Heilfasten nach Buchinger: Ablauf, Studienlage und für wen es sich eignet
Gemüsebrühe, Saft, etwas Honig und viel Wasser. Buchinger-Fasten ist kein reines Wasserfasten, sondern ein begleitetes Fasten mit rund 250 Kilokalorien am Tag. Hier liest du, was dabei in dir passiert, was Studien zeigen und wann du besser nicht allein fastest.
Heilfasten wird gern erzählt wie ein Frühjahrsputz für Körper und Seele. Ich halte es für ein ernstzunehmendes Werkzeug der Medizin. Ein Werkzeug wird nicht besser, wenn du es romantisierst. Es wird besser, wenn du weißt, wann es passt und wann nicht.
Es ist Anfang März. In deiner Chatgruppe erscheint eine Nachricht: Fastenwoche ab Montag, wer ist dabei? Drei Daumen, zwei Herzen. Jemand schreibt, das sei jedes Frühjahr ihr Neustart.
Der Freundeskreis hat sich verabredet. Jemand schickt ein Rezept für Gemüsebrühe, jemand anders eine Liste mit Kräutertees. Es wird gelacht und geplant, es fühlt sich ein bisschen an wie Aufbruch.
Und du sitzt dazwischen und rechnest leise im Kopf. Vielleicht nimmst du etwas gegen den Blutdruck. Vielleicht wird dir beim schnellen Aufstehen manchmal kurz schwarz vor Augen. In der Runde fragt keiner danach, und du traust dich nicht, es anzusprechen.
Genau für diesen Moment ist dieser Artikel geschrieben. Nicht, um dir das Fasten auszureden. Sondern damit du weißt, auf welchem Boden du startest.
Diese Unsicherheit ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist eine kluge Frage. Schaffe ich das? Was machen mein Kreislauf, meine Tabletten, mein Blutdruck? Diese Fragen verdienen eine ehrliche Antwort statt Fastenromantik.
Was dich in diesem Artikel erwartet
- Was Buchinger-Fasten vom Wasserfasten unterscheidet
- Wie Entlastungstage, Fastentage und Aufbautage ablaufen
- Was Ketose, Salz und Wasser mit deinem Kreislauf machen
- Was 1422 und 1610 Fastende über Blutdruck und Sicherheit zeigen
- Was randomisierte Studien zeigen und was offen ist
- Wer nur ärztlich begleitet oder gar nicht fasten sollte
- Die KPNI-Sicht auf eine Fastenwoche
- Drei Hebel für deine Entscheidung
Wie ich die Evidenz markiere
Klinische Studie Randomisierte Studien am Menschen. Sie haben die stärkste Aussagekraft, sind beim Heilfasten aber meist klein.
Beobachtung Mensch Kohorten, physiologische Untersuchungen, Übersichten und Konsensuspapiere. Sie zeigen Zusammenhänge und Mechanismen, nicht zwingend Ursache und Wirkung.
Tierversuche und Zellstudien spielen in diesem Artikel keine Rolle. Alle zitierten Daten stammen vom Menschen.
Was ist Heilfasten nach Buchinger, und was unterscheidet es vom Wasserfasten?
Kurz gesagt: Heilfasten nach Buchinger ist ein modifiziertes Fasten. Statt nur Wasser gibt es täglich etwas Gemüsebrühe, Saft und Honig, zusammen rund 200 bis 250 Kilokalorien. Eingerahmt wird die Fastenzeit von Entlastungstagen davor und Aufbautagen danach.
Wenn du an Heilfasten denkst, siehst du vielleicht ein Glas Wasser und eine Woche Hunger vor dir. Viele haben genau dieses Bild im Kopf. Beim Buchinger-Fasten stimmt es nur zur Hälfte.
Die Methode ist nach dem Arzt Otto Buchinger benannt, der sie vor rund hundert Jahren bekannt machte. Fasten zu medizinischen Zwecken hat in Europa eine lange Tradition. Heute wird es in spezialisierten Fastenkliniken und in Abteilungen für Integrative Medizin eingesetzt.
Die deutsche Leitlinie zum Heilfasten beschreibt Fasten als freiwilligen Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel für eine begrenzte Zeit. Du trinkst mindestens zweieinhalb Liter kalorienfreie Flüssigkeit am Tag, also Wasser und Kräutertee. Beim klassischen Buchinger-Fasten kommen Gemüsebrühe, Saft aus Obst oder Gemüse und etwas Honig dazu.
Gemüsebrühe
Meist abends und warm. Sie bringt Salz und Mineralstoffe aus dem Gemüse in einen Tag ohne feste Nahrung.
Saft
Aus Obst oder Gemüse, meist mittags. Er liefert einen Teil der kleinen Kohlenhydratmenge.
Honig
Ein paar Teelöffel, etwa im Tee. Die Leitlinie nennt höchstens zwei bis drei Teelöffel am Tag.
Wasser und Tee
Mindestens zweieinhalb Liter kalorienfreie Flüssigkeit am Tag sollen Kreislauf und Nieren unterstützen.
In der großen Beobachtungsstudie aus der Klinik Buchinger Wilhelmi lag die Energiezufuhr damit bei 200 bis 250 Kilokalorien am Tag. Das ist wenig. Aber es ist nicht nichts, und genau dieser kleine Rest macht den Unterschied zum Wasserfasten.
Expertenkonsens Daniela Koppold und ein internationales Team um die Charité Berlin haben 2024 in Cell Metabolism die Fachbegriffe rund ums Fasten vereinheitlicht. In mehreren Befragungsrunden stimmten sich 38 Fachleute aus Forschung und Klinik ab.
Modifiziertes Fasten definieren sie als Begrenzung der Energiezufuhr auf höchstens 25 Prozent des Bedarfs. Als längeres Fasten gilt ein Fasten ab vier aufeinanderfolgenden Tagen.
Für dich heißt das: Buchinger-Fasten ist ein modifiziertes und meist längeres Fasten. Mit Wasserfasten oder 16:8 lässt es sich nur begrenzt vergleichen.
Koppold DA et al. Cell Metab. 2024. DOI: 10.1016/j.cmet.2024.06.013Buchinger-Fasten
- rund 200 bis 250 Kilokalorien aus Brühe, Saft und Honig
- etwas Salz von außen über die Brühe
- Ketose stellt sich ein, meist etwas milder
- feste Phasen: Entlastung, Fasten, Fastenbrechen, Aufbau
- in den großen Studien mit Bewegungsprogramm und Begleitung
Wasserfasten
- keine Kalorien, nur Wasser oder ungesüßter Tee
- kein Salz von außen
- Ketose meist ausgeprägter
- höhere Anforderungen an die Kontrolle von Kreislauf und Laborwerten
- mehr dazu im Artikel Wasserfasten: Chancen und Risiken
Buchinger-Fasten ist nicht Hungern mit Ausnahmen. Es ist ein Fasten mit Geländer. Brühe, Saft und Honig sind keine Schummelei. Sie sind Teil eines Protokolls, das den Übergang in den Fastenstoffwechsel abfedern soll.
Und jetzt weißt du, warum Buchinger-Fasten trotz Saft und Honig ein echtes Fasten ist.
Wie läuft eine Buchinger-Fastenwoche ab?
Kurz gesagt: Die Fastenwoche für Gesunde dauert laut Leitlinie acht Tage: ein Entlastungstag, fünf Fastentage, zwei Aufbautage. Ärztlich begleitet wird oft sieben bis zehn Tage gefastet, mit drei Aufbautagen danach.
Vielleicht stellst du dir eine Fastenwoche wie einen Lichtschalter vor. Montag aus, Sonntag wieder an. So arbeitet dein Stoffwechsel nicht. Er braucht Rampen, keine Kippschalter.
Stell dir eine Treppe vor, die in einen See führt. Die Entlastungstage sind die Stufen hinunter. Die Fastentage sind das Schwimmen. Die Aufbautage sind die Stufen wieder hinauf. Und die Begleitung ist das Geländer.
Entlastungstage
Ein bis zwei Tage leichte, pflanzenbetonte Kost. Für den Vorbereitungstag nennt die Leitlinie weniger als etwa 1000 Kilokalorien, ohne Kaffee, Alkohol und Nikotin.
Fastentage
Für Gesunde fünf Tage, ärztlich begleitet oft sieben bis zehn. Brühe, Saft, Honig, viel Wasser und Kräutertee, dazu Bewegung und Ruhe.
Fastenbrechen
Am letzten Fastentag wird traditionell ein reifer Apfel gegessen, roh oder gedünstet und sehr langsam.
Aufbautage
Zwei bis vier Tage, in denen die Energiemenge schrittweise steigt. Die Leitlinie beschreibt etwa 800, 1000, 1200 und 1600 Kilokalorien.
So beschreibt es die Leitlinie der Fastenmedizin aus dem Jahr 2013. Für gesunde Menschen nennt sie eine Fastenwoche mit acht Tagen. Für das ärztlich begleitete Heilfasten empfiehlt die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung sieben bis zehn Fastentage, einen Vorbereitungstag und drei Aufbautage.
Expertenkonsens Françoise Wilhelmi de Toledo, Andreas Michalsen und weitere Fachleute aus der Fastenmedizin haben 2013 die deutschen Konsensus-Leitlinien zum Heilfasten von 2002 überarbeitet. Sie beschreiben Definition, Ablauf, Begleitmaßnahmen und Sicherheitsstandards.
Die stärkste Evidenz sehen sie bei rheumatischen Erkrankungen. Für Stoffwechselerkrankungen, Schmerzsyndrome, Bluthochdruck und weitere chronische Erkrankungen sprechen sie von vorläufigen klinischen und Beobachtungsdaten.
Für dich heißt das: Die Fastenwoche ist kein Fantasieprotokoll, sondern beschrieben und standardisiert. Die Leitlinie fordert, dass Fastenbehandlungen von Ärztinnen, Ärzten, Therapeutinnen oder Therapeuten mit Ausbildung in Fastentherapie begleitet werden.
Wilhelmi de Toledo F et al. Forsch Komplementmed. 2013. DOI: 10.1159/000357602Entlastungstage: Bremsen vor der Kurve
Die Entlastungstage sind wie das Bremsen vor einer Kurve. Weniger Menge, mehr Gemüse, kaum Zucker, kein Alkohol. Wer viel Kaffee trinkt, spürt den Verzicht oft als Kopfschmerz. Liegt dieser Entzug in den Entlastungstagen, kann der Start ins Fasten leichter fallen.
Eigene Studien zum Nutzen von Entlastungstagen gibt es kaum. Sie sind klinische Tradition, physiologisch aber gut begründbar. Auch in der randomisierten Berliner Studie zum Fasten bei metabolischem Syndrom gingen dem Fasten zwei kalorienreduzierte vegane Tage voraus.
Darmentleerung: Tradition mit Fragezeichen
In den Kliniken, aus denen die großen Buchinger-Studien stammen, gehörte zu Beginn des Fastens ein Abführmittel dazu. Ob das für den Nutzen des Fastens nötig ist, wurde kaum untersucht. Klar ist dagegen, dass Abführmittel zusätzlich Wasser und Salz kosten. Wenn du zu niedrigem Blutdruck neigst, besprich diesen Schritt vorher ärztlich.
Fastenbrechen und Aufbautage: warum die Rampe zählt
Am letzten Fastentag isst du traditionell einen reifen Apfel, roh oder gedünstet. Langsam, Bissen für Bissen. Das ist ein Ritual. Es ist aber auch ein sanfter erster Reiz für Magen, Darm und Bauchspeicheldrüse.
Mit dem Essen steigt Insulin wieder an. Und Insulin hat eine Aufgabe, an die kaum jemand denkt: Es hält in der Niere Salz zurück.
Physiologie Mensch Ralph DeFronzo und Kollegen untersuchten 1975 im Journal of Clinical Investigation an sechs gesunden Menschen, was Insulin mit der Salzausscheidung der Niere macht. Der Blutzucker wurde dabei konstant gehalten.
Unter Insulin sank die Natriumausscheidung im Urin von 401 auf 213 Mikroäquivalente pro Minute. Auch Kalium und Phosphat wurden weniger ausgeschieden, und das Kalium im Blut sank.
Für dich heißt das: Insulin ist so etwas wie ein Salzhalter. Sinkt es beim Fasten, kann mehr Salz und Wasser verloren gehen. Steigt es beim Essen wieder, hält der Körper beides eher zurück.
DeFronzo RA et al. J Clin Invest. 1975. DOI: 10.1172/JCI107996Deshalb zeigt die Waage in den ersten Aufbautagen oft wieder etwas mehr. Das ist meist zurückgehaltenes Wasser, kein Fett. Gleichzeitig können Kalium und Phosphat verstärkt in die Zellen wandern. Bei stark unterernährten Menschen kann dieser Schub gefährlich werden, Fachleute sprechen dann vom Refeeding-Syndrom.
Die ASPEN-Konsensusempfehlungen definieren es über einen Abfall von Phosphat, Kalium oder Magnesium innerhalb von fünf Tagen nach Wiederbeginn der Kalorienzufuhr. Sie wurden für Menschen im Krankenhaus entwickelt, nicht für gesunde Fastende. Das Prinzip erklärt aber, warum der Aufbau nach einer Fastenwoche kein Festessen sein sollte. Wie du die erste Mahlzeit gestalten kannst, liest du im Artikel Richtig Fastenbrechen.
Schematisch: Energie pro Tag in einer Buchinger-Woche
Orientierung nach der Leitlinie von 2013 und den Klinikstudien. Kein individueller Plan: Wie viele Aufbautage sinnvoll sind, hängt von der Fastendauer und deiner Gesundheit ab.
Was in den Aufbautagen oft unterschätzt wird
- Der Blutdruck kann niedrig bleiben. In der Kohorte mit 1610 Fastenden hielt die Senkung während der vier Aufbautage an, auch bei Menschen, die ihre Blutdruckmittel abgesetzt hatten.
- Reduzierte Medikamente gehören vor dem Wiederansetzen auf den ärztlichen Prüfstand, nicht nach Gefühl.
- Kleine Portionen, langsames Essen und gründliches Kauen geben dem Darm Zeit, wieder hochzufahren.
- Ein schneller Anstieg auf der Waage in den ersten Aufbautagen ist meist Wasser.
Viele sehen die Fastentage als Hauptgang und die Aufbautage als Nachspiel. Physiologisch verdienen beide dieselbe Aufmerksamkeit. In den Aufbautagen stellt sich der Körper wieder auf Essen ein. Und dort entscheidet sich, ob aus einer Woche eine Gewohnheit wird.
Und jetzt weißt du, warum eine gute Fastenwoche vom Aufbau her geplant wird und nicht vom ersten Fastentag.
Was passiert beim Heilfasten im Körper? Ketose, Elektrolyte und Blutdruck
Kurz gesagt: Nach etwa ein bis zwei Tagen sind die Zuckerspeicher der Leber weitgehend leer. Insulin sinkt, die Nieren geben mehr Salz und Wasser ab, und die Leber bildet Ketonkörper. Der Blutdruck sinkt oft, und bei vielen lässt der Hunger nach.
Tag zwei. Der Kopf drückt, beim Aufstehen flimmert es kurz vor den Augen, die Nacht war unruhig. Tag vier. Du wachst auf, und der Hunger ist erstaunlich leise. Viele erleben genau diese Kurve. Sie hat eine Erklärung.
Stell dir deinen Energiehaushalt wie deine Finanzen vor. Zucker im Blut ist das Kleingeld in der Hosentasche. Das Glykogen in Leber und Muskeln ist das Girokonto, es reicht ungefähr ein bis zwei Tage. Dein Fettgewebe ist das Sparkonto, und das ist bei den meisten Menschen gut gefüllt.
Beim Fasten wird zuerst das Girokonto leer. Dann überweist dein Körper vom Sparkonto. Die Leber baut aus Fettsäuren Ketonkörper, eine Währung, die auch dein Gehirn annimmt. George Cahill von der Harvard Medical School hat diesen Umbau über Jahrzehnte erforscht. Er beschreibt, dass erst die Nutzung des Ketonkörpers Beta-Hydroxybutyrat durch das Gehirn dem Menschen das Überleben längerer Hungerphasen ermöglicht hat.
Zuckerspeicher leeren sich
In den ersten ein bis zwei Tagen gibt die Leber ihre Glykogenreserven ab. Viel Bewegung kann das beschleunigen.
Insulin sinkt
Ohne nennenswerte Kohlenhydrate fällt Insulin auf ein niedriges Niveau. Die Fettdepots öffnen sich.
Salz und Wasser gehen
Mit sinkendem Insulin lockert sich die Salzbremse der Niere. Die Waage fällt schnell, der Blutdruck oft auch.
Ketonkörper steigen
Die Leber baut Ketonkörper als Brennstoff, auch für das Gehirn. In der Buchinger-Kohorte waren sie ab Tag vier bei über 95 Prozent im Urin nachweisbar.
Ein neues Gleichgewicht
Bei vielen lässt der Hunger nach, und der Kreislauf pendelt sich ein. Bei manchen bleiben Schwindel, Kopfschmerz oder unruhiger Schlaf.
Beobachtung Mensch Franziska Grundler und das Team der Klinik Buchinger Wilhelmi in Überlingen verfolgten 2024 in Nutrients täglich die Ketonwerte von 1610 Menschen. Sie fasteten 4 bis 21 Tage nach dem Buchinger-Programm.
Ab Tag vier waren bei mehr als 95 Prozent Ketonkörper im Urin nachweisbar. Wer nur Brühe ohne Saft und Honig nahm, kam auf 72 statt 236 Kilokalorien. Die Kohlenhydrate sanken dabei von 56,5 auf 15,6 Gramm, und die Ketose fiel deutlicher aus. Krankhafte Werte erreichte sie nie, bei starker Ketose stieg aber die Harnsäure stärker an.
Für dich heißt das: Saft und Honig verhindern die Ketose nicht, sie dämpfen sie. Fastenketose ist etwas anderes als die gefährliche Ketoazidose bei entgleistem Diabetes, mit der sie oft verwechselt wird.
Grundler F et al. Nutrients. 2024. DOI: 10.3390/nu16121849Salz, Wasser und Blutdruck
Parallel verschiebt sich dein Salzhaushalt. Sinkt Insulin, lockert sich die Salzbremse in der Niere. In den ersten Tagen kannst du deshalb mehr Natrium und Wasser verlieren. Das Blutvolumen wird etwas kleiner, und der Blutdruck sinkt.
Die Autorinnen und Autoren der großen Blutdruckstudie aus der Buchinger-Klinik nennen diese vermehrte Salzausscheidung als einen möglichen Grund für den sinkenden Blutdruck. Dazu kommen eine geringere Aktivität des Sympathikus und der Gewichtsverlust.
Hier kommt die Brühe ins Spiel. Sie bringt jeden Abend etwas Salz zurück. In der Kohorte mit 1422 Fastenden sank das Natrium im Blut leicht, blieb im Mittel aber im Normbereich. Einzelne leichte Natriummängel wurden mit Kochsalz ausgeglichen.
Der Schwindel beim schnellen Aufstehen kann genau hier seine Wurzel haben. Weniger Salz, weniger Volumen im Gefäßsystem, ein Kreislauf, der nachregeln muss. Langsames Aufstehen ist in der Fastenzeit deshalb keine Floskel, sondern Schutz.
Das Nervensystem: erst Gas, dann Bremse
Beobachtung Mensch Robin Mesnage und Kollegen werteten 2025 im International Journal of Obesity täglich die Herzratenvariabilität von 16 Menschen aus. Sie fasteten zwölf Tage nach Buchinger mit rund 250 Kilokalorien, gemessen wurde auch eine Woche davor und danach.
In der frühen Fastenphase stieg zunächst die Aktivität des Sympathikus, also des Gaspedals im Nervensystem. Über die gesamte Zeit nahm dann die parasympathische Aktivität zu, die Bremse, und das seelische Wohlbefinden verbesserte sich. Die Schlafqualität blieb unverändert.
Für dich heißt das: Die anstrengenden ersten Tage könnten zum Teil eine kurze Stressreaktion sein. Danach scheint das Nervensystem bei vielen in einen ruhigeren Modus zu wechseln. Die Analyse ist klein und explorativ, größere randomisierte Studien fehlen.
Mesnage R et al. Int J Obes. 2025. DOI: 10.1038/s41366-025-01843-0Und der Hunger? In der Kohorte mit 1422 Fastenden gaben 93,2 Prozent an, während des Fastens keinen Hunger zu verspüren. Das ist für viele die größte Überraschung der Woche. Bei manchen bleibt der Hunger aber da, und das ist kein Versagen.
Der Schwindel an Tag zwei ist kein Charaktertest. Er ist Kreislaufphysik. Weniger Salz, weniger Volumen, ein System, das sich neu einpendelt. Genau dafür gibt es die Brühe, das langsame Aufstehen und eine Begleitung, die Blutdruck und Befinden im Blick behält.
Und jetzt weißt du, warum der Becher Brühe beim Buchinger-Fasten eher Kreislaufpflege ist als Mahlzeit.
Was zeigen Studien zum Heilfasten bei Blutdruck und Sicherheit?
Kurz gesagt: Große Beobachtungsdaten aus Fastenkliniken zeigen eine gute Verträglichkeit und deutliche Blutdrucksenkungen, vor allem bei erhöhten Ausgangswerten. Randomisierte Studien sind klein und kurz. Wie lange die Effekte ohne Ernährungsumstellung halten, ist offen.
Vielleicht hast du gehört, Heilfasten senke den Blutdruck. Vielleicht auch, es sei gefährlich. Beides greift zu kurz. Die Daten erzählen eine differenziertere Geschichte.
Die klassische Medizin setzt bei Bluthochdruck zu Recht auf Bewegung, Ernährung, weniger Salz und, wo nötig, Medikamente. Aus integrativer Sicht kann Heilfasten ein zusätzlicher Baustein sein. Ein Ersatz für eine Behandlung ist es nicht.
Beobachtung Mensch Françoise Wilhelmi de Toledo und Kollegen dokumentierten 2019 in PLoS One ein Jahr lang 1422 Menschen in der Klinik Buchinger Wilhelmi. Sie fasteten 4 bis 21 Tage mit 200 bis 250 Kilokalorien täglich, begleitet von einem moderaten Bewegungsprogramm.
Gewicht, Bauchumfang und Blutdruck sanken, der Blutzucker fiel in den niedrigen Normbereich, und die Ketonkörper stiegen. 93,2 Prozent hatten kein Hungergefühl, und von 404 Menschen mit vorbestehenden Beschwerden berichteten 341 über eine Besserung. Unerwünschte Wirkungen traten bei weniger als einem Prozent auf.
Für dich heißt das: Im klinischen Rahmen scheint Buchinger-Fasten für die meisten gut verträglich zu sein. Eine Kontrollgruppe gab es allerdings nicht.
Wilhelmi de Toledo F et al. PLoS One. 2019. DOI: 10.1371/journal.pone.0209353Beobachtung Mensch Franziska Grundler, Andreas Michalsen und Kollegen werteten 2020 im Journal of the American Heart Association die täglichen Blutdruckwerte von 1610 Menschen aus. Sie fasteten 4 bis 41 Tage mit etwa 250 Kilokalorien.
Im Mittel sank der Blutdruck um 6,5/3,8 mmHg. Bei unbehandeltem Bluthochdruck waren es 16,7/8,8 mmHg, bei Werten über 160/100 mmHg sogar 24,7/13,1 mmHg, bei normalem Blutdruck nur 3,0/1,9 mmHg. In der Gruppe mit Blutdruckmitteln wurden diese bei 23,6 Prozent abgesetzt und bei 43,5 Prozent reduziert.
Für dich heißt das: Heilfasten scheint den Blutdruck vor allem dort zu senken, wo er erhöht ist. Wer Blutdruckmittel nimmt, braucht deshalb eine Begleitung, die die Dosis rechtzeitig anpasst.
Grundler F et al. J Am Heart Assoc. 2020. DOI: 10.1161/JAHA.120.018649Was randomisierte Studien bisher zeigen
Beobachtungsdaten haben eine Schwäche. Ohne Vergleichsgruppe bleibt offen, wie viel am Fasten liegt und wie viel an Ruhe, Bewegung und Klinikalltag. Randomisierte Studien zum Heilfasten sind noch selten. Die wenigen, die es gibt, sind klein, aber aufschlussreich.
RCT András Maifeld, Dominik Müller, Andreas Michalsen und Kollegen aus Berlin veröffentlichten 2021 in Nature Communications eine randomisierte Studie. Sie teilten 71 Menschen mit metabolischem Syndrom und Bluthochdruck per Zufall in zwei Gruppen. Die eine fastete fünf Tage und aß danach nach dem DASH-Prinzip, einer blutdruckfreundlichen Kost mit viel Gemüse und wenig Salz. Die andere aß nur nach DASH.
Drei Monate später lagen der systolische Blutdruck und der Body-Mass-Index in der Fastengruppe niedriger als unter DASH allein, und der Bedarf an Blutdruckmitteln war stärker gesunken. Zusätzlich veränderte sich das Darmmikrobiom, darunter Bakteriengruppen, die mit der Bildung kurzkettiger Fettsäuren zusammenhängen.
Für dich heißt das: Ein kurzes Fasten vor einer Ernährungsumstellung könnte mehr bewegen als die Umstellung allein. Die Studie war klein, und die Ergebnisse zu Immunsystem und Mikrobiom waren explorative Endpunkte.
Maifeld A et al. Nat Commun. 2021. DOI: 10.1038/s41467-021-22097-0Ähnlich klein, aber randomisiert, war eine Pilotstudie von Chenying Li und dem Team um Andreas Michalsen an der Charité aus dem Jahr 2017. 46 Menschen mit Typ-2-Diabetes nahmen Tabletten oder Insulin. Sie fasteten entweder sieben Tage nach Buchinger mit 300 Kilokalorien täglich oder erhielten die übliche Versorgung mit Ernährungsberatung, 32 schlossen die Studie ab. Nach vier Monaten hatte die Fastengruppe mehr abgenommen, 3,5 gegenüber 2,0 Kilogramm, und Blutdruck und Lebensqualität verbesserten sich deutlicher. Beim Langzeitzucker HbA1c, beim Insulin und beim HOMA-Index zeigten sich nur nicht signifikante Verbesserungen, schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.
Rheuma: das am besten untersuchte Feld
RCT Das Team um Kjeldsen-Kragh von der Universität Oslo veröffentlichte 1991 im Lancet eine randomisierte, einfach verblindete Studie mit 53 Menschen mit rheumatoider Arthritis. 27 fasteten zunächst sieben bis zehn Tage mit sehr wenig Energie und ernährten sich danach ein Jahr lang vegetarisch, 26 aßen normal weiter.
In der Fastengruppe besserten sich nach vier Wochen unter anderem Gelenkschwellung, Schmerz, Morgensteifigkeit, Griffkraft und Entzündungswerte wie CRP. Der Vorteil war nach einem Jahr noch vorhanden.
Für dich heißt das: Bei Rheuma gehört Fasten zu den am besten untersuchten Anwendungen. Die Autoren weisen aber darauf hin, dass die meisten nach reinem Fasten einen Rückfall erleben, sobald sie wieder normal essen.
Kjeldsen-Kragh J et al. Lancet. 1991. DOI: 10.1016/0140-6736(91)91770-uEine systematische Übersicht von Müller, de Toledo und Resch fand 2001 insgesamt 31 Berichte über Fastenstudien bei Rheuma. Nur vier davon waren kontrolliert und hatten mindestens drei Monate Nachbeobachtung. Zusammengefasst zeigten sie einen klinisch bedeutsamen Langzeiteffekt, die Autoren forderten aber ausdrücklich mehr randomisierte Langzeitstudien.
Eine neuere Studie relativiert das Bild. Anika Hartmann und Kollegen von der Charité untersuchten 2022 dazu 53 Menschen mit rheumatoider Arthritis. Sie verglichen eine Fastenwoche mit anschließender pflanzenbasierter Kost mit den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Beim Hauptziel, der Alltagsfunktion nach zwölf Wochen, gab es keinen signifikanten Unterschied. Die Fastengruppe besserte sich aber schneller und verlor mehr Gewicht, 3,9 gegenüber 0,7 Kilogramm.
Wie lange halten die Effekte an?
Mark Ezpeleta, Krista Varady und Kollegen von der University of Illinois in Chicago haben 2024 in Nutrition Reviews Humanstudien zu längerem Fasten zusammengefasst. Untersucht wurden Fastenzeiten von 5 bis 20 Tagen. Der Blutdruck sank durchgehend, das Gewicht um 2 bis 10 Prozent, davon war etwa zwei Drittel fettfreie Masse. Drei bis vier Monate nach dem Fasten waren die Stoffwechselvorteile in den Studien, die das prüften, nicht mehr nachweisbar, selbst wenn das Gewicht gehalten wurde.
Zwei neue randomisierte Studien aus dem Jahr 2026 passen in dieses Bild. In einer Studie der Klinik Buchinger Wilhelmi fasteten 64 gesunde Menschen fünf Tage zu Hause, modifiziert mit rund 600 Kilokalorien, oder lebten wie gewohnt weiter. Der Blutdruck sank erst nach der Wiedereinführung der Nahrung signifikant stärker als in der Kontrollgruppe. Einen Monat später unterschieden sich die Veränderungen in Blutstoffwechsel und Darmflora nicht mehr signifikant von der Kontrollgruppe. In der Berliner LEANER-Studie mit 38 gesunden Erwachsenen führte ein fünftägiges Fasten vor allem zu Fettverlust, der nach zwölf Wochen teilweise erhalten blieb.
| Aussage | Datenlage | Einordnung |
|---|---|---|
| Der Blutdruck sinkt während des Fastens, vor allem bei erhöhten Werten | Große Kohorten mit 1422 und 1610 Fastenden, kleine randomisierte Studien | gut belegt für die Fastenphase |
| Buchinger-Fasten ist unter Begleitung gut verträglich | Kohorten mit unerwünschten Wirkungen unter einem Prozent | gut belegt im klinischen Rahmen |
| Langfristiger Nutzen bei rheumatoider Arthritis | RCT von 1991, systematische Übersicht, neuere RCT ohne Vorteil im Hauptziel | belegt mit Einschränkungen |
| Effekte halten auch ohne Ernährungsumstellung über Monate | Übersichtsarbeit: nach drei bis vier Monaten nicht mehr nachweisbar | eher nicht belegt |
| Entlastungstage, Darmentleerung, Apfel zum Fastenbrechen | kaum eigene Studien | klinische Tradition |
Die großen Kohorten stammen aus derselben Klinik, und viele Autorinnen und Autoren arbeiten dort. Das macht die Daten nicht falsch. Es ist aber ein Grund, sie als Beobachtung zu lesen.
Beobachtungsstudien zeigen einen zeitlichen Zusammenhang, keinen Beweis für Ursache und Wirkung. Wer sich eine Woche Fastenklinik leisten kann und will, bringt vermutlich andere Voraussetzungen mit als der Durchschnitt. Und Ruhe, Bewegung und Abstand vom Alltag gehören dort immer mit zum Paket.
Heilfasten ist kein Dauerzustand. Es ist eher ein Anstoß als ein Ergebnis. Die Studien mit den längsten Effekten haben das Fasten mit einer Ernährungsumstellung verbunden, nicht mit einer Rückkehr zum Alten.
Und jetzt weißt du, warum die spannendste Frage beim Heilfasten nicht die Fastenwoche ist, sondern die Zeit danach.
Für wen eignet sich Heilfasten, und wer sollte nicht allein fasten?
Kurz gesagt: Gesunde Erwachsene ohne Dauermedikamente können eine Fastenwoche mit ausgebildeter Anleitung in Betracht ziehen. Mit Medikamenten oder Vorerkrankungen gehört Heilfasten in ärztliche Begleitung. Bei Essstörungen, starkem Untergewicht, Schwangerschaft, Stillzeit und einigen schweren Erkrankungen rät die Leitlinie ganz davon ab.
Vielleicht ist das die Frage, mit der du hier gelandet bist. Sie ist die wichtigste in diesem Artikel. Denn die Antwort entscheidet nicht über deinen Mut, sondern über den passenden Rahmen.
Die Leitlinie beschreibt das Fasten für Gesunde für Menschen, die sich wohlfühlen, keine Medikamente brauchen und seelisch stabil sind. Für sie ist eine Fastenwoche allein oder in einer Gruppe denkbar, meist unter Anleitung einer ausgebildeten Fastenleitung. Die Verantwortung bleibt dabei immer bei dir.
Eher geeignet, mit Anleitung
- gesunde Erwachsene, die sich wohlfühlen
- keine Dauermedikamente
- seelisch stabil, keine Essstörung in der Vorgeschichte
- Zeit für Ruhe, Bewegung und Aufbautage
Nur ärztlich begleitet
- Blutdruckmittel oder andere Dauermedikamente
- Diabetes, vor allem Typ 1 oder mit Insulin
- Gicht oder erhöhte Harnsäure
- koronare Herzkrankheit, besonders wenn instabil oder schwer
- Krebserkrankung, Geschwür in Magen oder Zwölffingerdarm, Netzhautablösung
- Suchterkrankung oder psychotische Erkrankung
Nicht fasten
- Auszehrung oder starkes Untergewicht
- Magersucht und andere Essstörungen
- unkontrollierte Schilddrüsenüberfunktion
- fortgeschrittene Schwäche von Leber oder Nieren
- fortgeschrittene Durchblutungsstörung des Gehirns oder Demenz
- Schwangerschaft und Stillzeit
Zusammengestellt nach der Leitlinie zum Heilfasten von 2013, ergänzt um Hinweise aus den Studien zu Blutdruck, Ketose und Diabetes. Die Übersicht ersetzt keine ärztliche Einschätzung.
Blutdruckmittel und niedriger Blutdruck
In der Kohorte mit 1610 Fastenden mussten Blutdruckmittel bei vielen reduziert oder abgesetzt werden, um zu niedrige Werte zu vermeiden. Ohne ärztliche Anpassung kann der Druck zu tief fallen, mit Schwindel und Sturzgefahr. Umgekehrt stieg der Blutdruck bei 69 Frauen mit Ausgangswerten unter 100/60 mmHg leicht an. Ob sie dabei Beschwerden hatten, ist nicht bekannt.
Essstörungen: warum Fasten hier kein Experiment ist
Eric Stice und Kollegen vom Oregon Research Institute begleiteten 496 jugendliche Mädchen über fünf Jahre. Wer zur Gewichtskontrolle einen ganzen Tag lang nichts aß, entwickelte in dieser Zeit eher Essanfälle und bulimische Symptome. Fasten sagte das meist stärker voraus als bloßes Diäthalten, allerdings nur in einem Teil der Vergleiche signifikant. Für dich heißt das: Wenn du jemals eine Essstörung hattest, ist eine Fastenwoche kein harmloser Neustart.
Diabetes, Gicht und Medikamente
Wer Insulin oder blutzuckersenkende Tabletten nimmt, verändert mit dem Fasten die Bedingungen, unter denen diese Medikamente dosiert wurden. In der randomisierten Charité-Studie zu Typ-2-Diabetes traten keine schweren Nebenwirkungen auf. Das war allerdings ein kontrollierter Studienrahmen, kein Fasten auf eigene Faust. Für Typ-1-Diabetes verlangt die Leitlinie eine erfahrene ärztliche Begleitung.
Bei Gicht oder erhöhter Harnsäure lohnt ein Blick auf die Werte vor dem Start. In der Buchinger-Kohorte stieg die Harnsäure bei stärkerer Ketose stärker an. Das spricht dafür, das Fasten in diesem Fall ärztlich zu planen.
Nicht fasten zu dürfen ist keine Niederlage. Es ist eine Information über deinen Körper. Für viele gibt es sanftere Wege, etwa ein längeres nächtliches Essfenster wie beim Intervallfasten oder ein ärztlich begleitetes Fasten in einem Rahmen, der zu deiner Gesundheit passt.
Selbst-Check vor der Fastenwoche
- Ich nehme regelmäßig Medikamente, zum Beispiel gegen Bluthochdruck, Diabetes oder zur Entwässerung.
- Mir wird beim schnellen Aufstehen öfter schwindelig oder schwarz vor Augen.
- Ich hatte schon einmal einen Gichtanfall oder weiß von einer erhöhten Harnsäure.
- Ich hatte jemals eine Essstörung, oder mein Verhältnis zum Essen ist schwierig.
- Ich bin schwanger oder stille.
- Ich habe deutliches Untergewicht oder in letzter Zeit ungewollt abgenommen.
- Ich habe eine Erkrankung von Herz, Nieren, Leber oder Schilddrüse.
- Ich stecke gerade in einer seelischen Krise oder einer sehr belastenden Phase.
Wenn du bei einem Punkt nickst, ist das zuerst ein Ja zu einem ärztlichen Gespräch vor dem ersten Fastentag. Bei Schwangerschaft, Stillzeit, Essstörungen oder starkem Untergewicht rät die Leitlinie ganz vom Fasten ab.
Und jetzt weißt du, warum die wichtigste Vorbereitung auf eine Fastenwoche nicht im Supermarkt passiert, sondern im Gespräch.
Wie sieht die KPNI das Heilfasten?
Die Klinische Psychoneuroimmunologie fragt nicht nur, was ein einzelnes Organ tut. Sie fragt, wie Nervensystem, Hormone, Stoffwechsel und Immunsystem miteinander sprechen. Beim Heilfasten führen diese vier ein besonders lebhaftes Gespräch.
Nervensystem
In den ersten Fastentagen kann der Sympathikus, das Gaspedal, kurz anspringen. Danach zeigte eine kleine Buchinger-Studie mehr parasympathische Aktivität und besseres seelisches Wohlbefinden. In der großen Blutdruckkohorte sanken zudem die Stresswerte.
Hormonsystem
Insulin sinkt, und damit lockert sich die Salzbremse in der Niere. Die Fettdepots öffnen sich, die Leber bildet Ketonkörper. Für Menschen mit Insulin oder Blutdruckmitteln ist das entscheidend, denn ihr Medikamentenbedarf kann sich innerhalb weniger Tage verändern.
Stoffwechsel
Ketonkörper werden zum zweiten Brennstoff, auch für das Gehirn. Bei stärkerer Ketose stieg in der Buchinger-Kohorte die Harnsäure stärker an, möglicherweise weil Ketonkörper und Harnsäure in der Niere um ähnliche Ausscheidungswege konkurrieren. Saft und Honig dämpfen die Ketose, ohne sie zu verhindern.
Immunsystem
In der Osloer Rheumastudie sanken unter Fasten und anschließender vegetarischer Kost Entzündungswerte wie CRP. Eine Auswertung der Buchinger-Kohorte beschreibt ein vom Ausgangswert abhängiges Muster: Bei hohem CRP sank der Wert eher, bei niedrigem stieg er während des Fastens eher leicht an. Das spricht eher für eine Umstellung als für eine einfache Dämpfung, ist aber noch wenig erforscht.
Aus Sicht der Lebensstilmedizin kommt eine fünfte Ebene dazu. Andreas Michalsen und Chenying Li von der Charité beschreiben in ihrer Übersicht, dass Fasten den Einstieg in eine dauerhaft gesündere Ernährung erleichtern könnte. Sie vermuten, dass die bessere Stimmung, die viele beim Fasten erleben, dabei eine Rolle spielt. Für dich heißt das: Eine Fastenwoche kann ein Fenster sein, in dem Veränderung leichter fällt.
Gut belegt durch große Beobachtungsdaten und kleine randomisierte Studien: Während des Fastens sinkt der Blutdruck, vor allem bei erhöhten Werten. Die Ketose stellt sich trotz Brühe, Saft und Honig ein. Unter klinischer Begleitung waren unerwünschte Wirkungen in den großen Kohorten selten.
Mechanistisch plausibel, beim Menschen noch dünn: dass die vermehrte Salzausscheidung und ein ruhigerer Sympathikus den Blutdruckeffekt erklären, und dass sich das Immunsystem je nach Ausgangslage unterschiedlich umstellt.
Klinische Tradition ohne starke Studienbasis: Entlastungstage, Darmentleerung, der Apfel zum Fastenbrechen und die genaue Zahl der Aufbautage.
Meine Einschätzung: Für gesunde Menschen kann eine Buchinger-Woche ein spannender Reiz sein. Für Menschen mit Bluthochdruck oder Stoffwechselproblemen sehe ich Potenzial, aber nur mit einem Plan für davor, währenddessen und danach.
Es geht beim Heilfasten nicht um drei Kilo auf der Waage. Es geht um die Erfahrung, dass dein Körper Reserven hat und dass du ihm vertrauen kannst. Diese Freiheit entsteht nicht durch Durchhalten um jeden Preis. Sie entsteht in einem Rahmen, in dem du loslassen darfst.
Und jetzt weißt du, warum ich Heilfasten nie nur als Diät betrachte, sondern als Gespräch zwischen vier Systemen.
Drei Hebel für deine Entscheidung
Du musst heute nicht entscheiden, ob du fastest. Aber du kannst heute entscheiden, wie du diese Entscheidung triffst. Die folgenden drei Hebel sind Richtungen, kein Therapieplan.
Kläre deine Ausgangslage vor der Anmeldung
Lass Blutdruck, Medikamente, Nierenwerte und Harnsäure ärztlich anschauen, besonders wenn du Tabletten nimmst oder schon einmal einen Gichtanfall hattest. Sprich auch offen an, wie dein Verhältnis zum Essen ist. Dieses Gespräch ist der wichtigste Teil der Vorbereitung.
Wähle den Rahmen nach deinem Risiko, nicht nach der Gruppe
Gesund und ohne Dauermedikamente? Dann kann eine Fastengruppe mit ausgebildeter Fastenleitung ein guter Rahmen sein. Mit Vorerkrankungen oder Medikamenten gehört die Fastenwoche in ärztliche Begleitung, ambulant oder in einer Klinik. Du darfst mitfeiern, ohne mitzufasten.
Plane die Wochen danach gleich mit
Die Studien mit den längsten Effekten haben Fasten mit einer Ernährungsumstellung verbunden, etwa mit vegetarischer oder blutdruckfreundlicher Kost. Überlege dir vor dem ersten Fastentag, welche Gewohnheit du danach behalten möchtest. Eine einzige reicht für den Anfang.
Wenn du nicht nur lesen, sondern deine Situation gemeinsam einordnen möchtest: Unterhalb dieses Artikels findest du die Möglichkeit, einen Termin zu buchen.
Und jetzt weißt du, warum eine gute Fastenwoche schon Wochen vorher beginnt.
Häufige Fragen zum Heilfasten nach Buchinger
Was ist Heilfasten nach Buchinger?
Heilfasten nach Buchinger ist ein modifiziertes Fasten, bei dem du für eine begrenzte Zeit auf feste Nahrung und Genussmittel verzichtest. Statt nur Wasser gibt es täglich etwa einen Viertelliter Gemüsebrühe, einen Viertelliter Saft aus Obst oder Gemüse und etwas Honig, dazu mindestens zweieinhalb Liter Wasser und Kräutertee. So beschreibt es die Leitlinie zum Heilfasten aus dem Jahr 2013. In großen Klinikstudien lag die Energiezufuhr damit bei etwa 200 bis 250 Kilokalorien am Tag. Entlastungstage vorher und Aufbautage danach gehören fest dazu.
Wie viele Kalorien hat das Buchinger-Fasten?
In der Beobachtungsstudie mit 1422 Fastenden lag die Zufuhr bei 200 bis 250 Kilokalorien täglich. Eine Auswertung mit 1610 Fastenden nennt je nach Variante etwa 75 bis 250 Kilokalorien. Wer nur Brühe ohne Saft und Honig zu sich nahm, kam auf rund 72 statt 236 Kilokalorien und zeigte eine deutlichere Ketose. Die Leitlinie zum Heilfasten setzt die Obergrenze für das Fasten insgesamt bei etwa 250 bis 500 Kilokalorien am Tag.
Wie lange dauert eine Fastenwoche nach Buchinger?
Für gesunde Menschen beschreibt die Leitlinie acht Tage: einen Entlastungstag, fünf Fastentage und zwei Aufbautage. Für das ärztlich begleitete Heilfasten nennt die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung sieben bis zehn Fastentage mit einem Vorbereitungstag und drei Aufbautagen. In den großen Klinikstudien wurde 4 bis 21 Tage gefastet, in der Blutdruckstudie teils noch länger. Längere Fastenzeiten gehören immer in ärztliche Begleitung.
Was sind Entlastungstage, und wozu sind sie gut?
Entlastungstage sind ein bis zwei Tage vor dem Fasten mit leichter, pflanzenbetonter und kalorienarmer Kost. Die Leitlinie nennt für den Vorbereitungstag weniger als etwa 1000 Kilokalorien und den Verzicht auf Kaffee, Alkohol und Nikotin. Sie sollen den Übergang sanfter machen, etwa weil ein Kaffeeentzug dann nicht mit den ersten Fastentagen zusammenfällt. Eigene Studien zu ihrem Nutzen gibt es kaum, sie sind vor allem klinische Tradition.
Wie wird das Fasten nach Buchinger gebrochen?
Traditionell isst du am letzten Fastentag einen reifen Apfel, roh oder gedünstet und sehr langsam. Danach steigt die Energiemenge über mehrere Aufbautage schrittweise an, laut Leitlinie etwa von 800 über 1000 und 1200 bis auf 1600 Kilokalorien. Der Grund ist physiologisch: Mit dem Essen steigt Insulin, und Insulin hält in der Niere Natrium zurück und senkt das Kalium im Blut. Ein langsamer Aufbau gibt dem Körper Zeit, sich darauf einzustellen.
Senkt Heilfasten den Blutdruck?
In großen Beobachtungsdaten sinkt der Blutdruck während des Fastens deutlich, vor allem bei erhöhten Ausgangswerten. In einer Kohorte mit 1610 Fastenden sank er bei unbehandeltem Bluthochdruck im Mittel um 16,7/8,8 mmHg, bei normalem Blutdruck nur um 3,0/1,9 mmHg. Eine kleine randomisierte Studie bei metabolischem Syndrom fand drei Monate nach fünf Fastentagen mit anschließender DASH-Ernährung einen niedrigeren systolischen Blutdruck als unter DASH allein. Wie lange der Effekt ohne Ernährungsumstellung anhält, ist offen.
Ist Heilfasten gefährlich?
Unter klinischer Begleitung scheint Buchinger-Fasten für die meisten Menschen gut verträglich zu sein. In der Beobachtungsstudie mit 1422 Fastenden traten unerwünschte Wirkungen bei weniger als einem Prozent auf. Mögliche leichte Beschwerden sind Kopfschmerzen, Hunger, Schlafprobleme und Schwindel beim schnellen Aufstehen. Riskant wird es vor allem bei Vorerkrankungen, bestimmten Medikamenten, Untergewicht oder Essstörungen und bei längerem Fasten ohne Kontrolle.
Wer darf nicht heilfasten?
Die Leitlinie nennt als Gegenanzeigen starke Auszehrung, Magersucht und andere Essstörungen, eine unkontrollierte Schilddrüsenüberfunktion, fortgeschrittene Durchblutungsstörungen des Gehirns oder Demenz, eine fortgeschrittene Schwäche von Leber oder Nieren sowie Schwangerschaft und Stillzeit. Nur mit erfahrener ärztlicher Begleitung kommen unter anderem Typ-1-Diabetes, Suchterkrankungen, psychotische Erkrankungen, eine instabile oder schwere koronare Herzkrankheit, eine Netzhautablösung, ein Geschwür in Magen oder Zwölffingerdarm und Krebserkrankungen infrage. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte ebenfalls nur ärztlich begleitet fasten.
Darf ich mit Blutdrucktabletten heilfasten?
Ja, aber nur mit ärztlicher Begleitung. Weil der Blutdruck beim Fasten sinken kann, wurden Blutdruckmittel in einer Kohorte mit 1610 Fastenden bei 23,6 Prozent der behandelten Menschen abgesetzt und bei 43,5 Prozent reduziert. Ohne Anpassung kann der Druck zu tief fallen, mit Schwindel und Sturzgefahr. Auch das Wiederansetzen nach dem Fasten sollte ärztlich geplant werden.
Ist Buchinger-Fasten dasselbe wie Wasserfasten?
Nein. Beim Wasserfasten gibt es keine Kalorien und kein Salz von außen. Beim Buchinger-Fasten liefern Brühe, Saft und Honig täglich eine kleine Menge Energie, Kohlenhydrate und Salz. In einer Auswertung mit 1610 Fastenden dämpfte diese kleine Kohlenhydratmenge die Ketose, ohne sie zu verhindern. Nach dem internationalen Konsens von 2024 gilt das als modifiziertes Fasten, weil die Energiezufuhr auf höchstens 25 Prozent des Bedarfs begrenzt ist.
Wie lange halten die Effekte des Heilfastens an?
Das ist die größte offene Frage. Eine Übersichtsarbeit zu längerem Fasten fand, dass die Stoffwechselvorteile drei bis vier Monate später nicht mehr nachweisbar waren, selbst wenn das Gewicht gehalten wurde. Länger hielten Effekte in Studien, die das Fasten mit einer Ernährungsumstellung verbanden, etwa bei rheumatoider Arthritis mit vegetarischer Kost über ein Jahr. Heilfasten kann ein Anstoß sein, eine dauerhafte Veränderung im Alltag ersetzt es nicht.
Verliere ich beim Heilfasten Muskeln?
Ein Teil des Gewichtsverlusts ist fettfreie Masse, darin stecken aber auch Wasser und Glykogen. In einer Studie mit 32 Menschen, die zwölf Tage mit 250 Kilokalorien fasteten, nahm das Volumen der Wadenmuskulatur um 5,4 Prozent ab. Das entsprach weitgehend dem erwarteten Verlust an Glykogen und gebundenem Wasser, und die Muskelkraft blieb erhalten, auch bei Teilnehmenden über 50. Für Menschen mit wenig Muskelreserve bleibt das trotzdem ein Punkt für die ärztliche Abwägung.
Kann ich Heilfasten allein zu Hause machen?
Für gesunde Menschen ohne Medikamente beschreibt die Leitlinie das Fasten allein oder in einer Gruppe, meist unter Anleitung einer ausgebildeten Fastenleitung und immer in eigener Verantwortung. Sobald Vorerkrankungen, Medikamente oder eine Essstörung im Spiel sind, gehört Heilfasten in ärztliche Begleitung. In einer randomisierten Studie mit 64 gesunden Menschen wurde ein fünftägiges modifiziertes Fasten zu Hause mit rund 600 Kilokalorien als sicher beschrieben. Das war allerdings ein festes Studienprotokoll mit regelmäßigen Untersuchungen.
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Heilfasten berührt Entgiftung, Nervensystem, Bewegung und Herz-Kreislauf. Wenn du tiefer einsteigen willst, lohnt sich ein Blick in diese Nachbarthemen.
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Quellen
Alle Studien wurden über PubMed geprüft, mit Consensus gegengeprüft und mit DOI verlinkt. Der Studientyp steht in eckigen Klammern, damit du die Aussagekraft selbst einordnen kannst.
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