es sofort.

Dein Körper hat für Hunger einen eigenen Botenstoff: Ghrelin. Es wird vor allem im Magen gebildet. Stell es dir wie einen Wecker vor, den dein Körper auf deine gewohnten Essenszeiten stellt.

Physiologische Studie, n = 10

Ein Team um Cummings an der University of Washington hat bei gesunden Menschen über 24 Stunden 38 Mal Blut abgenommen. Der Ghrelinspiegel stieg vor jeder Mahlzeit auf fast das Doppelte und fiel innerhalb einer Stunde nach dem Essen wieder ab. Das bedeutet für dich: Dein Hunger folgt einem gelernten Rhythmus und kann sich auch wieder umgewöhnen.

Cummings DE et al. Diabetes. 2001. DOI: 10.2337/diabetes.50.8.1714

Genau das erklärt, warum die ersten Tage beim Intervallfasten oft am schwersten sind. Der Wecker klingelt noch zur alten Frühstückszeit. Er weiß nicht, dass du dein Leben umgestellt hast.

Meta-Analyse, 17 RCTs, n = 1.111

Ein Team um Elsworth an der University of Bristol hat 17 randomisierte Studien zu Intervallfasten und Appetit ausgewertet. Hunger, Sättigung und Essverlangen unterschieden sich nicht klar von einer klassischen Kalorienreduktion. Intervallfasten ist also weder ein Hungerturbo noch ein Zaubermittel gegen Hunger.

Elsworth RL et al. Nutrients. 2023. DOI: 10.3390/nu15112604
Interventionsstudie, n = 59

Die Arbeitsgruppe um Varady an der University of Illinois Chicago hat Menschen mit Adipositas acht Wochen lang beim alternierenden Fasten begleitet. Obwohl Ghrelin anstieg, nahm das Hungergefühl am Ende nicht zu, und das Sättigungsgefühl stieg sogar. Dein Körper kann sich also anpassen, auch wenn der Anfang holprig ist.

Hoddy KK et al. Clin Nutr. 2016. DOI: 10.1016/j.clnu.2016.03.011
Perspektivwechsel

Hunger beim Fasten ist erwartbar. Heißhunger, der über Wochen nicht leiser wird, ist etwas anderes. Er ist keine Prüfung deiner Willenskraft, sondern eine Einladung, genauer hinzusehen.

Und jetzt weißt du, warum der Hunger am Anfang laut sein darf und warum anhaltender Heißhunger eine andere Frage stellt.

Blutzucker-Achterbahn: Wenn der Absturz nach dem Essen den Hunger weckt

Vielleicht hast du das schon erlebt: Du brichst dein Fasten mit einem großen Teller Pasta oder einem Croissant. Eine Stunde später fühlst du dich super. Zwei Stunden später bist du müde, gereizt und hungriger als vorher.

Stell dir deinen Blutzucker wie eine Achterbahn vor. Eine sehr schnell verdauliche Mahlzeit schiebt den Wagen steil nach oben. Dein Körper schüttet viel Insulin aus, um den Zucker in die Zellen zu bringen. Manchmal schießt er dabei über das Ziel hinaus. Der Wagen rauscht dann unter den Ausgangspunkt. Und genau dieses Tal scheint dein Gehirn als Alarm zu lesen.

Kohorte, n = 1.070

Forschende um Wyatt und Valdes vom King's College London haben bei über tausend Menschen mit Glukosesensoren den Blutzucker nach Standardmahlzeiten gemessen. Nicht der Gipfel nach dem Essen sagte den späteren Hunger am besten voraus, sondern der Absturz zwei bis drei Stunden danach. Wer stärkere Dips hatte, wurde hungriger, aß früher wieder und nahm über 24 Stunden mehr Energie auf.

Wyatt P et al. Nat Metab. 2021. DOI: 10.1038/s42255-021-00383-x

Die Zusammenhänge in dieser Studie waren statistisch klar, aber nicht riesig. Blutzucker ist also nicht der einzige Hebel für Hunger. Er ist aber einer, den du über deine Mahlzeiten mitgestalten kannst.

Durch die KPNI-Linse betrachtet, berührt das gleich mehrere Systeme. Im Stoffwechsel entsteht das Tal. Das Nervensystem reagiert mit Unruhe, weil das Gehirn auf eine stabile Zuckerversorgung angewiesen ist. Das Hormonsystem schickt Gegenspieler wie Adrenalin und Cortisol los, um den Zucker wieder anzuheben. Kein Wunder, dass sich ein Dip manchmal wie Stress anfühlt.

Schnelle Mahlzeit

Viel leicht verdauliche Stärke oder Zucker, wenig Eiweiß, wenig Ballaststoffe.

Steiler Anstieg

Der Blutzucker steigt schnell, die Bauchspeicheldrüse schüttet viel Insulin aus.

Dip nach zwei bis drei Stunden

Bei manchen Menschen fällt der Zucker danach unter den Ausgangswert.

Hungersignal

Das Gehirn kann darauf mit Unruhe und Heißhunger reagieren, oft gerade dann, wenn dein Fastenfenster beginnt.

Perspektivwechsel

Der Heißhunger um 16 Uhr kann seine Wurzel in der Mahlzeit um 13 Uhr haben. Statt ihn wegzudrücken, lohnt sich die Frage: Wie war meine letzte Mahlzeit gebaut?

Und jetzt weißt du, warum die Mahlzeit vor der Fastenpause mindestens so wichtig sein kann wie die Pause selbst.

Zu wenig Eiweiß: Der stille Hungermacher

Wenn das Essfenster kürzer wird, essen viele Menschen unbewusst weniger Eiweiß. Ein schnelles Brot, eine Schüssel Müsli, abends etwas Warmes. Satt fühlt es sich an. Für ein paar Stunden.

Eiweiß ist für deine Sättigung so etwas wie ein langes Holzscheit im Ofen. Zucker brennt schnell und hell. Eiweiß glüht lange nach. Es regt Sättigungshormone im Darm an und braucht Zeit, um verdaut zu werden.

Interventionsstudie, n = 19

Ein Team um Weigle an der University of Washington hat den Eiweißanteil der Ernährung von 15 auf 30 Prozent erhöht, bei gleichem Kohlenhydratanteil. Die Sättigung stieg deutlich, und als die Teilnehmenden frei essen durften, aßen sie im Mittel rund 440 Kilokalorien weniger pro Tag. Mehr Eiweiß kann sich für dich also anfühlen wie ein natürlicher Hungerdämpfer.

Weigle DS et al. Am J Clin Nutr. 2005. DOI: 10.1093/ajcn.82.1.41
RCT, Crossover, Pilotstudie, n = 20

Eine Gruppe um Leidy an der University of Missouri hat jungen Frauen, die sonst das Frühstück ausließen, entweder ein normales oder ein eiweißreiches Frühstück gegeben. Beide Frühstücke verringerten Gelüste auf Süßes und Herzhaftes im Vergleich zum Auslassen, die eiweißreiche Variante dämpfte Gelüste auf Herzhaftes tendenziell stärker. Gleichzeitig stieg ein Blutmarker für Dopamin, den Botenstoff für Belohnung.

Hoertel HA et al. Nutr J. 2014. DOI: 10.1186/1475-2891-13-80

Diese Studie war klein, und es ging ums Frühstück, nicht ums Fasten. Die Richtung ist trotzdem interessant: Eine eiweißreiche Mahlzeit könnte das Belohnungssystem so ansprechen, dass der Drang nach dem schnellen Kick geringer wird. Klinisch beobachte ich bei vielen Menschen, dass der Heißhunger nachlässt, wenn die erste Mahlzeit im Essfenster richtig sättigt. Das ist Erfahrung, kein Studienbeweis.

Gute Eiweißquellen können zum Beispiel Eier, Joghurt, Quark, Hülsenfrüchte, Tofu, Tempeh oder Fleisch sein. Mehr dazu, wie du Muskeln beim Fasten schützen kannst, findest du im Artikel Fasten und Muskelabbau.

Perspektivwechsel

Du musst nicht weniger essen, um weniger Heißhunger zu haben. Manchmal kann es eher helfen, im Essfenster mehr vom Richtigen zu essen. Das kann sich paradox anfühlen, ist aber physiologisch plausibel.

Und jetzt weißt du, warum dein Teller manchmal wichtiger ist als deine Uhr.

Stresshormone und Schlaf: Wenn dein Nervensystem mitisst

Hast du bemerkt, dass der Heißhunger an stressigen Tagen schlimmer ist? Oder nach einer Nacht, in der du nur fünf Stunden geschlafen hast? Das ist kein Zufall.

Cortisol ist dein Alarmhormon. Kurzfristig ist es nützlich: Es hebt den Blutzucker und macht dich wach. Wenn der Alarm aber dauernd läuft, kann er das Belohnungssystem im Gehirn auf schnelle Energie trimmen. Dein Körper glaubt, er müsse sich für eine Gefahr rüsten. Und Gefahr verlangt nach Kalorien.

Laborstudie, n = 59

Ein Team um Epel an der Yale University hat gesunde Frauen an einem Stresstag und an einem ruhigen Tag beobachtet. Frauen mit starker Cortisolreaktion aßen am Stresstag mehr Kalorien als Frauen mit schwacher Reaktion, und sie griffen insgesamt häufiger zu Süßem. Dein Heißhunger auf Schokolade nach einem harten Tag kann also eine körperliche Stressantwort sein.

Epel E et al. Psychoneuroendocrinology. 2001. DOI: 10.1016/s0306-4530(00)00035-4
Übersichtsarbeit

Adam und Epel von der University of California San Francisco haben Tier- und Humandaten zu Stress und Essen zusammengeführt. Sie beschreiben ein Modell, in dem Cortisol und das Belohnungssystem gemeinsam die Lust auf kalorienreiche Lebensmittel steigern können. Interessant für dich: Auch wiederholte, erfolglose Diätversuche werden dort als möglicher Verstärker diskutiert.

Adam TC, Epel ES. Physiol Behav. 2007. DOI: 10.1016/j.physbeh.2007.04.011

Fasten selbst ist ebenfalls ein kleiner Stressreiz. In der richtigen Dosis kann das trainieren. Doch Stress addiert sich. Ein voller Arbeitstag, eine kurze Nacht und ein langes Fastenfenster können zusammen mehr sein, als dein System gerade tragen mag.

RCT, Crossover, n = 12

Ein Team um Spiegel und Van Cauter an der University of Chicago hat junge Männer zwei Nächte lang kurz und zwei Nächte lang lang schlafen lassen. Nach dem kurzen Schlaf sank das Sättigungshormon Leptin um 18 Prozent, Ghrelin stieg um 28 Prozent, und der Hunger nahm um 24 Prozent zu. Besonders stieg der Appetit auf kalorienreiche, kohlenhydratreiche Speisen.

Spiegel K et al. Ann Intern Med. 2004. DOI: 10.7326/0003-4819-141-11-200412070-00008

Heißhunger nach einer schlechten Nacht ist kein Versagen. Es ist dein Körper, der versucht, fehlende Erholung mit Energie auszugleichen. Wer das versteht, kämpft nicht mehr gegen sich selbst. Und das ist eine Form von Freiheit.

Wenn du merkst, dass dein Nervensystem dauerhaft auf Anschlag läuft, findest du im Artikel Atemtechniken und Vagusnerv Ansätze, wie du es beruhigen kannst.

Perspektivwechsel

An Tagen nach kurzen Nächten oder großem Stress darf dein Fastenfenster weiter sein. Das ist keine Ausrede, sondern kluge Dosierung. Fasten soll dich stärken, nicht zusätzlich belasten.

Und jetzt weißt du, warum Schlaf und Stress beim Fasten mit am Tisch sitzen.

Magnesium und Mikronährstoffe: Was belegt ist und was nicht

Vielleicht hast du gelesen, dass Heißhunger auf Schokolade ein Zeichen für Magnesiummangel sei. Das klingt einleuchtend, denn Kakao enthält Magnesium. Aber hier lohnt sich Ehrlichkeit.

Was belegt ist und was nicht: Eine direkte Studie, die zeigt, dass Magnesiummangel Heißhunger beim Fasten verursacht, habe ich nicht gefunden. Die Schokoladen-Magnesium-These ist bisher eine Hypothese. Gut belegt ist dagegen, dass Magnesium am Zuckerstoffwechsel und an der Stressregulation beteiligt ist.

Magnesium ist so etwas wie ein Schmiermittel für hunderte Enzyme. Unter anderem braucht dein Körper es, damit Insulin an der Zelle gut andocken kann. Fehlt es, könnte die Blutzuckerregulation etwas holpriger werden. Und holpriger Blutzucker kann, wie du oben gesehen hast, Hunger anfeuern.

Meta-Analyse, 18 RCTs

Ein Team um Veronese an der Universität Padua hat 18 doppelblinde Studien zu Magnesium bei Menschen mit Diabetes oder erhöhtem Diabetesrisiko ausgewertet. Bei Diabetes sank der Nüchternblutzucker, bei Risikopersonen verbesserte sich der Zuckerwert im Belastungstest. Das zeigt keinen direkten Effekt auf Heißhunger, aber einen möglichen Weg über einen stabileren Blutzucker.

Veronese N et al. Eur J Clin Nutr. 2016. DOI: 10.1038/ejcn.2016.154
Systematischer Review, 18 Studien

Forschende um Boyle an der University of Leeds haben Studien zu Magnesium und subjektiver Angst geprüft. In etwa der Hälfte der Studien bei empfindlichen Gruppen zeigte sich ein günstiger Effekt, die Qualität der Studien war jedoch schwach. Magnesium könnte also auch über die Stressachse eine Rolle spielen, gesichert ist das noch nicht.

Boyle NB et al. Nutrients. 2017. DOI: 10.3390/nu9050429

In der funktionellen Medizin schauen wir bei hartnäckigem Heißhunger deshalb nicht nur auf Willenskraft, sondern auch auf den Mikronährstoffstatus. Neben Magnesium können zum Beispiel Eisen und Vitamin B12 Energie und Antrieb beeinflussen. Ob ein Mangel vorliegt, zeigt nur eine Laboruntersuchung. Blind zu ergänzen ersetzt sie nicht. Wenn dich die Frage nach der passenden Magnesiumform interessiert, lies Welches Magnesium ist das beste?

Perspektivwechsel

Nicht jeder Heißhunger auf Schokolade ist ein Magnesiumhilferuf. Aber wenn Heißhunger zusammen mit Müdigkeit, Muskelkrämpfen oder innerer Unruhe auftritt, kann ein Blick ins Labor sinnvoller sein als noch ein Vorsatz.

Und jetzt weißt du, wo die Wissenschaft beim Thema Mikronährstoffe steht und wo die Vermutung beginnt.

Wann am Tag du isst, kann deinen Hunger mitprägen

Viele Menschen fasten morgens und essen abends. Das passt zum Alltag. Doch dein Körper hat eine innere Uhr, und die tickt nicht gleichmäßig.

RCT, Crossover, n = 11

Forschende um Ravussin und Peterson am Pennington Biomedical Research Center ließen Menschen mit Übergewicht entweder von 8 bis 14 Uhr oder von 8 bis 20 Uhr essen, bei gleicher Kalorienmenge. Das frühe Essfenster senkte den mittleren Ghrelinspiegel und machte den Hunger über den Tag gleichmäßiger. Wann du isst, könnte also mitbestimmen, wie stark dich der Hunger später packt.

Ravussin E et al. Obesity. 2019. DOI: 10.1002/oby.22518
RCT, Crossover

Ein Team um Sutton und Peterson hat Männer mit Prädiabetes fünf Wochen lang mit einem frühen Sechs-Stunden-Fenster essen lassen, mit Abendessen vor 15 Uhr. Neben Insulinempfindlichkeit und Blutdruck verbesserte sich auch der Appetit, ohne dass die Männer abnahmen. Die Gruppe war klein, aber die Richtung passt zur Studie oben.

Sutton EF et al. Cell Metab. 2018. DOI: 10.1016/j.cmet.2018.04.010

Ein so frühes Fenster passt nicht in jedes Leben, und das muss es auch nicht. Schon ein etwas früheres Abendessen kann ein Experiment wert sein. Mehr zu den Grundlagen findest du im Artikel Intervallfasten 16:8 verstehen.

Perspektivwechsel

Das beste Essfenster ist nicht das, das am längsten fastet. Es ist das, in dem dein Hunger am ruhigsten bleibt und das du langfristig leben kannst.

Und jetzt weißt du, warum auch die Uhrzeit ein Hebel sein kann.

Heißhunger als Signal lesen: Deine persönliche Ursachensuche

Statt dich zu fragen „Warum bin ich so schwach?“, könntest du dich fragen: „Was fehlt mir gerade?“ Diese Frage kann viel verändern. Sie macht aus Selbstkritik Neugier.

Zwei bis drei Stunden nach dem Essen

Möglicher Hinweis auf einen Blutzuckerdip. Prüfe, wie viel Eiweiß, Ballaststoffe und Fett deine Mahlzeit hatte.

Nach kurzen Nächten

Möglicher Hinweis auf Schlafmangel als Treiber. Leptin sinkt, Ghrelin steigt.

An stressigen Tagen

Möglicher Hinweis auf die Stressachse. Süßes wird zum schnellen Trost.

Mit Müdigkeit und Krämpfen

Möglicher Hinweis auf einen Mikronährstoffmangel. Hier kann ein Laborcheck Klarheit bringen.

Fragen für dein Hungertagebuch

  • Wann genau tritt der Heißhunger auf, und was habe ich davor gegessen?
  • Wie viel Eiweiß war in meiner letzten Mahlzeit?
  • Wie habe ich in der Nacht davor geschlafen?
  • Wie hoch war mein Stresspegel an diesem Tag, auf einer Skala von eins bis zehn?
  • Worauf genau habe ich Lust: Süßes, Salziges, Fettiges oder einfach irgendetwas?

Schon zwei Wochen solcher Notizen können Muster sichtbar machen, die dir vorher entgangen sind. Die schulmedizinische Abklärung, etwa bei Verdacht auf Diabetes oder Schilddrüsenstörung, bleibt dabei wichtig. Was eine integrative Sicht ergänzen kann, ist der Blick auf das Zusammenspiel von Mahlzeiten, Schlaf, Stress und Mikronährstoffen.

Ein wichtiger Hinweis: Wenn Heißhunger in Essanfälle übergeht oder Essen dich gedanklich kaum noch loslässt, ist Fasten gerade vielleicht nicht das richtige Werkzeug. Dann ist eine Pause und ärztliche oder psychotherapeutische Begleitung sinnvoller als mehr Strenge.

Perspektivwechsel

Heißhunger ist keine Niederlage im Kampf gegen dich selbst. Er ist eine Nachricht. Je besser du sie lesen lernst, desto weniger musst du gegen sie ankämpfen.

Wenn du nicht nur lesen, sondern direkt loslegen willst: Unterhalb dieses Artikels findest du die Möglichkeit, einen Termin zu buchen.

Und jetzt weißt du, warum Neugier beim Fasten weiter tragen kann als Disziplin.

Deine drei Hebel für diese Woche

  • Die letzte Mahlzeit vor der Pause umbauen: Starte sie mit Eiweiß und Gemüse, und lass schnelle Kohlenhydrate eher ans Ende rücken.
  • Schlaf als Fastenregel einführen: Nach einer Nacht unter sechs Stunden darf dein Essfenster an diesem Tag weiter sein.
  • Zwei Wochen Hungertagebuch: Notiere Uhrzeit, letzte Mahlzeit, Schlaf und Stress, wenn der Heißhunger kommt.

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Wo dieses Thema anschließt

Heißhunger berührt Stoffwechsel, Nervensystem, Hormonsystem und Ernährung zugleich. Diese Artikel vertiefen die angrenzenden Ebenen.

Häufige Fragen zu Heißhunger beim Intervallfasten

Ist Heißhunger beim Intervallfasten normal?

Heißhunger in den ersten Wochen ist häufig und kein Zeichen von Schwäche. Dein Hungerhormon Ghrelin folgt gewohnten Essenszeiten und braucht Zeit, sich an einen neuen Rhythmus anzupassen. Bleibt der Heißhunger aber über Wochen stark, lohnt sich der Blick auf Ursachen wie Blutzuckerschwankungen, zu wenig Eiweiß, Stress oder Schlafmangel. Er ist dann eher ein Signal als ein Disziplinproblem.

Warum bekomme ich beim Fasten Heißhunger auf Süßes?

Süßhunger kann mehrere Gründe haben. Eine große Studie in Nature Metabolism zeigte, dass ein starker Blutzuckerabfall zwei bis drei Stunden nach einer Mahlzeit mit mehr Hunger und höherer Kalorienaufnahme zusammenhing. Auch Stress kann die Lust auf Süßes steigern: In einer Laborstudie aßen Frauen mit starker Cortisolreaktion mehr süße Lebensmittel. Die letzte Mahlzeit vor der Fastenpause spielt deshalb eine wichtige Rolle.

Wie lange dauert es, bis sich der Hunger beim Intervallfasten einpendelt?

Viele Menschen berichten, dass sich der Hunger nach einigen Wochen beruhigt. In einer Studie zum alternierenden Fasten über acht Wochen stieg das Hungergefühl trotz Gewichtsverlust nicht an, und das Sättigungsgefühl nahm sogar zu. Wie schnell das bei dir geht, hängt unter anderem von Schlaf, Stress und der Zusammensetzung deiner Mahlzeiten ab. Feste Essenszeiten können die Anpassung erleichtern.

Hilft Eiweiß gegen Heißhunger beim Fasten?

Eiweiß kann die Sättigung deutlich unterstützen. In einer Studie der University of Washington stieg die Sättigung, als der Eiweißanteil der Ernährung von 15 auf 30 Prozent erhöht wurde, und die Teilnehmenden aßen spontan rund 440 Kilokalorien weniger am Tag. Eine kleine Pilotstudie fand, dass ein eiweißreiches Frühstück Gelüste auf Herzhaftes tendenziell stärker dämpfte. Eine eiweißreiche erste und letzte Mahlzeit kann deshalb ein sinnvoller Hebel sein.

Kann Magnesiummangel Heißhunger auslösen?

Ein direkter Beweis, dass Magnesiummangel Heißhunger verursacht, fehlt bisher. Magnesium ist aber am Zuckerstoffwechsel beteiligt: Eine Meta-Analyse randomisierter Studien zeigte, dass Magnesium bei Menschen mit Diabetes oder erhöhtem Risiko Blutzuckerwerte und Insulinempfindlichkeit verbessern kann. Ein systematischer Review fand Hinweise, dass Magnesium subjektive Angst bei empfindlichen Menschen günstig beeinflussen könnte, bei schwacher Studienqualität. Ob ein Mangel vorliegt, kann eine Laboruntersuchung zeigen.

Warum habe ich nach schlechtem Schlaf mehr Hunger beim Fasten?

Schlafmangel verändert deine Hungerhormone. In einer Studie an der University of Chicago sank nach zwei Nächten mit verkürztem Schlaf das Sättigungshormon Leptin um 18 Prozent, das Hungerhormon Ghrelin stieg um 28 Prozent. Der Hunger nahm um 24 Prozent zu, besonders auf kohlenhydratreiche, kalorienreiche Speisen. An Tagen nach kurzen Nächten kann eine sanftere Fastenpause sinnvoll sein.

Macht Intervallfasten mehr Hunger als eine normale Diät?

Laut einer Meta-Analyse von 17 randomisierten Studien mit über 1.100 Teilnehmenden unterscheidet sich das Hungergefühl beim Intervallfasten nicht klar von einer klassischen Kalorienreduktion. Intervallfasten ist also weder ein Hungerturbo noch ein Hungerstopper. Wie du dich fühlst, hängt stark davon ab, wie du deine Mahlzeiten gestaltest und wie dein Alltag aussieht.

Was kann ich tun, wenn mich abends der Heißhunger überfällt?

Abendlicher Heißhunger hat oft mit dem Tagesverlauf zu tun: zu wenig Eiweiß tagsüber, ein Blutzuckertief am Nachmittag oder ein voller Stresspegel. Eine Studie zum frühen zeitbeschränkten Essen zeigte, dass ein früheres Essfenster den Hunger gleichmäßiger machte und das Hungerhormon Ghrelin senkte. Ein früheres Essfenster, eine sättigende Hauptmahlzeit und ein ruhiger Abend können deshalb Ansatzpunkte sein.

Wann sollte ich Intervallfasten wegen Heißhunger pausieren?

Wenn Heißhunger in Essanfälle mündet, du dich gedanklich ständig mit Essen beschäftigst oder Schuldgefühle nach dem Essen auftreten, ist eine Pause sinnvoll. Das gilt besonders bei einer Essstörung in der Vorgeschichte. Auch bei Diabetes mit blutzuckersenkenden Medikamenten, in Schwangerschaft und Stillzeit sollte Fasten nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.

SJ

Shukri Jarmoukli

Arzt, Integrative Medizin · ViveCura Berlin

Ich schaue mit der Linse der klinischen Psychoneuroimmunologie auf den ganzen Menschen. Heißhunger ist für mich ein gutes Beispiel dafür, wie Nervensystem, Hormonsystem, Stoffwechsel und Ernährung ineinandergreifen können.

Mir ist wichtig, Fasten nicht als Willenstest zu verstehen, sondern als Werkzeug, das zu deinem Körper und deinem Alltag passen darf. Wo Studien enden und klinische Erfahrung beginnt, sage ich das offen.

ViveCura · Skalitzer Straße 137, Berlin · vivecura.com

Quellen

  1. Cummings DE, Purnell JQ, Frayo RS et al. A preprandial rise in plasma ghrelin levels suggests a role in meal initiation in humans. Diabetes. 2001;50(8):1714-1719. DOI: 10.2337/diabetes.50.8.1714 [Pathophysiologie, Humanstudie, n=10]
  2. Elsworth RL, Monge A, Perry R et al. The effect of intermittent fasting on appetite: a systematic review and meta-analysis. Nutrients. 2023;15(11):2604. DOI: 10.3390/nu15112604 [Meta-Analyse, 17 RCTs, n=1.111]
  3. Hoddy KK, Gibbons C, Kroeger CM et al. Changes in hunger and fullness in relation to gut peptides before and after 8 weeks of alternate day fasting. Clin Nutr. 2016;35(6):1380-1385. DOI: 10.1016/j.clnu.2016.03.011 [Pathophysiologie, Interventionsstudie ohne Kontrollgruppe, n=59]
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  5. Weigle DS, Breen PA, Matthys CC et al. A high-protein diet induces sustained reductions in appetite, ad libitum caloric intake, and body weight despite compensatory changes in diurnal plasma leptin and ghrelin concentrations. Am J Clin Nutr. 2005;82(1):41-48. DOI: 10.1093/ajcn.82.1.41 [Pathophysiologie, Interventionsstudie, n=19]
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  11. Boyle NB, Lawton C, Dye L. The effects of magnesium supplementation on subjective anxiety and stress: a systematic review. Nutrients. 2017;9(5):429. DOI: 10.3390/nu9050429 [Systematischer Review, 18 Studien]
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  13. Sutton EF, Beyl R, Early KS et al. Early time-restricted feeding improves insulin sensitivity, blood pressure, and oxidative stress even without weight loss in men with prediabetes. Cell Metab. 2018;27(6):1212-1221.e3. DOI: 10.1016/j.cmet.2018.04.010 [RCT, Crossover, kontrollierte Fütterungsstudie]

Alle Quellen wurden über PubMed auf Titel, Autoren, Jahr, DOI und Abstract geprüft. Zahlen stammen aus den Abstracts. Studien, die Heißhunger direkt während des Intervallfastens untersuchen, sind bisher selten. Viele Aussagen stützen sich daher auf Studien zu Appetitregulation, Blutzucker, Eiweiß, Stress und Schlaf, die auf das Fasten übertragen werden. Ein direkter Zusammenhang zwischen Magnesiummangel und Heißhunger ist bisher nicht durch Studien belegt.

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