Ketamin bei akuter Suizidalität: Was die Evidenz zeigt
Es gibt Momente, in denen ein Mensch nicht mehr glaubt, dass der nächste Tag aushaltbar ist. In diesen Momenten wird gefragt: kann eine einzige Infusion einen Unterschied machen? Die Antwort der Wissenschaft ist vorsichtig und kostbar. Sie lautet: vielleicht. Innerhalb von Stunden. Für eine begrenzte Zeit. Und nur dann, wenn jemand da ist, der die Hand hält, bevor das Fenster sich wieder schließt.
Die Frage, ob Ketamin in der akuten suizidalen Krise eine Rolle spielen kann, ist eine der heikelsten und gleichzeitig hoffnungsvollsten Fragen der modernen Psychiatrie. Heikel, weil sich Studien an Menschen in einer der vulnerabelsten Lebensphasen vollziehen. Hoffnungsvoll, weil es seit Jahrzehnten kein Medikament gab, das innerhalb von Stunden auf akute Suizidgedanken einwirken konnte. Klassische Antidepressiva können mehrere Wochen brauchen, bis sie voll wirken. Deshalb wird in der akuten Krise engmaschig begleitet, stabilisiert und geschützt. Und deshalb wird parallel nach Wegen gesucht, die schneller ansetzen können.
Was die Wissenschaft seit 2017 systematisch zeigt: Eine einzige subanästhetische Dosis Ketamin kann bei einem Teil der Patienten innerhalb von Stunden zu einer Reduktion suizidaler Gedanken führen. Was sie ebenso klar zeigt: Dieser Effekt ist nicht das Ende einer Behandlung, sondern ein offenes Zeitfenster, in dem die eigentliche Arbeit beginnen kann.
Racemisches Ketamin als Infusion ist in Deutschland als Narkose- und Schmerzmittel zugelassen, nicht für Depression und nicht für Suizidalität. Jeder Einsatz in diesem Bereich ist ein Off-Label-Use [15]. Das heißt: individuelle ärztliche Abwägung, gesonderte Aufklärung, dokumentierte Einwilligung, engmaschige Überwachung, und in der Regel keine Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Nur Esketamin als Nasenspray hat für Teilbereiche eine reguläre arzneimittelrechtliche Zulassung.
Dieser Text beschreibt die Studienlage. Er ist keine Empfehlung für eine bestimmte Behandlung und keine Aufforderung, ein bestimmtes Medikament zu verlangen.
In Studien an stationär behandelten Menschen mit langer Depressionsgeschichte wurde beschrieben, dass sich Suizidgedanken in den Stunden nach einer subanästhetischen Infusion vorübergehend abschwächen können. Beschrieben wird dabei häufig eine Distanzierung: Die Gedanken sind noch vorhanden, drängen sich aber weniger auf. Was danach an Behandlung folgt, entscheidet über den weiteren Verlauf.
Was Suizidalität ist und warum sie ein eigener Notfall ist
Akute Suizidalität wird in der Forschung zunehmend nicht mehr nur als Symptom der Depression betrachtet, sondern als eigenständiges Phänomen mit eigener Neurobiologie. Bei Menschen mit aktiven Suizidgedanken werden veränderte Muster in präfrontalen Regionen, eine dysregulierte HPA-Achsen-Aktivität und erhöhte Marker systemischer Inflammation beschrieben, die teilweise unabhängig vom depressiven Gesamtbild sein können [1] [7].
Das ist klinisch relevant. Denn wenn Suizidalität teilweise eigenständig funktioniert, könnte sie auch eigenständig behandelbar sein, und zwar mit anderen Werkzeugen, anderen Zeithorizonten und anderen Erwartungen als „die Depression behandeln".
Wie Ketamin in der suizidalen Krise wirken kann
Drei Mechanismen werden in der Forschung diskutiert, die zusammen erklären könnten, warum Ketamin sich von klassischen Antidepressiva unterscheidet:
1. Akute Glutamat-Modulation
Über die NMDA-Rezeptor-Blockade kann es zu einer raschen Verschiebung der Glutamat-Dynamik kommen. Tiermodelle zeigen in den Stunden danach eine vermehrte BDNF-Signalgebung, die synaptische Umbauprozesse in präfrontalen Bereichen anstoßen könnte [2]. Beim Menschen ist dieses Bild noch uneinheitlich. Eine kleine Studie fand nach der Infusion sogar einen Abfall des BDNF im Serum, der mit der Abnahme der Suizidgedanken einherging [14]. Der Mechanismus ist also plausibel, aber nicht bewiesen. Diskutiert wird, ob er erklären könnte, warum schon innerhalb des ersten Tages eine messbare Veränderung suizidaler Gedanken auftreten kann.
2. Anti-inflammatorische Effekte
Bei Patienten mit erhöhten inflammatorischen Markern könnte Ketamin diese akut dämpfen [3]. Die deutlichsten Befunde dazu stammen bisher aus Tiermodellen. Beim Menschen sind die Daten heterogener und noch begrenzt. Relevant ist der Gedanke trotzdem, weil Inflammation in Studien mit Suizidalität korreliert [7].
3. Kognitive Defusion und psychologische Distanz
Die dissoziativen Effekte, die häufig als „Nebenwirkung" gelten, könnten Teil der Wirkung sein. Patienten beschreiben oft, dass die intrusiven, repetitiven Suizidgedanken in der akuten Phase „abgekoppelt" wahrnehmbar werden, also als Gedanken, die da sind, aber nicht mehr unbedingt wahr sein müssen.
Klassische Antidepressiva können erst nach Wochen ihre volle Wirkung entfalten. Deshalb steht in der akuten Krise zuerst der Schutzraum: engmaschige Begleitung, Krisenintervention, stationäre Aufnahme, wenn es nötig ist. Ketamin könnte in dieser Zeit zusätzlich ein Fenster von Stunden bis Tagen öffnen, in dem Therapie, sozialer Schutzraum und tragfähige Pläne leichter greifen können. Es ist eines von mehreren Verfahren, nicht die Voraussetzung dafür, dass Behandlung überhaupt wirkt.
Was die Studienlage konkret zeigt
Wilkinson Meta-Analyse 2018
Die zentrale Meta-Analyse zur Frage „Ketamin und Suizidalität" wertete Individualdaten aus 10 von 11 identifizierten Vergleichsstudien aus, mit 167 Patientinnen und Patienten, die zu Beginn Suizidgedanken hatten. Sie zeigte eine Reduktion suizidaler Gedanken, die bereits am ersten Tag messbar war und in dieser Auswertung bis zu einer Woche nachweisbar blieb, mit mittleren bis großen Effektstärken. Diese Reduktion war teilweise unabhängig vom antidepressiven Effekt [4]. Die Arbeit hält ausdrücklich fest, dass Daten zur Langzeitsicherheit und zur Frage, ob sich das Suizidrisiko senken lässt, noch fehlen.
Grunebaum RCTs 2017/2018
Bei 80 Patienten mit unipolarer Depression und aktiven Suizidgedanken zeigte sich innerhalb von 24 Stunden eine statistisch signifikante Reduktion im Vergleich zur Midazolam-Kontrolle [5]. Die kleinere Pilotstudie bei bipolarer Depression mit 16 Teilnehmenden wies in dieselbe Richtung, verfehlte die statistische Signifikanz aber knapp [14].
Abbar BMJ 2022
Eine der bisher größten Studien zum Thema, durchgeführt an sieben französischen Universitätskliniken, untersuchte 156 stationär aufgenommene Menschen mit aktuell schweren Suizidgedanken. Sie erhielten zwei jeweils 40 Minuten dauernde Infusionen, die erste zu Beginn, die zweite nach 24 Stunden. Der Hauptmesspunkt lag an Tag 3. Dort waren mehr Teilnehmende in voller Remission der Suizidgedanken (63,0 %) als in der Placebogruppe (31,6 %) [6].
Zwei Einschränkungen gehören dazu, und sie sind wichtig. Der Effekt war vor allem in der bipolaren Untergruppe deutlich. In der Gruppe mit depressiver Störung war er statistisch nicht signifikant. Und nach sechs Wochen war der Unterschied zwischen beiden Gruppen nicht mehr nachweisbar. Menschen mit einer Vorgeschichte von Schizophrenie oder anderen psychotischen Störungen und Menschen mit einer Substanzabhängigkeit waren von dieser Studie ausgeschlossen. Für sie sagt die Studie nichts aus.
Was nicht gezeigt wurde
Keine Studie hat gezeigt, dass Ketamin langfristig die Suizidrate senkt. Was gezeigt wurde, ist die akute Wirkung. Was sich danach an Behandlung anschließt, ist entscheidend dafür, ob das Zeitfenster genutzt werden kann.
Die KPNI-Linsen: Was im System geschieht
1. Nervensystem
Die suizidale Krise ist oft Ausdruck eines chronisch überlasteten Stress-Systems. Ketamin könnte diese Hyperaktivierung akut dämpfen und synaptische Plastizität fördern [2]. Ob diese Plastizität die Grundlage für neue Bewältigungsmuster ist, wird diskutiert. Beim Menschen ist das noch nicht gezeigt.
2. Immunsystem
Erhöhte Marker wie IL-6 und CRP sind bei suizidalen Patientinnen und Patienten häufiger beschrieben [7]. Ketamin könnte diese Marker akut beeinflussen [3]. Die Datenlage stammt vor allem aus Tiermodellen, beim Menschen ist sie uneinheitlich.
3. Stoffwechsel
Schlafentzug, Unterernährung und gestörte zirkadiane Rhythmen sind häufige Begleiter schwerer suizidaler Krisen. Sie sind nicht direkt Ketamin-relevant, müssen aber im umgebenden Behandlungsplan adressiert werden, sonst zerbricht das Fenster schneller.
4. Hormonsystem
Eine entgleiste HPA-Achse mit hartnäckig erhöhtem Cortisol kann mitverursachen, dass kein Schlaf, keine Pause, keine Erholung mehr möglich ist. Ob Ketamin Teile dieser Dysregulation beeinflussen kann, ist beim Menschen nicht belastbar untersucht. Was in der Krise sicher entlastet, ist das Drumherum: Schlaf, Schutz, Struktur.
Warum dies niemals Selbstmedikation sein darf
Akute Suizidalität in Eigenregie mit Ketamin behandeln zu wollen, ist eine der gefährlichsten Vorstellungen, die im Internet zirkulieren. Die Gründe sind nicht ideologisch, sie sind klinisch:
- Dissoziation kann in der Krise destabilisierend sein. Ein dissoziatives Erleben kann bei jemandem mit aktuell intrusiven Suizidgedanken die Distanz zur Realität erhöhen, in einer Phase, in der gerade mehr Halt, nicht weniger, gebraucht wird.
- Das Zeitfenster braucht Begleitung. Die Stunden und Tage nach der Infusion sind nicht „Phase der Linderung", sondern „Phase der intensiven psychotherapeutischen Arbeit". Wer diese Phase allein verbringt, verbraucht das Fenster, ohne es zu nutzen.
- Suizidalität braucht Diagnostik. Hinter Suizidgedanken können sehr verschiedene Bilder stehen: schwere Depression, bipolare Mischzustände, posttraumatische Belastung, beginnende Psychose, Substanzentzug. Eine Ketamin-Gabe ohne Differenzialdiagnose kann das falsche Bild verstärken.
- Akute Suizidalität braucht physische Sicherheit. Klinik oder strukturierte Krisenversorgung schaffen einen Schutzraum, der durch keine Medikation ersetzt werden kann.
Risiken, Ausschlussgründe und offene Fragen
Über den möglichen Nutzen wird viel geschrieben. Über die Grenzen zu wenig. Deshalb hier ausdrücklich und nicht weggeklappt:
Eine Vorgeschichte mit Psychose oder Schizophrenie und eine bestehende Substanzabhängigkeit waren in den zentralen Studien Ausschlusskriterien [6]. Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unbehandelter oder schlecht eingestellter Bluthochdruck, Schwangerschaft und Stillzeit, schwere Leber- oder Nierenerkrankungen sowie ein erhöhter Hirn- oder Augeninnendruck erfordern eine gesonderte ärztliche Abwägung [15].
Wer regelmäßig Benzodiazepine nimmt, sollte das ansprechen. In mehreren Studien wurden sie vor der Infusion pausiert [14], und es wird diskutiert, ob sie die Wirkung abschwächen können.
Für Kinder und Jugendliche fehlen belastbare Daten zu dieser Anwendung. Am Behandlungstag besteht keine Fahrtüchtigkeit, und wichtige rechtliche oder finanzielle Entscheidungen gehören auf einen anderen Tag.
Bei wiederholter und vor allem bei nicht ärztlich begleiteter Anwendung sind ein Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial sowie Schädigungen der Harnblase (Ketamin-induzierte Zystitis) beschrieben [15]. Auch deshalb gehört diese Substanz nicht in Eigenregie.
Akute Nebenwirkungen während und kurz nach der Infusion sind dissoziative Erlebnisse, Blutdruck- und Pulsanstieg, Übelkeit und Schwindel, in seltenen Fällen eine Zunahme psychotischer Symptome. Deshalb gehören eine Überwachung von Kreislauf und Befinden und eine Betreuung nach der Gabe zum Setting [15].
Viele Menschen in einer suizidalen Krise wollen nicht, dass ihr Leben endet. Sie wollen, dass der Schmerz aufhört.
Diese Unterscheidung ist die Grundlage jeder Krisenbegleitung. Wenn ein Behandlungsweg sie versteht, kann er Wege anbieten, den Schmerz zu verringern, ohne dass ein Leben endet. Ketamin könnte einer von mehreren solchen Wegen sein. Aber nur dort, wo ein Team die Verantwortung dafür trägt.
Drei Hebel, wenn jemand in deiner Nähe in Suizidalität ist
Sag, dass du da bist. Wirklich da bist. Auch unbequem da bist.
Die Annahme „ich darf nicht direkt fragen, weil ich es sonst auslöse" ist ein Mythos. Das Gegenteil ist richtig: Konkretes Fragen („Hast du Gedanken, dir das Leben zu nehmen?") kann entlastend wirken und ermöglicht eine offene Sprache [13]. Versprich nichts, was du nicht halten kannst, aber sei greifbar.
Bring den Menschen in ärztliche oder klinische Versorgung
Telefonseelsorge, sozialpsychiatrischer Dienst, psychiatrischer Notdienst, Klinik. Das sind die Adressen, an die ein Mensch in akuter Krise gehört. Ein Hausbesuch des Hausarztes, eine ehrenamtliche Begleitung, beides ist gut. Aber wenn die Suizidgedanken konkret werden, dann ist die Klinik nicht „zu viel", sondern angemessen. Bei akuter Gefahr gilt der Notruf 112, nicht ein Termin in einer Praxis.
Frage in der Klinik nach allen Behandlungsoptionen
Frage danach, welche Behandlungsoptionen dort zur Verfügung stehen. Welche davon in dieser Situation infrage kommen, entscheidet das behandelnde Team nach Diagnostik und Aufklärung, nicht dieser Text. Manche spezialisierten psychiatrischen Einrichtungen können Ketamin oder Esketamin in der Akutbehandlung einsetzen. Verbreitet ist das noch nicht. Wenn mehrere Antidepressiva nicht getragen haben und die Krise tief ist, kann es eine von mehreren Optionen sein, über die im Behandlungsteam gesprochen werden sollte, neben stationärem Schutz, Krisenintervention und weiteren etablierten Verfahren.
Häufige Fragen zu Ketamin bei akuter Suizidalität
Kann Ketamin akute Suizidgedanken reduzieren?
Mehrere randomisiert-kontrollierte Studien deuten darauf hin, dass eine einzige subanästhetische Ketamin-Dosis innerhalb von 24 Stunden zu einer messbaren Reduktion suizidaler Gedanken führen kann, unabhängig vom antidepressiven Gesamteffekt. Die Wirkung ist zeitlich begrenzt und ersetzt keinen umfassenden Krisenplan. Die größte Einzelstudie fand an Tag 3 eine volle Remission der Suizidgedanken bei 63,0 % gegenüber 31,6 % unter Placebo. Dazu gehören zwei Einschränkungen: Der Effekt war vor allem in der bipolaren Untergruppe deutlich, in der Gruppe mit depressiver Störung war er statistisch nicht signifikant, und nach sechs Wochen war der Unterschied nicht mehr nachweisbar. Racemisches Ketamin ist für diese Indikation in Deutschland nicht zugelassen, der Einsatz ist Off-Label.
Wann darf Ketamin bei Suizidalität eingesetzt werden?
Im stationären oder strukturierten ambulanten Setting mit umfassender Diagnostik, kontinuierlicher psychiatrischer Begleitung, klarem Krisenplan und psychotherapeutischer Anbindung. Eine Selbstmedikation in suizidalen Phasen ist gefährlich und kontraindiziert. Die akute Krise braucht ein Team, einen geschützten Raum und eine Anschlussbehandlung, kein Einzelmedikament im Alleingang.
Wie schnell kann Ketamin gegen Suizidgedanken wirken?
In den meisten Studien war eine Reduktion suizidaler Ideen innerhalb weniger Stunden bis maximal 24 Stunden nach Infusion messbar. Der Effekt kann mehrere Tage anhalten, klingt dann jedoch ab, sodass weitere Behandlungsschritte zwingend nötig sind. Das Zeitfenster ist eine Gelegenheit, keine Garantie auf Dauerwirkung.
Welche Studien stützen den Einsatz?
Wichtige Arbeiten sind Wilkinson et al. 2018 (Meta-Analyse, 167 Patienten), Grunebaum et al. 2017/2018 (zwei RCTs zu bipolarer und unipolarer Depression mit Suizidideation), sowie Abbar et al. BMJ 2022 mit 156 Patienten in akuter Suizidkrise in französischen Notaufnahmen. Die Effekte sind robust für akute Gedanken, jedoch kleiner und kürzer als anfänglich erhofft, wenn keine Anschlussbehandlung folgt.
Ist Ketamin lebensrettend?
Ketamin kann ein Zeitfenster schaffen, in dem Patienten und Behandlungsteam stabilisieren, Diagnostik vertiefen und tragfähige Pläne entwickeln können. Es ersetzt keinen Krisenplan, keine Klinik-Anbindung und keinen sozialen Schutzraum. Ob es im Einzelfall zur Lebenserhaltung beigetragen hat, kann oft erst rückblickend gesagt werden. Studien zur direkten Reduktion der Suizidrate über viele Monate gibt es bisher nicht.
Welche Risiken hat Ketamin in der Krise?
Akute Risiken sind dissoziative Erlebnisse, Blutdruck- und Pulsanstieg, Übelkeit und Schwindel, in seltenen Fällen eine Zunahme psychotischer Symptome. In der Krisensituation ist eine engmaschige Überwachung essenziell, ebenso wie psychotherapeutische Anbindung in den Tagen danach. Eine Vorgeschichte mit Psychose oder Schizophrenie und eine bestehende Substanzabhängigkeit waren in den zentralen Studien Ausschlusskriterien. Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unbehandelter Bluthochdruck, Schwangerschaft und Stillzeit, schwere Leber- oder Nierenerkrankungen sowie erhöhter Hirn- oder Augeninnendruck erfordern eine gesonderte ärztliche Abwägung. Bei wiederholter Anwendung sind ein Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial sowie Schädigungen der Harnblase beschrieben. Am Behandlungstag besteht keine Fahrtüchtigkeit. Ausführlich steht das weiter oben im Abschnitt zu Risiken und Ausschlussgründen.
Was passiert nach der ersten Ketamin-Gabe?
In der Regel folgt eine Phase enger Beobachtung im Krankenhaus oder spezialisierten Ambulanzsetting. Parallel werden Psychotherapie, sozialer Schutzraum und gegebenenfalls weitere Pharmakotherapie etabliert. Eine einzige Infusion ist Brücke, nicht Ziel. Was den Behandlungserfolg langfristig bestimmt, ist die Qualität dessen, was nach der Infusion folgt.
Wie ist die Zulassungslage bei Esketamin?
Für Esketamin als Nasenspray gibt es in den USA und in der EU jeweils eine eigene Zulassungssituation, in der EU unter anderem für die akute Kurzzeitbehandlung im psychiatrischen Notfall, gebunden an feste Voraussetzungen und an eine Anwendung unter direkter ärztlicher Aufsicht. Den genauen und aktuellen Stand findest du in der Fachinformation des jeweiligen Präparats. Racemisches Ketamin als Infusion hat für diesen Bereich in Deutschland keine Zulassung, der Einsatz ist Off-Label. Mehr im Spoke zum Vergleich von Ketamin und Esketamin.
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Verbindungen zu anderen Themen
Wenn drei Antidepressiva nicht greifen, ist die Krise meist nicht weit. Was dann zur Wahl steht.
Welche Substanz unter welchen Voraussetzungen in der akuten Krise eingesetzt werden kann.
Die Risiken im therapeutischen Setting realistisch einordnen, nicht nur die Hoffnungen.
Das Zeitfenster nach der Gabe ist die eigentliche Arbeit, hier wird der Weg gebahnt.
Quellen und weiterführende Literatur
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