Ratgeber Heilpflanzen · Zimt, Blutzucker und Leber

Zimt und Blutzucker: Was die Studien zeigen und warum Ceylon nicht gleich Cassia ist

Zimt kann in Meta-Analysen den Nüchternblutzucker leicht senken. Beim Langzeitwert HbA1c sind die Ergebnisse uneinheitlich. Cassia-Zimt aus dem Supermarkt enthält oft viel Cumarin, das in größeren Mengen die Leber belasten kann. Ich rechne dir die Grenze des Bundesinstituts für Risikobewertung transparent in Gramm um und zeige dir, wie du sie auf deinen Löffel überträgst.

Nüchternzucker HbA1c Cumarin und Leber BfR-Rechnung Ceylon oder Cassia KPNI-Sicht
Shukri Jarmoukli · Arzt, Integrative Medizin · ViveCura Berlin
Mein Ausgangspunkt

Zimt ist ein wunderbares Gewürz. Als Ersatz für Bewegung, Mahlzeitenstruktur oder Medikamente sehe ich ihn nach heutiger Studienlage nicht. Und welcher Zimt in deinem Glas steckt, ist für deine Leber nicht egal.

Es ist kurz nach sieben. Der Haferbrei dampft, die Kaffeemaschine gurgelt. Und dann kommt er, wie jeden Morgen: der gehäufte Löffel Zimt.

Eine Szene, die viele kennen

Der Löffel, der seit einem Video mit am Frühstückstisch sitzt

Vor ein paar Wochen lief ein kurzes Video durch deinen Feed. Zimt senke den Blutzucker, hieß es dort, ganz natürlich. Beim letzten Check-up stand neben deinem Nüchternzucker ein kleines Sternchen. Das Video kam also genau zur richtigen Zeit.

Seitdem wandert jeden Morgen ein gehäufter Löffel über den Porridge. Ein zweiter landet im Kaffee. Es fühlt sich gut an, etwas zu tun. Und Zimt riecht nach Winter, nach Küche, nach Geborgenheit.

Diese Szene ist aus Alltagsmustern zusammengesetzt, sie ist keine Patientengeschichte. Sie beschreibt eine Gewohnheit, kein Ergebnis.

In der Szene stecken zwei berechtigte Fragen. Was kann Zimt für deinen Blutzucker leisten? Und was macht die tägliche Menge mit deiner Leber?

Beide Fragen nehme ich ernst. Hinter deinem Morgenlöffel steht ein gutes Bedürfnis: selbst etwas für deinen Stoffwechsel zu tun. Dieses Bedürfnis verdient Informationen, die tragen.

Deshalb schaue ich aus mehreren Richtungen auf deinen Zimtlöffel: Studien am Menschen, Bewertungen des Bundesinstituts für Risikobewertung, kurz BfR, Toxikologie und die KPNI-Linse. KPNI steht für klinische Psychoneuroimmunologie. Gemeint ist das Zusammenspiel von Nerven, Hormonen, Immunsystem und Stoffwechsel.

Was dich hier erwartet

  • Was Meta-Analysen zum Nüchternzucker zeigen
  • Warum der Langzeitwert HbA1c uneinheitlich reagiert
  • Prädiabetes: was kleine Studien beobachtet haben
  • Wie Zimt im Körper wirken könnte
  • Ceylon oder Cassia: der Unterschied im Glas
  • Die BfR-Grenze in Gramm und auf deinem Löffel
  • Zimtkapseln, Leber und Diabetesmedikamente
  • Warum Bewegung und Mahlzeitenstruktur die größeren Hebel sein könnten
ca. 2 gCassia-Zimt pro Tag schöpfen bei 60 kg Körpergewicht die tolerierbare Cumarinmenge laut BfR aus
10,93 mg/dLmittlere Senkung des Nüchternzuckers über elf Meta-Analysen hinweg, beim HbA1c waren es 0,10 Prozentpunkte
58 %weniger neue Diabetesfälle unter einem Lebensstilprogramm im Diabetes Prevention Program, verglichen mit Placebo
Evidenz-Marker: Klinische Studie oder Meta-Analyse Beobachtung, Experiment, Übersicht, Behörde, Fallbericht Tierstudie Labor, Zellen, Produktanalysen

Kann Zimt den Blutzucker senken? Was die Meta-Analysen zeigen

Du rührst den Zimt ein und hoffst auf einen besseren Wert beim nächsten Check-up. Ist diese Hoffnung berechtigt?

Kurze Antwort: In mehreren Meta-Analysen lag der Nüchternblutzucker unter Zimt leicht niedriger als in den Vergleichsgruppen. Die Studien waren aber klein, kurz und sehr unterschiedlich. Beim Langzeitwert HbA1c fanden ältere Auswertungen keinen sicheren Effekt, neuere eher einen kleinen.

Angefangen hat der Hype mit einer kleinen Studie aus Pakistan.

Der Ursprung des Hypes RCT, n=60

Ein Team um Khan von der NWFP Agricultural University in Peshawar gab 60 Menschen mit Typ-2-Diabetes 40 Tage lang 1, 3 oder 6 g Zimt täglich oder ein Placebo. In allen drei Zimtgruppen sank der Nüchternblutzucker um 18 bis 29 Prozent. In den Placebogruppen änderte sich nichts Wesentliches.

Das BfR wies später darauf hin, dass die Teilnehmenden Cassia-Zimt bekamen und die Daten keinen dosisabhängigen Effekt zwischen 1 und 6 g zeigten. Für dich heißt das: Ein einzelnes, kleines Ergebnis hat einen ganzen Markt für Zimtkapseln angestoßen.

Khan A, Safdar M, Ali Khan MM, Khattak KN, Anderson RA. Diabetes Care. 2003;26(12):3215-3218. DOI: 10.2337/diacare.26.12.3215

Seitdem sind viele weitere Studien erschienen. Sie sprechen nicht mit einer Stimme.

Die Cochrane-Übersicht Systematischer Review, 10 RCTs, n=577

Ein Team um Leach von der University of South Australia wertete 2012 für die Cochrane Collaboration zehn randomisierte Studien mit 577 Menschen mit Diabetes aus. Meist wurde Cassia-Zimt gegeben, im Mittel 2 g täglich über 4 bis 16 Wochen. Der Effekt auf den Nüchternzucker war nicht eindeutig, beim HbA1c fand sich kein signifikanter Unterschied zu den Kontrollgruppen.

Das Verzerrungsrisiko stuften die Fachleute in allen Studien außer zweien als hoch oder unklar ein. Für dich heißt das: Nach dieser Auswertung ist Zimt keine belegte Diabetesbehandlung.

Leach MJ, Kumar S. Cochrane Database Syst Rev. 2012;(9):CD007170. DOI: 10.1002/14651858.CD007170.pub2
Ein Signal beim Nüchternzucker Meta-Analyse, 10 RCTs, n=543

Ein Team um Allen vom College of Pharmacy der Western University of Health Sciences in Kalifornien rechnete 2013 zehn Studien mit 543 Menschen mit Typ-2-Diabetes zusammen. Die Dosen reichten von 120 mg bis 6 g täglich, über 4 bis 18 Wochen. Der Nüchternzucker lag im Mittel um 24,59 mg/dL niedriger, der HbA1c um 0,16 Prozentpunkte, was statistisch nicht signifikant war.

Die Unterschiede zwischen den Studien waren groß. Für dich heißt das: Beim Nüchternzucker gibt es ein Signal, welche Menge und Dauer sinnvoll wären, bleibt laut den Autoren unklar.

Allen RW, Schwartzman E, Baker WL, Coleman CI, Phung OJ. Ann Fam Med. 2013;11(5):452-459. DOI: 10.1370/afm.1517

Ein Team um Deyno von Hochschulen in Uganda und Äthiopien kam 2019 mit 16 Studien zu einem ähnlichen Bild. Einbezogen waren Menschen mit Typ-2-Diabetes und mit Prädiabetes. Der Nüchternzucker sank im Mittel um 0,545 mmol/L, beim HbA1c zeigte sich keine signifikante Änderung.

Stell dir zehn Köche vor, die alle einen Zimtkuchen backen. Jeder nimmt einen anderen Zimt, eine andere Menge und einen anderen Ofen. Dass die Kuchen unterschiedlich ausfallen, wundert niemanden. Genau so sehen die Zimtstudien aus.

Neuere Auswertungen: kleine Effekte, große Streuung

Elf Meta-Analysen in einer Meta-Analyse, Umbrella-Analyse

Ein Team um Zarezadeh von der Tabriz University of Medical Sciences im Iran fasste 2023 elf Meta-Analysen randomisierter Studien zusammen. Bei Typ-2-Diabetes oder PCOS sank der Nüchternzucker unter Zimt im Mittel um 10,93 mg/dL. Der HbA1c sank um 0,10 Prozentpunkte.

Die Autorinnen und Autoren sehen Zimt als mögliche Ergänzung zur Behandlung. Für dich heißt das: Der gemittelte Effekt ist messbar, aber klein.

Zarezadeh M, Musazadeh V, Foroumandi E, Keramati M, Ostadrahimi A, Mekary RA. Diabetol Metab Syndr. 2023;15(1):127. DOI: 10.1186/s13098-023-01057-2
Die bisher größte Auswertung Meta-Analyse, 28 RCTs, n=3054

Ein brasilianisches Team um de Moura bündelte 2025 in der Fachzeitschrift Nutrition Reviews 28 randomisierte Studien mit 3054 Menschen mit Typ-2-Diabetes. Unter Zimt lag der Nüchternzucker im Mittel um 15,26 mg/dL niedriger, der HbA1c um 0,56 Prozentpunkte. Die Studien unterschieden sich allerdings stark, die Heterogenität lag beim HbA1c bei 94 Prozent.

Ein Detail fällt auf: Den HbA1c senkten in dieser Auswertung nur Dosen bis 2 g täglich, nicht die höheren. Für dich heißt das: Mehr Zimt bedeutet nicht automatisch mehr Effekt, und die Unsicherheit bleibt groß.

de Moura SL, Gomes BGR, Guilarducci MJ, Coelho OGL, Guimarães NS, Gomes JMG. Nutr Rev. 2025;83(2):249-279. DOI: 10.1093/nutrit/nuae058

Auch eine Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse aus Täbris mit 24 Studien berichtete 2024 niedrigere Werte für Nüchternzucker und HbA1c, angegeben als standardisierte Effektgrößen. Ein Team um Costello prüfte schon 2016 elf Studien mit 694 Menschen. In zehn davon nahmen die Teilnehmenden ihre Diabetesmedikamente weiter. Sieben Studien nutzten Cassia, nur eine Ceylon-Zimt, drei nannten die Sorte gar nicht. Die Effekte waren bescheiden, nur vier Studien erreichten die Zielwerte der American Diabetes Association.

Wetter und Klima

Der Nüchternzucker ist wie das Wetter an einem Morgen. Der HbA1c ist eher das Klima der letzten zwei bis drei Monate. Ein paar freundlichere Morgen verändern das Klima noch nicht. Deshalb ist es kein Widerspruch, wenn Zimt den Nüchternwert leicht bewegt und der HbA1c kaum reagiert.

Recht konsistent

In vielen Meta-Analysen liegt der Nüchternzucker unter Zimt leicht niedriger, je nach Auswertung im Mittel um rund 11 bis 25 mg/dL.

Uneinheitlich

Beim HbA1c reichen die Ergebnisse von keinem signifikanten Effekt bis zu kleinen Senkungen. Sorte, Dosis und Dauer der Studien unterscheiden sich stark.

Offen

Ob Zimt den Übergang von Prädiabetes zu Diabetes oder Folgeerkrankungen beeinflusst, hat bisher keine große Langzeitstudie geprüft.

Der Perspektivwechsel

Ein leicht besserer Nüchternwert ist ein Signal, keine Therapie.

Die Frage ist nicht, ob Zimt irgendetwas bewegen kann. Die Frage ist, ob er das bewegt, worauf es für deine Gesundheit langfristig ankommt.

Und jetzt weißt du, warum ich bei Zimt von einem kleinen Signal spreche und nicht von einer Behandlung.

Und bei Prädiabetes? Was kleine Studien beobachtet haben

Prädiabetes klingt wie ein Wartezimmer. Noch kein Diabetes, aber auch nicht mehr ganz unbeschwert. Gerade hier liegt der Gedanke nahe: Mit Zimt bremse ich das ab.

Kurze Antwort: In zwei kleinen randomisierten Studien mit Menschen mit Prädiabetes lagen die Zuckerwerte unter Zimt etwas günstiger als unter Placebo. Ob Zimt den Übergang in einen Diabetes verzögern kann, haben Langzeitstudien bisher nicht geprüft.

Zwölf Wochen Zimt bei Prädiabetes RCT, n=54

Ein Team um Romeo vom Joslin Diabetes Center in Boston und der Kyung-Hee-Universität in Seoul gab 54 Erwachsenen mit Prädiabetes zwölf Wochen lang dreimal täglich 500 mg Zimt oder Placebo. Unter Placebo stieg der Nüchternzucker an, unter Zimt blieb er stabil. Der Unterschied betrug im Mittel 5 mg/dL, und die Werte im Zuckerbelastungstest verbesserten sich gegenüber dem Ausgangswert.

Die Kapseln enthielten einen Zimtextrakt und Pulver von Cinnamomum burmannii, einer Cassia-Art aus Indonesien. Leber- und Nierenwerte blieben laut Studie unbeeinflusst. Für dich heißt das: Der Effekt war messbar, aber klein.

Romeo GR, Lee J, Mulla CM, Noh Y, Holden C, Lee BC. J Endocr Soc. 2020;4(11):bvaa094. DOI: 10.1210/jendso/bvaa094
Zimt unter dem Glukosesensor RCT, Crossover, n=18

Ein Team um Zelicha von der University of California in Los Angeles ließ 18 Menschen mit Adipositas und Prädiabetes vier Wochen lang täglich 4 g Zimt oder Placebo nehmen, danach wurde getauscht. Ein Glukosesensor zeichnete über 66.000 Messwerte auf. Unter Zimt lagen die Werte über 24 Stunden niedriger, und die Zuckerspitzen fielen etwas flacher aus.

Im Zuckerbelastungstest stieg unter Zimt zudem das Darmhormon GIP, das die Insulinausschüttung anstoßen kann. Welche Zimtsorte verwendet wurde, nennt die Kurzfassung nicht. Wäre es Cassia mit durchschnittlichem Cumaringehalt, läge die Tagesmenge bei 60 kg Körpergewicht etwa beim Doppelten der BfR-Grenze. Für dich heißt das: Ein kurzfristiger Effekt ist plausibel, eine Dauerempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.

Zelicha H, Yang J, Henning SM, et al. Am J Clin Nutr. 2024;119(3):649-657. DOI: 10.1016/j.ajcnut.2024.01.008

Es gibt auch Studien ganz ohne Effekt. Ein Team um Vanschoonbeek von der Universität Maastricht gab 25 Frauen nach den Wechseljahren mit Typ-2-Diabetes sechs Wochen lang 1,5 g Cassia-Zimt täglich. Insulinempfindlichkeit, Zuckertoleranz und Blutfette veränderten sich nicht.

Und dort, wo Effekte auftauchen, sind sie meist bescheiden. Ein Team um Lira Neto von der Universidade Federal do Ceará gab 160 Menschen mit Typ-2-Diabetes, die ihre Tabletten weiter einnahmen, über 90 Tage 3 g Zimt in Kapseln. Der HbA1c sank um 0,2 Prozentpunkte stärker als unter Placebo, das Team selbst nannte die Senkung bescheiden.

Der Perspektivwechsel

Prädiabetes ist kein Wartezimmer, in dem du nur abwarten kannst. Es ist eine Phase, in der dein Stoffwechsel gut auf Veränderungen im Alltag ansprechen könnte.

Zimt ist in dieser Phase höchstens eine Randnotiz. Die Hauptgeschichte schreiben Bewegung, Muskeln und Essen.

Und jetzt weißt du, warum ich bei Prädiabetes zuerst über Bewegung und Essen spreche und erst danach über Gewürze.

Wie könnte Zimt im Körper wirken? Ein Blick durch die KPNI-Linse

Vielleicht fragst du dich: Wenn Zimt etwas bewegt, wie denn überhaupt? Ein Gewürz ist doch kein Medikament.

Kurze Antwort: Diskutiert werden mehrere Wege. Zimt kann die Magenentleerung verlangsamen, sodass Zucker langsamer ins Blut gelangt. Im Labor verstärken Polyphenole aus Zimt die Insulinwirkung. Beim Menschen sind diese Wege nur teilweise belegt.

Stell dir deinen Magen wie eine Schleuse vor. Öffnet sie sich langsamer, kommt der Zucker portionsweise im Blut an und nicht als große Welle.

Zimt und die Magenschleuse Crossover-Studie, n=14

Ein Team um Hlebowicz von der Universitätsklinik Malmö gab 14 Gesunden Milchreis, einmal mit und einmal ohne 6 g Zimt. Mit Zimt leerte sich der Magen langsamer, und der Blutzucker stieg nach dem Essen weniger stark an. Satter machte der Zimt nicht.

Der Effekt auf den Blutzucker war deutlicher als der auf die Magenentleerung. Für dich heißt das: Ein Teil des Zimteffekts könnte schon im Magen beginnen, bevor überhaupt etwas ins Blut gelangt.

Hlebowicz J, Darwiche G, Björgell O, Almér LO. Am J Clin Nutr. 2007;85(6):1552-1556. DOI: 10.1093/ajcn/85.6.1552

Insulin kannst du dir wie einen Schlüssel vorstellen. Er öffnet die Türen von Muskel- und Fettzellen, damit Zucker aus dem Blut hineinkann. Genau an diesem Schloss setzen die Laborbefunde zu Zimt an.

Polyphenole im Laborversuch Labor

Ein Team um Anderson vom Beltsville Human Nutrition Research Center des US-Landwirtschaftsministeriums isolierte 2004 wasserlösliche Polyphenole aus Zimt. Im Laborversuch steigerten sie den insulinabhängigen Zuckerstoffwechsel etwa um das Zwanzigfache. Chemisch handelt es sich um sogenannte Procyanidine vom A-Typ.

Das ist ein Laborbefund, kein Ergebnis am Menschen. Für dich heißt das: Der Mechanismus ist biologisch plausibel, beweist aber noch keinen Effekt auf deinen Blutzucker.

Anderson RA, Broadhurst CL, Polansky MM, et al. J Agric Food Chem. 2004;52(1):65-70. DOI: 10.1021/jf034916b

Ein Team um Rafehi vom Baker IDI Heart and Diabetes Institute in Melbourne fasste 2012 die Laborbefunde zusammen. In Zellversuchen verbesserte Zimt die Insulin-Signalwege im Muskel. Im Fettgewebe erhöhte er die Bildung sogenannter PPAR-Rezeptoren, vergleichbar mit einer Klasse von Diabetesmedikamenten. Studien zeigten zudem entzündungshemmende Eigenschaften. Beim Menschen, so das Fazit, verbesserte sich als einziger Wert einigermaßen beständig der Nüchternzucker.

Durch die KPNI-Linse berührt dein Zimtlöffel gleich mehrere Systeme. Im Stoffwechsel geht es darum, wie gut der Insulinschlüssel die Zelltüren öffnet. Im Hormonsystem spielen Darmhormone wie GIP mit, die nach dem Essen die Insulinausschüttung mitsteuern. Das Immunsystem ist beteiligt, weil stille Entzündungen die Insulinwirkung dämpfen können. Und das Nervensystem bringt den Morgenlöffel selbst ins Spiel: Ein Ritual gibt Halt, und dieses Bedürfnis ist echt.

Der Weg eines Zimtlöffels

1

Magen

Zimt kann die Magenentleerung verlangsamen. Beim Menschen gemessen, in einer kleinen Studie mit Milchreis.

↓
2

Darm und Hormone

Unter Zimt stieg in einer Studie das Darmhormon GIP. Es kann die Insulinausschüttung nach dem Essen anstoßen.

↓
3

Muskel und Fettgewebe

Polyphenole verstärkten im Labor die Insulinwirkung. Beim Menschen ist das nicht direkt belegt.

↓
4

Blut

In Meta-Analysen liegt der Nüchternzucker leicht niedriger. Der HbA1c reagiert uneinheitlich.

↓
5

Leber

Hier wird das Cumarin aus dem Zimt abgebaut. Bei empfindlichen Menschen kann es die Leber belasten. Dazu gleich mehr.

Meine vorsichtige Lesart

Belegt am Menschen ist ein kleiner Effekt auf den Nüchternzucker. Mechanistisch plausibel sind Magen, Darmhormone und Insulin-Signalwege, vieles davon stammt aber aus dem Labor.

In meiner Praxis erlebe ich vor allem etwas anderes: Zimt ist oft das Erste, was Menschen nach einem auffälligen Zuckerwert ausprobieren. Das zeigt, wie groß der Wunsch nach einem einfachen Hebel ist. Studien dazu gibt es nicht, ich beschreibe nur eine Beobachtung.

Der Perspektivwechsel

Ein plausibler Mechanismus ist eine gute Frage, noch keine Antwort.

Erst Studien am Menschen zeigen, ob aus einem Laborbefund ein Nutzen in deinem Alltag wird.

Und jetzt weißt du, warum ich zwischen Laborbefund und Alltagsnutzen so genau unterscheide.

Ceylon oder Cassia: Warum der Unterschied im Glas für deine Leber zählt

Im Supermarktregal steht oft nur ein Wort: Zimt. Keine Sorte, keine Herkunft. Woher sollst du wissen, was du jeden Morgen löffelst?

Kurze Antwort: Ceylon-Zimt stammt aus der Rinde von Cinnamomum verum und enthält laut BfR nur geringe Mengen Cumarin. Cassia-Zimt umfasst mehrere verwandte Arten und enthält im Durchschnitt etwa 3 g Cumarin pro Kilogramm, einzelne Proben bis 10 g. Im Handel wird überwiegend Cassia angeboten.

Ceylon-Zimt

  • Botanisch Cinnamomum verum, auch Kaneel genannt
  • Cumarin nur in Spuren, in BfR-Analysen höchstens 297 mg pro kg
  • Stange aus vielen dünnen Rindenlagen, Querschnitt wie eine angeschnittene Zigarre
  • Aroma blumiger, feiner und teurer

Cassia-Zimt

  • Mehrere Arten, etwa China-Zimt und Padang-Zimt
  • Cumarin im Schnitt etwa 3.000 mg pro kg, Spitzen bis 10.000 mg pro kg
  • Stange aus einer relativ dicken, eingerollten Rindenschicht
  • Geschmack schärfer und herber, im Handel weit verbreitet
Wie stark Cassia schwankt Laboranalyse, 47 Pulverproben

Ein Team um Woehrlin vom BfR in Berlin analysierte 2010 Zimt aus dem deutschen Handel und Rinde direkt aus Indonesien. Die 47 Pulverproben bestätigten hohe Cumaringehalte in Cassia. In Stangen aus nur zwei Packungen reichten die Werte von unter der Nachweisgrenze bis etwa 10.000 mg pro kg.

Selbst innerhalb eines einzigen Baumes schwankte der Gehalt stark, zwei andere Bäume enthielten gar kein Cumarin. Für dich heißt das: Bei Cassia weißt du nie genau, wie viel Cumarin in deinem Glas steckt.

Woehrlin F, Fry H, Abraham K, Preiss-Weigert A. J Agric Food Chem. 2010;58(19):10568-10575. DOI: 10.1021/jf102112p

Gemahlen gleichen sich die Schwankungen etwas aus. Das BfR fand in Cassia-Pulver Mittelwerte um 3.000 mg pro kg. In Ceylon-Zimt lagen die eigenen Messwerte bei höchstens 297 mg pro kg.

Kannst du dich auf das Etikett verlassen? Ein Etikett ist ein guter Anfang, aber kein Beweis. In einer BfR-Bewertung von Zimtkapseln aus dem Jahr 2006 war ein Präparat als Ceylon-Zimt ausgewiesen. Der gemessene Cumaringehalt von 2.300 mg pro kg sprach laut BfR eindeutig für Cassia.

Bleibt eine Hoffnung: Vielleicht ist das Cumarin im Gewürz so fest gebunden, dass der Körper es kaum aufnimmt? Genau das hat das BfR geprüft.

Schützt die Pflanzenmatrix? Bioverfügbarkeitsstudie, Crossover, n=24

Ein Team um Abraham vom BfR gab 24 gesunden Freiwilligen jeweils 12 mg Cumarin, mal als Reinstoff in einer Kapsel, mal als Zimt in Kapseln, als Zimttee oder in Milchreis. Gemessen am Hauptabbauprodukt im Urin nahm der Körper aus dem Zimt fast genauso viel Cumarin auf wie aus der Reinsubstanz. Aus dem Tee flutete es am schnellsten an.

Die Hoffnung auf ein harmloser gebundenes Cumarin bestätigte sich nicht. Für dich heißt das: Die tolerierbare Menge für Cumarin gilt auch für Zimt in Porridge und Kaffee.

Abraham K, Pfister M, Wöhrlin F, Lampen A. Mol Nutr Food Res. 2011;55(4):644-653. DOI: 10.1002/mnfr.201000394
Der Perspektivwechsel

Für die Prise im Apfelkuchen spielt die Sorte kaum eine Rolle.

Für den täglichen gehäuften Löffel wird sie zur zentralen Frage. Zimt ist nicht gleich Zimt.

Und jetzt weißt du, warum die Sorte auf der Packung wichtiger sein kann als die Form deines Löffels.

Wie viel Cassia-Zimt ist zu viel? Die BfR-Grenze in Gramm und auf deinem Löffel

Zurück zu deinem Morgen. Ein gehäufter Löffel über den Porridge, einer in den Kaffee. Ist das schon viel?

Kurze Antwort: Das BfR hält 0,1 mg Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht und Tag ein Leben lang für tolerierbar. Bei 60 kg sind das 6 mg, die mit etwa 2 g Cassia-Zimt mit durchschnittlichem Gehalt erreicht sind. Wie viele Löffel das sind, hängt vom Gewicht deines Löffels ab, denn das BfR rechnet in Gramm, nicht in Löffeln.

Woher die Grenze von 0,1 mg pro Kilogramm kommt

Cumarin wurde früher auch als Medikament gegen Lymph- und Venenstauungen eingesetzt. Dabei fiel auf, dass ein kleiner Teil der Behandelten mit erhöhten Leberwerten reagierte. In schweren Fällen kam es zu einer Leberentzündung mit Gelbsucht, meist bildete sich das wieder zurück.

Cumarin als Medikament RCT, Crossover, n=140

Ein Team um Loprinzi von der Mayo Clinic in Rochester prüfte Cumarin bei 140 Frauen mit Lymphödem am Arm nach einer Brustkrebsbehandlung. Sie bekamen sechs Monate lang zweimal täglich 200 mg Cumarin oder Placebo, danach wurde getauscht. Gegen das Lymphödem zeigte Cumarin keinen Effekt, bei 6 Prozent der Frauen fanden sich aber Hinweise auf eine Leberschädigung im Blut.

Diese Dosis lag um ein Vielfaches über dem, was aus Zimt stammt. Für dich heißt das: Die Leber mancher Menschen reagiert empfindlich auf Cumarin, und vorab lässt sich nicht testen, wer dazugehört.

Loprinzi CL, Kugler JW, Sloan JA, et al. N Engl J Med. 1999;340(5):346-350. DOI: 10.1056/NEJM199902043400503

Wie kam das BfR auf seine Zahl? Ein Gutachten für das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte wertete 82 Fälle möglicher cumarinbedingter Leberschäden aus. Selbst bei den niedrigsten Dosen von 25 bis 30 mg täglich traten noch 10 Prozent der Fälle auf. Das BfR teilte 25 mg durch einen Sicherheitsfaktor von 5 und kam auf 5 mg pro Tag. Bei 60 kg Körpergewicht entspricht das rund 0,1 mg pro Kilogramm. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit kam über Tierdaten auf denselben Wert.

Warum reagieren manche Menschen empfindlich? Beim Menschen läuft der Abbau von Cumarin meist über die sogenannte 7-Hydroxylierung, einen Entgiftungsweg. Bei Ratten und Mäusen dominiert dagegen ein Weg, der giftige Zwischenprodukte erzeugt. Diskutiert wurde, ob eine schwächere 7-Hydroxylierung durch Varianten im Leberenzym CYP2A6 manche Menschen anfälliger macht. Eine deutsche Untersuchung konnte das nicht bestätigen, die Ursache gilt laut BfR als ungeklärt. Wie Leberenzyme Fremdstoffe in mehreren Schritten verarbeiten, erkläre ich in Leberentgiftung Phase 1 und Phase 2.

Die Rechnung, Schritt für Schritt

Rechenweg nach den Zahlen des BfR
  1. Tolerierbare Menge: 0,1 mg Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Sie gilt laut BfR auch für besonders empfindliche Menschen.
  2. Deine Grenze: Körpergewicht × 0,1 mg. Bei 60 kg sind das 6 mg Cumarin pro Tag.
  3. Gehalt im Cassia-Zimt: durchschnittlich etwa 3.000 mg pro Kilogramm, also 3 mg pro Gramm Zimt.
  4. Gramm pro Tag: 6 mg ÷ 3 mg pro Gramm = 2 g Cassia-Zimt. Das deckt sich mit der Angabe des BfR.
  5. Ungünstiger Fall: Bei 10.000 mg pro Kilogramm, also 10 mg pro Gramm, sind es bei 60 kg nur 0,6 g.
  6. Zum Vergleich Ceylon: Selbst beim höchsten vom BfR berichteten Ceylon-Wert von 297 mg pro Kilogramm wären es rund 20 g.
  7. Dein Löffel: Ein Löffelgewicht nennt das BfR nicht. Wiege deinen gewohnten Löffel einmal ab und teile deine Gramm-Grenze durch dieses Gewicht.
KörpergewichtCumarin-Grenze pro TagCassia bei Ø 3.000 mg/kgCassia bei 10.000 mg/kg
15 kg (Kleinkind)1,5 mg0,5 g0,15 g
50 kg5 mg1,7 g0,5 g
60 kg6 mg2,0 g0,6 g
70 kg7 mg2,3 g0,7 g
80 kg8 mg2,7 g0,8 g
90 kg9 mg3,0 g0,9 g
100 kg10 mg3,3 g1,0 g

Eigene Umrechnung auf Basis der BfR-Angaben: TDI 0,1 mg pro kg Körpergewicht, Cassia-Mittelwert etwa 3.000 mg pro kg, gemessene Höchstwerte bis 10.000 mg pro kg. Die Grenze gilt für Cumarin aus allen Quellen zusammen, das BfR nennt etwa auch cumarinhaltige Körperlotionen.

Der Waagen-Trick für deinen Morgenlöffel

Lege zehn gehäufte Löffel Zimt zusammen auf die Küchenwaage und teile das Ergebnis durch zehn. So wird auch eine einfache Waage genau genug.

Zeigt dein gehäufter Löffel 2 g oder mehr und ist es Cassia, liegst du bei 60 kg Körpergewicht schon mit einem Löffel an oder über der BfR-Grenze. Mit dem zweiten Löffel im Kaffee wärst du beim Doppelten oder darüber, Tag für Tag.

Kurz drüber ist nicht dasselbe wie dauerhaft drüber

Der TDI ist wie ein Tempolimit mit eingebautem Sicherheitsabstand. Wer kurz zu schnell ist, landet nicht sofort im Graben. Wer täglich deutlich zu schnell fährt, verbraucht den Puffer. Eine leichte Überschreitung für ein bis zwei Wochen gilt laut BfR als unbedenklich, etwa in der Weihnachtszeit. Ein Risiko sieht das BfR vor allem, wenn jemand sehr viel Cassia-Zimt mit hohem Cumaringehalt über längere Zeit isst.

Für fertige Lebensmittel mit Zimt gelten seit 2011 EU-Höchstgehalte für Cumarin, etwa 50 mg pro kg bei Zimtsternen und 5 mg pro kg bei Desserts wie Milchreis. Für Zimt als Gewürz in deiner Küche gibt es dagegen keinen Höchstgehalt.

Über der Grenze, trotzdem ruhige Leberwerte? Kohorte, retrospektiv, n=129

Ein Team um Iwata von der Kyushu-Universität in Japan wertete die Daten von 129 Menschen aus, die zimthaltige Kampo-Arzneien bekamen. 76 Prozent nahmen damit mehr Cumarin auf als den TDI. Auffällige Leberwerte traten in beiden Gruppen ähnlich häufig auf, bei 19,4 Prozent unterhalb und bei 17,3 Prozent oberhalb der Grenze.

Die Studie war rückblickend und klein. Für dich heißt das: Eine Überschreitung bedeutet nicht automatisch einen Leberschaden, die Grenze bleibt als Vorsorge trotzdem sinnvoll.

Iwata N, Kainuma M, Kobayashi D, et al. Front Pharmacol. 2016;7:174. DOI: 10.3389/fphar.2016.00174

Wie oft schadet Zimt als Lebensmittel der Leber? Dem BfR lagen 2012 keine Berichte über toxische Leberentzündungen nach starkem Zimtverzehr vor, mit Ausnahme einer Verdachtsmeldung bei einer jungen Frau, die in den Wochen zuvor besonders viel Zimt gegessen hatte. Eine systematische Übersicht eines Teams um Hajimonfarednejad aus Shiraz sammelte 2019 Studien, Fallberichte und Spontanmeldungen. Am häufigsten waren Magen-Darm-Beschwerden und allergische Reaktionen, meist vorübergehend. Bei arzneilicher Anwendung in höheren Dosen oder über längere Zeit rät das Team zu ärztlicher Überwachung.

Ein Einzelfall mit Statin Fallbericht

Ein Team um Brancheau aus Southfield in Michigan beschrieb 2015 eine 73-jährige Frau mit akuter Leberentzündung. Sie hatte etwa eine Woche zuvor mit Zimtkapseln begonnen und nahm seit Monaten ein Statin. Beide Mittel wurden abgesetzt, einige Wochen nach der Entlassung nahm sie das Statin ohne erneute Probleme wieder.

Die Autoren vermuteten ein Zusammenspiel von Zimt und Statin. Ein Einzelfall zeigt einen zeitlichen Zusammenhang, keinen Beweis. Für dich heißt das: Nimmst du Medikamente, die die Leber beanspruchen können, gehört jede Zimtkapsel in das Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Brancheau D, Patel B, Zughaib M. Am J Case Rep. 2015;16:250-254. DOI: 10.12659/AJCR.892804
Wann ich beim Zimt besonders vorsichtig wäre
  • Bei einer bekannten Lebererkrankung oder erhöhten Leberwerten.
  • Bei Medikamenten, die die Leber beanspruchen können, zum Beispiel einem Statin wie im beschriebenen Fallbericht.
  • Bei Blutzuckermedikamenten, vor allem Insulin oder Sulfonylharnstoffen.
  • Bei Kindern: Bei 15 kg Körpergewicht ist die Grenze laut BfR schon mit etwa 0,5 g Cassia erreicht.
  • In Schwangerschaft und Stillzeit: keine Zimtkapseln und keine großen täglichen Mengen Cassia.
  • Bei einer Allergie gegen Zimt oder Perubalsam.
  • Gelbe Haut oder Augen, dunkler Urin oder Oberbauchschmerz: bitte sofort ärztlich abklären lassen.
Der Perspektivwechsel

Cumarin ist kein Grund, Zimt zu fürchten. Es ist ein Grund, Cassia nicht wie ein Medikament zu dosieren.

Die Prise bleibt Genuss. Der tägliche gehäufte Löffel wird zur Mengenfrage.

Und jetzt weißt du, warum ich beim Zimt zuerst nach Sorte und Menge frage und erst danach nach dem Blutzucker.

Zimtkapseln und Diabetesmedikamente: Wo Vorsicht sinnvoll ist

Die Kapsel sieht aus wie die ernsthafte Version des Löffels. Abgemessen, ordentlich, fast wie ein Medikament. Genau das macht sie so verführerisch.

Kurze Antwort: Zimtkapseln gegen hohen Blutzucker werden in der Regel als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Kapseln mit Cassia-Pulver können den Cumarin-TDI je nach Dosis deutlich ausschöpfen oder überschreiten. Wer Blutzuckermedikamente nimmt, sollte Zimtpräparate vorher ärztlich besprechen.

Was in den Kapseln steckte Behördliche Bewertung, BfR 2006

Das BfR bewertete 2006 Zimtkapseln für Menschen mit Diabetes, die ein Landeslabor in Stuttgart untersucht hatte. Kapseln mit Zimtpulver schöpften bei empfohlener Tagesdosis und 70 kg Körpergewicht 31 bis 64 Prozent des TDI aus, noch ohne andere Cumarinquellen. Kapseln mit wässrigem Extrakt lagen nur bei 3 bis 7 Prozent, weil Cumarin schlecht wasserlöslich ist.

Manche Hersteller empfahlen rund 3 g täglich, einzelne Vertreiber sogar 2 bis 4 g. Für dich heißt das: Kapsel ist nicht gleich Kapsel, auf der Packung zählen Zimtsorte, Extraktart und Tagesmenge.

Bundesinstitut für Risikobewertung. Gesundheitliche Bewertung Nr. 044/2006 vom 18. August 2006. bfr.bund.de (PDF)

Bei 6 g Cassia täglich, der höchsten Dosis der Studie aus Pakistan, kämen bei durchschnittlichem Gehalt 18 mg Cumarin zusammen. Das entspricht laut BfR 0,3 mg pro Kilogramm bei 60 kg, also dem Dreifachen des TDI. Das BfR hielt Zimtpräparate zur Blutzuckersenkung grundsätzlich für Arzneimittel. Sie bräuchten einen Wirksamkeitsnachweis, eine Erfassung von Nebenwirkungen wie Unterzuckerungen und eine Prüfung von Wechselwirkungen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und die Deutsche Diabetes Gesellschaft teilten diese Position.

Zimt plus Medikament: warum du nicht einfach addieren solltest

In zehn von elf Studien der Übersicht von Costello nahmen die Teilnehmenden ihre Diabetesmedikamente weiter. Eine Prüfung auf Unterzuckerungen und Wechselwirkungen, wie sie für Arzneimittel üblich ist, hatte laut BfR im Jahr 2006 nicht stattgefunden. Ein Team um Necyk von der University of Alberta in Kanada weist darauf hin, dass Naturprodukte mit blutzuckersenkenden Eigenschaften zusammen mit Medikamenten Unterzuckerungen begünstigen könnten.

Das betrifft vor allem Medikamente, die selbst Unterzuckerungen auslösen können, etwa Insulin oder Sulfonylharnstoffe. Mein Rat: Nimm Zimtpräparate nie als stillen Zusatz. Sag deiner Ärztin oder deinem Arzt Bescheid, miss in den ersten Wochen häufiger und ändere deine Medikamente niemals eigenmächtig.

Und Ceylon-Kapseln? Erste Studien mit Extrakten

Das BfR schrieb 2006, es sei nicht bekannt, ob Ceylon-Zimt den Blutzucker ähnlich beeinflusst wie Cassia. Inzwischen gibt es erste randomisierte Studien aus Sri Lanka, dem Herkunftsland des Ceylon-Zimts, mit standardisierten Extrakten.

Ceylon-Extrakt bei Typ-2-Diabetes RCT, n=210

Ein Team um Ranasinghe von der Universität Colombo gab 210 Menschen mit Typ-2-Diabetes vier Monate lang 250 mg oder 500 mg eines Ceylon-Zimtextrakts oder Placebo. In beiden Zimtgruppen sanken Nüchternzucker und HbA1c gegenüber dem Ausgangswert. In der statistischen Auswertung war die Extraktbehandlung ein signifikanter Faktor für diese Änderungen.

Die genaue Größe des Unterschieds zu Placebo nennt die Kurzfassung nicht. Für dich heißt das: Für Ceylon-Extrakt gibt es erste ermutigende Daten, die weitere Studien bestätigen müssten.

Ranasinghe P, Galappatthy P, Constantine GR, et al. Diabetes Metab Syndr. 2025;19(12):103357. DOI: 10.1016/j.dsx.2025.103357

Eine zweite Studie aus Sri Lanka mit 150 Erwachsenen und 1000 mg Extrakt täglich verfehlte ihr Hauptziel, eine Senkung des LDL-Cholesterins. Der Nüchternzucker sank dagegen um 8,59 mg/dL stärker als unter Placebo, vor allem bei Menschen mit Diabetes. Finanziert wurde sie vom Hersteller des Extrakts, der Cumaringehalt lag bei 0,01 Prozent. Wichtig: Beide Studien nutzten standardisierte Extrakte, kein Küchenpulver. Die Ergebnisse lassen sich nicht einfach auf deinen Löffel übertragen.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur beschreibt Ceylon-Zimtrinde als traditionelles pflanzliches Arzneimittel, gestützt auf langjährige Anwendung. Die Anwendungsgebiete sind leichte, krampfartige Magen-Darm-Beschwerden mit Blähungen sowie leichter Durchfall. Den Blutzucker nennt die Monographie nicht.

Der Perspektivwechsel

Eine Kapsel ist kein kleiner Löffel, sondern eine Dosis.

Und eine Dosis verdient die gleiche Sorgfalt wie jedes andere Mittel, das du regelmäßig nimmst.

Und jetzt weißt du, warum eine Zimtkapsel in deinen Medikamentenplan gehört und nicht nur in die Küche.

Warum Zimtkapseln kein Ersatz für Bewegung und Mahlzeitenstruktur sind

Ehrlich gesagt: Der Löffel ist bequem. Er verlangt nichts von dir außer einem Handgriff am Morgen. Bewegung und neue Essgewohnheiten fühlen sich dagegen nach Arbeit an.

Kurze Antwort: Für Bewegung und Mahlzeitenstruktur gibt es deutlich robustere Daten als für Zimt. Ein Lebensstilprogramm senkte im Diabetes Prevention Program die Zahl neuer Diabetesfälle um 58 Prozent. Kurze Spaziergänge nach dem Essen und die Reihenfolge auf dem Teller können den Zuckeranstieg nach dem Essen deutlich abflachen.

Der große Lebensstil-Versuch RCT, n=3234

Das Diabetes Prevention Program, dessen Ergebnisse ein Team um Knowler 2002 veröffentlichte, begleitete 3234 Menschen mit erhöhten Zuckerwerten im Mittel 2,8 Jahre. Ziel des Lebensstilprogramms waren mindestens 7 Prozent Gewichtsverlust und mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche. Neue Diabetesfälle traten damit um 58 Prozent seltener auf als unter Placebo, unter Metformin um 31 Prozent seltener.

Der Lebensstil schnitt in dieser Studie besser ab als das Medikament. Für dich heißt das: Dein Alltag ist kein Nebenschauplatz, sondern einer der stärksten Hebel, die die Forschung kennt.

Knowler WC, Barrett-Connor E, Fowler SE, et al. N Engl J Med. 2002;346(6):393-403. DOI: 10.1056/NEJMoa012512
Zehn Minuten nach dem Essen RCT, Crossover, n=41

Ein Team um Reynolds von der University of Otago in Neuseeland verglich bei 41 Menschen mit Typ-2-Diabetes zwei Bewegungsratschläge. Einmal gingen sie täglich 30 Minuten am Stück, einmal jeweils 10 Minuten nach jeder Hauptmahlzeit. Mit den Spaziergängen nach dem Essen lag die Zuckerfläche nach Mahlzeiten um 12 Prozent niedriger, nach dem Abendessen um 22 Prozent.

Beide Varianten entsprachen den gängigen Bewegungsempfehlungen. Für dich heißt das: Auch der Zeitpunkt deiner Bewegung kann einen Unterschied machen.

Reynolds AN, Mann JI, Williams S, Venn BJ. Diabetologia. 2016;59(12):2572-2578. DOI: 10.1007/s00125-016-4085-2
Die Reihenfolge auf dem Teller Crossover-Studie, n=16

Ein Team um Shukla vom Weill Cornell Medical College in New York ließ 16 Menschen mit Typ-2-Diabetes an drei Tagen dieselbe Mahlzeit essen, nur in anderer Reihenfolge. Kamen Eiweiß und Gemüse zuerst und die Kohlenhydrate zehn Minuten später, war die Zuckerfläche um 53 Prozent kleiner als bei Kohlenhydraten zuerst. Auch der Insulinanstieg fiel geringer aus.

Es war eine kleine Kurzzeitstudie, über Langzeitfolgen sagt sie nichts. Für dich heißt das: Die Reihenfolge auf deinem Teller ist ein kostenloser Hebel, den du heute ausprobieren kannst.

Shukla AP, Andono J, Touhamy SH, et al. BMJ Open Diabetes Res Care. 2017;5(1):e000440. DOI: 10.1136/bmjdrc-2017-000440

Diese Zahlen messen andere Dinge als die Zimtstudien, deshalb verrechne ich sie nicht direkt miteinander. Sie zeigen aber, wo die Forschung die größeren Hebel sieht: in Bewegung, Muskelarbeit und Essensstruktur.

Es geht nicht um einen Löffel Gewürz. Es geht um die Freiheit, deinem Stoffwechsel jeden Tag selbst ein Signal zu geben, mit deinen Beinen, deinen Muskeln und deinem Teller.

Wie Bewegung den Blutzucker nach dem Essen beeinflussen kann, beschreibe ich ausführlich in Bewegung und Blutzucker nach dem Essen. Warum deine Muskeln ein großer Zuckerspeicher sind, liest du in Krafttraining bei Diabetes und Insulinresistenz. Und woran du eine Insulinresistenz erkennen kannst, in Insulinresistenz erkennen.

Der Perspektivwechsel

Zimt kann ein Teil deines Frühstücks sein.

Er ist aber kein Ersatz für Bewegung, Muskelarbeit und eine kluge Reihenfolge auf dem Teller.

Und jetzt weißt du, warum ich lieber über deinen Spaziergang nach dem Abendessen spreche als über deinen Zimtlöffel.

Was kannst du jetzt konkret tun?

Du musst deinen Zimt nicht wegwerfen. Du kannst ihn bewusster einsetzen.

Vielleicht steckt hinter deinem Morgenlöffel das Bedürfnis, deinen Blutzucker selbst in der Hand zu haben. Ein erster Schritt könnte sein, deine Werte zu kennen, statt Löffel zu zählen.

Drei Hebel für deinen Blutzucker und deine Leber

  • Kenne deine Zahlen. Lass Nüchternzucker und HbA1c bestimmen, bei Bedarf auch einen Zuckerbelastungstest. Nimmst du Blutzuckermedikamente, sprich vor jedem Zimtpräparat mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
  • Wenn Zimt, dann mit Sorte und Waage. Für den täglichen Löffel eignet sich Ceylon-Zimt besser, Cassia eher als gelegentliche Prise. Wiege deinen Löffel einmal ab und vergleiche mit deiner Gramm-Grenze. Bei Kapseln achte auf Zimtsorte, Extraktart und Cumaringehalt.
  • Setze die großen Hebel zuerst. Geh nach den Hauptmahlzeiten zehn Minuten spazieren. Iss Gemüse und Eiweiß vor den Kohlenhydraten. Baue regelmäßig Muskelarbeit in deine Woche ein.

Was Fasten mit Insulinresistenz zu tun haben kann, liest du in Fasten, Blutzucker und Insulinresistenz. Und wie Mariendistel und Leberwerte zusammenhängen, beschreibe ich in Mariendistel bei Fettleber.

Häufige Fragen zu Zimt und Blutzucker

Kann Zimt den Blutzucker senken?

Möglicherweise ein wenig. In mehreren Meta-Analysen lag der Nüchternblutzucker unter Zimt im Mittel um etwa 11 bis 25 mg/dL niedriger, je nach Auswertung. Die Studien waren aber meist klein, kurz und sehr unterschiedlich in Zimtsorte, Dosis und Dauer. Die Cochrane-Übersicht von 2012 fand beim Nüchternzucker keinen eindeutigen Effekt. Zimt ist deshalb keine belegte Diabetesbehandlung und kein Ersatz für Bewegung, Ernährung oder Medikamente.

Senkt Zimt auch den Langzeitwert HbA1c?

Das ist uneinheitlich. Die Cochrane-Übersicht von 2012 und eine Meta-Analyse von 2013 fanden beim HbA1c keinen signifikanten Effekt. Eine Umbrella-Analyse aus elf Meta-Analysen kam 2023 auf minus 0,10 Prozentpunkte, eine Auswertung von 28 Studien 2025 auf minus 0,56 Prozentpunkte, allerdings bei sehr großen Unterschieden zwischen den Studien. Für eine sichere Aussage fehlen große, lange und gut kontrollierte Studien.

Was ist der Unterschied zwischen Ceylon-Zimt und Cassia-Zimt?

Ceylon-Zimt stammt aus der Rinde von Cinnamomum verum und enthält laut BfR nur geringe Mengen Cumarin, die gesundheitlich unbedenklich sind. Unter Cassia-Zimt werden mehrere verwandte Arten zusammengefasst, etwa China-Zimt und Padang-Zimt. Cassia enthält im Durchschnitt etwa 3.000 mg Cumarin pro Kilogramm, einzelne Proben bis 10.000 mg. Geschmacklich ist Cassia schärfer und herber, Ceylon feiner und blumiger. Im Handel wird überwiegend Cassia angeboten.

Wie viel Cassia-Zimt pro Tag ist laut BfR tolerierbar?

Das BfR hält 0,1 mg Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht und Tag lebenslang für tolerierbar, auch für besonders empfindliche Menschen. Bei 60 kg sind das 6 mg Cumarin, die mit etwa 2 g Cassia-Zimt mit durchschnittlichem Gehalt erreicht sind. Bei einem Kleinkind mit 15 kg liegt die Grenze bei etwa 0,5 g. Bei einer Packung mit 10.000 mg Cumarin pro Kilogramm sinkt die Menge für 60 kg auf 0,6 g. Eine leichte Überschreitung für ein bis zwei Wochen gilt laut BfR als unbedenklich.

Wie viele Teelöffel Zimt sind das?

Das BfR rechnet in Gramm, ein Löffelgewicht nennt es nicht. Wie viel ein Teelöffel wiegt, hängt davon ab, ob er gestrichen oder gehäuft ist und wie fein der Zimt gemahlen ist. Wiege deshalb zehn deiner üblichen Löffel zusammen ab und teile das Ergebnis durch zehn. Teile dann deine Gramm-Grenze durch dieses Löffelgewicht. Wiegt dein gehäufter Löffel 2 g oder mehr, liegst du bei 60 kg Körpergewicht schon mit einem Löffel Cassia an oder über der BfR-Grenze.

Ist Ceylon-Zimt beim Blutzucker genauso wirksam wie Cassia?

Das ist offen. Die meisten älteren Zimtstudien verwendeten Cassia-Zimt, und das BfR schrieb 2006, es sei nicht bekannt, ob Ceylon den Blutzucker ähnlich beeinflusst. Inzwischen gibt es erste randomisierte Studien aus Sri Lanka mit standardisierten Ceylon-Extrakten, in denen der Nüchternzucker und teils der HbA1c sanken. Eine davon wurde vom Hersteller des Extrakts finanziert. Die Ergebnisse gelten für Extrakte und lassen sich nicht einfach auf Zimtpulver aus der Küche übertragen.

Sind Zimtkapseln für den Blutzucker sinnvoll?

Als Ersatz für Bewegung, Ernährung oder Medikamente nicht. Zimtkapseln gegen hohen Blutzucker werden in der Regel als Nahrungsergänzungsmittel verkauft und müssen keinen Wirksamkeitsnachweis wie ein zugelassenes Arzneimittel erbringen. Kapseln mit Cassia-Pulver schöpften in einer BfR-Bewertung von 2006 bei empfohlener Tagesdosis und 70 kg Körpergewicht 31 bis 64 Prozent des Cumarin-TDI aus, Kapseln mit wässrigem Extrakt nur 3 bis 7 Prozent. Wer Kapseln nehmen möchte, sollte auf Zimtsorte, Extraktart und Cumaringehalt achten und sie vorher ärztlich besprechen.

Darf ich Zimt zusammen mit Metformin oder Insulin nehmen?

Als Gewürz in üblichen Mengen gilt das in der Regel als unproblematisch. Bei Zimtkapseln oder großen täglichen Mengen solltest du vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt sprechen. Zimt wurde kaum gezielt auf Unterzuckerungen und Wechselwirkungen geprüft, und Naturprodukte mit blutzuckersenkenden Eigenschaften könnten die Effekte von Medikamenten verstärken. Besonders bei Insulin oder Sulfonylharnstoffen ist dann häufigeres Messen sinnvoll. Ändere deine Medikamente nie eigenmächtig.

Kann Zimt der Leber schaden?

Cassia-Zimt kann das in größeren Mengen, vor allem bei empfindlichen Menschen, wegen seines Cumarins. Aus der Anwendung von Cumarin als Medikament ist bekannt, dass ein kleiner Teil der Behandelten mit erhöhten Leberwerten bis hin zur Leberentzündung reagiert, meist umkehrbar. Wer empfindlich ist, lässt sich vorab nicht testen. Berichte über Leberschäden durch Zimt als Lebensmittel sind selten, es gibt aber Einzelfallberichte, etwa unter Zimtkapseln zusammen mit einem Statin. Bei gelber Haut, gelben Augen, dunklem Urin oder Oberbauchschmerz bitte sofort ärztlich abklären lassen.

Wie erkenne ich Ceylon-Zimt im Supermarkt?

Beim Pulver kaum am Aussehen, hier bleibt nur die Angabe „Ceylon-Zimt“ auf der Packung. Bei Stangen gibt es einen Anhaltspunkt: Ceylon-Zimt besteht aus vielen dünnen Rindenlagen und sieht im Querschnitt aus wie eine angeschnittene Zigarre. Cassia-Stangen bestehen aus einer relativ dicken, eingerollten Rindenschicht. Eine Pflicht, die Zimtart anzugeben, gab es laut BfR im Jahr 2012 nicht. Ein Etikett ist ein guter Anfang, aber kein Beweis.

Dürfen Kinder Zimt essen?

Ja, als Gewürz in kleinen Mengen. Wegen des geringen Körpergewichts ist die Cumarin-Grenze bei Kindern aber schnell erreicht, bei 15 kg laut BfR mit etwa 0,5 g Cassia-Zimt pro Tag. Isst ein Kleinkind zweimal pro Woche Milchreis mit jeweils 0,5 g Cassia, schöpft das den TDI laut BfR nur zu 29 Prozent aus. Wer für Kinder häufig größere Mengen Zimt verwendet, greift besser zu Ceylon-Zimt. Zimtkapseln gehören nicht in Kinderhände.

Darf ich in der Schwangerschaft Zimt essen?

Als Gewürz in üblichen Mengen ist Zimt ein Lebensmittel. Als Arzneimittel empfiehlt die Europäische Arzneimittel-Agentur Zimtrinde in Schwangerschaft und Stillzeit nicht, weil Sicherheitsdaten fehlen. Das BfR sah 2006 bei Zimtkapseln zudem ein mögliches Risiko durch Zimtaldehyd, gestützt auf Tierversuche. Zimtkapseln und große tägliche Mengen Cassia solltest du in der Schwangerschaft deshalb meiden und Fragen mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt besprechen.

Was kann ich statt Zimtkapseln für meinen Blutzucker tun?

Die stärkeren Daten gibt es für Bewegung und Essensstruktur. Im Diabetes Prevention Program senkte ein Lebensstilprogramm mit Bewegung und moderater Gewichtsabnahme die Zahl neuer Diabetesfälle um 58 Prozent. Zehn Minuten Gehen nach jeder Hauptmahlzeit senkten in einer Studie den Zuckeranstieg nach dem Essen stärker als ein einmaliger täglicher Spaziergang. Wer Eiweiß und Gemüse vor den Kohlenhydraten isst, kann den Zuckeranstieg nach dem Essen deutlich abflachen. Lass deine Werte dabei ärztlich einordnen.

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SJ

Shukri Jarmoukli

Arzt, Integrative Medizin · ViveCura Berlin

In meiner Privatpraxis in Berlin-Kreuzberg begleite ich Menschen mit chronischen Beschwerden, arbeite zu Longevity und Prävention und biete Psychotherapie mit Ketamin-assistierten Infusionen, Somatic Experiencing und biodynamischen Ansätzen an. Mein Zugang verbindet klassische Medizin mit klinischer Psychoneuroimmunologie, funktioneller Diagnostik und Lebensstilmedizin. Als Erweiterung, nicht als Gegensatz.

Beim Blutzucker interessiert mich, an welcher Stelle der Stoffwechsel aus dem Takt gerät und welche Hebel im Alltag am meisten verändern können. Zimt nehme ich ernst, als Gewürz mit einem kleinen messbaren Signal. Die Abklärung deiner Werte, Bewegung, Muskelarbeit und Mahlzeitenstruktur ersetzt er für mich nicht.

Privatpraxis Shukri Jarmoukli · Skalitzer Straße 137, 10999 Berlin · vivecura.com

Quellen

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Zur Einordnung der Evidenz: Die Studien zu Zimt und Blutzucker sind überwiegend klein und kurz. Sie verwenden unterschiedliche Zimtsorten, Dosen und Zubereitungen und unterscheiden sich in ihren Ergebnissen stark. Für Ceylon-Zimt liegen erst wenige randomisierte Studien mit standardisierten Extrakten vor, eine davon vom Hersteller finanziert. Angaben zu Mechanismen stützen sich teilweise auf Labor- und Zellversuche. Das ist biologisch plausibel, aber noch nicht mit der gleichen Sicherheit belegt wie durch große randomisierte Studien. Die Cumarin-Bewertung beruht auf Stellungnahmen des BfR aus den Jahren 2006 und 2012, neuere Messdaten können abweichen. Die Umrechnung in Gramm und auf den Löffel ist eine eigene Rechnung auf Basis dieser Angaben und ersetzt keine persönliche Beratung. Bitte setze Blutzuckermedikamente nie eigenmächtig ab oder um. Dieser Artikel ersetzt kein ärztliches Gespräch.

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