Ratgeber Heilpflanzen · Adaptogene kritisch eingeordnet

Adaptogene bei Burnout und Nebennierenschwäche: Hilfe oder Halbwahrheit?

Deine Erschöpfung ist echt. Die „erschöpfte Nebenniere“ ist es vermutlich nicht. Was Rosenwurz und Ashwagandha in Studien zeigen, wo ihre Grenzen liegen und was deine Stressachse zuerst braucht.

HPA-Achse Adrenal-Fatigue-Mythos Rhodiola Ashwagandha Schlaf und Blutzucker
Shukri Jarmoukli · Arzt, Integrative Medizin · ViveCura Berlin
Mein Ausgangspunkt

Wer völlig leer ist, sucht verständlicherweise nach etwas, das wieder auffüllt. Eine Kapsel, ein Pulver, ein Tee. Aber eine Stressachse, die monatelang ohne Pause gearbeitet hat, braucht zuerst nicht mehr Treibstoff, sondern wieder einen Takt. Adaptogene können diesen Takt vielleicht begleiten. Vorgeben können sie ihn nicht.

Du stehst morgens auf und bist schon müde. Nicht ein bisschen. Bleiern. Der Kaffee bringt dich bis zehn Uhr, dann brauchst du den nächsten. Nachmittags kommt das Loch. Abends liegst du im Bett und dein Kopf läuft weiter wie ein Motor im Leerlauf.

Irgendwann landest du bei einem Begriff: Nebennierenschwäche. Oder Nebennierenerschöpfung. Er klingt wie eine Erklärung für alles. Deine Nebennieren hätten zu lange Stresshormone gepumpt und seien jetzt leer. Und gleich daneben steht die Lösung: Adaptogene. Rosenwurz, Ashwagandha, Ginseng. Pflanzen, die „die Nebenniere stärken“.

Ich verstehe, warum dieses Bild so gut ankommt. Es nimmt deine Erschöpfung ernst. Es gibt ihr einen Ort im Körper. Und es verspricht einen einfachen Weg heraus. In diesem Artikel möchte ich dir eine andere Perspektive anbieten. Sie nimmt deine Erschöpfung genauso ernst. Sie verortet sie aber anders, und sie macht ehrlicher klar, was Pflanzen leisten können und was nicht.

Was dich hier erwartet

  • Warum „Nebennierenschwäche“ keine anerkannte Diagnose ist
  • Was die echte Nebenniereninsuffizienz davon unterscheidet
  • Was Studien zu Cortisol bei Burnout tatsächlich finden
  • Wie die HPA-Achse funktioniert und was sie aus dem Takt bringt
  • Was Adaptogene sind und wie sie gedacht sind
  • Rosenwurz und Ashwagandha: Studienlage ohne Schönfärberei
  • Sicherheit: Leber, Schilddrüse, Schwangerschaft, Wechselwirkungen
  • Warum Schlaf und Blutzucker vor jedem Adaptogen kommen
Evidenz-Marker: Klinische Studie am Menschen Beobachtung oder Übersicht am Menschen Tierstudie Zellkultur

Gibt es Nebennierenschwäche wirklich?

Stell dir vor, deine Nebennieren wären zwei kleine Brunnen. Das Bild der Nebennierenschwäche sagt: Wer lange genug Wasser schöpft, findet irgendwann nur noch Sand. Das klingt logisch. Es passt zu dem Gefühl, ausgeschöpft zu sein.

Die Frage ist nur, ob man diesen Sand auch messen kann. Genau das haben Forschende geprüft.

Die große Bestandsaufnahme Systematischer Review, 58 Studien

Zwei Endokrinologen der Bundesuniversität São Paulo haben 2016 die Literatur systematisch nach Belegen für Nebennierenerschöpfung durchsucht. Von 3.470 gefundenen Arbeiten erfüllten 58 ihre Kriterien.

Sie fanden fast durchgehend widersprüchliche Ergebnisse, unabhängig von der Testmethode. Viele Studien nutzten zudem Messverfahren, die von Fachgesellschaften nicht anerkannt sind. Ihr Fazit: Es gibt keine belastbare Grundlage dafür, dass Nebennierenerschöpfung ein eigenes Krankheitsbild ist.

Für dich heißt das: Deine Müdigkeit ist real. Die Erklärung „leere Nebenniere“ ist wissenschaftlich aber nicht gedeckt.

Cadegiani FA, Kater CE. BMC Endocr Disord. 2016;16(1):48. DOI: 10.1186/s12902-016-0128-4

Das heißt nicht, dass die Nebenniere nie krank wird. Es gibt eine echte, gut messbare Erkrankung: die Nebenniereninsuffizienz, zum Beispiel Morbus Addison. Sie ist selten, aber ernst. Und sie lässt sich klar erkennen.

So sieht echte Nebennierendiagnostik aus Leitlinie, Endocrine Society

Eine internationale Arbeitsgruppe der Endocrine Society hat 2016 eine Leitlinie zur primären Nebenniereninsuffizienz veröffentlicht, gemeinsam mit europäischen Fachgesellschaften.

Sie empfiehlt bei passenden Symptomen eine niedrige Schwelle für Tests. Goldstandard ist ein kurzer ACTH-Stimulationstest, ersatzweise morgendliches ACTH und Cortisol im Blut.

Für dich heißt das: Wenn wirklich die Nebenniere versagt, gibt es dafür etablierte Tests. Diese Tests sollten bei Warnzeichen auch gemacht werden.

Bornstein SR et al. J Clin Endocrinol Metab. 2016;101(2):364-389. DOI: 10.1210/jc.2015-1710

„Nebennierenschwäche“

  • Kein anerkanntes Krankheitsbild
  • Keine einheitlichen Messbefunde in Studien
  • Oft per Speicheltest „diagnostiziert“
  • Wird häufig mit Präparaten verknüpft

Nebenniereninsuffizienz

  • Anerkannte, seltene Erkrankung
  • Diagnose per ACTH-Test und Blutwerten
  • Warnzeichen: Gewichtsverlust, niedriger Blutdruck, Salzhunger, dunklere Haut
  • Braucht ärztliche Behandlung
Perspektivwechsel

Wenn dir jemand sagt, deine Nebenniere sei erschöpft, kann das eine Erleichterung sein. Endlich ein Name. Aber dieser Name kann auch in eine Sackgasse führen: Du füllst auf, was vermutlich gar nicht leer ist, und übersiehst, was wirklich aus dem Takt geraten ist.

Eine hilfreichere Frage lautet: Nicht „Ist meine Nebenniere leer?“, sondern „Was hält meine Stressachse seit Monaten im Alarm?“

Und jetzt weißt du, warum ich den Begriff Nebennierenschwäche vorsichtig verwende. Nicht, um dir etwas wegzunehmen. Sondern um den Blick auf das zu lenken, was sich verändern lässt.

Was passiert bei Burnout mit der Stressachse?

Vielleicht fragst du dich jetzt: Wenn die Nebenniere nicht leer ist, warum fühle ich mich dann so? Das ist die richtige Frage. Die Antwort führt weg von einem einzelnen Organ und hin zu einem Regelkreis.

Dieser Regelkreis heißt HPA-Achse. Hypothalamus, Hypophyse, Nebennierenrinde. Stell sie dir wie ein Orchester vor. Der Hypothalamus ist der Dirigent, die Hypophyse der Konzertmeister, die Nebenniere die Bläser. Wenn das Orchester schief klingt, liegt es selten an einer Trompete allein.

1

Hypothalamus

Bewertet Belastung aus Kopf, Körper und Umwelt. Schlafmangel, Sorgen, Unterzucker und Entzündung landen hier als Signal.

2

Hypophyse

Gibt das Signal als ACTH ans Blut weiter. Ein Bote, kein Entscheider.

3

Nebennierenrinde

Bildet Cortisol. Es hebt den Blutzucker, schärft die Aufmerksamkeit und bremst Entzündung.

4

Rückkopplung

Cortisol meldet sich zurück und dämpft die Kette. Bei Dauerbelastung kann genau diese Bremse unpräzise werden.

Durch die KPNI-Linse betrachtet, ist Burnout deshalb kein reines Nebennierenthema. Das Nervensystem bleibt im Alarmmodus, der Sympathikus dominiert. Das Immunsystem kann in eine stille Entzündungslage rutschen. Der Stoffwechsel wird auf schnelle Energie getrimmt. Und das Hormonsystem verliert seinen Rhythmus, nicht unbedingt seine Menge.

Was sagen Messungen? Hier wird es ehrlich gesagt unübersichtlich.

Kein verlässlicher Burnout-Marker Systematischer Review, 31 Studien

Eine Forschungsgruppe aus Leiden hat 2011 Studien zu Biomarkern bei Burnout ausgewertet, 31 Arbeiten zu 38 Markern aus Stressachse, Nervensystem, Immunsystem und Stoffwechsel.

Sie fand keinen Marker, der Burnout zuverlässig anzeigt. In den Meta-Analysen unterschieden sich weder die Cortisol-Aufwachreaktion noch das Blutcortisol zwischen Menschen mit und ohne Burnout.

Für dich heißt das: Ein einzelner Cortisolwert kann Burnout weder beweisen noch widerlegen.

Danhof-Pont MB, van Veen T, Zitman FG. J Psychosom Res. 2011;70(6):505-524. DOI: 10.1016/j.jpsychores.2010.10.012
Burnout und Depression im Cortisol-Vergleich Systematischer Review, 190 Studien

Ein Team der Technischen Universität Dresden hat 2020 insgesamt 190 Studien zu Cortisol bei Depression und Burnout zusammengetragen.

Für Depression zeigte sich eher ein Bild mit erhöhtem Grundcortisol. Für Burnout reichten die Daten nicht für ein klares Muster, auch weil Burnout in den Studien sehr unterschiedlich erfasst wurde.

Für dich heißt das: Burnout lässt sich nicht auf „zu viel“ oder „zu wenig“ Cortisol reduzieren. Der Rhythmus und das Gesamtbild zählen mehr.

Rothe N et al. Neurosci Biobehav Rev. 2020;114:232-270. DOI: 10.1016/j.neubiorev.2020.02.024
Perspektivwechsel

Deine Stressachse ist nicht kaputt. Sie ist vermutlich überlastet und hat den Takt verloren. Das ist ein großer Unterschied. Etwas Kaputtes muss man ersetzen. Etwas aus dem Takt Geratenes kann wieder in einen Rhythmus finden, wenn die Taktgeber stimmen.

Und jetzt weißt du, warum ich bei Erschöpfung lieber auf Muster schaue als auf einen einzelnen Laborwert.

Was sind Adaptogene, und was versprechen sie?

Kennst du das Gefühl, im Drogeriemarkt vor einem Regal zu stehen, auf dem „Stress-Balance“ steht? Und daneben eine Liste von Pflanzen, deren Namen exotisch klingen? Genau dort landen die meisten Menschen mit Burnout irgendwann.

Der Begriff Adaptogen stammt aus der sowjetischen Forschung der Nachkriegszeit. Gemeint sind Pflanzenstoffe, die die Anpassungsfähigkeit an Stress erhöhen sollen, ohne den Körper einseitig in eine Richtung zu drücken. Das Bild dahinter ist eher ein Stoßdämpfer als ein Gaspedal.

Das Konzept aus Sicht seiner Befürworter Übersichtsarbeit

Der Pharmakologe Alexander Panossian, einer der bekanntesten Forscher auf diesem Gebiet, hat 2013 die Studienlage zu Rosenwurz, Taigawurzel und Schisandra zusammengefasst.

Er beschreibt Effekte auf die Stressachse und auf molekulare Stressmediatoren und ordnet die Pflanzen als stressschützend und leicht anregend ein. Er arbeitete selbst lange in der Herstellerforschung, was du bei der Einordnung im Hinterkopf behalten darfst.

Für dich heißt das: Das Konzept ist pharmakologisch durchdacht. Die Frage ist, wie stark die klinischen Belege dahinter sind.

Panossian AG. Psychiatr Clin North Am. 2013;36(1):49-64. DOI: 10.1016/j.psc.2012.12.005

Hier lohnt es sich, Belegtes und Plausibles sauber zu trennen.

Wo die Wissenschaft heute steht Belegt durch randomisierte Studien, aber mit kleiner Teilnehmerzahl: Einzelne Adaptogene können Stressempfinden und Erschöpfungswerte gegenüber Placebo verbessern.

Mechanistisch plausibel, Humanstudien noch dünn: Dass Adaptogene die Stressachse „ausbalancieren“ und dem Körper helfen könnten, sich auf neue Belastungen einzustellen.

Nicht belegt: Dass Adaptogene eine „erschöpfte Nebenniere“ wieder auffüllen. Dafür fehlt schon die Grundlage, dass es diesen Zustand so gibt.

Rosenwurz und Ashwagandha bei Erschöpfung: was Studien zeigen

Zwei Pflanzen tauchen in fast jedem Burnout-Ratschlag auf. Rosenwurz, botanisch Rhodiola rosea, und Ashwagandha, die Schlafbeere. Beide werden oft in einem Atemzug genannt. Physiologisch ziehen sie aber eher in unterschiedliche Richtungen.

Rosenwurz: eher Antrieb und Konzentration

Rosenwurz bei stressbedingter Erschöpfung RCT, n=60

Eine Forschungsgruppe der Universität Uppsala hat 60 Menschen mit stressbedingtem Erschöpfungssyndrom vier Wochen lang mit einem standardisierten Rosenwurz-Extrakt oder Placebo behandelt.

Beide Gruppen verbesserten sich deutlich, ein klarer Placeboeffekt. Im direkten Vergleich schnitt die Rosenwurz-Gruppe aber bei der Burnout-Skala und bei mehreren Aufmerksamkeitswerten besser ab, und die Cortisol-Aufwachreaktion veränderte sich.

Für dich heißt das: Ein messbarer Zusatzeffekt ist möglich. Er ist aber kleiner, als die Verpackung vermuten lässt, und die Studie war kurz.

Olsson EM, von Schéele B, Panossian AG. Planta Med. 2009;75(2):105-112. DOI: 10.1055/s-0028-1088346
Rosenwurz bei Burnout-Symptomen Offene Studie, n=118

Ein Team um den Wiener Psychiater Siegfried Kasper hat 118 Menschen mit Burnout-Symptomen zwölf Wochen lang einen Rosenwurz-Extrakt gegeben.

Die meisten Messwerte zu Erschöpfung, Stress und Stimmung verbesserten sich über die Zeit, Nebenwirkungen waren selten. Es gab allerdings keine Placebogruppe, und eine Mitautorin stammte vom Hersteller.

Für dich heißt das: Ein ermutigendes Signal, aber kein Beweis. Burnout bessert sich oft auch durch Zeit, Aufmerksamkeit und Erwartung.

Kasper S, Dienel A. Neuropsychiatr Dis Treat. 2017;13:889-898. DOI: 10.2147/NDT.S120113
Die nüchterne Gesamtschau Systematischer Review, 11 Studien

Forschende der University of Alberta haben 2012 alle kontrollierten Studien zu Rosenwurz bei körperlicher und geistiger Erschöpfung geprüft.

Drei von fünf Studien zur geistigen Erschöpfung fanden einen Nutzen. Alle eingeschlossenen Studien hatten aber ein hohes oder unklares Verzerrungsrisiko.

Für dich heißt das: Die Richtung ist interessant, die Beweislage wackelig. Ehrliche Erwartungen schützen dich vor Enttäuschung.

Ishaque S et al. BMC Complement Altern Med. 2012;12:70. DOI: 10.1186/1472-6882-12-70

Ashwagandha: eher Dämpfung und Ruhe

Ashwagandha bei chronischem Stress RCT, n=64

Eine Klinik in Hyderabad hat 64 Erwachsene mit chronischem Stress 60 Tage lang mit einem Ashwagandha-Wurzelextrakt oder Placebo behandelt.

In der Ashwagandha-Gruppe sanken die Werte auf allen Stress-Fragebögen deutlich stärker, ebenso das gemessene Serumcortisol. Nebenwirkungen waren mild.

Für dich heißt das: Ashwagandha scheint die Stressachse eher zu dämpfen. Das kann bei Überdrehtsein passen, bei bleierner Erschöpfung eher nicht.

Chandrasekhar K, Kapoor J, Anishetty S. Indian J Psychol Med. 2012;34(3):255-262. DOI: 10.4103/0253-7176.106022
Was die Meta-Analyse sagt Meta-Analyse, 12 RCTs, n=1.002

Eine Arbeitsgruppe der Universität Teheran hat 2022 zwölf randomisierte Studien mit gut 1.000 Teilnehmenden zusammengefasst.

Ashwagandha senkte Stress und Angst gegenüber Placebo deutlich. Die Autorinnen und Autoren bewerten die Sicherheit dieser Evidenz aber selbst als niedrig.

Für dich heißt das: Für Stress gibt es mehr Daten als für Burnout im engeren Sinn. Studien speziell an Menschen mit Burnout fehlen weitgehend.

Akhgarjand C et al. Phytother Res. 2022;36(11):4115-4124. DOI: 10.1002/ptr.7598
Perspektivwechsel

Adaptogen ist kein Wirkstoff, sondern eine Kategorie. Rosenwurz und Ashwagandha können in deinem Körper in entgegengesetzte Richtungen ziehen. Wer beides „gegen Stress“ kombiniert, ohne sein eigenes Muster zu kennen, gibt Gas und bremst gleichzeitig.

Mehr zu den einzelnen Pflanzen findest du in meinen Artikeln zu Adaptogenen allgemein, zu Ashwagandha und für wen sie sinnvoll ist und zum Einnahmezeitpunkt nach Cortisol-Kurve.

Und jetzt weißt du, warum die Frage nicht lautet „Welches Adaptogen ist das beste?“, sondern „Welches Muster habe ich überhaupt?“.

Warum Schlaf und Blutzucker vor jedem Adaptogen kommen

Ein Muster aus der Praxis

Er suchte das richtige Adaptogen. Er brauchte zuerst etwas anderes.

Ich kenne dieses Muster sehr gut. Ein Mann in Führungsverantwortung, seit Monaten am Limit, kommt mit einer klaren Frage in die Praxis.

„Ich habe gelesen, meine Nebennieren sind erschöpft. Welches Adaptogen soll ich nehmen?“

Als wir gemeinsam auf seinen Alltag schauten, wurde etwas anderes sichtbar. Zu wenig Schlaf, der zudem zerhackt war. Tagsüber lange Phasen ohne Essen, dann Zucker und Koffein, um weiterzumachen. Am späten Nachmittag regelmäßig ein Einbruch mit Zittrigkeit und Gereiztheit.

Der Wendepunkt war keine Pflanze. Es war die Entscheidung, zuerst den Schlaf zu schützen und den Blutzucker über den Tag ruhiger zu halten. Adaptogene haben wir bewusst zurückgestellt.

Über die folgenden Wochen beschrieb er, dass die Nachmittagseinbrüche seltener wurden und er abends leichter abschalten konnte. Ich kann keine Kausalität behaupten, aber ich dokumentiere den zeitlichen Zusammenhang.

Die Lehre: Manchmal ist das, was wie Erschöpfung der Nebenniere aussieht, ein Körper ohne Takt.

Warum kann gerade Schlaf so viel ausmachen? Weil er der wichtigste Taktgeber der Stressachse ist. Im Tiefschlaf fährt die Achse herunter. In den frühen Morgenstunden bereitet sie den Cortisolanstieg vor, der dich wach macht. Fehlt dieser Rhythmus, gerät alles danach ins Schlingern.

Sechs kurze Nächte Kontrollierte Laborstudie, n=11

Ein Schlaflabor der University of Chicago hat 1999 elf junge Männer sechs Nächte lang nur vier Stunden im Bett verbringen lassen und danach mit einer Erholungsphase verglichen.

Im Schlafmangel waren die Cortisolwerte am Abend deutlich erhöht, das sympathische Nervensystem aktiver und die Glukosetoleranz schlechter.

Für dich heißt das: Schon wenige Nächte Schlafmangel können Stressachse und Blutzucker gleichzeitig verschieben. Kein Adaptogen kann das vollständig ausgleichen.

Spiegel K, Leproult R, Van Cauter E. Lancet. 1999;354(9188):1435-1439. DOI: 10.1016/S0140-6736(99)01376-8

Und der Blutzucker? Hier lohnt ein Blick auf die Physiologie. Cortisol gehört zu den Hormonen, die den Blutzucker anheben, wenn er fällt. Fällt dein Zucker nach einer langen Pause oder nach einer schnellen Zuckerspitze ab, springt die Stressachse ein, zusammen mit Adrenalin. Dein Körper erlebt Unterzucker als Notfall.

Wer seinen Tag mit Fasten aus Zeitnot, Koffein und schnellen Kohlenhydraten bestreitet, löst so womöglich mehrmals täglich kleine Alarme aus. Das ist physiologisch gut begründet. Wie stark dieser Effekt bei Burnout im Einzelnen ist, wurde in Studien bisher aber kaum direkt untersucht.

Energie ist kein Luxus. Energie ist Freiheit. Die Freiheit, abends noch Lust auf Menschen zu haben, am Wochenende nicht nur zu liegen und Entscheidungen aus Klarheit zu treffen statt aus Erschöpfung.

Perspektivwechsel

Ein Adaptogen auf einen Körper ohne Schlaf und mit schwankendem Blutzucker zu setzen, ist wie ein neues Segel auf ein Boot mit Leck. Zuerst das Leck. Dann das Segel.

Und jetzt weißt du, warum ich bei Burnout zuerst nach Schlaf und Essrhythmus frage und erst danach nach Pflanzen.

Sicherheit: was du vor Ashwagandha und Rosenwurz wissen solltest

Pflanzlich klingt sanft. Und oft ist es das auch. Aber pflanzlich heißt nicht automatisch harmlos. Gerade wenn du erschöpft bist und vielleicht schon andere Medikamente nimmst, lohnt sich ein genauer Blick.

Leberschäden durch Ashwagandha Fallserie, n=5

Ärzte aus Island und dem US-amerikanischen Drug-Induced Liver Injury Network haben 2020 fünf Fälle von Leberschäden nach Ashwagandha-Einnahme beschrieben.

Alle entwickelten nach 2 bis 12 Wochen eine Gelbsucht mit Juckreiz. Bei vier von ihnen erholten sich die Leberwerte innerhalb von 1 bis 5 Monaten, in einem Fall kam auch Rosenwurz als Mitauslöser infrage.

Für dich heißt das: Das Risiko ist selten, aber real. Warnzeichen solltest du kennen.

Björnsson HK et al. Liver Int. 2020;40(4):825-829. DOI: 10.1111/liv.14393
Ashwagandha und Schilddrüse RCT, n=50

Eine Klinik in Varanasi hat 50 Menschen mit subklinischer Schilddrüsenunterfunktion acht Wochen lang Ashwagandha-Wurzelextrakt oder Placebo gegeben.

Unter Ashwagandha veränderten sich TSH, T3 und T4 signifikant. Das zeigt, dass die Pflanze in die Schilddrüsenregulation eingreifen kann.

Für dich heißt das: Bei einer Schilddrüsenerkrankung oder unter Schilddrüsenhormonen gehört Ashwagandha nur in ärztlich begleitete Hände.

Sharma AK, Basu I, Singh S. J Altern Complement Med. 2018;24(3):243-248. DOI: 10.1089/acm.2017.0183
Wichtige Sicherheitshinweise
  • Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder: Ashwagandha nicht einnehmen. Davon rät auch das Bundesinstitut für Risikobewertung ab.
  • Leber: Bei Lebererkrankungen kein Ashwagandha. Gelbsucht, dunkler Urin, heller Stuhl oder Juckreiz bedeuten: sofort absetzen und ärztlich abklären.
  • Schilddrüse: Bei Hashimoto, Über- oder Unterfunktion und unter Schilddrüsenhormonen nur mit ärztlicher Begleitung und Laborkontrolle.
  • Wechselwirkungen: Vorsicht bei Beruhigungs- und Schlafmitteln, Immunsuppressiva, blutzuckersenkenden und blutdrucksenkenden Medikamenten.
  • Rosenwurz: Bei Psychopharmaka, bipolarer Erkrankung oder starker innerer Unruhe vorher ärztlich besprechen, weil Rosenwurz eher anregend eingeordnet wird.
  • Warnzeichen für echte Nebenniereninsuffizienz: ungewollter Gewichtsverlust, niedriger Blutdruck, Schwindel beim Aufstehen, Salzhunger, dunkler werdende Haut. Hier zählt ärztliche Diagnostik, kein Adaptogen.

Mehr Details findest du in meinem Artikel zu Ashwagandha-Nebenwirkungen und Schilddrüse.

Was du jetzt tun kannst

Vielleicht fühlst du dich nach diesem Artikel ein bisschen ernüchtert. Das ist in Ordnung. Ernüchterung kann der Anfang von etwas Tragfähigerem sein als Hoffnung auf eine Kapsel. Drei Hebel, die du sofort angehen kannst:

1

Schlaf schützen wie einen Termin

Feste Zeiten, auch am Wochenende. Morgens Tageslicht, abends Dunkelheit und Bildschirmpause. Schlaf ist der Taktgeber, an dem sich die Stressachse ausrichten kann.

2

Blutzucker beruhigen

Regelmäßige Mahlzeiten mit Eiweiß, Gemüse und gesunden Fetten. Weniger lange Hungerphasen aus Zeitnot, weniger Koffein als Ersatz für Essen. So kann die Zahl der kleinen Alarme über den Tag sinken.

3

Erst abklären, dann ergänzen

Lass Ursachen wie Eisenmangel, Schilddrüse, Vitamin D, Schlafapnoe oder echte Nebenniereninsuffizienz ärztlich prüfen. Ein Adaptogen kann danach ein begleitender Baustein sein, passend zu deinem Muster und zeitlich begrenzt.

Wenn du dich mit dem Nervensystem weiter beschäftigen willst, schau dir auch Atemtechniken für den Vagusnerv und Waldbaden bei Stress und Burnout an. Wenn du nicht nur lesen, sondern direkt loslegen willst: Unterhalb dieses Artikels findest du die Möglichkeit, einen Termin zu buchen.

Häufige Fragen zu Adaptogenen, Burnout und Nebennierenschwäche

Gibt es Nebennierenschwäche wirklich?

Als eigenständige Diagnose ist die sogenannte Nebennierenschwäche oder Nebennierenerschöpfung (englisch adrenal fatigue) von keiner endokrinologischen Fachgesellschaft anerkannt. Eine systematische Übersichtsarbeit aus São Paulo wertete 2016 insgesamt 58 Studien aus und fand keine belastbare Grundlage für dieses Krankheitsbild. Deine Erschöpfung ist trotzdem real. Sie hat nur vermutlich eine andere Erklärung als eine leere Nebenniere. Davon klar abzugrenzen ist die echte Nebenniereninsuffizienz, etwa Morbus Addison, eine seltene, aber ernste Erkrankung, die mit einem ACTH-Test sicher erkannt werden kann.

Können Adaptogene bei Burnout helfen?

Einige Adaptogene könnten stressbedingte Erschöpfung etwas lindern, die Datenlage ist aber dünn. Für Rosenwurz gibt es eine kleine randomisierte Studie aus Schweden an 60 Menschen mit stressbedingter Erschöpfung, in der sich Burnout-Werte und Aufmerksamkeit gegenüber Placebo verbesserten. Eine offene Studie an 118 Menschen mit Burnout-Symptomen zeigte Verbesserungen, hatte aber keine Placebogruppe. Eine systematische Übersicht bewertet die Studien zu Rosenwurz insgesamt als methodisch schwach. Adaptogene können also ein Baustein sein, ersetzen aber nicht Schlaf, Erholung und das Ändern der Belastung.

Was ist der Unterschied zwischen Nebennierenschwäche und Nebenniereninsuffizienz?

Die Nebenniereninsuffizienz ist eine anerkannte, messbare Erkrankung, bei der die Nebenniere zu wenig Cortisol bildet, zum Beispiel durch eine Autoimmunerkrankung. Die Leitlinie der Endocrine Society empfiehlt dafür einen kurzen ACTH-Stimulationstest als Goldstandard. Sie ist behandlungsbedürftig und kann unbehandelt lebensbedrohlich werden. Die Nebennierenschwäche dagegen ist ein Begriff aus dem Gesundheitsmarketing, für den Studien keine einheitlichen Messbefunde gefunden haben. Wer starke Erschöpfung mit Gewichtsverlust, niedrigem Blutdruck, Salzhunger oder dunkler werdender Haut erlebt, sollte ärztlich abklären lassen.

Ist Cortisol bei Burnout zu niedrig oder zu hoch?

Die Studienlage ist widersprüchlich. Eine systematische Übersicht aus Leiden fand 2011 in 31 Studien keinen verlässlichen Biomarker für Burnout, auch das Cortisol nach dem Aufwachen unterschied sich in den Meta-Analysen nicht. Eine große Übersicht der Technischen Universität Dresden mit 190 Studien kam 2020 zu dem Schluss, dass für Burnout nicht genug vergleichbare Daten vorliegen, auch weil Burnout sehr unterschiedlich erfasst wird. Für dich heißt das: Ein einzelner Cortisolwert kann Burnout weder beweisen noch ausschließen. Aussagekräftiger ist das Muster über den Tag, zusammen mit Schlaf, Blutzucker und Lebenssituation.

Rhodiola oder Ashwagandha: was passt bei Erschöpfung besser?

Das hängt vom Muster ab, und direkte Vergleichsstudien fehlen. Rosenwurz wurde vor allem bei geistiger Erschöpfung und Konzentrationsschwäche untersucht und gilt eher als anregend. Ashwagandha wurde vor allem bei Stress und Anspannung untersucht und senkte in einer Studie aus Hyderabad das gemessene Cortisol. Wer abends überdreht ist, liegt physiologisch eher bei der dämpfenden Seite, wer morgens nicht in Gang kommt, eher bei der anregenden. Das ist eine klinische Überlegung, keine in Studien geprüfte Regel, und gehört ärztlich besprochen.

Wer sollte Ashwagandha nicht einnehmen?

Schwangere, Stillende und Kinder sollten Ashwagandha nicht einnehmen, davon rät auch das Bundesinstitut für Risikobewertung ab. Gleiches gilt bei Lebererkrankungen, weil Fälle von Leberschäden dokumentiert sind. Bei Schilddrüsenerkrankungen ist Vorsicht nötig, weil Ashwagandha in einer kleinen Studie die Schilddrüsenwerte veränderte. Wer Schilddrüsenhormone, Beruhigungs- oder Schlafmittel, Immunsuppressiva oder blutzuckersenkende Medikamente nimmt, sollte die Einnahme vorher ärztlich besprechen.

Kann Ashwagandha der Leber schaden?

Ja, das ist selten, aber dokumentiert. Eine Fallserie aus Island und dem US-amerikanischen Drug-Induced Liver Injury Network beschrieb fünf Menschen, die nach 2 bis 12 Wochen Einnahme eine Gelbsucht mit Juckreiz entwickelten. Bei vier von ihnen erholten sich die Leberwerte innerhalb von 1 bis 5 Monaten. Gelbsucht, dunkler Urin, heller Stuhl oder anhaltender Juckreiz unter der Einnahme sind ein Grund, sofort abzusetzen und ärztlich abklären zu lassen.

Was braucht die Stressachse bei Burnout zuerst?

Aus meiner Sicht zuerst die Grundlagen, die ihren Takt geben: Schlaf, ein stabiler Blutzucker über den Tag und echte Pausen von der Belastung. Eine Laborstudie der University of Chicago zeigte, dass schon sechs Nächte mit nur vier Stunden Bettzeit das Abendcortisol anhoben und die Glukosetoleranz verschlechterten. Solange solche Taktgeber gestört sind, kann ein Adaptogen kaum gegen den Strom arbeiten. Pflanzen könnten danach ein unterstützender Baustein sein, nicht der Anfang.

Sind Speichel-Cortisol-Tests bei Erschöpfung sinnvoll?

Ein Speichel-Tagesprofil kann zeigen, wie dein Cortisol über den Tag verläuft, und damit Hinweise auf den Rhythmus geben. Eine Diagnose wie Nebennierenschwäche lässt sich daraus aber nicht ableiten, weil Studien dafür keine einheitlichen Grenzwerte gefunden haben. Für den Ausschluss einer echten Nebenniereninsuffizienz sind Blutuntersuchungen mit ACTH und Cortisol sowie gegebenenfalls ein Stimulationstest der richtige Weg. Sinnvoll ist ein Test vor allem dann, wenn das Ergebnis eine konkrete Entscheidung verändert.

Wie lange dauert die Erholung der Stressachse nach Burnout?

Dafür gibt es keine feste Zahl, und die Studienlage erlaubt keine verlässliche Prognose. Die Erholung hängt davon ab, wie lange die Überlastung bestand, ob die auslösenden Faktoren sich verändern lassen und wie gut Schlaf und Stoffwechsel wieder in einen Rhythmus finden. Viele Menschen erleben die Erholung als Weg über Monate, nicht über Tage. Ein Adaptogen kann diesen Weg vielleicht begleiten, aber nicht abkürzen.

Weiterlesen im ViveCura-Blog

Erschöpfung hat viele Ebenen. Diese Themen hängen direkt daran.

SJ

Shukri Jarmoukli

Arzt, Integrative Medizin · ViveCura Berlin

Ich arbeite in meiner Privatpraxis in Berlin-Kreuzberg mit Menschen, bei denen die Standarddiagnostik keine Antwort gefunden hat. Mein Zugang verbindet klassische Medizin mit klinischer Psychoneuroimmunologie, funktioneller Diagnostik und Lebensstilmedizin. Nicht als Gegensatz zur Schulmedizin, sondern als Erweiterung um Ebenen, die im Standardablauf oft keinen Platz haben.

Bei Erschöpfung interessiert mich weniger, welche Kapsel jemand nimmt, und mehr, welcher Takt im Körper verloren gegangen ist und was ihn wiederherstellen könnte.

Privatpraxis Shukri Jarmoukli · Skalitzer Straße 137, 10999 Berlin · vivecura.com

Quellen

  1. Cadegiani FA, Kater CE. Adrenal fatigue does not exist: a systematic review. BMC Endocr Disord. 2016;16(1):48. DOI: 10.1186/s12902-016-0128-4 [Systematischer Review, 58 Studien]
  2. Bornstein SR, Allolio B, Arlt W et al. Diagnosis and treatment of primary adrenal insufficiency: An Endocrine Society clinical practice guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2016;101(2):364-389. DOI: 10.1210/jc.2015-1710 [Consensus Guideline, Endocrine Society]
  3. Danhof-Pont MB, van Veen T, Zitman FG. Biomarkers in burnout: a systematic review. J Psychosom Res. 2011;70(6):505-524. DOI: 10.1016/j.jpsychores.2010.10.012 [Systematischer Review, 31 Studien]
  4. Rothe N, Steffen J, Penz M, Kirschbaum C, Walther A. Examination of peripheral basal and reactive cortisol levels in major depressive disorder and the burnout syndrome: A systematic review. Neurosci Biobehav Rev. 2020;114:232-270. DOI: 10.1016/j.neubiorev.2020.02.024 [Systematischer Review, 190 Studien]
  5. Spiegel K, Leproult R, Van Cauter E. Impact of sleep debt on metabolic and endocrine function. Lancet. 1999;354(9188):1435-1439. DOI: 10.1016/S0140-6736(99)01376-8 [Kontrollierte Laborstudie am Menschen, n=11]
  6. Panossian AG. Adaptogens in mental and behavioral disorders. Psychiatr Clin North Am. 2013;36(1):49-64. DOI: 10.1016/j.psc.2012.12.005 [Übersichtsarbeit]
  7. Olsson EM, von Schéele B, Panossian AG. A randomised, double-blind, placebo-controlled, parallel-group study of the standardised extract SHR-5 of the roots of Rhodiola rosea in the treatment of subjects with stress-related fatigue. Planta Med. 2009;75(2):105-112. DOI: 10.1055/s-0028-1088346 [RCT, n=60]
  8. Kasper S, Dienel A. Multicenter, open-label, exploratory clinical trial with Rhodiola rosea extract in patients suffering from burnout symptoms. Neuropsychiatr Dis Treat. 2017;13:889-898. DOI: 10.2147/NDT.S120113 [Real-World, offene einarmige Studie, n=118]
  9. Ishaque S, Shamseer L, Bukutu C, Vohra S. Rhodiola rosea for physical and mental fatigue: a systematic review. BMC Complement Altern Med. 2012;12:70. DOI: 10.1186/1472-6882-12-70 [Systematischer Review, 11 Studien]
  10. Chandrasekhar K, Kapoor J, Anishetty S. A prospective, randomized double-blind, placebo-controlled study of safety and efficacy of a high-concentration full-spectrum extract of ashwagandha root in reducing stress and anxiety in adults. Indian J Psychol Med. 2012;34(3):255-262. DOI: 10.4103/0253-7176.106022 [RCT, n=64]
  11. Akhgarjand C, Asoudeh F, Bagheri A et al. Does Ashwagandha supplementation have a beneficial effect on the management of anxiety and stress? A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Phytother Res. 2022;36(11):4115-4124. DOI: 10.1002/ptr.7598 [Meta-Analyse, k=12, n=1.002]
  12. Björnsson HK, Björnsson ES, Avula B et al. Ashwagandha-induced liver injury: A case series from Iceland and the US Drug-Induced Liver Injury Network. Liver Int. 2020;40(4):825-829. DOI: 10.1111/liv.14393 [Case Series, n=5]
  13. Sharma AK, Basu I, Singh S. Efficacy and safety of ashwagandha root extract in subclinical hypothyroid patients: A double-blind, randomized placebo-controlled trial. J Altern Complement Med. 2018;24(3):243-248. DOI: 10.1089/acm.2017.0183 [RCT, n=50]
  14. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Ashwagandha (Schlafbeere): Präparate mit möglichen Gesundheitsrisiken. Mitteilung vom 10. September 2024. bfr.bund.de [Behördendokument]
Zur Einordnung der Evidenz: Die Studien zu Rosenwurz und Ashwagandha sind überwiegend klein und kurz, arbeiten mit unterschiedlichen, teils herstellernahen Extrakten und wurden selten speziell an Menschen mit Burnout durchgeführt. Systematische Übersichten bewerten die Qualität der Evidenz als niedrig oder die Studien als verzerrungsanfällig. Die Überlegungen zur Zuordnung von Adaptogenen nach Stressmuster und zur Rolle des Blutzuckers bei Burnout sind physiologisch begründete klinische Perspektiven, keine in Studien geprüften Regeln. Die Patientengeschichte ist anonymisiert und zeigt einen zeitlichen Zusammenhang, keinen Wirksamkeitsnachweis. Dieser Artikel ersetzt kein ärztliches Gespräch und keine individuelle Diagnostik. Bei bestehenden Erkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei regelmäßiger Medikation gehört jede Entscheidung über Adaptogene ärztlich begleitet.

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