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Ketamin-Cystitis: Was die Blase wirklich passiert und was helfen kann

Blut im Urin nach Wochenenden mit Ketamin ist kein Befund zum Abwarten. Die Ketamin-Cystitis ist die am besten dokumentierte körperliche Spätfolge des regelmäßigen Konsums. Sie ist aber nicht die einzige mögliche Ursache, deshalb gehört so ein Urin abgeklärt und nicht selbst eingeordnet. Hier findest du Warnzeichen, Mechanismus, Diagnostik und die Wege, die die Urologie geht.

Shukri Jarmoukli · Arzt · Tätigkeitsschwerpunkt Integrative Medizin · ViveCura Berlin

Bis 2007 kannten die meisten Urologen dieses Krankheitsbild nicht. Dann beschrieb eine Gruppe um Shahani in Toronto neun junge Menschen mit täglichem Ketamin-Konsum, schwerer Dysurie und blutigem Urin. Ein Jahr später berichtete eine Gruppe aus Hongkong über 59 weitere Fälle. Damit war klar, dass ein Wirkstoff aus der Anästhesie und aus der Partyszene eine eigene, sehr spezifische Spur in der Harnblase hinterlassen kann. Heute ist die Cystitis die am besten dokumentierte körperliche Spätfolge des regelmäßigen Ketamin-Konsums.

Negative Urinkulturen, mehrere Antibiotika, und dann die Frage nach dem Konsum

In den publizierten Fallserien wiederholt sich eine Konstellation: Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, teils sichtbares Blut im Urin. Die Urinkulturen bleiben steril. Und weil keine Bakterien beteiligt sind, können Antibiotika hier nichts ausrichten. In der Erstbeschreibung aus Toronto waren die Urinkulturen bei allen neun Betroffenen ohne Bakteriennachweis.

Den entscheidenden Hinweis bringt in diesen Berichten die Frage nach Substanzkonsum. Bei chronischem Ketamin-Konsum über Monate oder Jahre zeigt die urologische Zystoskopie entzündliche Veränderungen der Blasenschleimhaut. Beschrieben ist das als Ketamin-induzierte ulzerative Cystitis.

Was in der Literatur als Vorgehen beschrieben wird: der Stopp des Konsums, örtliche urologische Behandlung, Schmerzbehandlung. Wie weit sich Beschwerden zurückbilden, hängt vom Stadium ab und lässt sich im Einzelfall nicht vorhersagen.

Was Ketamin-Cystitis ist

Reframe

Ketamin-Cystitis ist nicht eine klassische Blasenentzündung. Sie ist eine substanzinduzierte entzündlich-fibrosierende Veränderung der Blasenwand. Antibiotika können hier nicht greifen, weil keine Bakterien beteiligt sind. Wer mit diesen Beschwerden in die Hausarztpraxis kommt, wird zunächst meist auf eine bakterielle Blasenentzündung hin behandelt. Das ist der richtige erste Gedanke, denn diese Form ist ungleich häufiger. Erst wenn die Urinkultur negativ bleibt und die Antibiotika nichts ändern, lohnt sich die Frage nach Ketamin. Diese Frage stellt niemand, der sie nicht kennt.

Die Schädigung betrifft mehrere Schichten der Blasenwand: das Urothel (innere Schicht), die submuköse Lage und in fortgeschrittenen Fällen auch die Muskelschicht. Die Folge: reduzierte Blasenkapazität, schmerzhafter Harndrang, Blut im Urin, in schweren Fällen Veränderungen, die einer interstitiellen Cystitis ähneln können.

Was die veröffentlichten Fallserien zeigen

Studien-Befund Fallserie, n=9

Die Erstbeschreibung durch Shahani 2007 dokumentierte neun Betroffene, die alle täglich Ketamin konsumierten. Die Symptomatik umfasste starke Dysurie, Drangsymptomatik und sichtbares Blut im Urin. Die Urinkulturen waren in allen Fällen steril, die Blasenspiegelung zeigte bei allen eine schwere ulzerative Cystitis. Nach dem Stopp des Konsums, ergänzt um Pentosanpolysulfat, beschreiben die Autoren eine gewisse Linderung der Beschwerden. Eine Aussage darüber, wie vollständig sich das zurückbildet, lässt eine Fallserie dieser Größe nicht zu.

Shahani R, Streutker C, Dickson B, Stewart RJ. Ketamine-associated ulcerative cystitis: a new clinical entity. Urology. 2007;69(5):810-2. doi:10.1016/j.urology.2007.01.038
Studien-Befund Kohorte Hongkong

In einer Hongkong-Kohorte junger Ketamin-Konsumenten war ein Konsum von mehr als dreimal pro Woche mit statistisch signifikant kleineren Urinmengen pro Blasenentleerung verbunden. Wer länger als 24 Monate konsumierte, hatte höhere Werte im Fragebogen zu Beckenschmerz, Harndrang und Häufigkeit als Kurzzeit-Konsumenten, im Mittel 7,82 gegenüber 6,00 Punkten. Bei den Teilnehmenden mit etwa einem Jahr Abstinenz lagen diese Werte niedriger und die Urinmengen höher als bei aktiven Konsumenten. Die Ausprägung kann also mit Konsumhäufigkeit und Konsumdauer zusammenhängen. Weil hier Gruppen verglichen wurden und nicht dieselben Menschen über die Zeit begleitet, lässt sich daraus kein fester Erholungsverlauf ableiten.

Mak SK, Chan MTY, Bower WF, et al. Lower urinary tract changes in young adults using ketamine. J Urol. 2011;186(2):610-614. doi:10.1016/j.juro.2011.03.108

Der Mechanismus: warum die Blase, nicht andere Organe

Warum gerade die Blase? Mehrere Mechanismen werden in der Forschung diskutiert. Die systematische Übersicht von Castellani und Kolleginnen und Kollegen, die 75 Arbeiten ausgewertet hat, fasst sie so zusammen, durchgehend im Modus der Möglichkeit, denn abschließend geklärt ist keiner davon:

  • Direkte Toxizität von Ketamin und Norketamin auf das Urothel: Die Substanz und ihre Metaboliten konzentrieren sich im Urin und sind dort in höherer Konzentration als im Blut
  • NMDA-Rezeptoren im Urothel: Es gibt Hinweise auf NMDA-Rezeptor-Expression auch in der Blasenschleimhaut, was lokale Effekte erklären könnte
  • Inflammatorische Kaskade: Aktivierung von Mastzellen, Hochregulation pro-inflammatorischer Zytokine, Permeabilitätsstörung der GAG-Schicht (Glykosaminoglykan)
  • Mikrovaskuläre Schädigung: Veränderungen der Mikrozirkulation in der Blasenwand mit chronischer Hypoxie
  • Fibrose: Bei fortgeschrittenen Fällen Umbau zu Bindegewebe mit Verlust der Elastizität
Studien-Befund Tier- und Zellstudie

In einer Studie an Ratten und an menschlichen Urothelzellen schädigte Ketamin die Blasenschleimhaut. Beobachtet wurden vermehrter Zelltod im Urothel, Stress im endoplasmatischen Retikulum und die Aktivierung entzündlicher Signalwege über das NLRP3-Inflammasom. Das sind Hinweise auf einen möglichen Mechanismus. Ob sich das eins zu eins auf den Menschen übertragen lässt, ist damit noch nicht belegt.

Cui L, Jiang X, Zhang C, et al. Ketamine induces endoplasmic reticulum stress in rats and SV-HUC-1 human uroepithelial cells by activating NLRP3/TXNIP axis. Biosci Rep. 2019;39(10):BSR20190595. doi:10.1042/BSR20190595

Die Stadien der Cystitis

Stadium 1
Frühphase

Subklinische Beschwerden

Leichtes Brennen, gelegentlich häufiger Harndrang. Patient denkt an „eine Blasenentzündung", die wieder vergeht. Urinkultur negativ, Symptome flüchtig. Hier kann früher Stopp den größten Effekt haben.

Stadium 2
Etablierte Phase

Anhaltende Drangsymptomatik

Wiederkehrende Beschwerden, häufiger Harndrang auch nachts, Schmerz beim Wasserlassen, gelegentlich Blut im Urin. Antibiotika ohne Effekt. Zystoskopie zeigt erste Schleimhautveränderungen.

Stadium 3
Fortgeschritten

Reduzierte Blasenkapazität

Blasenvolumen kann auf unter 100 ml reduziert sein. Permanenter Harndrang, starke Schmerzen, deutliche Hämaturie. Lebensqualität dramatisch beeinträchtigt. Reversibilität fraglich.

Stadium 4
Endstadium

Schrumpfblase, Nierenstau

In fortgeschrittenen Verläufen kann die Blase narbig schrumpfen. Die oberen Harnwege können mitbetroffen sein: In der Hongkonger Fallserie von 59 Konsumenten zeigte etwa jeder Zweite einen Harnstau der Niere, bei acht Betroffenen war der Nierenwert erhöht, und die Autoren beschreiben eine Dialysepflicht als möglichen Ausgang schwerer Verläufe. Deshalb gehört bei anhaltenden Beschwerden immer auch die Niere untersucht, nicht nur die Blase. Chirurgische Optionen können erforderlich werden.

Die Warnzeichen, die du kennen solltest

Wichtige Warnzeichen

Bei Ketamin-Anwendung in jeglicher Form (Therapie oder Konsum) und einem der folgenden Symptome: urologische Abklärung, ohne lange zu warten.

  • Brennen oder Schmerz beim Wasserlassen
  • Häufiger Harndrang, auch nachts
  • Sichtbar veränderter Urin (rosa, rot, braun)
  • Druck oder Schmerz in der Blasen-/Unterbauchregion
  • Schlafstörungen durch nächtlichen Drang
  • Urinkultur negativ trotz Antibiotika-Versuch

Sofort, nicht beim nächsten freien Termin: wenn du gar kein Wasser mehr lassen kannst, wenn Blutklumpen im Urin abgehen, bei Fieber zusammen mit Flankenschmerz oder bei schnell zunehmenden Schmerzen. Das kann ein Harnverhalt oder eine aufsteigende Infektion sein. Dann gehört das in die Notaufnahme oder zum ärztlichen Bereitschaftsdienst, im Notfall über 112.

Und ein wichtiger Vorbehalt: Blut im Urin ist nie ein Befund zum Abwarten, auch nicht wenn Ketamin im Spiel ist. Es gibt andere Ursachen, die dringend ausgeschlossen gehören, dazu zählen Tumore der Harnwege. Gerade eine schmerzlose sichtbare Blutung ist ein Grund für eine zügige Abklärung. Erst abklären lassen, dann einordnen.

Die Diagnostik

Was ein erfahrener Urologe bei Verdacht auf Ketamin-Cystitis macht:

  • Anamnese: ehrliche Schilderung des Konsums ist diagnostisch entscheidend, ärztliche Schweigepflicht greift
  • Urinstatus mit Sediment: Mikrohämaturie, Leukozyten, in der Regel keine Bakterien
  • Sonographie der ableitenden Harnwege: Blasenwand-Verdickung, reduzierte Blasenkapazität, in fortgeschrittenen Fällen Nierenstau
  • Zystoskopie: Goldstandard, zeigt entzündliche Veränderungen, in fortgeschrittenen Stadien fibrotische Umbauten
  • Biopsie: bei unklarem Bild und zum Ausschluss anderer Ursachen, insbesondere bösartiger Veränderungen der Blasenschleimhaut
  • Urodynamik: zur Quantifizierung der Blasenkapazität und Funktion

Was in der Behandlung eingesetzt wird

Die folgenden Schritte beschreiben, was in der Urologie und in spezialisierten Zentren bei Ketamin-Cystitis eingesetzt wird. Das ist eine Einordnung, keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Wichtig zu wissen: Keines der genannten Medikamente ist eigens für die Ketamin-Cystitis zugelassen, der Einsatz erfolgt in der Regel im Off-Label-Bereich. Welcher Weg für dich passt, entscheidet die behandelnde Praxis nach Untersuchung.

Schritt 1: den Konsum stoppen, aber nicht allein

Der Stopp ist der wichtigste Schritt. Solange Ketamin und seine Abbauprodukte weiter im Urin ankommen, kann eine Behandlung den auslösenden Reiz nicht wegnehmen. In der systematischen Übersicht von Castellani steht die Abstinenz deshalb an erster Stelle. In frühen Stadien kann sie allein schon zu einer deutlichen Besserung führen.

Mach diesen Schritt aber nicht allein. Wer länger und hoch dosiert konsumiert hat, kann beim Absetzen mit Unruhe, Schlafstörungen, Craving und deutlichen Stimmungseinbrüchen zu tun bekommen. Hol dir ärztliche Begleitung oder eine Suchtberatung dazu. Das ist kein Zeichen von Schwäche, es ist der Unterschied zwischen einem Versuch und einem Plan.

Wenn es dir beim Absetzen schlecht geht

Das Absetzen kann die Stimmung stark nach unten ziehen. Wenn du in eine akute Krise gerätst oder Gedanken hast, dir das Leben zu nehmen: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, rund um die Uhr, kostenfrei und anonym. Im Notfall 112. Damit wartet man nicht auf einen Termin.

Schritt 2: Beschwerden lindern

Hier stehen mehrere Möglichkeiten nebeneinander. Alle gehören in ärztliche Hand, und bei jeder gibt es etwas abzuwägen, das bei diesem Krankheitsbild besonders zählt. In Schwangerschaft und Stillzeit gilt für jedes dieser Medikamente eine eigene Abwägung, ebenso für Ketamin selbst. Sprich das an, bevor irgendetwas begonnen wird.

  • Entzündungshemmende Schmerzmittel vom NSAR-Typ wie Ibuprofen oder Diclofenac werden gegen die Schmerzen eingesetzt. Sie können jedoch die Niere belasten. Gerade bei der Ketamin-Cystitis ist die Niere häufig mitbetroffen, in der Hongkonger Fallserie zeigte etwa jeder Zweite einen Harnstau. Nimm sie deshalb nicht auf eigene Faust und nicht über längere Zeit, und lass vorher die Nierenwerte prüfen.
  • Opioide wie Tramadol sind verschreibungspflichtig und kommen nur bei starken Schmerzen infrage. Sie haben ein eigenes Abhängigkeitspotenzial, was bei bestehendem Substanzkonsum besonders sorgfältig abzuwägen ist. Tramadol kann außerdem die Krampfschwelle senken und mit serotonerg wirkenden Medikamenten wechselwirken, etwa mit manchen Antidepressiva.
  • Medikamente gegen den ständigen Harndrang: entweder ein Anticholinergikum wie Solifenacin oder ein Beta-3-Agonist wie Mirabegron. Beide sind verschreibungspflichtig und wirken über unterschiedliche Prinzipien. Anticholinergika können Mundtrockenheit, Verstopfung, Restharn bis hin zum Harnverhalt und kognitive Effekte auslösen und sind bei einem Engwinkelglaukom nicht geeignet. Mirabegron kann den Blutdruck erhöhen und braucht deshalb Blutdruckkontrollen. Welches Prinzip besser passt, hängt von Verträglichkeit und Begleiterkrankungen ab.
  • Pentosanpolysulfat wird eingesetzt, um die Schutzschicht der Blasenwand zu unterstützen. Es ist verschreibungspflichtig. Wichtig dabei: Bei längerer Einnahme sind Veränderungen der Netzhaut beschrieben, augenärztliche Kontrollen gehören deshalb dazu. Als Heparinoid kann es zudem die Blutgerinnung beeinflussen, was bei Blut im Urin besonders bedacht werden muss.

Schritt 3: örtliche Behandlung in der Blase

  • Spülung mit Hyaluronsäure oder Chondroitinsulfat: über einen Katheter direkt in die Blase, um die GAG-Schicht zu unterstützen.
  • Dimethylsulfoxid (DMSO) in die Blase: wird in spezialisierten Zentren eingesetzt. Es kann beim Einbringen brennen und einen typischen Geruch in der Atemluft hinterlassen.
  • Botulinumtoxin in die Blasenmuskulatur: verschreibungspflichtig, gegen starken Harndrang. Danach kann Restharn zurückbleiben. Manche Betroffene müssen sich für eine Zeit selbst katheterisieren. Darüber gehört vorher aufgeklärt, bevor man sich dafür entscheidet.

Stufe 4: chirurgische Optionen

  • Hydrodistension der Blase: in spezialisierten Zentren
  • Augmentationsplastik: bei schwerster Schrumpfblase
  • In Extremfällen Cystektomie: nur bei schwerster Symptomatik, die alle anderen Optionen ausgeschöpft hat

Die vier KPNI-Linsen auf die Cystitis

1. Nervensystem

NMDA-Rezeptor-Expression im Urothel könnte direkte lokale Effekte ermöglichen. Schmerz-Signalisierung über C-Fasern aus der Blase ist bei chronischer Cystitis sensibilisiert.

2. Immunsystem

Mastzellen-Aktivierung, Zytokin-Ausschüttung, chronische Inflammation. Die lokale Immunantwort könnte einer der Treiber des Krankheitsbildes sein. Abschließend geklärt ist das nicht.

3. Stoffwechsel

Ketamin und Norketamin konzentrieren sich im Urin. Pharmakogenetische Unterschiede in CYP3A4/2B6 könnten beeinflussen, wer schneller Cystitis entwickelt.

4. Hormon-/Urogenitalsystem

Die Blase als Zielorgan. Bei Frauen können Hormonschwankungen die Symptomatik modifizieren. Wechselwirkungen mit anderen Blasenerkrankungen (interstitielle Cystitis) sind möglich.

Der Moment wahrer Freiheit

„Ich habe meine Blase gehört, bevor sie geschrien hat."

Wahre Freiheit beginnt mit der Aufmerksamkeit für die ersten Signale. Wer die frühen Warnzeichen ernst nimmt, kann der Cystitis ihre Macht nehmen, bevor sie irreversibel wird. Wer wartet, riskiert eine Schädigung, die ein ganzes Leben verändern kann.

Drei Hebel zur Vorbeugung und Früherkennung

1

Wenn du konsumierst: kenne deine Urinfarbe

Eine wöchentliche Selbstbeobachtung des Urins (Farbe, Geruch, Häufigkeit) ist die einfachste Vorsorge. Bei ersten Veränderungen zügig zum Urologen, nicht warten. Frühe Veränderungen können sich nach dem Stopp deutlich zurückbilden. Ob es vollständig zurückgeht, lässt sich nicht versprechen. Früh hinschauen verbessert die Chance.

2

Wenn du in Therapie bist: jährliche urologische Kontrolle

Auch bei seltener therapeutischer Anwendung ist eine jährliche Urinkontrolle (Status, Sediment) sinnvoll, bei sublingualer oder oraler Erhaltung über mehrere Monate auch eine Sonographie der ableitenden Harnwege.

3

Wenn du betroffen bist: sprich ehrlich mit deinem Urologen

Eine späte Diagnose kann auch daran liegen, dass der Konsum im Gespräch nicht vorkommt. Das ist eine Beobachtung aus der klinischen Praxis, keine Zahl aus einer Studie. Der Urologe unterliegt der Schweigepflicht. Eine offene Anamnese kann monatelange erfolglose Therapieversuche ersparen und die passende Behandlung beschleunigen.

Häufige Fragen zur Ketamin-Cystitis

Was ist Ketamin-Cystitis?

Eine entzündliche Schädigung der Harnblase, die bei chronischem Ketamin-Konsum auftreten kann. Typische Symptome sind Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, Blut im Urin und reduzierte Blasenkapazität. Wurde 2007 erstmals als eigenständiges Krankheitsbild beschrieben. Antibiotika helfen nicht, weil keine Bakterien beteiligt sind.

Wer kann betroffen sein?

Betroffen sind vor allem Menschen, die regelmäßig und über längere Zeit konsumieren. In einer Untersuchung aus Hongkong war bereits ein Konsum an mehr als drei Tagen pro Woche mit messbaren Veränderungen der Blasenfunktion verbunden. Eine sichere Untergrenze ist nicht bekannt. Wie hoch das Risiko im therapeutischen Setting ist, ist bisher nicht sauber untersucht. Zur Verteilung zwischen Frauen und Männern gibt es keine belastbaren Zahlen. Wer Beschwerden hat, sollte sie unabhängig von der Menge abklären lassen.

Was sind die ersten Warnzeichen?

Brennen oder Druck beim Wasserlassen, häufiger Harndrang auch bei kleinen Urinmengen, Schmerz in der Blasen- oder Unterbauchregion, sichtbar veränderter Urin (rosa-rot durch Blut), Schlafstörungen durch nächtlichen Harndrang. Eine Urinkultur ohne Bakteriennachweis trotz Symptomen ist verdächtig.

Ist die Schädigung reversibel?

Frühe Veränderungen können sich nach dem Stopp deutlich zurückbilden. In einer Untersuchung an jungen Konsumenten lagen die Beschwerdewerte bei Menschen mit etwa einem Jahr Abstinenz niedriger als bei aktiven Konsumenten. Ob es vollständig zurückgeht, lässt sich nicht versprechen. In fortgeschrittenen Stadien können bleibende Veränderungen wie reduzierte Blasenkapazität oder Fibrose der Blasenwand auftreten. Früh hinschauen verbessert die Chance.

Welche Diagnostik wird gemacht?

Urinstatus inklusive Sediment, Sonographie der ableitenden Harnwege, Zystoskopie zur Beurteilung der Blasenschleimhaut, gegebenenfalls Biopsie. Eine ehrliche Schilderung des Konsums gegenüber dem Urologen ist diagnostisch entscheidend. Urodynamik bei Bedarf zur Quantifizierung der Funktion.

Was ist die Therapie?

An erster Stelle steht der Stopp des Konsums, begleitet und nicht allein, weil das Absetzen die Stimmung stark belasten kann. Daneben kommen in der Urologie verschreibungspflichtige Medikamente gegen Schmerz und Harndrang infrage, Spülungen der Blase mit Hyaluronsäure oder Chondroitinsulfat in spezialisierten Zentren und in schweren Fällen operative Verfahren. Keines dieser Mittel ist eigens für die Ketamin-Cystitis zugelassen. Was passt, entscheidet die behandelnde Praxis nach Untersuchung.

Tritt Cystitis auch in der Therapie auf?

Die dokumentierten Fälle stammen fast alle aus dem hochfrequenten Konsum. Wie hoch das Risiko unter ärztlich begleiteter Anwendung mit niedrigeren Dosen und größeren Abständen ist, ist bisher nicht sauber untersucht. Dass niedrigere Dosen und längere Abstände das Risiko senken, ist plausibel, aber nicht belegt. Deshalb gehört eine urologische Verlaufskontrolle in jede längere Ketamin-Behandlung, besonders bei sublingualer oder oraler Erhaltung.

Wie lange dauert die Erholung?

Wie schnell sich etwas bessert, ist individuell. Bei frühem Stopp und milden Symptomen können sich Beschwerden über Wochen bis wenige Monate bessern. Bei fortgeschrittener Schädigung kann es länger dauern, und manche Veränderungen bleiben bestehen. In einer Untersuchung lagen die Beschwerdewerte bei etwa einem Jahr Abstinenz deutlich niedriger als bei aktiven Konsumenten. Ein festes Zeitfenster lässt sich daraus nicht ableiten. Eine längere urologische Begleitung kann nötig sein.

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SJ
Geschrieben von

Shukri Jarmoukli

Arzt in Berlin · ViveCura, Skalitzer Straße 137. Er arbeitet integrativ und beschäftigt sich seit Jahren mit den körperlichen Spuren von Substanzkonsum. Die Cystitis ist die Erinnerung daran, dass jede Substanz im Körper eine Spur hinterlässt. Wer früh hinschaut, kann die Spur verkleinern.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text informiert und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Setze Medikamente nicht ohne ärztliche Rücksprache ab und beginne keine Behandlung auf eigene Faust. Bei Blut im Urin, Fieber mit Flankenschmerz, plötzlicher Unfähigkeit Wasser zu lassen oder schnell zunehmenden Schmerzen: umgehend ärztlich abklären lassen, im Notfall über 112. In einer seelischen Krise: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, rund um die Uhr, kostenfrei und anonym.

Quellen und weiterführende Literatur

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