Ratgeber Heilpflanzen · Erkältung im Faktencheck

Echinacea, Holunder, Pelargonium: Welche Pflanzen bei Erkältung in Studien bestehen

Sonnenhut, Holunder und Kapland-Pelargonie gehören zu den beliebtesten pflanzlichen Mitteln gegen Erkältung. Die Studien zeigen eher kleine Effekte auf Dauer und Beschwerden, teils widersprüchliche Ergebnisse und große Unterschiede zwischen den Präparaten. Hier ordne ich alle drei nebeneinander ein, mit ihren Grenzen und einer klaren Linie zur echten Grippe.

Sonnenhut Holunder Kapland-Pelargonie Erkältung oder Grippe Leberwarnhinweis Schlaf, Vitamin D, Zink
Shukri Jarmoukli · Arzt, Integrative Medizin · ViveCura Berlin
Mein Ausgangspunkt

Eine Erkältung ist lästig, aber meist harmlos. Gerade deshalb zieht sie große Versprechen an. Ich möchte, dass du weißt, was ein Mittel leisten kann, bevor du ihm deine Hoffnung schenkst.

Es ist November. Draußen nieselt es seit Tagen, im Büro schnieft die halbe Abteilung. Und eines Abends kratzt es im Hals.

Eine Szene, die du kennst

Ein Regal voller Abwehrkräfte

Am nächsten Morgen stehst du in der Apotheke. Vor dir ein Regal voller Säfte, Tropfen, Lutschtabletten und Tees. Sonnenhut, Holunder, Pelargonie, Zink.

Fast jede Packung will die Abwehr stärken. Du greifst zu, weil du morgen funktionieren musst. Drei Tage später geht es dir besser, und das Fläschchen bekommt den Applaus.

Ein Besserwerden nach der Einnahme ist zunächst nur ein zeitlicher Zusammenhang. Eine Kausalität beweist es nicht.

Eine Erkältung klingt meist von selbst ab, mit oder ohne Fläschchen. Genau deshalb braucht es Studien mit Vergleichsgruppe, wenn du wissen willst, was ein Mittel selbst beiträgt.

Pflanzliche Mittel gegen Erkältung sind beliebt, und das verstehe ich gut. Sie fühlen sich sanft an, vertraut und ein Stück selbstbestimmt. Die Frage ist nur: Welche halten einer ehrlichen Prüfung stand?

Der Ausgangspunkt ist ernüchternd. Eine Cochrane-Übersicht von 2024 hält fest, dass es bislang keine etablierte Maßnahme gibt, die Erkältungen verhindert oder ihre Dauer verkürzt. Jedes Mittel startet also bei null und muss sich beweisen.

Was dich hier erwartet

  • Was bei einer Erkältung in deinem Körper passiert
  • Erkältung oder Grippe: wo die Grenze verläuft
  • Echinacea: ein Familienname, kein Wirkstoff
  • Holunder: Blüte und Beere sind zwei Arzneien
  • Kapland-Pelargonie: Studien und Leberwarnhinweis
  • Alle drei im direkten Vergleich
  • Schlaf, Stress, Vitamin D und Zink
  • Drei Hebel für deinen nächsten Infekt
10 bis 20 %mögliche relative Risikominderung durch Echinacea in einer nachträglichen Bündelung von Präventionsstudien
57 statt 117Erkältungstage mit Holunderextrakt statt Placebo bei 312 Flugreisenden
über 4-fachhöhere Chance auf eine Erkältung bei unter sechs Stunden Schlaf, verglichen mit über sieben Stunden
Evidenz-Marker: Klinische Studie oder Meta-Analyse Beobachtung, Fallbericht Tierstudie Labor, Zellen, Produktanalyse

Was passiert bei einer Erkältung in deinem Körper?

Die Nase läuft, der Kopf ist schwer, du willst nur noch unter die Decke. Es fühlt sich an, als hätte ein Virus die Kontrolle übernommen. Darf ich dir eine andere Sicht anbieten?

Erkältungen werden von vielen verschiedenen Viren ausgelöst. Laut einer Übersichtsarbeit aus Turku in Finnland von 2003 spielen Rhinoviren die größte Rolle. Bei etwa einem Viertel aller Erkältungen blieb der Erreger damals unbekannt.

Das ist wichtig für alles, was folgt. Ein Erkältungsmittel müsste gegen viele unterschiedliche Erreger ankommen, nicht gegen einen einzigen.

Dazu kommt: Ein großer Teil deiner Beschwerden stammt nicht direkt vom Virus, sondern von deiner Abwehr. Ein Team der University of British Columbia in Vancouver zeigte das im Labor an menschlichen Bronchialzellen. Erkältungsviren brachten die Zellen dazu, Botenstoffe wie Interleukin-6 und Interleukin-8 auszuschütten.

Stell dir diese Botenstoffe wie Rauchmelder vor. Sie rufen Abwehrzellen herbei, lassen die Schleimhaut anschwellen und den Schleim fließen. Laut, unangenehm, aber Teil der Verteidigung.

1

Immunsystem

Infizierte Schleimhautzellen senden Alarmstoffe aus. Abwehrzellen strömen ein, die Nase schwillt an und läuft. Lästig, aber ein Zeichen, dass deine Abwehr arbeitet.

↓
2

Nervensystem

Entzündungsbotenstoffe erreichen auch das Gehirn. Müdigkeit, Rückzug und wenig Appetit gehören zu einem Krankheitsverhalten, das Energie für die Abwehr freihalten könnte.

↓
3

Hormonsystem

Dauerstress kann die Abwehr schwächen. In einer klassischen Studie stieg die Erkältungsrate mit dem Stresslevel. Stresshormone wie Cortisol gelten als ein möglicher Weg, abschließend geklärt ist das nicht.

↓
4

Stoffwechsel

Abwehrzellen brauchen Energie und Bausteine wie Zink. Schlafmangel und Mangelzustände könnten die Reserven schmälern, aus denen deine Abwehr schöpft.

Aus Sicht der klinischen Psychoneuroimmunologie, kurz KPNI, ist eine Erkältung deshalb ein Ganzkörperereignis. Nervensystem, Hormone, Stoffwechsel und Immunsystem verhandeln miteinander, wie viel Kraft in die Abwehr fließt.

Die anthroposophische Medizin beschreibt einen Infekt zudem als Prozess, den der Organismus durchläuft, nicht nur als Störung. Das ist eine Sichtweise aus der Tradition, kein Studienergebnis. Ich finde sie trotzdem wertvoll, weil sie den Blick vom Symptom auf den ganzen Menschen lenkt.

Der Perspektivwechsel

Schnupfen, Halsweh und Müdigkeit sind eher die Alarmanlage als der Einbrecher. Wer nur die Alarmanlage leiser stellt, hat den Einbrecher noch nicht vertrieben.

Ein gutes Erkältungsmittel müsste deshalb den Verlauf messbar verkürzen oder mildern. Genau daran messe ich die drei Pflanzen.

Und jetzt weißt du, warum ich bei jedem Erkältungsmittel frage: Verändert es den Verlauf, oder fühlt es sich nur nach Handeln an?

Erkältung oder Grippe: Wo verläuft die Grenze?

Manchmal ist es kein Kratzen, sondern ein Schlag. Mittags warst du noch fit, abends hast du hohes Fieber und jeder Muskel schmerzt. Das fühlt sich anders an als ein Schnupfen. Meist ist es das auch.

Kurze Antwort: Eine Erkältung beginnt meist schleichend mit Halskratzen und Schnupfen. Eine Grippe beginnt oft plötzlich mit hohem Fieber, Gliederschmerzen und starkem Krankheitsgefühl. Grippe ist eine eigene Erkrankung und gehört bei Risikogruppen früh in ärztliche Hände.

Erkältung

  • Beginnt schleichend, über einen oder zwei Tage
  • Schnupfen, Niesen und Halskratzen stehen im Vordergrund
  • Kein oder meist nur mäßiges Fieber
  • Du bist angeschlagen, aber oft noch handlungsfähig

Grippe (Influenza)

  • Beginnt oft plötzlich, innerhalb von Stunden
  • Hohes Fieber, Schüttelfrost, Muskel- und Gliederschmerzen
  • Trockener Husten und ausgeprägtes Krankheitsgefühl
  • Komplikationen wie eine Lungenentzündung sind möglich

Sicher unterscheiden lassen sich beide nur mit einem Test. Wichtig ist der Unterschied trotzdem, denn gegen die Grippe gibt es antivirale Medikamente. Die Leitlinie der amerikanischen Fachgesellschaft für Infektionskrankheiten IDSA empfiehlt, sie bei Menschen mit erhöhtem Risiko so früh wie möglich zu beginnen.

Zu diesen Risikogruppen zählen dort unter anderem Menschen ab 65 Jahren, Kinder unter zwei Jahren und Schwangere. Dazu kommen Menschen mit chronischen Erkrankungen von Herz, Lunge, Niere, Leber oder Stoffwechsel und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Bei sonst gesunden Erwachsenen kann eine Behandlung erwogen werden, wenn die Beschwerden höchstens zwei Tage bestehen.

Genau hier liegt die Grenze dieses Artikels. Die Pflanzen, um die es gleich geht, sind bei einer echten Grippe keine Alternative. Eine sorgfältige Studie zu Holunderextrakt bei nachgewiesener Grippe fand keinen Nutzen, dazu gleich mehr.

Hier gehört dein Infekt in ärztliche Hände
  • Plötzlicher Beginn mit hohem Fieber und starkem Krankheitsgefühl, besonders in der Grippesaison
  • Atemnot, Schmerzen in der Brust oder eitriger Auswurf
  • Fieber, das mehrere Tage anhält, oder eine Verschlechterung nach anfänglicher Besserung
  • Beschwerden, die länger als zehn Tage andauern
  • Du bist 65 oder älter, schwanger, chronisch krank oder immungeschwächt
  • Säuglinge und Kleinkinder mit Fieber, Trinkschwäche oder auffälliger Atmung
  • Bei starker Atemnot: sofort den Notruf 112 wählen

Ob für dich eine jährliche Grippeimpfung sinnvoll ist, kannst du im Herbst hausärztlich besprechen. Das ist das Thema eines eigenen Gesprächs, nicht dieses Artikels.

Der Perspektivwechsel

Grippe ist keine starke Erkältung. Sie ist eine eigene Erkrankung mit eigenen Risiken.

Wer sie wie einen Schnupfen behandelt, verschenkt im Zweifel das Zeitfenster, in dem antivirale Medikamente am meisten bewirken könnten.

Und jetzt weißt du, warum die erste Frage im November nicht lautet, welcher Saft, sondern welcher Infekt.

Was kann Echinacea bei Erkältung?

Sonnenhut ist für viele das Erkältungsmittel schlechthin. Vielleicht standen die Tropfen schon bei deinen Eltern im Badezimmerschrank. Wer die Studien liest, wird aber schnell unsicher. Die einen sind begeistert, die anderen winken ab. Wie kann das sein?

Kurze Antwort: Bei der Vorbeugung deuten Studien auf einen kleinen Effekt hin, bei der Behandlung einer laufenden Erkältung ist ein Nutzen kaum belegt. Was ein Präparat beitragen kann, hängt stark von Art, Pflanzenteil und Zubereitung ab.

Ein Familienname, kein Wirkstoff

Unter dem Namen Echinacea laufen drei Arten: Purpur-Sonnenhut, Schmalblättriger und Blasser Sonnenhut. Verwendet werden Kraut, Wurzel oder beides. Mal frisch gepresst, mal als alkoholischer Auszug, mal getrocknet in Tabletten.

Ein Presssaft aus frischem Kraut und eine Tablette aus getrockneter Wurzel sind so verschieden wie Apfelsaft und Apfelkernmehl. Beide tragen denselben Namen. Im Körper können sie völlig unterschiedlich ankommen.

59 Präparate aus dem Handel Laboranalyse, 59 Produkte

Ein Team der University of Colorado in Denver kaufte im August 2000 je ein Exemplar aller Echinacea-Einzelpräparate, die in mehreren Geschäften im Raum Denver erhältlich waren. In 6 von 59 Präparaten, also 10 Prozent, war gar kein Echinacea messbar. Nur bei 31 Präparaten, 52 Prozent, stimmte die enthaltene Art mit dem Etikett überein.

Von 21 als standardisiert gekennzeichneten Produkten erfüllten nur 9 den angegebenen Standard. Die Analyse stammt aus den USA und ist über 20 Jahre alt. Sie zeigt aber, wie wenig ein Name über den Inhalt verrät.

Gilroy CM, Steiner JF, Byers T, Shapiro H, Georgian W. Arch Intern Med. 2003;163(6):699-704. DOI: 10.1001/archinte.163.6.699

Was die großen Auswertungen zeigen

Die Cochrane-Übersicht Systematischer Review, 24 RCTs, n=4631

Ein Team um Karsch-Völk vom Institut für Allgemeinmedizin der Technischen Universität München fasste 24 doppelt verblindete Studien mit 4631 Teilnehmenden zusammen. Wegen der großen Unterschiede zwischen den Präparaten verzichtete es in der Hauptanalyse bewusst auf eine Gesamtrechnung. Keiner der zwölf Vergleiche zur Vorbeugung war für sich allein statistisch signifikant, eine nachträgliche Bündelung deutet aber auf eine relative Risikominderung von 10 bis 20 Prozent hin.

Bei der Behandlung zeigte nur eine von sieben Studien eine signifikant kürzere Erkältungsdauer. Die Autoren halten einen schwachen Nutzen einzelner Produkte für möglich, seine klinische Bedeutung aber für fraglich. Für dich heißt das: Wenn überhaupt, dann eher vorbeugend und in kleinem Umfang.

Karsch-Völk M, Barrett B, Kiefer D, Bauer R, Ardjomand-Woelkart K, Linde K. Cochrane Database Syst Rev. 2014;(2):CD000530. DOI: 10.1002/14651858.CD000530.pub3

Andere Auswertungen klingen freundlicher. Eine Metaanalyse der University of Connecticut von 2007 errechnete aus 14 Studien um 58 Prozent geringere Chancen, eine Erkältung zu bekommen, und eine um 1,4 Tage kürzere Dauer. Auf eine solche Gesamtrechnung über sehr unterschiedliche Präparate verzichteten die Cochrane-Autoren später ausdrücklich.

Wiederkehrende Infekte Meta-Analyse, 6 RCTs, n=2458

Ein Team um Schapowal aus Landquart in der Schweiz wählte sechs methodisch hochwertige Studien mit 2458 Teilnehmenden aus. Unter Echinacea traten wiederkehrende Atemwegsinfekte seltener auf, das relative Risiko lag bei 0,649. Bei Menschen mit erhöhter Anfälligkeit oder unter Stress halbierte sich das Risiko etwa, und Komplikationen wie Lungen- oder Mittelohrentzündung waren seltener.

Alkoholische Auszüge schnitten besser ab als Presssäfte. Die Auswahl war allerdings eng, und das statistische Modell setzt voraus, dass alle Studien denselben Effekt messen. Für dich heißt das: ein interessantes Signal für Menschen mit häufigen Infekten, aber kein gesicherter Befund.

Schapowal A, Klein P, Johnston SL. Adv Ther. 2015;32(3):187-200. DOI: 10.1007/s12325-015-0194-4

In dieselbe Richtung weist eine viermonatige Studie des Common Cold Centre der Universität Cardiff mit 755 gesunden Erwachsenen. Getestet wurde ein alkoholischer Auszug aus frischem Purpur-Sonnenhut, überwiegend Kraut und etwas Wurzel. In der Echinacea-Gruppe gab es weniger Erkältungen, weniger Erkältungstage und seltener Episoden mit Schmerzmitteln. Unerwünschte Ereignisse traten etwa so häufig auf wie unter Placebo.

719 Menschen mit frischer Erkältung RCT, n=719

Ein Team um Barrett von der University of Wisconsin in Madison teilte 719 Menschen mit beginnender Erkältung in vier Gruppen: keine Tabletten, Placebo, Echinacea verblindet und Echinacea offen. Mit verblindetem Echinacea dauerte die Erkältung im Mittel 6,34 Tage, mit Placebo 6,87 Tage. Der Unterschied von gut einem halben Tag war statistisch nicht signifikant.

Zum Vergleich: Ganz ohne Tabletten dauerte die Erkältung 7,03 Tage. Getestet wurden Tabletten auf Basis getrockneter Echinacea-Wurzel. Für dich heißt das: Selbst im günstigsten Fall ging es hier um Stunden, nicht um Tage.

Barrett B, Brown R, Rakel D, Mundt M, Bone K, Barlow S, Ewers T. Ann Intern Med. 2010;153(12):769-777. DOI: 10.7326/0003-4819-153-12-201012210-00003
Kinder zwischen zwei und elf Jahren RCT, n=407

Ein Team um Taylor von der University of Washington in Seattle gab 407 Kindern bei Infektbeginn Purpur-Sonnenhut oder Placebo. Bei 707 Infekten fand sich kein Unterschied in Dauer oder Schwere, im Mittel dauerte ein Infekt neun Tage. Hautausschlag trat dagegen unter Echinacea häufiger auf, bei 7,1 Prozent der Infekte gegenüber 2,7 Prozent unter Placebo.

Die EU-Monographie rät bei Kindern unter zwölf Jahren von Echinacea ab, weil ausreichende Daten fehlen. Für Eltern heißt das: Bei Kindern ist der Griff zum Sonnenhut am schlechtesten begründet.

Taylor JA, Weber W, Standish L, Quinn H, Goesling J, McGann M, Calabrese C. JAMA. 2003;290(21):2824-2830. DOI: 10.1001/jama.290.21.2824

Und im Labor? Das Team aus Vancouver zeigte, dass ein alkoholischer Auszug aus Kraut und Wurzel die Ausschüttung der Alarmstoffe in Bronchialzellen bei allen getesteten Viren dämpfte. Außerdem inaktivierte er Viren mit Hülle. Rhinoviren, die häufigsten Erkältungsviren, besitzen allerdings keine solche Hülle.

Wann du auf Echinacea verzichten solltest

Echinacea gehört zu den Korbblütlern, wie Kamille, Arnika oder Ringelblume. Bei einer Allergie gegen diese Pflanzenfamilie nennt die EU-Monographie Echinacea als ungeeignet. Menschen mit Allergieneigung sollen vorher ärztlichen Rat einholen, weil schwere Überempfindlichkeitsreaktionen möglich sind.

Wie ernst das sein kann, zeigt eine Auswertung aus Australien. Zwei australische Ärzte werteten 51 Meldungen an den nationalen Ausschuss für Arzneimittelnebenwirkungen aus. 26 davon passten zu einer allergischen Sofortreaktion, darunter 4 Fälle von Anaphylaxie und 12 akute Asthmaanfälle. Auffällig: 20 von 100 Menschen mit Allergieneigung reagierten im Hauttest auf Echinacea, obwohl sie es nie eingenommen hatten.

Bei Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto, Multipler Sklerose oder rheumatoider Arthritis rät die EU-Monographie von Echinacea ab. Dasselbe gilt bei Immunschwäche, unter Immunsuppression wie nach einer Organtransplantation, bei fortschreitenden Systemerkrankungen und bei Erkrankungen der weißen Blutkörperchen. Die Sorge dahinter: Ein Mittel, das das Immunsystem beeinflusst, könnte eine fehlgeleitete Abwehr zusätzlich anstoßen.

Belegt ist das nicht. Ein pharmazeutisches Team der Universität Graz hält diese Einschränkungen sogar für fraglich, weil manche fettlöslichen Zubereitungen zelluläre Immunreaktionen eher dämpfen. Die Monographie bleibt trotzdem vorsichtig: Ein Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen lasse sich nicht ausschließen. Ich halte mich an die vorsichtigere Linie. Mit Hashimoto oder einer anderen Autoimmunerkrankung gibt es Stellschrauben, die weniger Fragen aufwerfen.

Zur Dauer: Die Monographie begrenzt die Anwendung auf höchstens zehn Tage, zur Vorbeugung wie zur Behandlung, und rät zum Beginn bei den ersten Anzeichen. Präventionsstudien liefen dagegen teils über Monate, und das Grazer Team sah in Langzeitstudien bis zu sechs Monaten keine toxikologischen Bedenken. In Schwangerschaft und Stillzeit rät die Monographie ab, außer auf ärztlichen Rat.

Der Perspektivwechsel

Die Frage lautet nicht, ob Echinacea etwas kann. Sie lautet: Welches Echinacea, für wen, wann und wie lange?

Ohne diese vier Antworten ist jede Erfahrung kaum einzuordnen, die gute wie die schlechte.

Und jetzt weißt du, warum zwei Menschen mit „Echinacea“ völlig verschiedene Erfahrungen machen können.

Was kann Holunder bei Erkältung?

Holunder hat etwas Heimeliges. Der Strauch am Gartenzaun, im Frühsommer die weißen Dolden, im Spätsommer die schwarzen Beeren. Viele kennen heißen Holundersaft aus der Kindheit. Was davon trägt die Forschung?

Kurze Antwort: Kleine Studien deuten darauf hin, dass Extrakte aus Holunderbeeren eine Erkältung verkürzen und mildern könnten. Bei nachgewiesener Grippe zeigte eine sorgfältige Studie keinen Nutzen. Holunderblüten sind in der EU traditionell zur Linderung früher Erkältungsbeschwerden eingestuft.

Blüte und Beere: zwei Arzneien am selben Strauch

Beim Holunder werden zwei ganz verschiedene Pflanzenteile genutzt. Die Blüten kommen als Tee in die Tasse. Die Beeren als Saft, Sirup oder Extrakt in Kapseln und Lutschtabletten.

Für Holunderblüten führt die europäische Arzneimittelbehörde EMA eine Monographie als traditionelles pflanzliches Arzneimittel. Danach können sie zur Linderung früher Erkältungsbeschwerden eingesetzt werden. Die Einstufung beruht auf langjähriger Anwendung, nicht auf klinischen Studien.

Für die Beeren hat der zuständige Ausschuss nach seiner Prüfung dagegen keine Monographie verabschiedet. Die Bewertung endete 2014 mit einer öffentlichen Stellungnahme. Die meisten Studien, die du in Produkttexten findest, betreffen aber gerade Extrakte aus den Beeren.

312 Flugreisende RCT, n=312

Ein Team der Griffith University in Queensland begleitete 312 Passagiere der Economy Class auf Langstreckenflügen ab Australien. Sie erhielten einen standardisierten Extrakt aus Holunderbeeren oder Placebo. In der Placebogruppe gab es 17 Erkältungen, in der Holundergruppe 12, ein statistisch nicht signifikanter Unterschied.

Deutlich war dagegen die Dauer: 117 Erkältungstage unter Placebo, 57 unter Holunder, auch die Beschwerden fielen milder aus. Die Autoren fordern selbst weitere Studien. Für dich heißt das: Holunder könnte eher den Verlauf beeinflussen als das Risiko, sich anzustecken.

Tiralongo E, Wee SS, Lea RA. Nutrients. 2016;8(4):182. DOI: 10.3390/nu8040182

Eine Metaanalyse des Franklin Institute of Wellness in Tennessee bündelte 2019 randomisierte Studien zu Erkältung und Grippe mit insgesamt nur 180 Teilnehmenden. Sie berichtet eine deutliche Verringerung der Atemwegsbeschwerden. Bei so wenigen Menschen können allerdings schon einzelne Studien das Gesamtbild stark verschieben.

Die Übersicht aus Maryland Systematischer Review, 5 RCTs

Ein Team um Wieland vom Center for Integrative Medicine der University of Maryland sichtete 2021 die Studienlage und fand fünf randomisierte Studien. Ihr Fazit: Holunder verringert das Risiko, eine Erkältung zu bekommen, möglicherweise nicht. Dauer und Schwere einer Erkältung sowie die Dauer einer Grippe könnte er verringern, die Evidenz dafür ist aber unsicher.

Hinweise, dass Holunder das Immunsystem gefährlich überdreht, fanden die Autoren nicht. Diese Sorge war während der COVID-19-Pandemie aufgekommen. Für dich heißt das: wahrscheinlich gut verträglich, aber nicht sicher wirksam.

Wieland LS, Piechotta V, Feinberg T, Ludeman E, Hutton B, Kanji S, Seely D, Garritty C. BMC Complement Med Ther. 2021;21(1):112. DOI: 10.1186/s12906-021-03283-5
Nachgewiesene Grippe in der Notaufnahme RCT, n=87

Ein Team der Cleveland Clinic behandelte 87 Kinder ab fünf Jahren und Erwachsene mit im Labor bestätigter Grippe, deren Beschwerden seit weniger als 48 Stunden bestanden. Sie erhielten fünf Tage lang Holunderextrakt oder Placebo, das antivirale Grippemittel Oseltamivir durften sie zusätzlich wählen. Bis alle Beschwerden höchstens noch mild waren, vergingen unter Placebo 4,9 Tage, unter Holunder 5,3 Tage, ohne signifikanten Unterschied.

Frühere kleine Studien hatten bei Grippe eine um etwa vier Tage kürzere Krankheitsdauer berichtet, diese Studie widerspricht dem ausdrücklich. In einer nachträglichen Auswertung schnitt Holunder ohne Grippemittel sogar zwei Tage schlechter ab als Placebo ohne Grippemittel, was allerdings nur ein Hinweis ist. Für dich heißt das: Bei echter Grippe ersetzt Holunder keine ärztliche Behandlung.

Macknin M, Wolski K, Negrey J, Mace S. J Gen Intern Med. 2020;35(11):3271-3277. DOI: 10.1007/s11606-020-06170-w

Im Labor sieht es freundlicher aus. In Zellkulturen der Justus-Liebig-Universität Gießen hemmte ein standardisierter Holunderextrakt die Vermehrung von Grippeviren und das Wachstum einiger Bakterien der Atemwege. Biologisch ist ein Effekt also plausibel. Die Studie aus Cleveland zeigt, wie groß der Schritt vom Reagenzglas zum Menschen sein kann.

Roh, unreif, Stiele: wo Holunder heikel wird

Holunder ist kein harmloses Naschobst. Unreife Beeren enthalten Sambunigrin, einen Stoff, aus dem Blausäure entstehen kann. Mit der Reife sinkt der Gehalt, wie ein Team der Universität Innsbruck beschreibt. In einer Analyse der Universität Ljubljana enthielten Blätter und Blüten mehr dieser Stoffe als die Beeren.

Für die Küche gilt deshalb eine alte Regel: nur reife Beeren, ohne Stiele, und traditionell nur gekocht, nie roh. Für Holunderblütentee rät die Monographie bei Kindern unter zwölf Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit ab, weil Daten fehlen. Kommen Atemnot, Fieber oder eitriger Auswurf dazu, gehört der Infekt ärztlich angeschaut.

Der Perspektivwechsel

Holunder ist nicht ein Mittel, sondern zwei. Die Blüte trägt eine lange Tradition, die Beere eine Handvoll kleiner Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen.

Beides kann seinen Platz haben. Bei einer echten Grippe ist dieser Platz aber nicht die erste Reihe.

Und jetzt weißt du, warum beim Holunder zuerst eine Frage zählt: Blüte oder Beere?

Was zeigt die Studienlage zur Kapland-Pelargonie?

Die Kapland-Pelargonie kennen viele nur als Tropfen beim ersten Husten. Die Pflanze stammt aus dem südlichen Afrika, verwendet wird die Wurzel. Das klingt exotisch und gründlich erforscht zugleich. Stimmt beides?

Kurze Antwort: Studien mit einem bestimmten Wurzelextrakt berichten eine schnellere Linderung von Erkältungsbeschwerden. Die Cochrane-Autoren bewerten die Evidenz zur Erkältung jedoch als sehr niedrig. Außerdem gibt es einen behördlichen Warnhinweis zu seltenen Leberschäden.

In Deutschland ist ein Extrakt aus der Wurzel als Arzneimittel gegen akute Bronchitis zugelassen. Auf EU-Ebene führt die EMA die Wurzel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Erkältungsbeschwerden. Die meisten Studien, die ich hier zitiere, verwenden denselben Spezialextrakt.

Die Cochrane-Übersicht Systematischer Review, 8 Studien ausgewertet

Ein Team um Timmer vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen bewertete die Studien zu akuten Atemwegsinfekten. Zur Erkältung fand es nur eine Studie: Nach zehn Tagen zeigte sich ein Nutzen, nach fünf Tagen nicht, bei sehr niedriger Qualität der Evidenz. Bei akuter Bronchitis zeigte sich ein Nutzen für die flüssige Zubereitung, nicht aber für Tabletten.

Nebenwirkungen waren unter Pelargonium häufiger, aber nicht schwerwiegend. Die Autoren vermuten zudem, dass ungünstige Ergebnisse seltener veröffentlicht wurden. Für dich heißt das: ein möglicher Nutzen, begleitet von deutlichen Zweifeln.

Timmer A, Günther J, Motschall E, Rücker G, Antes G, Kern WV. Cochrane Database Syst Rev. 2013;(10):CD006323. DOI: 10.1002/14651858.CD006323.pub3

Eine Erkältungsstudie der Nationalen Medizinischen Universität Kiew schloss 103 Erwachsene ein, deren Beschwerden seit 24 bis 48 Stunden bestanden. Nach zehn Tagen galten 78,8 Prozent der Pelargonie-Gruppe als klinisch genesen, unter Placebo 31,4 Prozent. Arbeitsunfähig waren die Behandelten im Mittel 6,9 Tage, die Placebogruppe 8,2 Tage.

Fünf Studien, ein Extrakt Meta-Analyse, 5 RCTs, n=833

Eine Metaanalyse von 2019 bündelte fünf Studien mit 833 Erwachsenen, alle mit demselben Wurzelextrakt über zehn Tage. Am fünften Tag waren die Beschwerden unter dem Extrakt geringer, und eine vollständige Rückbildung war häufiger, das relative Risiko lag bei 2,52. Die Behandelten fehlten seltener bei der Arbeit und brauchten weniger Paracetamol.

Zwei Mitglieder des Autorenteams arbeiten laut Publikation in der klinischen Forschung des Herstellers. Das ist kein Grund, die Daten abzutun. Es ist aber ein Grund, unabhängige Bestätigungen abzuwarten.

Schapowal A, Dobos G, Cramer H, Ong KC, Adler M, Zimmermann A, Brandes-Schramm J, Lehmacher W. Heliyon. 2019;5(11):e02904. DOI: 10.1016/j.heliyon.2019.e02904
Viren in der Zellkultur In vitro

Ein virologisches Team der Goethe-Universität Frankfurt prüfte den Wurzelextrakt in Zellkulturen gegen verschiedene Atemwegsviren. Er störte die Vermehrung von saisonalen Grippeviren, RS-Viren, Parainfluenzaviren und einem menschlichen Coronavirus. Ausgerechnet Rhinoviren, die häufigsten Erkältungsviren, blieben unbeeinflusst.

Laborbefunde lassen sich nicht direkt auf Menschen übertragen. Sie zeigen aber, warum ein pauschales „antiviral“ zu kurz greift.

Michaelis M, Doerr HW, Cinatl J. Phytomedicine. 2011;18(5):384-386. DOI: 10.1016/j.phymed.2010.09.008
Krankheitsverhalten bei Mäusen In vivo, Maus

In einer Studie aus der vorklinischen Forschung des Herstellers lösten Forschende bei Mäusen mit Bestandteilen von Bakterienhüllen ein Krankheitsverhalten aus: Rückzug, Antriebslosigkeit, wenig Appetit. Der Wurzelextrakt milderte diese Zeichen ab. Das passt zum Bild aus dem ersten Abschnitt, dass Beschwerden auch über Entzündungsbotenstoffe und das Gehirn entstehen.

Mäuse sind keine Menschen, und die Studie stammt vom Hersteller selbst. Als Mechanismus ist das plausibel, beim Menschen belegt ist es nicht.

Nöldner M, Schötz K. Phytomedicine. 2007;14 Suppl 6:27-31. DOI: 10.1016/j.phymed.2006.11.013

Der Leberwarnhinweis: was dahintersteckt

Jetzt zum heiklen Teil. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte leitete 2011 ein Stufenplanverfahren zu pelargoniumhaltigen Arzneimitteln ein. Laut Deutschem Ärzteblatt lagen bis Mitte 2012 30 Verdachtsfälle von Leberschäden vor, darunter ein Mensch, der eine Lebertransplantation benötigte. 2014 ordnete die Behörde einen Hinweis auf mögliche Leberschäden in den Packungsbeilagen an.

Auch die aktuelle EU-Monographie von 2024 hält fest: Fälle von Leberschäden und Leberentzündung wurden berichtet, ihre Häufigkeit ist unbekannt. Bei Anzeichen einer Leberschädigung soll die Einnahme sofort beendet und ärztlicher Rat eingeholt werden.

Ob die Pflanze die Ursache war, ist umstritten. Ein Team um Teschke vom Klinikum Hanau prüfte 15 gemeldete Fälle mit einem leberspezifischen Bewertungsverfahren. In keinem Fall ergab sich eine hoch wahrscheinliche oder wahrscheinliche Ursächlichkeit, oft fehlten Befunde zum Ausschluss anderer Ursachen.

Leberschäden in Berliner Kliniken Fall-Kontroll-Überwachung, 198 Fälle

Das Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Charité erfasste von 2002 bis 2011 Leberschäden in allen 51 Berliner Krankenhäusern. Unter 198 Fällen wurde bei zehn eine pflanzliche Ursache als möglich oder wahrscheinlich eingestuft. Einmal betraf das die Kapland-Pelargonie, eingestuft als mögliche Ursache.

Die Autoren betonen selbst, dass eine mögliche Ursächlichkeit noch keine klinische Bedeutung beweist. Für dich heißt das: Das Risiko scheint selten zu sein, ausgeschlossen ist es nicht.

Douros A, Bronder E, Andersohn F, Klimpel A, Kreutz R, Garbe E, Bolbrinker J. Int J Mol Sci. 2016;17(1):114. DOI: 10.3390/ijms17010114
Warnzeichen für die Leber: Einnahme sofort beenden und ärztlich abklären
  • Gelbfärbung der Haut oder des Augenweiß
  • Dunkler Urin oder auffallend heller Stuhl
  • Schmerzen im rechten Oberbauch
  • Ungewohnte Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Juckreiz

Bei bekannten Lebererkrankungen, regelmäßigem Alkoholkonsum oder mehreren Medikamenten, die über die Leber abgebaut werden, würde ich Pelargonium nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen. Die Monographie nennt außerdem Nasenbluten und Zahnfleischbluten als mögliche Nebenwirkungen. Wenn du Blutverdünner nimmst, würde ich das deshalb vorher besprechen.

Flüssige Zubereitungen sind laut Monographie ab drei Jahren vorgesehen, darunter wird abgeraten. In Schwangerschaft und Stillzeit rät sie wegen fehlender Daten ab. Halten die Beschwerden länger als eine Woche an, gehört der Infekt ärztlich angeschaut.

Warum die Leber bei vielen Pflanzen eine Rolle spielt, liest du in meinem Artikel über Mariendistel und Leber.

Der Perspektivwechsel

Pflanzlich heißt nicht harmlos, und ein Warnhinweis heißt nicht gefährlich für jeden. Beides gleichzeitig zu denken, ist unbequem.

Es ist aber genau die Haltung, mit der du Pflanzen verantwortungsvoll nutzen kannst.

Und jetzt weißt du, warum ich bei der Pelargonie zuerst nach deiner Leber frage und erst dann nach deinem Husten.

Wie schneiden die drei Pflanzen im direkten Vergleich ab?

Du stehst wieder vor dem Regal. Diesmal mit mehr Wissen, aber vielleicht auch mit mehr Fragen. Hier ist alles auf einen Blick.

Echinacea

Sonnenhut, drei Arten
Pflanzenteil
Kraut, Wurzel oder beides, als Presssaft, Auszug oder Tablette
Studienlage
Viele Studien, uneinheitlich. Vorbeugung: möglicher kleiner Effekt. Behandlung: kaum belegt
EU-Einstufung
Presssaft aus frischem Kraut: allgemeine medizinische Verwendung zur kurzfristigen Vorbeugung und Behandlung
Zeitpunkt
Ab den ersten Anzeichen, laut Monographie höchstens zehn Tage
Vorsicht bei
Korbblütler-Allergie, Autoimmunerkrankung, Immunsuppression, Kindern unter zwölf, Schwangerschaft

Holunder

Sambucus nigra
Pflanzenteil
Blüten als Tee, Beeren als Saft oder Extrakt
Studienlage
Wenige kleine Studien zu Beerenextrakten. Kürzere Erkältungen möglich, bei nachgewiesener Grippe kein Nutzen in einer randomisierten Studie
EU-Einstufung
Blüten: traditionelle Anwendung bei frühen Erkältungsbeschwerden. Beeren: keine Monographie
Zeitpunkt
Blütentee bei den ersten Beschwerden. In der Grippestudie begann die Einnahme innerhalb von 48 Stunden
Vorsicht bei
Rohen oder unreifen Beeren, Stielen, Kindern unter zwölf, Schwangerschaft

Kapland-Pelargonie

Pelargonium sidoides
Pflanzenteil
Wurzel, meist ein bestimmter Spezialextrakt
Studienlage
Mehrere Studien, überwiegend herstellernah. Cochrane: Evidenz zur Erkältung sehr niedrig
EU-Einstufung
Traditionelle Anwendung bei Erkältungsbeschwerden
Zeitpunkt
Studien begannen 24 bis 48 Stunden nach Beschwerdebeginn. Nach einer Woche ohne Besserung ärztlich abklären
Vorsicht bei
Lebererkrankungen, Leberwarnzeichen, Blutverdünnern, Kindern unter drei, Schwangerschaft
Was belegt ist und was nicht

Belegt durch Meta-Analysen, mit Einschränkungen: ein möglicher kleiner vorbeugender Effekt bei Echinacea, Symptomlinderung bei der Pelargonie in überwiegend herstellernahen Studien.

Widersprüchlich: Extrakte aus Holunderbeeren bei Erkältung und Grippe.

Mechanistisch plausibel, beim Menschen dünn: antivirale und entzündungsdämpfende Effekte aus Zellkulturen und Tierversuchen.

Klinische Tradition ohne starke Studienbasis: Holunderblütentee bei beginnender Erkältung.

Offen: welche Zubereitung bei welchem Menschen den Unterschied machen könnte.

Was ich in der Praxis häufig sehe: Viele nehmen drei oder vier Präparate gleichzeitig. Hinterher weiß niemand, was geholfen hat und was eine Nebenwirkung war. Ein bewusst gewähltes Mittel, zeitlich begrenzt, ist mir lieber als ein Cocktail.

Der Perspektivwechsel

Die beste Erkältungspflanze gibt es nicht. Es gibt nur die passende Zubereitung für die passende Situation.

Und manchmal ist die passende Wahl gar keine, dafür Tee, Ruhe und ein früher Feierabend.

Und jetzt weißt du, warum ein Vergleich wichtiger ist als ein Testsieger.

Welche Rolle spielen Schlaf, Stress, Vitamin D und Zink?

Ehrlich: Wie viel hast du in der Woche geschlafen, bevor es dich erwischt hat? Viele Erkältungen kündigen sich nicht im Hals an, sondern im Kalender.

Kurze Antwort: Schlaf und Stress hängen in Studien eng damit zusammen, ob aus einem Virenkontakt eine Erkältung wird. Vitamin D könnte das Infektrisiko leicht senken, Zink eine laufende Erkältung etwas verkürzen.

Schlaf und Erkältungsviren Prospektive Studie, n=164

Ein Team um Prather von der University of California in San Francisco und der Carnegie Mellon University maß bei 164 gesunden Erwachsenen eine Woche lang den Schlaf mit einem Sensor am Handgelenk. Danach bekamen alle Erkältungsviren in die Nase getropft und wurden fünf Tage lang beobachtet. Wer unter fünf Stunden schlief, hatte eine 4,50-fach höhere Chance auf eine Erkältung als bei über sieben Stunden. Bei fünf bis sechs Stunden lag sie 4,24-fach höher.

Zwischen sechs und sieben Stunden war das Risiko nicht signifikant erhöht. Für dich heißt das: In der Infektsaison ist Schlaf keine Nebensache, sondern Abwehrarbeit.

Prather AA, Janicki-Deverts D, Hall MH, Cohen S. Sleep. 2015;38(9):1353-1359. DOI: 10.5665/sleep.4968
Stress und Erkältung Prospektive Studie, n=394

Ein Team um Cohen von der Carnegie Mellon University erfasste bei 394 gesunden Menschen das Stressniveau und tropfte ihnen dann Erkältungsviren in die Nase. Je höher der Stress, desto häufiger kam es zu Infektion und Erkältung. Die Erkältungsrate stieg von etwa 27 auf 47 Prozent.

Rauchen, Alkohol, Sport, Ernährung oder Schlafqualität erklärten diesen Zusammenhang nicht. Die Studie ist über 30 Jahre alt und gilt als Klassiker der Psychoneuroimmunologie. Für dich heißt das: Dauerstress ist auch ein Thema für deine Schleimhäute.

Cohen S, Tyrrell DA, Smith AP. N Engl J Med. 1991;325(9):606-612. DOI: 10.1056/NEJM199108293250903

Hier treffen sich die KPNI-Linsen. Dein Nervensystem bewertet Belastung, dein Hormonsystem antwortet mit Stresshormonen, und dein Immunsystem bekommt weniger Spielraum. Schlaf ist die Zeit, in der sich viele dieser Systeme neu sortieren könnten.

Wie Licht am Morgen deinen Schlafrhythmus im dunklen Halbjahr stützen könnte, liest du in Morgenlicht und innere Uhr. Sanfte pflanzliche Begleiter für die Nacht findest du in Baldrian und Passionsblume.

Vitamin D: ein kleiner, aber messbarer Beitrag

46 Studien, 75.541 Menschen Meta-Analyse, 46 RCTs

Ein Team der Queen Mary University of London wertete 46 randomisierte Studien mit 75.541 Teilnehmenden aus. Unter Vitamin D hatten 61,3 Prozent mindestens eine akute Atemwegsinfektion, unter Placebo 62,3 Prozent. Die Autoren nennen die Risikominderung selbst klein, am deutlichsten war sie bei täglicher Gabe in moderater Dosis.

Eine frühere Auswertung derselben Gruppe mit Daten einzelner Teilnehmender fand den stärksten Schutz bei sehr niedrigem Ausgangswert unter 25 nmol/L. Große Einzeldosen in Abständen zeigten dagegen keinen Schutz. Für dich heißt das: Vitamin D ist kein Erkältungsmittel, ein ausreichender Spiegel könnte aber ein stilles Fundament sein.

Jolliffe DA, Camargo CA, Sluyter JD et al. Lancet Diabetes Endocrinol. 2021;9(5):276-292. DOI: 10.1016/S2213-8587(21)00051-6 · Martineau AR, Jolliffe DA, Hooper RL et al. BMJ. 2017;356:i6583. DOI: 10.1136/bmj.i6583

Wie Sonne, Winter und Vitamin D zusammenhängen, liest du in Vitamin-D-Mangel im Winter. Wie du es sinnvoll einnimmst, steht in Vitamin D richtig einnehmen.

Zink: eher für den Verlauf als für die Vorbeugung

Die Cochrane-Übersicht zu Zink Systematischer Review, 34 Studien, n=8526

Ein Cochrane-Team um Nault von der Maryland University of Integrative Health wertete 2024 34 Studien mit 8526 Teilnehmenden aus. Zur Vorbeugung senkte Zink das Erkältungsrisiko möglicherweise kaum oder gar nicht, das relative Risiko lag bei 0,93. In der Behandlung waren Erkältungen im Mittel 2,37 Tage kürzer, allerdings bei niedriger Vertrauenswürdigkeit der Evidenz und sehr unterschiedlichen Studien.

Nicht schwerwiegende Nebenwirkungen waren in der Behandlung wahrscheinlich häufiger. Als mögliche Nebenwirkungen erfasst wurden etwa schlechter Geschmack, Riechverlust, Erbrechen, Magenkrämpfe und Durchfall. Für dich heißt das: Zink könnte den Verlauf etwas verkürzen, ein Schutzschild ist es nicht.

Nault D, Machingo TA, Shipper AG et al. Cochrane Database Syst Rev. 2024;5(5):CD014914. DOI: 10.1002/14651858.CD014914.pub2

Eine Metaanalyse der Universität Helsinki fand in sieben Studien mit Zink-Lutschtabletten um 33 Prozent kürzere Erkältungen. Für Dosen über 100 Milligramm am Tag fand sich kein Hinweis auf einen größeren Nutzen. Solche Mengen sind für die Dauer eines Infekts gedacht, nicht als Dauerlösung, und gehören bei Vorerkrankungen in die ärztliche Absprache.

Der Perspektivwechsel

Kein Saft der Welt gleicht eine Woche mit fünf Stunden Schlaf aus. Die Pflanzen stehen höchstens in der zweiten Reihe.

In der ersten Reihe stehen Schlaf, eine verträgliche Stressdosis und ein ausreichender Vitamin-D-Spiegel.

Wie Natur und Ruhe dein Stresssystem entlasten könnten, liest du in Waldbaden gegen Stress.

Und jetzt weißt du, warum ich im Herbst zuerst nach deinem Schlaf frage und dann nach deiner Hausapotheke.

Was kannst du jetzt konkret tun?

Du musst das Regal nicht meiden. Du kannst es aber mit anderen Augen betrachten.

Es geht nicht um ein Fläschchen. Es geht um die Freiheit, im November gelassen zu bleiben, weil du weißt, was dein Körper selbst leisten kann und wo ein Mittel ihn sinnvoll begleiten könnte.

Drei Hebel für deinen nächsten Infekt

  • Unterscheide zuerst, dann wähle. Plötzliches hohes Fieber, starke Gliederschmerzen oder Atemnot sprechen eher für eine Grippe oder eine Komplikation. Gehörst du zu einer Risikogruppe, nimm früh Kontakt mit deiner Praxis auf, statt zu experimentieren.
  • Wenn Pflanze, dann bewusst. Wähle ein Mittel statt vier und prüfe Pflanzenteil und Zubereitung auf der Packung. Beginne bei den ersten Anzeichen und begrenze die Dauer. Bei Autoimmunerkrankung kein Echinacea, bei Lebererkrankung keine Pelargonie ohne ärztliche Rücksprache, Holunderbeeren nie roh.
  • Schütze das Fundament. Plane in der Infektsaison mehr als sieben Stunden Schlaf ein und dosiere Stress bewusst. Wenn du unsicher bist, lass im Herbst deinen Vitamin-D-Spiegel bestimmen.

Ein ähnliches Spannungsfeld aus Tradition und Studien kennst du vielleicht aus meinem Artikel über Schwarzkümmelöl.

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Häufige Fragen zu pflanzlichen Mitteln gegen Erkältung

Welche pflanzlichen Mittel gegen Erkältung sind am besten untersucht?

Am besten untersucht sind Echinacea, also Sonnenhut, die Kapland-Pelargonie und Holunder. Zu Echinacea gibt es eine Cochrane-Übersicht mit 24 Studien und 4631 Teilnehmenden, die bei der Vorbeugung einen möglichen kleinen Effekt und bei der Behandlung kaum Unterschiede fand. Zur Pelargonie gibt es mehrere, überwiegend herstellernahe Studien mit schnellerer Linderung, die Cochrane-Autoren bewerten die Evidenz zur Erkältung aber als sehr niedrig. Zu Holunderbeeren gibt es nur wenige kleine Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen. Keines dieser Mittel ersetzt eine ärztliche Abklärung bei Warnzeichen.

Kann Echinacea eine Erkältung verkürzen?

Das ist nicht sicher belegt. In der Cochrane-Übersicht zeigte nur eine von sieben Behandlungsstudien eine signifikant kürzere Erkältungsdauer. In einer Studie der University of Wisconsin mit 719 Menschen dauerte die Erkältung mit Echinacea im Mittel 6,34 Tage und mit Placebo 6,87 Tage, ein nicht signifikanter Unterschied. Bei der Vorbeugung deutet eine nachträgliche Bündelung von Studien auf eine relative Risikominderung von 10 bis 20 Prozent hin. Wichtig ist, dass sich Präparate stark in Art, Pflanzenteil und Zubereitung unterscheiden.

Wann sollte ich Echinacea nicht einnehmen?

Laut EU-Monographie bei einer Allergie gegen Korbblütler wie Kamille, Arnika oder Ringelblume. Abgeraten wird außerdem bei Autoimmunerkrankungen, Immunschwäche, unter Immunsuppression, bei fortschreitenden Systemerkrankungen und bei Erkrankungen der weißen Blutkörperchen. Bei Kindern unter zwölf Jahren fehlen ausreichende Daten, in Schwangerschaft und Stillzeit nur auf ärztlichen Rat. Wer zu Allergien neigt, sollte vorher ärztlich Rücksprache halten, weil schwere Überempfindlichkeitsreaktionen beschrieben sind. Die Monographie begrenzt die Anwendung zudem auf höchstens zehn Tage.

Was ist der Unterschied zwischen Holunderblüten und Holunderbeeren?

Es sind zwei verschiedene Arzneien vom selben Strauch. Holunderblüten sind in der EU als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung früher Erkältungsbeschwerden eingestuft, meist als Tee, gestützt auf langjährige Anwendung statt auf klinische Studien. Für Holunderbeeren hat der zuständige Ausschuss der EMA keine Monographie verabschiedet. Die meisten klinischen Studien betreffen dagegen Extrakte aus den Beeren. Rohe oder unreife Beeren, Stiele und Blätter solltest du nicht verwenden.

Kann Holunder eine echte Grippe abkürzen?

Eine sorgfältige Studie spricht dagegen. Bei 87 Menschen mit im Labor bestätigter Grippe dauerte es mit Holunderextrakt 5,3 Tage und mit Placebo 4,9 Tage, bis die Beschwerden höchstens noch mild waren, ohne signifikanten Unterschied. Frühere kleine Studien hatten kürzere Verläufe berichtet, eine systematische Übersicht nennt die Evidenz unsicher. Gegen Grippe gibt es antivirale Medikamente, die vor allem bei Risikogruppen möglichst früh beginnen sollten. Eine echte Grippe gehört deshalb in ärztliche Hände.

Warum gibt es bei Pelargonium einen Leberwarnhinweis?

Nach Verdachtsmeldungen über Leberschäden ordnete das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte 2014 einen entsprechenden Hinweis in den Packungsbeilagen an. Auch die EU-Monographie von 2024 nennt Fälle von Leberschäden und Leberentzündung, deren Häufigkeit unbekannt ist. Ob die Pflanze die Ursache war, ist umstritten: Eine Prüfung von 15 Meldungen fand keine wahrscheinliche Ursächlichkeit, eine Berliner Krankenhausstudie stufte einen Fall als mögliche Ursache ein. Bei Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunklem Urin oder Oberbauchschmerzen solltest du die Einnahme sofort beenden und ärztlich abklären lassen.

Woran erkenne ich, ob ich eine Grippe und keine Erkältung habe?

Eine Erkältung beginnt meist schleichend mit Halskratzen, Schnupfen und Niesen, Fieber fehlt oder bleibt mäßig. Eine Grippe beginnt oft plötzlich mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Muskel- und Gliederschmerzen, trockenem Husten und starkem Krankheitsgefühl. Sicher unterscheiden lässt sich das nur mit einem Test. Gehörst du zu einer Risikogruppe, etwa ab 65 Jahren, in der Schwangerschaft oder mit einer chronischen Erkrankung, nimm früh ärztlichen Kontakt auf. Eine antivirale Behandlung sollte dann möglichst früh beginnen.

Wann sollte ich mit einer Erkältung zum Arzt gehen?

Bei Atemnot, Schmerzen in der Brust, eitrigem Auswurf, hohem oder anhaltendem Fieber und wenn es dir nach anfänglicher Besserung wieder schlechter geht. Auch Beschwerden, die länger als zehn Tage andauern, gehören ärztlich angeschaut. Für Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere, ältere und chronisch kranke Menschen gilt eine niedrigere Schwelle. Bei starker Atemnot ist der Notruf 112 die richtige Nummer.

Darf ich mehrere pflanzliche Erkältungsmittel gleichzeitig nehmen?

Davon rate ich eher ab. Jedes Mittel bringt eigene mögliche Nebenwirkungen mit, etwa allergische Reaktionen bei Echinacea oder seltene Leberschäden bei Pelargonium, und Kombinationen sind kaum untersucht. Wenn du mehrere Präparate gleichzeitig nimmst, lässt sich hinterher weder ein Nutzen noch eine Nebenwirkung zuordnen. Sinnvoller ist ein bewusst gewähltes Mittel, zeitlich begrenzt. Bei Dauermedikamenten gehört die Auswahl in die Absprache mit Arztpraxis oder Apotheke.

Sind pflanzliche Erkältungsmittel für Kinder, Schwangere und Stillende geeignet?

Nur eingeschränkt. Die EU-Monographien raten bei Echinacea und Holunderblüten von der Anwendung bei Kindern unter zwölf Jahren ab, bei flüssigen Pelargonium-Zubereitungen bei Kindern unter drei Jahren. In einer Studie mit 407 Kindern zeigte Echinacea keinen Nutzen, Hautausschläge traten häufiger auf. In Schwangerschaft und Stillzeit raten die Monographien wegen fehlender Daten ab, bei Echinacea außer auf ärztlichen Rat. Hier gilt: erst Rücksprache, dann Fläschchen.

Was bringen Zink und Vitamin D bei Erkältung?

Zink könnte eine laufende Erkältung etwas verkürzen, in einer Cochrane-Übersicht im Mittel um 2,37 Tage, allerdings bei niedriger Vertrauenswürdigkeit der Evidenz. Zur Vorbeugung senkte Zink das Risiko möglicherweise kaum oder gar nicht, und leichte Nebenwirkungen waren in der Behandlung wahrscheinlich häufiger. Vitamin D senkte das Risiko für akute Atemwegsinfekte in einer Auswertung von 46 Studien leicht. Am deutlichsten war der Schutz bei täglicher Gabe und, in einer früheren Auswertung, bei sehr niedrigem Ausgangsspiegel. Beides ersetzt weder Schlaf noch ärztliche Abklärung.

Wie wichtig ist Schlaf für die Abwehr gegen Erkältungen?

Sehr wichtig, wenn man den Studien folgt. In einer Studie mit 164 Erwachsenen, denen Erkältungsviren in die Nase getropft wurden, hatten Menschen mit weniger als fünf Stunden Schlaf eine 4,50-fach höhere Chance auf eine Erkältung als Menschen mit mehr als sieben Stunden. Bei fünf bis sechs Stunden lag sie 4,24-fach höher. Gemessen wurde der Schlaf objektiv mit einem Sensor am Handgelenk. Auch Dauerstress war in einer klassischen Studie mit häufigeren Erkältungen verbunden.

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SJ

Shukri Jarmoukli

Arzt, Integrative Medizin · ViveCura Berlin

In meiner Privatpraxis in Berlin-Kreuzberg begleite ich Menschen mit chronischen Beschwerden, arbeite zu Longevity und Prävention und biete Psychotherapie mit Ketamin-assistierten Infusionen, Somatic Experiencing und biodynamischen Ansätzen an. Mein Zugang verbindet klassische Medizin mit klinischer Psychoneuroimmunologie, funktioneller Diagnostik und Lebensstilmedizin. Als Erweiterung, nicht als Gegensatz.

Bei Erkältungsmitteln interessiert mich, was belegt ist, was plausibel ist und wo eine Grenze verläuft. Pflanzen nehme ich ernst. Die Unterscheidung zwischen Schnupfen und Grippe und den Blick auf deinen Medikationsplan ersetzen sie für mich aber nicht.

Privatpraxis Shukri Jarmoukli · Skalitzer Straße 137, 10999 Berlin · vivecura.com

Quellen

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  37. Hemilä H. Zinc lozenges and the common cold: a meta-analysis comparing zinc acetate and zinc gluconate, and the role of zinc dosage. JRSM Open. 2017;8(5):2054270417694291. DOI: 10.1177/2054270417694291 [Meta-Analyse, 7 RCTs, n=575]
Zur Einordnung der Evidenz: Zu Echinacea, Kapland-Pelargonie und Holunder existieren randomisierte Studien und Meta-Analysen. Die Einzelstudien sind jedoch oft klein, verwenden sehr unterschiedliche Zubereitungen und stammen teils aus dem Umfeld der Hersteller. Die Cochrane-Autoren bewerten die Evidenz zur Pelargonie bei Erkältung als sehr niedrig, bei Echinacea sehen sie allenfalls einen schwachen Nutzen fraglicher klinischer Bedeutung. Aussagen zu Wirkmechanismen stammen überwiegend aus Zellkulturen und Tierversuchen. Das ist biologisch plausibel, aber noch nicht mit der gleichen Sicherheit belegt wie durch große randomisierte Studien. Sicherheitssignale stammen teils aus Spontanmeldungen und Fallberichten, die keine Ursache beweisen. Die Angaben der EU-Monographien beziehen sich auf bestimmte Zubereitungen. Dieser Artikel enthält bewusst keine Dosierungsempfehlungen und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Bei Warnzeichen, Risikofaktoren oder laufender Medikation gehört jede Entscheidung über pflanzliche Präparate ärztlich begleitet.

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