Ratgeber Schlaf · Medikamente

Schlaftabletten absetzen: was Z-Substanzen leisten, welche Risiken sie haben und wie ein begleiteter Ausstieg aussehen kann

In den Zulassungsstudien verkürzten Z-Substanzen die gemessene Einschlafzeit um 22 Minuten gegenüber Placebo. Das Risiko für Gewöhnung und Abhängigkeit steigt mit Dosis und Dauer, Stürze und Unfälle sind gerade am Anfang einer Einnahme ein Thema. Und ein Ausstieg nach längerer Einnahme gehört nie in einen abrupten Sprung, sondern in ärztliche Begleitung.

SJ
Shukri Jarmoukli · Arzt, Integrative Medizin · ViveCura Berlin
Nutzen in Minuten gemessen Risiken mit Zahlen Absetzen: nie abrupt, immer begleitet 42 Quellen · 39 mit DOI · 6 Leitlinien und Konsenspapiere
Bitte zuerst lesen

Nach längerer Einnahme nie abrupt absetzen

Wenn du ein Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine oder der Z-Substanzen schon länger regelmäßig nimmst, setze es bitte nicht plötzlich ab. Abruptes Absetzen nach längerer Einnahme kann gefährlich sein, bis hin zu Krampfanfällen. Jedes Ausschleichen gehört in ärztliche Begleitung, am besten bei der Ärztin oder dem Arzt, die oder der das Mittel verordnet hat.

Dieser Artikel enthält deshalb bewusst kein Ausschleichschema, keine Dosierungen und keine Zeitpläne. Er soll dich informieren und dein Gespräch vorbereiten, nicht ersetzen.

Sofort ärztliche Hilfe, im Notfall 112, bei:

  • einem Krampfanfall
  • akuter Verwirrtheit, Desorientierung, Halluzinationen oder dem Gefühl, die Realität zu verlieren
  • starker Unruhe mit Herzrasen und Angst, nachdem ein Schlafmittel weggelassen wurde
  • nächtlichen Handlungen ohne Erinnerung, etwa Schlafwandeln, Autofahren oder Kochen, besonders wenn dabei jemand zu Schaden gekommen ist

Alkohol und Schlafmittel sind eine gefährliche Kombination. Beide dämpfen das Nervensystem, und Alkohol scheint laut Fachinformation zusätzlich das Risiko für nächtliche Handlungen ohne Erinnerung zu erhöhen. Auch Opioide und andere dämpfende Medikamente gehören offen ins ärztliche Gespräch, bevor sie mit einem Schlafmittel zusammenkommen.

Wenn die Schlaflosigkeit dich so erschöpft, dass Gedanken auftauchen, nicht mehr leben zu wollen: Hol dir sofort Hilfe. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr und kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. In akuter Gefahr wähle 112 oder geh in die nächste psychiatrische Klinik oder Notaufnahme.

Es ist kurz nach elf. Du liegst im Bett, und der Kopf läuft noch. Auf dem Nachttisch liegt die kleine Packung.

Du weißt, dass du mit Tablette bald schläfst. Und dass du genau das nicht mehr wolltest.

Viele Menschen kennen dieses Muster. Die Tablette war für ein paar Nächte gedacht, nach einem Todesfall, einer Trennung, einer Operation. Dann wurde aus ein paar Nächten ein Monat. Und aus dem Monat ein Jahr.

Wenn du dich darin wiedererkennst: Du hast nichts falsch gemacht. Die Verordnung hatte meistens gute Gründe. Schlafmittel können in einer akuten Krise eine echte Brücke sein. Und dass sich der Körper an eine Substanz anpasst, ist keine Charakterfrage, sondern Pharmakologie.

Gleichzeitig verdienst du ehrliche Zahlen: was diese Mittel im Schlaflabor leisten, welche Risiken belegt sind und was Studien über einen Ausstieg zeigen, der nicht abrupt ist, sondern begleitet.

Warum ich das schreibe

Ich begegne zwei Haltungen, die beide wenig weiterbringen. Die eine lautet: Hauptsache, du schläfst. Die andere will, dass es am besten ab morgen ohne geht. Dazwischen liegt ein dritter Weg. Er ist langsam, ärztlich begleitet und kommt ohne Scham aus.

Was dieser Artikel ist und was nicht

Er ist eine Einordnung der Studienlage und eine Grundlage für dein ärztliches Gespräch, keine Anleitung zum Absetzen, Reduzieren oder Umstellen eines Medikaments. Ob, wann und wie ein Schlafmittel verändert wird, entscheidest du gemeinsam mit der Person, die dich behandelt. Eigene Beobachtungen sind als solche gekennzeichnet.

Was dich hier erwartet

  • Wirkung am GABA-A-Rezeptor
  • Nutzen in Minuten
  • Toleranz und Abhängigkeit
  • Stürze, Unfälle, Schlafwandeln
  • Die Demenz-Frage
  • S3-Leitlinie Insomnie 2025
  • Warum nie abrupt absetzen
  • Rebound-Insomnie
  • Ausschleichen mit KVT-I
  • Alternativen und Ursachen
Klinisch RCT, Meta-Analyse, Leitlinie, Übersicht Beobachtung Kohorte, Register, Fallserie Tierstudie nicht direkt übertragbar Zellstudie kommt hier nicht vor

Die Wirkung von Z-Substanzen und Benzodiazepinen: ein Schalter, viele Namen

Vielleicht hast du einmal gehört, Zolpidem oder Zopiclon seien etwas anderes als die alten Beruhigungsmittel. Moderner, gezielter, harmloser. Ob die Pharmakologie das trägt, zeigt ein Blick auf den Schalter, an dem beide Gruppen ansetzen.

Dein Gehirn arbeitet mit Gas und Bremse. Das wichtigste Bremssignal heißt GABA. Benzodiazepine und Z-Substanzen treten nicht selbst auf die Bremse. Sie funktionieren eher wie ein Bremskraftverstärker: Das körpereigene GABA bekommt mehr Kraft.

Der Mechanismus in fünf Schritten

Vom Botenstoff bis zur Gewöhnung

  • GABA bindet am GABA-A-Rezeptor, einem Kanal in der Zellwand. Der Kanal öffnet sich, die Nervenzelle wird ruhiger.
  • Benzodiazepine docken an einer eigenen Stelle desselben Rezeptors an und verstärken, was GABA ohnehin tut.
  • Z-Substanzen machen im Prinzip dasselbe. Zolpidem bevorzugt den BZ1-Subtyp, die klinische Bedeutung davon ist laut Fachinformation nicht bekannt. Zopiclon bindet an einer etwas anderen Stelle.
  • Das Ergebnis kann ein gedämpftes Gehirn sein: Schlafanstoß, aber auch Muskelentspannung, langsamere Reaktionen und Gedächtnislücken.
  • Bekommt die Bremse über Wochen Verstärkung, passt sich das Gehirn an. Diese Anpassung kann zu Toleranz, Abhängigkeit und Absetzbeschwerden beitragen.

Lehrbuchpharmakologie, ergänzt um die Fachinformationen zu Zolpidem und Zopiclon, keine Studienaussage im engeren Sinn.

Übersichtsarbeit Andere Chemie, gleicher Rezeptor

Gunja fasste in einer toxikologischen Übersicht zusammen, was über Pharmakologie, Nebenwirkungen und Vergiftungen mit Zolpidem, Zopiclon und Zaleplon bekannt ist.

Die Z-Substanzen entfalten ihre Effekte demnach über verstärkte GABA-Übertragung am selben GABA-A-Rezeptor wie die Benzodiazepine. Zopiclon hat unter ihnen die längste Wirkdauer und die größte Restwirkung, und unter Zolpidem sind Halluzinationen, Gedächtnislücken und Parasomnien beschrieben.

Für dich heißt das: Die Übersicht hält es für möglich, dass sich Nebenwirkungen, Vergiftungen und Todesfälle am Ende als ähnlich wie bei den älteren Schlafmitteln erweisen.

Gunja N. J Med Toxicol. 2013;9(2):155-162. PMID: 23404347 · DOI: 10.1007/s13181-013-0292-0 [Übersichtsarbeit]

Halbwertszeit: warum der Morgen und die Absetznacht davon abhängen

Laut Tabelle der in Deutschland verfügbaren Wirkstoffe der S3-Leitlinie Insomnie 2025, in der Zaleplon nicht auftaucht. Keine Einnahmeempfehlung.
WirkstoffGruppeHalbwertszeit
ZolpidemZ-Substanz2 bis 4 Stunden
ZopiclonZ-Substanz5 bis 6 Stunden
EszopiclonZ-Substanz6 Stunden

Lange im Körper heißt: mehr Restwirkung am Morgen, die S3-Leitlinie nennt Hang-over-Effekte besonders bei langen Halbwertszeiten. Kurz im Körper heißt: Die Bremse kann schneller wegfallen, und laut Fachinformation von Zopiclon können dann auch nach kürzerer Behandlung vorübergehend Absetzerscheinungen auftreten, vor allem bei kurz wirksamen Benzodiazepinen.

Tierstudie, Maus Mechanistisch plausibel, Humanstudien dünn

Ein Team um Tan untersuchte an Mäusen, woher das Suchtpotenzial von Benzodiazepinen kommen könnte.

Bei den Mäusen steigerten die Mittel die Aktivität von Dopamin-Nervenzellen im Belohnungssystem, indem sie benachbarte hemmende Zwischenneurone ausbremsten. Dieser Effekt hing nach den Daten an GABA-A-Rezeptoren mit der sogenannten alpha1-Untereinheit.

Für dich heißt das: eine plausible Brücke zwischen Schlafmittel und Belohnungssystem, aber eine Tierstudie. Sie belegt beim Menschen nichts und sagt nicht, dass ein Mittel stärker abhängig macht als ein anderes.

Tan KR et al. Nature. 2010;463(7282):769-774. PMID: 20148031 · DOI: 10.1038/nature08758 [In vivo, Tierstudie]
Reframe

Neu heißt nicht anders. Z-Substanzen kamen als Nachfolger auf den Markt, aber sie verstärken dieselbe Bremse. Wer von einem Benzodiazepin zu einer Z-Substanz gewechselt ist, hat pharmakologisch vor allem den Namen gewechselt, nicht den Schalter. Das spricht nicht gegen die damalige Entscheidung, es beschreibt den Rezeptor. Die Fragen in diesem Artikel gelten deshalb für beide Gruppen.

Und jetzt weißt du, warum zwei Mittel mit ganz unterschiedlichen Namen so ähnliche Probleme machen können.

Was Schlaftabletten leisten, in Minuten gemessen

Die erste Nacht mit Tablette fühlt sich oft wie eine Erlösung an. Dieses Gefühl ist echt. Trotzdem lohnt die Frage, wie viel davon ein Schlaflabor misst.

22 Min.kürzere gemessene Einschlafzeit unter Z-Substanzen gegenüber Placebo
25,2 Min.mehr Gesamtschlaf bei Menschen ab 60 Jahren unter Schlafmitteln
4,78-fachhäufiger kognitive Nebenwirkungen in derselben Altersgruppe
Meta-Analyse, 13 Studien, n=4378 Was die Zulassungsdaten zeigen

Ein Team um Huedo-Medina wertete die bei der amerikanischen FDA eingereichten, placebokontrollierten Zulassungsstudien zu Eszopiclon, Zaleplon und Zolpidem aus: 13 Studien mit 65 Vergleichen und 4378 Teilnehmenden.

Im Schlaflabor verkürzten die Z-Substanzen die Einschlafzeit um 22 Minuten gegenüber Placebo, mit einem Vertrauensbereich von 11 bis 33 Minuten.

Für dich heißt das: Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren waren Medikamenteneffekt und Placeboantwort jeweils eher klein und von fraglicher klinischer Bedeutung. Zusammen ergaben beide aber eine recht deutliche Besserung.

Huedo-Medina TB et al. BMJ. 2012;345:e8343. PMID: 23248080 · DOI: 10.1136/bmj.e8343 [Meta-Analyse]
Meta-Analyse, 45 RCTs, n=2672 Gemessen und geschätzt ist nicht dasselbe

Holbrook und Kollegen fassten 45 randomisierte Studien mit 2672 Patientinnen und Patienten zu Benzodiazepinen bei Schlaflosigkeit zusammen.

Im Schlaflabor war die Einschlafzeit nur um 4,2 Minuten kürzer, und das war nicht signifikant. Die Gesamtschlafzeit stieg um 61,8 Minuten, in der Selbsteinschätzung verkürzte sich die Einschlafzeit um 14,3 Minuten, und Zopiclon war den Benzodiazepinen in keinem untersuchten Endpunkt überlegen.

Für dich heißt das: Beim Einschlafen lag die geschätzte Verbesserung deutlich über der gemessenen.

Holbrook AM et al. CMAJ. 2000;162(2):225-233. PMID: 10674059 [Meta-Analyse]

Die 22 und die 4,2 Minuten stammen aus unterschiedlichen Studien mit unterschiedlicher Methodik. Sie stehen hier nebeneinander, nicht gegeneinander. In einer Studie aus der Fachinformation von Zolpidem an 462 gesunden Probanden mit vorübergehender Schlaflosigkeit verkürzte sich die Einschlafzeit je nach Dosis um 10 beziehungsweise 3 Minuten.

Meta-Analyse, 24 RCTs, n=2417 Menschen ab 60 Jahren

Ein Team um Glass wertete 24 randomisierte Studien mit 2417 Menschen ab 60 Jahren aus, die mindestens fünf Nächte hintereinander ein Schlafmittel oder Placebo bekamen.

Die Gesamtschlafzeit stieg im Mittel um 25,2 Minuten. Gleichzeitig waren kognitive Nebenwirkungen 4,78-mal und Berichte über Tagesmüdigkeit 3,82-mal so häufig.

Für dich heißt das: Die Autorinnen und Autoren schlossen, dass der Nutzen dieser Mittel bei Menschen über 60 das erhöhte Risiko möglicherweise nicht rechtfertigt.

Glass J et al. BMJ. 2005;331(7526):1169. PMID: 16284208 · DOI: 10.1136/bmj.38623.768588.47 [Meta-Analyse]
Netzwerk-Meta-Analyse, 154 RCTs Kurzfristig spürbar, langfristig offen

Ein Team um De Crescenzo verglich 30 Wirkstoffe aus 154 doppelblinden randomisierten Studien mit 44.089 Teilnehmenden anhand der selbst eingeschätzten Schlafqualität.

Akut schnitten unter anderem Benzodiazepine, Eszopiclon, Zolpidem und Zopiclon besser ab als Placebo. Zopiclon und Zolpidem führten aber häufiger zu Studienabbrüchen wegen Nebenwirkungen, Zolpidem auch in der Langzeitbetrachtung.

Für dich heißt das: Viele zugelassene Mittel können kurzfristig etwas bewirken, gehen nach dieser Analyse aber mit schlechter Verträglichkeit einher, oder es fehlen Langzeitdaten.

De Crescenzo F et al. Lancet. 2022;400(10347):170-184. PMID: 35843245 · DOI: 10.1016/S0140-6736(22)00878-9 [Meta-Analyse, Netzwerk]

Warum sich der Nutzen größer anfühlt, als er misst

Wenn du denkst, bei mir sind es aber viel mehr als zwanzig Minuten: Dafür gibt es mindestens drei Erklärungen. Erstens die Placeboantwort. Sie ist neben dem Medikamenteneffekt ein eigener Baustein der erlebten Besserung, eine echte Reaktion auf Erwartung und Ritual. Zweitens der Messweg. Geschätzte und gemessene Einschlafzeit liegen oft auseinander, wie groß solche Lücken sein können, beschreibe ich im Artikel Schlaftracker: was sie messen und wie genau sie sind. Drittens die Wahrnehmung selbst.

RCT, Crossover, n=10 Geschlafen oder nur ruhig gelegen?

Mendelson weckte zehn Menschen mit Insomnie im Schlaflabor pro Nacht fünfmal und fragte, ob sie gerade geschlafen hatten, jeweils unter Placebo, Flurazepam und Zolpidem in zufälliger Reihenfolge.

Nach Placebo gaben sie bei 30,9 Prozent der Weckungen an, geschlafen zu haben, unter Flurazepam bei 40,4 Prozent, was nicht signifikant war, und unter Zolpidem bei 54,7 Prozent.

Für dich heißt das: Ein Schlafmittel kann offenbar auch verändern, wie du Wachphasen erlebst. Bei zehn Personen ist das ein Hinweis auf einen Mechanismus, keine harte Zahl.

Mendelson WB. Sleep. 1995;18(2):92-96. PMID: 7792498 · DOI: 10.1093/sleep/18.2.92 [RCT, Crossover, n=10]
Reframe

Der gefühlte Nutzen ist nicht eingebildet. Er setzt sich aus einem kleinen messbaren Effekt, einer echten Placeboantwort und einer veränderten Wahrnehmung zusammen. Ein Teil davon kann aus Erwartung und Ritual entstehen, also aus dir selbst.

Und jetzt weißt du, warum eine Tablette, die im Labor wenige Minuten bringt, sich im Bett wie der Unterschied zwischen Nacht und Tag anfühlen kann.

Toleranz, Abhängigkeit und warum die Grenze bei vier Wochen liegt

Am Anfang geht es schnell. Tablette, eine halbe Stunde, Schlaf. Nach einigen Wochen liegst du trotz Tablette wieder wach. Oder du merkst schon am Nachmittag, dass dir der Abend ohne sie Sorgen macht. Beides steht seit Jahren in den Fachinformationen.

Toleranz: dieselbe Tablette, weniger Schlaf

Nach wiederholter Einnahme kurz wirksamer Benzodiazepine oder Benzodiazepin-ähnlicher Stoffe über wenige Wochen kann es laut Fachinformation von Zolpidem zu einem Verlust an Wirksamkeit kommen. Für Zopiclon hält die Fachinformation fest, dass es unter vier Wochen Behandlung zu keiner bemerkenswerten Toleranzentwicklung kam. In Schlaflaborstudien entwickelte sich deutliche Toleranz unter Triazolam, unter Zolpidem nur geringfügig.

Abhängigkeit: der Körper hat sich eingerichtet

Abhängigkeit meint hier zuerst etwas Körperliches. Das Nervensystem kann sich an die verstärkte Bremse gewöhnen und mit ihr rechnen. Die Fachinformation von Zolpidem hält fest, dass die Einnahme von Benzodiazepinen auch in therapeutischen Dosen zu einer körperlichen Abhängigkeit führen kann und dass das Risiko mit Dosis und Dauer steigt. Schon nach einigen Wochen regelmäßiger Einnahme kann sich der Körper angepasst haben. Eine feste Wochenzahl dafür gibt die Datenlage nicht her.

4 WochenObergrenze der Behandlung laut Fachinformation, einschließlich der schrittweisen Absetzphase
etwa 0,7 %Abhängigkeit von Hypnotika und Sedativa, Drogen- und Suchtbericht 2019 laut S3-Leitlinie
33.240Meldungen zu Missbrauch, Abhängigkeit und Entzug unter Z-Substanzen in EudraVigilance

Die Vier-Wochen-Grenze ist kein Zufall. Beide Fachinformationen begrenzen die Behandlung auf vier Wochen, einschließlich der schrittweisen Absetzphase, und laut Zopiclon-Fachinformation soll darüber schon zu Beginn informiert werden. Eine längere Behandlung kann laut beiden Fachinformationen in bestimmten Fällen erforderlich sein, aber nicht ohne erneute ärztliche Beurteilung. Die S3-Leitlinie nennt eine Ausnahme: Für Eszopiclon enthält die Fachinformation den Hinweis, dass es in bestimmten Fällen bis maximal sechs Monate eingenommen werden kann.

Pharmakovigilanz, Europa Die Idee der harmlosen Alternative

Ein Team um Schifano wertete die Verdachtsmeldungen der europäischen Arzneimitteldatenbank EudraVigilance zu Missbrauch, Abhängigkeit und Entzug unter Z-Substanzen aus.

Es fanden sich 33.240 solcher Meldungen, davon 23.420 zu Zolpidem, 9283 zu Zopiclon und 537 zu Zaleplon, entsprechend etwa 6246 einzelnen Personen. Zolpidem und Zopiclon zeigten dasselbe Abhängigkeitsrisiko, und die Autorinnen und Autoren halten die Zahlen eher für eine grobe Unterschätzung.

Für dich heißt das: Spontanmeldungen erlauben keine Aussage darüber, wie viele Anwenderinnen und Anwender abhängig werden. Sie zeigen aber, dass das Problem auch bei Z-Substanzen real ist.

Schifano F et al. Int J Neuropsychopharmacol. 2019;22(4):270-277. PMID: 30722037 · DOI: 10.1093/ijnp/pyz007 [Real-World, Pharmakovigilanz]
Klinisch beobachte ich

Gewöhnung zeigt sich selten als Drama. Sie kommt oft leise. Die Tablette kann von einer Hilfe zur Voraussetzung werden. Der Gedanke an einen Abend ohne sie macht schon tagsüber unruhig. Vor einer Reise wird zuerst der Vorrat geprüft. Oder nachts kommt eine zweite Tablette dazu, und es fällt schwer, das anzusprechen.

Das ist keine Studienaussage und kein Diagnosetest. Wenn du dich darin wiederfindest, ist das kein Grund, etwas eigenmächtig zu verändern, sondern ein Grund, es beim nächsten Termin anzusprechen.

Reframe

Abhängigkeit von einem Schlafmittel ist kein Versagen. Sie lässt sich als vorhersehbare Anpassung des Nervensystems verstehen, so vorhersehbar, dass sie in den Fachinformationen steht. Wer sie bei sich bemerkt, hat nichts falsch gemacht, sondern etwas Wichtiges erkannt.

Und jetzt weißt du, warum die Fachinformationen von Anfang an vier Wochen sagen, und warum das Absetzen in dieser Rechnung schon mitgezählt ist.

Die Risiken mit Zahlen: Stürze, Unfälle, nächtliche Handlungen, Gedächtnis

Nachts auf dem Weg ins Bad. Der Flur ist dunkel, die Beine fühlen sich weich an, der Kopf ist wie in Watte. Ein Moment Unsicherheit reicht.

Vorweg: Die meisten Risikodaten stammen aus Beobachtungsstudien. Sie zeigen Zusammenhänge, keine bewiesenen Ursachen, denn Menschen mit Schlafmitteln sind oft älter, kränker oder belasteter als Menschen ohne.

Stürze und Knochenbrüche

Meta-Analyse, Beobachtungsstudien Hüftfraktur: der Anfang zählt

Donnelly und Kollegen verglichen in einer Meta-Analyse das Risiko für Hüftfrakturen unter Benzodiazepinen und unter Z-Substanzen.

Das relative Risiko lag bei 1,52 für Benzodiazepine und bei 1,90 für Z-Substanzen. Bei kurzzeitiger Einnahme lagen die Schätzer mit 2,40 und 2,39 noch höher.

Für dich heißt das: Die Autorinnen und Autoren sehen wenig Unterschied zwischen beiden Gruppen, und das höchste Risiko tragen Menschen, denen diese Mittel neu verordnet werden.

Donnelly K et al. PLoS One. 2017;12(4):e0174730. PMID: 28448593 · DOI: 10.1371/journal.pone.0174730 [Meta-Analyse, Beobachtungsstudien]

Zwei weitere Arbeiten passen dazu. Eine Meta-Analyse aus 14 Beobachtungsstudien um Treves fand unter Z-Substanzen ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche (Odds Ratio 1,63 bei 830.877 Personen), für Stürze lag der Schätzwert bei 2,40, war aber nicht signifikant. Und eine englische Kohortenstudie um Richardson mit 27.090 Menschen mit Demenz fand bei höherer Dosis mehr Knochenbrüche, Hüftfrakturen, Stürze und ischämische Schlaganfälle (Risikoschätzer 1,67, 1,96, 1,33 und 1,88), bei niedriger Dosis nur geringe oder uneinheitliche Mehrrisiken. Gegenüber Benzodiazepinen fand sich dort kein Unterschied bei Nebenwirkungen, außer niedrigerer Sterblichkeit unter Z-Substanzen.

Die S3-Leitlinie nennt für ältere Menschen Stürze, Verwirrtheit, Delir und kognitive Einschränkungen als Nebenwirkungen fast aller Sedativa und empfiehlt Medikamente bei Älteren nur mit großer Zurückhaltung. Mehr zum Schlaf im Alter im Artikel Schlafstörungen im Alter.

Straßenverkehr und der Morgen danach

Registerstudie, Norwegen Die Woche nach dem Rezept

Gustavsen und Kollegen verknüpften in Norwegen die Rezeptdaten aller 3,1 Millionen Menschen zwischen 18 und 69 Jahren mit den Verkehrsunfällen der Jahre 2004 bis 2006.

In der ersten Woche nach Abgabe eines Rezepts war das Unfallrisiko erhöht, mit einem standardisierten Inzidenzverhältnis von 2,3 für Zopiclon und Zolpidem zusammen, 2,7 für Nitrazepam und 4,0 für Flunitrazepam.

Für dich heißt das: Die höchsten Werte fanden sich bei den jüngsten Anwenderinnen und Anwendern. Autofahren am Morgen nach einer Tablette ist keine Formalie.

Gustavsen I et al. Sleep Med. 2008;9(8):818-822. PMID: 18226959 · DOI: 10.1016/j.sleep.2007.11.011 [Kohorte, Registerstudie]

In einer Kohorte um Hansen mit 409.171 Erwachsenen, von denen 5,8 Prozent neu ein Schlafmittel verordnet bekamen, lag die Hazard Ratio für Verkehrsunfälle bei neuer Einnahme gegenüber Nichteinnahme bei 1,27 für Temazepam, was nicht signifikant war, bei 1,91 für Trazodon und bei 2,20 für Zolpidem. Die Autorinnen und Autoren setzen diese Werte mit Blutalkoholkonzentrationen zwischen 0,06 und 0,11 Prozent gleich. Für Zolpidem nennt die Fachinformation ein erhöhtes Risiko eingeschränkter Verkehrstüchtigkeit, wenn zwischen Einnahme und Tätigkeiten mit erhöhtem Aufmerksamkeitsbedarf weniger als 8 Stunden liegen. Die Fachinformation von Zopiclon nennt für den Abstand zwischen Einnahme und Autofahren mindestens 12 Stunden. Ob du fahren kannst, gehört ärztlich geklärt.

Schlafwandeln, Schlafessen, Schlaffahren

Die Fachinformation von Zolpidem beschreibt schlafwandelndes Autofahren, dort Schlaffahren genannt, Zubereiten und Essen von Mahlzeiten, Telefonieren oder Geschlechtsverkehr ohne spätere Erinnerung, und zwar nach der ersten oder jeder weiteren Einnahme.

Pharmakovigilanz-Fallserie, FDA 66 Fälle mit schweren Folgen

Ein Team um Harbourt durchsuchte das Nebenwirkungs-Meldesystem der FDA von Dezember 1992 bis Februar 2018 sowie die Fachliteratur nach komplexen Schlafverhaltensweisen unter Eszopiclon, Zaleplon und Zolpidem.

Es fanden sich 66 Fälle: 20 Todesfälle und 46 schwere Verletzungen, unter anderem durch Kohlenmonoxidvergiftung, Ertrinken, Stürze, Unterkühlung, Verkehrsunfälle und offenbar vollendeten Suizid. In 22 Fällen war schon früher eine solche Episode unter einer Z-Substanz aufgetreten.

Für dich heißt das: selten, aber möglicherweise tödlich. Die FDA ergänzte eine Boxed Warning, also einen hervorgehobenen Warnhinweis, und eine Gegenanzeige nach einer früheren Episode, die Sicherheitsmitteilung datiert vom 30. April 2019.

Harbourt K et al. Pharmacoepidemiol Drug Saf. 2020;29(6):684-691. PMID: 32323442 · DOI: 10.1002/pds.5004 [Case Series, Pharmakovigilanz]

Auch in Deutschland ist ein früheres ungewöhnliches Schlafverhalten nach Einnahme laut den Fachinformationen von Zolpidem und Zopiclon eine Gegenanzeige. Bemerkst du so etwas bei dir oder einem Menschen neben dir, gehört das zeitnah ärztlich besprochen. Laut Fachinformation von Zolpidem soll ein Absetzen dann dringend erwogen werden, und diese Abwägung trifft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt mit dir.

Alkohol und Schlafmittel

Alkohol scheint laut Fachinformation das Risiko für nächtliche Handlungen ohne Erinnerung zu erhöhen, und beide dämpfen das zentrale Nervensystem. Diese Kombination ist gefährlich. Auch von der Kombination aus Benzodiazepinen und Opioiden raten die Beers-Kriterien für ältere Menschen ausdrücklich ab. Regelmäßiger Alkohol und andere dämpfende Medikamente gehören offen in jedes Gespräch über Schlafmittel.

Gedächtnis und Denken

Meta-Analyse, 20 Studien Eine einzige Dosis

Stranks und Crowe fassten 20 Studien zu den akuten kognitiven Effekten einer einzelnen Dosis einer Z-Substanz bei gesunden Erwachsenen zusammen, gemessen am Morgen nach der Einnahme.

Für Zopiclon und Zolpidem zeigten sich mittlere Effektstärken auf das verbale Gedächtnis, für Zolpidem zusätzlich auf die Aufmerksamkeit. Kleinere Effekte betrafen bei Zolpidem die Verarbeitungsgeschwindigkeit und bei Zopiclon das Arbeitsgedächtnis.

Für dich heißt das: Schon eine einzelne Dosis kann das Wortgedächtnis messbar dämpfen. Das beschreibt einen akuten Effekt, keine bleibende Schädigung.

Stranks EK, Crowe SF. J Clin Exp Neuropsychol. 2014;36(7):691-700. PMID: 24931450 · DOI: 10.1080/13803395.2014.928268 [Meta-Analyse]

Dazu passen die 4,78-mal häufigeren kognitiven Nebenwirkungen aus der Meta-Analyse von Glass und die Erinnerungslücken für die Zeit nach der Einnahme, die die Fachinformation von Zopiclon unter dem Stichwort Amnesie beschreibt.

Reframe

Das größte Risiko liegt nicht immer im zehnten Jahr. Manchmal liegt es in der ersten Woche: das Risiko für Hüftfrakturen war bei Neuverordnung am höchsten, das Unfallrisiko war in der Woche nach Abgabe eines Rezepts erhöht. Vorsicht gilt also gerade am Anfang, beim ersten nächtlichen Gang ins Bad und bei der ersten Autofahrt am Morgen danach.

Und jetzt weißt du, warum Leitlinien gerade bei älteren Menschen so zurückhaltend sind, auch wenn eine Tablette im Einzelfall eine Nacht erleichtern kann.

Machen Schlaftabletten dement? Was Beobachtungsdaten zeigen und was nicht

Vielleicht hast du eine Schlagzeile gelesen, die Schlafmittel mit Demenz in Verbindung bringt. Seitdem schwingt bei jeder Tablette eine zweite Sorge mit. Nach heutigem Stand lautet die Antwort: Die Frage ist umstritten, und alle Studien dazu sind Beobachtungsdaten.

Fall-Kontroll-Studie, Kanada Der Befund, der die Debatte auslöste

Ein Team um Billioti de Gage verglich in Daten der Krankenversicherung von Québec 1796 Menschen mit erstmals diagnostizierter Alzheimer-Krankheit mit 7184 Kontrollpersonen, bezogen auf Benzodiazepine, die mindestens fünf Jahre vor der Diagnose begonnen wurden.

Die Einnahme ging mit einer adjustierten Odds Ratio von 1,51 einher, nach zusätzlicher Berücksichtigung von Angst, Depression und Schlaflosigkeit mit 1,43. Unter 91 verordneten Tagesdosen fand sich kein Zusammenhang, über 180 Tagesdosen lag der Wert bei 1,84.

Für dich heißt das: ein Muster, das Sorgen macht, aber keine Ursache belegt. Die Autorinnen und Autoren schreiben selbst, dass die Einnahme auch ein frühes Zeichen eines Zustands mit erhöhtem Demenzrisiko sein könnte, und die Studie betrifft Benzodiazepine, nicht Z-Substanzen.

Billioti de Gage S et al. BMJ. 2014;349:g5205. PMID: 25208536 · DOI: 10.1136/bmj.g5205 [Case-Control, Fall-Kontroll-Studie]
Prospektive Kohortenstudie, n=3434 Mehr Tabletten, nicht mehr Demenz

Ein Team um Gray begleitete 3434 Menschen ab 65 Jahren ohne Demenz im Mittel 7,3 Jahre und ließ das letzte Jahr vor einer Diagnose bewusst aus der Berechnung, damit frühe Vorzeichen nicht als Ursache mitgezählt werden.

797 Personen, also 23,2 Prozent, entwickelten eine Demenz. Gegenüber Nichtanwendung lag die Hazard Ratio bei der geringsten Einnahme bei 1,25, bei mittlerer bei 1,31 und bei der höchsten bei 1,07, und höhere Einnahme ging nicht mit schnellerem geistigem Abbau einher.

Für dich heißt das: Das Risiko stieg mit der Menge nicht an. Die Autorinnen und Autoren schließen, dass ihre Ergebnisse einen ursächlichen Zusammenhang nicht stützen.

Gray SL et al. BMJ. 2016;352:i90. PMID: 26837813 · DOI: 10.1136/bmj.i90 [Kohorte, prospektiv]
Registerkohorte, n=235.465 Auch mit Z-Substanzen kein Zusammenhang

Osler und Jørgensen werteten dänische Register von 1996 bis 2015 mit 235.465 Patientinnen und Patienten mit affektiver Erkrankung aus, 75,9 Prozent von ihnen nahmen Benzodiazepine oder Z-Substanzen.

Nach Berücksichtigung zahlreicher Einflussfaktoren zeigte die Einnahme weder in der Kohortenanalyse noch in einer eingebetteten Fall-Kontroll-Analyse einen Zusammenhang mit Demenz. Die Odds Ratio lag beim geringsten Gebrauch bei 1,08 und beim höchsten bei 0,83.

Für dich heißt das: Der niedrigere Wert beim höchsten Gebrauch ist keine Schutzwirkung, und die Daten stammen von Menschen mit Depression oder bipolarer Erkrankung.

Osler M, Jørgensen MB. Am J Psychiatry. 2020;177(6):497-505. PMID: 32252539 · DOI: 10.1176/appi.ajp.2019.19030315 [Kohorte, Register]

Warum diese Daten so schwer zu lesen sind

Stell dir ein altes Haus vor, in dem seit Jahren ein Kabel schmort. Lange bevor jemand den Schaden findet, flackert das Licht. Schlaflosigkeit, Angst und gedrückte Stimmung können solche frühen Flackerzeichen einer beginnenden Demenz sein. Wer deswegen ein Schlafmittel bekommt, erscheint später in der Statistik als Anwender mit Demenz, auch wenn die Tablette nur das Flackern begleitet hat. Fachleute nennen das umgekehrte Kausalität.

Die S3-Leitlinie nennt für ältere Menschen kognitive Einschränkungen bis hin zur medikamentösen Demenz als Nebenwirkung fast aller Sedativa. Gemeint ist eine arzneimittelbedingte Beeinträchtigung von Denken und Gedächtnis, nicht die Alzheimer-Krankheit.

Umstritten

Nicht belegt, nicht widerlegt

Dass Schlafmittel eine Demenz verursachen, ist nicht belegt, dass sie es sicher nicht tun, ebenso wenig. Gut belegt sind akute Effekte wie Verwirrtheit, Gedächtnislücken und Stürze, und für ältere Menschen sind das Gründe genug für Zurückhaltung.

Reframe

Du musst die Demenz-Frage nicht endgültig beantworten, um eine gute Entscheidung zu treffen. Die Gründe für Zurückhaltung liegen näher: im nächsten Morgen, im nächsten Gang ins Bad, in der nächsten Autofahrt. Und wenn dich die Sorge umtreibt, ist sie ein Anlass für ein Gespräch, nicht für einen abrupten Entschluss.

Und jetzt weißt du, warum eine seriöse Antwort auf die Demenz-Frage weder beruhigen noch alarmieren sollte.

Was die Leitlinien sagen, und warum sie so vorsichtig sind

Vielleicht hast du erlebt, dass eine Praxis ein Schlafmittel ohne Zögern verordnet und die nächste sehr zurückhaltend ist. Beides kann gute Gründe haben. Die Leitlinien zeigen den fachlichen Rahmen.

Leitlinie, S3, Update 2025 Wörtlich aus der S3-Leitlinie Insomnie bei Erwachsenen

Erste Wahl: „Die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) soll bei allen Patientinnen und Patienten mit Insomnie als erste Behandlungsoption empfohlen werden, präferentiell als Therapie in Präsenz.“ Empfehlungsgrad A, starker Konsens.

Medikamente: „Eine medikamentöse Therapie kann angeboten werden, wenn die KVT-I nicht hinreichend effektiv war oder nicht durchführbar ist, mit großer Zurückhaltung bei älteren Patientinnen und Patienten.“ Empfehlungsgrad 0, starker Konsens.

Benzodiazepine und Z-Substanzen sind laut Leitlinie „in der Kurzzeitbehandlung der Insomnie (≤4 Wochen) effektiv“. Und: „Eine Langzeitbehandlung der Insomnie mit Benzodiazepinen oder Benzodiazepin-Rezeptor-Agonisten soll nicht empfohlen werden.“ Empfehlungsgrad A, mehrheitliche Zustimmung. Mit Benzodiazepin-Rezeptor-Agonisten sind die Z-Substanzen gemeint.

Spiegelhalder K et al. Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“, Update 2025 (AWMF-Registernummer 063-003), Version 2.0. Somnologie. 2025;29(4):240-277. DOI: 10.1007/s11818-025-00530-6 [Leitlinie]

Die Empfehlung gegen eine Langzeitbehandlung fand mehrheitliche Zustimmung. Nach dem Regelwerk der AWMF, auf das sich die Leitlinie beruft, ist das die niedrigste Konsensstufe mit mehr als 50 Prozent der Stimmen, Konsens bedeutet mehr als 75 und starker Konsens mehr als 95 Prozent. Zur Kombination aus Tablette und KVT-I nennt die Leitlinie zwei Studien, die akut einen synergistischen Effekt nahelegen, danach war die alleinige KVT-I der Kombination überlegen.

Warum diese Vorsicht? Nicht aus Prinzip gegen Medikamente. Laut Leitlinie kehren Schlafprobleme nach dem Absetzen einer medikamentösen Behandlung in vielen Fällen zurück, womit die Gefahr einer Abhängigkeit entsteht, und die Evidenzlage zur Langzeitanwendung ist für alle zugelassenen Substanzen unzureichend.

Vereinfacht, Empfehlungsgrade in Klammern. Die US-Dokumente gelten für das dortige Versorgungssystem.
DokumentErste WahlBenzodiazepine und Z-Substanzen
S3-Leitlinie Insomnie, Deutschland, 2025KVT-I für alle, bevorzugt in Präsenz (A)kurzzeitig bis vier Wochen effektiv; Langzeitbehandlung soll nicht empfohlen werden (A)
Europäische Insomnie-Leitlinie, 2023KVT-I, in Präsenz oder digital (A)kurzzeitig bis vier Wochen (A); längere Behandlung kann in einigen Fällen nach Abwägung von Vor- und Nachteilen begonnen werden (B)
AASM, USA, 2017nicht Gegenstand dieser Medikamenten-LeitlinieZolpidem, Eszopiclon, Zaleplon, Triazolam, Temazepam jeweils nur schwache Empfehlung
Beers-Kriterien, USA, 2023, ab 65 Jahrennicht Gegenstandbeide Gruppen vermeiden, starke Empfehlung bei mittlerer Evidenzqualität

Die europäische Leitlinie um Riemann ist hier weniger streng als die deutsche. Die AASM-Leitlinie um Sateia betont, dass eine schwache Empfehlung geringere Gewissheit ausdrückt, nicht Unwirksamkeit.

Leitlinie, Expertenkonsens Beers-Kriterien 2023 für Menschen ab 65

Ein Expertengremium der American Geriatrics Society aktualisierte 2023 die Beers-Kriterien, eine für die USA entwickelte Liste potenziell ungeeigneter Medikamente für Menschen ab 65 Jahren.

Für Z-Substanzen wie für Benzodiazepine lautet die Empfehlung Avoid, also vermeiden. Z-Substanzen haben laut Gremium bei älteren Menschen ähnliche Nebenwirkungen wie Benzodiazepine, etwa Delir, Stürze, Knochenbrüche und Verkehrsunfälle, bei nur minimaler Verbesserung von Einschlafzeit und Schlafdauer.

Für dich heißt das: Diese Empfehlung richtet sich an das Verordnen und soll gemeinsame Entscheidungen unterstützen. Sie ist keine Aufforderung, eine laufende Einnahme selbst zu beenden.

2023 American Geriatrics Society Beers Criteria Update Expert Panel. J Am Geriatr Soc. 2023;71(7):2052-2081. PMID: 37139824 · DOI: 10.1111/jgs.18372 [Leitlinie, Expertenkonsens]

Die erste Wahl der deutschen und der europäischen Leitlinie, die KVT-I, beschreibe ich hier nicht noch einmal. Wie Schlafrestriktion, Stimuluskontrolle und die Arbeit an nächtlichen Grübelschleifen zusammenspielen, steht im Artikel CBT-I und Schlafrestriktion.

Reframe

Leitlinien sind nicht gegen Schlafmittel. Sie sind gegen Dauerlösungen, für die es keine Langzeitdaten gibt. Eine Tablette für eine kurze Krise und eine Tablette für die nächsten zehn Jahre sind zwei verschiedene Entscheidungen, auch wenn es dieselbe Packung ist.

Und jetzt weißt du, warum dieselbe Tablette in der einen Situation eine vertretbare Brücke sein kann und in der anderen eine Frage, die neu besprochen werden sollte.

Schlaftabletten absetzen: warum nie abrupt, was Rebound-Insomnie ist und was Studien zum Ausschleichen zeigen

Vielleicht hast du es schon einmal versucht. Ein Abend ohne Tablette. Und dann diese Nacht: hellwach um zwei, Herzklopfen, Gedankenkarussell. Irgendwann der Satz im Kopf: Ohne geht es eben nicht. Am nächsten Abend lag die Tablette wieder auf dem Nachttisch.

Wenn dir das bekannt vorkommt: Diese Nacht beweist weniger, als sie behauptet. Und ein abruptes Weglassen nach längerer Einnahme ist genau der Weg, den Fachinformationen und Leitlinien nicht vorsehen. Bitte wiederhole so einen Versuch nicht allein, sondern sprich ihn beim nächsten Termin an.

Warum der Körper protestiert, wenn die Bremse plötzlich fehlt

Stell dir ein Tauziehen vor. Das Schlafmittel zieht auf der Seite der Ruhe, dein Nervensystem hat über Wochen dagegengehalten. Lässt das Mittel plötzlich los, kann das Gegengewicht nach hinten stolpern.

Beim plötzlichen Abbruch nach körperlicher Abhängigkeit können laut Fachinformation von Zolpidem in schweren Fällen Realitätsverlust, Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen, Halluzinationen, Delirium oder epileptische Anfälle auftreten. Die Fachinformation von Zopiclon nennt ebenfalls Halluzinationen und epileptische Anfälle und empfiehlt, weil das Risiko insbesondere nach längerer Behandlung höher ist, eine schrittweise Reduktion der Dosis.

Leitlinie, 10 Fachgesellschaften Die Absetz-Leitlinie von 2025

Die American Society of Addiction Medicine und neun weitere Fachgesellschaften veröffentlichten 2025 eine Leitlinie zum Ausschleichen von Benzodiazepinen.

Benzodiazepine sollen danach bei wahrscheinlich körperlich abhängigen Menschen nicht abrupt abgesetzt werden, das Ausschleichen soll individuell angepasst und begleitend psychosozial unterstützt werden. Eine rasche Dosisreduktion kann laut Leitlinie lebensbedrohliche Entzugssymptome wie Krampfanfälle und Delir auslösen.

Für dich heißt das: Die Leitlinie gilt für Benzodiazepine. Z-Substanzen schließt sie ausdrücklich aus, nennt aber ähnliche Wirkmechanismen und möglicherweise ähnliche Risiken.

Brunner E et al. J Gen Intern Med. 2025;40(12):2814-2859. PMID: 40526204 · DOI: 10.1007/s11606-025-09499-2 [Leitlinie]
Übersichtsarbeit Entzug und Rebound sind zwei verschiedene Dinge

Ein Team um Wisłowska-Stanek trennte in einer Übersichtsarbeit Begriffe, die oft vermischt werden: Entzugssyndrom, Absetzsyndrom und Rebound.

Das klassische Entzugssyndrom beruht auf körperlicher Abhängigkeit und kann mit lebensbedrohlichen Erscheinungen wie Krampfanfällen und Delir einhergehen. Beim Rebound kehren dagegen die Beschwerden zurück, die das Medikament unter Kontrolle gehalten hatte, und zwar stärker als vor der Behandlung.

Für dich heißt das: Nicht jede schlechte Nacht nach dem Weglassen ist ein Entzug. Aber nicht jeder Entzug ist harmlos, und beides auseinanderzuhalten, gehört in ärztliche Hände.

Wisłowska-Stanek A et al. Pharmacol Rep. 2025;77(2):303-314. PMID: 39710834 · DOI: 10.1007/s43440-024-00689-z [Übersichtsarbeit]
Warum hier kein Schema steht

Ein sinnvolles Tempo hängt von Wirkstoff, Dauer, Regelmäßigkeit, Alter, Begleiterkrankungen, anderen Medikamenten und Alkohol ab, und selbst Fachgremien nennen unterschiedliche Geschwindigkeiten. Deshalb wird ein Ausschleichen individuell geplant und ärztlich begleitet. Kein Plan aus dem Internet ersetzt diese Abwägung.

Rebound-Insomnie: warum die erste Nacht täuschen kann

Laut Fachinformation von Zolpidem kann es beim Beenden der Behandlung vorübergehend zu Absetzerscheinungen kommen, wobei die Beschwerden, die zur Behandlung führten, in verstärkter Form wieder auftreten können. Das ist die Rebound-Insomnie.

Meta-Analyse, 75 Schlaflaborstudien Die erste Absetznacht im Labor

Soldatos und Kollegen werteten 75 Schlaflaborstudien mit 1276 Personen zu Brotizolam, Midazolam, Triazolam, Zolpidem und Zopiclon aus.

In der ersten Nacht nach dem Absetzen war die Rebound-Schlaflosigkeit unter Triazolam ausgeprägt und unter Zolpidem mild. Für Brotizolam fehlten Daten, für Midazolam und Zopiclon reichten sie nicht aus.

Für dich heißt das: Rebound ist messbar, und seine Stärke hängt vom Wirkstoff ab. Die Daten stammen überwiegend aus Kurzzeitstudien, dass Zolpidem keinen Rebound macht, folgt daraus nicht.

Soldatos CR et al. Int Clin Psychopharmacol. 1999;14(5):287-303. PMID: 10529072 [Meta-Analyse]

Warum erscheint gerade diese Nacht so überzeugend? Weil sie sich wie eine Bestätigung anfühlt. Dabei kann ein Teil dieser Nacht der Rebound selbst sein, eine vorübergehende Gegenbewegung und keine Aussage darüber, wie du in einigen Monaten schlafen könntest. Die Fachinformation von Zolpidem hält ausdrücklich fest, dass Patientinnen und Patienten um Rebound-Phänomene wissen sollten, um die Angst vor den Symptomen zu minimieren.

Zur Dauer des Rebounds nach Langzeiteinnahme habe ich keine belastbaren Zahlen gefunden. Zwei der folgenden Studien deuten aber darauf hin, dass sich der Schlaf nach einem begleiteten Ausstieg über Monate noch verbessern kann.

Reframe

Die schlechte Nacht nach dem Weglassen ist kein Urteil über deinen Schlaf. Sie ist eine Momentaufnahme mitten in einer Umstellung. Genau deshalb gehört ein Ausstieg nicht in einen einzelnen mutigen Abend, sondern in einen begleiteten Prozess, in dem solche Nächte vorher angekündigt und eingeordnet werden.

Was Studien zum begleiteten Ausschleichen zeigen

Die folgenden Ergebnisse sind Literatur, keine Anleitung. Den Aufbau der Programme lasse ich bewusst weg.

Eine Meta-Analyse um Parr zu Absetzstrategien in Hausarztpraxis und ambulanter Versorgung fand schrittweise Dosisreduktion der Routineversorgung deutlich überlegen (Odds Ratio 5,96), ebenso Kurzinterventionen (4,37). Ein abrupter Ersatz des Benzodiazepins durch ein anderes Medikament schnitt dagegen schlechter ab als die schrittweise Reduktion allein (0,30). In einer niederländischen Hausarztstudie mit 180 Langzeitanwenderinnen und Langzeitanwendern, die aufhören wollten, gelang das Absetzen mit strukturiertem Ausschleichen bei 62 Prozent, unter üblicher Versorgung bei 21 Prozent.

Cluster-RCT, n=303 Informiert sein ist schon ein Schritt

Ein Team um Tannenbaum gab in der EMPOWER-Studie 303 Langzeitanwenderinnen und Langzeitanwendern zwischen 65 und 95 Jahren entweder eine Informationsbroschüre über Risiken und schrittweises Ausschleichen oder die übliche Versorgung.

62 Prozent der informierten Gruppe suchten daraufhin das Gespräch mit Ärztin, Arzt oder Apotheke. Nach sechs Monaten hatten 27 Prozent der Interventionsgruppe die Benzodiazepine abgesetzt, in der Kontrollgruppe 5 Prozent, und bei weiteren 11 Prozent wurde die Dosis reduziert.

Für dich heißt das: Gut informiert das Gespräch zu suchen, war bereits ein wichtiger Schritt. Genau dafür ist dieser Artikel gedacht.

Tannenbaum C et al. JAMA Intern Med. 2014;174(6):890-898. PMID: 24733354 · DOI: 10.1001/jamainternmed.2014.949 [RCT, Cluster-randomisiert]
RCT, Sekundäranalyse, n=92 Schlafe ich ohne Tablette dauerhaft schlechter?

Ein Team um Lähteenmäki begleitete 92 Menschen zwischen 55 und 91 Jahren, die lange Zopiclon, Zolpidem oder Temazepam genommen hatten, mit psychosozialer Unterstützung beim Absetzen.

Nach sechs Monaten waren 34 Personen ohne Mittel, 55 nicht. Wer abgesetzt hatte, schlief subjektiv schneller ein und hatte weniger Einschlafprobleme als zu Beginn und als die Vergleichsgruppe.

Für dich heißt das: Die Sorge, ohne Tablette dauerhaft schlechter zu schlafen, bestätigte sich hier nicht, wobei ein Auswahleffekt möglich ist.

Lähteenmäki R et al. Basic Clin Pharmacol Toxicol. 2019;124(3):330-340. PMID: 30295409 · DOI: 10.1111/bcpt.13144 [RCT, Sekundäranalyse]

Warum kognitive Verhaltenstherapie beim Absetzen dazugehört

Eine Tablette wegzunehmen, ist nur die halbe Aufgabe. Die andere Hälfte ist, was nachts an ihre Stelle tritt.

RCT, n=65 Ausschleichen mit und ohne KVT-I

Ein Team um Baillargeon begleitete 65 ältere Menschen, die seit über drei Monaten jede Nacht ein Benzodiazepin nahmen, beim ärztlich begleiteten Ausschleichen, mit oder ohne zusätzliche KVT-I in der Gruppe. Das Absetzen wurde im Blut kontrolliert.

Direkt nach der Behandlung waren mit KVT-I 77 Prozent frei vom Benzodiazepin, ohne KVT-I 38 Prozent. Nach zwölf Monaten waren es 70 gegenüber 24 Prozent.

Für dich heißt das: In dieser Studie hielt der Vorteil der Kombination bis zu einem Jahr an.

Baillargeon L et al. CMAJ. 2003;169(10):1015-1020. PMID: 14609970 [RCT]
RCT, n=76 Auch nach fast zwanzig Jahren

Ein Team um Morin untersuchte 76 ältere Erwachsene mit chronischer Insomnie, die im Mittel seit 19,3 Jahren Benzodiazepine nahmen: begleitetes Ausschleichen, KVT-I oder beides.

Insgesamt waren 63 Prozent innerhalb von durchschnittlich sieben Wochen tablettenfrei, ohne signifikante Entzugssymptome unter dem begleiteten Ausschleichen. Nach der Behandlung waren mit der Kombination 85 Prozent frei, mit Ausschleichen allein 48 Prozent und mit KVT-I allein 54 Prozent.

Für dich heißt das: Selbst nach im Mittel fast zwanzig Jahren Einnahme gelang der Ausstieg unter Begleitung vielen, und laut den Autorinnen und Autoren macht sich besserer Schlaf möglicherweise erst nach mehreren Monaten bemerkbar.

Morin CM et al. Am J Psychiatry. 2004;161(2):332-342. PMID: 14754783 · DOI: 10.1176/appi.ajp.161.2.332 [RCT]

In der Meta-Analyse von Parr war psychologische Behandlung plus schrittweise Reduktion der Reduktion allein überlegen (Odds Ratio 1,82). Ein Cochrane-Review um Darker mit 25 randomisierten Studien sah den Vorteil von KVT plus Ausschleichen kurzfristig (Risk Ratio 1,40 bis vier Wochen nach Behandlung, 1,51 nach drei Monaten), nach sechs Monaten aber nicht mehr. Die Absetz-Leitlinie von 2025 empfiehlt, begleitend Verhaltensinterventionen anzubieten, ausdrücklich auch KVT-I. Wie KVT-I aufgebaut ist, liest du im Artikel CBT-I und Schlafrestriktion bei chronischer Insomnie.

Gegenevidenz

Nicht jede Studie sieht einen Zusatznutzen

In der niederländischen Hausarztstudie erhöhte zusätzliche Gruppen-KVT die Erfolgsrate nicht: 58 Prozent mit Gruppen-KVT gegenüber 62 Prozent mit Ausschleichen allein. Die Studie schloss Langzeitanwender allgemein ein, nicht nur Menschen mit Insomnie. Die Bilanz dieser Studienlage: In mehreren Studien waren mit KVT-I mehr Menschen tablettenfrei, aber nicht in jeder.

Voshaar RC et al. Br J Psychiatry. 2003;182:498-504. PMID: 12777340 · DOI: 10.1192/bjp.182.6.498 [RCT]

Was als Absetzhilfe nicht belegt ist

Cochrane-Review, 38 RCTs Gibt es eine Absetz-Tablette?

Ein Cochrane-Team um Baandrup prüfte 38 randomisierte Studien mit 2543 Teilnehmenden zu Medikamenten, die das Absetzen nach längerer Benzodiazepin-Einnahme erleichtern sollten.

Keine Intervention war in mehr als vier Studien untersucht, das Verzerrungsrisiko war in fast allen hoch. Magnesiumaspartat senkte in einer Studie mit 144 Teilnehmenden sogar den Anteil derer, die erfolgreich absetzten (Risk Ratio 0,80, sehr niedrige Evidenzqualität).

Für dich heißt das: Nach diesem Review lassen sich keine sicheren Schlüsse ziehen, dass irgendein Medikament das Absetzen erleichtert.

Baandrup L et al. Cochrane Database Syst Rev. 2018;3(3):CD011481. PMID: 29543325 · DOI: 10.1002/14651858.CD011481.pub2 [Systematischer Review, Cochrane]

Magnesium bei Schlafproblemen im Allgemeinen ist eine andere Frage, die ich im Artikel Magnesium bei Schlafstörungen einordne. Als Absetzhilfe ist es nicht belegt.

Melatonin als Absetzhilfe: gemischt. In einer frühen kleinen Studie um Garfinkel setzten 14 von 18 Menschen mit retardiertem Melatonin das Benzodiazepin ab, aber nur 4 von 16 mit Placebo. In einer Studie um Vissers in niederländischen Hausarztpraxen hatten nach einem Jahr dagegen in beiden Gruppen 40 Prozent aufgehört, bei 86 Menschen mit Schizophrenie oder bipolarer Störung um Baandrup lag die Absetzrate mit Melatonin bei 38,1 und mit Placebo bei 47,7 Prozent, und auch in der Studie um Lähteenmäki brachte Melatonin keinen Vorteil. Ein Expertengremium um Palagini sieht es 2025 optimistischer. Jede Entscheidung über einen zusätzlichen Wirkstoff gehört in ärztliche Hand.

Klinische Tradition ohne starke Studienbasis: Für GABA-Kapseln oder L-Theanin als Absetzhilfe habe ich keine verifizierte Studie gefunden. Ihr Nutzen ist offen, und ein ärztlich begleitetes Ausschleichen ersetzen sie nicht.

Reframe

Was in den hier beschriebenen Studien beim Absetzen gut abschnitt, war kein Präparat. Es waren strukturiertes, begleitetes Ausschleichen und in mehreren Studien KVT-I. Aus meiner Sicht gehört ein Plan für die Nächte dazu, die schwierig werden. Das bedeutet auch: Du musst nicht auf ein neues Mittel warten, um über einen Ausstieg zu sprechen.

Und jetzt weißt du, warum ein Ausstieg aus Schlaftabletten weniger eine Frage von Willenskraft ist als eine Frage von Tempo, Begleitung und dem, was nachts an die Stelle der Tablette tritt.

Alternativen zu Schlaftabletten: was belegt ist und was nicht

Wenn nicht die Tablette, was dann? Vorweg: Keine der folgenden Optionen ist eine Anleitung zum Umstellen. Ein Wechsel auf ein anderes Medikament ist eine ärztliche Entscheidung.

KVT-I: die erste Wahl

Belegt durch Meta-Analysen und Leitlinien: Die S3-Leitlinie empfiehlt die KVT-I allen Menschen mit Insomnie als erste Behandlungsoption, bevorzugt in Präsenz, die europäische Leitlinie in Präsenz oder digital. Wie sie funktioniert, steht im Artikel CBT-I und Schlafrestriktion.

Schlafanstoßende Antidepressiva

Cochrane-Review, 23 RCTs Kleine Effekte, offene Langzeitfragen

Ein Cochrane-Team um Everitt fasste 23 randomisierte Studien mit 2806 Teilnehmenden zu Antidepressiva bei Insomnie zusammen.

Trizyklika, überwiegend Doxepin, gingen mit einer kleinen Verbesserung der Schlafqualität einher (standardisierte Mittelwertdifferenz 0,39) und verlängerten die Schlafzeit um 22,88 Minuten. Für Trazodon zeigte sich subjektiv ein kleiner Effekt (0,34), mit morgendlicher Benommenheit, Mundtrockenheit und Durst als Nebenwirkungen.

Für dich heißt das: Für das häufig eingesetzte Amitriptylin und für eine Langzeitanwendung bei Insomnie fanden sich keine Belege.

Everitt H et al. Cochrane Database Syst Rev. 2018;5(5):CD010753. PMID: 29761479 · DOI: 10.1002/14651858.CD010753.pub2 [Systematischer Review, Cochrane]

Die S3-Leitlinie bewertet Doxepin und Trazodon in der Off-Label-Behandlung als effektiv, rät aber von einer Langzeitbehandlung ab. Eine Zulassung für die Insomnie ohne begleitende depressive Störung haben sie in Deutschland laut Leitlinie nicht. Und in den Verkehrsdaten von Hansen war auch Trazodon, das oft als harmlosere Alternative gilt, mit mehr Unfällen verbunden.

Wenn du ein Antidepressivum wegen einer Depression nimmst

Trazodon, Mirtazapin, Doxepin oder Amitriptylin werden auch zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Wenn du eines davon aus diesem Grund nimmst, ist dieser Abschnitt keine Aussage über deine Behandlung. Auch bei Antidepressiva kann ein abruptes Absetzen eigene Risiken haben, und jede Änderung gehört in die Hand der verordnenden Ärztin oder des verordnenden Arztes. Mehr dazu im Artikel Schlaf und Depression.

Retardiertes Melatonin ab 55 Jahren

RCT, n=354 Ein anderes Wirkprinzip

Ein Team um Wade gab 354 Menschen zwischen 55 und 80 Jahren mit primärer Insomnie drei Wochen lang retardiertes Melatonin oder Placebo.

Der Anteil derer, die gleichzeitig besser schliefen und morgens wacher waren, lag bei 26 gegenüber 15 Prozent. Die Einschlafzeit verkürzte sich um 24,3 gegenüber 12,9 Minuten.

Für dich heißt das: ein kleiner Effekt über kurze Zeit, bei einem Mittel, das nicht an der GABA-Bremse ansetzt.

Wade AG et al. Curr Med Res Opin. 2007;23(10):2597-2605. PMID: 17875243 · DOI: 10.1185/030079907X233098 [RCT]

Laut S3-Leitlinie ist Melatonin in Deutschland für die Kurzzeitbehandlung der Insomnie ab 55 Jahren zugelassen, eine Langzeitbehandlung empfiehlt sie nicht. Die europäische Leitlinie nennt retardiertes Melatonin für bis zu drei Monate ab 55 Jahren, die Netzwerk-Meta-Analyse von De Crescenzo sah für Melatonin insgesamt keinen nennenswerten Nutzen. Mehr im Artikel Melatonin: Wirkung, Dosierung und Mythen.

Orexin-Rezeptor-Antagonisten: eine neuere Wirkstoffklasse

Orexin ist ein Botenstoff, der Wachheit aufrechterhält. Orexin-Rezeptor-Antagonisten blockieren seine Rezeptoren, nehmen also Gas weg, statt die Bremse zu verstärken. Die S3-Leitlinie nennt aus dieser Klasse Daridorexant, das laut Leitlinie 2022 von der EMA zugelassen wurde.

RCT, zwei Phase-III-Studien Daridorexant im Schlaflabor

Ein Team um Mignot testete Daridorexant in zwei Phase-III-Studien mit 930 und 924 Personen über drei Monate, finanziert vom Hersteller Idorsia.

In der höchsten untersuchten Dosis verkürzte sich nach drei Monaten die Wachzeit nach dem Einschlafen um 18,3 Minuten und die Zeit bis zum anhaltenden Schlaf um 11,7 Minuten gegenüber Placebo, die selbst berichtete Gesamtschlafzeit stieg um 19,8 Minuten.

Für dich heißt das: Effekte in der Größenordnung von zehn bis zwanzig Minuten, in der niedrigsten Dosis ohne signifikante Unterschiede bei Wachzeit und Einschlaflatenz.

Mignot E et al. Lancet Neurol. 2022;21(2):125-139. PMID: 35065036 · DOI: 10.1016/S1474-4422(21)00436-1 [RCT, Phase III]

In einer herstellerbeteiligten Verlängerungsstudie um Kunz mit 804 Personen über 40 Wochen traten in der nur siebentägigen Placebophase danach weder Entzugssymptome noch Rebound auf. Zwei Netzwerk-Meta-Analysen widersprechen sich: Yue sah die Klasse bei Wachzeit und Schlafeffizienz vor den Z-Substanzen, De Crescenzo zählte Daridorexant zu den Mitteln mit schlechter Verträglichkeit oder fehlenden Langzeitdaten. Die S3-Leitlinie bewertet die Klasse als effektiv, empfiehlt aber keine Langzeitbehandlung, insbesondere nicht über ein Jahr hinaus. Sie kritisiert außerdem, dass subjektiv erlebte Ein- und Durchschlafstörungen in den Zulassungsstudien nicht zu den primären oder sekundären Endpunkten zählten. Eine Schlaftablette ohne offene Fragen ist also auch diese Klasse nicht.

Pflanzliche Mittel und was nicht empfohlen wird

Leitlinienposition: Laut S3-Leitlinie sollte eine Behandlung der Insomnie mit Phytopharmaka nicht empfohlen werden. Baldrian zeigte allenfalls eine geringe Überlegenheit gegenüber Placebo, bei niedriger Studienqualität. Die europäische Leitlinie empfiehlt Phytotherapeutika ebenfalls nicht, ebenso wenig Antihistaminika, Antipsychotika, schnell freisetzendes Melatonin und Ramelteon. Mehr dazu in den Artikeln Natürliche und pflanzliche Schlafmittel und Baldrian und Passionsblume.

Reframe

Es gibt kein Schlafmittel ohne Kompromiss, weder in der Apotheke noch im Kräuterregal. Die hilfreichere Frage ist nicht, welches Mittel das beste ist, sondern welche Behandlung zu deiner Situation passt. Und die erste Antwort der deutschen und der europäischen Leitlinie darauf ist keine Tablette.

Und jetzt weißt du, warum die Suche nach der perfekten Ersatztablette oft an der falschen Stelle beginnt.

Hinter die Schlaflosigkeit schauen und das Gespräch vorbereiten

Eine Schlaftablette beantwortet eine Frage: Wie komme ich heute Nacht zur Ruhe? Eine andere Frage bleibt dabei oft liegen: Warum ist mein Schlaf überhaupt gekippt?

Diese zweite Frage ersetzt kein Ausschleichen und keine KVT-I, aber sie gehört dazu. Laut S3-Leitlinie ist KVT-I auch bei Schlaflosigkeit mit Begleiterkrankungen die erste Option, und Begleiterkrankungen verdienen ihre eigene Behandlung.

Ursachen, die eine Tablette überdecken kann

Die ganze Ursachen-Landkarte steht im Überblicksartikel Schlafstörungen ganzheitlich behandeln.

Wenn zur Schlaflosigkeit Hoffnungslosigkeit kommt

Wenn zu wochenlanger Schlaflosigkeit Hoffnungslosigkeit, deutliche Antriebslosigkeit oder Gedanken kommen, nicht mehr leben zu wollen, ist das kein Schlafthema mehr, sondern ein Grund, sofort Hilfe zu holen. Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, rund um die Uhr und kostenfrei. In akuter Gefahr 112 oder die nächste psychiatrische Klinik oder Notaufnahme.

Klinisch beobachte ich

Wenn Menschen mit langjähriger Schlafmitteleinnahme zu mir kommen, interessiert mich zuerst, wann und warum der Schlaf gekippt ist. Aus Sicht der Klinischen Psychoneuroimmunologie schaue ich auf Nervensystem und Stressachse, Hormone, Eisen und Schilddrüse sowie den Rhythmus aus Licht, Bewegung, Koffein und Alkohol. Manchmal findet sich ein Faktor, der zusätzlich angegangen werden kann. Das ist eine Beobachtung aus meiner Sprechstunde, kein Studienergebnis, und es ergänzt ein ärztlich begleitetes Ausschleichen und eine KVT-I, statt sie zu ersetzen.

Fragen für dein Gespräch

In der EMPOWER-Studie suchten gut informierte Menschen das Gespräch über ihre Schlafmittel deutlich häufiger. Die folgenden Fragen sind als Gesprächsleitfaden gedacht, nicht als Anleitung.

Zum Mitnehmen in den nächsten Termin

  • Wie lange und wie regelmäßig nehme ich mein Schlafmittel, und ist eine körperliche Gewöhnung wahrscheinlich?
  • Wie könnte ein langsames Tempo für mich aussehen, und wer begleitet mich dabei?
  • Gibt es KVT-I für mich, in Präsenz oder digital?
  • Was tue ich, wenn die ersten Nächte schlechter werden, und wen kann ich dann erreichen?
  • Bei welchen Warnzeichen hole ich sofort Hilfe?
  • Nehme ich andere dämpfende Mittel, und wie ist es mit Alkohol?
  • Ist eine Ursache meiner Schlaflosigkeit noch nicht abgeklärt?
  • Für Angehörige älterer Menschen: Wie hoch ist das Sturzrisiko, und was lässt sich nachts sicherer machen?
Worum es am Ende geht

Guter Schlaf ist kein Luxus, sondern die Grundlage dafür, dass du tagsüber du selbst sein kannst. Ein begleiteter Ausstieg ist kein Verzicht auf Schlaf, sondern ein möglicher Weg zu einem Schlaf, der sich wieder wie deiner anfühlen kann.

Reframe

Du musst heute nichts entscheiden. Du kannst heute eine Frage stellen.

Wer sein Schlafmittel seit Jahren nimmt und darüber sprechen möchte, ist nicht spät dran. In der Studie von Morin lag die Einnahme im Mittel bei 19,3 Jahren.

Und jetzt weißt du, warum der Weg aus der Tablette nicht über einen mutigen Abend führt, sondern über ein gut vorbereitetes Gespräch.

Häufige Fragen zu Schlaftabletten und dem Absetzen

Kann ich Schlaftabletten einfach absetzen?

Nach längerer, regelmäßiger Einnahme bitte nicht abrupt. Laut Fachinformation ist das Risiko von Entzugs- und Absetzerscheinungen nach plötzlichem Beenden höher, besonders nach längerer Behandlung, und in schweren Fällen sind Halluzinationen, Delirium oder epileptische Anfälle beschrieben. Die Fachinformationen empfehlen deshalb, die Behandlung schrittweise zu beenden. Wie das Tempo aussieht, entscheidest du gemeinsam mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt.

Welche Symptome können beim Absetzen von Schlaftabletten auftreten?

Häufig ist eine vorübergehend verstärkte Schlaflosigkeit, die Rebound-Insomnie, dazu können Unruhe und Angst kommen. Nach körperlicher Abhängigkeit beschreibt die Fachinformation von Zolpidem in schweren Fällen Realitätsverlust, Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen, Halluzinationen, Delirium oder epileptische Anfälle. Ein Krampfanfall, akute Verwirrtheit oder Halluzinationen sind ein Notfall, dann gilt 112.

Wie lange dauert es, Zolpidem abzusetzen?

Dafür gibt es keine feste Dauer und keine seriöse Faustregel. Das Tempo hängt davon ab, wie lange und wie regelmäßig eingenommen wurde, von Alter und Begleiterkrankungen, und es wird individuell ärztlich geplant. Als Literaturangabe, nicht als Maßstab: In einer Studie mit älteren Langzeitanwendern von Benzodiazepinen, die ein zehnwöchiges, fachlich begleitetes Studienprogramm durchliefen, waren 63 Prozent innerhalb von durchschnittlich sieben Wochen tablettenfrei. Das ist ein Studienergebnis und keine Zeitvorgabe, dein eigenes Tempo kann deutlich anders aussehen.

Ist Zopiclon absetzen anders als Zolpidem absetzen?

Beide setzen am selben Rezeptorkomplex an, unterscheiden sich aber in der Halbwertszeit: laut S3-Leitlinie 2 bis 4 Stunden für Zolpidem und 5 bis 6 Stunden für Zopiclon. Zopiclon hat unter den Z-Substanzen die größte Restwirkung. Für beide empfehlen die Fachinformationen, die Behandlung schrittweise zu beenden, und für beide wird das Vorgehen ärztlich geplant.

Was ist Rebound-Insomnie und wie lange hält sie an?

Nach dem Beenden eines Schlafmittels kann die ursprüngliche Schlaflosigkeit vorübergehend in verstärkter Form zurückkehren. In Schlaflaborstudien war das in der ersten Absetznacht messbar, unter Triazolam ausgeprägt, unter Zolpidem mild. Zur Dauer nach Langzeiteinnahme gibt es wenig belastbare Daten. Eine schlechte erste Nacht ist deshalb kein Beweis, dass es ohne Tablette dauerhaft nicht geht, und ein Grund mehr, einen Ausstieg ärztlich begleiten zu lassen.

Wie schnell machen Z-Substanzen abhängig?

Eine feste Zeitgrenze gibt es nicht. Laut Fachinformation kann die Wirksamkeit nach wiederholter Einnahme über wenige Wochen nachlassen, und das Abhängigkeitsrisiko steigt mit Dosis und Dauer. Körperliche Abhängigkeit ist auch in therapeutischen Dosen möglich. Deshalb begrenzen die Fachinformationen die Behandlung einschließlich der schrittweisen Absetzphase auf vier Wochen.

Sind Z-Substanzen sicherer als Benzodiazepine?

Nach den vorliegenden Daten nicht grundsätzlich. Beide setzen am selben Rezeptor an. In einer Meta-Analyse lag das relative Risiko für Hüftfrakturen bei 1,52 unter Benzodiazepinen und bei 1,90 unter Z-Substanzen, die Autorinnen und Autoren sahen wenig Unterschied. Die Beers-Kriterien empfehlen für Menschen ab 65 Jahren, beide Gruppen zu vermeiden, und europäische Meldedaten enthalten Tausende Berichte zu Abhängigkeit und Entzug unter Z-Substanzen.

Was bringen Schlaftabletten überhaupt?

Kurzfristig messbar etwas, aber weniger, als viele erwarten. In den FDA-Zulassungsstudien verkürzten Z-Substanzen die gemessene Einschlafzeit um 22 Minuten gegenüber Placebo. Bei Menschen ab 60 Jahren stieg die Gesamtschlafzeit im Mittel um 25,2 Minuten, bei 4,78-mal so häufigen kognitiven Nebenwirkungen. Die S3-Leitlinie bewertet diese Mittel bis vier Wochen als effektiv, für die Langzeitanwendung fehlen belastbare Daten.

Warum fühle ich mich mit Tablette viel besser, als die Studien sagen?

Erstens ist die Placeboantwort ein eigener Baustein der erlebten Besserung. Zweitens liegen geschätzte und gemessene Werte oft auseinander: Bei Benzodiazepinen verkürzte sich die gemessene Einschlafzeit um nicht signifikante 4,2 Minuten, die geschätzte um 14,3 Minuten. Drittens kann ein Schlafmittel die Wahrnehmung verändern: In einer kleinen Studie gaben Menschen unter Zolpidem bei 54,7 Prozent der Weckungen an, geschlafen zu haben, unter Placebo bei 30,9 Prozent.

Können Schlaftabletten Demenz verursachen?

Das ist nicht belegt, aber auch nicht sicher ausgeschlossen. Eine Fall-Kontroll-Studie fand für Benzodiazepine einen Zusammenhang mit Alzheimer (Odds Ratio 1,51), eine prospektive Kohortenstudie fand kein mit der Einnahmemenge steigendes Risiko, und eine dänische Registerstudie mit 235.465 Menschen, die auch Z-Substanzen einschloss, fand keinen Zusammenhang. Alle drei sind Beobachtungsdaten, und Schlafstörungen können selbst ein frühes Zeichen einer Demenz sein. Gut belegt sind dagegen akute Effekte wie Verwirrtheit und Gedächtnislücken.

Was sind komplexe Schlafverhaltensweisen, und warum warnt die FDA davor?

Gemeint sind Handlungen im Schlaf ohne spätere Erinnerung, etwa Schlafwandeln, Autofahren oder Essen. Eine FDA-Auswertung fand 66 Fälle mit schweren Folgen, darunter 20 Todesfälle. Die FDA ergänzte 2019 eine Boxed Warning und eine Gegenanzeige nach früherer Episode, und auch in Deutschland ist ein solches Verhalten laut Fachinformation eine Gegenanzeige. Alkohol scheint das Risiko zu erhöhen. Eine solche Episode gehört zeitnah ärztlich besprochen.

Kann kognitive Verhaltenstherapie beim Absetzen von Schlaftabletten unterstützen?

In mehreren randomisierten Studien waren mit KVT-I mehr Menschen tablettenfrei als mit Ausschleichen allein, etwa nach zwölf Monaten 70 gegenüber 24 Prozent. Ein Cochrane-Review sah den Vorteil kurzfristig, nach sechs Monaten nicht mehr, und eine niederländische Hausarztstudie fand keinen Zusatznutzen von Gruppen-KVT. Die Absetz-Leitlinie von 2025 empfiehlt, Verhaltensinterventionen wie KVT-I begleitend anzubieten.

Gibt es Alternativen zu Schlaftabletten, die nicht abhängig machen?

An erster Stelle steht nach der deutschen und der europäischen Leitlinie die KVT-I. Melatonin ist laut S3-Leitlinie für die Kurzzeitbehandlung ab 55 Jahren zugelassen. Für Daridorexant traten in einer herstellerbeteiligten Studie in der kurzen Placebophase danach weder Entzug noch Rebound auf, eine Langzeitbehandlung empfiehlt die Leitlinie trotzdem nicht. Pflanzliche Mittel empfiehlt sie nicht. Jede medikamentöse Alternative gehört ärztlich abgewogen.

Darf ich unter Schlaftabletten Auto fahren?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten und gehört ärztlich geklärt. In Norwegen war das Unfallrisiko in der Woche nach Abgabe eines Rezepts für Zopiclon und Zolpidem erhöht, mit einem standardisierten Inzidenzverhältnis von 2,3. Für Zolpidem nennt die Fachinformation ein erhöhtes Risiko, wenn zwischen Einnahme und Tätigkeiten mit erhöhtem Aufmerksamkeitsbedarf weniger als 8 Stunden liegen, die Fachinformation von Zopiclon nennt für den Abstand zum Autofahren mindestens 12 Stunden. Wer sich morgens benommen fühlt, sollte nicht fahren.

Wo das Thema Schlafmittel an andere Fragen andockt

Schlafmittel sind selten das ganze Thema. Dahinter stehen Fragen nach Ursachen, Lebensphasen und dem Nervensystem. Diese Artikel führen von hier aus weiter.

Wenn du die erste Wahl verstehen willst
CBT-I und Schlafrestriktion

Wie kognitive Verhaltenstherapie bei chronischer Insomnie aufgebaut ist und warum Leitlinien sie an die erste Stelle setzen.

Wenn du die ganze Landkarte sehen willst
Schlafstörungen ganzheitlich behandeln

Der Überblick über mögliche Ursachen, von dem aus alle Artikel im Ratgeber Schlaf abzweigen.

Wenn Eltern oder Großeltern Schlafmittel nehmen
Schlafstörungen im Alter

Was sich am Schlaf mit den Jahren verändert, was davon normal ist und worauf im Alter besonders zu achten ist.

Wenn Melatonin im Gespräch ist
Melatonin: Wirkung, Dosierung und Mythen

Was das Hormon der Dunkelheit leisten kann, für wen die Datenlage spricht und welche Erwartungen zu hoch sind.

Wenn du pflanzliche Mittel einordnen willst
Natürliche und pflanzliche Schlafmittel

Was pflanzliche Schlafmittel nach der Studienlage leisten können und wo ihre Grenzen liegen.

Wenn du schnarchst oder tagsüber einnickst
Schlafapnoe erkennen

Symptome, Diagnostik und Behandlung nächtlicher Atemaussetzer, die hinter unruhigem Schlaf stecken können.

Wenn die Stimmung mit dem Schlaf sinkt
Schlaf und Depression

Wie Schlaflosigkeit und Depression sich gegenseitig verstärken können und warum beides ernst genommen gehört.

Wenn du nachts ohne erkennbaren Grund aufwachst
Eisenmangel und Schilddrüse als Schlafräuber

Ferritin, TSH und nächtliches Erwachen: zwei Laborfragen, die bei Schlafproblemen einen Blick wert sein können.

Wenn der Schlaf mit den Wechseljahren kippt
Wechseljahre und Schlafstörungen

Östrogen, Progesteron und Hitzewallungen als mögliche Schlafstörer, und was dabei zur Sprache kommen kann.

Wenn du um drei Uhr hellwach bist
Nachts um 3 Uhr wach

Cortisol, Stressachse und was vom Organuhr-Gedanken nach der Datenlage übrig bleibt.

Wenn Erschöpfung und Schlaflosigkeit zusammenkommen
Burnout und Schlafstörungen

Wie Dauerbelastung und schlechter Schlaf einander verstärken können, aus dem Ratgeber Burnout.

Wenn der Abend innerlich laut ist
Atemtechniken für das Nervensystem

Wie ruhige Atmung das Nervensystem beeinflussen kann, als Ergänzung und nicht als Ersatz für ärztliche Begleitung.

SJ

Shukri Jarmoukli

Arzt, Integrative Medizin · ViveCura Berlin

Ich arbeite in meiner Privatpraxis an der Schnittstelle von klassischer Medizin, funktioneller Medizin und Klinischer Psychoneuroimmunologie. Bei Schlafproblemen interessiert mich neben der Frage, wie jemand heute Nacht zur Ruhe kommt, vor allem, warum der Schlaf überhaupt aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Zu Schlafmitteln habe ich eine klare, aber keine dogmatische Haltung. In einer Krise können sie eine Brücke sein, über Monate und Jahre wachsen die Fragen. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung und ist ausdrücklich keine Anleitung, ein Medikament abzusetzen, zu reduzieren oder umzustellen. Er ist als Vorbereitung für dein nächstes ärztliches Gespräch gedacht.

ViveCura, Privatpraxis Shukri Jarmoukli, Skalitzer Straße 137, 10999 Berlin

Wissenschaftliche Quellen

  1. Gunja N. The clinical and forensic toxicology of Z-drugs. J Med Toxicol. 2013;9(2):155-162. PMID: 23404347 · DOI: 10.1007/s13181-013-0292-0 [Übersichtsarbeit]
  2. Tan KR, Brown M, Labouèbe G, et al. Neural bases for addictive properties of benzodiazepines. Nature. 2010;463(7282):769-774. PMID: 20148031 · DOI: 10.1038/nature08758 [In vivo, Tierstudie Maus]
  3. Huedo-Medina TB, Kirsch I, Middlemass J, Klonizakis M, Siriwardena AN. Effectiveness of non-benzodiazepine hypnotics in treatment of adult insomnia: meta-analysis of data submitted to the Food and Drug Administration. BMJ. 2012;345:e8343. PMID: 23248080 · DOI: 10.1136/bmj.e8343 [Meta-Analyse, 13 Studien, n=4378]
  4. Holbrook AM, Crowther R, Lotter A, Cheng C, King D. Meta-analysis of benzodiazepine use in the treatment of insomnia. CMAJ. 2000;162(2):225-233. PMID: 10674059 [Meta-Analyse, 45 RCTs]
  5. Glass J, Lanctôt KL, Herrmann N, Sproule BA, Busto UE. Sedative hypnotics in older people with insomnia: meta-analysis of risks and benefits. BMJ. 2005;331(7526):1169. PMID: 16284208 · DOI: 10.1136/bmj.38623.768588.47 [Meta-Analyse, 24 RCTs]
  6. De Crescenzo F, D'Alò GL, Ostinelli EG, et al. Comparative effects of pharmacological interventions for the acute and long-term management of insomnia disorder in adults: a systematic review and network meta-analysis. Lancet. 2022;400(10347):170-184. PMID: 35843245 · DOI: 10.1016/S0140-6736(22)00878-9 [Meta-Analyse, Netzwerk-Meta-Analyse]
  7. Mendelson WB. Effects of flurazepam and zolpidem on the perception of sleep in insomniacs. Sleep. 1995;18(2):92-96. PMID: 7792498 · DOI: 10.1093/sleep/18.2.92 [RCT, Crossover, n=10]
  8. Soldatos CR, Dikeos DG, Whitehead A. Tolerance and rebound insomnia with rapidly eliminated hypnotics: a meta-analysis of sleep laboratory studies. Int Clin Psychopharmacol. 1999;14(5):287-303. PMID: 10529072 [Meta-Analyse, Schlaflaborstudien]
  9. Schifano F, Chiappini S, Corkery JM, Guirguis A. An Insight into Z-Drug Abuse and Dependence: An Examination of Reports to the European Medicines Agency Database of Suspected Adverse Drug Reactions. Int J Neuropsychopharmacol. 2019;22(4):270-277. PMID: 30722037 · DOI: 10.1093/ijnp/pyz007 [Real-World, Pharmakovigilanz-Registerstudie]
  10. Wisłowska-Stanek A, Jarkiewicz M, Mirowska-Guzel D. Rebound effect, discontinuation, and withdrawal syndromes associated with drugs used in psychiatric and neurological disorders. Pharmacol Rep. 2025;77(2):303-314. PMID: 39710834 · DOI: 10.1007/s43440-024-00689-z [Übersichtsarbeit]
  11. Treves N, Perlman A, Kolenberg Geron L, Asaly A, Matok I. Z-drugs and risk for falls and fractures in older adults-a systematic review and meta-analysis. Age Ageing. 2018;47(2):201-208. PMID: 29077902 · DOI: 10.1093/ageing/afx167 [Meta-Analyse, Beobachtungsstudien]
  12. Donnelly K, Bracchi R, Hewitt J, Routledge PA, Carter B. Benzodiazepines, Z-drugs and the risk of hip fracture: A systematic review and meta-analysis. PLoS One. 2017;12(4):e0174730. PMID: 28448593 · DOI: 10.1371/journal.pone.0174730 [Meta-Analyse, Beobachtungsstudien]
  13. Richardson K, Loke YK, Fox C, et al. Adverse effects of Z-drugs for sleep disturbance in people living with dementia: a population-based cohort study. BMC Med. 2020;18(1):351. PMID: 33228664 · DOI: 10.1186/s12916-020-01821-5 [Kohorte, Registerdaten, n=27.090]
  14. Gustavsen I, Bramness JG, Skurtveit S, et al. Road traffic accident risk related to prescriptions of the hypnotics zopiclone, zolpidem, flunitrazepam and nitrazepam. Sleep Med. 2008;9(8):818-822. PMID: 18226959 · DOI: 10.1016/j.sleep.2007.11.011 [Kohorte, Registerstudie Norwegen]
  15. Hansen RN, Boudreau DM, Ebel BE, Grossman DC, Sullivan SD. Sedative Hypnotic Medication Use and the Risk of Motor Vehicle Crash. Am J Public Health. 2015;105(8):e64-e69. PMID: 26066943 · DOI: 10.2105/AJPH.2015.302723 [Kohorte, n=409.171]
  16. Harbourt K, Nevo ON, Zhang R, Chan V, Croteau D. Association of eszopiclone, zaleplon, or zolpidem with complex sleep behaviors resulting in serious injuries, including death. Pharmacoepidemiol Drug Saf. 2020;29(6):684-691. PMID: 32323442 · DOI: 10.1002/pds.5004 [Case Series, Pharmakovigilanz-Fallserie FDA]
  17. Stranks EK, Crowe SF. The acute cognitive effects of zopiclone, zolpidem, zaleplon, and eszopiclone: a systematic review and meta-analysis. J Clin Exp Neuropsychol. 2014;36(7):691-700. PMID: 24931450 · DOI: 10.1080/13803395.2014.928268 [Meta-Analyse, 20 Studien]
  18. Billioti de Gage S, Moride Y, Ducruet T, et al. Benzodiazepine use and risk of Alzheimer's disease: case-control study. BMJ. 2014;349:g5205. PMID: 25208536 · DOI: 10.1136/bmj.g5205 [Case-Control, Fall-Kontroll-Studie]
  19. Gray SL, Dublin S, Yu O, et al. Benzodiazepine use and risk of incident dementia or cognitive decline: prospective population based study. BMJ. 2016;352:i90. PMID: 26837813 · DOI: 10.1136/bmj.i90 [Kohorte, prospektiv, n=3434]
  20. Osler M, Jørgensen MB. Associations of Benzodiazepines, Z-Drugs, and Other Anxiolytics With Subsequent Dementia in Patients With Affective Disorders: A Nationwide Cohort and Nested Case-Control Study. Am J Psychiatry. 2020;177(6):497-505. PMID: 32252539 · DOI: 10.1176/appi.ajp.2019.19030315 [Kohorte, Register, n=235.465]
  21. Morin CM, Bastien C, Guay B, et al. Randomized clinical trial of supervised tapering and cognitive behavior therapy to facilitate benzodiazepine discontinuation in older adults with chronic insomnia. Am J Psychiatry. 2004;161(2):332-342. PMID: 14754783 · DOI: 10.1176/appi.ajp.161.2.332 [RCT, n=76]
  22. Baillargeon L, Landreville P, Verreault R, et al. Discontinuation of benzodiazepines among older insomniac adults treated with cognitive-behavioural therapy combined with gradual tapering: a randomized trial. CMAJ. 2003;169(10):1015-1020. PMID: 14609970 [RCT, n=65]
  23. Voshaar RC, Gorgels WJ, Mol AJ, et al. Tapering off long-term benzodiazepine use with or without group cognitive-behavioural therapy: three-condition, randomised controlled trial. Br J Psychiatry. 2003;182:498-504. PMID: 12777340 · DOI: 10.1192/bjp.182.6.498 [RCT, n=180]
  24. Parr JM, Kavanagh DJ, Cahill L, Mitchell G, McD Young R. Effectiveness of current treatment approaches for benzodiazepine discontinuation: a meta-analysis. Addiction. 2009;104(1):13-24. PMID: 18983627 · DOI: 10.1111/j.1360-0443.2008.02364.x [Meta-Analyse]
  25. Darker CD, Sweeney BP, Barry JM, Farrell MF, Donnelly-Swift E. Psychosocial interventions for benzodiazepine harmful use, abuse or dependence. Cochrane Database Syst Rev. 2015;2015(5):CD009652. PMID: 26106751 · DOI: 10.1002/14651858.CD009652.pub2 [Systematischer Review, Cochrane, 25 RCTs]
  26. Tannenbaum C, Martin P, Tamblyn R, Benedetti A, Ahmed S. Reduction of inappropriate benzodiazepine prescriptions among older adults through direct patient education: the EMPOWER cluster randomized trial. JAMA Intern Med. 2014;174(6):890-898. PMID: 24733354 · DOI: 10.1001/jamainternmed.2014.949 [RCT, Cluster-randomisiert, n=303]
  27. Lähteenmäki R, Neuvonen PJ, Puustinen J, et al. Withdrawal from long-term use of zopiclone, zolpidem and temazepam may improve perceived sleep and quality of life in older adults with primary insomnia. Basic Clin Pharmacol Toxicol. 2019;124(3):330-340. PMID: 30295409 · DOI: 10.1111/bcpt.13144 [RCT, Sekundäranalyse, n=92]
  28. Baandrup L, Ebdrup BH, Rasmussen JØ, et al. Pharmacological interventions for benzodiazepine discontinuation in chronic benzodiazepine users. Cochrane Database Syst Rev. 2018;3(3):CD011481. PMID: 29543325 · DOI: 10.1002/14651858.CD011481.pub2 [Systematischer Review, Cochrane, 38 RCTs]
  29. Garfinkel D, Zisapel N, Wainstein J, Laudon M. Facilitation of benzodiazepine discontinuation by melatonin: a new clinical approach. Arch Intern Med. 1999;159(20):2456-2460. PMID: 10665894 · DOI: 10.1001/archinte.159.20.2456 [RCT, n=34]
  30. Vissers FH, Knipschild PG, Crebolder HF. Is melatonin helpful in stopping the long-term use of hypnotics? A discontinuation trial. Pharm World Sci. 2007;29(6):641-646. PMID: 17610043 · DOI: 10.1007/s11096-007-9118-y [RCT, n=38]
  31. Baandrup L, Lindschou J, Winkel P, Gluud C, Glenthoj BY. Prolonged-release melatonin versus placebo for benzodiazepine discontinuation in patients with schizophrenia or bipolar disorder: A randomised, placebo-controlled, blinded trial. World J Biol Psychiatry. 2016;17(7):514-524. PMID: 26086792 · DOI: 10.3109/15622975.2015.1048725 [RCT, n=86]
  32. Everitt H, Baldwin DS, Stuart B, et al. Antidepressants for insomnia in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2018;5(5):CD010753. PMID: 29761479 · DOI: 10.1002/14651858.CD010753.pub2 [Systematischer Review, Cochrane, 23 RCTs]
  33. Wade AG, Ford I, Crawford G, et al. Efficacy of prolonged release melatonin in insomnia patients aged 55-80 years: quality of sleep and next-day alertness outcomes. Curr Med Res Opin. 2007;23(10):2597-2605. PMID: 17875243 · DOI: 10.1185/030079907X233098 [RCT, n=354]
  34. Mignot E, Mayleben D, Fietze I, et al. Safety and efficacy of daridorexant in patients with insomnia disorder: results from two multicentre, randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trials. Lancet Neurol. 2022;21(2):125-139. PMID: 35065036 · DOI: 10.1016/S1474-4422(21)00436-1 [RCT, Phase III, herstellerfinanziert]
  35. Kunz D, Dauvilliers Y, Benes H, et al. Long-Term Safety and Tolerability of Daridorexant in Patients with Insomnia Disorder. CNS Drugs. 2023;37(1):93-106. PMID: 36484969 · DOI: 10.1007/s40263-022-00980-8 [RCT, Verlängerungsstudie, Herstellerbeteiligung]
  36. Yue JL, Chang XW, Zheng JW, et al. Efficacy and tolerability of pharmacological treatments for insomnia in adults: A systematic review and network meta-analysis. Sleep Med Rev. 2023;68:101746. PMID: 36701954 · DOI: 10.1016/j.smrv.2023.101746 [Meta-Analyse, Netzwerk-Meta-Analyse]
  37. Spiegelhalder K, Baum E, Becker M, et al. Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“, Update 2025 (AWMF-Registernummer 063-003), Version 2.0. Somnologie. 2025;29(4):240-277. DOI: 10.1007/s11818-025-00530-6 [Leitlinie, S3]
  38. Riemann D, Espie CA, Altena E, et al. The European Insomnia Guideline: An update on the diagnosis and treatment of insomnia 2023. J Sleep Res. 2023;32(6):e14035. PMID: 38016484 · DOI: 10.1111/jsr.14035 [Leitlinie]
  39. Sateia MJ, Buysse DJ, Krystal AD, Neubauer DN, Heald JL. Clinical Practice Guideline for the Pharmacologic Treatment of Chronic Insomnia in Adults: An American Academy of Sleep Medicine Clinical Practice Guideline. J Clin Sleep Med. 2017;13(2):307-349. PMID: 27998379 · DOI: 10.5664/jcsm.6470 [Leitlinie]
  40. 2023 American Geriatrics Society Beers Criteria Update Expert Panel. American Geriatrics Society 2023 updated AGS Beers Criteria for potentially inappropriate medication use in older adults. J Am Geriatr Soc. 2023;71(7):2052-2081. PMID: 37139824 · DOI: 10.1111/jgs.18372 [Leitlinie, Expertenkonsens]
  41. Brunner E, Chen CA, Klein T, et al. Joint Clinical Practice Guideline on Benzodiazepine Tapering: Considerations When Risks Outweigh Benefits. J Gen Intern Med. 2025;40(12):2814-2859. PMID: 40526204 · DOI: 10.1007/s11606-025-09499-2 [Leitlinie]
  42. Palagini L, Brugnoli R, Dell' Osso BM, et al. Clinical practice guidelines for switching or deprescribing hypnotic medications for chronic insomnia: Results of European neuropsychopharmacology and sleep expert's consensus group. Sleep Med. 2025;128:117-126. PMID: 39923608 · DOI: 10.1016/j.sleep.2025.01.033 [Consensus Guideline, Expertenkonsens]

Fachinformationen, nicht als Studien gezählt

  • Fachinformation Zolpidem-ratiopharm® Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand Februar 2024, Version 3. Abgerufen über fachinfo.de. [Fachinformation]
  • Fachinformation Zopiclon-ratiopharm® Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand Juni 2024, Version 8. Abgerufen über fachinfo.de. [Fachinformation]
Transparenz zur Evidenz: wo die Datenlage dünn ist
  1. Die Risikodaten stammen überwiegend aus Beobachtungsstudien. Das gilt für Stürze, Knochenbrüche, Verkehrsunfälle und die Demenz-Frage. Sie zeigen Zusammenhänge, keine bewiesenen Ursachen, und Menschen mit Schlafmitteln unterscheiden sich oft in Gesundheit, Alter und Belastung von Menschen ohne.
  2. Die Studien zum Ausschleichen betreffen überwiegend Benzodiazepine und häufig ältere Menschen. Dass sich die Ergebnisse auf Z-Substanzen übertragen lassen, ist wegen des gemeinsamen Rezeptors plausibel, aber nicht in gleichem Umfang belegt. Die Studie um Lähteenmäki schloss Zopiclon und Zolpidem direkt ein, ist aber eine Sekundäranalyse mit nach Erfolg gebildeten Gruppen.
  3. Einzelne Befunde beruhen auf sehr kleinen oder nicht menschlichen Daten. Die Wahrnehmungsstudie um Mendelson umfasste zehn Personen, die Arbeit um Tan zum Belohnungssystem ist eine Tierstudie an Mäusen.
  4. Die Daten zu Daridorexant stammen aus herstellerfinanzierten beziehungsweise herstellerbeteiligten Studien. Die Placebophase nach der Verlängerungsstudie dauerte sieben Tage, und zwei Netzwerk-Meta-Analysen bewerten die Verträglichkeit unterschiedlich.
  5. Melatonin als Absetzhilfe ist gemischt belegt. Einer kleinen positiven Studie stehen drei Studien ohne Vorteil gegenüber. Das Expertengremium um Palagini ist optimistischer. Die weiteren Wirkstoffe, die das Gremium als mögliche Unterstützung nennt, stehen hier bewusst nicht, weil eine Umstellung eine ärztliche Entscheidung ist.
  6. Zur Dauer der Rebound-Insomnie nach Langzeiteinnahme habe ich keine belastbaren Zahlen gefunden. Belegt ist die erste Absetznacht in überwiegend kurzen Schlaflaborstudien.
  7. Für GABA-Kapseln oder L-Theanin als Absetzhilfe fand sich in der Recherche keine verifizierte Studie. Das ist eine Feststellung zum Recherchestand, kein Urteil über jeden einzelnen Menschen.
  8. Die Beers-Kriterien und die AASM-Leitlinie wurden für die USA entwickelt. Sie sind hier zur Einordnung zitiert und nicht mit der deutschen Versorgungs- und Zulassungslage gleichzusetzen.
  9. Zulassungs- und Erstattungsaussagen zu Melatonin ab 55 Jahren, zu Daridorexant, zu Doxepin und Trazodon und zu Eszopiclon folgen der S3-Leitlinie Insomnie, Stand 2025. Die Fachinformationen sind anhand je eines Präparats zitiert, der Wortlaut kann zwischen Herstellern leicht abweichen.
  10. Zur Quellenzählung im Kopf des Artikels: Gezählt sind 42 Studien, Leitlinien und Konsenspapiere mit PMID oder DOI. Drei davon haben keine DOI (Holbrook, Soldatos, Baillargeon), die S3-Leitlinie hat keine PMID. Die zwei Fachinformationen sind nicht mitgezählt.
  11. Was hier bewusst nicht steht. Kein Ausschleichschema, keine Reduktionsschritte, keine Prozentangaben pro Woche, keine Dosierungen und kein Rat, ein Schlafmittel abzusetzen, zu reduzieren oder durch ein anderes Mittel zu ersetzen. Das gilt auch für Antidepressiva. Aus keinem Absatz folgt, dass eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung aufgeschoben oder ersetzt werden sollte. Was ich aus meiner Sprechstunde beschreibe, ist als Beobachtung gekennzeichnet und kein Studienergebnis.

Haben Sie Fragen oder möchten einen Termin?

Wir beraten Sie gerne persönlich in unserer Praxis.

Termin vereinbaren