Fasten und Cholesterin: Warum die Blutfette sich manchmal erst verschlechtern
Wenn du fastest oder abnimmst, kann dein LDL vorübergehend steigen, vermutlich weil dein Körper gespeichertes Fett und Cholesterin mobilisiert. Das ist oft kein Grund zur Panik, aber auch kein Freibrief. Hier liest du, was Studien zeigen, wie du deine Blutfette funktionell liest und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.
Ein steigender LDL-Wert beim Fasten ist kein Urteil über dich. Er ist aber auch kein Freibrief. Er ist eine Momentaufnahme, die erst mit Zeitpunkt, Verlauf und Gesamtbild eine Bedeutung bekommt.
Vielleicht kennst du diesen Moment.
Seit Wochen fastest du. Die Hose sitzt lockerer, der Kopf ist klarer, du fühlst dich leichter. Dann kommt der Laborbefund. Ausgerechnet das LDL ist höher als beim letzten Mal, und daneben steht ein kleiner Pfeil nach oben.
Du liest die Zeile zweimal. Hast du etwas falsch gemacht? Schadet dir das Fasten? Oder ist das nur ein schlechter Tag im Labor?
Und irgendwo im Hinterkopf hörst du zwei Stimmen gleichzeitig. Die eine sagt: Cholesterin ist doch egal. Die andere sagt: Hör sofort auf.
Wenn du dich hier wiederfindest, bist du nicht allein. Kaum ein Laborwert sorgt beim Fasten für so viel Verunsicherung. Und kaum einer wird so gegensätzlich gedeutet.
Ich schreibe hier als Arzt, der Fasten schätzt und Blutfette ernst nimmt. Beides passt zusammen. Mich interessieren vier Fragen: Was zeigen Studien zu Fasten und Cholesterin? Warum kann LDL beim Abnehmen erst einmal steigen? Wie liest du deine Blutfette, ohne nur auf eine einzige Zeile zu schauen? Und wann gehört ein Wert in ärztliche Hände?
Mit Fasten meine ich hier Intervallfasten, längere Fastenperioden wie Heilfasten und jede Phase, in der du deutlich Gewicht verlierst. Grundlagen zum Ablauf liest du in Intervallfasten 16:8 und Heilfasten nach Buchinger.
Was dich in diesem Artikel erwartet
- Was Studien zu Intervallfasten und Cholesterin zeigen
- Warum LDL beim Abnehmen vorübergehend steigen kann
- Was das mobilisierte Cholesterin mit deiner Galle zu tun hat
- Wie du Triglyceride, HDL, ApoB und Lp(a) liest
- Wann eine Blutabnahme aussagekräftig ist
- Was hinter dem Lean Mass Hyper-Responder steckt
- Wann du einen Wert ärztlich abklären lassen solltest
- Drei Hebel für deine nächste Messung
Wie ich die Evidenz markiere
Klinische Studie Randomisierte und kontrollierte Studien sowie Meta-Analysen am Menschen.
Beobachtung Mensch Fastenstudien ohne Kontrollgruppe, Querschnittsstudien, Fallserien, Übersichtsarbeiten und Konsenspapiere. Sie zeigen Zusammenhänge und Mechanismen, nicht zwingend Ursache und Wirkung.
Intervallfasten und Cholesterin: Was Studien an vielen Menschen zeigen
Kurz gesagt: Im Mittel sinken LDL, Gesamtcholesterin und Triglyceride unter Intervallfasten leicht. Eine Meta-Analyse fand rund 6 mg/dl weniger LDL. Eine Übersicht über 57 Meta-Analysen sah den klarsten Effekt bei den Triglyceriden, beim LDL waren die Ergebnisse uneinheitlich. In einer einjährigen Studie lag das LDL mit Fasten an jedem zweiten Tag sogar höher als mit täglicher Kalorienreduktion.
Vielleicht hast du mit dem Fasten auch deshalb begonnen, weil du gelesen hast, es verbessere die Blutfette. Und dann zeigt dein Befund in die andere Richtung. Das fühlt sich an wie ein kleiner Vertrauensbruch.
Schauen wir zuerst auf das große Bild. Studien mit vielen Menschen sind wie eine Landkarte. Sie zeigen die Richtung, aber nicht, wo genau du gerade stehst.
Meta-Analyse Ein Team aus Jinan in China hat kontrollierte Studien zu Intervallfasten und Kalorienreduktion zusammengefasst. Für das LDL flossen 34 Studien ein. Im Vergleich zu Gruppen ohne Diät sank das LDL im Mittel um rund 6 mg/dl, das Gesamtcholesterin um rund 7 mg/dl und die Triglyceride um rund 6 mg/dl. Das HDL veränderte sich nicht wesentlich.
Für dich heißt das: Im Durchschnitt bewegen sich die Blutfette in eine günstige Richtung. Der Effekt ist aber klein, und die einzelnen Studien unterschieden sich deutlich.
Meng H et al. Nutrition. 2020. DOI: 10.1016/j.nut.2020.110801Umbrella-Reviews Ein internationales Team um Patikorn bewertete elf Meta-Analysen mit 130 randomisierten Studien. Die Studien dauerten im Median drei Monate. Die meisten der 104 untersuchten Zusammenhänge stützten sich auf Evidenz niedriger oder sehr niedriger Qualität. Eine Übersicht aus Lublin in Polen wertete später 57 Meta-Analysen aus. Den deutlichsten Nutzen sah sie bei den Triglyceriden, bei LDL, HDL und Gesamtcholesterin blieben die Daten uneinheitlich.
Für dich heißt das: Fasten ist kein verlässlicher LDL-Senker. Es kann die Blutfette verbessern, muss es aber nicht.
Patikorn C et al. JAMA Netw Open. 2021. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.39558 · Popiolek-Kalisz J, Kwasny A. Nutr Metab Cardiovasc Dis. 2026. DOI: 10.1016/j.numecd.2025.104472RCT, n=100 An der University of Illinois in Chicago folgten 100 Erwachsene mit Adipositas ein Jahr lang einem von drei Plänen. Eine Gruppe aß jeden zweiten Tag nur ein Viertel ihres Energiebedarfs und an den Tagen dazwischen mehr. Eine zweite Gruppe reduzierte täglich die Kalorien, die dritte blieb ohne Vorgabe. Beide Diätgruppen verloren ähnlich viel Gewicht. Nach zwölf Monaten lag das LDL in der Fastengruppe aber um 11,5 mg/dl höher als in der Gruppe mit täglicher Kalorienreduktion.
Für dich heißt das: Auch bei gleichem Gewichtsverlust können verschiedene Fastenformen die Blutfette unterschiedlich beeinflussen. Warum das so war, hat die Studie nicht geklärt.
Trepanowski JF et al. JAMA Intern Med. 2017. DOI: 10.1001/jamainternmed.2017.0936Ein anderes Bild zeigte eine kleinere Studie derselben Arbeitsgruppe. Nach zehn Wochen Fasten an jedem zweiten Tag sank das LDL bei 35 Menschen mit Adipositas um 18 bis 25 Prozent. Die LDL-Teilchen wurden im Mittel etwas größer, der Anteil kleiner Teilchen nahm ab. Gleiche Fastenform, anderer Zeitraum, anderes Ergebnis, allerdings ohne Vergleichsgruppe, die nicht fastete.
Auch beim Fasten im Ramadan ist das Bild eher freundlich als dramatisch. Ein Team aus Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten fasste 91 Studien mit 4.431 gesunden Erwachsenen zusammen. Das LDL sank leicht, das HDL stieg leicht, beide Effekte waren klein. Mehr dazu liest du im Artikel Fasten im Ramadan.
Ein Mittelwert ist eine Landkarte, kein Navigationsgerät. Er zeigt, wohin sich viele Menschen bewegen, aber nicht, wo dein Körper gerade steht. Wenn dein LDL steigt, widerspricht das den Studien nicht. Es zeigt nur, dass du mehr bist als ein Durchschnitt.
Was heißt das für dich? Wenn du fastest, um deine Blutfette zu verbessern, brauchst du einen Ausgangswert vor dem Start. Ohne ihn fehlt dir jeder Vergleich. Und miss möglichst nicht mitten in der Phase, in der die Kilos am schnellsten purzeln. Warum, liest du im nächsten Abschnitt.
Und jetzt weißt du, warum die Studienlage zu Intervallfasten und Cholesterin ermutigend ist, aber kein Versprechen für deinen eigenen Befund.
Warum LDL beim Abnehmen und Fasten vorübergehend steigen kann
Kurz gesagt: Dein Fettgewebe speichert nicht nur Fett, sondern auch Cholesterin. Wird es abgebaut, kann dieses Cholesterin vorübergehend durch dein Blut wandern. In einer Studie stieg das Gesamtcholesterin während einer großen Abnahme über den Ausgangswert und fiel wieder, als das Gewicht gehalten wurde. Nach sieben Tagen ohne Kalorien stiegen LDL und ApoB bei normalgewichtigen Erwachsenen um rund zwei Drittel.
Stell dir vor, du räumst endlich den Keller auf. Ein paar Tage lang steht der ganze Krempel im Flur. Die Wohnung sieht chaotischer aus als vorher. Und doch ist genau das der Beginn von Ordnung.
Dein Fettgewebe ist so ein Keller. Es lagert vor allem Triglyceride, also Fett als Energiereserve. Es lagert aber auch Cholesterin. Schon 1984 beschrieben Krause und Hartman das Fettgewebe als wichtigen Cholesterinspeicher des Menschen. Bei Adipositas kann dort laut einer gemeinsamen Expertenübersicht zweier US-Fachgesellschaften mehr als die Hälfte des freien Cholesterins im Körper liegen.
Energiedefizit
Du isst weniger, als du verbrauchst, oder eine Zeit lang gar nichts. Dein Körper greift auf seine Reserven zurück.
Fettzellen schrumpfen
Sie geben Fettsäuren ab. Mit ihnen kann auch gespeichertes Cholesterin frei werden.
Transport im Blut
Die Leber verpackt Fette in Lipoproteine, eine Art Transportboote. Ein Teil davon wird im Labor als LDL sichtbar.
Ausgang über die Galle
Ein anderer Teil des Cholesterins wird über die Galle ausgeschieden und kann sie vorübergehend belasten.
Neues Gleichgewicht
Ist das Gewicht wieder stabil, pendelten sich die Werte in Studien ein, oft unter dem Ausgangswert.
Schematische Darstellung. Dass dieser Weg den Anstieg erklärt, ist mechanistisch plausibel, beim Menschen aber nicht vollständig bewiesen.
Verlaufsstudie, n=6 Ein Team um Phinney begleitete sechs Frauen mit Adipositas durch eine große Gewichtsabnahme mit sehr kalorienarmer Kost. In fünf bis sieben Monaten verloren sie im Mittel rund 30 Kilogramm. Das Gesamtcholesterin fiel zunächst deutlich und stieg dann während der weiteren Abnahme über den Ausgangswert. Als die Frauen ihr Gewicht über mehr als zwei Monate hielten, fiel es wieder. Im Bauchfettgewebe stieg während der Abnahme der Cholesteringehalt, die Forschenden vermuten eine Mobilisierung aus diesem Speicher.
Für dich heißt das: Ein Anstieg mitten in einer großen Abnahme kann ein Durchgangsstadium sein. Die Studie war allerdings sehr klein.
Phinney SD et al. Am J Clin Nutr. 1991. DOI: 10.1093/ajcn/53.6.1404Gesamtcholesterin während einer großen Gewichtsabnahme
Mittelwerte von sechs Frauen mit Adipositas, die mit sehr kalorienarmer Kost in fünf bis sieben Monaten rund 30 kg abnahmen. Nach Phinney et al. 1991.
Balkenlänge bezogen auf 6,5 mmol/l. Umrechnung in mg/dl gerundet. Gemessen wurde das Gesamtcholesterin, nicht das LDL allein.
Fastenstudie, n=10 An der University of North Carolina fasteten zehn gesunde, normalgewichtige Erwachsene sieben Tage lang ohne Kalorien. Das LDL stieg im Mittel von 2,95 auf 4,90 mmol/l, also von etwa 114 auf etwa 189 mg/dl. Das entspricht einem Plus von 66 Prozent. ApoB stieg um 65 Prozent, das Gesamtcholesterin um 37 Prozent. Triglyceride und HDL veränderten sich nicht, und die Anstiege hingen mit dem Gewichtsverlust zusammen.
Für dich heißt das: Bei schlanken Menschen kann ein mehrtägiges Fasten LDL und ApoB deutlich nach oben treiben. Wie lange dieser Effekt anhält, wurde nicht untersucht.
Sävendahl L, Underwood LE. J Nutr. 1999. DOI: 10.1093/jn/129.11.2005Beobachtungsstudie, n=40 In der Buchinger Wilhelmi Klinik am Bodensee fasteten 40 Erwachsene, je zur Hälfte Männer und Frauen, 14 Tage lang mit rund 250 Kilokalorien am Tag. Nach zwei Wochen lag das LDL im Mittel um 0,72 mmol/l niedriger, die Triglyceride um 0,35 mmol/l. Das HDL sank leicht um 0,16 mmol/l, die großen HDL-Teilchen nahmen aber zu. ApoB, Lp(a) und das Entzündungszeichen CRP blieben unverändert.
Für dich heißt das: Fasten ist nicht gleich Fasten. In dieser ärztlich begleiteten Fastenkur sanken LDL und Triglyceride, während ApoB gleich blieb.
Grundler F et al. Eur J Nutr. 2021. DOI: 10.1007/s00394-021-02578-0Warum die Ergebnisse so unterschiedlich ausfallen, ist nicht abschließend geklärt. Fastenform, Ausgangsgewicht, Dauer und Zeitpunkt der Messung unterscheiden sich von Studie zu Studie. Auffällig ist: Die Menschen mit dem großen Anstieg waren schlank und nahmen gar keine Energie zu sich. Auf diesen Punkt kommen wir beim Lean Mass Hyper-Responder noch einmal zurück.
Ein weiterer möglicher Mechanismus führt über die Schilddrüse. Beim Fasten sinkt das aktive Schilddrüsenhormon T3. In einer älteren Studie fiel es nach 60 Stunden ohne Essen bei normalgewichtigen Frauen und Männern um 24 bis 55 Prozent. T3 hält in der Leber die LDL-Rezeptoren aktiv. Das sind Andockstellen, an denen die Leber LDL aus dem Blut fischt. Fehlt T3, wie bei einer Schilddrüsenunterfunktion, steigt das LDL häufig, so beschreibt es eine Übersichtsarbeit aus Athen und Buenos Aires. Dass dieser Weg auch beim Fasten mitspielt, ist biologisch plausibel, beim Menschen aber nicht direkt belegt.
Dein Fettgewebe ist nicht nur ein Energiespeicher, sondern auch ein Cholesterinlager. Wenn du es abbaust, wird auch dieses Lager geräumt, und ein Teil der Ware läuft vorübergehend durch dein Blut. Ein steigender Wert in dieser Phase kann deshalb ein Zeichen von Bewegung sein, nicht von Verfall. Kontrollieren solltest du ihn trotzdem.
Was heißt das für dich? Notiere dir zu jedem Befund, in welcher Phase du gemessen hast: vor dem Start, mitten in der Abnahme, direkt nach einer Fastenkur oder bei stabilem Gewicht. Erst mit dieser Information lässt sich ein Wert einordnen. Wie du erkennen kannst, dass dein Körper auf Fettverbrennung umgeschaltet hat, liest du in Ketose beim Fasten erkennen und messen.
Und jetzt weißt du, warum dein LDL ausgerechnet dann steigen kann, wenn dein Körper am meisten Fett abbaut.
Wohin das Cholesterin außerdem wandert: deine Galle
Kurz gesagt: Ein Teil des mobilisierten Cholesterins landet in der Galle. Während einer schnellen Abnahme kann die Galle deshalb stärker mit Cholesterin gesättigt sein. Zusammen mit einer trägen Gallenblase kann das Gallensteine begünstigen. In Studien bildeten sich bei sehr fettarmer Abnahmekost deutlich häufiger Gallensteine als bei Kost mit etwas Fett.
Vielleicht hast du nach einer Fastenkur schon einmal einen dumpfen Druck rechts unter dem Rippenbogen gespürt. Oft ist das harmlos. Manchmal steckt aber die Gallenblase dahinter.
Die Galle ist ein wichtiger Weg, über den dein Körper Cholesterin ausscheidet. Wird während einer Abnahme viel Cholesterin frei, landet ein Teil davon dort. Gleichzeitig hat die Gallenblase beim Fasten wenig Anlass, sich zusammenzuziehen. Ein wichtiger Reiz für ihre Entleerung ist Fett in der Mahlzeit. Bleibt er aus, steht die Galle wie Wasser in einem stillen Teich, in dem sich leichter etwas absetzt.
RCT, n=13 Am VA Medical Center in Minneapolis nahmen Menschen mit Adipositas mit einer von zwei Flüssigdiäten ab. Die eine hatte 520 Kilokalorien und fast kein Fett, die andere 900 Kilokalorien mit 30 Gramm Fett, darunter eine Mahlzeit mit 10 Gramm Fett. Beide Gruppen verloren rund 22 Prozent ihres Gewichts. Während der Diät stieg die Cholesterinsättigung der Galle um 26 Prozent, nach der Abnahme lag sie 15 Prozent unter dem Ausgangswert. Gallensteine bildeten sich bei vier von sechs Teilnehmenden der fast fettfreien Diät und bei keinem der sieben mit Fett, die Studie wurde deshalb vorzeitig beendet.
Für dich heißt das: Die Galle kann während einer Abnahme vorübergehend belastet sein, und ein kleiner Fettreiz scheint die Gallenblase in Bewegung zu halten. Interessant ist ein Nebenbefund: Die Blutfette fielen in beiden Gruppen bis Woche acht und stiegen wieder an, während die Teilnehmenden noch abnahmen.
Gebhard RL et al. Hepatology. 1996. DOI: 10.1002/hep.510240313Eine Meta-Analyse aus Homburg im Saarland fasste 13 randomisierte Studien mit 1.836 Menschen zusammen, die abnahmen. Sie beschreibt, dass auch schneller Gewichtsverlust das Risiko für Gallensteine erhöht. Fettreichere Abnahmekost war mit deutlich weniger Gallensteinen verbunden als sehr fettarme Kost. Auch das Medikament Ursodeoxycholsäure senkte das Risiko. Ob es für dich infrage kommt, entscheidest du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Wann Beschwerden beim Fasten ärztlich abgeklärt gehören
- Kolikartige Schmerzen im rechten Oberbauch, oft nach einer Mahlzeit: Das kann auf Gallensteine hindeuten.
- Fieber, Schüttelfrost oder gelbliche Haut und Augen: Bitte suche zeitnah ärztliche Hilfe.
- Bekannte Gallensteine: Besprich längere Fastenperioden vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
- Sehr schnelle Abnahme über viele Wochen: Hier kann eine ärztliche Begleitung sinnvoll sein.
- Druck oder Schmerz in der Brust, Atemnot oder kalter Schweiß: Wähle sofort den Notruf 112.
Diese Liste ersetzt keine Untersuchung. Sie soll dir helfen, Warnzeichen nicht zu übersehen.
Fasten ist für deine Gallenblase eine Pause. Pausen sind gut, solange danach wieder Bewegung kommt. Ein wenig Fett in den Mahlzeiten zwischen den Fastenphasen kann diese Bewegung anstoßen.
Was heißt das für dich? Wenn du schnell abnimmst oder länger fastest, achte auf Warnzeichen im Oberbauch. Plane die Mahlzeiten nach dem Fasten nicht völlig fettfrei. Wie du eine Fastenphase sanft beenden kannst, liest du in Richtig Fastenbrechen. Risiken längerer Fastenkuren beschreibt der Artikel Wasserfasten: Chancen und Risiken.
Und jetzt weißt du, warum ein steigendes Cholesterin im Blut und eine träge Gallenblase zwei Seiten derselben Medaille sein können.
Die Blutfette funktionell lesen: mehr als eine Zeile auf dem Befund
Kurz gesagt: LDL ist ein ursächlicher Risikofaktor für Gefäßerkrankungen, entscheidend sind Höhe und Dauer. ApoB zählt die Teilchen, die Cholesterin in die Gefäßwand bringen können, und wird durch Mahlzeiten kaum beeinflusst. Der Quotient aus Triglyceriden und HDL kann auf Insulinresistenz hinweisen. Lp(a) ist überwiegend vererbt und sollte laut europäischem Konsens einmal im Leben gemessen werden.
Ein Befund mit sechs oder sieben Zeilen, und alle Blicke gehen auf eine einzige. Das ist verständlich, denn über LDL wird am meisten gesprochen. Aber ein Lipidprofil ist eher ein Orchester als ein Solo.
Fangen wir mit dem LDL an, denn hier ist mir Klarheit wichtig.
Konsenspapier Ein Gremium der European Atherosclerosis Society hat genetische Studien, Kohortenstudien und randomisierte Studien mit zusammen mehr als zwei Millionen Menschen ausgewertet. Je höher das LDL war und je länger es die Gefäße belastete, desto höher lag das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Gremium sieht es als eindeutig belegt an, dass LDL Atherosklerose verursacht.
Für dich heißt das: Ein dauerhaft hohes LDL solltest du ernst nehmen. Ein kurzer Ausschlag während einer Abnahme ist etwas anderes als viele Jahre mit hohen Werten, aber beides gehört in den Blick.
Ference BA et al. Eur Heart J. 2017. DOI: 10.1093/eurheartj/ehx144Stell dir die Teilchen im Blut als Lastwagen vor. Das LDL-Cholesterin misst, wie viel Ladung unterwegs ist. ApoB zählt die Lastwagen, denn jeder von ihnen trägt genau ein ApoB-Molekül. Und in die Gefäßwand fahren die Lastwagen, nicht die Ladung allein.
Ein Team um Sniderman von der McGill University in Montreal beschreibt ApoB deshalb als genaueres Maß für das Risiko dieser Teilchen als das LDL-Cholesterin. Mahlzeiten verändern ApoB laut einem europäischen Konsenspapier praktisch nicht. Für Labore empfiehlt dieses Papier, ApoB ab 1,0 g/l als auffällig zu markieren.
Triglyceride und HDL erzählen eine andere Geschichte, die vom Zucker- und Insulinstoffwechsel.
Querschnittsstudie, n=258 An der Stanford University untersuchte ein Team 258 Menschen mit Übergewicht ohne Diabetes. Es verglich einfache Laborwerte mit einer aufwendigen Messung der Insulinresistenz. Ein Quotient aus Triglyceriden und HDL ab 3,0, in mg/dl gerechnet, erkannte insulinresistente Personen mit einer Sensitivität von 64 und einer Spezifität von 68 Prozent. Ähnlich gut schnitten Triglyceride ab 130 mg/dl ab.
Für dich heißt das: Diesen Quotienten kannst du aus deinem Befund selbst ausrechnen. Er ist ein Hinweis, keine Diagnose.
McLaughlin T et al. Ann Intern Med. 2003. DOI: 10.7326/0003-4819-139-10-200311180-00007Bei Übergewicht zeigt sich oft ein typisches Muster: hohe Triglyceride, niedriges HDL, erhöhtes ApoB und viele kleine, dichte LDL-Teilchen. So beschreibt es die gemeinsame Expertenübersicht aus den USA. In vielen Fastenstudien sanken vor allem die Triglyceride. So kann sich dein Profil insgesamt verbessern, auch wenn das LDL vorübergehend steigt. Wie Fasten und Insulin zusammenhängen, liest du in Fasten, Blutzucker und Insulinresistenz.
Übersicht und Konsens Laut einer Übersicht aus Kopenhagen im Lancet ist der Lp(a)-Spiegel zu mehr als 90 Prozent genetisch festgelegt. Etwa jeder fünfte Mensch hat dadurch ein erhöhtes Risiko für Atherosklerose und eine Verengung der Aortenklappe. Die European Atherosclerosis Society empfiehlt, Lp(a) bei Erwachsenen mindestens einmal zu messen. Ein zugelassenes Medikament speziell zur Senkung von Lp(a) gab es zum Zeitpunkt dieser Arbeiten nicht.
Für dich heißt das: Fasten wird dein Lp(a) kaum verändern, in der Buchinger-Studie blieb es nach 14 Tagen gleich. Ein hoher Wert ist aber ein Grund, alle anderen Risikofaktoren besonders sorgfältig anzuschauen.
Nordestgaard BG, Langsted A. Lancet. 2024. DOI: 10.1016/S0140-6736(24)01308-4 · Kronenberg F et al. Eur Heart J. 2022. DOI: 10.1093/eurheartj/ehac361LDL-Cholesterin
Die Ladung der LastwagenUrsächlicher Risikofaktor für Atherosklerose, entscheidend sind Höhe und Dauer.
Beim Fasten: kann während schneller Abnahme oder mehrtägigem Fasten vorübergehend steigen.
Markierung im Labor: ab 3 mmol/l (115 mg/dl).
ApoB
Die Zahl der LastwagenZählt die Teilchen, die Cholesterin in die Gefäßwand bringen können.
Beim Fasten: stieg nach sieben Tagen ohne Kalorien um 65 Prozent, blieb beim Buchinger-Fasten gleich.
Markierung im Labor: ab 1,0 g/l.
Triglyceride
Der Spiegel von Energie und InsulinSpiegeln Energiebilanz und Insulinstoffwechsel wider und reagieren schnell auf Essen.
Beim Fasten: sanken in vielen Studien am deutlichsten.
Markierung im Labor: nüchtern ab 1,7 mmol/l (150 mg/dl), nicht nüchtern ab 2 mmol/l (175 mg/dl).
HDL-Cholesterin
Ein Teil des GesamtbildsEin niedriges HDL gehört zum typischen Muster bei Übergewicht und Insulinresistenz.
Beim Fasten: kann während der aktiven Abnahme leicht sinken und bei stabilem Gewicht steigen.
Markierung im Labor: bei 1 mmol/l (40 mg/dl) oder darunter.
Quotient TG zu HDL
Ein Hinweis auf InsulinresistenzTriglyceride geteilt durch HDL, beide in mg/dl.
Orientierung: ab 3,0 ein Hinweis auf Insulinresistenz bei Übergewicht, keine Diagnose.
Beim Fasten: kann sich verbessern, wenn die Triglyceride sinken.
Lipoprotein(a)
Das genetische ErbeZu mehr als 90 Prozent genetisch festgelegt.
Beim Fasten: blieb nach 14 Tagen Buchinger-Fasten unverändert.
Markierung im Labor: ab 50 mg/dl, sehr hohes Risiko über 150 mg/dl.
Markierungsgrenzen nach dem gemeinsamen Konsenspapier der European Atherosclerosis Society und der EFLM von 2016. Sie sind keine persönlichen Zielwerte. Deine Zielwerte hängen von deinem Gesamtrisiko ab.
Kein einzelner Wert erzählt die ganze Geschichte. Aber ein dauerhaft hohes LDL oder ApoB ist ein Kapitel, das du nicht überblättern solltest. Funktionell lesen heißt nicht, unbequeme Werte wegzuerklären. Es heißt, sie in den richtigen Zusammenhang zu stellen.
Was heißt das für dich? Frag bei deiner nächsten Blutabnahme, ob neben dem Standardprofil auch ApoB bestimmt werden kann. Lass Lp(a) einmal messen, falls das noch nie geschehen ist. Und rechne dir den Quotienten aus Triglyceriden und HDL selbst aus. Da auch die Schilddrüse die Blutfette beeinflussen kann, lohnt sich bei Verdacht ein Blick auf sie. Mehr dazu liest du in Fasten bei Hashimoto.
Und jetzt weißt du, warum ein Befund mit steigendem LDL insgesamt trotzdem günstiger aussehen kann, und warum das LDL dabei nicht aus dem Blick geraten sollte.
Der richtige Zeitpunkt: Wann eine Blutabnahme aussagekräftig ist
Kurz gesagt: Für ein Lipidprofil musst du in der Regel nicht nüchtern sein, normale Mahlzeiten verändern die Werte nur wenig. Längeres Fasten dagegen kann die Werte deutlich verschieben. Schon ein Tag nur mit Wasser erhöhte in einer Studie das Gesamtcholesterin. Am aussagekräftigsten ist ein Vergleich bei stabilem Gewicht und unter ähnlichen Bedingungen wie beim Ausgangswert.
Vielleicht bist du besonders gewissenhaft zur Blutabnahme gegangen. Seit eineinhalb Tagen nichts gegessen, extra nüchtern. Und ausgerechnet das kann das Ergebnis verzerren.
Bevölkerungsstudie und Konsens In Kopenhagen verglich ein Team die Blutfette von 33.391 Menschen danach, wann sie zuletzt gegessen hatten. Nach normalen Mahlzeiten stiegen die Triglyceride um höchstens 0,3 mmol/l, LDL und Gesamtcholesterin sanken um höchstens 0,2 mmol/l. ApoB und Non-HDL-Cholesterin blieben gleich, und auch nicht nüchtern gemessene Werte sagten Herz-Kreislauf-Ereignisse voraus. Ein europäisches Konsenspapier empfiehlt deshalb, Blutfette routinemäßig auch ohne Nüchternheit zu messen.
Für dich heißt das: Das Frühstück vor der Blutabnahme ist selten das Problem. Bei sehr hohen Triglyceriden kann eine nüchterne Abnahme trotzdem sinnvoll sein.
Langsted A et al. Circulation. 2008. DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.108.804146 · Nordestgaard BG et al. Eur Heart J. 2016. DOI: 10.1093/eurheartj/ehw152RCT, Crossover, n=30 Am Intermountain Heart Institute in Salt Lake City fasteten 30 gesunde Freiwillige einen Tag lang nur mit Wasser und aßen an einem anderen Tag normal. Nach dem Fastentag lagen Gesamtcholesterin und HDL höher, die Triglyceride niedriger. Bei den Teilnehmenden, die zuerst gefastet hatten, lagen die meisten Werte nach 48 Stunden wieder auf dem Ausgangsniveau.
Für dich heißt das: Eine Blutabnahme direkt nach einem Fastentag zeigt eine Momentaufnahme des Fastens, nicht deinen Alltag.
Horne BD et al. Nutr Metab Cardiovasc Dis. 2013. DOI: 10.1016/j.numecd.2012.09.007Meta-Analyse, 70 Studien Ein Team der University of Georgia wertete 70 Studien zur Gewichtsabnahme durch Diät aus. Mit dem Gewicht sanken insgesamt Gesamtcholesterin, LDL und Triglyceride. Das HDL verhielt sich aber je nach Phase unterschiedlich. Während der aktiven Abnahme sank es leicht, bei stabilem, reduziertem Gewicht stieg es an.
Für dich heißt das: Ein niedrigeres HDL mitten in der Abnahme kann ein Übergangseffekt sein. Aussagekräftiger ist der Wert bei stabilem Gewicht.
Dattilo AM, Kris-Etherton PM. Am J Clin Nutr. 1992. DOI: 10.1093/ajcn/56.2.320Vor dem Start
Dein Ausgangswert. Ohne ihn fehlt jeder Vergleich. Ideal ist ein vollständiges Profil mit ApoB und, falls noch nie gemessen, Lp(a).
Mitten in der schnellen Abnahme
Die Werte können schwanken. LDL kann vorübergehend steigen, HDL leicht sinken. Ein einzelner Wert ist hier schwer zu deuten.
Direkt nach einem Fastentag oder einer Fastenkur
Eine Momentaufnahme des Fastens. Gesamtcholesterin und LDL können in beide Richtungen verschoben sein.
Gewicht seit einigen Wochen stabil
Aus meiner Sicht der aussagekräftigste Vergleich mit dem Ausgangswert. In Studien pendelten sich die Werte in dieser Phase ein.
Orientierung aus ärztlicher Sicht, abgeleitet aus den genannten Studien. Ein fester Zeitraum lässt sich aus den Daten nicht ableiten.
Fragen vor deiner nächsten Blutabnahme
- Habe ich in den Tagen davor einen ganzen Fastentag oder eine Fastenkur gemacht?
- Ist mein Gewicht seit einigen Wochen stabil?
- Habe ich einen Ausgangswert von vor dem Fasten zum Vergleich?
- Wird neben dem LDL auch ApoB bestimmt?
- Wurde Lp(a) bei mir schon einmal gemessen?
- Weiß meine Ärztin oder mein Arzt, dass ich faste oder sehr kohlenhydratarm esse?
Eine Blutabnahme ist ein Foto, kein Film. Ein Foto mitten im Umzug zeigt Kisten im Flur, nicht deine neue Wohnung. Für eine gute Entscheidung brauchst du mehrere Bilder unter ähnlichen Bedingungen.
Was heißt das für dich? Plane deine Kontrollmessung bewusst. Miss nicht direkt nach einem Fastentag und möglichst nicht in der schnellsten Abnahmephase. Ist ein Wert allerdings sehr hoch, warte nicht monatelang, sondern lass ihn zeitnah ärztlich einordnen.
Und jetzt weißt du, warum der Zeitpunkt der Blutabnahme über die Aussagekraft deines Befunds mitentscheidet.
Lean Mass Hyper-Responder: Wenn schlanke Menschen mit Low Carb sehr hohe LDL-Werte entwickeln
Kurz gesagt: Bei manchen schlanken, stoffwechselgesunden Menschen steigt das LDL unter sehr kohlenhydratarmer Ernährung stark an, bei hohem HDL und niedrigen Triglyceriden. In einer Befragung war der Anstieg umso größer, je niedriger der BMI lag. Ob dieses Muster das Risiko für die Gefäße weniger erhöht, ist nicht geklärt. Eine Verlaufsstudie dazu wurde 2026 zurückgezogen, und Fachleute raten davon ab, solche Werte als harmlos anzusehen.
Du bist schlank, isst seit Monaten sehr kohlenhydratarm und fühlst dich gut. Die Triglyceride sind niedrig, das HDL ist hoch, der Blutzucker ruhig. Und dann ein LDL, das so hoch ist wie nie. Wie passt das zusammen?
Online-Befragung, n=548 Ein Team um Norwitz von der Harvard Medical School wertete Angaben von 548 Erwachsenen aus, die sich kohlenhydratarm ernährten. Je niedriger der BMI, desto stärker stieg das LDL. Ein niedriger Quotient aus Triglyceriden und HDL, sonst ein Zeichen guter Stoffwechselgesundheit, sagte größere Anstiege voraus. Als Lean Mass Hyper-Responder bezeichneten die Forschenden Menschen mit einem LDL ab 200 mg/dl, einem HDL ab 80 mg/dl und Triglyceriden bis 70 mg/dl. In einer kleinen Fallserie sank das LDL deutlich, als wieder moderat Kohlenhydrate gegessen wurden.
Für dich heißt das: Das Muster ist gut beschrieben. Eine Online-Befragung kann aber nicht zeigen, was es für deine Gefäße bedeutet.
Norwitz NG et al. Curr Dev Nutr. 2022. DOI: 10.1093/cdn/nzab144Die Forschenden erklären das mit einer Hypothese, dem sogenannten Lipid-Energie-Modell. Wer wenig Körperfett hat und kaum Kohlenhydrate isst, könnte mehr Fett über Lipoproteine als Brennstoff durch den Körper schicken. Eine kleine Crossover-Studie mit zehn schlanken, gesunden Frauen passt dazu: Körperzusammensetzung und das Schilddrüsenhormon T3 hingen mit der LDL-Veränderung zusammen, die Menge gesättigter Fette dagegen nicht. Das ist biologisch plausibel, aber noch nicht bewiesen.
Querschnittsvergleich, n=80 plus 80 Ein Team um Budoff untersuchte 80 Menschen, die sich im Mittel seit 4,7 Jahren ketogen ernährten und ein LDL ab 190 mg/dl hatten, im Mittel 272 mg/dl. Eine familiäre Hypercholesterinämie war ausgeschlossen. Mit einer Computertomographie der Herzkranzgefäße verglichen die Forschenden sie mit 80 passenden Personen aus einer anderen Kohorte, deren LDL im Mittel bei 123 mg/dl lag. Einen signifikanten Unterschied in der Menge an Plaque fanden sie nicht.
Für dich heißt das: Das ist ein interessanter Befund, aber ein Schnappschuss. Er sagt nichts darüber, wie sich die Gefäße über zehn oder zwanzig Jahre entwickeln.
Budoff M et al. JACC Adv. 2024. DOI: 10.1016/j.jacadv.2024.101109Eine zurückgezogene Studie: Eine Verlaufsstudie aus demselben Projekt hatte über ein Jahr berichtet, ApoB sage das Fortschreiten von Plaque in dieser Gruppe nicht voraus. Nach Bedenken zur Methodik wurde sie 2026 auf Wunsch von Autoren und Herausgebern zurückgezogen, weil Fehler die Zuverlässigkeit der Daten beeinträchtigten.
Eine neue Fallserie aus München: Ein Team der LMU München beschreibt drei Menschen, die mit Verdacht auf eine familiäre Hypercholesterinämie überwiesen wurden. Unter ketogener Ernährung erreichte ihr LDL Spitzenwerte zwischen 364 und 682 mg/dl, und keiner erfüllte durchgehend alle Kriterien eines Lean Mass Hyper-Responders. Nach einer moderaten Rückkehr von Kohlenhydraten sanken LDL und ApoB deutlich, ohne Medikamente. Das Autorenteam betont: Weil ApoB-haltige Lipoproteine Atherosklerose verursachen, sollte ein ernährungsbedingt stark erhöhtes ApoB nicht als harmlos gelten.
Was offen ist: Ob ein ernährungsbedingt sehr hohes LDL bei schlanken, stoffwechselgesunden Menschen das Risiko anders verändert als ein genetisch hohes LDL, ist nicht geklärt. Langzeitdaten zu Herzinfarkten und Schlaganfällen fehlen.
Ein Phänomen zu verstehen heißt nicht, es für harmlos zu erklären. Neugier und Vorsicht schließen sich nicht aus. Wenn dein LDL unter Low Carb sehr hoch steigt, ist das ein Grund für ein gründliches ärztliches Gespräch, nicht für Gleichgültigkeit und nicht für Panik.
Was heißt das für dich? Wenn du schlank bist, sehr kohlenhydratarm isst und dein LDL stark gestiegen ist, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über drei Dinge. Erstens: ApoB und Lp(a) messen und eine familiäre Hypercholesterinämie bedenken. Zweitens: ob eine Anpassung der Ernährung infrage kommt, etwa mehr Kohlenhydrate, denn in Fallberichten sank das LDL dadurch deutlich. Drittens: ob in deiner Situation eine Bildgebung der Herzkranzgefäße das Risiko besser einordnen könnte. Mehr zur Ketose liest du in Ketose beim Fasten erkennen und messen.
Und jetzt weißt du, warum ein schlanker, stoffwechselgesunder Körper mit sehr hohem LDL eine spannende Forschungsfrage ist, aber keine Entwarnung.
Wann du dein LDL ärztlich abklären lassen solltest
Kurz gesagt: Ein LDL über 190 mg/dl, frühe Herzinfarkte oder Schlaganfälle in der Familie, ein hohes Lp(a), bestehende Gefäßerkrankungen oder Diabetes sind Gründe für eine zeitnahe ärztliche Abklärung, unabhängig vom Fasten. Etwa einer von 313 Menschen hat eine familiäre Hypercholesterinämie. Bleibt das LDL nach der Gewichtsstabilisierung hoch, gehört es ebenfalls ärztlich eingeordnet.
Vielleicht fragst du dich jetzt: Woher weiß ich, ob mein Wert nur eine Momentaufnahme ist oder ein Signal, das ich nicht übergehen sollte? Diese Frage ist berechtigt. Und sie verdient eine ehrliche Antwort.
Manche Menschen haben von Geburt an ein sehr hohes LDL. Bei der familiären Hypercholesterinämie ist die Aufnahme von LDL in die Leber genetisch gestört, oft durch schlechter funktionierende LDL-Rezeptoren. Das LDL ist dann ein Leben lang erhöht, und mit den Jahren summiert sich die Belastung der Gefäße.
Meta-Analyse, 104 Studien Ein Team aus Kopenhagen fasste Studien mit rund 11 Millionen Menschen zusammen. In der Allgemeinbevölkerung hatte etwa einer von 313 eine familiäre Hypercholesterinämie. Unter Menschen mit einem LDL ab 190 mg/dl war es etwa jede 14. Person. Für 91 Prozent der Länder der Welt fehlen eigene Zahlen.
Für dich heißt das: Ein sehr hohes LDL ist nicht automatisch genetisch bedingt. Eine genetische Ursache ist aber häufig genug, um gezielt danach zu fragen.
Beheshti SO et al. J Am Coll Cardiol. 2020. DOI: 10.1016/j.jacc.2020.03.057Das europäische Konsenspapier zur Lipidmessung empfiehlt, ein LDL über 5 mmol/l, also über 190 mg/dl, gesondert abklären zu lassen. Triglyceride über 10 mmol/l, also über 880 mg/dl, gelten dort wegen des Risikos einer Bauchspeicheldrüsenentzündung ebenfalls als Grund für eine gesonderte Überweisung. Ein Lp(a) über 150 mg/dl zeigt laut diesem Papier ein sehr hohes Risiko an.
Auch andere Ursachen können das LDL erhöhen, etwa eine Unterfunktion der Schilddrüse. Laut einer Übersichtsarbeit kann schon eine subklinische Unterfunktion die Blutfette ungünstig beeinflussen. Wann eine leichte Unterfunktion behandelt werden sollte, beschreibt der Artikel Subklinische Hypothyreose: behandeln oder abwarten?
Eher ein Übergangseffekt, wenn
- du gerade aktiv abnimmst oder kürzlich länger gefastet hast
- deine Werte vor dem Fasten unauffällig waren
- die Triglyceride gesunken sind und das übrige Profil günstig aussieht
- in deiner Familie keine frühen Herzinfarkte oder Schlaganfälle vorkommen
- der Wert bei stabilem Gewicht wieder sinkt
Eher ärztlich abklären, wenn
- dein LDL über 190 mg/dl liegt oder ApoB deutlich erhöht ist
- es in deiner Familie frühe Herzinfarkte oder Schlaganfälle gab
- dein Lp(a) erhöht ist oder noch nie gemessen wurde
- du Diabetes, Bluthochdruck oder eine Gefäßerkrankung hast oder rauchst
- dein LDL auch bei stabilem Gewicht hoch bleibt
- dein LDL unter sehr kohlenhydratarmer Ernährung stark gestiegen ist
Orientierung aus ärztlicher Sicht, keine Diagnose. Beide Spalten können gleichzeitig zutreffen. Dann gilt die rechte.
Meta-Analyse, 26 RCTs Eine internationale Forschungsgruppe mit Sitz in Oxford wertete 26 randomisierte Studien mit rund 170.000 Menschen aus. Jede Senkung des LDL um 1 mmol/l durch Statine verringerte die jährliche Rate schwerer Gefäßereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall um gut ein Fünftel. Einen Schwellenwert, unterhalb dessen der Nutzen verschwand, fanden die Forschenden nicht. Das Krebsrisiko war nicht erhöht.
Für dich heißt das: Wenn dein Gesamtrisiko hoch ist, sind Statine eine sehr gut untersuchte Option. Lebensstil und Medikamente sind keine Gegner.
Baigent C et al. Lancet. 2010. DOI: 10.1016/S0140-6736(10)61350-5Abklären heißt nicht, das Fasten aufzugeben. Es heißt, deine Gefäße genauso ernst zu nehmen wie deine Waage. Klassische Lipidmedizin und funktionelle Medizin schauen hier auf dasselbe Ziel: dass deine Gefäße auch in zwanzig Jahren noch gut versorgt sind.
Was heißt das für dich? Wenn einer der Punkte aus der rechten Spalte auf dich zutrifft, warte nicht auf die nächste Fastenkur. Lass deinen Befund ärztlich einordnen. Bring dazu deine älteren Werte, deine Familiengeschichte und Angaben zu deiner Ernährung mit.
Und jetzt weißt du, warum die wichtigste Frage nicht lautet, ob dein LDL beim Fasten steigt, sondern ob es danach wieder fällt und was sonst in deinem Profil steht.
Blutfette durch die KPNI-Brille: vier Systeme im Gespräch
Zurück zu deinem Befund mit dem kleinen Pfeil nach oben. Warum reagiert der eine Körper beim Fasten mit sinkenden Blutfetten und der andere mit steigenden? Diese Frage führt mitten in die Klinische Psychoneuroimmunologie, kurz KPNI.
Die KPNI betrachtet Nervensystem, Immunsystem, Stoffwechsel und Hormonsystem nicht getrennt, sondern als ein Gespräch. Bei den Blutfetten reden alle vier mit.
Nervensystem
Beim Fasten schaltet dein Körper auf Reserve. Das vegetative Nervensystem gehört zu den Signalgebern, die Fettreserven freigeben. Wie stark Alltagsstress die Blutfette beim Fasten zusätzlich verschiebt, ist beim Menschen kaum untersucht. Was ich in der Praxis oft erlebe: Panik wegen eines einzelnen Werts führt selten zu guten Entscheidungen.
Immunsystem
Lp(a) trägt laut dem europäischen Konsens oxidierte Phospholipide und hat entzündungsfördernde Eigenschaften. Das Entzündungszeichen CRP blieb in der Buchinger-Studie nach 14 Tagen Fasten unverändert. Ob Fasten über das Immunsystem die Gefäßwand entlasten kann, ist offen.
Stoffwechsel
Fettgewebe ist ein Cholesterinspeicher. Beim Abbau kann Cholesterin vorübergehend ins Blut und in die Galle wandern. Gleichzeitig sanken in vielen Studien die Triglyceride, und der Quotient aus Triglyceriden und HDL kann sich verbessern.
Hormonsystem
Beim Fasten kann das aktive Schilddrüsenhormon T3 sinken, und T3 hält die LDL-Rezeptoren der Leber aktiv. Lp(a) liegt bei Frauen nach den Wechseljahren laut einer Übersicht im Mittel 17 Prozent höher als bei Männern. Hormone schreiben bei den Blutfetten also mit.
Wie sich die Wechseljahre auf das Fasten auswirken können, liest du in Fasten in den Wechseljahren.
Deine Blutfette sind kein isolierter Laborwert. Sie sind das Protokoll eines Gesprächs zwischen Fettgewebe, Leber, Schilddrüse, Galle und Gefäßen. Wer nur eine Zeile liest, verpasst den Zusammenhang.
Ich sehe noch eine fünfte Ebene, die Haltung. Marshall Rosenberg hat in der Gewaltfreien Kommunikation einen Grundsatz geprägt, der hier gut passt: Beobachten ist etwas anderes als Bewerten. „Mein LDL ist von einem Befund zum nächsten gestiegen“ ist eine Beobachtung. „Ich mache alles falsch“ ist eine Bewertung. Hinter der Beobachtung steht oft ein Bedürfnis, nach Sicherheit und nach einem klaren nächsten Schritt.
Am Ende geht es nicht um eine Zahl auf einem Laborzettel. Es geht um deine Gefäße in zwanzig Jahren und um die Freiheit, Fasten als Werkzeug zu nutzen, ohne dabei die Augen zu verschließen. Klarheit ist Freiheit.
Durch Meta-Analysen und große Konsenspapiere gestützt: Im Mittel sinken LDL, Gesamtcholesterin und vor allem Triglyceride unter Intervallfasten leicht. Das HDL sank während der aktiven Abnahme leicht und stieg bei stabilem Gewicht. Sehr fettarme Abnahmekost war mit mehr Gallensteinen verbunden. LDL verursacht Atherosklerose, entscheidend sind Höhe und Dauer. Normale Mahlzeiten verändern die Blutfette nur wenig. Lp(a) ist überwiegend genetisch festgelegt.
Durch kleinere Studien gestützt: Während großer Abnahmen und mehrtägigen Fastens kann das LDL vorübergehend steigen. Beim Fasten kann das aktive Schilddrüsenhormon T3 sinken. Bei schlanken Menschen mit sehr kohlenhydratarmer Ernährung kann das LDL stark steigen, Langzeitdaten dazu fehlen.
Mechanistisch plausibel, beim Menschen offen: dass mobilisiertes Cholesterin aus dem Fettgewebe den LDL-Anstieg erklärt, dass ein sinkendes T3 dazu beiträgt, und das Lipid-Energie-Modell beim Lean Mass Hyper-Responder.
Meine Einschätzung: Ein LDL-Anstieg während einer aktiven Abnahme ist für mich zunächst ein Grund zum Nachmessen, nicht zum Abbrechen. Bleibt er bei stabilem Gewicht bestehen oder ist er sehr hoch, gehört er gründlich abgeklärt.
Und jetzt weißt du, warum sich derselbe LDL-Wert je nach Zusammenhang wie ein Durchgangsstadium oder wie ein Warnsignal lesen kann.
Drei Hebel, wenn deine Blutfette beim Fasten steigen
Du musst nichts überstürzen. Diese drei Richtungen können dir Orientierung geben. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung.
Erst den Zeitpunkt prüfen, dann bewerten
Vergleiche Werte nur unter ähnlichen Bedingungen. Miss nicht direkt nach einem Fastentag oder einer Fastenkur und möglichst nicht in der schnellsten Abnahmephase. Aus meiner Sicht ist eine Kontrolle sinnvoll, wenn dein Gewicht seit einigen Wochen stabil ist. Ein sehr hoher Wert sollte aber nicht warten.
Das ganze Profil anschauen
Lass neben dem LDL auch ApoB bestimmen und Lp(a) einmal im Leben messen. Rechne dir den Quotienten aus Triglyceriden und HDL aus. Notiere deine Familiengeschichte und frage nach der Schilddrüse, wenn Beschwerden dazu passen.
Gemeinsam einordnen und entscheiden
Besprich deinen Befund mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, besonders bei einem LDL über 190 mg/dl, hohem Lp(a), frühen Gefäßerkrankungen in der Familie oder sehr kohlenhydratarmer Ernährung. Lebensstil, Fasten und wenn nötig Medikamente können sich ergänzen. Wie du sanft und sicher ins Fasten einsteigen kannst, liest du in Fasten für Einsteiger.
Wenn du deine Werte nicht allein einordnen möchtest: Unterhalb dieses Artikels findest du die Möglichkeit, einen Termin zu buchen.
Und jetzt weißt du, warum ein steigender Wert beim Fasten kein Stoppschild ist, sondern eine Einladung, genauer hinzuschauen.
Häufige Fragen zu Fasten und Cholesterin
Senkt Intervallfasten das Cholesterin?
Im Durchschnitt leicht, aber nicht bei allen. Eine Meta-Analyse mit 34 Studien zum LDL fand nach Intervallfasten oder Kalorienreduktion im Mittel rund 6 mg/dl weniger LDL. Auch Gesamtcholesterin und Triglyceride sanken etwas, HDL blieb praktisch gleich. Eine Übersicht über 57 Meta-Analysen sah den deutlichsten Effekt bei den Triglyceriden, beim LDL waren die Ergebnisse uneinheitlich. Die meisten Studien liefen nur wenige Monate. Ein Mittelwert sagt deshalb wenig darüber, wie dein eigener Körper reagiert.
Warum ist mein LDL beim Fasten gestiegen?
Eine mögliche Erklärung ist, dass dein Körper beim Abbau von Fettgewebe auch dort gespeichertes Cholesterin freisetzt. Bei Menschen mit Adipositas kann das Fettgewebe mehr als die Hälfte des freien Cholesterins im Körper speichern. In einer Studie mit sechs Frauen stieg das Gesamtcholesterin während einer großen Gewichtsabnahme vorübergehend über den Ausgangswert. Als die Frauen ihr Gewicht hielten, fiel es wieder. Nach sieben Tagen ohne Kalorien stieg das LDL bei normalgewichtigen Erwachsenen im Mittel um 66 Prozent. Ob ein Anstieg harmlos ist, zeigt erst der Verlauf im Gesamtbild.
Ist ein LDL-Anstieg beim Abnehmen gefährlich?
Ein Anstieg während einer aktiven Abnahme war in Studien oft vorübergehend. Für die Gefäße zählt nach dem Konsens der European Atherosclerosis Society vor allem, wie hoch das LDL ist und wie lange es hoch bleibt. Ein einzelner Wert mitten in der Abnahme ist deshalb eine Momentaufnahme. Bleibt das LDL nach der Gewichtsstabilisierung erhöht oder liegt es über 190 mg/dl, solltest du es ärztlich abklären lassen, unabhängig vom Fasten.
Wann sollte ich meine Blutfette nach dem Fasten kontrollieren lassen?
Nicht direkt nach einer längeren Fastenperiode und möglichst nicht in der Phase der schnellsten Abnahme. In einer Studie fiel das Gesamtcholesterin erst wieder, als die Teilnehmerinnen ihr neues Gewicht hielten. Laut einer Meta-Analyse aus 70 Studien sank das HDL während der aktiven Abnahme leicht und stieg bei stabilem Gewicht an. Aus meiner Sicht ist eine Kontrolle sinnvoll, wenn dein Gewicht seit einigen Wochen stabil ist und du wieder normal isst. Hilfreich ist ein Ausgangswert vor dem Start.
Muss ich für eine Cholesterinmessung nüchtern sein?
Für die meisten Menschen nicht. Laut einem europäischen Konsenspapier verändern normale Mahlzeiten die Blutfette nur wenig. Die Triglyceride steigen um höchstens etwa 0,3 mmol/l, das LDL sinkt um etwa 0,2 mmol/l. HDL, ApoB und Lp(a) bleiben praktisch unverändert. Bei sehr hohen Triglyceriden kann eine nüchterne Abnahme sinnvoll sein. Miss aber nicht direkt nach einem Fastentag: Schon ein Tag nur mit Wasser erhöhte in einer Studie kurzfristig das Gesamtcholesterin.
Was sagt ApoB aus?
ApoB zählt die Teilchen, die Cholesterin in die Gefäßwand tragen können. Jedes dieser Teilchen trägt genau ein ApoB-Molekül. Laut einer Übersichtsarbeit in JAMA Cardiology bildet ApoB das Risiko dieser Teilchen genauer ab als das LDL-Cholesterin. Mahlzeiten verändern ApoB praktisch nicht. Ein europäisches Konsenspapier empfiehlt, Werte ab 1,0 g/l im Labor zu markieren. Nach sieben Tagen ohne Kalorien stieg ApoB in einer kleinen Studie um 65 Prozent.
Was ist Lipoprotein(a), und kann ich es durch Fasten senken?
Lp(a) ist ein Lipoprotein, dessen Spiegel zu mehr als 90 Prozent genetisch festgelegt ist. Laut einer Übersicht im Lancet hat etwa jeder fünfte Mensch durch ein hohes Lp(a) ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In einer Studie mit 14 Tagen Fasten nach Buchinger blieb Lp(a) unverändert. Die European Atherosclerosis Society empfiehlt, Lp(a) bei Erwachsenen mindestens einmal zu messen.
Was ist ein Lean Mass Hyper-Responder?
So nennen Forschende schlanke, stoffwechselgesunde Menschen, deren LDL unter sehr kohlenhydratarmer Ernährung stark steigt, bei hohem HDL und niedrigen Triglyceriden. In einer Online-Befragung von 548 Menschen galt als Grenze ein LDL ab 200 mg/dl, ein HDL ab 80 mg/dl und Triglyceride bis 70 mg/dl. Ein Querschnittsvergleich fand bei 80 solchen Menschen nicht mehr Plaque als bei Vergleichspersonen. Eine Verlaufsstudie aus demselben Projekt wurde 2026 wegen methodischer Fehler zurückgezogen. Ein Team der LMU München betont, dass ein ernährungsbedingt stark erhöhtes ApoB nicht als harmlos gelten sollte. Langzeitdaten fehlen bisher.
Was bedeutet das Verhältnis von Triglyceriden zu HDL?
Der Quotient aus Triglyceriden und HDL kann ein Hinweis auf Insulinresistenz sein. In einer Studie der Stanford University mit 258 Menschen mit Übergewicht ohne Diabetes erkannte ein Quotient ab 3,0, in mg/dl gerechnet, insulinresistente Personen. Die Sensitivität lag bei 64 Prozent, die Spezifität bei 68 Prozent. Das ist ein Hinweis, keine Diagnose. In vielen Fastenstudien sanken die Triglyceride, sodass sich der Quotient verbessern kann, auch wenn das LDL vorübergehend steigt.
Kann Fasten Gallensteine begünstigen?
Schneller Gewichtsverlust erhöht das Risiko für Gallensteine, das beschreibt auch eine Meta-Analyse aus 13 randomisierten Studien. Während der Abnahme kann die Galle stärker mit Cholesterin gesättigt sein. Bei sehr fettarmer Kost entleert sich die Gallenblase zudem schlechter. In einer kleinen Studie bildeten sich bei vier von sechs Teilnehmenden mit sehr fettarmer Diät Gallensteine, bei keinem von sieben mit einer kleinen fetthaltigen Mahlzeit. Bei kolikartigen Schmerzen im rechten Oberbauch, Fieber oder gelblicher Haut suche bitte ärztliche Hilfe.
Wie erkenne ich eine familiäre Hypercholesterinämie?
Typische Hinweise sind ein sehr hohes LDL schon in jungen Jahren und frühe Herzinfarkte in der Familie. Eine Meta-Analyse mit rund 11 Millionen Menschen schätzt die Häufigkeit auf etwa 1 zu 313. Unter Menschen mit einem LDL ab 190 mg/dl war es etwa jede 14. Person. Ein europäisches Konsenspapier empfiehlt bei einem LDL über 5 mmol/l, also über 190 mg/dl, eine gesonderte Abklärung. Auch eine sehr kohlenhydratarme Ernährung kann ähnliche Werte erzeugen. Deshalb gehören Ernährung, Gewichtsverlauf und andere Ursachen mit in die Abklärung.
Fasten oder Statin: Was ist bei hohem LDL sinnvoller?
Das ist kein Entweder-oder. Lebensstil und Medikamente können sich ergänzen. Statine gehören zu den am besten untersuchten Medikamenten. In einer Meta-Analyse aus 26 randomisierten Studien mit rund 170.000 Menschen sank die jährliche Rate schwerer Gefäßereignisse pro 1 mmol/l LDL-Senkung um gut ein Fünftel. Ob ein Medikament für dich sinnvoll ist, hängt von deinem Gesamtrisiko ab: LDL, ApoB, Lp(a), Blutdruck, Diabetes, Rauchen und Familiengeschichte. Diese Entscheidung triffst du am besten gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
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Quellen
Alle Studien wurden über PubMed geprüft, zentrale Arbeiten zusätzlich mit Consensus gegengeprüft und über ihre DOI aufgelöst. Der Studientyp steht in eckigen Klammern, damit du die Aussagekraft selbst einordnen kannst. Eine zurückgezogene Studie ist ausdrücklich als Rückzugsmitteilung aufgeführt und wird nicht als Beleg verwendet.
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- Soto-Mota A, Norwitz NG, Manubolu VS, Kinninger A, Wood TR, Earls J, et al. Longitudinal Data from the KETO-CTA Study: Plaque Predicts Plaque, ApoB Does Not: JACC Adv. 2025;4(7):101686. Rückzugsmitteilung in JACC Adv. 2026;5(5):102824. DOI: 10.1016/j.jacadv.2026.102824 [Editorial, Rückzugsmitteilung der Zeitschrift, die Originalarbeit wurde wegen methodischer Fehler zurückgezogen]
- Lechner B, Lechner K, Rubinstein G, Parhofer KG, Vogt A. Severe diet-induced hypercholesterolemia mimicking familial hypercholesterolemia in atypical lean mass hyper-responders on ketogenic diets: A case series. J Clin Lipidol. 2026. DOI: 10.1016/j.jacl.2026.09.002 [Case Series, n=3, online vor Druck]
- Beheshti SO, Madsen CM, Varbo A, Nordestgaard BG. Worldwide Prevalence of Familial Hypercholesterolemia: Meta-Analyses of 11 Million Subjects. J Am Coll Cardiol. 2020;75(20):2553-2566. DOI: 10.1016/j.jacc.2020.03.057 [Meta-Analyse, systematischer Review, 104 Studien]
- Baigent C, Blackwell L, Emberson J, Holland LE, Reith C, Bhala N, et al.; Cholesterol Treatment Trialists' (CTT) Collaboration. Efficacy and safety of more intensive lowering of LDL cholesterol: a meta-analysis of data from 170,000 participants in 26 randomised trials. Lancet. 2010;376(9753):1670-81. DOI: 10.1016/S0140-6736(10)61350-5 [Meta-Analyse, 26 RCTs, rund 170.000 Teilnehmende]