Ratgeber Hormone (Mann) · Spoke 15

Östrogen beim Mann: warum Männer Estradiol brauchen

Östrogen gilt als Frauenhormon. Beim Mann klingt es fast nach einem Defekt. Doch jeder Mann bildet Östrogen, und er braucht es. Estradiol kann beim Mann die Knochen mitschützen, es trägt einen Teil der Libido und ist auch im Gehirn aktiv. Es geht nicht um zu viel oder zu wenig allein, sondern um die Balance mit dem Testosteron.

Shukri Jarmoukli · Arzt · Selbst gewählter Tätigkeitsschwerpunkt: integrative und funktionelle Medizin, keine Facharzt- oder Zusatzbezeichnung · ViveCura Berlin
Mein Ausgangspunkt

Kaum ein Wort verunsichert Männer so sehr wie Östrogen. In meiner Praxis höre ich oft den stillen Satz mit: „Habe ich jetzt etwa Frauenhormone?" Ich sehe das ganz anders. Östrogen, genauer das Estradiol, ist beim Mann kein Fehler, sondern ein Werkzeug. Es kann deine Knochen mit stabil halten, es trägt einen Teil deiner Libido und ist auch im Gehirn aktiv. Das Problem ist nie das Östrogen an sich. Das Problem ist ein Verhältnis, das aus dem Takt geraten ist. Genau darum geht es in diesem Artikel.

Vielleicht hast du den Begriff Östrogen beim Mann zum ersten Mal in einem Fitnessforum gelesen. Dort gilt es oft als der Feind, als das Hormon, das angeblich Bauch und Brust wachsen lässt und das man möglichst weit nach unten drücken sollte. Diese Vorstellung greift zu kurz. Sie übersieht, dass dein Körper Estradiol mit Absicht herstellt und dass es für deine Gesundheit gebraucht wird.

In diesem Spoke schauen wir uns an, woher das Östrogen beim Mann kommt, was das Enzym Aromatase damit zu tun hat, warum Estradiol für Knochen, Libido und Gehirn wichtig ist und warum sowohl zu viel als auch zu wenig zum Problem werden kann. Am Ende geht es nicht um eine Zahl, sondern um ein Gleichgewicht. Der Dreiklang ist einfach: erst das Gefühl ernst nehmen, dann den Mechanismus verstehen, dann die richtigen Hebel finden.

Östrogen beim Mann: kein Frauenhormon, sondern ein Werkzeug

Beginnen wir mit dem Gefühl, das viele Männer beim Thema begleitet: Unbehagen. Östrogen klingt nach etwas, das im männlichen Körper nichts zu suchen hat. Diese Sorge ist verständlich, aber biologisch nicht haltbar. Estradiol ist das wichtigste Östrogen, und es gehört zum männlichen Körper genauso dazu wie das Testosteron. Es ist kein Eindringling, sondern ein eingeplanter Botenstoff.

Besonders überraschend ist ein Befund aus der Andrologie. Die gemessenen Estradiolspiegel älterer Männer können im Mittel über denen von Frauen nach den Wechseljahren liegen (Vermeulen und Kollegen, Aging Male 2002, PMID: 12198740). Östrogen ist beim Mann also nicht nur in Spuren vorhanden, sondern ein relevanter Mitspieler. Es entsteht überwiegend aus dem eigenen Testosteron, über das Enzym Aromatase, das wir gleich genauer betrachten.

Studie · Übersicht zur männlichen Reproduktion

Estradiol ist an Libido, Erektion und Samenbildung beteiligt

Übersichtsarbeit Michael Schulster und Kollegen fassten 2016 im Asian Journal of Andrology die Rolle des Estradiols für die männliche Sexualfunktion zusammen. Estradiol und seine Rezeptoren sowie das Enzym Aromatase finden sich reichlich in Gehirn, Penis und Hoden, also genau in den Organen, die für Sexualfunktion und Fruchtbarkeit zentral sind. Die Autoren beschreiben, dass Estradiol beim Mann an der Steuerung von Libido, Erektion und Spermienbildung beteiligt ist und dass das Hormon dabei sowohl fördernd als auch bremsend wirken kann, je nach Menge und Ort. Das deutet darauf hin, dass Estradiol beim Mann fein dosiert gebraucht wird, nicht einfach unterdrückt gehört.

Schulster M, Bernie AM, Ramasamy R. Asian J Androl. 2016;18(3):435-440. doi:10.4103/1008-682X.173932 · PMID: 26908066

Und jetzt wird verständlich, warum man Östrogen beim Mann nicht pauschal verteufeln sollte. Es ist kein Zeichen mangelnder Männlichkeit. Es ist Teil des Systems, das Männlichkeit überhaupt erst regelt.

Reframe

Östrogen ist beim Mann kein Gegenspieler des Testosterons. Es ist eher dessen stiller Partner. Ein Teil deines Testosterons wird laufend in Estradiol umgewandelt, weil dein Körper beide Botenstoffe braucht. Die Frage ist nie, ob du als Mann Östrogen hast. Die Frage ist, ob die Menge zum Rest deines Hormonbilds passt.

Aromatase: der Schalter, der Testosteron in Östrogen verwandelt

Um Östrogen beim Mann zu verstehen, musst du ein einziges Enzym kennen: die Aromatase. Sie ist der Umwandler. Sie nimmt Testosteron und macht daraus Estradiol. Dieses Enzym sitzt nicht nur an einer Stelle, sondern an vielen: im Fettgewebe, im Gehirn, in den Knochen, in den Hoden und in den Blutgefäßen. Überall dort kann lokal aus Testosteron Östrogen entstehen.

Das Entscheidende daran ist das Fettgewebe. Es enthält besonders viel Aromatase. Je mehr Fett ein Mann mit sich trägt, vor allem am Bauch, desto mehr Testosteron kann in Estradiol umgewandelt werden. So verschiebt sich das Verhältnis der beiden Hormone. Das ist der Grund, warum das Thema Östrogen beim Mann eng mit dem Körpergewicht verknüpft ist.

Stell dir die Aromatase wie ein Mischpult vor. An einem Regler wird Testosteron leiser, an einem anderen Estradiol lauter. Bei einem schlanken, gesunden Mann steht das Pult in einer ausgewogenen Stellung. Bei viel Bauchfett dreht sich der Estradiol-Regler langsam nach oben, während gleichzeitig die Nachproduktion von Testosteron leiser werden kann.

Fettgewebe als Hormonfabrik

Auf Zellebene ist Fettgewebe kein passiver Speicher. In den Fettzellen, vor allem im Bauchfett, ist viel Aromatase aktiv. Dort wird Testosteron lokal in Estradiol umgewandelt. Mehr Fettmasse bedeutet damit mehr Umwandlungskapazität. So kann das Fettgewebe selbst das Verhältnis von Testosteron zu Östrogen verschieben, ganz unabhängig von dem, was die Hoden bilden.

Knochenzellen und Estradiol

In den Knochen sitzen Östrogenrezeptoren. Estradiol kann den Zellen, die Knochen abbauen, das Signal geben, langsamer zu arbeiten. Fehlt das Estradiol, kann der Abbau überwiegen und die Knochendichte sinken. Vieles deutet darauf hin, dass Estradiol für den erwachsenen männlichen Knochen in dieser Rolle sogar bedeutsamer sein könnte als das Testosteron selbst.

Gehirn und Libido

Im Gehirn wird Estradiol direkt vor Ort gebildet, gerade in Arealen, die mit sexueller Erregung zu tun haben. Östrogenrezeptoren und Aromatase sind in diesen Regionen reichlich vorhanden. Auf Zellebene scheint Estradiol mitzubestimmen, wie stark die Libido ausgeprägt ist. Deshalb kann ein zu niedriges Estradiol beim Mann die Lust dämpfen, obwohl das Testosteron stimmt.

Rückkopplung zur Steuerzentrale

Hypothalamus und Hypophyse messen mit, wie viel Sexualhormon im Blut ist. Estradiol gehört zu den Signalen, die diese Steuerung dämpfen können. Ein durch viel Fettgewebe erhöhtes Estradiol kann so die Botschaft an die Hoden leiser machen, weniger Testosteron nachzubilden. Auf Zellebene entsteht daraus eine Schleife, in der ein verschobenes Verhältnis sich selbst verstärken kann.

Diese vier Ebenen zeigen, warum die Aromatase mehr ist als eine technische Fußnote. Sie ist ein zentraler Regler im männlichen Hormonsystem. Und sie erklärt, warum Gewicht, Stoffwechsel und Hormonbild beim Mann so eng zusammenhängen.

Warum Estradiol für Knochen, Libido und Gehirn unverzichtbar ist

Jetzt kommt der vielleicht wichtigste Gedanke dieses Artikels. Viele Wirkungen, die man dem Testosteron zuschreibt, laufen tatsächlich über das Estradiol. Das ist keine Theorie, sondern wurde in einer der elegantesten Hormonstudien der letzten Jahre direkt gemessen.

Studie · Gesunde Männer, kontrolliert

Estradiol kann die Fettzunahme bremsen und wirkt bei der Libido mit

RCT, n=400 Joel Finkelstein und Kollegen untersuchten 2013 im New England Journal of Medicine 400 gesunde Männer zwischen 20 und 50 Jahren. Mit einem Medikament wurde die körpereigene Hormonbildung gezielt ausgeschaltet, dann erhielten die Männer unterschiedliche Mengen Testosteron, ein Teil zusätzlich einen Aromatasehemmer, der die Umwandlung in Estradiol blockierte. So ließ sich trennen, welche Wirkung vom Testosteron und welche vom Estradiol stammt. Das Ergebnis: Der Verlust an Muskelmasse und Kraft ging auf das fehlende Testosteron zurück. Die Zunahme an Körperfett dagegen war vor allem dem fehlenden Estradiol zuzuschreiben, und beide Hormone gemeinsam trugen zur Libido bei. Die Autoren halten zusätzlich fest, dass das sexuelle Verlangen abnahm, wenn die Testosterondosis gesenkt wurde. Estradiol erwies sich damit als eigenständig wichtig. Weil die Teilnehmer jung und gesund waren und die Hormonlage medikamentös erzeugt wurde, lassen sich die Ergebnisse nicht eins zu eins auf ältere Männer im Alltag übertragen.

Finkelstein JS, Lee H, Burnett-Bowie SM, et al. N Engl J Med. 2013;369(11):1011-1022. doi:10.1056/NEJMoa1206168 · PMID: 24024838

Noch eindrücklicher sind die wenigen weltweit beschriebenen Männer, deren Körper kein Östrogen bilden oder darauf nicht ansprechen kann. Bei einem Defekt der Aromatase oder des Östrogenrezeptors wurde etwas Erstaunliches beobachtet: Diese Männer hatten hohe oder normale Testosteronwerte, wuchsen aber weiter in die Höhe, weil die Wachstumsfugen der Knochen nicht schlossen, und sie entwickelten früh eine schwere Osteoporose. Das sind Einzelfälle und keine Studienlage.

Studie · Seltene Hormonstörungen

Bei den beschriebenen Männern ohne Östrogenwirkung blieben die Knochenfugen offen

Übersicht über Einzelfälle Serdar Bulun fasste 2000 in Seminars in Reproductive Medicine die seltenen Fälle von Männern mit Aromatasemangel oder Östrogenresistenz zusammen. Es gibt weltweit nur eine Handvoll beschriebener Männer, deren Körper kein Östrogen bilden kann, und einen einzigen beschriebenen Mann, dessen Östrogenrezeptor nicht anspricht. Trotz normaler oder hoher Testosteronwerte blieben bei diesen Männern die Wachstumsfugen offen, sodass sie ungewöhnlich groß wurden und eine Osteoporose entwickelten. Das sind Einzelfälle, keine Studienlage, und trotzdem sind sie lehrreich: Sie deuten sehr stark darauf hin, dass für den reifen männlichen Knochen das Estradiol der entscheidende Botenstoff sein könnte.

Bulun SE. Semin Reprod Med. 2000;18(1):31-39. doi:10.1055/s-2000-13481 · PMID: 11305285

Und damit ist klar, warum die Idee, Östrogen sei beim Mann grundsätzlich schlecht, in die Irre führt. Ohne Estradiol gerät der Knochen, gerät die Libido, gerät die Fettverteilung aus dem Tritt. Estradiol ist kein Makel. Es ist eine tragende Säule.

Zu viel und zu wenig: warum beim Östrogen die Balance entscheidet

Wenn Estradiol so wichtig ist, könnte man meinen, mehr sei besser. So einfach ist es nicht. Beim Östrogen beim Mann gilt weder je mehr, desto besser noch je weniger, desto besser. Beide Extreme können Beschwerden machen. Die Kunst liegt im Gleichgewicht mit dem Testosteron.

Schauen wir zuerst auf zu viel. Ein dauerhaft hohes Estradiol im Verhältnis zum Testosteron, meist getrieben durch viel Bauchfett, kann zu einer Vergrößerung des Brustdrüsengewebes beitragen, der Gynäkomastie. Diskutiert werden außerdem Wassereinlagerungen, gedämpfte Steuerung der Hoden und Stimmungsveränderungen. Neben dem Gewicht können auch bestimmte Medikamente, Alkohol, eine Lebererkrankung, eine Nierenschwäche, eine Schilddrüsenüberfunktion, ein erhöhtes Prolaktin oder Tumoren an Hoden und Nebennieren dahinterstecken. Wichtig bleibt die Einordnung: Es ist selten der absolute Wert, der zählt, sondern das Verhältnis.

Bitte zuerst abklären lassen

Eine sichtbare oder tastbare Veränderung der Brust beim Mann gehört immer ärztlich abgeklärt, bevor du an Gewicht oder Hormone denkst. Hinter einer Brustvergrößerung können auch Ursachen stecken, die schnell erkannt werden müssen: ein Tumor im Hoden, der Hormone bildet, oder, selten, ein Brustkrebs beim Mann. Dringend und sofort abklären lassen solltest du eine Schwellung, die nur eine Seite betrifft, die derb oder schmerzhaft ist, die rasch wächst, bei der sich die Haut oder die Brustwarze verändert oder Flüssigkeit austritt, und jede tastbare Veränderung an einem Hoden. Das ist keine Panikmache, sondern der Grund, warum diese Untersuchung in ärztliche Hände gehört und nicht in ein Forum.

Jetzt zu wenig. Hier wird es spannend, weil es oft übersehen wird. Gerade Männer, die unbedingt ihr Testosteron steigern wollen, geraten in Versuchung, das Östrogen aktiv zu unterdrücken. Doch ein zu niedriges Estradiol kann beim Mann mit nachlassender Libido, schlechterer Stimmung und vor allem mit Knochenschwund einhergehen.

Studie · Ältere Männer, prospektiv

Ein niedriges Estradiol ging mit einem erhöhten Bruchrisiko einher

Case-Cohort in prospektiver Kohorte, rund 1900 ausgewertete Männer Erin LeBlanc und Kollegen werteten 2009 im Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism Daten der großen US-Studie MrOS aus. Die MrOS-Kohorte umfasst 5995 Teilnehmer, ausgewertet wurde in einem Case-Cohort-Design eine Stichprobe von rund 1900 Männern zusammen mit allen Bruchfällen. Männer mit dem niedrigsten verfügbaren Estradiol hatten ein etwa eineinhalbfach erhöhtes Risiko für Knochenbrüche außerhalb der Wirbelsäule. Das Testosteron allein war nach Berücksichtigung des Estradiols kein eigenständiger Vorhersager mehr. Am höchsten war das Risiko bei Männern, bei denen niedriges Estradiol, niedriges Testosteron und ein hohes Bindungsprotein zusammenkamen. Das deutet darauf hin, dass ein ausreichendes Estradiol beim Mann den Knochen mitschützen kann.

LeBlanc ES, Nielson CM, Marshall LM, et al. J Clin Endocrinol Metab. 2009;94(9):3337-3346. doi:10.1210/jc.2009-0206 · PMID: 19584177

Genau deshalb ist Vorsicht geboten bei Aromatasehemmern, also verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, die die Umwandlung von Testosteron in Estradiol blockieren. Sie heben zwar das Testosteron an, senken aber das Estradiol. Bei älteren Männern nahm in kontrollierten Studien die Knochendichte an der Wirbelsäule darunter ab, was am ehesten damit zusammenhängen kann, dass die schützende Estradiolwirkung wegfiel.

Studie · Ältere Männer, kontrolliert

Unter dem Aromatasehemmer sank das Estradiol und die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule nahm ab

RCT, doppelblind, n=69 Sherri-Ann Burnett-Bowie und Kollegen untersuchten 2009 im Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism 69 ältere Männer mit niedrigen bis grenzwertigen Testosteronwerten. Über ein Jahr erhielt die eine Hälfte einen Aromatasehemmer, die andere ein Placebo. Der Hemmstoff hob das Testosteron an und senkte das Estradiol. Zugleich nahm die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule in der Hemmstoffgruppe ab, während sie unter Placebo leicht zunahm. An den anderen Messorten zeigte sich dieselbe Tendenz, dort allerdings ohne statistische Sicherheit, und die Marker des Knochenumbaus veränderten sich nicht. Die Autoren folgerten vorsichtig, dass das Blockieren der Aromatase die Knochengesundheit älterer Männer eher nicht verbessert. Das passt zu der Rolle des Estradiols als Mitschützer des Knochens.

Burnett-Bowie SM, McKay EA, Lee H, Leder BZ. J Clin Endocrinol Metab. 2009;94(12):4785-4792. doi:10.1210/jc.2009-0739 · PMID: 19820017

Eine kleine Vergleichsstudie mit 43 älteren Männern, von den Autoren selbst als Machbarkeitsstudie bezeichnet, weist in dieselbe Richtung (Dias und Kollegen, Andrology 2016, online vorab 2015). Sie verglich bei älteren Männern Testosteron, einen Aromatasehemmer und Placebo. Nur unter echtem Testosteron, das auch in Estradiol umgewandelt werden konnte, nahm die Knochendichte der Wirbelsäule zu. Fairerweise gehört dazu: Die Magermasse legte in dieser Studie nur unter dem Aromatasehemmer zu, und bei 43 Teilnehmern lässt sich daraus noch keine Regel ableiten (doi:10.1111/andr.12126, PMID: 26588809). Und jetzt weißt du, warum das Senken von Östrogen auf eigene Faust keine gute Idee ist.

Häufiger Irrtum

„Östrogen ist beim Mann nur schädlich, je niedriger desto besser." Dieser Satz aus vielen Fitnessforen ist gefährlich verkürzt. Estradiol kann beim Mann den Knochen mitschützen, es trägt zur Libido bei und ist auch im Gehirn aktiv. Ein künstlich nach unten gedrücktes Östrogen kann genau diese Schutzwirkungen schwächen. Nicht das Vorhandensein von Östrogen ist das Problem, sondern ein Verhältnis, das nicht mehr stimmt. Und das lässt sich meist besser über Gewicht und Lebensstil beeinflussen als über das Unterdrücken eines lebenswichtigen Hormons.

Drei Hebel für ein gesundes Östrogen-Testosteron-Verhältnis

Was kannst du nun tun, wenn dir das Verhältnis von Östrogen und Testosteron am Herzen liegt? Der wichtigste Gedanke vorweg: Es geht selten um Medikamente gegen Östrogen. Es geht um die Grundlagen, die das Verhältnis natürlich beeinflussen. Diese drei Hebel sind ein Anfang, kein Therapieplan. Den individuellen Weg findest du mit ärztlicher Begleitung.

1

Geh an das Bauchfett, nicht an das Östrogen

Weil im Bauchfett besonders viel Aromatase sitzt, kann eine nachhaltige Gewichtsabnahme das Verhältnis von Testosteron zu Östrogen wieder günstiger beeinflussen. Weniger Fettgewebe könnte weniger Umwandlung von Testosteron in Estradiol bedeuten. Es geht nicht um schnelle Diäten, sondern um eine Ernährung, die den Blutzucker ruhig hält, mit genug Eiweiß und Ballaststoffen. Bei vielen Männern kann das Gewicht der erste sinnvolle Ansatzpunkt sein, weil sich damit gleich mehrere Stellschrauben zugleich bewegen.

2

Unterdrücke das Estradiol nicht eigenmächtig

Aromatasehemmer sind verschreibungspflichtige Arzneimittel. Zugelassen sind sie in Deutschland nicht dafür, beim Mann das Testosteron anzuheben. Ein Einsatz in diesem Zusammenhang wäre also ein Off-Label-Use, den eine Ärztin oder ein Arzt persönlich verantwortet, der eine gesonderte Aufklärung verlangt und den die Kasse in der Regel nicht bezahlt. Sie können neben dem Absenken des Estradiols auch Gelenkbeschwerden, Hitzewallungen, Veränderungen der Blutfette und Stimmungsschwankungen auslösen, und Studien deuten darauf hin, dass die Knochendichte darunter leiden kann. Der Bezug ohne Rezept über das Internet ist verboten und gefährlich, weil dort gefälschte und falsch dosierte Ware kursiert. Dosierungen nenne ich hier bewusst nicht, das gehört in ein ärztliches Gespräch. Beim Estradiol gilt nicht je niedriger, desto besser, sondern die Balance entscheidet.

3

Lass Testosteron und Estradiol gemeinsam messen

Wer ein Hormonbild beurteilen will, sollte nicht nur das Testosteron, sondern auch das Estradiol bestimmen lassen, am besten morgens. Ein Hinweis zur Messung: Estradiol liegt beim Mann im unteren Messbereich, und einfache Immunoassays können dort ungenau sein. Genauer ist in der Regel eine Bestimmung per Massenspektrometrie, die aber nicht jedes Labor anbietet. Erst das Verhältnis und der Gesamtblick erlauben eine sinnvolle Einordnung. Sinnvoll ist es zudem, Gewicht, Leber, Medikamente und die übrige Hormonlage mit anzuschauen, statt einen einzelnen Wert isoliert zu deuten.

Wichtig bei Kinderwunsch

Ein Punkt, der oft untergeht und deshalb hierher gehört: Wenn du dir Kinder wünschst, ist eine Testosterontherapie in der Regel der falsche Weg. Zugeführtes Testosteron kann die eigene Steuerung der Hoden herunterfahren und damit die Spermienbildung unterdrücken. Diese Wirkung kann Monate bis Jahre anhalten und bildet sich nicht immer vollständig zurück. Bei Kinderwunsch gehören deshalb zuerst ein Spermiogramm und eine andrologische Abklärung dazu, bevor irgendein Hormon gegeben wird.

Und wenn Beschwerden bleiben, etwa eine tastbare Brustveränderung, anhaltender Libidoverlust oder Hinweise auf Knochenschwund, gehört das ärztlich abgeklärt. Dann lohnt sich eine Sprechstunde, in der Testosteron und Estradiol gemeinsam bewertet und Gewicht, Leber, Medikamente und die übrige Hormonlage mit angeschaut werden. Welche Diagnostik im Einzelfall sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt, die dich untersuchen.

Der Kern

Östrogen ist beim Mann kein Feind, sondern ein Partner

Estradiol gehört zu deinem männlichen Körper wie das Testosteron. Es kann die Knochen mit stabil halten, es trägt einen Teil deiner Libido und ist auch im Gehirn aktiv. Es geht nicht darum, es zu bekämpfen, sondern darum, sein Verhältnis zum Testosteron im Lot zu halten. Wenn du an Gewicht und Lebensstil arbeitest, stützt du dieses Gleichgewicht. Deine Hormone sind kein Wettkampf zweier Gegner. Sie sind ein Gespräch.

Häufige Fragen zu Östrogen beim Mann

Haben Männer auch Östrogen?

Ja, und das ist gewollt. Östrogen, genauer das Estradiol, ist kein reines Frauenhormon. Jeder Mann bildet es, vor allem aus dem eigenen Testosteron über das Enzym Aromatase. Estradiol ist beim Mann an Knochen, Libido, Gehirn, Fettverteilung und sogar an der Fruchtbarkeit beteiligt. Interessanterweise können die gemessenen Estradiolspiegel älterer Männer im Mittel über denen von Frauen nach den Wechseljahren liegen. Östrogen ist beim Mann also kein Unfall, sondern ein notwendiger Botenstoff in einem fein abgestimmten Netzwerk. Es geht nie um die Frage, ob ein Mann Östrogen hat, sondern darum, ob die Menge zum übrigen Hormonbild passt.

Was ist Aromatase und was macht sie beim Mann?

Aromatase ist ein Enzym, das Testosteron in Estradiol umwandelt, also ein männliches in ein vermeintlich weibliches Hormon. Dieses Enzym sitzt unter anderem im Fettgewebe, im Gehirn, in den Knochen und in den Hoden. Beim Mann ist das der Hauptweg, auf dem Östrogen entsteht. Je mehr Fettgewebe ein Mann hat, desto mehr Aromatase ist aktiv und desto mehr Testosteron kann in Östrogen umgewandelt werden. Das erklärt, warum Übergewicht das Verhältnis von Testosteron zu Östrogen verschieben kann. Aromatase ist damit ein zentraler Regler, der mitbestimmt, wie viel von welchem Hormon im Körper ankommt.

Warum brauchen Männer überhaupt Estradiol?

Weil viele Wirkungen, die man dem Testosteron zuschreibt, tatsächlich über Estradiol laufen. Eine kontrollierte Studie aus Boston an gesunden Männern zwischen 20 und 50 deutet darauf hin, dass die Zunahme an Körperfett vor allem am fehlenden Estradiol lag, während Muskelmasse und Kraft am Testosteron hingen. Zur Libido trugen beide Hormone bei. Weil die Hormonlage in dieser Studie medikamentös erzeugt wurde, lassen sich die Ergebnisse nicht eins zu eins auf ältere Männer im Alltag übertragen. Auch für die Knochen kann Estradiol beim Mann entscheidend sein. Bei den wenigen weltweit beschriebenen Männern, deren Körper kein Östrogen bilden oder darauf nicht ansprechen kann, blieben die Wachstumsfugen trotz hoher Testosteronwerte offen und es entwickelte sich früh eine Osteoporose. Das sind Einzelfälle, keine Studienlage. Estradiol ist beim Mann also kein Nebenprodukt, sondern ein eigenständig wichtiger Botenstoff für Knochen, Libido und Gehirn.

Ist zu viel Östrogen beim Mann schädlich?

Ein dauerhaft zu hohes Östrogen im Verhältnis zum Testosteron kann beim Mann unerwünschte Folgen haben. Diskutiert werden eine Vergrößerung des Brustdrüsengewebes, also eine Gynäkomastie, Wassereinlagerungen, eine gedämpfte Steuerung der Hoden und Stimmungsveränderungen. Ein häufiger Grund für ein verschobenes Verhältnis kann vermehrtes Bauchfett sein, weil dort viel Aromatase sitzt. Daneben kommen Medikamente, Lebererkrankungen, Alkohol und hormonelle Störungen infrage. Wichtig ist die Einordnung: Nicht ein hoher absoluter Wert ist das Problem, sondern das Ungleichgewicht. Und der erste Hebel ist meist nicht ein Medikament gegen Östrogen, sondern die Arbeit am Gewicht und am Lebensstil. Bei Beschwerden gehört das ärztlich abgeklärt.

Kann zu wenig Östrogen beim Mann auch ein Problem sein?

Ja, und das wird oft übersehen. Ein zu niedriges Estradiol kann beim Mann mit nachlassender Libido, schlechterer Stimmung, mehr Bauchfett und vor allem mit Knochenschwund verbunden sein. In einer großen Beobachtungsstudie an älteren Männern hatten die Männer mit dem niedrigsten verfügbaren Estradiol ein etwa eineinhalbfach erhöhtes Risiko für Knochenbrüche. Am höchsten war das Risiko, wenn niedriges Estradiol, niedriges Testosteron und ein hohes Bindungsprotein zusammenkamen. Das ist klinisch relevant, weil manche Männer in der Hoffnung auf mehr Testosteron das Östrogen mit sogenannten Aromatasehemmern unterdrücken. Studien deuten darauf hin, dass das die Knochendichte verschlechtern kann. Beim Estradiol gilt also kein je niedriger, desto besser, sondern die Balance entscheidet.

Wie hängen Östrogen und Testosteron beim Mann zusammen?

Sie sind kein Gegensatzpaar, sondern zwei Seiten desselben Stoffwechselwegs. Ein Teil des Testosterons wird über die Aromatase laufend in Estradiol umgewandelt. Beide Hormone teilen sich Aufgaben: Testosteron steht eher für Muskel, Kraft und Antrieb, Estradiol eher für Knochen, Fettverteilung und einen großen Teil der Libido. Wer nur auf das Testosteron schaut, übersieht, dass viele seiner Wirkungen erst über das Estradiol entstehen. Deshalb ist nicht der einzelne Wert entscheidend, sondern das Verhältnis und das Zusammenspiel der beiden. Sinnvoll ist es, beide Hormone gemeinsam zu bewerten.

Sollte man Östrogen beim Mann mit Aromatasehemmern senken?

In den meisten Fällen ist davon abzuraten, außer bei klarer ärztlicher Indikation. Aromatasehemmer blockieren die Umwandlung von Testosteron in Estradiol und heben den Testosteronwert an, senken aber zugleich das Estradiol. Kontrollierte Studien an älteren Männern zeigten, dass diese Blockade die Knochendichte an der Wirbelsäule eher verschlechterte, weil die schützende Estradiolwirkung wegfiel. Estradiol ist beim Mann für die Knochen wichtig, und ein künstlich gesenkter Spiegel kann diesen Schutz schwächen. Aromatasehemmer sind verschreibungspflichtige Arzneimittel. Sie haben ihren festen Platz in ganz anderen Behandlungssituationen, die mit dem Thema dieses Artikels nichts zu tun haben und ausschließlich in fachärztliche Hände gehören. Für das Anheben des Testosteronwerts beim Mann sind sie in Deutschland nicht zugelassen, ein Einsatz in diesem Zusammenhang wäre ein Off-Label-Use. Für die Selbstoptimierung sind sie nicht gedacht.

Verursacht Östrogen beim Mann eine Brustbildung?

Ein verschobenes Verhältnis von Östrogen zu Testosteron kann zu einer Vergrößerung des Brustdrüsengewebes beitragen, der sogenannten Gynäkomastie. Das ist allerdings selten allein eine Frage des absoluten Östrogenwerts. Häufig spielt das Verhältnis der beiden Hormone eine Rolle, oft im Zusammenhang mit Übergewicht, bestimmten Medikamenten, Lebererkrankungen oder hormonellen Störungen. Eine sichtbare oder tastbare Veränderung der Brust beim Mann gehört immer ärztlich abgeklärt, bevor du an Gewicht oder Hormone denkst. Hinter einer Brustvergrößerung können auch Ursachen stecken, die schnell erkannt werden müssen, etwa ein Tumor im Hoden, der Hormone bildet, oder, selten, ein Brustkrebs beim Mann. Sofort abklären lassen solltest du eine Schwellung, die nur eine Seite betrifft, die derb oder schmerzhaft ist, die rasch wächst, bei der sich Haut oder Brustwarze verändern oder Flüssigkeit austritt, und jede tastbare Veränderung an einem Hoden. Wir behandeln das Thema vertieft im eigenen Artikel zu den hormonellen Ursachen der Gynäkomastie.

Welche Rolle spielt das Bauchfett für das Östrogen beim Mann?

Eine zentrale. Im Fettgewebe, besonders im Bauchfett, sitzt viel Aromatase. Je mehr dieses Fett zunimmt, desto mehr Testosteron kann in Estradiol umgewandelt werden. Gleichzeitig kann das verschobene Hormonbild die übergeordnete Steuerung der Hoden dämpfen, sodass weniger neues Testosteron nachgebildet wird. So kann ein Kreislauf entstehen, in dem mehr Bauchfett das Hormonbild weiter in Richtung Östrogen verschiebt. Das ist keine schlechte Nachricht, denn es bedeutet auch: Eine Gewichtsabnahme kann dieses Verhältnis wieder günstiger beeinflussen. Bei vielen Männern kann das Gewicht dabei der erste sinnvolle Ansatzpunkt sein.

Wann sollte ich mit dem Thema Östrogen zum Arzt?

Ärztlich abklären lassen solltest du eine sichtbare oder tastbare Brustvergrößerung, anhaltenden Libidoverlust, unerklärliche Stimmungstiefs, einen unerfüllten Kinderwunsch oder Hinweise auf Knochenschwund. Auch wer eine Testosterontherapie oder Aromatasehemmer erwägt, sollte das Östrogen nicht auf eigene Faust verändern. Beides ist verschreibungspflichtig. Wichtig bei Kinderwunsch: Zugeführtes Testosteron kann die eigene Steuerung der Hoden herunterfahren und damit die Spermienbildung unterdrücken. Diese Wirkung kann Monate bis Jahre anhalten und bildet sich nicht immer vollständig zurück. Deshalb gehören bei Kinderwunsch zuerst ein Spermiogramm und eine andrologische Abklärung dazu, bevor irgendein Hormon gegeben wird. Hinter Beschwerden können behandelbare Ursachen stecken, etwa Übergewicht, eine Lebererkrankung, bestimmte Medikamente oder eine hormonelle Störung. Sinnvoll ist es, Testosteron und Estradiol gemeinsam zu messen und das ganze System zu betrachten statt eines einzelnen Werts. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

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Geschrieben von

Shukri Jarmoukli

Arzt · Selbst gewählte Tätigkeitsschwerpunkte: integrative und funktionelle Medizin sowie klinische Psychoneuroimmunologie, keine Facharzt- oder Zusatzbezeichnungen · ViveCura Berlin, Skalitzer Straße 137 · Schwerpunkt: männliche Hormone als vernetztes System. Beim Östrogen beim Mann schaue ich nie auf einen einzelnen Wert, sondern auf das Verhältnis von Testosteron und Estradiol, auf das Gewicht und das Fettgewebe als Ort der Aromatase und auf die Folgen für Knochen, Libido und Stimmung. Dieser Spoke stützt sich auf die Forschung zur eigenständigen Rolle des Estradiols bei Mann (Finkelstein 2013, New England Journal of Medicine), auf die seltenen Fälle von Aromatasemangel und Östrogenresistenz (Bulun 2000, Seminars in Reproductive Medicine), auf den Zusammenhang von niedrigem Estradiol und Knochenbrüchen (LeBlanc 2009, Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism) und auf kontrollierte Studien zu Aromatasehemmern (Burnett-Bowie 2009, Dias 2016). Mir ist wichtig, in der Sprechstunde Testosteron und Estradiol gemeinsam zu bewerten und nicht nur eine einzelne Zahl.

Zuletzt geprüft und aktualisiert am 2. September 2026. Der medizinische Stand kann sich ändern.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Finkelstein JS, Lee H, Burnett-Bowie SM, et al. Gonadal steroids and body composition, strength, and sexual function in men. N Engl J Med. 2013;369(11):1011-1022. doi:10.1056/NEJMoa1206168 · PMID: 24024838 [RCT]
  2. Schulster M, Bernie AM, Ramasamy R. The role of estradiol in male reproductive function. Asian J Androl. 2016;18(3):435-440. doi:10.4103/1008-682X.173932 · PMID: 26908066 [Review]
  3. Vermeulen A, Kaufman JM, Goemaere S, van Pottelberg I. Estradiol in elderly men. Aging Male. 2002;5(2):98-102. PMID: 12198740 [Review]
  4. Bulun SE. Aromatase deficiency and estrogen resistance: from molecular genetics to clinic. Semin Reprod Med. 2000;18(1):31-39. doi:10.1055/s-2000-13481 · PMID: 11305285 [Mechanismus-Review]
  5. Simpson ER. Genetic mutations resulting in estrogen insufficiency in the male. Mol Cell Endocrinol. 1998;145(1-2):55-59. doi:10.1016/s0303-7207(98)00169-5 · PMID: 9922099 [Mechanismus-Review]
  6. LeBlanc ES, Nielson CM, Marshall LM, et al. The effects of serum testosterone, estradiol, and sex hormone binding globulin levels on fracture risk in older men. J Clin Endocrinol Metab. 2009;94(9):3337-3346. doi:10.1210/jc.2009-0206 · PMID: 19584177 [Kohorte, prospektiv]
  7. Burnett-Bowie SM, McKay EA, Lee H, Leder BZ. Effects of aromatase inhibition on bone mineral density and bone turnover in older men with low testosterone levels. J Clin Endocrinol Metab. 2009;94(12):4785-4792. doi:10.1210/jc.2009-0739 · PMID: 19820017 [RCT]
  8. Dias JP, Melvin D, Simonsick EM, et al. Effects of aromatase inhibition vs. testosterone in older men with low testosterone: randomized-controlled trial. Andrology. 2016;4(1):33-40. doi:10.1111/andr.12126 · PMID: 26588809 [RCT]
  9. Vandenput L, Ohlsson C. Estrogens as regulators of bone health in men. Nat Rev Endocrinol. 2009;5(8):437-443. doi:10.1038/nrendo.2009.112 · PMID: 19528961 [Review]
  10. Rochira V. Late-onset Hypogonadism: Bone health. Andrology. 2020;8(6):1539-1550. doi:10.1111/andr.12827 · PMID: 32469467 [Review]
  11. Cauley JA. Estrogen and bone health in men and women. Steroids. 2015;99(Pt A):11-15. doi:10.1016/j.steroids.2014.12.010 · PMID: 25555470 [Review]
  12. Wickman S, Kajantie E, Dunkel L. Effects of suppression of estrogen action by the p450 aromatase inhibitor letrozole on bone mineral density and bone turnover in pubertal boys. J Clin Endocrinol Metab. 2003;88(8):3785-3793. doi:10.1210/jc.2002-021643 · PMID: 12915670 [RCT]
  13. Drake MT, Khosla S. Male osteoporosis. Endocrinol Metab Clin North Am. 2012;41(3):629-641. doi:10.1016/j.ecl.2012.05.001 · PMID: 22877433 [Review]
Hinweis zur Evidenzlage: Dieser Spoke-Artikel verbindet gut belegte Zusammenhänge mit Bereichen, in denen die Forschung noch im Fluss ist. Solide belegt ist die eigenständige Rolle des Estradiols beim Mann für Fettverteilung und Libido (Finkelstein 2013) sowie für den Knochen (LeBlanc 2009, Burnett-Bowie 2009, Dias 2016, Vandenput 2009). Die Berichte über Aromatasemangel und Östrogenresistenz (Bulun 2000, Simpson 1998) sind Einzelfallbeschreibungen und keine Studienlage. Mechanistische Aussagen über Aromatase im Fettgewebe und die Rückkopplung zur Steuerzentrale sind plausibel und durch Beobachtungs- und Mechanismus-Daten gestützt, aber nicht in jedem Detail durch große Humanstudien bewiesen. Dieser Text dient der Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Eine Testosterontherapie und Aromatasehemmer sind verschreibungspflichtig und gehören in ärztliche Hände. Aromatasehemmer sind in Deutschland nicht dafür zugelassen, beim Mann das Testosteron anzuheben, ein Einsatz in diesem Zusammenhang wäre ein Off-Label-Use. Bei Kinderwunsch ist zu beachten, dass zugeführtes Testosteron die Spermienbildung unterdrücken kann. Bei einer sichtbaren oder tastbaren Brustvergrößerung, bei anhaltendem Libidoverlust, bei unerfülltem Kinderwunsch oder bei Hinweisen auf Knochenschwund sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Eine einseitige, derbe, rasch wachsende oder schmerzhafte Brustschwellung, eine Veränderung von Haut oder Brustwarze, austretende Flüssigkeit sowie jede tastbare Veränderung an einem Hoden gehören umgehend untersucht. In einer akuten Notlage wähle den Notruf 112. Bei Stimmungstiefs, die nicht weggehen, oder bei Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, hol dir bitte umgehend ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe (in Deutschland Telefonseelsorge kostenlos unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, im Notfall Notruf 112).

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